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Fibrosarkom bei der Katze

Injektions-assoziiertes Fibrosarkom, Impf-assoziiertes Fibrosarkom, Vakzine-assoziiertes Fibrosarkom, Weichteilsarkom

///Fibrosarkom bei der Katze

Fibrosarkom (Katze): Zusammenfassung

Als Fibrosarkom bezeichnet man einen bösartiger Tumor der Bindegewebszellen (Fibrozyten). Das Fibrosarkom tritt bei Katzen häufig an Impf- oder Injektionsstellen auf.

  • Häufigkeit der Erkrankung: Selten

  • Schwere der Erkrankung: Schwer

  • Vorkommen: Vor allem bei mittelalten Katzen (6-11 Jahre), aber bei Katzen aller Rassen und Altersstufen möglich

  • Ansteckungsgefahr: Nicht ansteckend für Tiere oder Menschen

  • Typische Symptome: Nicht schmerzhafter, harter Knubbel unter der Haut

  • Verlauf: chronisch

  • Diagnose: Untersuchung von Zellen aus dem Tumor

  • Behandlungsmöglichkeiten: Chirurgische Entfernung und anschließende Strahlentherapie

  • Prognose: Vorsichtig 

  • Zuständige Spezialisten: Spezialisten für Tumor- /Krebserkrankungen (Onkologie)

Beschreibung

Bei einem Fibrosarkom handelt es sich um einen bösartigen Tumor, bei dem es zu einer Entartung von Bindegewebszellen (Fibrozyten) in der Haut oder Unterhaut kommt. Das Fibrosarkom ist einer der häufigsten Hauttumoren der Katze.

Fibrozyten sind Bindegewebszellen und verleihen dem Bindegewebe Stabilität und Stützkraft. Kommt es zu einer Entartung der Fibrozyten, vermehren sich diese ungebremst und bilden so einen Tumor.

Bei Katzen wird das Fibrosarkom in vielen Fällen durch eine Impfung oder Injektion reizender Medikamente (z.B. Antibiotika oder langwirksames Kortison) unter die Haut hervorgerufen. Aus diesem Grund wird es oft auch als Injektions-assoziiertes bzw. Impf-assoziiertes Fibrosarkom bezeichnet.

Ein Fibrosarkom äußert sich als ein sehr derber, höckeriger Knoten unter der Haut. Am häufigsten findet man Fibrosarkome an den typischen Injektionsstellen: zwischen den Schulterblättern, an der seitlichen Brust- oder Bauchwand oder am Oberschenkel. Zu Beginn sind die Knoten meistens klein und können unter der Haut hin und her verschoben werden. Fibrosarkome können jedoch schnell wachsen und bilden lange, sternförmige Ausläufer. Diese Ausläufer können manchmal als derbe Stränge fühlbar sein. Bevorzugt ziehen diese Ausläufer an benachbarte Knochen (z.B. Schulterblätter, Rippen, Wirbelsäule) und verwachsen mit diesen. In diesem Stadium sind die Fibrosarkome nicht mehr beweglich. Wird der Tumor zu groß, kann die Haut aufbrechen und es kommt zu einem nicht heilenden Geschwür. Bei ca. 10-25 % der betroffenen Katzen streuen die Fibrosarkome in Lunge, Leber oder Lymphknoten und bilden dort Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen.

Ursachen und Risikofaktoren

Wie schon erwähnt wird das Fibrosarkom bei der Katze in den meisten Fällen durch eine Impfung oder eine Injektion reizender Medikamente ausgelöst. Aus diesem Grund bezeichnet man es häufig auch als Injektions-assoziiertes Fibrosarkom. Vor allem Impfstoffe gegen Tollwut und das Feline Leukämie Virus (FeLV) scheinen ein Risiko für die Entstehung eines Fibrosarkoms zu bergen. Statistisch gesehen tritt pro 1 000 – 10 000 Impfungen ein impf-assoziiertes Fibrosarkom auf. Das Risiko ist also überschaubar und man sollte trotzdem nicht auf eine Impfung bei der eigenen Katze verzichten. Man geht davon aus, dass die Impfstoffe und reizenden Medikamente eine Entzündungsreaktion in der Unterhaut verursachen, die in eine unkontrollierte Vermehrung und Entartung von Bindegewebszellen übergeht.

Generell kann das Fibrosarkom aber auch in Folge anderer chronischer Entzündungsreaktionen entstehen, z.B. nach einer Bissverletzung oder großen Operationswunden.

Symptome beim Fibrosarkom

In der Regel verursacht das Fibrosarkom zu Beginn keine Beschwerden. Oft fällt dem Besitzer zufällig beim Streicheln ein sehr fester, gummiartiger Knoten unter der Haut auf. Die Oberfläche ist meist höckerig. Das Abtasten ist für die Katze nicht schmerzhaft.

Fibrosarkome haben eine hohe Wachstumsgeschwindigkeit und können innerhalb von wenigen Wochen schnell größer werden. Das Wachstum kann aber auch in Schüben verlaufen, sodass der Knoten über eine längere Zeit stabil bleibt und dann plötzlich explosionsartig wächst. Fibrosarkome bilden typischerweise lange, sternförmige Ausläufer, die bevorzugt an benachbarte Knochen ziehen und fest mit diesen verwachsen.

Früher oder später kann es passieren, dass das Fibrosarkom nach außen aufbricht und es zu einem nicht heilenden Geschwür kommt. Fast immer infizieren und entzünden sich diese. Für die Katzen ist solch eine Wunde höchst unangenehm und belastend. Oft müssen die Katzen dann von ihrem Leiden erlöst werden.

  • Häufige Symptome:

    • sehr fester, höckeriger Knoten unter der Haut
    • nicht schmerzhaft
    • schnelles oder schubweises Wachstum
  • Gelegentlich auftretende Symptome:

    • offenes, nicht heilendes Geschwür

Wann sollten Sie zum Tierarzt gehen?

Findet man bei der eigenen Katze einen Knoten oder Knubbel am Körper, ist dies kein Grund in Panik zu geraten. Man sollte das Tier sollte aber möglichst zeitnah bei einem Tierarzt vorstellen. Ein zu langes Abwarten kann wertvolle Zeit kosten und die Prognose deutlich verschlechtern, vor allem bei einem Fibrosarkom.

Nach einer Impfung oder Injektion kann es an der Injektionsstelle zu einer Schwellung und leichten Entzündung kommen. Zunächst ist dies nicht beunruhigend und normalerweise verschwinden die Reaktionen innerhalb weniger (ca. 4-6) Wochen. Ist die Schwellung nach dieser Zeit an der Injektionsstelle aber nicht verschwunden oder sogar größer geworden, sollte dies beim Tierarzt untersucht werden. Wenn die Schwellung schnell größer wird, sich vermehrt warm anfühlt oder schmerzhaft ist, sollte sofort ein Tierarzt zu Rate gezogen werden, weil es sich z.B. um eine Entzündung oder einen Abszess handeln könnte.

Untersuchungen und Diagnose des Fibrosarkoms

Der Tierarzt stellt zuerst einige Fragen um möglichst viel über die Krankengeschichte (Anamnese) des Tieres herauszufinden. So wird er beispielsweise wissen wollen, wann der Knoten das erste Mal aufgefallen ist, ob er seitdem gewachsen ist und ob an dieser Stelle geimpft wurde. Danach führt er bei der Katze eine gründliche klinische Allgemeinuntersuchung durch und wird den Knoten außerdem genau anschauen und abtasten.

Nach der Untersuchung kann der Tierarzt eventuell schon einen ersten Verdacht auf ein Fibrosarkom äußern, eine Diagnose ist durch Abtasten aber nicht möglich. Aus diesem Grund ist eine Probenentnahme aus dem Knoten unerlässlich und sollte immer durchgeführt werden. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten:

Feinnadelaspiration

Dabei wird mit einer dünnen Nadel in den Knoten gepiekst und so Zellen entnommen, die unter dem Mikroskop untersucht werden können. Die Feinnadelaspiration ist für die Katzen in der Regel nicht schmerzhafter als eine Impfung oder ein Insektenstich. Es ist auch keine Narkose notwendig. In vielen Fällen kann durch eine Feinnadelaspiration ein Fibrosarkom diagnostiziert bzw. der Verdacht erhärtet werden.

Biopsie

Bei der Biopsie wird aus dem Knoten ein Gewebestück entnommen und von einem Pathologen untersucht. In der Biopsie kann nicht nur das Aussehen einzelner Zellen, sondern auch die Struktur des Gewebes beurteilt werden. Dadurch kann fast immer eine sichere Diagnose gestellt werden. Für eine Biopsie ist aber in der Regel eine kurze Narkose notwendig.

Weiterführende Untersuchungen

Hat sich der Verdacht eines Fibrosarkoms nach der Probenentnahme bestätigt, sollten vor einer Therapie noch weitere Untersuchungen durchgeführt werden. Dazu gehören:

  • Blutuntersuchung: Das Fibrosarkom verursacht typischerweise keine Veränderungen der Blut- und Organwerte. Dennoch sollte überprüft werden, ob die Katze – abgesehen vom Fibrosarkom – gesund ist oder ob im Blut Hinweise auf andere Erkrankungen vorliegen. Vor einer Narkose, z.B. für eine Computertomographieuntersuchung, sollte immer eine Blutuntersuchung gemacht werden, um die Narkosefähigkeit der Katze zu überprüfen.
  • Röntgen: 10-25 % der betroffenen Katzen entwickeln Metastasen (Tochtergeschwülste) vor allem in der Lunge. Aus diesem Grund sollten Röntgenaufnahmen des Brustkorbs angefertigt werden. Können dort Metastasen festgestellt werden, ist eine Therapie nicht mehr zu empfehlen.
  • Computertomographie: Bei der Computertomographie (CT) handelt es sich um eine Sonderform der Röntgenuntersuchung. Dabei werden hunderte sehr genaue Einzelbilder angefertigt. Dadurch können die Lage und das genaue Ausmaß des Tumors exakt dargestellt werden. Dies ist vor allem für die Planung einer Operation sehr wichtig, da die tatsächliche Ausdehnung des Fibrosarkoms oft doppelt so groß ist, wie nach dem Abtasten vermutet.

Behandlung des Fibrosarkoms

Eine möglichst frühzeitige und korrekte Therapie beeinflusst maßgeblich die Prognose beim Fibrosarkom. Therapie der Wahl ist eine radikale chirurgische Entfernung des Tumors. Fibrosarkome neigen sehr stark zu Rezidiven, das heißt sie wachsen schnell wieder nach. Bei einer Operation müssen deshalb möglichst alle Tumorzellen entfernt werden. Es ist aus diesem Grund wichtig, dass ein erfahrener Chirurg die Operation durchführt und zuvor eine Computertomographie-Untersuchung gemacht wurde um die exakte Ausdehnung des Fibrosarkoms zu bestimmen. Fast immer muss sehr viel Gewebe um den Tumor herum entfernt werden, in den meisten Fällen auch Muskeln und Knochenteile. Bleiben bei der Operation Tumorzellen zurück, kann es passieren, dass das Fibrosarkom schon nach wenigen Wochen wieder nachgewachsen ist.

Um ein Rezidiv (Rückfall) zu verhindern oder zu verzögern, wird nach einer Operation eine Strahlentherapie empfohlen. Dabei sollen durch ionisierende Strahlung die restlichen Tumorzellen abgetötet werden. Bei einer Strahlentherapie sind mehrere Sitzungen notwendig. Die Katzen benötigen dafür jeweils eine kurze Narkose, weil sie sich während der Bestrahlung nicht bewegen dürfen.

Es besteht auch die Möglichkeit, eine Chemotherapie im Anschluss an eine Operation durchzuführen und so das Auftreten eines Rezidivs oder Metastasen zu verzögern – vor allem, wenn nicht die Möglichkeit einer Strahlentherapie besteht. Der Erfolg einer Chemotherapie beim Fibrosarkom ist aber bis heute noch nicht abschließend geklärt. Aus diesem Grund sollte darüber von Fall zu Fall entschieden werden.

Die Immunotherapie mit Interleukin oder Interferon stellt eine neue und noch wenig erforschte Behandlungsmöglichkeit beim Fibrosarkom dar. Aus diesem Grund gibt es bisher keine gesicherten Ergebnisse zur Wirkung.

Prognose beim Fibrosarkom

Die Prognose beim Fibrosarkom der Katze ist vorsichtig. Sie wird maßgeblich davon beeinflusst, wie gut der Tumor entfernt werden kann. Fibrosarkome neigen sehr stark dazu nachzuwachsen, wenn nicht alle Tumorzellen vollständig entfernt werden konnten. Je großflächiger und radikaler der Tumor entfernt wird, desto besser ist die Chance auf Heilung bzw. auf langfristige Unterdrückung des Tumors.

Wurde der Tumor nicht vollständig entfernt – z.B. weil er zu groß ist oder vor der OP keine Computertomographie-Untersuchung gemacht wurde – kann es passieren, dass das Fibrosarkom bereits nach wenigen Wochen oder Monaten nachgewachsen ist. Die Erfolgsaussichten bei einer erneuten Operation sind wenig vielversprechend.

Durch eine Strahlentherapie können nicht entfernte Tumorzellen geschädigt oder abgetötet werden. Die Zeit bis zum Rezidiv (Nachwachsen) des Fibrosarkoms kann mit einer Strahlentherapie deutlich verlängert werden.

Nach einer Operation beträgt die durchschnittliche Überlebenszeit bei Katzen mit Fibrosarkom 1 ½ -2 Jahre. Mit einer zusätzlichen Strahlentherapie nach der Operation, liegt die durchschnittliche Überlebenszeit bei etwa 3 ½ Jahren.

Vorbeugung des Fibrosarkoms

Obwohl Fibrosarkome bei der Katze häufig durch eine Impfung ausgelöst werden, sollte man trotzdem nicht auf eine Impfung bei der eigenen Katze verzichten. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine ungeimpfte Katze mit einer schwerwiegenden Erkrankung infiziert, ist deutlich höher als die Wahrscheinlichkeit, dass nach einer Impfung ein Fibrosarkom auftritt.

Beim Impfen sollte aber eine Stelle ausgewählt werden, an der das Fibrosarkom im Falle eines Auftretens einfach und gut entfernt werden kann. Hier empfiehlt sich z.B. die Flanke oder die Hinterbeine. Eine Injektion in die Nackenfalte oder zwischen die Schulterblätter sollte – wenn möglich – vermieden werden.

Da die Prognose bei einer frühzeitigen Therapie deutlich besser ist, sollte jeder Knoten, den man bei der eigenen Katze feststellt, möglichst zeitnah von einem Tierarzt untersucht werden.

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Quellen

20. Dezember 2017

Von Dr. Stefanie Mallmann

2018-10-27T20:09:25+00:00

Über den Autor:

Geboren in der Nähe von Passau habe ich von 2008 bis 2014 an der LMU München Tiermedizin studiert. Nach meinem Abschluss habe ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München (Thema: Auswertung eines neuartigen Allergietests) gemacht. Anschließend habe ich ein Jahr in der Onkologie gearbeitet. Die Arbeit mit krebskranken Tieren war zwar oft sehr traurig, aber ich habe dort viele tolle Tiere und ihre Besitzer kennengelernt. 2014 habe ich meine Mischlingshündin Lotta adoptiert – unseren süßen Bürohund.