Beschreibung

Immer, wenn Katzen und Kater in der Wohnung außerhalb des Katzenklos Urin oder Kot absetzen, spricht man von Unsauberkeit.

Um herauszufinden, welche Gründe hinter dem überall hin machen stecken, ist es aber wichtig zwei verschiedene Verhaltensprobleme zu unterscheiden: „Katze/Kater pinkelt bzw. kotet in die Wohnung“ und „Katze/Kater markiert“.

In die Wohnung pinkeln/koten

Wenn Katzen unsauber sind, handelt es sich in den meisten Fällen (70%) um „in die Wohnung pinkeln oder koten“. Dabei setzen die Miezen ganz normal Urin oder Kot ab – nur eben nicht ins Katzenklo. Dieses wird nur selten oder gar nicht genutzt. In aller Regel verrichten die Katzen/Kater beim „in die Wohnung pinkeln/koten“ ihr Geschäft auf horizontale Flächen, wie z.B. Teppiche, Bett, Waschbecken.

Markieren mit Urin oder Kot

Beim Markieren mit Urin pinkeln die Katzen oder Kater typischerweise kleine Mengen Urin gegen vertikale Flächen (wie Wände, Türrahmen, Sofaecken). Dazu nehmen sie meistens eine charakteristische Position ein: sie stellen sich rückwärts an die vertikale Fläche und sprühen einen Urinstrahl dagegen. Dabei ist der Schwanz erhoben und die Schwanzspitze zuckt.

Leider kann es auch weniger typisch aussehen: Wenn z.B. auf dem Boden liegende Gegenstände markiert werden, kann es wirken wie „in die Wohnung pinkeln“.

Wenn es um Unsauberkeit beim Kotabsatz geht, ist es noch schwieriger zu unterscheiden, ob eine Kätzin oder ein Kater „in die Wohnung macht“ oder markiert – in beiden Fällen „hocken“ sich die Miezen hin. Allerdings wird der Kot beim Markieren häufig an prominenten Stellen abgesetzt und nicht versucht zu verscharren.

Anders als beim „in die Wohnung pinkeln/koten“ setzen Katzen und Kater, die markieren, außerdem meist zusätzlich noch ganz normal Urin und Kot im Katzenklo ab.

Zum Markieren wählen Stubentiger häufig immer wieder die gleichen, strategisch günstig gelegenen Stellen. Aber auch Gegenstände, die fremd bzw. nicht mehr nach der Katze riechen (z.B. Koffer, Rücksäcke, Schuhe, Kleidung) werden häufig zum Opfer der Pinkel-Attacken.

Markieren ist eigentlich ein ganz normales, kätzisches Verhalten – v.a. bei unkastrierten Kätzinnen und Katern. Die Miezen kennzeichnen in der Wildnis so ihr Revier und teilen möglichen Sexualpartnern mit „Ich bin hier und verfügbar“.

Aber auch 10% der gesunden kastrierten Kater und 4% der gesunden kastrierten Kätzinnen zeigen Markierverhalten. Dabei können sowohl ranghohe, sichere Stubentiger als auch rangniedrige, unsichere Miezen betroffen sein – Markieren kann nämlich auch dazu dienen, Stress abzubauen (Übersprungshandlung) und sich in der Umgebung/Wohnung wieder sicher zu fühlen (durch Verteilen des eigenen Geruchs mittels Urin und Kot).

Abgrenzung von anderen Symptomen

Es ist extrem wichtig, die Unsauberkeit von anderen Symptomen – deren Ursache kein Verhaltensproblem, sondern immer eine Erkrankung ist – abzugrenzen.

So kann z.B. auch eine Urininkontinenz oder Kotinkontinenz dahinterstecken, wenn Katzen überall hin pinkeln/koten. Bei einer Inkontinenz verlieren die betroffenen Katzen unabsichtlich – und oft ohne dass sie es überhaupt merken – Urin oder Kot (z.B. beim Liegen, im Schlaf, beim Laufen). Oft findet man dann einige Urintropfen (oder Pfützen) am Liegeplatz. Inkontinenz ist kein Verhaltensproblem, sondern es steckt immer eine Erkrankung oder Verletzung hinter dem Symptom.

Es kann außerdem sein, dass Katzen überall hin pinkeln, weil sie aufgrund einer Erkrankung einfach extrem dringend müssen und es nicht mehr aufs Klo schaffen. Das kann z.B. vorkommen, wenn

Ursachen von „in die Wohnung pinkeln/koten“ und Markieren

Wenn Katzen oder Kater überall hin pinkeln, ist eines ist ganz wichtig zu verstehen: sie machen das niemals aus Trotz oder um Sie zu bestrafen!

Es steckt immer ein guter Grund hinter dem Verhalten – und häufig braucht die Mieze Ihre Hilfe, weil sie unter einer Krankheit, Schmerzen oder Stress leidet oder ihre Bedürfnisse nicht erfüllt sind. Natürlich kann das „überall hin pinkeln“ auch mehrere Ursachen gleichzeitig haben.

Ursachen für „In die Wohnung pinkeln/koten“

  • Das Katzenklo entspricht nicht den Bedürfnissen der Katze (häufigster Grund!)

    Die Katze mag den Standort und/oder die Größe, Art oder Einstreu des Katzenklos nicht (z.B. zu klein, zu viel Unruhe und „Verkehr“ ums Katzenklo, zu dreckig) oder es gibt zu wenig Klos.

  • Die Katze bevorzugt einen anderen Untergrund oder eine andere Stelle zum Urinieren/Koten

    Katzen lernen im Welpenalter Urin und Kot in ein bestimmtes Material abzusetzen – diese Präferenz behalten sie in der Regel lebenslang. Wenn sie falsch geprägt sind, können sie z.B. weiches Material (wie einen Teppich oder ein Bett) oder ein Waschbecken schlichtweg als korrekten Ort zum Pinkeln empfinden.

  • Die Katze hat eine Abneigung gegen das Katzenklo durch unangenehme Erfahrungen in dessen Nähe

    Wenn eine Katze immer wieder unangenehme/schmerzhafte Situationen im Bereich des Katzenklos erlebt, verbindet sie diese irgendwann mit dem Klo selbst und meidet es schließlich – selbst wenn die Situation (z.B. Schmerzen beim Pinkeln) gar nicht mehr besteht.

    Solche unangenehmen Erfahrungen können z.B. sein:

    • Schmerzen beim Pinkeln oder Koten (z.B. aufgrund einer Blasenentzündung)
    • Angriffe durch Artgenossen beim Betreten oder Verlassen des Katzenklos
    • Erschrecken durch nahe Waschmaschine
    • Gestank des dreckigen Klos
  • Die Katze leidet unter Stress und/oder Angst

    Auch wenn Katzen unter Stress oder Angst leiden, können Sie unsauber werden und überall hin pinkeln.

    Die Ursachen dafür können u.a. sein:

    • Veränderungen im Umfeld der Katze (z.B. neuer Artgenosse, Umzug, Baby, neue Möbel oder auch nur neuer Ort des Katzenklos)
    • Konflikte z.B. mit Partnerkatzen
    • Langeweile oder Einsamkeit

So kann eine unsichere, ängstliche Mieze z.B. ins Bett pinkeln, weil sie sich dort am sichersten fühlt. Es kann auch passieren, dass sich eine rangniedrige Katze einfach nicht ins Katzenklo traut, weil ihre Partnerkatze sie dann nicht mehr rauslässt.

  • Die Katze leider unter einer Krankheit

    Wie oben schon erwähnt, können auch verschiedene Krankheiten dazu führen, dass eine Katze überall hin pinkelt/kotet und unsauber wird.

    In Frage kommen bei „in die Wohnung pinkeln/koten“ z.B.

Ursachen für Markieren mit Urin oder Kot

  • Markieren des Reviers
  • sexuell-motiviert (v.a. unkastrierte Kätzinnen und Kater)
  • Stress und Angst
    • Vor allem bei neuen oder ungewohnten Gerüchen, Geräuschen, Gegenständen, Menschen oder Tieren im eigenen „Revier“ (Wohnung, Haus, Garten)
    • Aber auch Stress und Angst durch Konflikte, Einsamkeit und Langeweile
    • Die Katze markiert Fenster, Wohnungstür, Katzenklappe → Hinweis, dass die von der Katze empfundene „Bedrohung“ von außen kommt bzw. draußen zu finden ist
    • Sie markiert Flur, Treppen, Innentüren → Hinweis, dass sich die „Bedrohung“ im Haushalt selbst befindet
    • Sie markiert Koffer, Rucksäcke, Schuhe → Hinweis, dass die Katze durch die fremden Gerüche aus der „Außenwelt“ verunsichert ist
    • Die Katze markiert das Bett des Familienhundes → Hinweis auf Verunsicherung durch den Hund
    • Die Katze pinkelt ins Bett → kann ein Hinweis auf eine gestörte Katze-Mensch-Beziehung sein
  • Krankheiten
    • v.a. idiopathische Blasenentzündung (idiopathische FLUTD), aber auch die anderen Krankheiten aus der Liste bei „Ursachen für in die Wohnung pinkeln/koten“ kommen in Frage

Medizinische Untersuchungen bei Unsauberkeit

Wenn Ihre Katze überall in die Wohnung pinkelt, sollte der erste Schritt immer eine Untersuchung durch einen Tierarzt sein. Denn häufig steckt tatsächlich eine Erkrankung hinter dem Problem.

Der Tierarzt wird Ihnen zunächst einige Fragen stellen und eine allgemeine Untersuchung durchführen.

Wenn Ihre Katze überall hin pinkelt oder mit Urin markiert, wird er anschließend i.d.R. den Urin untersuchen und eventuell auch in ein Labor einschicken. Eine Darstellung der Harnwege mittels Ultraschall oder Röntgen sowie eine Blutuntersuchung gehören ebenfalls häufig zum „Standardprogramm“.

Bringen diese Untersuchungen kein Ergebnis, obwohl der Tierarzt eine Krankheit als Ursache vermutet, kann es auch sein, dass er weitere Untersuchungen durchführt (z.B. Messung der Schilddrüsenhormone).

Setzt die Katze dagegen außerhalb des Katzenklos Kot ab, wird der Tierarzt oft andere Untersuchungen durchführen. Neben einer Kotuntersuchung sind häufig ein Ultraschall des Bauchraums sowie verschiedene Blutuntersuchungen (Blutbild, Organwerte, eventuell Messung eines speziellen Bauchspeicheldrüsenwerts (fPLI) und/oder der Schilddrüsenhormone) sinnvoll.

Es kann auch nötig sein, eine rektale Untersuchung (dabei werden der Darm und die umliegenden Strukturen mit einem Finger untersucht) oder sogar eine Endoskopie des Darms durchzuführen. Beides geht allerdings nur unter Sedation (starke Beruhigung der Katze) oder in Narkose.

Was tun, wenn die Katze oder der Kater überall hin pinkelt/kotet?

Leider ist Unsauberkeit kein Problem, das man einfach mit Medikamenten lösen kann (obwohl es Medikamente gibt; dazu später mehr). Stattdessen brauchen Sie als Besitzer viel Einfühlungsvermögen und Geduld. Dann aber ist es in den allermeisten Fällen möglich, das „überall hin pinkeln oder koten“ in den Griff zu kriegen.

Grundsätzlich beruht die Behandlung auf 4 Säulen:

  1. Therapie zugrundeliegender Krankheiten,
  2. Verbesserung der Katzenklo-Situation,
  3. Stressreduktion/Verbesserung des Wohlbefindens der Katze,
  4. richtiger Umgang mit den Urin- oder Kot-verschmutzten Stellen.

Allerdings hängt die Therapie stark von den zugrundeliegenden Ursachen ab. Dadurch ist die Behandlung bei jeder Mieze anders. Das heißt: die nachfolgenden Tipps können nur allgemeiner Natur sein und nicht jede Maßnahme ist bei jeder Katze sinnvoll oder hilfreich.

Wenn Sie also ratlos sind und alle Tipps nicht helfen, scheuen Sie nicht davor zurück auch einen Verhaltensspezialisten zu Rate zu ziehen. Der kann eine Behandlung empfehlen, die genau auf ihre Mieze und Situation abgestimmt ist!

Wichtig: Egal wie frustriert Sie sind – Sie sollten niemals mit Ihrer Katze schimpfen oder sie sogar körperlich bestrafen, wenn Sie sie beim in die Wohnung pinkeln oder markieren erwischen. Denn das verstärkt die Angst Ihrer Mieze und führt zu anhaltendem emotionalen Stress – beides verschlimmert die Unsauberkeit noch weiter!

Behandlung der zugrundeliegenden Krankheit

Wenn beim Tierarzt eine Krankheit entdeckt wird, die als Ursache des „überall hin Pinkelns“ oder Markierens in Frage kommt, sollte sie natürlich unbedingt behandelt werden. Allerdings kann es sein, dass das Problem nicht ganz weggeht, obwohl die Krankheit therapiert wurde.

Verbesserung der Katzenklo-Situation

Sehr häufig mag die Katze den Ort, den Inhalt oder die Art des Katzenklos einfach nicht – und sucht sich deswegen andere Stellen zum Pinkeln. Es kann aber auch sein, dass aus ihrer Sicht schlichtweg nicht genug Klos vorhanden sind.

Der erste Schritt (neben der Behandlung von Krankheiten) sollte deswegen immer sein: Verbesserung der allgemeinen Katzenklo-Situation.

  • Sorgen Sie für eine ausreichende Anzahl an Katzenklos.

Dabei lautet die Faustregel: Sie sollten immer eins mehr haben, als Miezen in Ihrem Haushalt leben.

  • Wählen Sie Katzenklos aus, die in Art und Form den Vorlieben Ihrer Katze entsprechen

    • Größe und Form
      • Bei Katzenklos gilt: größer = besser
      • Die Toilette sollte mind. 1,5 mal so lang sein, wie die Katze von der Nase zum Schwanzansatz misst und die Mieze sollte sich bequem umdrehen können
      • Bei durchschnittlich großen Katzen entspricht das in etwa einer Größe von mindestens 50 x 38 cm 
      • Achtung: viele handelsübliche Katzenklos sind zu klein – vor allem, wenn sie eine Haube haben
      • Die meisten Miezen bevorzugen viereckige Modelle

Tipp: Wenn Sie kein Katzenklo finden, das groß genug ist (oder diese zu teuer sind) können Sie auch große Plastik-Aufbewahrungsboxen umfunktionieren: Schneiden sie vorne oder auf der Seite einen Einstieg rein und schleifen Sie die Seiten mit Sandpapier ab (alternativ können Sie die scharfen Ränder auch mit Klebeband abkleben).

Selbstgebaute Katzenklos aus Aufbewahrungsboxen

Beispiele für selbstgebaute Katzenklos aus Plastik-Aufbewahrungsboxen (Bilder mit freundlicher Genehmigung von Ingrid Johnson, https://www.fundamentallyfeline.com/). Eine Video-Anleitung (englisch-sprachig), wie man diese Klos am besten baut, finden Sie hier: https://youtu.be/n_KBWzHvNn4. Wer keinen Dremel zur Hand hat, kann z.B. auch eine Schere verwenden – damit das leichter geht, kann man das Plastik vorher mit einem Föhn erwärmen. Mehr Infos zum idealen Katzenklo finden Sie auch hier: https://www.fundamentallyfeline.com/litter-boxes-get-scoop-many-kind/, auf der Website der hervorragenden Katzenverhaltensexpertin Ingrid Johnson (https://www.fundamentallyfeline.com/) – sie bietet übrigens auch internationale Konsultationen an!

    • Katzenklo mit Haube oder ohne
      • Hier haben die Katzen unterschiedliche Vorlieben – wenn Sie sich unsicher sind, was Ihre Mieze bevorzugt, sollten Sie beide Varianten ausprobieren und anbieten
      • Wenn Sie Katzenklos mit Haube verwenden, ist es extrem wichtig, dass Sie die Eingangsklappen entfernen und die Klos sehr oft reinigen (mind. 2 x täglich; ansonsten staut sich der Gestank, so dass sie von Ihren Katzen gemieden werden könnten)
      • Bei Katzenklos mit Haube ist es außerdem sinnvoll, wenn die Wände transparent sind (s. selbstgebautes Klo oben) – so kann die Mieze immer noch sehen, was um sie herum passiert. Das ist besonders bei ängstlichen, unsauberen Katzen wichtig.
    • Einstieg
      • Wenn Ihre Mieze klein bzw. noch jung ist oder Schmerzen bei der Bewegung hat (ältere Katzen, Arthrose, etc.) sollten Sie Toiletten mit einem niedrigen Einstieg wählen
      • Ansonsten kann es nämlich sein, dass der Aufwand, ins Klo reinzukommen bzw. die Schmerzen beim Einstieg so groß sind, dass Ihre Katze lieber woanders hin pinkelt/-kotet.
    • High-Tech-Klos
      • Bei unsauberen Katzen sind selbstreinigende Katzenklos oder solche mit Schutzfolie unter der Streu in vielen Fällen keine gute Idee
      • Gerade sensible Katzen können nämlich Angst vor den merkwürdigen Geräuschen des Katzenklos haben oder erschrecken, wenn sich ihre Krallen in der Folie verhaken
  • Wählen Sie die idealen Orte für die Katzenklos

    • Stellen Sie die Klos an verschiedenen, voneinander getrennten Orten auf (also nicht direkt nebeneinander)
    • Bei mehreren Stockwerken sollten Sie idealerweise mindestens ein Katzenklo pro Stockwerk haben
    • Die Klos sollten für die Katze leicht erreichbar sein und an einem ruhigen Ort ohne Störungen durch plötzliche, laute Geräusche stehen
    • Stellen Sie die Klos nicht in die Nähe von Wasser- und Futternäpfen (Katzen trennen Futteraufnahme, Trinken und Pinkeln/Kotabsatz sehr streng voneinander)
    • Die Öffnungen der Katzenklos sollten einander nicht gegenüberliegen

Tipps:

  • Wenn Ihre Katze ein Klo nicht nutzt, sollten Sie es an einem neuen Ort aufstellen (z.B. dort, wo sie sonst hinpinkelt). Wenn Sie es dann schließlich akzeptiert, sollten Sie es noch mind