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Warum fressen Katzen (und Hunde) wirklich Gras?

Frage der Woche vom 08.04.2018

//Warum fressen Katzen (und Hunde) wirklich Gras?

Frage: Wieso fressen Katzen tatsächlich Gras? Ich habe mal gelesen, dass es angeblich nicht richtig sein soll, dass sie damit Fellknäuel hochwürgen wollen.

Unsere Antwort:

Diese Frage habe ich mir selber schon sehr oft gestellt – meine beiden Katzen sind total wild auf Katzengras! Und damit sind sie nicht alleine.

Laut einer Untersuchung von Wissenschaftlern der University of California in Davis fressen vermutlich fast 70% aller Hunde täglich oder wöchentlich Gras. Bei Katzen ist die genaue Anzahl nicht bekannt, Gras fressen ist aber ebenfalls sehr verbreitet.

Leider wurden bisher nicht sehr viele Untersuchungen durchgeführt, um herauszufinden, was hinter diesem Verhalten steckt. Tatsächlich habe ich nur diese eine, oben erwähnte Studie gefunden.

Deswegen weiß man bis heute nicht so genau, wieso Katzen und Hunde Gras fressen. Es gibt nur viele verschieden Theorien, von denen manche plausibler klingen als andere. Aber schauen wir sie uns mal an:

Theorie 1: Natürliches Emetikum

„Emetikum“ nennen wir Mediziner eine Substanz, die dazu führt, dass man erbrechen muss. Bei manchen Katzen scheint Gras tatsächlich diese Wirkung zu haben – bei meiner Katze Nini zum Beispiel.

Jetzt wundert man sich natürlich: Wieso sollten Katzen freiwillig etwas fressen, von dem sie sich übergeben müssen?? Die Antwort ist: weil sie sich danach vermutlich besser fühlen. Wenn irgendetwas ihren Magen in Aufruhr bringt, kann das Erbrechen die störende Substanz aus dem Körper befördern.

Und so kommen wir zurück zur Frage. Ein Fellknäuel oder Haarballen kann im Magen an der Schleimhaut reiben und so Unwohlsein verursachen. Katzen wissen, was dagegen hilft: nämlich den Haarballen einfach herauszuwürgen. Und dabei kann Gras helfen.

Vor allem bei jagenden Freigängern sammelt sich noch mehr Unverdauliches im Magen. Wenn sie ihre Beute fressen (und nicht nur dem glücklichen Besitzer vor die Füße legen), knabbern sie nicht nur deren Fleisch ab – sie nehmen auch Fell bzw. Federn, Knochen und Mageninhalt auf. All das kann den gleichen Effekt haben wie ein Haarballen.

Und letztlich scheinen manchen Katzen (und Hunde) auch durch Magen-Darm-Erkrankungen verursachte Magenschmerzen, Übelkeit oder Unwohlsein durch Gras fressen lindern zu wollen.

Die Ergebnisse der oben erwähnten Untersuchung sprechen allerdings dafür, dass Unwohlsein oder Übelkeit in vielen Fällen nicht der Grund für Gras fressen ist. Nur 8% der befragten Besitzer berichteten, dass ihr Hund vor dem Gras fressen Anzeichen von Unwohlsein zeigte – und nur etwa 20% der Hunde übergaben sich danach regelmäßig. Obwohl die genauen Zahlen nicht bekannt sind, sprechen die Beobachtungen der Wissenschaftler dafür, dass es bei Katzen ähnlich ist.

Vermutlich steckt hinter dem Gras fressen also mehr als ein reines „Aufräumen“ des Magens.

Theorie 2: Gras als Abführmittel

Katzen nehmen bei ihrer Fellpflege wirklich jede Menge Haare auf. Wenn diese nicht als Haarballen herausgewürgt werden, gelangen sie in den Darm. Dann brauchen Katzen manchmal ein bisschen Hilfe, um sie am anderen Ende des Verdauungstrakts wieder auszuscheiden.

Möglicherweise ahnen Katzen instinktiv, dass Gras ihnen dabei helfen kann. Gras ist nämlich ein Ballaststoff: er fördert die Darmbewegung und sorgt so dafür, dass die Haare schneller und besser ausgeschieden werden können. Es wirkt also wie ein natürliches Abführmittel.

Zumindest bei Hunden scheint ein Mangel an Ballaststoffen im Futter allerdings nicht der Hauptgrund fürs Gras fressen zu sein. In der oben erwähnten Studie spielte die Ernährung keine Rolle – auch Hunde mit ballaststoffreichem Futter wurden häufig beim Gras fressen beobachtet.

Theorie 3: Die Antwort liegt im Saft…

Der Saft von Gräsern ist eine hervorragende Quelle für Folsäure. Dieses B-Vitamin ist sehr wichtig für den Körper: es spielt eine entscheidende Rolle bei der Blutbildung und auch für die DNA-Synthese bei Wachstum und Zellerneuerung ist es essentiell.

Manche Experten vermuten, dass Katzen (und Hunde) instinktiv spüren, wenn sie einen Folsäuremangel haben – und deswegen Gras essen. Einen Folsäuremangel können sie beispielsweise haben, wenn sie eine Nierenerkrankung haben, bestimmte Medikamente kriegen (z.B. Antibiotika) oder an Blutarmut leiden.

Gegen diese Theorie spricht allerdings, dass die meisten Hunde und Katzen ausgewogen ernährt werden und sehr wahrscheinlich keinen Folsäuremangel haben – und trotzdem fressen sie Gras.

Theorie 4: Erbe der Vorfahren

Hierbei handelt es sich um die bevorzugte Theorie der Forscher aus Davis, Kalifornien. Sie nehmen an, dass Gras fressen in den meisten Fällen kein Anzeichen einer Erkrankung oder eines Nährstoffmangels ist, sondern ein normales Verhalten, dass über Generationen von ihren wilden Vorfahren weitergegeben wurde.

Sie glauben, dass es vor den Zeiten von Wurmkuren und regelmäßigen Tierarztbesuchen einem wichtigen Zweck diente: nämlich den Körper von Würmern zu befreien. Als Indiz dafür werten sie Beobachtungen bei wilden Schimpansen, welche die Blätter verschiedener Pflanzen fressen. Wenn dieses Pflanzenmaterial durch den Verdauungstrakt transportiert wird, „schlingt“ es sich einerseits um die Würmer und sorgt andererseits dafür, dass sich der Darm schneller bewegt. Dadurch werden die Darmwürmer ausgeschieden.

Dieses wichtige Verhalten könnte sich so stark eingebrannt haben, dass es selbst wurmfreie Hunde und Katzen immer noch zeigen.

Theorie 5: Langeweile

Manche Autoren gehen davon aus, dass manche Katzen einfach aus Langeweile Gras fressen. Es bewegt sich, sie haben beim Kauen etwas zu tun – immer noch besser als den ganzen Tag nur rumzuliegen.

Theorie 6: Katzen sind einfach Katzen…

…und fressen Gras einfach aus dem Grund, weil sie es gerne tun (das gleiche gilt natürlich auch für Hunde). Ich persönlich vermute, dass da etwas dran ist. Meine Katzen finden Gras mindestens genauso toll wie Leckerlis (wenn nicht sogar noch mehr). Dabei werden sie beide ausgewogen ernährt und zumindest mein Kater Clyde hat sehr wahrscheinlich keine Magen-Darm-Probleme und erbricht nach dem Gras fressen auch nicht. Deswegen vermute ich, dass es ihnen einfach extrem gut schmeckt. Nun ja, Geschmäcker sind eben verschieden!

Fazit:

Keiner weiß so richtig, wieso Katzen Gras fressen. Die alte Hypothese, dass sie es tun, um Fellknäuel oder Haarballen hochzuwürgen, scheint nach den Untersuchungen der Wissenschaftler aus Davis aber nicht mehr ganz haltbar. Vermutlich ist es eine Kombination verschiedener Gründe, die sich auch von Tier zu Tier etwas unterscheiden könnte.

Was sollte man bei Gras fressen bei Katzen und Hunden beachten?

Wie schon erwähnt, scheint Gras fressen ein ganz natürliches Verhalten und i.d.R. kein Grund zur Sorge zu sein. Wenn Sie allerdings das Gefühl haben, dass Ihrem Hund bzw. Ihrer Katze vor dem Gras fressen schlecht oder unwohl ist und es als Folge auch häufig zum Erbrechen kommt, sollten Sie über einen Gesundheitscheck beim Tierarzt nachdenken.

Wenn ihr Tier gerne an Pflanzen knabbert, sollten Sie am besten alle giftigen Pflanzen aus der Wohnung verbannen und ihm stattdessen spezielles Gras zur Verfügung stellen, das nicht mit Schadstoffen oder Düngern belastet ist.

Und hier noch eine kleine Warnung: Obwohl Gras an sich kein Problem, sondern im Gegenteil sogar förderlich für die Gesundheit von Hund und Katze zu sein scheint, birgt es eine potentielle Gefahr. Grashalme können sich im Rachen unserer Vierbeiner verkeilen und steckenbleiben. Wenn sie dort lange genug bleiben, kann es zu einer Entzündung kommen. Wenn Ihr Tier beim Atmen also plötzlich röchelt, Nasenausfluss hat oder viel niest, könnte ein Grashalm die Ursache sein. In einem solchen Fall wäre ein Besuch beim Tierarzt eine gute Idee.

Sie möchten unseren Tierärzten gerne selber eine Frage stellen? Dann hier entlang!
Quellen

08. April 2018

Von Dr. Iris Wagner-Storz

2018-07-03T09:19:10+00:00

Über den Autor:

Als ursprüngliche Schwäbin bin ich 2007 nach München gezogen um Tiermedizin an der LMU zu studieren. Anschließend hab ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München geschrieben – über eine neue Art der Immuntherapie bei Hunden mit Umweltallergie. Meine Lieblingsbereiche sind die Dermatologie, die Innere Medizin und Infektionskrankheiten. Ich bin stolze Dosenöffnerin für meine beiden Miezen Nini und Clyde, liebe alle Tiere (Katzen aber natürlich besonders) und habe eine Schwäche für Kuchen.