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Bakterielle Blasenentzündung (Zystitis) bei der Katze

Harnwegsinfektion, Harnwegsinfekt, Bakterielle Cystitis

///Bakterielle Blasenentzündung bei der Katze

Eine bakterielle Blasenentzündung (Zystitis) tritt auf, wenn Bakterien in die Harnblase gelangen und dort zu einer Infektion und Entzündung führen. In den meisten Fällen ist die bakterielle Zystitis gut mit Antibiotika zu behandeln. Ohne Therapie kann es jedoch zu schwerwiegenden Komplikationen kommen.

Wir verraten Ihnen hier, wie Sie erkennen, ob Ihre Katze betroffen ist und wie die Blasenentzündung behandelt werden kann – auch unterstützend mit Hausmitteln!

Bakterielle Blasenentzündung (Katze): Zusammenfassung

  • Häufigkeit der Erkrankung: Gelegentlich

  • Schwere der Erkrankung: Mittel

  • Vorkommen: Vor allem bei mittelalten bis alten Katzen (älter als 10 Jahre)

  • Ansteckungsgefahr: Nicht ansteckend für Tiere oder Menschen

  • Typische Symptome: Häufiges Pinkeln, wobei jeweils nur kleine Mengen Urin abgesetzt wird, ständiger Harndrang, Schmerzen beim Urinieren, Unsauberkeit, ggf. blutiger Urin

  • Verlauf: Akut (plötzlich)

  • Diagnose: Urinuntersuchung

  • Behandlungsmöglichkeiten: Antibiotika-Behandlung

  • Prognose: Vorsichtig bis gut

  • Zuständige Spezialisten: Spezialisten für Innere Medizin

Beschreibung

Bei Katzen werden bakterielle Harnwegsinfektionen zum sogenannten FLUTD (Feline Lower Urinary Tract Disease)-Komplex gezählt. Die Krankheiten in diesem Komplex zeichnen sich durch sehr ähnliche Symptome aus, weswegen sie sehr leicht verwechselt werden können! Treten bei Ihrer Katze also die unten beschriebenen Symptome auf, kann auch eine andere Krankheit aus diesem Krankheitskomplex zugrunde liegen! Mehr Informationen zum FLUTD-Komplex finden Sie hier.

Bei gesunden Katzen ist der Urin in der Harnblase keimfrei. Im Falle einer bakteriellen Blasenentzündung haben es Bakterien allerdings geschafft, in die Blase zu gelangen und sich dort zu vermehren. Die Keime reizen und schädigen die Harnblasenwand und führen so zu den typischen Symptomen einer Blasenentzündung: die Miezen haben ständig das Gefühl, „mal zu müssen“, gehen immer wieder pinkeln (wobei nur wenig Urin kommt, teilweise nur einige Tropfen) und haben dabei Schmerzen.

In den meisten Fällen entsteht die bakterielle Blasenentzündung, wenn Fäkalkeime (Keime aus dem Darm, z.B. Escherichia coli = E. coli) über die Harnröhre in die Blase wandern und sich dort festsetzen. Normalerweise verhindern verschiedene Mechanismen, dass das passieren kann. Zu einer Harnwegsinfektion kommt es deswegen in der Regel nur, wenn diese Mechanismen geschwächt sind.

Im Vergleich zu Menschen und Hunden sind bakterielle Blasenentzündungen bei der Katze eher selten. Am häufigsten sind Tiere betroffen, die älter als 10 Jahre sind.

Eine Blasenentzündung ist an sich nicht lebensbedrohlich. Sie sollte allerdings trotzdem ernst genommen und bald behandelt werden. Ansonsten können die Keime nämlich u.a. bis in die Nieren aufsteigen – die Folge ist dann eine gefährliche Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis).

Wie verhindert der Körper der Katze normalerweise eine Harnwegsinfektion?

Wie schon erwähnt ist der Urin gesunder Katzen in der Harnblase steril, das heißt in ihm sind keine Bakterien oder anderen Keime zu finden. Dort, wo die Harnröhre endet (bei weiblichen Katzen in der Vagina, beim Kater auf der Penisspitze), gibt es dagegen jede Menge Bakterien. Was verhindert bei einer gesunden Katze nun also, dass die Keime in die Harnblase wandern und dort zu einer Blasenentzündung führen?

Tatsächlich verfügt der Körper über viele Mechanismen, die zusammen dafür sorgen, dass die Keime nicht bis in die Blase gelangen bzw. sich dort nicht festsetzen können:

  • In der Harnröhre herrscht ein hoher Druck. Dieser verschließt sie und dichtet sie sozusagen gegenüber Keimen ab.
  • Normaler, nicht krankhaft veränderter Urin ist für die meisten Bakterien nicht sehr lebensfreundlich. Er hemmt Keime in ihrem Wachstum oder tötet sie sogar ab.
  • Bei jedem Urinabsatz werden etwaige Bakterien außerdem ziemlich erfolgreich aus den Harnwegen herausgespült.
  • Und nicht zuletzt sorgt auch das Immunsystem dafür, dass sich Bakterien nicht an die Schleimhaut der Harnröhre und Blase anheften und dort vermehren können.

Und wie kommt es dann zu einer bakteriellen Blasenentzündung?

Wenn die Abwehrmechanismen des Körpers geschwächt sind, können Keime manchmal eben doch bis in die Blase gelangen – und sich dort auch vermehren. Dabei kann es schon reichen, dass beispielsweise der Urin anders zusammengesetzt ist als sonst oder nach dem Pinkeln immer eine kleine Menge Urin in der Blase zurückbleibt.

Auch anatomische Veränderungen, Verletzungen der Harnröhren- oder Blasenschleimhaut und Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen, können zu einer Harnwegsinfektion mit Bakterien führen.

Symptome bei bakterieller Blasenentzündung

Manche Katzen, die eine Blasenentzündung haben, zeigen gar keine Symptome (sogenannte subklinische oder okkulte Infektion).

Andere Katzen mit Blasenentzündung zeigen dagegen ganz ähnliche Symptome wie betroffene Menschen: sie haben ständig das Gefühl pinkeln zu müssen und gehen deswegen sehr oft aufs Katzenklo. Wenn sie dann aber urinieren, kommt nur eine kleine Menge Harn (teilweise nur einige Tropfen). Bei vielen Katzen mit Blasenentzündung ist der Urinabsatz auch schmerzhaft (zu erkennen an Miauen und Schreien) und sie scharren extrem viel im Katzenklo. Oft wirkt es so, als würden die betroffenen Katzen richtig „pressen“ und drücken, um möglichst viel Urin loszuwerden.

Leider kommt es auch gar nicht selten vor, dass Katzen, die an einer Blasenentzündung leiden, ihre Stubenreinheit verlieren und unsauber werden: Sie verknüpfen die Schmerzen mit dem Katzenklo und meiden es deshalb. Stattdessen pinkeln sie z.B. auf Teppiche, ins Bett oder ins Waschbecken. Manchmal kann diese Unsauberkeit das einzige Symptom der Blasenentzündung sein.

In seltenen Fällen kann es bei Katzen (vor allem bei Katern) durch die Entzündung zu einer teilweisen oder vollständigen Blockade der Harnröhre kommen. Ein solcher Verschluss der Harnröhre ist ein lebensbedrohlicher Notfall! Wann immer Ihre Katze also erfolglos versucht Urin abzusetzen, die Gesamttagesmenge an Urin deutlich geringer ist als sonst und/oder die Katze Allgemeinsymptome (wie Erbrechen oder eine schnelle, flache Atmung) zeigt, sollten Sie daher schnellstmöglich einen Tierarzt aufsuchen!

  • Sehr häufige Symptome bei bakterieller Blasenentzündung:

    • häufiges Pinkeln, wobei jeweils nur eine kleine Mengen Urin abgesetzt wird (Pollakisurie)
    • Schmerzen beim Urinieren und sichtbares „Pressen“ (Strangurie)
    • Häufiges Scharren im Katzenklo
    • Plötzliche Stubenunreinheit/Unsauberkeit
  • Gelegentliche Symptome bei bakterieller Blasenentzündung:

    • Übermäßiges Putzen und Lecken an den Genitalien und am Bauch (bis hin zur Haarlosigkeit)
    • Blutiger Urin (Hämaturie)
    • Trüber und/oder stinkender Urin
  • Selten auftretende Symptome bei bakterieller Blasenentzündung:

    • Teilnahmslosigkeit (Apathie)
    • Appetitlosigkeit
    • Fieber

Achtung: Bei Katzen werden bakterielle Harnwegsinfektionen zum sogenannten FLUTD (Feline Lower Urinary Tract Disease)-Komplex gezählt. Die Krankheiten in diesem Komplex zeichnen sich durch sehr ähnliche Symptome aus, weswegen sie sehr leicht verwechselt werden können! Wenn Sie bei Ihrer Katze die soeben beschriebenen Symptome beobachtet haben, kann es also auch sein, dass sie an einer anderen Krankheit aus diesem Krankheitskomplex leidet! Mehr Informationen zum FLUTD-Komplex finden Sie hier.

Ursachen und Risikofaktoren von bakteriellen Blasenentzündungen bei Katzen

Eine bakterielle Blasenentzündung (Zystitis) kann durch jeden Zustand entstehen, bei dem es zu einer (zumindest kurzfristigen) Schwächung der Abwehrmechanismen der Katze kommt.

Einige mögliche Ursachen für Harnwegsinfektionen sind:

  • Hyperthyreose (Überfunktion der Schilddrüse)
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Katheterisierung der Harnröhre (z.B. zur Entfernung von Harnsteinen)
  • Medikamente, die das Immunsystem schwächen (wie Kortison oder Cyclosporin)
  • Cushing-Syndrom (Hyperadrenokortizismus; Erkrankung, bei der es zu einer Überproduktion des körpereigenen Hormons Kortison kommt)
  • Tumoren der Harnwege (Blasenkrebs oder Harnröhrenkrebs)
  • Anatomische Veränderungen/Fehlbildungen der Harnröhre, Harnleiter, Harnblase oder Vagina
  • Chronische bakterielle Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)
  • Perineale Urethrostomie (Operation zur Vorbeugung gegen wiederkehrende Harnröhrenverschlüsse. Bei dieser wird im Dammbereich die Harnröhre geöffnet und an die Außenhaut genäht, dadurch wird dort ein neuer Ausgang für den Urin geschaffen.)
  • Erkrankungen der Prostata

In manchen Fällen kann allerdings nicht herausgefunden werden, wie es zur Harnwegsinfektion kommen konnte (z.B. bei einer kurzfristigen Schwächung des Immunsystems).

Untersuchungen und Diagnose bei bakterieller Blasenentzündung

Üblicherweise wird der Tierarzt erstmal einige Fragen stellen (z.B. wie oft und wieviel Urin die Katze absetzt, ob der Urin stinkt oder blutig ist und ob weitere Symptome beobachtet wurden). Danach wird er eine allgemeine klinische Untersuchung durchführen. Dabei wird er besonders darauf achten, wie groß die Harnblase ist (ob sie also stark gefüllt oder leer ist) und ob die Berührung der Katze weh tut.

Urinuntersuchung

Anschließend wird der Tierarzt den Urin untersuchen. Bei einer Harnwegsinfektion (Zystitis) finden sich normalerweise Bakterien, Entzündungszellen und eventuell Blut im Urin der Katze. So kann der Tierarzt sehr leicht und schnell die Diagnose „bakterielle Blasenentzündung“ stellen. Manchmal kann er durch die Urinuntersuchung auch schon Hinweise auf die Ursache der Harnwegsinfektion bekommen.

Häufig wird der Tierarzt zusätzlich steril gewonnenen Urin in ein Labor einschicken. Dort kann mit einer bakteriologischen Untersuchung (BU) nicht nur überprüft werden, ob Bakterien im Urin vorhanden sind, sondern auch um welche Bakterien es sich handelt und welches Antibiotikum gegen sie hilft (Antibiogramm). Diese Untersuchungen (BU und Antibiogramm) sind vor allem dann ganz besonders wichtig, wenn eine Blasenentzündung trotz Behandlung nicht besser wird. Denn möglicherweise sind die in der Blase vorhandenen Keime resistent gegen das verabreichte Antibiotikum. Dies lässt sich im Antibiogramm erkennen, so dass anschließend auf ein erwiesenermaßen besser wirksames Mittel gewechselt werden kann.

Eine bakteriologische Untersuchung kann allerdings auch dann sinnvoll sein, wenn bei der Untersuchung des Urins durch den Tierarzt keine Bakterien gefunden wurden. Denn manchmal „verstecken“ sich die Keime und sind bei der mikroskopischen Urinuntersuchung durch den Tierarzt nicht zu finden.

Weiterführende Untersuchungen zur Ermittlung der Blasenentzündungs-Ursache

Um herauszufinden, ob eine Grunderkrankung hinter der bakteriellen Blasenentzündung (Zystitis) steckt (und wenn ja, welche), wird der Tierarzt wahrscheinlich noch weitere Untersuchungen durchführen. Das gilt vor allem dann, wenn eine Katze häufiger an Blasenentzündungen leidet oder die Harnwegsinfektion trotz Behandlung nicht weggeht. Denn nur wenn die auslösende Grunderkrankung entdeckt und behandelt wird, kann ein Wiederauftreten der Blasenentzündung verhindert werden.

Häufig wird der Tierarzt deswegen eine Ultraschalluntersuchung durchführen. Damit kann er Veränderungen an der Blase, den Nieren und an anderen Organen erkennen. Röntgenbilder können dagegen z.B. bei Verdacht auf Harnsteine sehr hilfreich sein. Möglicherweise wird der Tierarzt auch eine Blutprobe entnehmen und untersuchen (Beurteilung des Blutbilds und der Organwerte).

Führen diese Untersuchungen zu keinem eindeutigen Ergebnis müssen eventuell noch speziellere Maßnahmen erfolgen (z.B. Endoskopie der Harnröhre und Blase).

Behandlung der bakteriellen Blasenentzündung bei Katzen

Eine bakterielle Blasenentzündung (Zystitis) wird bei der Katze – genau wie beim Menschen – mit einem Antibiotikum behandelt.

Die Dauer der Behandlung hängt dabei von vielen verschiedenen Faktoren ab – z.B. ob eine Katze das erste Mal eine Harnwegsinfektion hat, ob die Nieren mitbetroffen sind und welche Grundursache vermutet wird. Meistens werden Antibiotika-Tabletten (oder ein Antibiotika-Saft) über 1-6 Wochen gegeben.

Aber egal, für wie lange der Tierarzt die Tabletten oder den Saft verschreibt: Es ist außerordentlich wichtig, das Antibiotikum so lange zu geben, wie es vom Tierarzt verordnet wurde. Die Antibiotika-Therapie darf nicht vorzeitig abgebrochen werden, auch wenn es der Katze nach einigen Tagen wieder gut geht (das ist tatsächlich meistens der Fall). Denn sonst kann es zu einem Zystitis-Rückfall kommen, bei dem die Bakterien resistent sind, also nicht mehr auf die Antibiotika ansprechen. In einem solchen Fall wird die Behandlung der Blasenentzündung dann oft sehr schwierig.

Wenn möglich sollte vor der Therapie in einem Labor getestet werden, welche Bakterien im Urin vorhanden sind (Bakteriologische Untersuchung) und welches Antibiotikum gegen sie hilft (Antibiogramm). Es kann nämlich sein, dass die Bakterien in der Harnblase schon vor der Behandlung resistent gegen verschiedene Antibiotika sind.

Häufig werden während und nach der Behandlung noch weitere Urinproben untersucht – und zwar um sicherzugehen, dass das Antibiotikum auch wirklich hilft beziehungsweise geholfen hat. Wenn nicht alle Bakterien in den Harnwegen abgetötet wurden, können sie sich sonst gleich wieder vermehren und zu einer erneuten Blasenentzündung führen.

Vor allem, wenn eine Katze häufig Harnwegsinfektionen hat oder die Blasenentzündung nicht auf die Behandlung anspricht, ist es zusätzlich wichtig herauszufinden, welche Ursache dahintersteckt. Eine auslösende Grunderkrankung sollte auf jeden Fall behandelt werden – ansonsten wird es sehr wahrscheinlich trotz der Antibiotika-Behandlung immer wieder zu Rückfällen kommen.

Hausmittel zur Behandlung und Vorbeugung einer bakteriellen Blasenentzündung bei Katzen

Die folgenden Tipps und Hausmittel können unterstützend eingesetzt werden, um die bakterielle Blasenentzündung zu bekämpfen.

Vor allem bei Katzen, die ein erhöhtes Risiko für eine bakterielle Blasenentzündung haben (z.B. Katzen mit chronischer Niereninsuffizienz oder Diabetes) oder die immer wieder Harnwegsinfektionen haben, können sie auch dazu beitragen, der Krankheit vorzubeugen.

Wärme

Wer schon mal selber eine Blasenentzündung hatte, weiß: Wärme tut gut! Auch bei Katzen hilft sie die Schmerzen zu lindern. Sorgen Sie also für warme Liege- und Schlafplätze.

Flüssigkeit

Klar, es ist immer wichtig, dass Katzen genug Flüssigkeit zu sich nehmen (u.a. um einer chronischen Niereninsuffizienz vorzubeugen). Gerade im Fall einer bakteriellen Blasenentzündung ist es aber besonders wichtig. Denn wenn die Mieze viel Wasser aufnimmt werden die Bakterien aus der Blase herausgespült. Ausführliche Tipps und Tricks, wie das bei Katzen funktioniert, finden Sie in unserem Artikel „11 Tipps, wie Ihre Katze garantiert mehr trinkt!“.

Cranberries

Viele Menschen greifen zu Cranberry-Saft, -Extrakt oder -Tabletten, wenn sie an einer Blasenentzündung leiden – oder um einer Erkrankung vorzubeugen. Als natürliche Ergänzung zum Antibiotikum bzw. zur Vorbeugung wären diese Mittel also auch für Katzen mit bakterieller Zystitis sehr interessant.

Leider gibt es bisher aber keine Studien, in denen Katzen Cranberries gegeben wurden. Daher lässt sich aktuell noch nichts über deren Wirksamkeit bei bakterieller Zystitis sagen. In kleinen Mengen scheinen Cranberries zumindest nicht schädlich zu sein. Sie enthalten jedoch große Mengen Oxalsäure, welche die Entstehung von Harnsteinen begünstigt. Deswegen sollte nicht zu viel gegeben werden. Leider gibt es im Moment keine Empfehlungen zur richtigen Dosierung.

D-Mannose

D-Mannose ist ein Zucker, der vom Körper nicht verstoffwechselt, sondern unverändert mit dem Urin ausgeschieden wird. In der Humanmedizin wird D-Mannose inzwischen immer häufiger bei Blasenentzündung verabreicht. Zur Vorbeugung scheint es sehr gut wirksam zu sein (ähnlich gut wie Anibiotika). Ob es auch bei einer vorhandenen Harnwegsinfektion wirkt, ist noch umstritten – zumindest unterstützend wird es allerdings sehr gerne eingesetzt.

Der Wirkmechanismus hinter D-Mannose ist eigentlich ganz einfach: Die bei einer bakteriellen Zystitis in der Blase vorhandene E.coli-Bakterien nutzen körpereigene Mannose-Reste, um sich an den Zellen der Harnblasenwand festzuhalten. Nimmt die betroffene Katze nun D-Mannose auf, gelangt dieses unverändert in den Urin der Katze. Dadurch ist sehr viel Mannose frei im Urin verfügbar, an das die Bakterien anstelle der Blasenwand binden – sie haben dadurch keinen Halt mehr an der Harnblasen-Schleimhaut und werden beim Pinkeln einfach ausgespült.

D-Mannose ist in Pulverform erhältlich und wird in Wasser aufgelöst und getrunken. Dabei schmeckt das Pulver süß und wird deswegen von den meisten Tieren sehr gut akzeptiert. Obwohl D-Mannose ein Zucker ist, wird es vom Körper nicht verstoffwechselt. Dadurch scheint es auch für Katzen mit Diabetes geeignet zu sein. Bei zuckerkranken Katzen sollte trotzdem vorher mit dem behandelnden Tierarzt besprochen werden, ob D-Mannose gegeben werden darf.

Ein Nachteil von D-Mannose ist, dass es nur bei E. coli-Bakterien wirkt. Obwohl die meisten Blasenentzündungen durch diesen Keim ausgelöst werden, gibt es auch Fälle, in denen E. coli nicht für die Harnwegsinfektion verantwortlich ist.

Leider gibt es keine wissenschaftlichen Studien zur Wirksamkeit von D-Mannose zur Therapie und Vorbeugung von Blasenentzündungen bei Katzen. Einige Katzenhalter berichten aber über eine gute Wirksamkeit bei ihren Miezen. Dabei scheint D-Mannose kaum Nebenwirkungen zu haben; manchmal kann es allerdings zu Durchfall kommen.

Aktuell gibt es keine generellen Empfehlungen, wieviel D-Mannose-Pulver Katzen mit einer bakteriellen Zystitis erhalten sollten. Ein Hersteller von D-Mannose für Hunde und Katzen (DMannose Pet® von Sweet Cures,  https://www.waterfall-d-mannose.com/de/d-mannose-for-pets.html und https://www.sweet-cures.com/dmannose-pet-powder.htm) empfiehlt bei seinem Pulver allerdings die folgende Dosierung:

  • Bestehende Blasenentzündung:
    • Mittelgroße Katzen (6-10 kg): alle 2-3 Stunden ca. 0,5-1 g Pulver in Wasser oder über Futter gegeben
    • Wiegt die Katze weniger, soll die Dosis entsprechend angepasst werden (Bsp.: 3-5 kg-schwere Katze: 0,25-0,5 g)
  • Zur Vorbeugung gegen bakterielle Blasenentzündungen:
    • Einmal täglich ca. 1 g Pulver pro 10 kg Körpergewicht
    • Eine 5 kg-schwere Katze erhält dementsprechend 0,5 g Pulver; eine 3 kg-schwere Katze bekommt 0,3 g Pulver

Weil die meisten Katzenbesitzer natürlich keine so genaue Waage zuhause haben: eine Messerspitze entspricht im Allgemeinen ca. 0,1-0,5 g. Dabei bezeichnet eine Messerspitze die Pulvermenge, die auf dem vorderen Zentimeter eine Messers liegen bleibt, wenn das Messer in das Pulver getaucht und waagrecht wieder herausgehoben wird.

Ein gestrichener Teelöffel entspricht laut Hersteller wohl außerdem 1 Gramm D-Mannose-Pulver.

Prognose bei bakterieller Blasenentzündung (Zystitis)

Die Prognose bei einer bakteriellen Harnwegsinfektion ist bei Katzen – abhängig von der zugrundeliegenden Ursache – vorsichtig bis gut. Lebensbedrohlich ist sie nur sehr selten. Wenn die Grundursache allerdings nicht beseitigt werden kann, wird die Zystitis sehr wahrscheinlich immer wieder kommen und schwer zu behandeln sein.

Obwohl eine bakterielle Blasenentzündung an sich meist nicht lebensgefährlich ist, sollte sie unbedingt behandelt werden – denn ansonsten kann es zu schweren Komplikationen kommen. Wenn die Zystitis länger besteht, können die Keime z.B. in die Nieren aufsteigen und dort zu einer gefährlichen Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) führen. Zusätzlich steigert eine bakterielle Blasenentzündung das Risiko für die Entstehung von Harnsteinen. Wie bei jeder chronischen Infektion kann es außerdem zu einer bakteriellen Herzklappenentzündung kommen.

Wie schon erwähnt, bringen viele Katzen die Schmerzen beim Pinkeln mit dem Katzenklo in Verbindung und urinieren stattdessen an anderen Orten (z.B. auf Teppiche oder ins Bett). Dadurch ergibt sich ein weiterer Grund, die Katze so schnell wie möglich behandeln zu lassen: je länger die Schmerzen anhalten, desto größer ist das Risiko, dass die Mieze das Katzenklo langfristig meidet und unsauber bleibt – selbst wenn die Blasenentzündung wieder ausgeheilt ist.

Vorbeugung gegen bakterielle Blasenentzündungen

Am wichtigsten ist es, Krankheiten, die zu bakteriellen Blasenentzündungen führen können, rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln sowie regelmäßig kontrollieren zu lassen. So können Harnwegsinfektionen möglicherweise verhindert werden, bevor sie entstehen.

Grundsätzlich gilt, dass bei allen (v.a. mittelalten und alten) Katzen der Urin- und Kotabsatz, das Trinkverhalten, das Körpergewicht und der Appetit aufmerksam beobachtet werden sollten. Wenn größere Veränderungen festgestellt werden, ist es immer sinnvoll, einen Tierarzt zu kontaktieren.

Außerdem sollten Katzen regelmäßig beim Tierarzt zur Gesundheitsvorsorge vorgestellt werden:

  • gesunde Katzen, die älter als 10 Jahre sind: einmal jährlich
  • gesunde Katzen, die älter als 15 Jahre sind: alle 6 Monate

Wenn Katzen ausreichend viel Flüssigkeit zu sich nehmen, kann dies ebenfalls dabei helfen, das Risiko einer Blasenentzündung zu reduzieren (11 Tipps, wie Ihre Katze garantiert mehr trinkt!).

Alle Informationen zur Vorbeugung mit Cranberries und D-Mannose finden Sie im Abschnitt „Hausmittel zur Behandlung und Vorbeugung einer bakteriellen Blasenentzündung bei Katzen“.

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[Gesamt:9    Durchschnitt: 4.2/5]
Quellen

29. Januar 2018

Von Dr. Iris Wagner-Storz

2018-10-27T20:06:25+00:00

Über den Autor:

Als ursprüngliche Schwäbin bin ich 2007 nach München gezogen um Tiermedizin an der LMU zu studieren. Anschließend hab ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München geschrieben – über eine neue Art der Immuntherapie bei Hunden mit Umweltallergie. Meine Lieblingsbereiche sind die Dermatologie, die Innere Medizin und Infektionskrankheiten. Ich bin stolze Dosenöffnerin für meine beiden Miezen Nini und Clyde, liebe alle Tiere (Katzen aber natürlich besonders) und habe eine Schwäche für Kuchen.