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Silvester mit Hund und Katze

Tipps für ängstliche Vierbeiner

///Silvester mit Hund und Katze

Silvester! Während die meisten Menschen an diesem Tag ausgelassen das neue Jahr begrüßen, könnten Hund und Katze getrost darauf verzichten. Für viele unserer Haustiere bedeutet Silvester hauptsächlich großen Stress und Angst, da sie den Lärm durch Raketen und Knaller nicht einordnen können und schnell in Panik geraten. Auch für die Halter stellt dieser Tag oft eine große Belastung dar, weil sie Ihrem Tier gerne helfen möchten, in der Situation jedoch meist machtlos sind. Damit Sie und ihr vierbeiniger Freund Silvester in Zukunft etwas entspannter entgegensehen können, haben wir einige Tipps und Hilfemaßnahmen zusammengestellt.

Wie äußert sich Angst bei Hund und Katze?

Angst äußert sich bei jedem Tier anders und kann sich sehr unterschiedlich darstellen. Häufig können sie jedoch an bestimmten Veränderungen der Körpersprache und des Verhaltens erkennen, wenn Ihr Tier gestresst, ängstlich oder panisch ist:

  • Sehr angespannte Körperhaltung, versteinertes Stehen, Verkrampfen des Körpers

  • Tief getragener oder eingezogener Schwanz, Schlagen mit dem Schwanz (Katze)

  • Zurückgezogene oder angelegte Ohren; zurückgezogene Lefzen oder Gesichtsmuskulatur

  • Beschwichtigungsgesten, wie z.B. Lecken des Mauls, Abwenden des Blickes oder des Körpers

  • Aufgestellte Haare entlang der Rückenlinie

  • Hecheln, Zittern, Speicheln

  • Zurückziehen oder Verkriechen an sichere Orte

  • Flüchten

  • Winseln, Bellen, Knurren

  • Große Pupillen

  • Unkontrollierter Urin- oder Kotabsatz

Lesen Sie in unserem Ratgeberartikel „Stress und Angst bei Katzen“ mehr über dieses Thema.

Wie kann ich meinem Tier an Silvester helfen?

Hier gilt der Leitsatz: Vorsorge ist besser als Nachsorge! Am besten sollten Sie sich frühzeitig darüber Gedanken machen, wie sie Ihrem Hund oder Ihrer Katze Silvester angenehmer gestalten und den Stress möglichst geringhalten können. Häufig lässt sich die Situation schon mit ein paar einfachen Maßnahmen deutliche verbessern.

Basistipps

  • Werden in Ihrer Umgebung auch an den Tagen vor und nach Silvester Raketen oder Böller gezündet, sollten Sie Ihren Hund beim Gassi gehen möglichst an der Leine führen. Sollte Ihr Hund sich bei einem Knall plötzlich erschrecken, ist das Risiko geringer, dass er z.B. auf die Straße läuft. Es empfiehlt sich auch anstelle eines Halsbandes ein Geschirr zu benutzen. Die Hunde können aus diesem meist nicht so schnell rausschlüpfen. Die Gassirunde sollten Sie möglichst kurzhalten. Wenn die Möglichkeit besteht verlegen Sie den Spaziergang mit Ihrem Hund z.B. in den Wald oder einen ruhigen Park.

  • Wenn viel geschossen oder geböllert wird, kann es helfen das Radio oder den Fernseher anzustellen. Geräusche von draußen werden dadurch weniger laut wahrgenommen. Auch runtergelassene Jalousien dämpfen die Geräusche von außen.

  • Wenn sich Ihr Tier bei Knallern oder Schüssen ruhig verhält, belohnen Sie es mit besonderen Leckereien. Damit wird es lernen die ungewöhnlichen Geräusche positiv zu verknüpfen. Zeigt das Tier bereits Angst oder Panik sollten Sie jedoch nicht belohnen. Die Angst Ihres Vierbeiners wird dadurch bestärkt.

  • Viele Tiere bauen Stress durch Kauen oder Lecken ab. Geben Sie ihrem Tier um Mitternacht z.B. einen Kauknochen oder futtergefüllten Kong®. Dies hilft einerseits das Tier von den Geräuschen abzulenken, aber auch beim Stressabbau.

  • Stellen Sie ihrem Hund oder ihrer Katze einen möglichst geschützten und ruhigen Rückzugsort zur Verfügung. An diesen sollten sie ihr Tier jedoch schon im Vorfeld gewöhnen, damit er auch gut angenommen wird.

  • Lassen Sie ihr Tier nicht alleine zu Hause.

  • Ein etwas ungewöhnlicher und ökologisch fragwürdiger Tipp für Hunde die gerne mit im Auto fahren: Kurz vor Mitternacht ab auf die Autobahn und Radio an. Dort bekommen die Tiere am wenigsten von Böller und Raketen mit.

  • Bestrafen oder schimpfen Sie ihr Tier auf keinen Fall wenn es Angst zeigt. Die Situation wird dadurch noch schlimmer für ihren Hund oder ihre Katze und die Angst wird so nur noch mehr verstärkt.

Wenn die Basistipps nicht ausreichen…

Silvester bedeutet für viele Tiere Angst und Stress

Bei einigen Hunden oder Katzen ist die Angst vor den Silvesterknallern so groß, dass man mit diesen einfachen Basistipps schnell an die Grenzen stößt. In diesem Fall müssen Sie versuchen die Angst bei Ihrem vierbeinigen Freund durch gezieltes Training und Therapiemaßnahmen (z.B. klassische Verhaltenstherapie mit Desensibilisierung/Gegenkonditionierung) langfristig zu verringern. Häufig ist eine Kombination unterschiedlicher Ansätze empfehlenswert. Da bei falscher Anwendung der Therapiemaßnahmen eine Verschlimmerung des Problems auftreten kann, sollten Sie mit einem professionellen Hunde- oder Katzentrainer zusammenarbeiten.

Auch alternative Heilmethoden wie z.B. Körpertraining (z.B. Tellington-TTouch, Canine Bowen Technik), Akupunktur, Homöopathie, Phytotherapie, Bach-Blüten-Therapie, Schüßler-Salze oder Aromatherapie können bei der Therapie der Geräuschphobie hilfreich sein.

Pheromon-Zerstäuber können durch das Versprühen von Geruchsbotenstoffen (Pheromone) bei Hunden und Katzen das Gefühl von Wohlbefinden und Sicherheit auslösen.

Bei Hunden kann auch ein sogenanntes Thunder-Shirt zu einer Besserung führen. Diese eng geschnittene und anliegende Weste vermittelt dem Hund, durch leichten Druck auf den Brustkorb, ein Gefühl der Sicherheit.

Medikamentöse Therapie bei Silvesterangst

Ist die Angst Ihres Tieres an Silvester so groß, dass sie selbst durch Verhaltenstherapie nicht zu lindern ist oder wenn die Trainingszeit nicht ausreicht, kann es notwendig sein, dass ihr Tierarzt ein beruhigendes oder angstlösendes Medikament verschreibt.

Dexmedetomidin ist ein Wirkstoff, welcher die Freisetzung des erregenden Botenstoffes Noradrenalin im Körper verhindert und so zu einer Beruhigung des Tieres führt. In Deutschland ist Dexmedetomidin auch als Gel (Sileo®) zur Behandlung der Geräuschangst bei Hunden zugelassen und wird über das Maul verabreicht. Da die Wirkung bereits nach ca. 30 Minuten einsetzt eignet es sich gut zur Behandlung akuter Angstzustände und kann bei ersten Anzeichen von Angst verabreicht werden.

Als mögliche vorübergehende Nebenwirkungen können Erbrechen, Sedierung, Harninkontinenz oder Blässe der Mundschleimhaut auftreten. Dexmedetomidin darf nicht bei Hunden mit schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einer eingeschränkten Leber- oder Nierenfunktion angewendet werden. Dexmedetomidin ist nicht frei erhältlich und muss vom Tierarzt verschrieben werden.

Häufig werden auch sogenannte Benzodiazepine eingesetzt. Bekannte Vertreter dieser Arzneimittelklasse sind unter anderem Diazepam (Valium®), Alprazolam oder Clonazepam. Benzodiazepine sind in niedrigen Dosen angstlösend und in höherer Dosierung sedativ (stark beruhigend). Die Wirkung dieser Medikamente tritt in der Regel schnell ein (30-45 min), hält jedoch nur ein paar Stunden an. Sie eignen sich deswegen v.a. zur Therapie kurz anhaltender Angstzustände. Die Wirkung des Medikamentes ist bei jedem Tier sehr individuell. Aus diesem Grund sollte die Dosis des Medikamentes über mehrere Tage und unter Anleitung eines Tierarztes langsam gesteigert werden bis der gewünschte Effekt erreicht wird. Nach Silvester sollte das Medikament auch langsam wieder abgesetzt werden. Bei manchen Tieren kann es zu einer sogenannten paradoxen Reaktion kommen, das heißt der Hund oder die Katze reagieren genau gegenteilig und zeigen eine starke Erregung oder Panik. Weitere mögliche Nebenwirkungen können starke Müdigkeit, gesteigerter Appetit oder motorische Einschränkungen sein. Bei aggressiven Tieren kann die Verabreichung von Benzodiazepinen zu einer Steigerung der Aggression führen. Bei Katzen kann es in Einzelfällen (v.a. bei Diazepam) zu tödlich verlaufenden Leberschädigungen kommen. Weil Benzodiazepine bei längerer Gabe eine Abhängigkeit hervorrufen können, fallen sie unter das Betäubungsmittelgesetz und sind streng verschreibungspflichtig.

Trizyklische Antidepressiva (z.B. Clomipramin) oder selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (z.B. Fluoxetin) eignen sich nur bedingt zur Therapie einer akuten Geräuschphobie. Die volle Wirkung dieser Medikamente wird nämlich erst nach ca. 2-3 Woche konstanter Gabe erreicht. Aus diesem Grund werden sie hauptsächlich in der Verhaltenstherapie bei länger andauernden Angstzuständen eingesetzt.

  • VORSICHT!! Der Wirkstoff Acepromazin sollte in keinem Fall zur Behandlung der Silvesterangst eingesetzt werden. Acepromazin führt nur augenscheinlich zu einer Beruhigung der Tiere. Tatsächlich werden Geräusche dadurch aber noch intensiver wahrgenommen. Ihr Hund oder ihre Katze haben also weiterhin Angst, sind aber nicht mehr in der Lage diese zu zeigen.

Wie anfangs erwähnt, reagiert jedes Tier sehr unterschiedlich bei Angst und Panik. Aus diesem Grund ist auch nicht jede Therapie für jedes Tier geeignet. Ein professioneller Hunde- bzw. Katzentrainer oder Ihr Tierarzt kann Ihnen bei der Auswahl geeigneter Maßnahmen für Ihren vierbeinigen Freund helfen.

Quellen

14. Dezember 2017

Von Dr. Stefanie Mallmann

2018-07-02T17:01:06+00:00

Über den Autor:

Geboren in der Nähe von Passau habe ich von 2008 bis 2014 an der LMU München Tiermedizin studiert. Nach meinem Abschluss habe ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München (Thema: Auswertung eines neuartigen Allergietests) gemacht. Anschließend habe ich ein Jahr in der Onkologie gearbeitet. Die Arbeit mit krebskranken Tieren war zwar oft sehr traurig, aber ich habe dort viele tolle Tiere und ihre Besitzer kennengelernt. 2014 habe ich meine Mischlingshündin Lotta adoptiert – unseren süßen Bürohund.