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Stress und Angst bei Katzen

33 Tipps, wie Sie helfen können!

///Stress und Angst bei Katzen

Wenn Katzen Stress empfinden und sich in Ihrem Zuhause nicht (mehr) wohl fühlen, kann das schwerwiegende Folgen haben: sie können anfangen, neben das Katzenklo zu pinkeln oder sogar richtig krank werden. Häufig ist es aber gar nicht so leicht zu erkennen, ob ein Stubentiger Stress oder Angst hat.

Wir zeigen Ihnen, worauf Sie achten müssen und wie Sie den Stress und die Angst Ihrer Katze reduzieren und behandeln können.

Symptome und Anzeichen von Stress und Angst bei Katzen

Akute Angst/akuter Stress

Plötzliche Angst (bzw. plötzlicher Stress) (wie z.B. an Silvester, beim Autofahren oder wenn der Staubsauger läuft) ist relativ einfach zu erkennen. Die Katze:

  • Flieht oder erstarrt in einer geduckten Körperhaltung (Körper tief am Boden, Schwanz unter dem Körper)

  • Hat möglicherweise ein aufgestelltes Fell und einen buschigen Schwanz

  • Kann fauchen oder knurren

  • Hat weit aufgerissene Augen mit großen Pupillen (sehr viel „Schwarz“ im Auge zu sehen) und angelegte Ohren

  • Zittert und/oder atmet schnell

  • Reagiert bei Annäherungsversuchen gar nicht oder sogar aggressiv

  • Setzt möglicherweise unkontrolliert Urin oder Kot ab

Chronischer Stress/chronische Angst

Die Anzeichen von chronischem Stress sind oft schwieriger zu entdecken. Folgende Symptome können Hinweise darauf sein, dass Ihre Katze betroffen ist:

  • Sie schnurrt weniger oder gar nicht mehr

  • Sie spielt nicht mehr so viel

  • Sie wirkt nervös, angespannt und schreckhaft

  • Sie zieht sich aus dem Familienleben zurück und versteckt sich viel

  • Sie verhält sich teilweise aggressiv gegenüber Artgenossen und/oder Menschen

  • Sie hat weniger Appetit als früher oder schlingt das Futter plötzlich runter

  • Sie pinkelt oder kotet in die Wohnung – z.B.  in Betten oder auf Teppiche

  • Sie markiert mit Urin (dabei sprühen Katzen im Stand und mit erhobenem Schwanz einen Urinstrahl gegen vertikale Oberflächen, z.B. Wände)

  • Sie vernachlässigt ihre Fellpflege und hat ein struppiges Fell ODER sie putzt sich extrem viel, fast zwanghaft – teilweise bis hin zur Haarlosigkeit

Folgen von chronischem Stress bzw. ständiger Angst

Wenn sie bei Ihrer Katze diese Anzeichen oder Symptome erkennen, sollten Sie unbedingt handeln: denn chronischer Stress kann Katzen krankmachen!

Sehr oft entwickeln die betroffenen Samtpfoten eine idiopathische Blasenentzündung (FLUTD) – vor allem bei Katern kann es dabei zu einem lebensbedrohlichen Harnröhrenverschluss kommen.

Eine weitere häufige Folge sind Erkrankungen der Atemwege (z.B. Katzenschnupfen) mit Symptomen wie Nasen- und Augenausfluss, dunklen Krusten an den Augen, Schniefen und Niesen.

Stress und Angst können Stubentigern aber auch auf den Magen-Darm-Trakt schlagen und zu Erbrechen, Durchfall oder Abmagerung führen.  Andererseits kann es aber auch zu Übergewicht, Aggressivität oder übermäßigem Putzverhalten (bis hin zur Haarlosigkeit) kommen.

Und nicht zuletzt verlieren gestresste Miezen oft ihre Stubenreinheit und pinkeln in die Wohnung oder markieren mit Urin (oder sogar Kot). Lesen Sie hier mehr über Ursachen und Behandlung von Unsauberkeit bei Katzen.

Ursachen von Stress und anhaltender Angst bei Katzen

Grundsätzlich gilt: manche Stubentiger sind hart im Nehmen und lassen sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen, andere wiederum sind sehr sensibel und reagieren schon auf kleine Störungen mit Stress.

Häufige Ursachen für Stress und Angst bei Katzen sind:

  • Konflikte zwischen zusammenlebenden Tieren
    • Offene Kämpfe oder
    • Stille Auseinandersetzungen (häufig, aber schwer zu erkennen; bleiben deshalb oft unbemerkt. Typische Anzeichen dafür finden Sie in Tabelle 1.)
  • gefühlter Mangel an Ressourcen wie z.B. Wasserstellen, gute Verstecke/Liegeplätze oder Katzenklos
    • häufigste Ursache von Konflikten zwischen Katzen im gleichen Haushalt
    • tritt auch auf, obwohl aus menschlicher Sicht eigentlich alles ausreichend vorhanden ist
    • Bsp.: Nur ein Katzenklo vorhanden (oder zwei direkt nebeneinander) → die ranghöhere, dominante Katze beansprucht es für sich und verweigert dem unterlegenen Artgenossen den Zugang (zumindest zeitweilig) → Stress für die unterlegene Katze
  • Zu wenig Platz (Wohnung zu klein oder zu viele Artgenossen in einem Haushalt)
  • Gefühlte Bedrohung z.B. durch
    • Im Haushalt lebenden Hund
    • Fremde Katzen, die ins Revier eindringen (auch bei reiner Wohnungshaltung, wenn eine fremde Katze  z.B. durchs Fenster gesehen wird)
    • Laute, hektische Personen
    • Größere Menschengruppen (z.B. bei Partys)
    • Menschen (v.a. Kinder), die ihnen hinterherlaufen und sie hochheben
    • Streit und Anspannung bei „ihren“ Menschen
  • Einsamkeit, Langeweile oder Unterforderung
    • Bei zu wenig Beschäftigung und Zuwendung durch Menschen und/oder Artgenossen
    • z.B. wenn die Katze einen großen Teil des Tages alleine ist
  • Veränderungen im Lebensumfeld der Mieze, z.B.
    • Verlust der Bezugsperson oder des Partnertiers
    • Umzug, Renovierung, neue Möbel
    • Neue „Mitbewohner“ (z.B. Katzen, Hunde, Baby, Partner)
    • Neue Futter- oder Katzenstreusorte
    • Ungewohnte Geräusche (z.B. Schreien eines Babys) oder Gerüche (z.B. neue Wandfarbe, neues Parfüm)
    • Wegfall des Freigangs

Achtung: Auch Krankheiten und Schmerzen können die Ursache für Stress und seine Symptome sein! Wenn Sie also keinen offensichtlichen Grund für die Stress-Anzeichen Ihrer Katze finden, sollten Sie sie unbedingt von einem Tierarzt untersuchen lassen.

Tabelle 1: Anzeichen für stille Kämpfe zwischen Katzen im gleichen Haushalt. Diese können unbemerkt zu Stress und Angst führen.

Dominante Katze Unterlegene, „bedrohte“ Katze
Verfolgt die unterlegene Mieze mit gesenktem Kopf und Nacken Vermeidet es, der dominanten Katze zu begegnen und hält Abstand zu ihr, flieht bei Konfrontation
Starrt sie an Vermeidet Augenkontakt
Stellt die Haare an Rücken und Schwanz auf, knurrt und grummelt, wenn sie die andere Katze sieht Kauert sich zusammen, wenn ihr „Angreifer“ in der Nähe ist
Verwehrt dem unterlegenen Artgenossen den Zugang zu Ressourcen wie Wasser- und Futternäpfen, Liegeplätzen und Katzenklos Zieht sich viel zurück und versteckt sich
Ergebnis: Empfindet ständige Bedrohung → führt zu Stress und Angst

33 Tipps, wie Sie Stress bei Ihrer Katze reduzieren und verhindern können

Weil dauerhafter Stress und ständige Angst so schwere Folgen haben können, sollten Sie als Besitzer unbedingt handeln, wenn Sie deren Anzeichen entdecken.

Aber was kann man überhaupt tun? Das Wichtigste ist, die Ursachen für den Stress so gut wie möglich zu beseitigen und die Umwelt der Mieze ansprechender zu gestalten. So können Sie Ihrer Katze helfen, sich wieder zu entspannen und zu beruhigen.

Idealerweise optimiert man die Umgebung des Stubentigers natürlich schon, bevor es überhaupt zu Stress kommt.

  1. Stellen Sie genügend Futternäpfe, Trinkmöglichkeiten und Katzenklos zur Verfügung. Dabei gilt die „Anzahl der Katzen plus 1“-Regel. Das heißt, Sie sollten immer ein Katzenklo mehr haben, als Miezen in Ihrem Haushalt leben. Das gleiche gilt auch für die Trinkmöglichkeiten und Futternäpfe (zumindest bei Trockenfutter, das den ganzen Tag über zur freien Verfügung steht).
  1. Stellen Sie die Katzenklos an voneinander entfernten, ruhigen Orten auf – bei zwei Katzenklos direkt nebeneinander kann eine Mieze der anderen immer noch den Zugang versperren. Das gleiche gilt auch für die Trinkplätze.
  1. Bei schweren Konflikten zwischen Ihren Katzen sollten Sie idealerweise jeder Mieze ein eigenes Set aus Katzenklo, Liegeplatz, Wasser- und Futternapf in einem eigenen Raum aufstellen. Dann kann sich die unterlegene Samtpfote an diesen Ort zurückziehen und hat dort trotzdem alles, was sie braucht.
  1. Stubentiger fressen oder trinken nicht gerne dort, wo sie aufs Klo gehen – und auch Futter- und Wasseraufnahme trennen sie lieber voneinander. Halten Sie also genügend Abstand zwischen Futternäpfen, Trinkmöglichkeiten und Katzenklos.
  1. Füttern Sie Ihre Katzen einzeln an ruhigen Orten, wo sie nicht durch laute Geräusche oder andere Vierbeiner überrascht werden können.
  1. Entfernen Sie Urin und Kot aus dem Katzenklo möglichst bald nach der Benutzung, mindestens aber zweimal täglich.
  1. Verwenden Sie keine parfümierte Katzenstreu. Denken Sie daran: Katzen können sehr viel besser riechen als wir! Ihnen mag der Geruch also vielleicht gefallen – für Ihre Mieze stinkt es aber wie in einer Parfümfabrik.
  1. Schaffen Sie Ihren Katzen genügend Kratzmöglichkeiten – sowohl horizontale (z.B. Kratzpappen) als auch vertikale (z.B. Kratzbaum oder Kratzpfosten). Denn an Ihnen schärfen Stubentiger nicht nur ihre Krallen; sie dienen auch dazu, beim Kratzen ihren „Wohlfühlbereich“ bzw. ihr Revier zu markieren.
  1. Auch Liegeplätze und Rückzugsmöglichkeiten sollten Sie in ausreichender Menge bieten (mindestens „Anzahl der Katzen plus 1“). Dabei sollten Sie darauf achten, dass die Miezen dort ihre Ruhe haben, Artgenossen sich nicht unbemerkt anschleichen können und von dort zur Not immer ein Fluchtweg bleibt.
  1. Gerade ängstliche Samtpfoten suchen sich gerne höhlenartige Verstecke, weil sie sich dort sicherer fühlen. Bieten Sie also auch Katzenhöhlen, Kartons und ähnliches an. Auch Katzentransportboxen werden oft als Versteck angenommen.
  1. Stubentiger brauchen viel Platz. Eine Wohnung reicht da häufig nicht. Sie können den Platz aber deutlich vergrößern, wenn Sie auch die Raumhöhe ausnutzen. Schaffen Sie Liegeplätze, Laufstege, Hängematten, Höhlen und so weiter in verschiedenen Höhen. Das hat noch dazu den Vorteil, dass die Samtpfoten so alles von oben überwachen können – denn das tun sie besonders gern.
  1. Falls Ihre Mieze von innen vierbeinige Eindringlinge im Garten sieht, kann es helfen den Zugang zu diesem Fenster zu versperren oder das Fenster durch Milchglasfolie oder ähnliches blickdicht zu machen.
  1. Bei Katzen, die über eine Katzenklappe Zugang nach draußen haben, kann eine Magnet- oder Mikrochip-gesteuerte Klappe helfen, das Eindringen fremder Katzen ins eigene, häusliche Revier zu verhindern.
  1. Stellen Sie bei Besuch durch fremde Menschen und/oder Tiere sicher, dass Ihre Mieze immer einen ruhigen Rückzugsraum hat, in dem sie alleine sein kann.
  1. Wenn Ihre Katze eine Zeit lang woanders war oder fremd riecht (z.B. nach einem Tierarztbesuch), sollten Sie sie zunächst wieder mit dem Geruch der Sozialgruppe ausstatten, bevor Sie sie zu den anderen lassen. Bringen Sie Ihre Mieze erst mal in einen eigenen Raum und reiben Sie sie mit Klamotten ab, die Sie kürzlich getragen haben – oder mit einem Tuch, das Sie am Kinnbereich der anderen Katzen gerieben haben.
  1. Wenn sich eine Ihrer Katzen oft an die anderen Miezen anschleicht (und sie dann möglicherweise sogar angreift), können Sie ein Vorwarnsystem installieren: legen Sie der dominanten, anschleichenden Samtpfote ein Halsband mit Glöckchen an.
  1. Wenn Sie von einem Futter auf ein anderes wechseln: lassen Sie Ihrer Mieze Zeit, sich an den neuen Geschmack zu gewöhnen. Dafür sollten Sie einige Tage lang das alte Futter mit dem neuen mischen. Geben Sie zunächst hauptsächlich das alte Futter in den Napf und nur ein bisschen vom neuen dazu. Jeden Tag können Sie dann die Menge des neuen erhöhen und die des alten verringern, bis schließlich nur noch das neue Futter im Napf ist. Das gleiche Prinzip können Sie auch bei einem Wechsel der Katzenstreu-Sorte anwenden.
  1. Wechseln Sie die Futter- und Katzenstreusorten nicht zu häufig – maximal einmal pro Monat. Öfter zu wechseln kann bei sensiblen Katzen zu Stress führen.
  1. Wecken Sie das Raubtier in Ihrem Stubentiger: verstecken Sie einzelne Trockenfutter-Kroketten (oder auch mal Leckerlis) an verschiedenen Stellen in Ihrem Haus, so dass er auf die Pirsch gehen muss – das hilft hervorragend gegen Langeweile.
  1. Servieren Sie Trockenfutter nicht in einem langweiligen Futternapf – geben Sie es stattdessen in „Fummelbretter“/Intelligenzspielzeug (wie z.B. das „Cat Activity Fun Board“ von Trixie) oder Futterbälle. Dann muss sich die Mieze das Futter mit Köpfchen und Geschick erarbeiten.
  1. Manche Katzen spielen lieber, andere lassen sich lieber streicheln – egal, was ihre Mieze bevorzugt: Hauptsache, sie verbringen genug Zeit mit ihr. Katzen, die unter Stress oder Angst leiden, brauchen viel Zuwendung! Selbst wenn Sie nur sanft mit ihr sprechen, kann das schon helfen (vor allem bei akuter Angst).
  1. Viele Katzen wollen nur an bestimmten Stellen und/oder nur sanft gekrault werden (häufig am Kopf und Kinn). Zu starkes, langes oder falsches Streicheln und Kraulen kann Miezen ebenfalls stressen. Respektieren Sie beim Streicheln deshalb die Wünsche Ihrer Katze und erlauben Sie ihr selbst zu bestimmen, wann sie genug hat.
  1. Ihre Mieze ist ein Spielmuffel? Vielleicht haben Sie noch nicht das passende Spielzeug gefunden. Manche Katzen haben hier klare Vorlieben. Probieren Sie also aus, was Ihr Stubentiger am liebsten mag: Fellmäuschen, Federspielzeug, Kordeln, Laserpointer, über den Boden rollende Gegenstände (z.B. Tannenzapfen, zusammengeknülltes Papier, Trockenfutter-Kroketten) und so weiter.
  1. Laserpointer sind toll gegen Langeweile – und sorgen gleichzeitig auch noch für mehr Bewegung. Achten Sie aber immer darauf, dass Sie das Licht am Ende des Spiels auf einen Gegenstand lenken, den Ihre Katze packen kann. Denn wenn Ihre Mieze nie einen Jagderfolg hat, kann das zu starker Frustration führen.
  1. Immer nur mit den gleichen Sachen zu spielen ist langweilig. Einen Teil des Spielzeugs sollten Sie deswegen immer eine Zeit lang wegpacken. War es ein oder zwei Wochen außer Reichweite, ist es plötzlich wieder so spannend wie zu Beginn.
  1. Ein guter Weg, um Katzen zu beschäftigen und ihnen Selbstbewusstsein zu verleihen, ist das Einüben von Tricks, z.B. mit Clicker-Training. Denn nicht nur Hunde können Pfote, High Five und Co. lernen!
  1. Manche sensiblen Samtpfoten fühlen sich wohler, wenn das Radio oder der Fernseher läuft, während sie alleine zuhause sind.
  1. Falls Ihre Katzen kämpfen, sollten Sie ihre Krallen kürzen, damit sie sich nicht gegenseitig verletzen können. Falls noch nicht geschehen, sollten Sie außerdem ernsthaft über eine Kastration der Miezen nachdenken (sowohl der männlichen als auch der weiblichen Tiere) – das kann häufig helfen, die Spannungen zu mindern.
  1. Falls Ihre Stubentiger gar nicht miteinander zurechtkommen, sollten Sie sie zumindest zeitweise und wenn keine Überwachung möglich ist, voneinander getrennt halten. Manchmal hilft es auch, die Katzen neu miteinander zu vergesellschaften. Dabei folgt man den gleichen Tipps, wie wenn ein neuer Artgenosse einzieht.
  1. Ein grundsätzlicher Rat, der aber vor allem auch bei Unsauberkeit und Urin-Markieren beachtet werden sollte: Schimpfen Sie nicht mit Ihrer Katze und bestrafen Sie sie nicht! Denn das erzeugt noch mehr Angst und Stress und kann gerade bei sensiblen Samtpfoten das Problem noch weiter verschlimmern!
  1. Bei akuter Angst bzw. akutem Stress hilft es, beruhigend mit der Mieze zu sprechen und sie (je nach Katze) zu streicheln. Versuchen Sie nicht, die Katze zum Gegenstand ihrer Angst zu tragen, um ihr zu zeigen, dass kein Grund zur Sorge besteht. Sie wird es nicht verstehen und nur noch mehr Angst haben.
  1. Scheuen Sie nicht davor zurück, auch Profis um Hilfe zu bitten. Auf Verhaltenstherapie spezialisierte Tierärzte und „Katzenpsychologen“ können die Situation neutraler beurteilen und auf den Fall abgestimmte Tipps geben.
  1. Denken Sie immer daran: Stress und seine Symptome (wie Unsauberkeit, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Durchfall, Rückzug, etc.) können auch durch Krankheiten und Schmerzen entstehen! Lassen Sie Ihre Katze im Zweifel also von einem Tierarzt durchchecken!

Pheromone, Bachblüten und Beruhigungsmittel: unterstützende Stressbehandlung für die Katze

Manchmal ist der Stress so groß, dass er „nur“ mit Umgebungsanpassungen nicht in den Griff zu kriegen ist. Zum Glück gibt es weitere Möglichkeiten, die unterstützend verwendet werden können.

Dabei liegt die Betonung allerdings auf „unterstützend“! Denn alleine sind sie in aller Regel nicht ausreichend – das A und O bleibt die Optimierung der Lebensbedingungen!

Pheromone (Feliway®)

Pheromone sind Botenstoffe, die dazu dienen, Informationen zwischen Tieren der gleichen Tierart auszutauschen. Sie werden beispielsweise genutzt, um Reviere zu markieren. Wenn eine Katze ihr Kinn an Gegenständen (oder Menschen) reibt, überträgt sie dabei verschiedene Gesichts-Pheromone. Sie zeigt mit ihnen, dass sie sich im Bereich um diese Gegenstände (oder Menschen), wohl und sicher fühlt und diese „zu ihr“ gehören.

Eines dieser Gesichts-Pheromone wurde künstlich hergestellt und ist als Spray oder Zerstäuber für die Steckdose erhältlich (Feliway® Classic). Es verbreitet das Wohlfühl-Pheromon und vermittelt der Katze so ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Bei manchen Katzen können Konflikte dadurch entschärft, Angst gemildert und Stress-Situationen (wie z.B. Autofahrten) erleichtert werden.

Obwohl die positive Wirkung grundsätzlich wissenschaftlich belegt wurde, scheint Feliway® leider nicht bei allen Katzen zu wirken. Weil es aber keine bekannten Nebenwirkungen hat (weder für Menschen noch für Tiere), kann es auf jeden Fall ausprobiert werden.

Nahrungsergänzungsmittel und Spezialfutter

Zylkene®

In diesen Kapseln ist ein Wirkstoff enthalten, der auch im Darm von Katzenwelpen entsteht – und zwar, wenn sie Muttermilch verdauen. Er soll unter Stress leidende Miezen entspannen und beruhigen. Wie bei Feliway® gilt aber: nicht bei jeder Katze wirkt er. Weil der Wirkstoff von Zylkene® (Alpha-Casozepin) aber aus Milch gewonnen wird und keine bekannten Nebenwirkungen aufweist, können Sie die Kapseln einfach mal probieren.

Relaxan®

Hierbei handelt es sich um ein Ergänzungsfuttermittel in Tablettenform. Es enthält die Aminosäure L-Tryptophan in besonders hoher Konzentration. Tryptophan wird im Gehirn der Katze in den Botenstoff Serotonin umgewandelt – ein Stoff, der dafür bekannt ist, Gelassenheit, Ruhe und Zufriedenheit hervorzurufen. Angst, Stress und Kummer werden dagegen gehemmt. Aus diesem Grund wird Serotonin oft auch als „Glückshormon“ bezeichnet.

Wie gut Relaxan® bei einer Katze wirkt, scheint unterschiedlich zu sein. Zumindest sind aber auch hier keine Nebenwirkungen bekannt.

Royal Canin® Calm

Dieses Spezialfutter enthält sowohl den Wirkstoff von Zylkene® (Alpha-Casozepin) als auch den von Relaxan® (L-Tryptophan). Dementsprechend soll es bei längerfristiger Fütterung zur Entspannung und Beruhigung der unter Stress oder Angst leidenden Katzen kommen.

Allerdings: Auch hier ist die Wirkung nicht garantiert. Wenn Sie kein großer Fan von Kapseln und Tabletten sind, die Wirkstoffe aber trotzdem gerne ausprobieren möchten, ist Royal Canin® Calm jedoch die richtige Wahl für Sie.

Bachblüten und Rescue-Tropfen

Bei der Bachblüten-Therapie handelt es sich um ein alternativmedizinisches Verfahren, das der Homöopathie nicht unähnlich ist. Bei ihr sollen sogenannte Bachblüten-Essenzen zu einer Harmonisierung seelischer Gleichgewichtsstörungen führen. Jeder der 38 Bachblüten-Essenzen (z.B. Ulme oder Heckenrose) wird dabei eine bestimmte Wirkung zugesprochen.

Je nachdem, welche Beschwerden vorliegen, werden die Essenzen zu unterschiedlichen Mischungen zusammengestellt (als Tropfen oder Globuli). So enthalten Rescue-Tropfen beispielsweise eine Mischung aus 5 verschiedenen Bachblüten, die bei akutem Stress bzw. akuter Angst helfen sollen (z.B. an Silvester oder bei Autofahrten).

Wissenschaftlich belegt ist die Wirksamkeit von Bachblüten nicht – manche Katzen-Besitzer schwören trotzdem auf diese Art der Behandlung. Weil die Globuli und Tropfen keine Nebenwirkungen haben, spricht nichts dagegen, eine Bachblüten-Therapie einfach mal zu versuchen.

Beruhigungsmittel und Antidepressiva

Vor allem in akuten Angst- oder Stress-Situationen (z.B. an Silvester, bei Autofahrten, nach Verlust des Partnertieres) kann es sein, dass all diese Tipps und Mittel einfach nicht ausreichen. Dann kann es nötig und auch sinnvoll sein, zu stärkeren Medikamenten zu greifen.

Beruhigungsmittel (Sedativa)

Beruhigungsmittel, wie z.B. Diazepam (Valium®), können akute Angst kurzfristig sehr gut lindern. Ihre Wirkung hält aber nur einige Stunden an. Weil einige dieser Beruhigungsmittel die Katzen bei längerer Gabe auch abhängig machen können, sind sie nicht zur Behandlung von chronischem Stress geeignet.

Leider kann es bei diesen Medikamenten auch zu Nebenwirkungen kommen. Deswegen sollte genau mit dem Tierarzt besprochen werden, ob es wirklich Sinn macht, Beruhigungsmittel zu geben. Mehr Informationen über Beruhigungsmittel finden Sie im Artikel „Silvester mit Hund und Katze“.

Antidepressiva

Antidepressiva wirken dagegen erst, nachdem sie schon mehrere Wochen oder sogar Monate gegeben wurden. Für akute Stress- oder Angst-Situationen sind sie deswegen nicht geeignet. Bei chronischem Stress können sie dagegen beruhigend und angstlösend wirken. Leider können auch diese Medikamente Nebenwirkungen haben. Ihr Einsatz sollte also unbedingt gut abgewogen und mit einem – idealerweise auf Verhaltenstherapie spezialisierten – Tierarzt besprochen werden.

Quellen

23. Dezember 2017

Von Dr. Iris Wagner-Storz

2018-07-02T16:58:06+00:00

Über den Autor:

Als ursprüngliche Schwäbin bin ich 2007 nach München gezogen um Tiermedizin an der LMU zu studieren. Anschließend hab ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München geschrieben – über eine neue Art der Immuntherapie bei Hunden mit Umweltallergie. Meine Lieblingsbereiche sind die Dermatologie, die Innere Medizin und Infektionskrankheiten. Ich bin stolze Dosenöffnerin für meine beiden Miezen Nini und Clyde, liebe alle Tiere (Katzen aber natürlich besonders) und habe eine Schwäche für Kuchen.