Eine bakterielle Blasenentzündung (Zystitis) tritt auf, wenn Bakterien in die Harnblase gelangen und dort zu einer Infektion und Entzündung führen. In den meisten Fällen ist die bakterielle Zystitis gut mit Antibiotika zu behandeln. Ohne Therapie kann es jedoch zu schwerwiegenden Komplikationen kommen.

Wir verraten Ihnen hier, wie Sie erkennen, ob Ihre Katze betroffen ist und wie die Blasenentzündung behandelt werden kann – auch unterstützend mit Hausmitteln!

Bakterielle Blasenentzündung (Katze): Zusammenfassung

  • Häufigkeit der Erkrankung: Gelegentlich

  • Schwere der Erkrankung: Mittel

  • Vorkommen: Vor allem bei mittelalten bis alten Katzen (älter als 10 Jahre)

  • Ansteckungsgefahr: Nicht ansteckend für Tiere oder Menschen

  • Typische Symptome: Häufiges Pinkeln, wobei jeweils nur kleine Mengen Urin abgesetzt wird, ständiger Harndrang, Schmerzen beim Urinieren, Unsauberkeit, ggf. blutiger Urin

  • Verlauf: Akut (plötzlich)

  • Diagnose: Urinuntersuchung

  • Behandlungsmöglichkeiten: Antibiotika-Behandlung

  • Prognose: Vorsichtig bis gut

  • Zuständige Spezialisten: Spezialisten für Innere Medizin

Beschreibung

Bei Katzen werden bakterielle Harnwegsinfektionen zum sogenannten FLUTD (Feline Lower Urinary Tract Disease)-Komplex gezählt. Die Krankheiten in diesem Komplex zeichnen sich durch sehr ähnliche Symptome aus, weswegen sie sehr leicht verwechselt werden können! Treten bei Ihrer Katze also die unten beschriebenen Symptome auf, kann auch eine andere Krankheit aus diesem Krankheitskomplex zugrunde liegen! Erfahren Sie hier mehr zum FLUTD-Komplex.

Bei gesunden Katzen ist der Urin in der Harnblase keimfrei. Im Falle einer bakteriellen Blasenentzündung haben es Bakterien allerdings geschafft, in die Blase zu gelangen und sich dort zu vermehren. Die Keime reizen und schädigen die Harnblasenwand und führen so zu den typischen Symptomen einer Blasenentzündung: die Miezen haben ständig das Gefühl, „mal zu müssen“, gehen immer wieder pinkeln (wobei nur wenig Urin kommt, teilweise nur einige Tropfen) und haben dabei Schmerzen.

In den meisten Fällen entsteht die bakterielle Blasenentzündung, wenn Fäkalkeime (Keime aus dem Darm, z.B. Escherichia coli = E. coli) über die Harnröhre in die Blase wandern und sich dort festsetzen. Normalerweise verhindern verschiedene Mechanismen, dass das passieren kann. Zu einer Harnwegsinfektion kommt es deswegen in der Regel nur, wenn diese Mechanismen geschwächt sind.

Im Vergleich zu Menschen und Hunden sind bakterielle Blasenentzündungen bei der Katze eher selten. Am häufigsten sind Tiere betroffen, die älter als 10 Jahre sind.

Eine Blasenentzündung ist an sich nicht lebensbedrohlich. Sie sollte allerdings trotzdem ernst genommen und bald behandelt werden. Ansonsten können die Keime nämlich u.a. bis in die Nieren aufsteigen – die Folge ist dann eine gefährliche Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis).

Wie verhindert der Körper der Katze normalerweise eine Harnwegsinfektion?

Wie schon erwähnt ist der Urin gesunder Katzen in der Harnblase steril, das heißt in ihm sind keine Bakterien oder anderen Keime zu finden. Dort, wo die Harnröhre endet (bei weiblichen Katzen in der Vagina, beim Kater auf der Penisspitze), gibt es dagegen jede Menge Bakterien. Was verhindert bei einer gesunden Katze nun also, dass die Keime in die Harnblase wandern und dort zu einer Blasenentzündung führen?

Tatsächlich verfügt der Körper über viele Mechanismen, die zusammen dafür sorgen, dass die Keime nicht bis in die Blase gelangen bzw. sich dort nicht festsetzen können:

  • In der Harnröhre herrscht ein hoher Druck. Dieser verschließt sie und dichtet sie sozusagen gegenüber Keimen ab.
  • Normaler, nicht krankhaft veränderter Urin ist für die meisten Bakterien nicht sehr lebensfreundlich. Er hemmt Keime in ihrem Wachstum oder tötet sie sogar ab.
  • Bei jedem Urinabsatz werden etwaige Bakterien außerdem ziemlich erfolgreich aus den Harnwegen herausgespült.
  • Und nicht zuletzt sorgt auch das Immunsystem dafür, dass sich Bakterien nicht an die Schleimhaut der Harnröhre und Blase anheften und dort vermehren können.

Und wie kommt es dann zu einer bakteriellen Blasenentzündung?

Wenn die Abwehrmechanismen des Körpers geschwächt sind, können Keime manchmal eben doch bis in die Blase gelangen – und sich dort auch vermehren. Dabei kann es schon reichen, dass beispielsweise der Urin anders zusammengesetzt ist als sonst oder nach dem Pinkeln immer eine kleine Menge Urin in der Blase zurückbleibt.

Auch anatomische Veränderungen, Verletzungen der Harnröhren- oder Blasenschleimhaut und Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen, können zu einer Harnwegsinfektion mit Bakterien führen.

Symptome bei bakterieller Blasenentzündung

Manche Katzen, die eine Blasenentzündung haben, zeigen gar keine Symptome (sogenannte subklinische oder okkulte Infektion).

Andere Katzen mit Blasenentzündung zeigen dagegen ganz ähnliche Symptome wie betroffene Menschen: sie haben ständig das Gefühl pinkeln zu müssen und gehen deswegen sehr oft aufs Katzenklo. Wenn sie dann aber urinieren, kommt nur eine kleine Menge Harn (teilweise nur einige Tropfen). Bei vielen Katzen mit Blasenentzündung ist der Urinabsatz auch schmerzhaft (zu erkennen an Miauen und Schreien) und sie scharren extrem viel im Katzenklo. Oft wirkt es so, als würden die betroffenen Katzen richtig „pressen“ und drücken, um möglichst viel Urin loszuwerden.

Leider kommt es auch gar nicht selten vor, dass Katzen, die an einer Blasenentzündung leiden, ihre Stubenreinheit verlieren und unsauber werden: Sie verknüpfen die Schmerzen mit dem Katzenklo und meiden es deshalb. Stattdessen pinkeln sie z.B. auf Teppiche, ins Bett oder ins Waschbecken. Manchmal kann diese Unsauberkeit das einzige Symptom der Blasenentzündung sein.

In seltenen Fällen kann es bei Katzen (vor allem bei Katern) durch die Entzündung zu einer teilweisen oder vollständigen Blockade der Harnröhre kommen. Ein solcher Verschluss der Harnröhre ist ein lebensbedrohlicher Notfall! Wann immer Ihre Katze also erfolglos versucht Urin abzusetzen, die Gesamttagesmenge an Urin deutlich geringer ist als sonst und/oder die Katze Allgemeinsymptome (wie Erbrechen oder eine schnelle, flache Atmung) zeigt, sollten Sie daher schnellstmöglich einen Tierarzt aufsuchen!

  • Sehr häufige Symptome bei bakterieller Blasenentzündung:

  • Gelegentliche Symptome bei bakterieller Blasenentzündung:

    • Übermäßiges Putzen und Lecken an den Genitalien und am Bauch (bis hin zur Haarlosigkeit)
    • Blutiger Urin (Hämaturie)
    • Trüber und/oder stinkender Urin
  • Selten auftretende Symptome bei bakterieller Blasenentzündung:

    • Teilnahmslosigkeit (Apathie)
    • Appetitlosigkeit
    • Fieber

Achtung: Bei Katzen werden bakterielle Harnwegsinfektionen zum sogenannten FLUTD (Feline Lower Urinary Tract Disease)-Komplex gezählt. Die Krankheiten in diesem Komplex zeichnen sich durch sehr ähnliche Symptome aus, weswegen sie sehr leicht verwechselt werden können! Wenn Sie bei Ihrer Katze die soeben beschriebenen Symptome beobachtet haben, kann es also auch sein, dass sie an einer anderen Krankheit aus diesem Krankheitskomplex leidet! Erfahren Sie hier mehr zum FLUTD-Komplex.

Ursachen und Risikofaktoren von bakteriellen Blasenentzündungen bei Katzen

Eine bakterielle Blasenentzündung (Zystitis) kann durch jeden Zustand entstehen, bei dem es zu einer (zumindest kurzfristigen) Schwächung der Abwehrmechanismen der Katze kommt.

Einige mögliche Ursachen für Harnwegsinfektionen sind:

  • Hyperthyreose (Überfunktion der Schilddrüse)
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Katheterisierung der Harnröhre (z.B. zur Entfernung von Harnsteinen)
  • Medikamente, die das Immunsystem schwächen (wie Kortison oder Cyclosporin)
  • Cushing-Syndrom (Hyperadrenokortizismus; Erkrankung, bei der es zu einer Überproduktion des körpereigenen Hormons Kortison kommt)
  • Tumoren der Harnwege (Blasenkrebs oder Harnröhrenkrebs)
  • Anatomische Veränderungen/Fehlbildungen der Harnröhre, Harnleiter, Harnblase oder Vagina
  • Chronische bakterielle Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)
  • Perineale Urethrostomie (Operation zur Vorbeugung gegen wiederkehrende Harnröhrenverschlüsse. Bei dieser wird im Dammbereich die Harnröhre geöffnet und an die Außenhaut genäht, dadurch wird dort ein neuer Ausgang für den Urin geschaffen.)
  • Erkrankungen der Prostata

In manchen Fällen kann allerdings nicht herausgefunden werden, wie es zur Harnwegsinfektion kommen konnte (z.B. bei einer kurzfristigen Schwächung des Immunsystems).

Untersuchungen und Diagnose bei bakterieller Blasenentzündung

Üblicherweise wird der Tierarzt erstmal einige Fragen stellen (z.B. wie oft und wieviel Urin die Katze absetzt, ob der Urin stinkt oder blutig ist und ob weitere Symptome beobachtet wurden). Danach wird er eine allgemeine klinische Untersuchung durchführen. Dabei wird er besonders darauf achten, wie groß die Harnblase ist (ob sie also stark gefüllt oder leer ist) und ob die Berührung der Katze weh tut.

Urinuntersuchung

Anschließend wird der Tierarzt den Urin untersuchen. Bei einer Harnwegsinfektion (Zystitis) finden sich normalerweise Bakterien, Entzündungszellen und eventuell Blut im Urin der Katze. So kann der Tierarzt sehr leicht und schnell die Diagnose „bakterielle Blasenentzündung“ stellen. Manchmal kann er durch die Urinuntersuchung auch schon Hinweise auf die Ursache der Harnwegsinfektion bekommen.

Häufig wird der Tierarzt zusätzlich steril gewonnenen Urin in ein Labor einschicken. Dort kann mit einer bakteriologischen Untersuchung (BU) nicht nur überprüft werden, ob Bakterien im Urin vorhanden sind, sondern auch um welche Bakterien es sich handelt und welches Antibiotikum gegen sie hilft (Antibiogramm). Diese Untersuchungen (BU und Antibiogramm) sind vor allem dann ganz besonders wichtig, wenn eine Blasenentzündung trotz Behandlung nicht besser wird. Denn möglicherweise sind die in der Blase vorhandenen Keime resistent gegen das verabreichte Antibiotikum. Dies lässt sich im Antibiogramm erkennen, so dass anschließend auf ein erwiesenermaßen besser wirksames Mittel gewechselt werden kann.

Eine bakteriologische Untersuchung kann allerdings auch dann sinnvoll sein, wenn bei der Untersuchung des Urins durch den Tierarzt keine Bakterien gefunden wurden. Denn manchmal „verstecken“ sich die Keime und sind bei der mikroskopischen Urinuntersuchung durch den Tierarzt nicht zu finden.

Weiterführende Untersuchungen zur Ermittlung der Blasenentzündungs-Ursache

Um herauszufinden, ob eine Grunderkrankung hinter der bakteriellen Blasenentzündung (Zystitis) steckt (und wenn ja, welche), wird der Tierarzt wahrscheinlich noch weitere Untersuchungen durchführen. Das gilt vor allem dann, wenn eine Katze häufiger an Blasenentzündungen leidet oder die Harnwegsinfektion trotz Behandlung nicht weggeht. Denn nur wenn die auslösende Grunderkrankung entdeckt und behandelt wird, kann ein Wiederauftreten der Blasenentzündung verhindert werden.

Häufig wird der Tierarzt deswegen eine Ultraschalluntersuchung durchführen. Damit kann er Veränderungen an der Blase, den Nieren und an anderen Organen erkennen. Röntgenbilder können dagegen z.B. bei Verdacht auf Harnsteine sehr hilfreich sein. Möglicherweise wird der Tierarzt auch eine Blutprobe entnehmen und untersuchen (Beurteilung des Blutbilds und der Organwerte).

Führen diese Untersuchungen zu keinem eindeutigen Ergebnis müssen eventuell noch speziellere Maßnahmen erfolgen (z.B. Endoskopie der Harnröhre und Blase).

Behandlung der bakteriellen Blasenentzündung bei Katzen

Eine bakterielle Blasenentzündung (Zystitis) wird bei der Katze – genau wie beim Menschen – mit einem Antibiotikum behandelt.

Die Dauer der Behandlung hängt dabei von vielen verschiedenen Faktoren ab – z.B. ob eine Katze das erste Mal eine Harnwegsinfektion hat, ob die Nieren mitbetroffen sind und welche Grundursache vermutet wird. Meistens werden Antibiotika-Tabletten (oder ein Antibiotika-Saft) über 1-6 Wochen gegeben.

Aber egal, für wie lange der Tierarzt die Tabletten oder den Saft verschreibt: Es ist außerordentlich wichtig, das Antibiotikum so lange zu geben, wie es vom Tierarzt verordnet wurde. Die Antibiotika-Therapie darf nicht vorzeitig abgebrochen werden, auch wenn es der Katze nach einigen Tagen wieder gut geht (das ist tatsächlich meistens der Fall). Denn sonst kann es zu einem Zystitis-Rückfall kommen, bei dem die Bakterien resistent sind, also nicht mehr auf die Antibiotika ansprechen. In einem solchen Fall wird die Behandlung der Blasenentzündung dann oft sehr schwierig.

Wenn möglich sollte vor der Therapie in einem Labor getestet werden, welche Bakterien im Urin vorhanden sind (Bakteriologische Untersuchung) und welches Antibiotikum gegen sie hilft (Antibiogramm). Es kann nämlich sein, dass die Bakterien in der Harnblase schon vor der Behandlung resistent gegen verschiedene Antibiotika sind.

Häufig werden während und nach der Behandlung noch weitere Urinproben untersucht – und zwar um sicherzugehen, dass das Antibiotikum auch wirklich hilft beziehungsweise geholfen hat. Wenn nicht alle Bakterien in den Harnwegen abgetötet wurden, können sie sich sonst gleich wieder vermehren und zu einer erneuten Blasenentzündung führen.

Vor allem, wenn eine Katze häufig Harnwegsinfektionen hat oder die Blasenentzündung nicht auf die Behandlung anspricht, ist es zusätzlich wichtig herauszufinden, welche Ursache dahintersteckt. Eine auslösende Grunderkrankung sollte auf jeden Fall behandelt werden – ansonsten wird es sehr wahrscheinlich trotz der Antibiotika-Behandlung immer wieder zu Rückfällen kommen.