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Unsauberkeit bei der Katze

Oder: Hilfe, meine Katze/mein Kater pinkelt überall hin!

///Unsauberkeit bei der Katze

Wenn Ihre Katze oder Ihr Kater überall in die Wohnung pinkelt oder mit Urin markiert sind Sie nicht allein! Unsauberkeit ist eines der häufigsten Verhaltensprobleme bei der Katze und leider auch einer der Hauptgründe, wieso Miezen ins Tierheim abgegeben werden.

Das muss aber nicht sein! Wir zeigen Ihnen, was hinter der Unsauberkeit stecken kann und was Sie tun können!

Beschreibung

In die Wohnung pinkeln/koten

In den meisten Fällen (70%) handelt es sich bei der Unsauberkeit um „in die Wohnung pinkeln oder koten“. Dabei setzen die Miezen ganz normal Urin oder Kot ab – nur eben nicht ins Katzenklo. Dieses wird nur selten oder gar nicht genutzt. In aller Regel verrichten die Katzen/Kater beim „in die Wohnung pinkeln/koten“ ihr Geschäft auf horizontale Flächen, wie z.B. Teppiche, Bett, Waschbecken.

Markieren mit Urin oder Kot

Beim Markieren mit Urin pinkeln die Katzen oder Kater typischerweise kleine Mengen Urin gegen vertikale Flächen (wie Wände, Türrahmen, Sofaecken). Dazu nehmen sie meistens eine typische Position ein: sie stellen sich rückwärts an die vertikale Fläche und sprühen einen Urinstrahl dagegen. Dabei ist der Schwanz erhoben und die Schwanzspitze zuckt.

Leider kann es auch weniger typisch aussehen: wenn z.B. auf dem Boden liegende Gegenstände markiert werden sollen, kann es wirken wie „in die Wohnung pinkeln“.

Wenn es um Unsauberkeit beim Kotabsatz geht, ist es noch schwieriger zu unterscheiden, ob eine Kätzin oder ein Kater „in die Wohnung macht“ oder markiert – in beiden Fällen „hocken“ sich die Miezen hin. Allerdings wird der Kot beim Markieren häufig an prominenten Stellen abgesetzt und nicht versucht zu verscharren.

Die betroffenen Katzen und Kater setzen in der Regel zusätzlich ganz normal Urin und Kot im Katzenklo ab.

Zum Markieren wählen Stubentiger häufig immer wieder die gleichen, strategisch günstig gelegenen Stellen. Aber auch Gegenstände, die fremd bzw. nicht mehr nach der Katze riechen (z.B. Koffer, Rücksäcke, Schuhe, Kleidung) werden häufig zum Opfer der Pinkel-Attacken.

Markieren ist eigentlich ein ganz normales, kätzisches Verhalten – v.a. bei unkastrierten Kätzinnen und Katern. Die Miezen kennzeichnen in der Wildnis so ihr Revier und teilen möglichen Sexualpartnern mit „Ich bin hier und verfügbar“.

Aber auch 10% der gesunden kastrierten Kater und 4% der gesunden kastrierten Kätzinnen zeigen Markierverhalten. Dabei können sowohl ranghohe, sichere Stubentiger als auch rangniedrige, unsichere Miezen betroffen sein – Markieren kann nämlich auch dazu dienen, Stress abzubauen (Übersprungshandlung) und sich in der Umgebung/Wohnung wieder sicher zu fühlen (durch Verteilen des eigenen Geruchs mittels Urin und Kot).

Unterscheidung Markieren und „in die Wohnung pinkeln/koten“

Immer, wenn Kätzinnen und Kater außerhalb des Katzenklos Urin oder Kot absetzen, spricht man von Unsauberkeit. Um herauszufinden, welche Gründe dahinterstecken, ist es aber wichtig zwei verschiedene Verhaltensprobleme zu unterscheiden: „Katze/Kater pinkelt bzw. kotet in die Wohnung“ und „Katze/Kater markiert“.

Achtung: Es ist wichtig, die Unsauberkeit von einer Urininkontinenz und Kotinkontinenz abzugrenzen. Bei einer Inkontinenz verlieren die betroffenen Katzen unabsichtlich – und oft ohne dass sie es überhaupt merken – Urin oder Kot (z.B. beim Liegen, im Schlaf, beim Laufen). Inkontinenz ist kein Verhaltensproblem, es steckt immer eine Erkrankung oder Verletzung hinter dem Symptom.

Ursachen von „in die Wohnung pinkeln/koten“ und Markieren

Wenn Katzen oder Kater überall hin pinkeln, ist eines ist ganz wichtig zu verstehen: sie machen das niemals aus Trotz oder um Sie zu bestrafen!

Es steckt immer ein guter Grund hinter dem Verhalten – und häufig braucht die Mieze Ihre Hilfe, weil sie unter einer Krankheit, Schmerzen oder Stress leidet oder ihre Bedürfnisse nicht erfüllt sind. Natürlich kann das „überall hin pinkeln“ auch mehrere Ursachen gleichzeitig haben.

Ursachen für „In die Wohnung pinkeln/koten“

  • Katzenklo entspricht nicht den Bedürfnissen der Katze (häufigster Grund!)
    • Katze mag Größe, Art, Standort und/oder Einstreu des Katzenklos nicht (z.B. zu klein, zu viel Unruhe und „Verkehr“ ums Katzenklo, zu dreckig) oder es gibt zu wenig Klos
  • Katze bevorzugt anderen Untergrund oder andere Stelle zum Urinieren/Koten
    • Katzen lernen im Welpenalter Urin und Kot in ein bestimmtes Material abzusetzen – diese Präferenz behalten sie in der Regel lebenslang
    • Wenn sie falsch geprägt sind, können sie z.B. weiches Material (wie Teppich oder Bett) oder Waschbecken als korrekten Ort zum Pinkeln empfinden
  • Abneigung gegen das Katzenklo durch unangenehme Erfahrungen in dessen Nähe
    • Erlebt eine Katze immer wieder unangenehme/schmerzhafte Situationen im Bereich des Katzenklos, verbindet sie diese mit dem Klo selbst und meidet es schließlich – selbst wenn die Situation (z.B. Schmerzen beim Pinkeln) gar nicht mehr besteht
    • Solche unangenehmen Erfahrungen können z.B. sein:
      • Schmerzen beim Pinkeln oder Koten
      • Angriffe durch Artgenossen beim Betreten oder Verlassen des Katzenklos
      • Erschrecken durch nahe Waschmaschine
      • Gestank des dreckigen Klos
  • Stress und Angst
    • Ursachen können u.a. sein:
      • Veränderungen im Umfeld der Katze (z.B. neuer Artgenosse, Umzug, Baby, neue Möbel, oder auch nur neuer Ort des Katzenklos)
      • Konflikte z.B. mit Partnerkatzen
      • Langeweile oder Einsamkeit
    • Bsp.: eine unsichere, ängstliche Mieze kann ins Bett pinkeln, weil sie sich dort einfach am sichersten fühlt
  • Krankheiten
    • Erkrankungen der unteren Harnwege (diese werden zum sogenannten FLUTD-Komplex zusammengefasst, da sie alle ähnliche Symptome verursachen), u.a.
    • Chronische Niereninsuffizienz
    • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
    • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
    • Erkrankungen der Gelenke und Knochen, z.B. Arthrose (kommen nicht so gut ins Klo)
    • Krebserkrankungen der Harnwege
    • Darmparasiten (z.B. Würmer)
    • Erkrankungen der Analbeutel (z.B. Analbeutelentzündung, Tumoren der Analbeutel)
    • Verengungen des Enddarms
    • Entzündliche Darmerkrankungen

Ursachen für Markieren mit Urin oder Kot

  • Markieren des Reviers
  • sexuell-motiviert (v.a. unkastrierte Kätzinnen und Kater)
  • Stress und Angst
    • Vor allem bei neuen oder ungewohnten Gerüchen, Geräuschen, Gegenständen, Menschen oder Tieren im eigenen „Revier“ (Wohnung, Haus, Garten)
    • Aber auch Stress und Angst durch Konflikte, Einsamkeit und Langeweile
    • Markiert Fenster, Wohnungstür, Katzenklappe → Hinweis, dass die von der Katze gefühlte „Bedrohung“ von außen kommt
    • Markiert Flur, Treppen, Innentüren → Hinweis, dass sich die „Bedrohung“ im Haushalt selbst befindet
    • Markiert Koffer, Rücksäcke, Schuhe → Hinweis, dass die Katze durch die fremden Gerüche aus der „Außenwelt“ verunsichert ist
    • Markiert Bett des Familienhundes → Hinweis auf Verunsicherung durch den Hund
    • Pinkelt ins Bett → kann Hinweis auf gestörte Katze-Mensch-Beziehung sein
  • Krankheiten
    • v.a. idiopathische Blasenentzündung (idiopathische FLUTD), aber auch die anderen Krankheiten aus der Liste bei „Ursachen für in die Wohnung pinkeln/koten“ kommen in Frage

Medizinische Untersuchungen bei Unsauberkeit

Wenn Ihre Mieze überall in die Wohnung pinkelt, sollte der erste Schritt immer die Untersuchung durch einen Tierarzt sein. Denn häufig steckt tatsächlich eine Erkrankung hinter dem Problem.

Der Tierarzt wird Ihnen zunächst einige Fragen stellen und eine allgemeine Untersuchung der Katze durchführen.

Wenn die Katze überall hin pinkelt oder mit Urin markiert, wird er anschließend einerseits den Urin untersuchen und eventuell auch zur Untersuchung auf Bakterien in ein Labor einschicken. Andererseits wird er sich die Harnwege meist aber auch mittels Ultraschall oder Röntgen anschauen.

Bringen die Untersuchungen kein Ergebnis oder vermutet der Tierarzt eine andere Krankheit als Ursache, kann es auch sein, dass er weitere Untersuchungen durchführt (z.B. Blutbild, Organwerte, Messung der Schilddrüsenhormone).

Setzt die Katze außerhalb des Katzenklos Kot ab, wird der Tierarzt andere Untersuchungen durchführen. Neben einer Kotuntersuchung sind häufig ein Ultraschall des Bauchraums sowie verschiedene Blutuntersuchungen (Blutbild, Organwerte, eventuell Messung eines speziellen Bauchspeicheldrüsenwerts (fPLI) und/oder der Schilddrüsenhormone) sinnvoll.

Es kann auch nötig sein, den Darm der Katze rektal zu untersuchen (dabei werden der Darm und die umliegenden Strukturen mit einem Finger untersucht) oder sogar eine Endoskopie des Darms durchzuführen. Beides geht allerdings nur unter Sedation (starke Beruhigung der Katze) oder Narkose.

Was tun, wenn die Katze oder der Kater überall hin pinkelt/kotet?

Leider ist Unsauberkeit ein Problem, das man nicht einfach mit Medikamenten lösen kann (obwohl es Medikamente gibt; dazu später mehr). Stattdessen brauchen Sie als Besitzer viel Einfühlungsvermögen und Geduld. Dann aber ist es in den allermeisten Fällen möglich, das „überall hin pinkeln oder koten“ in den Griff zu kriegen.

Grundsätzlich beruht die Behandlung auf 4 Säulen: 1) Therapie zugrundeliegender Krankheiten, 2) Verbesserung der Katzenklo-Situation, 3) Stressreduktion/Verbesserung des Wohlbefindens der Katze, 4) richtiger Umgang mit den Urin- oder Kot-verschmutzten Stellen.

Allerdings hängt die Therapie stark von den zugrundeliegenden Ursachen ab; dadurch ist die Behandlung bei jeder Mieze anders. Das heißt: die nachfolgenden Tipps können nur allgemeiner Natur sein und nicht jede Maßnahme ist bei jeder Katze sinnvoll oder hilfreich.

Wenn Sie also ratlos sind und alle Tipps nicht helfen, scheuen Sie nicht davor zurück auch einen Verhaltensspezialisten zu Rate zu ziehen. Der kann eine Behandlung empfehlen, die genau auf ihre Mieze und Situation abgestimmt ist!

Wichtig: Egal wie frustriert Sie sind – Sie sollten niemals mit Ihrer Katze schimpfen oder sie sogar körperlich bestrafen, wenn Sie sie beim „in die Wohnung machen“ oder markieren erwischen. Denn das verstärkt die Angst der Mieze und führt zu anhaltendem emotionalen Stress – beides verschlimmert die Unsauberkeit noch weiter!

Behandlung der zugrundeliegenden Krankheit

Wenn beim Tierarzt eine Krankheit entdeckt wird, die Ursache des „überall hin Pinkelns“ oder Markierens sein könnte, sollte sie natürlich unbedingt behandelt werden. Allerdings kann es sein, dass das Problem nicht ganz weggeht, obwohl die Krankheit therapiert wurde.

Verbesserung der Katzenklo-Situation

Sehr häufig mag die Katze Art, Ort oder Inhalt des Katzenklos einfach nicht – und sucht sich deswegen andere Stellen zum Pinkeln. Es kann aber auch sein, dass aus ihrer Sicht schlichtweg nicht genug Klos vorhanden sind.

Erster Schritt deswegen immer: Verbesserung der allgemeinen Katzenklo-Situation.

  • Sorgen Sie für eine ausreichende Anzahl an Katzenklos. Dabei lautet die Faustregel: Sie sollten immer eins mehr haben, als Miezen in Ihrem Haushalt leben.
  • Wählen Sie Katzenklos aus, die in Art und Form den Vorlieben der Katze entsprechen
    • Größe und Form
      • Bei Katzenklos gilt: größer = besser. Bei durchschnittlich großen Katzen sollten sie mindestens 50 x 38 cm groß sein (die Mieze sollte sich bequem umdrehen können)
      • Eine genauere Regel besagt, dass die Toilette 1,5 mal so lang sein sollte, wie die Katze von der Nase bis zum Schwanzansatz misst
      • Achtung: viele handelsübliche Katzenklos sind zu klein – vor allem, wenn sie eine Haube haben
      • Die meisten Miezen bevorzugen viereckige Modelle
      • Tipp: Wenn Sie kein Katzenklo finden, das groß genug ist (oder diese zu teuer sind) können Sie auch große Plastik-Aufbewahrungsboxen umfunktionieren:  Schneiden sie vorne einen Einstieg rein und kleben Sie die scharfen Ränder mit Klebeband ab. Den Deckel der Box können Sie dann als Spritzschutz hinten in die Box stellen.
    • Katzenklo mit Haube oder ohne
      • Hier haben die Katzen unterschiedliche Vorlieben – wenn Sie sich unsicher sind, was Ihre Mieze bevorzugt, sollten Sie beide Varianten ausprobieren
      • Wenn Sie Katzenklos mit Haube verwenden, ist es wichtig, dass Sie die Eingangsklappe entfernen und die Klos sehr oft reinigen (Gestank staut sich sonst)
    • Einstieg
      • Wenn Ihre Mieze klein bzw. noch jung ist oder Schmerzen bei der Bewegung hat (ältere Katzen, Arthrose, etc.) sollten Sie Toiletten mit einem niedrigen Einstieg wählen
      • Sonst kann es sein, dass der Aufwand, da reinzukommen bzw. die Schmerzen beim Einstieg so groß sind, dass Ihre Katze lieber woanders hin pinkelt/-kotet.
  • Wählen Sie die idealen Orte für die Katzenklos
    • An verschiedenen, voneinander getrennten Orten (bei mehreren Stockwerken: idealerweise mindestens ein Katzenklo pro Stockwerk)
    • Für die Katze leicht erreichbar
    • Ruhiger Ort, keine Störung durch plötzliche, laute Geräusche
    • Nicht in der Nähe von Wasser- und Futternäpfen (Wenn es zu nah an Futter oder Wasser steht, kann das Katzenklo gemieden werden)
    • Die Öffnungen der Katzenklos sollten einander nicht gegenüberliegen
    • Tipps:
      • Wenn Ihre Katze ein Klo nicht nutzt, sollten Sie es an einem neuen Ort aufstellen (z.B. dort, wo sie sonst hinpinkelt). Wenn Sie es dann schließlich nutzt, sollten Sie es noch mindestens 2 Wochen dort lassen, auch wenn der Ort für Sie ungünstig ist. Erst wenn die Nutzung der Toilette anhält, sollten Sie es langsam an einen für Sie besseren Platz schieben (ca. 10 cm pro Tag).
      • Wenn Ihre Katze älter und schwach ist oder Schmerzen bzw. Sehprobleme hat, sollten Sie ein Katzenklo in die Nähe Ihres üblichen Aufenthalts-/Schlaforts stellen. Dann ist es für die Mieze leichter zu erreichen. Bei älteren oder sehbehinderten Stubentigern hilft es auch, dort nachts ein Nachtlicht einzustecken – das reduziert Stress und hilft Ihrer Katze dabei, das Klo zu finden.

  • Verwenden Sie die richtige Katzenstreu
    • Vermeiden Sie parfümierte Katzenstreu, Katzenklo-Deodorants oder parfümierte Geruchsbinder (Katzen riechen sehr viel besser als wir – für sie stinkt es auf dem Klo sonst wie in einer Parfümfabrik)
    • Die meisten Katzen bevorzugen feine, sand-artige, klumpende Streu und eine Einstreutiefe von mindestens 3 cm
    • Tipps:
      • Um rauszufinden, was Ihre Katze bzw. Ihr Kater bevorzugt, sollten Sie Katzenklos mit verschiedenen Streuarten und Einstreutiefen anbieten.
      • Manche Katzen (v.a. Freigänger) bevorzugen Blumenerde oder Sand zum pinkeln oder koten. Sie können diese bevorzugte „Streu“ ins Katzenklo füllen und nach und nach immer mehr normale Katzenstreu dazugeben – bis sie die Streu akzeptiert hat.
      • Wenn Ihre Katze auf Teppich oder Stoff pinkelt, können Sie übergangsweise auch ein Stück davon ins Katzenklo legen. Geben Sie langsam immer mehr Streu darauf, bis der Teppich nicht mehr sichtbar ist. Dann nehmen Sie ihn wieder heraus.

  • Reinigen Sie die Katzenklos regelmäßig
    • Entfernen Sie Kot und Urin so oft wie möglich (mindestens zweimal täglich)
    • Wechseln Sie die komplette Streu und reinigen Sie die Katzenklos alle 1-4 Wochen
    • Verwenden Sie heißes Wasser und Seife; meiden Sie starke Chemikalien oder Ammoniak-haltige Produkte
    • Tipp: Wenn Ihre Mieze das Klo noch nicht 100%ig akzeptiert hat, kann es helfen, nach dem Wechseln der Einstreu ein bisschen von der benutzten Streu oben auf die neue Füllung draufzulegen.

Stressreduktion und Verbesserung des Wohlbefindens der Katze

Je wohler sich die Mieze fühlt und je weniger sie unter Stress leidet, desto weniger hat sie den Drang zu markieren oder überall hin zu pinkeln. Deswegen ist es extrem wichtig, dass Sie das Wohlbefinden Ihrer Mieze verbessern und ihren Stress reduzieren.

Als ersten Schritt sollten Sie deshalb ihre Ruhe- und Rückzugsorte, Kratz- und Markiermöglichkeiten, Wasser- und Futterplätze sowie Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten optimieren.

Außerdem sollten Sie Stress- und Angst-auslösende Situationen so gut wie möglich vermeiden (z.B. indem Sie Nachbarskatzen, Kinder und Besucher von der Katze fernhalten bzw. die Katze von diesen abschirmen).

Lesen Sie hier ausführliche Infos und Tipps, wie man Stress bei Miezen erkennt und behandelt.

Richtiger Umgang mit den Urin- oder Kot-verschmutzten Stellen

Tipp: Um alle Stellen zu finden, können Sie einen Trick anwenden, den Sie vielleicht aus Krimis kennen: Besorgen Sie sich eine Schwarzlicht-Lampe (gibt’s im Internet schon für ein paar Euro) und leuchten Sie mit ihr im Dunkeln umher – der Urin wird unter dem Schwarzlicht leuchten.

Reinigen Sie die verschmutzten Stellen häufig und gründlich – denn der Urin- bzw. Kotgeruch verleitet die Katzen dazu, wieder dorthin zu pinkeln. Dabei sollten Sie nicht nur den Urin-/Kotfleck selbst behandeln, sondern auch großflächig darum.

Dazu können Sie geruchsneutralisierende Reinigungsmittel (ohne Ammoniak!) oder Kernseife verwenden.  Nach dem Trocknen sollten Sie die Stellen mit medizinischem Alkohol besprühen (hilft gegen den Fettanteil im Urin). Es gibt auch spezielle Mittel um Urin zu entfernen, allerdings funktionieren diese unterschiedlich gut.

Nach der Reinigung stellt sich die Frage, wie man verhindert, dass die Mieze wieder dorthin pinkelt. Je nach örtlichen Bedingungen sind verschiedene Maßnahmen möglich:

  1. Katzenklo dorthin stellen
  2. Zugang zum Raum bzw. zu den Stellen versperren (z.B. Möbel darauf rücken)
  3. Ort durch Alufolie, doppelseitiges Klebeband oder ähnliches unattraktiver machen
  4. Futter- bzw. Wassernäpfe dort hinstellen (normalerweise pinkeln Miezen nicht dort wo sie fressen oder trinken) oder Platz zum Spielen nutzen (Stelle erhält so positive Verknüpfung)

Allerdings sind diese Maßnahmen (v.a. Punkt 2 und 3: Zugang zu Stellen versperren und Einsatz von Alufolie etc.) nicht ganz unumstritten.

Wenn Ihre Katze in die Wohnung pinkelt oder kotet, der Auslöser aber schon behoben wurde (z.B. Stress, ungünstige Katzenklo-Situation, Schmerzen), können die Maßnahmen helfen.

Wenn Ihre Katze dagegen markiert wird es kniffliger. Denn wenn Sie ihr die Stellen nehmen, der Drang zum Markieren aber bleibt, können folgende Situationen auftreten:

  • Sie sucht sich neue Stellen und markiert dort
  • Sie markiert nicht mehr, leidet dabei aber unter großem Stress, was zu Krankheiten, Aggression und krankhaftem Putzverhalten führen kann

Es muss also je nach Situation und Katze abgewogen werden, welche Maßnahmen geeignet sind.

Weitere Maßnahmen

  • Kastration: Je nachdem, wie alt die Katze bzw. der Kater ist und wie lange das Problem schon bestand, kann es dadurch zu einer Verbesserung der Unsauberkeit von 90-95% kommen (v.a. bei Markieren)
  • Bei Markieren mit Urin oder Kot: Lassen Sie (getragene) Kleidung nicht auf dem Boden liegen und stellen Sie Rucksäcke, Koffer und Schuhe außer Reichweite der Katzen
  • Wenn Ihre Katze das Katzenklo mit unangenehmen Erfahrungen (z.B. Schmerzen) verbindet: Versuchen Sie das Klo an einen anderen Ort zu stellen und/oder eine andere Streu einzufüllen. Zusätzlich können Sie das Klo mit Feliway® (siehe unten) einsprühen. Manchmal kann es auch hilfreich sein, ein neues Katzenklo zu besorgen, das anders aussieht als das alte.
  • Positive Verstärkung des erwünschten Verhaltens: Bei manchen Katzen kann es helfen, sie zu loben oder mit Leckerlis zu belohnen, wenn sie das erwünschte Verhalten zeigen (z.B. Nutzung des Katzenklos, verträgliches Verhalten mit anderer Katze). Allerdings ist das nicht bei jeder Mieze sinnvoll und das richtige Timing beim Belohnen ist entscheidend! Im Zweifel sollten Sie vorher mit einem Verhaltensspezialisten sprechen.

Medikamente bei „in die Wohnung pinkeln/koten“ und Markieren

Pheromon-Präparate, Nahrungsergänzungsmittel, Bachblüten sowie stärkere Medikamente wie Beruhigungsmittel und Antidepressiva können helfen, das „überall hin pinkeln“ der Katze bzw. des Katers in den Griff zu kriegen. Allerdings sind sie keine Wundermittel – alleine bringen sie in der Regel nichts. Die Verbesserung des Lebensumfelds der Mieze ist das wichtigste, nur dann können die Medikamente unterstützend helfen.

Katzen haben im Gesichtsbereich Drüsen, die sogenannte „Wohlfühlpheromone“ produzieren. Wenn eine Mieze ihren Kopf an Gegenständen reibt, markiert sie so den Bereich, in dem sie sich wohl und sicher fühlt. Feliway®-Spray bzw. -Zerstäuber verbreitet eines dieser Wohlfühlpheromone und damit auch ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Bei unsauberen Katzen/Katern kann es helfen, Feliway im Bereich der Katzenklos anzuwenden; außerdem können neue Gegenstände damit eingesprüht werden, bevor sie ins Haus kommen.

Nahrungsergänzungsmittel wie Zylkene® oder Relaxan® und Spezialfutter wie z.B. Royal Canin® Calm enthalten Stoffe, die ebenfalls zur Beruhigung und Entspannung gestresster Miezen beitragen sollen.

Wenn diese „sanften“, nebenwirkungsfreien Präparate nicht ausreichen, kann es in manchen Fällen sinnvoll sein, sogenannte Psychopharmaka einzusetzen. Darunter fallen Beruhigungsmittel wie Diazepam (Valium®), aber auch Antidepressiva. Diese Medikamente können sehr gut helfen, leider kann es aber auch zu Nebenwirkungen kommen. Deswegen sollte ihr Einsatz gut abgewogen und mit einem Tierarzt abgesprochen werden.

Ausführlichere Informationen (auch zu den Nahrungsergänzungsmitteln) finden Sie hier: Pheromone, Bachblüten und Beruhigungsmittel: unterstützende Stressbehandlung für die Katze.

Prognose bei Unsauberkeit

Die gute Nachricht zuerst: Das Problem „Kater/Katze pinkelt überall hin oder markiert“ kann man in den Griff kriegen!

Allerdings hängt die Prognose ganz entscheidend davon ab, dass Sie bereit sind, viel Rücksicht auf die Bedürfnisse Ihrer Katze bzw. Ihres Katers zu nehmen und ihre bzw. seine Umwelt zu optimieren – auch wenn es manchmal vielleicht ein bisschen unbequem ist. Mit viel Geduld kann es dann zu einer großen Verbesserung des „überall in die Wohnung Pinkelns“ kommen. Seien Sie nicht frustriert, wenn doch nochmal ein kleiner „Unfall“ passiert; angewöhnte Verhaltensweisen sind nur schwer wieder abzulegen (für Katzen wie für Menschen).

Wichtig ist, das Problem so schnell wie möglich anzugehen: Je früher es erkannt und behandelt wird, desto besser ist die Prognose!

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie diesen Artikel kurz bewerten würden:

[Gesamt:3    Durchschnitt: 4.7/5]
Quellen

11. Dezember 2017

Von Dr. Iris Wagner-Storz

2018-10-27T20:44:26+00:00

Über den Autor:

Als ursprüngliche Schwäbin bin ich 2007 nach München gezogen um Tiermedizin an der LMU zu studieren. Anschließend hab ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München geschrieben – über eine neue Art der Immuntherapie bei Hunden mit Umweltallergie. Meine Lieblingsbereiche sind die Dermatologie, die Innere Medizin und Infektionskrankheiten. Ich bin stolze Dosenöffnerin für meine beiden Miezen Nini und Clyde, liebe alle Tiere (Katzen aber natürlich besonders) und habe eine Schwäche für Kuchen.