Unser Interview mit einem der führenden Experten für Allergien bei Hund & Katze zum Thema „Futtermittelallergie“:

Vielen Dank an die Medizinische Kleintierklinik der LMU München und an Prof. Dr. Ralf Müller

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Futtermittelallergie (Hund): Zusammenfassung

  • Häufigkeit der Erkrankung: Häufig

  • Schwere der Erkrankung: Leicht bis mittel

  • Vorkommen: Bei Hunden aller Rassen und Altersstufen möglich, v.a. jedoch bei jungen (unter 1 Jahr alten) Hunden

  • Ansteckungsgefahr: Nicht ansteckend für Tiere oder Menschen

  • Typische Symptome: Juckreiz, Haut-, Pfoten-, Ohrentzündungen, haarlose Stellen, Magen-Darm-Symptome wie Durchfall und Erbrechen

  • Verlauf: Chronisch

  • Diagnose: Eliminations-/Ausschlussdiät

  • Behandlungsmöglichkeiten: Futterumstellung, verschiedene Medikamente und Behandlungen

  • Prognose: Gut bezüglich des Überlebens, allerdings i.d.R. lebenslange Erkrankung

Beschreibung

Bei einer Futtermittelallergie richten sich die Abwehrzellen des Hundes fälschlicherweise gegen eigentlich ganz harmlose Stoffe im Futter (sog. Allergene). Durch diese Abwehrreaktion kommt es zu Entzündungen, z.B. in der Haut und/oder im Darm. Diese lösen die typischen Symptome einer Allergie aus, wie Juckreiz, Haut- und Ohrentzündungen, Durchfall und Erbrechen.

Wieso das Immunsystem der betroffenen Hunde so übertrieben auf Futterbestandteile reagiert, ist noch weitgehend unklar. Eine Neigung zu Allergien scheint aber zumindest teilweise angeboren zu sein.

Es wird angenommen, dass etwa 1-2% aller Hunde bzw. 15-20% der Hunde mit Juckreiz an einer Futtermittelallergie leiden.

Einen Artikel über Allergien beim Hund im Allgemeinen gibt es hier: „Allergien beim Hund: eine Übersicht“. Dort finden Sie nähere Informationen u.a. darüber, was bei einer Allergie passiert, welche Allergieformen es bei Hunden gibt und wie sie behandelt werden können.

Auf welche Futterbestandteile sind Hunde häufig allergisch?

Meistens reagieren Hunde mit Futtermittelallergie gegen bestimmte Eiweiße, sog. Glykoproteine, im Futter.

Am häufigsten kommen bei Hunden Allergien gegen Rind, Milchprodukte, Hühnchen, Weizen und Lamm vor. Grundsätzlich können unsere Vierbeiner aber auf fast alles allergisch sein was sie zu fressen bekommen, also z.B. auf Soja, Mais, Eier, Schwein, Fisch, Reis oder sogar Tomaten. In seltenen Fällen richtet sich die Futterallergie auch gegen Konservierungs- und Zusatzstoffe in Fertigfuttermitteln.

Es wird angenommen, dass manche Hunde auch nur auf bestimmte Futterbestandteile allergisch reagieren, wenn diese erhitzt wurden (also z.B. rohes Rindfleisch – keine Symptome, gekochtes Rindfleisch – allergische Reaktion).

Kann ein Hund auf etwas allergisch sein, was er vorher noch nie gefressen hat?

Nein. Das Immunsystem braucht eine gewisse Zeit, bis es eine Immunantwort gegen neue, unbekannte Futterbestandteile ausbildet (sog. Sensibilisierung). Typischerweise werden Hunde deswegen auf Futterbestandteile allergisch, die sie schon öfter bzw. über eine längere Zeit gefressen haben.

Symptome bei Futtermittelallergie

Erhalten Hunde das ganze Jahr über das gleiche Futter, sind i.d.R. auch ganzjährig Symptome zu beobachten. Es kann aber auch sein, dass sie nur Symptome zeigen, nachdem sie eine bestimmte Futter- oder Leckerlisorte erhalten haben.

Häufige Symptome bei Futtermittelallergie sind

  • Juckreiz

  • Hautentzündungen

  • Verdickung u./o. Dunkelfärbung der Haut

  • Haarausfall/haarlose Stellen (Alopezie)

  • „Leckverfärbtes“ Fell (bräunlich-rot verfärbt)

  • Ohrentzündungen

  • Pfotenentzündungen

  • Magen-Darm-Symptome

Juckreiz

Juckreiz ist das klassischste – und i.d.R. erste – Symptom bei Hunden mit Futtermittelallergie. Oft äußert sich dieser ganz offensichtlich als Kratzen, aber auch Knabbern (z.B. an den Pfoten), Benagen der Beine, Schlecken (z.B. an Bauch oder Genitalien), Kopfschütteln oder Reiben des Kopfes (z.B. auf Teppich) können Anzeichen von Juckreiz sein.

Bei Hunden mit atopischer Dermatitis oder Futtermittelallergie typischerweise betroffene Hautstellen

Die roten Bereiche kennzeichen die Hautstellen, die bei Hunden mit Futtermittelallergie typischerweise von Juckreiz und Hautentzündungen betroffen sind.

Typischerweise sind bei Hunden mit Futtermittelallergie die folgenden Körperstellen betroffen: Achseln, Bauch, Leiste, Pfoten, Ohren, Schnauze/Gesicht und Afterbereich. Dabei kann sich der Hund an vielen verschiedenen Stellen oder sogar am ganzen Körper kratzen; es kann andererseits aber auch sein, dass er z.B. nur die Pfoten benagt oder nur die Ohren schüttelt.

Der Juckreiz kann bei Futtermittelallergie unterschiedlich stark ausgeprägt sein: manche Hunde leiden unter so massivem Juckreiz, dass sie sich blutig kratzen, bei anderen ist er wiederum kaum zu bemerken.

Hautentzündungen und -veränderungen

Durch das Kratzen und die Entzündung wird die Haut der allergischen Hunde stark beansprucht und geschädigt. Als Folge kann es zu einer Hautentzündung (Dermatitis) mit Rötungen, Krusten, (nässenden) Wunden, Kratzspuren, Haarausfall, Pusteln (mit Eiter gefüllte Bläschen), Papeln (kleine Hautknötchen) und/oder Schwellungen kommen.

Häufig wird die Schädigung der Haut auch von Bakterien und Hefepilzen (z.B. Malassezien) ausgenutzt, um sich dort anzusiedeln (Sekundärinfektion). Dies verstärkt die Entzündung noch weiter.

Hält der Juckreiz und die Entzündung an, kann sich die Haut langfristig auch verdicken (Elefantenhaut, Lichenifikation) und dunkel färben (Hyperpigmentation). Wenn sich Hunde mit hellem Fell sehr viel schlecken, kann sich das Fell an den beleckten Stellen auch bräunlich-rostrot verfärben.

Ohrentzündungen und Pfotenentzündungen

Bei vielen Hunden mit Futtermittelallergie kommt es zu Ohrentzündungen (Otitis) und/oder Pfotenentzündungen (Pododermatitis). Beides kann rein allergisch bedingt sein, oft kommt es aber auch hier zu einer zusätzlichen Infektion mit Bakterien oder Hefepilzen (z.B. Malassezien), welche die Entzündung weiter verstärkt.

Hunde mit Ohrentzündung schütteln häufig mit dem Kopf und kratzen sich an den Ohren. Manchmal sieht man im Gehörgang auch braunes, krümeliges oder weißlich-schmieriges Ohrenschmalz; dieses kann auch stinken (z.B. nach Hefe). Sind die Ohren so stark betroffen, dass sie weh tun, lassen sich viele Vierbeiner nicht mehr gerne dort anfassen. Die Gehörgänge können durch die Entzündung auch so stark geschwollen sein, dass die Hunde schlechter hören als vorher.

Bei Hunden mit Pfotenentzündung (Pododermatitis) können die Pfoten nur leicht gerötet und/oder geschwollen sein, andererseits sind aber auch schwere Entzündungen mit Pusteln, starker Schwellung und Eiteraustritt möglich. Manche Hunde gehen aufgrund der Pfotenentzündung auch lahm.

Magen-Darm-Symptome

Etwa 10-15% der Hunde mit Futtermittelallergie leiden an Magen-Darm-Symptomen. Diese können so mild sein, dass sie teilweise übersehen werden – manchmal setzen betroffene Hunde einfach nur öfter Kot ab als früher bzw. als ihre Artgenossen. Bei manchen hört man auch deutliche Darm-Geräusche oder sie pupsen viel. Schleimiger/blutiger Kot, Durchfall und Erbrechen können ebenfalls Symptome einer Futtermittelallergie sein. Manche Hunde haben außerdem Schwierigkeiten, Kot abzusetzen und „pressen“ sichtbar beim Erledigen ihres großen Geschäftes (Tenesmus). Und schließlich können auch Analbeutelentzündungen und „auf dem Po rutschen/Schlittenfahren“ die Folge einer Futtermittelallergie sein.

Weitere mögliche Symptome

In seltenen Fällen zeigen Hunde mit Futtermittelallergie auch Atemwegsprobleme (z.B. Niesen, Rückwärtsniesen, Nasenausfluss, Atemgeräusche) und/oder Augenausfluss und gerötete Bindehäute.

Auch Hot Spots (pyotraumatische Dermatitis) sind in seltenen Fällen möglich – dabei handelt es sich um örtlich scharf begrenzte, oft runde, massive Hautentzündungen, die durch extremen Juckreiz entstehen und oft nässen oder bluten.

Ursachen und Risikofaktoren der Futtermittelallergie

Wieso Hunde eine Futtermittelallergie entwickeln ist noch weitgehend unbekannt. Man ist sich allerdings ziemlich sicher, dass es eine genetische Veranlagung gibt – dass die Neigung zu Allergien also angeboren ist. Bei Menschen ist bekannt, dass die Kinder von Allergikern ebenfalls häufig eine Allergie entwickeln. Es wird angenommen, dass das gleiche auch für Hunde gilt. Aber auch Einflüsse aus der Umwelt (z.B. Keimbelastung, Fütterung, Stress) spielen vermutlich eine Rolle. So geht man heute beispielsweise davon aus, dass Hunde (und auch Menschen) seltener an einer Allergie erkranken, wenn sie ganz früh in ihrem Leben mehr Keimen ausgesetzt waren (sog. Hygienehypothese).

Auch die Darmbarriere scheint eine große Rolle bei der Entwicklung von Futtermittelallergien zu spielen. Ist diese bei Hunden (v.a. früh im Leben) gestört – wie z.B. bei Durchfall – können manche Futterallergene, die sonst im Darm verbleiben, durch die Darmwand in den Körper aufgenommen werden. Als Folge kann es zur Sensibilisierung, also zur Entwicklung einer Allergie, kommen. Darmerkrankungen, v.a. im Welpenalter, könnten also einen Risikofaktor für die Entwicklung einer Futtermittelallergie darstellen.

Welche Hunde sind v.a. von Futtermittelallergien betroffen?

Klassischerweise erkranken Hunde schon vor ihrem ersten Geburtstag an einer Futtermittelallergie (ein Drittel bis die Hälfte aller Fälle). Bei Hunden unter 6 Monaten ist eine Reaktion auf Futter die wahrscheinlichste Allergieform. Aber auch bei Hunden, die erst recht spät (älter als 7 Jahre) an einer Allergie erkranken, sollte unbedingt an eine Futtermittelallergie gedacht werden.

Einige Rassen haben möglicherweise ein erhöhtes Erkrankungsrisiko, z.B. Labrador Retriever, Golden Retriever, Französische Bulldogge, Mops, Boxer, verschiedene Terrier (West Highland White Terrier, Yorkshire Terrier), Deutscher Schäferhund, Shar Pei, Englische Bulldogge sowie English und Irish Setter.

Leider haben Hunde, die bereits an einer Flohspeichel- oder Umweltallergie (z.B. auf Pollen oder Hausstaubmilben) leiden, ebenfalls ein erhöhtes Risiko eine zusätzliche Futtermittelallergie zu entwickeln.

Untersuchungen und Diagnose der Futtermittelallergie

Leider ist es gar nicht so einfach, eine Futtermittelallergie zu diagnostizieren – denn es gibt keinen einzigen Test, der zuverlässig feststellen kann, ob ein Hund betroffen ist. Stattdessen