Wenn eine Katze oder ein Kater nicht pinkeln bzw. keinen Urin absetzen kann, handelt es sich um einen absoluten Notfall! Meistens liegt ein sogenannter Harnröhrenverschluss vor. Dabei ist die Harnröhre entweder von innen verstopft oder sie wird von außen zusammengedrückt. Durch die blockierte Harnröhre kann die Katze keinen Urin absetzen und der Harn staut sich zurück. Als Folge kann es zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommen!

Lesen Sie hier, wie Sie erkennen, ob Ihre Katze betroffen ist, was die Ursachen sein können und wie ein Harnwegsverschluss behandelt wird.

Harnröhrenverschluss (Katze): Zusammenfassung

  • Häufigkeit der Erkrankung: Gelegentlich

  • Schwere der Erkrankung: Schwer bis sehr schwer

  • Vorkommen: Bei jeder Katze möglich; meistens jedoch bei Katern, v.a. wenn sie mittelalt, kastriert und/oder übergewichtig sind

  • Ansteckungsgefahr: Nicht ansteckend für Tiere oder Menschen

  • Typische Symptome: Katze kann nicht urinieren ODER pinkelt sehr häufig, wobei sie jeweils nur einige Tropfen Urin absetzt; Schmerzen beim Urinieren bzw. beim Versuch Urin abzusetzen; übermäßiges Scharren im Katzenklo

  • Verlauf: Akut (plötzlich)

  • Diagnose: Allgemeinuntersuchung, Röntgen, Ultraschall, Blutuntersuchung

  • Behandlungsmöglichkeiten: Harnröhrenmassage, Katheterisierung, Operation, Infusionen

  • Prognose: Vorsichtig

  • Zuständige Spezialisten: Spezialisten für Innere Medizin

  • Notfall! Sofort Tierarzt aufsuchen!

Beschreibung

Ein Verschluss der Harnröhre ist ein akuter, lebensbedrohlicher Notfall! Die Harnblase kann reißen und es kann innerhalb von nur 2-3 Tagen zu einem akuten Nierenversagen kommen. Betroffene Katzen sollten deswegen so schnell wie möglich zum Tierarzt gebracht und behandelt werden!

Harnwege des HundesDie Harnröhre (Urethra) verbindet die Harnblase mit der Außenwelt. Wenn sie aus irgendeinem Grund nicht mehr durchgängig ist, kann kein Urin mehr abgesetzt werden.

Zu einem solchen Harnröhrenverschluss kann es kommen, wenn die Harnröhre von innen verstopft ist (z.B. durch Harnsteine) oder wenn sie von außen stark zusammengedrückt wird (z.B. durch einen Tumor).

Wenn die Harnröhre komplett blockiert ist und gar kein Urin mehr hindurchgelangt (die Katze also nicht urinieren kann), sprechen Mediziner von einem totalen Harnröhrenverschluss (andere Bezeichnungen sind z.B. Urethraobstruktion, Harnröhrenblockade oder Harnwegsverschluss).

In manchen Fällen ist die Harnröhre aber auch nur teilweise verstopft bzw. blockiert, so dass noch ein bisschen Urin daran vorbeigelangen kann. In diesem Fall nennt man das einen partiellen Harnröhrenverschluss.

In den allermeisten Fällen tritt ein Verschluss der Harnwege bei Katern auf. Das liegt daran, dass diese eine längere und engere Harnröhre haben als weibliche Katzen. Dadurch kann sie leichter verstopfen.

Was sind die Folgen, wenn eine Katze nicht urinieren kann?

Wenn eine Katze über längere Zeit nicht pinkelt bzw. nicht pinkeln kann, staut sich der Urin zunächst in der Harnblase. Diese wird immer voller und voller und ihre Muskulatur wird überdehnt. Wenn gar nichts mehr hineinpasst, staut sich der Urin noch weiter zurück – und zwar bis in die Nieren.

Folgen einer blockierten Harnröhre bei der Katze

Kann eine Katze nicht urinieren, staut sich der Urin – im schlimmsten Fall bis in die Nieren.

Als Folge einer solchen Harnstauung können mehrere Dinge passieren:

  • Urinvergiftung (postrenale Azotämie/Urämie)

    Die Nieren sind die „Waschmaschinen“ des Körpers und reinigen das Blut von Abfall- und Giftstoffen. Wenn sich der Urin bis in die Nieren zurückstaut, können sie das Blut nicht mehr ausreichend filtern und die schädlichen Stoffe bleiben im Körper. Es kommt dann zu einer gefährlichen Urinvergiftung. Auch die Blutsalze (Elektrolyte), wie z.B. Kalium und Phosphat, können nicht mehr ausgeschieden werden, so dass deren Anteil im Blut gefährlich hoch ansteigen kann.

  • Akutes Nierenversagen

    Wenn der Zustand länger anhält, können die Nieren durch die Urinstauung so stark geschädigt werden, dass es zu einem lebensbedrohlichen akuten Nierenversagen kommt. Bei einem totalen Harnrörenverschluss kommt es dazu schon nach 2-3 Tagen!

  • Schädigung der Harnblasenmuskulatur

    Die Harnblasenmuskulatur kann durch die Überdehnung so stark geschädigt werden, dass sie auch nach der Behebung des Harnröhrenverschlusses nicht mehr richtig funktioniert. Diese Muskulatur ist aber dafür zuständig, dass die Blase beim Urinieren zusammengedrückt und der Urin herausgepresst wird. Ist die Muskulatur stark geschädigt, kann die Blase nicht mehr vollständig entleert werden, es bleibt immer ein Rest Urin in der Blase zurück. Als Folgen können unter anderem häufiger und/oder erschwerter Harnabsatz, Blasenentzündungen, Harnsteine und Inkontinenz auftreten.

  • Ruptur der Harnblase oder Harnröhre

    Wenn der Druck in der Harnblase oder in der Harnröhre zu groß wird, können sie reißen. Der Urin fließt dann in die Bauchhöhle oder in das Gewebe um die Harnröhre und führt dort zu einer starken Entzündung. Außerdem werden die Abfall- und Giftstoffe aus dem Urin dann wieder ins Blut aufgenommen – eine Urinvergiftung ist die Folge.

Symptome bei Harnröhrenverschluss

Verschiedene Erkrankungen der unteren Harnwege (also Harnblase und Harnröhre) verursachen bei Katzen identische Symptome. Sie werden deswegen zum sogenannten FLUTD-Komplex zusammengefasst (FLUTD = Feline Lower Urinary Tract Disease; mehr Informationen zur FLUTD finden Sie hier). Dabei kann das Krankheitsbild von Katzen ohne Harnröhrenverschluss (z.B. mit einer Blasenentzündung) und Katzen mit (zumindest teilweise) blockierter Harnröhre ganz ähnlich aussehen.

Manchmal ist es deswegen nicht ganz leicht festzustellen, ob eine Katze eine Harnwegsblockade hat oder nicht. Ein hochgradiger Verdacht auf einen Harnröhrenverschluss besteht aber immer dann, wenn:

  • Die Katze nicht urinieren kann, obwohl sie es immer wieder versucht.
  • Die Katze immer wieder nur einige Tropfen Urin absetzt (sodass die insgesamt im Verlauf eines Tages abgesetzte Harnmenge deutlich geringer ist, als normal wäre).
  • Die unten beschriebenen Symptome sehr stark ausgeprägt sind.
  • Die Katze allgemeine Symptome, wie Erbrechen, Appetitlosigkeit, Teilnahmslosigkeit oder eine schnelle, flache Atmung, hat.

Wenn diese Symptome beobachtet werden, handelt es sich um einen Notfall und es sollte so schnell wie möglich ein Tierarzt aufgesucht werden!

Wenn Zweifel bestehen, sollte vor allem bei Katern vorsichtshalber immer davon ausgegangen werden, dass es sich um einen Harnröhrenverschluss handelt!

Katzen, deren Harnröhre teilweise oder vollständig blockiert ist, zeigen meistens die folgenden Symptome:

  • Fehlender Urinabsatz trotz ständiger Absatzversuche (Katze kann nicht urinieren) – die Katzen gehen immer wieder aufs Katzenklo, scharren sehr viel und versuchen zu pinkeln, aber es kommt nichts. Häufig schreien sie dabei.

ODER

  • häufiges Pinkeln, wobei jeweils nur einige Tropfen Urin abgesetzt werden (Pollakisurie)
  • Schmerzen beim Urinabsatz beim Versuch, Urin abzusetzen (erkennbar an Miauen oder Schreien) (Strangurie).
  • Pressen auf Harn – die betroffenen Katzen scheinen beim Pinkeln richtig zu pressen und drücken, um den Urin irgendwie loszuwerden.
  • Exzessives, übermäßiges Scharren im Katzenklo
  • Übermäßiges Lecken am Genitalbereich
  • Verhaltensänderungen – z.B. Unruhe, Nervosität oder Aggressivität, aber auch Verstecken und Zurückziehen
  • Bauchschmerzen/Schmerzen bei Berührung des Bauches

Wenn die Katze schon länger nicht pinkeln konnte (der Verschluss also bereits länger besteht) und eine Urinvergiftung vorliegt, kommen häufig noch die folgenden Symptome dazu:

  • Teilnahmslosigkeit (Apathie, Lethargie)
  • Schwäche
  • Appetitlosigkeit (Inappetenz)
  • Erbrechen
  • Austrocknung (Dehydration)
  • Schnelle, flache Atmung
  • Untertemperatur (Hypothermie; Körperinnentemperatur unter 38°C) oder Fieber (Körperinnentemperatur über 39°C)

Ursachen von Harnröhrenobstruktionen

Viele verschiedene Erkrankungen können einen Harnröhrenverschluss verursachen. Zu den häufigsten gehören:

  • Schleimpfropfen (Entzündungspfropfen, urethrale Plugs)

    Diese Pfropfen oder „Plugs“ sind stabile, weiche „Stöpsel“, die hauptsächlich aus organischem Material, wie Proteinen (Eiweißen), Schleimhaut- und Entzündungszellen, entstehen. Sie können aber auch Kristalle (die Vorläufer von Harnsteinen) enthalten. Sie bilden sich in der Harnröhre (Urethra) und führen dort zu einem teilweisen oder vollständigen Verschluss. Es wird angenommen, dass die Schleimpfropfen als Folge einer Entzündung in der Harnröhre entstehen. Sie sind für etwa jeden zweiten Harnwegsverschluss verantwortlich.

  • Idiopathische FLUTD/idiopathische Blasenentzündung

    In vielen Fällen kommt es bei Katzen ohne erkennbare Ursache zu einer Entzündung der Harnblase. Mediziner sprechen in einem solchen Fall von „idiopathischer FLUTD“ – dabei steht FLUTD für „Feline Lower Urinary Tract Disease“, auf Deutsch also „Erkrankung der unteren Harnwege der Katze“, und idiopathisch für „ohne erkennbare Ursache“. Häufig entsteht bei Katern durch die Erkrankung auch eine Harnröhrenblockade – entweder durch Schleimpfropfen oder durch eine Entzündung der Harnröhre und anhaltende Verkrampfung der Harnröhrenmuskulatur. Eine idiopathische FLUTD ist in etwa 30% der Fälle die Ursache für eine Harnröhrenobstruktion. Erfahren Sie hier mehr zu dieser Erkrankung: Idiopathische FLUTD bei der Katze.

  • Harnsteine

    Am häufigsten kommen Harnsteine bei der Katze in der Blase vor (Blasensteine). Vor allem bei Katern können sie aber auch in die Harnröhre abgeschwemmt werden und diese blockieren. Harnsteine sind bei etwa 10% der betroffenen Katzen der Auslöser für den Harnröhrenverschluss.

  • Anatomische Veränderungen/Fehlbildungen

    Manchmal ist der Harntrakt nicht so aufgebaut wie er sein sollte. Ein solcher Defekt kann bereits angeboren sein, er kann aber auch erst später entstehen. Dazu kommt es häufig, wenn Verletzungen der Harnröhrenschleimhaut abheilen und eine Narbe zurückbleibt. Dadurch kann eine Engstelle entstehen, die einen (teilweisen) Harnröhrenverschluss verursacht.

  • Weitere Ursachen

    Auch verschiedene andere Erkrankungen kommen – wenn auch seltener – als Ursache für eine blockierte Harnröhre in Frage. Dazu gehören unter anderem:

    • Bakterielle Harnwegsinfektionen (Blasenentzündungen)
    • Krebserkrankungen, v.a. der Blase und Harnröhre
    • Blutgerinnsel in der Harnröhre
    • Verletzung (Trauma) der Blase oder Harnröhre (z.B. bei einem Autounfall)
    • Hernie (Eingeweidebruch) – Vorfall der Harnblase durch eine Lücke in der Bauchwand, z.B. in den Dammbereich (Perineum)

Risikofaktoren für die Entwicklung eines Harnröhrenverschlusses

Generell gilt, dass Katzen jeden Alters und jeder Rasse betroffen sein können. Dennoch ist ein Harnröhrenverschluss häufiger bei:

  • Männlichen Katzen/Katern
  • Mittelalten Katzen
  • Kastrierten Katzen
  • Übergewichtigen Katzen
  • Katzen, die sich wenig bewegen
  • Katzen, die vor allem drinnen leben
  • Katzen, die nur Trockenfutter fressen

Je mehr dieser Faktoren auf Ihre Katze zutreffe