Folgt uns auf:

fellomed auf YouTube

fellomed auf Instagram

fellomed auf Facebook

 

 

Blasenentzündung beim Hund

Bakterielle Blasenentzündung, Harnwegsinfekt, Zystitis/Cystitis, Harnwegsentzündung

///Blasenentzündung beim Hund

Eine bakterielle Blasenentzündung (Zystitis bzw. Cystitis) ist eine durch Bakterien verursachte Infektion und Entzündung der Blase und Harnröhre des Hundes. Die betroffenen Hunde leiden unter denselben Symptomen wie Menschen mit einer Blasenentzündung: sie haben Schmerzen beim Urinieren und außerdem ständig das Gefühl „mal zu müssen“.

In diesem Artikel erfahren Sie u.a. wie Sie erkennen ob Ihr Hund betroffen ist, wie die Blasenentzündung behandelt werden kann (auch mit Hausmitteln) und wie Sie der Erkrankung vorbeugen können.

Blasenentzündung beim Hund: Zusammenfassung

  • Häufigkeit der Erkrankung: Häufig

  • Schwere der Erkrankung: Meistens eher leicht

  • Vorkommen: Häufig bei mittelalten bis alten Hunden; Hündinnen sind häufiger betroffen als Rüden

  • Ansteckungsgefahr: Nicht ansteckend für Tiere oder Menschen

  • Typische Symptome: Häufiges Absetzen kleiner Mengen Urin (Pollakisurie), Schmerzen und erkennbares Pressen beim Urinieren (Strangurie)

  • Verlauf: Akut (plötzlich)

  • Diagnose: Urinuntersuchung

  • Behandlungsmöglichkeiten: Antibiotika, viel Flüssigkeit, Wärme; evtl. D-Mannitol und Cranberry-Extrakt

  • Prognose: Bei einfachen, unkomplizierten Blasenentzündungen i.d.R. sehr gut

  • Zuständige Spezialisten: Spezialisten für Innere Medizin

Beschreibung

Genau wie beim Menschen ist der Urin von Hunden in der Harnblase normalerweise frei von Keimen. Tritt eine Blasenentzündung auf, haben es Bakterien geschafft, doch in die Blase zu gelangen – und sich dort auch zu vermehren. Sie reizen und schädigen die Blasenwand und führen so zu den typischen Symptomen, die viele Menschen schon am eigenen Leib erfahren mussten: das ständige Gefühl, „mal zu müssen“, häufiges Urinieren und Schmerzen beim Urinabsatz.

In den meisten Fällen kommt es zu einer Blasenentzündung, wenn Fäkalkeime (Keime aus dem Darm, in den meisten Fällen Escherichia coli = E. coli) es schaffen, über die Harnröhre in die Blase zu wandern und dort auch zu bleiben.

Normalerweise verhindern verschiedene Mechanismen, dass dies passieren kann. Zu einer Infektion kommt es deswegen nur, wenn diese Mechanismen geschwächt und/oder die Bakterien sehr aggressiv sind.

Einfache und komplizierte Blasenentzündung

Bei vielen Hunden ist die Abwehr nur vorübergehend geschwächt und es liegt kein besonderer Grund für die Infektion vor. In dem Fall handelt es sich um eine einfache Harnwegsinfektion, die sehr gut behandelt werden kann.

Manche Hunde entwickeln aber immer wieder Blasenentzündungen (alle paar Wochen oder Monate) und die Infektion spricht nicht sehr gut auf eine Behandlung an. Dann handelt es sich um eine komplizierte Harnwegsinfektion. Bei diesen Hunden liegt ein besonderer Grund für die immer wiederkehrenden Infektionen vor, z.B. eine Immunschwäche, Begleiterkrankungen oder anatomische Veränderungen der Harnwege.

Auch wenn eine Blasenentzündung an sich nicht lebensbedrohlich ist, sollte sie nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Denn wenn sie nicht ausreichend behandelt und verschleppt wird, kann es u.a. zu einem Aufsteigen der Keime bis in die Nieren kommen. Die Folge ist dann eine gefährliche Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis).

Wie verhindert der Körper normalerweise eine Infektion?

Bei einem gesunden Hund ohne Blasenentzündung ist der Urin in der Harnblase steril, d.h. in ihm sind keinerlei Bakterien zu finden. Dort, wo die Harnröhre endet (bei Hündinnen in der Vagina, beim Rüden auf der Penisspitze), leben dagegen jede Menge Keime. Wie schafft es der Körper nun, dass die Bakterien bleiben, wo sie sind, und nicht in die Harnblase wandern? Tatsächlich gibt es eine ganze Reihe von Mechanismen, die gemeinsam dafür sorgen, dass die Keime nicht in die Blase gelangen.

Zunächst einmal ist die Harnröhre so aufgebaut, dass Bakterien möglichst schlechte Chancen haben in die Harnblase zu gelangen. In ihr herrscht ein hoher Druck, der sie verschließt und gegenüber Keimen abdichtet. Dazu kommt, dass normaler, nicht krankhaft veränderter Urin für die meisten Bakterien nicht sehr lebensfreundlich ist. Seine Zusammensetzung hemmt Bakterien in ihrem Wachstum oder tötet sie sogar ab.

Bei jedem Urinabsatz werden vorhandene Bakterien außerdem ziemlich erfolgreich aus den Harnwegen herausgespült. Und nicht zuletzt sorgt natürlich auch das Immunsystem dafür, dass sich die Bakterien nicht an die Harnröhren- und Blasenschleimhaut anheften und dort vermehren können.

Wie kommt es zu einer bakteriellen Harnwegsinfektion?

Zu einer Infektion und damit einer Blasenentzündung kommt es immer dann, wenn sich das Gleichgewicht zwischen Erregern und Abwehrmechanismen des Hundes verschiebt. Wenn Bakterien besonders aggressiv und krankmachend sind, können sie die Abwehrmechanismen überwinden. Sie haften dann trotz aller Bemühungen des Körpers an der Schleimhaut, können nicht ausgespült oder vollständig abgetötet werden und vermehren sich in Harnröhre und Blase. Dort schädigen sie die Schleimhaut und führen so zu den klassischen Symptomen einer Blasenentzündung.

Aber auch „normale“ Keime, die üblicherweise abgewehrt werden, können in die Blase gelangen und dort Schäden anrichten – und zwar dann, wenn die Abwehrmechanismen des Hundes geschwächt sind. Wenn zum Beispiel der Urin anders zusammengesetzt ist als sonst oder beim Urinabsatz immer eine kleine Menge Urin in der Blase zurückbleibt, genügt das, um Erregern das Vordringen bis in die Harnblase zu ermöglichen. Auch anatomische Veränderungen, Verletzungen der Harnröhren- oder Blasenschleimhaut und Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen, können zu einer Infektion mit Bakterien und somit zu einer Blasenentzündung führen.

Hündinnen sind übrigens öfter von einer Harnwegsentzündung betroffen als Rüden, weil sie von Natur aus eine kürzere und weitere Harnröhre haben als ihre männlichen Artgenossen – das erleichtern den Bakterien das Eindringen.

Symptome einer Blasenentzündung bei Hunden

Die meisten Hunde mit einer Blasenentzündung zeigen ganz ähnliche Symptome wie betroffene Menschen: sie haben das Gefühl ständig Wasserlassen zu müssen und wollen deswegen häufig raus. Wenn sie dann aber Urinieren, kommt nur eine kleine Menge Harn (teilweise nur einige Tropfen).

Bei manchen Hunden ist der Urinabsatz auch schmerzhaft (zu erkennen an Winseln, Schmatzen und/oder stark aufgekrümmtem Rücken). Oft wirkt es so, als würden die betroffenen Hunde richtig „pressen“, um möglichst viel Urin loszuwerden.

Manche Hunde zeigen allerdings auch gar keine Symptome (sogenannte subklinische Infektion).

  • Sehr häufige Symptome:

    • häufiges Wasserlassen, wobei jeweils nur eine kleine Menge Urin (teilweise nur einige Tropfen) abgesetzt wird (Pollakisurie)
    • Schmerzen beim Urinieren und Pressen auf Harn (Strangurie)
  • Gelegentlich auftretende Symptome:

  • Selten auftretende Symptome:

    • Teilnahmslosigkeit
    • Appetitlosigkeit

Spezialfall: Blasenentzündung bei Welpen

Bei Welpen kann es schwierig sein, eine Blasenentzündung zu erkennen. Das liegt daran, dass Welpen sowieso noch häufiger Wasserlassen müssen als erwachsene Hunde. Außerdem können „Pinkelunfälle“ im Haus, die als Folge der Blasenentzündung passieren, als mangelnde Stubenreinheit falsch verstanden werden.

Wenn Ihr Welpe also eigentlich schon (fast) stubenrein ist, und plötzlich wieder (häufiger) ins Haus pinkelt, sollten Sie ihn zum Tierarzt bringen – möglicherweise steckt eine Blasenentzündung dahinter.

Ursachen und Risikofaktoren von Blasenentzündungen bei Hunden

Bei einer einfachen Blasenentzündung kann in der Regel keine Ursache gefunden werden.

Einige mögliche Ursachen für (komplizierte) Harnwegsinfekte sind allerdings:

  • Harnsteine
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Chronische Niereninsuffizienz
  • Cushing-Syndrom (Hyperadrenokortizismus; Erkrankung, bei der es zu einer Überproduktion des körpereigenen Hormons Kortison kommt)
  • Medikamente,
    • die das Immunsystem schwächen (wie Kortison oder Cyclosporin)
    • die zur Chemotherapie verwendet werden (Cyclophosphamid)
  • Tumore der Harnwege (Blasenkrebs oder Harnröhrenkrebs)
  • Fehlbildungen der Harnröhre, Harnleiter, Harnblase oder Vagina
  • Erkrankungen der Prostata
    • Entzündung der Prostata (Prostatitis)
    • gutartige Vergrößerung der Prostata (Benigne Prostatahyperplasie)
    • Prostatakrebs
  • Schädigungen des Rückenmarks (z.B. Bandscheibenvorfall)
  • Chronische Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)

Untersuchungen und Diagnose

Üblicherweise wird der Tierarzt zunächst einige Fragen stellen (z.B. wie oft und wieviel Urin der Hund absetzt, ob der Urin stinkt und ob weitere Symptome beobachtet wurden).

Im Anschluss wird er eine allgemeine klinische Untersuchung durchführen. Dabei wird er besonders darauf achten, wie groß die Harnblase ist (ob sie also leer oder stark gefüllt ist) und ob die Berührung schmerzhaft ist. Möglicherweise wird er auch eine rektale Untersuchung durchführen. Bei dieser werden der Enddarm und die benachbarten Strukturen, wie Harnröhre und Prostata, mit dem Finger untersucht.

Urinuntersuchung

Als Nächstes wird der Tierarzt eine Untersuchung des Urins durchführen. Bei einer Blasenentzündung finden sich üblicherweise Bakterien, Entzündungszellen und möglicherweise Blut im Urin des Hundes. Der Tierarzt überprüft dies einerseits, indem er einen Tropfen Urin unter dem Mikroskop untersucht (sog. Harnsediment), andererseits beurteilt er den Harn mit Hilfe eines Urinsticks (dabei wird ein Papierstreifen in den Harn getaucht; je nachdem welche Stoffe vorhanden sind, verfärben sich dann verschiedene Felder).

Gegebenenfalls wird der Tierarzt auch steril gewonnenen Urin in ein Labor einschicken. Dort kann mit einer bakteriologischen Untersuchung überprüft werden, ob – und wenn ja, welche und wie viele – Bakterien im Urin vorhanden sind und welches Antibiotikum gegen sie hilft (Antibiogramm). Eine solche Untersuchung ist ganz besonders wichtig, wenn eine Blasenentzündung trotz Therapie nicht besser wird. Sie kann eventuell auch dann sinnvoll sein, wenn bei der mikroskopischen Untersuchung keine Bakterien gefunden wurden. Denn manchmal „verstecken“ sich die Bakterien und sind unter dem Mikroskop nicht zu entdecken.

Weiterführende Untersuchungen

Je nachdem, welche Ursache für die Harnwegsinfektion vermutet wird, wird der Tierarzt möglicherweise noch weitere Untersuchungen durchführen. Vor allem wenn ein Hund häufiger Blasenentzündungen hat oder die Infektion trotz Behandlung nicht weggeht (komplizierter Harnwegsinfekt), ist es sehr wichtig, herauszufinden, wieso der Hund die Blasenentzündungen bekommt. Nur dann kann die Grundursache behandelt und das Wiederkehren der Blasenentzündungen gestoppt werden.

Häufig wird eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt, um Veränderungen an der Blase, der Prostata und an anderen Organen erkennen zu können. Aber auch Röntgenbilder können hilfreich sein, z.B. bei Verdacht auf Harnsteine. Es kann auch sein, dass der Tierarzt eine Blutuntersuchung, also eine Beurteilung des Blutbilds und der Organwerte, durchführt.

Führen alle diese Untersuchungen zu keinem eindeutigen Ergebnis, müssen möglicherweise noch speziellere Maßnahmen erfolgen, z.B. eine Untersuchung der Harnwege mit Kontrastmittel oder eine Endoskopie der Harnröhre und Blase (Urethroskopie und Zystoskopie).

Behandlung der Blasenentzündung bei Hunden

Eine bakterielle Blasenentzündung wird beim Hund – genau wie beim Menschen – mit einem Antibiotikum behandelt.

Einfache, unkomplizierte Harnwegsinfektion

Wenn ein Hund das erste Mal eine Blasenentzündung hat und/oder kein Verdacht auf eine Grunderkrankung besteht, werden meist über 3-10 Tage Tabletten (oder Saft) mit einem Antibiotikum verabreicht.

Es ist außerordentlich wichtig, das Antibiotikum so lange zu geben, wie es vom Tierarzt verordnet wurde! Den meisten Hunden geht es innerhalb von zwei Tagen zwar wieder sehr gut – aber auch dann darf die Tablettengabe nicht vorzeitig abgebrochen werden. Denn sonst kann es zu einem Rückfall kommen, bei dem die Bakterien resistent (unempfindlich) gegen verschiedene Antibiotika sind. Dann wird die Behandlung oft sehr schwierig.

Komplizierte Harnwegsinfektion

Wenn ein Hund häufig Harnwegsinfekte hat oder die Blasenentzündung nicht auf die Behandlung anspricht, ist es wichtig die Ursache dafür herauszufinden. Wird eine auslösende Grunderkrankung gefunden, sollte diese auf jeden Fall behandelt werden – ansonsten wird es sehr wahrscheinlich trotz der Antibiotika-Behandlung immer wieder zu Rückfällen kommen.

Bei einer komplizierten Harnwegsentzündung ist es meist nötig, die Antibiotika-Tabletten über 4-6 Wochen zu geben. Wann immer möglich, sollte vor der Therapie in einem Labor getestet werden, welche Bakterien im Urin des Hundes vorhanden sind (bakteriologische Untersuchung) und welches Antibiotikum gegen sie hilft (Antibiogramm). Es kann nämlich sein, dass die Bakterien in der Blase schon vor der Behandlung resistent, also unempfindlich, gegen verschiedene Antibiotika sind. Um sicherzustellen, dass das Antibiotikum dann auch wirklich hilft bzw. geholfen hat, kann es Sinn machen, während und nach der Therapie weitere Urinproben zu untersuchen.

Hausmittel zur Behandlung und Vorbeugung einer Blasenentzündung bei Hunden

Die folgenden Tipps und Hausmittel können Ihrem Hund dabei helfen, die Blasenentzündung noch schneller zu bekämpfen – und auch einer erneuten Infektion vorzubeugen!

In manchen Fällen und wenn Ihr Hund nur sehr leichte Symptome zeigt, können diese Hausmittel eventuell auch ausreichen, um die Blasenentzündung wieder loszuwerden. Weil es aber zu einem gefährlichen Aufsteigen der Infektion in die Nieren kommen kann, sollten Sie eine Behandlung des Harnwegsinfekts mit Hausmitteln idealerweise nur in Absprache mit Ihrem Tierarzt durchführen. Sie müssen Ihren Hund dabei außerdem sehr gut beobachten und bei ausbleibender Besserung unbedingt zu einem Tierarzt gehen.

Wärme

Wie bei uns Menschen hilft Wärme auch bei Hunden, die Schmerzen zu lindern und die Heilung zu beschleunigen. Sorgen Sie also für warme Schlaf- und Liegeplätze!

Flüssigkeit

Eine ausreichende Wasseraufnahme sorgt dafür, dass die Bakterien aus der Blase ausgespült werden. Ermuntern Sie Ihren Hund also dazu, viel zu trinken. Weichen Sie beispielsweise Trockenfutter-Kroketten in Wasser ein oder wechseln Sie auf Feuchtfutter. Dieses können Sie ebenfalls mit etwas Wasser verdünnen.

Sie können Ihrem Hund außerdem eine leckere Fleischbrühe kochen: Geben Sie Rinder- oder Hühnersuppenknochen (und gegebenenfalls etwas Fleisch) mit Wasser in einen Topf und lassen Sie diese Mischung etwa eine Stunde lang bei mittlerer Hitze köcheln. Fertig ist die hundegerechte Fleischbrühe! Diese können Sie auch in einzelnen Portionen einfrieren, dann haben Sie jeden Tag die passende Menge zur Hand. Verzichten Sie bei der Herstellung unbedingt auf Zwiebeln und Knoblauch – die sind für Hunde giftig. Aus diesem Grund (und aufgrund des hohen Salzgehalts) sind fertig erhältliche Fleischbrühen für Hunde auch nicht geeignet!

Cranberries

Viele Menschen greifen als Hausmittel zu Cranberry-Saft, -Extrakt oder -Tabletten, wenn sie an einer Blasenentzündung leiden – und auch zur Vorbeugung wird es gerne verwendet. Theoretisch ist eine Anwendung auch bei Hunden möglich.

Tatsächlich ist bis heute aber nicht klar, ob Cranberries wirklich gegen Blasenentzündungen helfen. Eine aktuelle Studie spricht dafür, dass Hunde, die Cranberry-Extrakte erhalten, zumindest besser gegen Blasenentzündungen geschützt sind – als sicher kann es allerdings trotzdem nicht gelten. Zumindest scheint die Gabe jedoch nicht zu schaden, insofern kann ein Versuch unternommen werden. Aktuell gibt es leider zu wenig Informationen, um eine Dosierung empfehlen zu können. In der erwähnten Studie erhielten Hunde mit einem Gewicht unter 25 kg 1 Gramm eines Cranberry-Extrakt-Pulvers, Hunde, die schwerer als 25 kg waren, 2 Gramm Pulver einmal täglich (Cranimals; https://cranimals.com/).

D-Mannose

Hierbei handelt es sich um ein Präparat, das v.a. in der Humanmedizin immer häufiger bei Blasenentzündungen eingesetzt wird. Das Wirkprinzip hinter D-Mannose ist ganz einfach, scheint aber oft sehr gut wirksam zu sein.

D-Mannose ist ein Zucker, der vom Körper unverändert in den Urin gelangt. Die Bakterien, die bei einem Harnwegsinfekt in der Blase vorhanden sind, nutzen normalerweise körpereigene Mannose-Reste an den Zellen der Blasenwand um sich festzuhalten. Ist sehr viel Mannose frei im Urin verfügbar binden sie sich stattdessen daran – sie haben so keinen Halt mehr an der Blasenwand und werden beim Wasserlassen einfach ausgespült.

Der Vorteil von D-Mannose ist, dass das Pulver süß schmeckt und von den meisten Tieren gerne angenommen wird. Obwohl es ein Zucker ist, scheint es auch für Diabetiker geeignet zu sein, da D-Mannose vom Körper nicht verstoffwechselt, sondern einfach mit dem Urin ausgeschieden wird. Bei Hunden mit Diabetes sollte trotzdem vorher mit dem behandelnden Tierarzt besprochen werden, ob D-Mannose gegeben werden darf.

Leider gibt es keine Studien zur Wirksamkeit von D-Mannose zur Behandlung und Vorbeugung von Blasenentzündungen beim Hund. Die Erfahrungen vieler Hundehalter und Tierärzte sprechen aber dafür, dass sie hilft. Beim Menschen scheint D-Mannose sehr gut wirksam zu sein – v.a. bei vorbeugender Gabe scheint sie sogar ähnlich gut zu wirken wie Antibiotika.

D-Mannose scheint kaum Nebenwirkungen zu haben, allerdings kann es manchmal zu Durchfall kommen.

Bisher gibt es leider noch keine generellen Empfehlungen, wieviel D-Mannose-Pulver Hunde bei einer Blasenentzündung erhalten sollten. Ein Hersteller von D-Mannose für Hunde (D’Mannose Pet® von Sweet Cures) empfiehlt bei seinem Pulver allerdings folgende Dosis:

  • Vorhandene Blasenentzündung
    • Alle 2-3 Stunden die empfohlene Menge in Wasser oder über das Futter geben
    • Kleiner Hund: ca. 1 g Pulver (etwa ein gestrichener Teelöffel)
    • Mittelgroßer Hund: ca. 2 g Pulver
    • Großer Hund: ca. 3 g Pulver
  • Zur Vorbeugung gegen Blasenentzündung
    • 1 mal täglich 1 g Pulver für je 10 kg Körpergewicht (also z.B. 2,5 g für einen Hund, der 25 kg wiegt)

Akupunktur

Bei Menschen scheint Akupunktur bei der Prophylaxe gegen wiederkehrende Blasenentzündungen helfen zu können. Beim Hund gibt es dazu keine Untersuchungen. Es wäre aber möglich, dass manche betroffenen Hunde von Akupunktur profitieren.

Prognose und mögliche Komplikationen

Bei einer einfachen Blasenentzündung ist die Prognose sehr gut. Mit der passenden Behandlung heilt sie in der Regel schnell und ohne Folgen aus.

Bei einer komplizierten Zystitis ist die Prognose dagegen eher vorsichtig und hängt von der zugrundeliegenden Ursache ab. Wenn diese nicht beseitigt werden kann, wird der Hund sehr wahrscheinlich immer wieder Blasenentzündungen bekommen, welche schwer zu behandeln sind.

Wenn eine Blasenentzündung nicht ausreichend behandelt wird, kann es zu Komplikationen kommen. Wenn die Infektion länger besteht, können die Keime z.B. in die Nieren aufsteigen und dort zu einer gefährlichen Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) führen. Zusätzlich steigert eine Blasenentzündung das Risiko für die Entstehung von Harnsteinen. Wie bei jeder chronischen Infektion kann es außerdem zu einer bakteriellen Herzklappenentzündung kommen.

Vorbeugung

Rechtzeitige Behandlung von auslösenden Krankheiten

Krankheiten, die zu Blasenentzündungen führen können, sollten rechtzeitig erkannt und behandelt sowie regelmäßig kontrolliert werden. So können Blasenentzündungen möglicherweise verhindert werden, bevor sie entstehen. Vor allem mittelalte und alte Hunde sollten deswegen aufmerksam beobachtet und regelmäßig beim Tierarzt zur Gesundheitsvorsorge vorgestellt werden.

Vorbeugende Behandlung mit Cranberry-Extrakten, D-Mannose, Akupunktur

Alle Informationen zur Vorbeugung gegen Blasenentzündungen mit eher sanften Mitteln finden Sie im Abschnitt „Hausmittel zur Behandlung und Vorbeugung einer Blasenentzündung“.

Langfristige Antibiotika-Therapie

Wenn ein Hund immer wieder (mehrmals im Jahr) komplizierte Harnwegsinfekte bekommt und trotz ausgiebiger Untersuchungen kein Auslöser gefunden werden kann, bleibt in manchen Fällen nichts anderes übrig, als lebenslang Antibiotika in niedriger Dosis zu geben.

Eine solche Entscheidung sollte aber nur im Einzelfall und nach sorgfältigem Abwägen der Vor- und Nachteile getroffen werden – denn bei einer solchen Behandlung kann es leicht zu Nebenwirkungen und zur Entwicklung von Resistenzen bei den Bakterien kommen.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie diesen Artikel kurz bewerten würden:

[Gesamt:4    Durchschnitt: 4.8/5]
Quellen

27. Dezember 2017

Von Dr. Iris Wagner-Storz

2018-10-27T19:11:41+00:00

Über den Autor:

Als ursprüngliche Schwäbin bin ich 2007 nach München gezogen um Tiermedizin an der LMU zu studieren. Anschließend hab ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München geschrieben – über eine neue Art der Immuntherapie bei Hunden mit Umweltallergie. Meine Lieblingsbereiche sind die Dermatologie, die Innere Medizin und Infektionskrankheiten. Ich bin stolze Dosenöffnerin für meine beiden Miezen Nini und Clyde, liebe alle Tiere (Katzen aber natürlich besonders) und habe eine Schwäche für Kuchen.