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Chronische Niereninsuffizienz der Katze

CNI, Chronische Nierenerkrankung (CNE)

///Chronische Niereninsuffizienz der Katze

Die chronische Niereninsuffizienz (CNI) ist eine – vor allem bei älteren Katzen – häufige Erkrankung, bei der die Nieren nur noch eingeschränkt funktionieren. Sie entwickelt sich in den meisten Fällen über Monate oder Jahre. Die Nieren werden in dieser Zeit immer weiter geschädigt, bis sie ihre Funktionen nicht mehr ausreichend wahrnehmen können (totales Nierenversagen).

Chronische Niereninsuffizienz (Katze): Zusammenfassung

  • Häufigkeit der Erkrankung: Sehr häufig

  • Schwere der Erkrankung: Schwer

  • Vorkommen: Häufig bei älteren Katzen (v.a. älter als 10 Jahre)

  • Ansteckungsgefahr: Nicht ansteckend für Tiere oder Menschen

  • Typische Symptome: Häufigeres Urinieren, vergrößerte Urinmengen, gesteigerter Durst, Appetitlosigkeit, Teilnahmslosigkeit, Abmagerung

  • Verlauf: Chronisch (über mehrere Monate bis Jahre)

  • Diagnose: Urin- und Blutuntersuchung

  • Behandlungsmöglichkeiten: Futterumstellung (Nierendiät), Steigerung der Wasseraufnahme, Medikamente

  • Prognose: Vorsichtig, die Erkrankung führt i.d.R. zum Tod. Bei früher Diagnose können nierenkranke Katzen aber oft noch jahrelang leben!

  • Zuständige Spezialisten: Spezialisten für Innere Medizin

Beschreibung

Die chronische Niereninsuffizienz oder CNI ist eine sehr häufige Erkrankung bei Katzen – bei mittelalten bis alten Katzen stellt sie sogar eine der häufigsten Krankheiten überhaupt dar. Vermutlich entwickelt jede zweite bis dritte Katze irgendwann in ihrem Leben Nierenprobleme – es wird angenommen, dass 30-40% (also gut ein Drittel!) aller Katzen über 10 Jahren an einer CNI leiden. Leider ist die chronische Niereninsuffizienz auch eine der häufigsten Todesursachen von Katzen.

Bei der CNI kommt es zu einer immer weiter fortschreitenden Schädigung der Nieren und dadurch zu einem Verlust der Nierenfunktion („Niereninsuffizienz“). Die Erkrankung entwickelt sich i.d.R. über mehrere Monate oder Jahre.

Erst wenn mehr als zwei Drittel des Nierengewebes zerstört sind, zeigen nierenkranke Katzen die typischen Symptome einer CNI. Aus diesem Grund wird die chronische Niereninsuffizienz häufig erst spät erkannt.

Als chronisches Nierenversagen wird das Endstadium der Erkrankung bezeichnet, in dem die Nieren nur noch eine so geringe Leistung haben, dass es schließlich zum Tod der nierenkranken Katze kommt. Häufig wird dieses Krankheitsstadium aber erst nach längerer Zeit (bis zu mehreren Jahren) erreicht.

Meistens ist nicht bekannt, was bei nierenkranken Katzen die ursprüngliche Schädigung der Nieren verursacht hat (häufig hat die betroffene Katze zu diesem Zeitpunkt auch gar keine Symptome gezeigt). Einmal vorhanden kommt es aber zu einem Teufelskreis: der Schaden führt zu weiteren Schädigungen in den Nieren – und die Niereninsuffizienz schreitet immer weiter voran.

Nierenproblem ist nicht gleich Nierenproblem: Unterscheidung der CNI vom akuten Nierenversagen

Im Gegensatz zum akuten Nierenversagen verläuft die CNI chronisch, d.h. sie entwickelt sich über Monate oder sogar Jahre. Anders als beim akuten Nierenversagen ist die Schädigung der Nieren außerdem irreversibel, d.h. sie kann nicht mehr rückgängig gemacht oder behoben werden.

Ein akutes Nierenversagen kann allerdings in eine chronische Niereninsuffizienz übergehen, wenn die schwere, kritische Erkrankungsphase überstanden wird, die Nieren jedoch bleibende Schäden davontragen. Und andersrum haben Katzen mit CNI ein erhöhtes Risiko, an einem akuten Nierenversagen zu erkranken (weil die Nieren bereits vorgeschädigt sind).

Folgen der eingeschränkten Nierenfunktion bei CNI

Die Nieren sind im Körper für viele sehr wichtige Aufgaben zuständig. Die bekannteste davon ist die Herstellung von Urin. Über den Urin wird einerseits der Flüssigkeitshaushalt des Körpers stabil gehalten, andererseits werden über den Harn aber auch schädliche Stoffe entsorgt.

Denn die Nieren stellen sozusagen die „Waschmaschinen“ des Körpers dar. Sie reinigen das Blut laufend von schädlichen Stoffwechselprodukten und Giftstoffen und scheiden sie mit dem Urin aus. Stoffe, die der Körper noch braucht (wie beispielsweise Zuckermoleküle, Eiweiße, Aminosäuren), werden dagegen zurückgehalten und gelangen zurück in den Blutkreislauf.

Zusammen mit diesen „Abfallstoffen“ wird über den Urin mehr oder weniger Wasser ausgeschieden – je nach Flüssigkeitsbedarf des Körpers. Die Nieren sorgen also dafür, dass das Blut gefiltert, gereinigt und entgiftet wird, während sie gleichzeitig den Wasser- und Elektrolythaushalt stabil halten.

Wenn die Nieren wie bei der chronischen Niereninsuffizienz geschädigt sind, können sie diese Aufgaben aber nicht mehr ausreichend erfüllen. Einige der Stoffe, die eigentlich aus dem Blut gefiltert und über den Urin ausgeschieden werden sollten („harnpflichtige Stoffe“), sammeln sich im Blut an. Dadurch kann es bei nierenkranken Katzen zu einer Urinvergiftung (Urämie) kommen.

Andererseits verlieren die Nieren von Katzen mit CNI ihre Fähigkeit, den Urin ausreichend zu konzentrieren. Sie können die ausgeschiedene Wassermenge also nicht mehr an den Flüssigkeitsbedarf des Körpers anpassen. Es entsteht ein sehr wässriger, heller Urin und dem Körper geht viel Flüssigkeit verloren. Bemerkbar macht sich das bei nierenkranken Katzen durch vermehrtes Urinieren (häufigeres Absetzen großer Mengen von Urin, Polyurie). Um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen müssen Katzen mit Nierenproblemen mehr trinken (Polydipsie), ansonsten kommt es zur Austrocknung (Dehydratation).

Die Nieren erfüllen aber auch noch andere Aufgaben. So sind sie unter anderem an der Steuerung des Blutdrucks, am Säure-Basen-Haushalt, am Calcium-Stoffwechsel (und damit am Knochenaufbau) und an der Blutbildung beteiligt. Katzen mit Nierenproblemen können deswegen auch an Bluthochdruck, Blutarmut, Übersäuerung des Blutes und an Veränderungen bestimmter Elektrolytspiegel im Blut (z.B. Calcium und Phosphat) leiden.

Symptome bei chronischer Niereninsuffizienz (Katze)

Obwohl die CNI chronisch verläuft und sich über Monate oder Jahre entwickelt, kann sie wie eine akute Erkrankung aussehen – das heißt, die Symptome können ganz plötzlich auftreten. Meistens entwickeln sie sich allerdings eher schleichend.

Sehr häufig fällt bei einer Niereninsuffizienz als erstes auf, dass die betroffene Katze mehr trinkt als früher (Polydipsie) und häufiger und größere Mengen Urin absetzt (Polyurie). Dieses viel Trinken und viel Pinkeln ist ein Anzeichen für die verringerte Nierenfunktion. Nierenkranke Katzen wirken außerdem häufig teilnahmslos, möchten nicht mehr oder nur sehr mäkelig fressen und magern ab. Manche Katzen mit Nierenproblemen entwickeln auch einen komischen, Urin-ähnlichen Mundgeruch.

  • Sehr häufige Symptome bei CNI:

    • Vermehrter Absatz großer Mengen Urin (Polyurie)
    • Vermehrte Wasseraufnahme, großer Durst (Polydipsie)
    • Appetitlosigkeit (Anorexie)
    • Teilnahmslosigkeit (Lethargie)
    • Abmagerung (Kachexie)                             
  • Häufige Symptome bei CNI:

    • Übelkeit und Erbrechen
    • Schwäche
    • Austrocknung (Dehydratation)
  • Gelegentlich auftretende Symptome bei CNI:

    • Struppiges Fell
    • Blutige Geschwüre (Ulzera) der Maulschleimhaut und Zahnfleischentzündung
    • Schwierigkeiten und/oder Schmerzen beim Fressen (Dysphagie)
    • Vermehrtes Speicheln (Hypersalivation)
    • Harnähnlicher Mundgeruch (urämischer Foetor ex ore)
    • Verstopfung (Obstipation/Konstipation)
    • Blasse Schleimhäute (Zeichen für Blutarmut)
    • Beschleunigte Atmung (Tachypnoe)
    • Unwillentliches Absenken/Hängenlassen des Kopfes (Ventroflexion)
  • Selten auftretende Symptome bei CNI:

    • Blutiger Urin (Hämaturie)
    • Erschwertes und/oder schmerzhaftes Urinieren (Dysurie)
    • Durchfall
    • Neurologische Symptome wie
      • Zittern
      • Muskelzuckungen
      • (Krampf-)Anfälle

Ursachen und Risikofaktoren der chronischen Niereninsuffizienz (Katze)

Die chronische Niereninsuffizienz der Katze kann durch jeden Zustand entstehen, bei dem es zu einer unwiderruflichen und fortschreitenden Schädigung der Nieren kommt.

Tatsächlich gibt es eine ganze Reihe von Erkrankungen, die als Ursache für die Niereninsuffizienz in Frage kommen. Es ist allerdings sehr wahrscheinlich, dass es auch noch weitere Ursachen gibt, die uns heute noch nicht bekannt sind.

Meistens lässt sich im Nachhinein nicht mehr feststellen, was die CNI verursacht hat.

Einige mögliche Ursachen für die chronische Niereninsuffizienz sind:

  • Wiederkehrende Erkrankungen der unteren Harnwege, also Harnblase und Harnröhre (z.B. Blasensteine, bakterielle Blasenentzündungen, idiopathische Zystitis. Diese Erkrankungen führen alle zu ähnlichen Symptomen und sind manchmal schwer zu unterscheiden. Deswegen werden sie bei der Katze zum sog. FLUTD-Komplex zusammengefasst)
  • Nierensteine und Harnsteine in den Harnleitern
  • Bestimmte Schmerzmittel, v.a. bei längerer Verabreichung
  • Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)
  • Nierentumore
  • Amyloidose
  • Autoimmunerkrankungen und immunologisch bedingte Krankheiten, z.B.
    • Systemischer Lupus erythematodes
    • Glomerulonephritis (Entzündung der Nierenkörperchen)
    • Feline infektiöse Peritonitis (FIP)

Die chronische Niereninsuffizienz kann auch als Folge eines akuten Nierenversagens entstehen, wenn bleibende Schäden zurückbleiben. Ursachen für ein akutes Nierenversagen sind unter anderem:

  • Nierenschädigende Medikamente (z.B. bestimmte Antibiotika, Schmerzmittel)
  • Vergiftungen, z.B. mit Liliengewächsen (v.a. Osterglocken) und Frostschutzmittel (Ethylenglykol)
  • Verminderte Nierendurchblutung (z.B. während einer Narkose oder im Schock)

In einigen Fällen kann die CNI auch als Folge einer angeborenen Krankheit auftreten. So gibt es beispielsweise eine Erkrankung namens „polyzystische Nierenerkrankung“ (polycystic kidney disease, PKD), die v.a. bei Perserkatzen vorkommt. Erkrankte Katzen weisen i.d.R. in beiden Nieren mehrere Zysten, also flüssigkeitsgefüllte Hohlräume, auf. Obwohl die Erkrankung angeboren ist, kommt es meist erst bei mittelalten Katzen zu den Symptomen einer chronischen Niereninsuffizienz.

Möglicherweise können auch folgende Zustände zu einer Schädigung der Nieren und damit zu einer chronischen Niereninsuffizienz führen:

  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
  • Infektionen, z.B. mit dem Felinen Immundefizienz-Virus (FIV), dem felinen Leukämie-Virus (FeLV) oder dem felinen Morbillivirus
  • Bluthochdruck (Hypertension)

Untersuchungen und Diagnose

Der Tierarzt wird zunächst versuchen möglichst viel über die Krankengeschichte (Anamnese) der betroffenen Katze zu erfahren. So wird er beispielsweise fragen, welche Symptome beobachtet wurden, wie lange diese schon bestehen und ob die Katze in letzter Zeit Medikamente erhalten hat. Er wird außerdem eine gründliche klinische Allgemeinuntersuchung durchführen.

Blut- und Urinuntersuchung

Um die chronische Niereninsuffizienz zu diagnostizieren, wird der Tierarzt im Anschluss eine Untersuchung des Urins und des Blutes durchführen.

Bei einer CNI sind die Nieren nicht mehr in der Lage, die sogenannten „harnpflichtigen Substanzen“ Harnstoff und Kreatinin ausreichend aus dem Blut zu filtern und auszuscheiden. Dadurch kommt es zu einem Anstieg dieser Stoffe im Blut. Umgangssprachlich wird auch von einem Anstieg der Nierenwerte gesprochen (Achtung: nicht jeder Anstieg der Nierenwerte bedeutet automatisch, dass eine Niereninsuffizienz vorliegt! So können sie beispielsweise auch bei einer Austrocknung der Katze ansteigen).

Der Tierarzt wird im Blut außerdem nach weiteren möglichen Folgen der CNI fahnden. So könnten sich z.B. eine Blutarmut oder Veränderungen bestimmter Elektrolyte wie Phosphat, Calcium und Kalium zeigen.

Einen weiteren Hinweis auf das Vorliegen einer chronischen Niereninsuffizienz liefert die Untersuchung des „Urin-spezifischen Gewichts“ (USG). Bei einer CNI sind die Nieren meist nicht mehr in der Lage, den Harn ausreichend zu konzentrieren. So kommt es zur Produktion eines sehr wässrigen Urins. Dadurch ist das Urin-spezifische Gewicht bei nierenkranken Katzen in aller Regel erniedrigt (i.d.R. unter 1.035).

Bei einer chronischen Niereninsuffizienz wird mit dem Urin häufig auch Eiweiß (Protein) ausgeschieden (Proteinurie). Deswegen wird der Tierarzt meistens auch kontrollieren, ob und wieviel Eiweiß im Harn der Katze vorhanden ist. Dadurch erhält er nicht nur einen weiteren Hinweis auf das Vorliegen einer Niereninsuffizienz, die Information ist auch wichtig für die Prognose.

Durch Kombination der Informationen aus der Krankengeschichte, der klinischen Untersuchung sowie der Blut- und Urinuntersuchung ist es für den Tierarzt i.d.R. verhältnismäßig einfach die Diagnose „chronische Niereninsuffizienz“ zu stellen.

Das Problem ist jedoch, dass sowohl die Symptome als auch die Veränderungen im Blut und Urin erst relativ spät in der Erkrankung auftreten – so steigen die Nierenwerte im Blut beispielsweise erst an, wenn bereits 3/4 des Nierengewebes zerstört sind. Das heißt, normale Nierenwerte schließen eine CNI im Frühstadium nicht aus! Die Prognose ist jedoch umso besser, je früher die Krankheit diagnostiziert wird.

Seit relativ kurzer Zeit ist eine neue Testmethode auf dem Markt, bei dem SDMA (symmetrisches Dimethylarginin) im Blut gemessen wird. SDMA ist ein Biomarker, der bereits ansteigt, wenn 30% der Nierenfunktion zerstört ist. Dadurch ist es möglich, eine CNI viel früher als nur mit den Nierenwerten festzustellen. Weil der Test aber relativ neu ist, müssen die Ergebnisse noch mit etwas Vorsicht interpretiert werden.

Weitere Untersuchungen

Wie schon erwähnt, kann meistens nicht mehr festgestellt werden, was die CNI verursacht hat. Trotzdem ist es die Mühe wert, nach der Ursache zu suchen – denn manchmal findet man sie eben doch! Und mit etwas Glück kann die zugrundeliegende Erkrankung dann sogar behandelt werden. Zwar wird die Schädigung der Nieren meistens nicht mehr zu beheben sein, aber das Fortschreiten der Niereninsuffizienz kann verlangsamt oder sogar aufgehalten werden. Deswegen sollte immer versucht werden, die zugrundeliegende Ursache zu finden.

Häufig wird deswegen eine Ultraschalluntersuchung des Bauches durchgeführt. Die Entnahme einer Gewebeprobe aus den Nieren macht dagegen nur Sinn, wenn eine Erkrankung vermutet wird, die man mittels einer Gewebeprobe auch relativ sicher diagnostizieren kann (z.B. Nierentumoren, Amyloidose).

Viele Katzen, die an einer CNI erkrankt sind, entwickeln einen krankhaft erhöhten Blutdruck (Bluthochdruck, Hypertonie/Hypertension). Dieser sollte unbedingt erkannt werden, weil er unbehandelt schwerwiegende Folgen (bis hin zu Erblindung und Schlaganfall) haben kann. Wenn die Diagnose CNI gestellt ist, sollte also wenn möglich immer der Blutdruck der nierenkranken Katze gemessen werden – das ist auch wichtig für die Einteilung in ein CNI-Erkrankungsstadium, dazu gleich mehr.

Bakterielle Harnwegsinfektionen (z.B. Blasenentzündung) treten bei der CNI ebenfalls häufig als Komplikation auf. Allerdings zeigen die betroffenen Katzen dabei häufig nicht die typischen Symptome, die man erwarten würde (wie z.B. Schmerzen beim Pinkeln und häufiges Absetzen kleiner Mengen Urin). Es wird deshalb empfohlen, eine bakteriologische Untersuchung des Urins durchzuführen, sobald eine chronische Niereninsuffizienz festgestellt wurde.

Je nach vermuteter Ursache der CNI und bestehender Symptomatik kann es sein, dass der Tierarzt noch weitere Untersuchungen durchführt (z.B. Röntgen, Bestimmung der Schilddrüsenhormone).

Einteilung der Niereninsuffizienz in Erkrankungsstadien („Staging“)

Einteilung in IRIS-Stadien

Wie bereits erwähnt: Wenn eine Katze einmal eine Niereninsuffizienz entwickelt hat, schreitet die Erkrankung mit der Zeit leider immer weiter fort (oft schubweise). Je mehr die Nieren geschädigt sind, desto schlechter ist leider die Prognose.

Um einzustufen, wie weit fortgeschritten die Erkrankung und Nierenschädigung bereits sind (und um die Prognose bei einer Katze besser einschätzen sowie die Behandlung besser anpassen zu können), wird die chronische Niereninsuffizienz nach dem IRIS-Staging (IRIS = International Renal Interest Society) in vier Erkrankungsstadien eingeteilt. Dabei steht IRIS-Stadium 1 für ein sehr frühes Erkrankungsstadium, in Stadium 4 sind die Nieren sehr geschädigt und die Nierenfunktion ist stark eingeschränkt.

Die Einteilung erfolgt danach, wieviel Kreatinin im Blut vorhanden ist. Kreatinin (einer der Nierenwerte) ist eine Substanz, die die Nieren eigentlich aus dem Blut rausfiltern sollten. Wenn die Nieren, wie bei einer CNI, schlechter arbeiten, steigt dessen Blutspiegel deswegen immer mehr an. Es gilt also: je höher die Kreatinin-Konzentration im Blut, desto höher das Stadium der Niereninsuffizienz.

Wie schon erwähnt, treten die Symptome bei der CNI i.d.R. erst sehr spät im Krankheitsverlauf auf. Deswegen wird die chronische Niereninsuffizienz bei den meisten Katzen erst festgestellt, wenn sie sich bereits in IRIS-Stadium 2 oder 3 befinden.

Stadium Kreatinin-Konzentration im Blut Anmerkung
1 < 140 µmol/l bzw. < 1,6 mg/dl Kreatininwert noch im Normalbereich, aber es liegen weitere Anzeichen für eine CNI vor, z.B. erhöhtes Urin-spezifisches Gewicht oder im Ultraschall veränderte Nieren.
2 140 – 250 µmol/l bzw. 1,6 – 2,8 mg/dl Unteres Ende der Skala liegt bei manchen Laboren noch im Referenzbereich. Es treten noch keine oder nur milde Symptome einer CNI auf.
3 251 – 440 µmol/l bzw. 2,9 – 5,0 mg/dl Deutliche CNI-Symptome möglich.
4 > 440 µmol/l bzw. > 5,0 mg/dl In der Regel deutliche klinische Symptome.

Tabelle: Einstufung der chronischen Niereninsuffizienz bei der Katze. Die Einteilung erfolgt beim sogenannten IRIS-Staging in Abhängigkeit vom Kreatinin-Wert im Blut. (IRIS = International Renal Interest Society, CNI = Chronische Niereninsuffizienz) (Quelle: www.iris-kidney.com)

Untereinteilung abhängig von Blutdruck und Proteinurie

Neben dieser Einteilung sind aber noch zwei weitere Faktoren ganz wichtig dafür, wie sich die Krankheit entwickelt und wie lange eine nierenkranke Katze noch leben wird: der Blutdruck und die Menge der Eiweiße (Proteine) im Urin. Viele Katzen mit einer chronischen Niereninsuffizienz entwickeln einen Bluthochdruck (Hypertonie; entsteht bei ca. 20-40% der Katzen mit CNI) und/oder eine sogenannte Proteinurie (Ausscheidung von Eiweißen, also Proteinen, mit dem Urin; tritt bei ca. 35-50% der Katzen mit Niereninsuffizienz auf).

Ein Bluthochdruck ist sehr schlecht für den Körper. Er kann schwere Schäden an den Augen anrichten (bis hin zur Erblindung) sowie zu einem Schlaganfall und zu Herzerkrankungen führen.

Bei der Proteinurie treten in den Nieren Eiweiße aus dem Blut in den Urin über. Es wird angenommen, dass dieser Vorgang die Nieren weiter schädigt – und so zu einem schnelleren Fortschreiten der Erkrankung führt. Tatsächlich haben CNI-Katzen, die an einer Proteinurie leiden, eine schlechtere Prognose – sie sterben also früher als Katzen, die kein Protein mit dem Urin verlieren.

In jedem IRIS-Stadium kann eine Katze auch an Bluthochdruck oder an einer Proteinurie leiden. Aus diesem Grund sollte bei allen Katzen mit CNI auch der Blutdruck gemessen und die Menge an Proteinen im Urin bestimmt werden. Anhand dieser Ergebnisse werden Katzen mit CNI dann weiter eingeteilt. Ein möglicher Befund bei einer Katze mit CNI wäre dann z.B. „IRIS-Stadium 2, keine Proteinurie, mittelgradiger Bluthochdruck“.

Gemessen wird die Proteinurie über den sogenannten UP/C (Urin-Protein/Kreatinin-Quotient), also über das Verhältnis von Protein zu Kreatinin im Urin. Nach den aktuellen IRIS-Richtlinien leidet eine Katze an einer Proteinurie, wenn der UP/C über 0,4 liegt. Bei einem UP/C unter 0,2 liegt keine Proteinurie vor. Dazwischen ist es grenzwertig und die Katze sollte nach 2 Monaten nochmal untersucht werden.

Der Blutdruck kann bei Katzen mit speziellen Blutdruckmessgeräten am Schwanz oder oberhalb der Pfote gemessen werden. Abhängig von den gemessenen Werten werden Katzen folgendermaßen eingeteilt:

Systolischer Blutdruck in mmHg Einstufung des Blutdrucks Risiko für Schäden (z.B. an Gehirn, Herz, Nieren, Augen)
<150 Kein Bluthochdruck Minimal
150 – 159 Geringgradiger/grenzwertiger Bluthochdruck Niedrig
160 – 179 Mittelgradiger Bluthochdruck Moderat
≥ 180 Hochgradiger Bluthochdruck Hoch

Tabelle: Blutdruckwerte bei der Katze inklusive Einstufung des Blutdrucks bzw. Bluthochdrucks sowie das jeweilige Risiko für Folgeschäden. Zur Messung des Blutdrucks sollten die Tiere möglichst entspannt sein. Wenn möglich, sollten mehrere Messungen zu verschiedenen Zeitpunkten (mindestens zwei Mal je 3-5 Messungen) durchgeführt werden.

Behandlung der chronischen Niereninsuffizienz (Katze)

Leider gibt es keine Behandlung, die die chronische Niereninsuffizienz heilen kann. Einmal entwickelt, bleibt die CNI bis zum Lebensende bestehen.

Aber auch wenn man die Niereninsuffizienz nicht heilen kann, macht eine Behandlung sehr viel Sinn. Denn sie steigert nicht nur die Lebensqualität der Katzen, sondern sie sorgt auch dafür, dass die Krankheit langsamer voranschreitet und die nierenkranken Katzen deutlich länger leben. Weil die Niereninsuffizienz lebenslang besteht, muss die Behandlung allerdings auch lebenslang erfolgen.

Die CNI hat sehr viele Auswirkungen auf den Körper. Deswegen beruht die Behandlung der Niereninsuffizienz i.d.R. auch auf mehreren Säulen:

Umstellung der Fütterung auf eine spezielle Nierendiät

Auch wenn eine Umstellung des Futters banal klingt: es wurde gezeigt, dass nierenkranke Katzen, die ein spezielles Nierenfutter erhalten, deutlich länger leben und sich auch wesentlich besser fühlen. Tatsächlich gilt die Futterumstellung als die wirksamste Behandlungsform bei CNI. In einer Studie lebten nierenkranke Katzen, denen eine spezielle Diät verabreicht wurde, 2,4-mal länger als CNI-Katzen, die normales Futter erhielten. Bei diagnostizierter Niereninsuffizienz sollte also unbedingt eine spezielle Nierendiät gefüttert werden.

Wichtig ist, dass das Futter langsam und über mehrere Tage oder sogar Wochen umgestellt wird. Denn wie jeder Katzenbesitzer weiß, können Katzen bei Futter sehr mäkelig sein – erst recht, wenn es ihnen sowieso schon schlecht geht. Eine langsame Umstellung, bei der das neue Futter zunächst mit dem alten gemischt wird, steigert die Akzeptanz eines Futterwechsels sehr.

Spezielle Nierendiäten werden von vielen Futtermittelherstellern angeboten (z.B. k/d von Hills, Renal von Royal Canin). Ihnen ist gemeinsam, dass sie einen geringeren Gehalt an Eiweiß und Phosphat aufweisen, dafür aber mit Kalium, Omega-3-Fettsäuren und Vitaminen angereichert sind. Außerdem haben sie einen erhöhten Fettgehalt, um die nierenkranken Katzen mit ausreichend Kalorien zu versorgen.

Eine zusätzliche Verabreichung von Vitamin E und C sowie von β-Karotin und zusätzlichen Omega-3-Fettsäuren hatte in einigen Studien ebenfalls einen positiven Effekt auf den Verlauf der Niereninsuffizienz.

Steigerung der Wasseraufnahme

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist extrem wichtig bei nierenkranken Katzen. Sie verlieren viel Flüssigkeit über die Nieren und sind deswegen besonders anfällig für eine chronische Austrocknung (Dehydratation). Eine solche Austrocknung schädigt die Nieren aber noch weiter und kann im schlimmsten Fall zu einem akuten Nierenversagen führen. Außerdem fühlen sich dehydrierte Katzen nicht gut und ihre Lebensqualität sinkt.

Katzen mit CNI sollten deswegen ermuntert werden, viel Flüssigkeit aufzunehmen – zum Beispiel durch Aufstellen eines Trinkbrunnens oder durch Mischen des Futters mit Wasser. Weitere hilfreiche Informationen hierzu finden Sie in unseren 11 Tipps, wie Ihre Katze garantiert mehr trinkt!.

Verminderung der Phosphat-Aufnahme

Katzen mit CNI haben sehr häufig einen erhöhten Phosphatspiegel im Blut. Dieser trägt aber zu einer Verschlimmerung der Niereninsuffizienz bei. Ein Ziel der Behandlung ist es deshalb, den Blutspiegel zu senken, indem die Aufnahme von Phosphat reduziert wird.

Meistens reicht die Fütterung einer speziellen, Phosphat-reduzierten Nierendiät aus, um den Blutspiegel im Rahmen zu halten. Falls der Phosphat-Spiegel durch die Nierendiät jedoch nicht ausreichend sinkt – oder wenn nierenkranke Katzen sich weigern, das neue Futter zu fressen – können mit den Mahlzeiten auch spezielle Präparate (Phosphat-Binder) verabreicht werden. Diese binden das Phosphat im Futter, so dass es vom Darm nicht aufgenommen werden kann.

Behandlung des Bluthochdrucks und der Proteinausscheidung über die Nieren

Weil die Folgen eines Bluthochdrucks und einer Proteinurie so schwer sein können, werden diese Komplikationen bei betroffenen CNI-Katzen natürlich auch behandelt.

Eine Behandlung des Bluthochdrucks wird im Moment empfohlen, wenn der Blutdruck über einen bestimmten Zeitraum höher als 160 mmHg ist. Die Proteinurie sollte dagegen behandelt werden, wenn der UP/C konstant größer als 0,4 ist. Bei einer grenzwertigen Proteinurie (UP/C zwischen 0,2 und 0,4) erfolgt normalerweise noch keine Behandlung, der UP/C der betroffenen Katze sollte aber nach 2 Monaten erneut kontrolliert werden.

Zur Therapie des Bluthochdrucks bei Katzen mit CNI wird im Moment v.a. Amlodipin (z.B. in Amodip®) eingesetzt. Dabei handelt es sich um einen sogenannten Calciumkanalblocker. Amlodipin sorgt dafür, dass nicht so viel Calcium in die Muskelzellen der Blutgefäße einströmen kann. Dadurch „entspannen“ sich die Muskelzellen und die Blutgefäße werden erweitert, d.h. der Durchmesser der Blutgefäße wird größer. Wenn die Menge an Blut gleichbleibt, die Gefäße jedoch größer sind, sinkt der Blutdruck.

Statt Amlodipin werden manchmal auch sogenannte ACE-Hemmer oder Angiotensin-II-Rezeptorblocker verabreicht. Diese haben allerdings keine so gute Wirkung auf den Bluthochdruck. Dafür verringern sie aber die Ausscheidung von Protein mit dem Urin, weswegen sie vor allem bei CNI-Katzen mit Proteinurie eingesetzt werden.

Ein typisches Beispiel für einen ACE-Hemmer ist Benazepril (z.B. in Fortekor®, Benazecare®, Benakor®). Aus der Reihe der Angiotensin-II-Rezeptorblocker wird bei Katzen mit CNI v.a. Telmisartan (z.B. in Semintra®) eingesetzt.

Sie verringern den Blutdruck und die Proteinurie, indem sie in das sogenannte Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) eingreifen. Das ist ein komplexes System aus verschiedenen Hormonen und Enzymen, mit dem der Körper den Blutdruck und den Wasserhaushalt kontrolliert und in normalen Bereichen hält.

Ein Hormon im RAAS ist das Angiotensin-II. Angiotensin-II wirkt gefäßverengend – und zwar unter anderem auch in den Kapillaren der Nieren. Wenn die Blutgefäße enger sind, die Menge an Blut aber gleichbleibt, steigt der Blutdruck an. Im Falle eines zu niedrigen Blutdrucks ist das ein sinnvoller Mechanismus, um ihn wieder in normale Bahnen zu lenken.

Wenn der Blutdruck in den Nierenkapillaren allerdings zu hoch wird (wie bei vielen Katzen mit CNI), wird die Gefäßwand dort ein bisschen durchlässig. Dadurch können Proteine (anders als bei gesunden Katzen) plötzlich durch die Gefäßwand hindurch und in den Urin gelangen. Für die Nieren ist das wahrscheinlich ziemlich schlecht. Es wird angenommen, dass es durch die Proteine zu einer Entzündung und Schädigung der feinen Nierenstrukturen kommt.

Durch die Freisetzung von anderen Botenstoffen (u.a. Aldosteron) führt Angiotensin-II aber auch zu einer Erhöhung des Blutvolumens – auch dadurch steigt der Blutdruck an.

ACE-Hemmer verringern die Menge an Angiotensin-II, indem sie die Herstellung des Hormons hemmen. Diese erfolgt nämlich durch ein Enzym, das ACE (Angiotensin Converting Enzyme) genannt wird. Wie der Name schon andeutet hemmen ACE-Hemmer dieses Enzym. Dadurch entsteht weniger Angiotensin-II, der Blutdruck sinkt – auch in den Nierenkapillaren – und es gelangt weniger Protein in den Urin.

Bei Angiotensin-II-Rezeptorblockern ist der Effekt der gleiche, allerdings wirken sie nicht, indem sie die Menge an Angiotensin-II verringern, sondern indem sie deren Wirkung blockieren. Das Angiotensin-II ist also noch da, es hat aber keine Effekte mehr.

Weitere Behandlungen

Je nachdem, welche Veränderungen noch auftreten, können weitere Behandlungen nötig sein. So sollte bei einem Kaliummangel beispielsweise zusätzliches Kalium verabreicht werden. Dagegen kann es bei einer Blutarmut nötig sein, Medikamente zur Stimulierung der Blutbildung zu geben. Wenn Übelkeit und Erbrechen auftreten, sollten Medikamente gegen die Übelkeit und zur Appetitstimulation in Betracht gezogen werden.

Auch eine Flüssigkeitstherapie kann ein essentieller Bestandteil der CNI-Behandlung sein, denn ein Flüssigkeitsmangel kann die Nieren weiter schädigen. Wenn nierenkranke Katzen also nicht mehr genug trinken und deswegen austrocknen, sollte unbedingt zusätzliche Flüssigkeit unter die Haut oder intravenös verabreicht werden.

Eine Blutwäsche (Hämodialyse), wie sie in der Humanmedizin häufig erfolgt, ist technisch zwar möglich, wird bei einer chronischen Niereninsuffizienz aber nicht empfohlen. Denn neben den offensichtlichen Nachteilen (sehr teuer, nur an wenigen Tierkliniken verfügbar) müsste sie lebenslang alle 2-3 Tage durchgeführt werden. Das würde für die nierenkranken Katze sehr viel Stress bedeuten.

Die Sache mit der Nierentransplantation…

Technisch gesehen sind Nierentransplantationen bei Katzen möglich. In einigen Ländern, z.B. in den USA, wird die OP auch schon regelmäßig durchgeführt. In Deutschland verstößt eine Nierentransplantation jedoch gegen das Tierschutzgesetz und ist somit verboten – und zwar, weil man einem gesunden Spendertier ohne medizinischem Grund ein Organ entnehmen müsste. Denn das ist ethisch und moralisch gesehen zumindest fraglich, denn Katzen können sich schließlich nicht dazu entscheiden, freiwillig eine Niere zu spenden.

Kontrolluntersuchungen bei Katzen mit chronischer Niereninsuffizienz

Die CNI verläuft bei jeder Katze anders und häufig auch schubweise. Um rechtzeitig zu erkennen, wenn sich die Niereninsuffizienz verschlechtert, sollten regelmäßig Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden.

Nachdem die CNI zum ersten Mal festgestellt wurde, sollten alle 2-4 Wochen Kontrollen stattfinden, bis sich die Krankheit stabilisiert hat. Anschließend können die Abstände je nach Krankheitsstadium (siehe Abschnitt Prognose) ausgeweitet werden: halbjährlich in Stadium 1 und 2 bzw. monatlich bis vierteljährlich in Stadium 3 und 4. Natürlich sollte auch immer dann eine Kontrolle erfolgen, wenn es der Katze schlechter geht.

Bei jeder Kontrolle sollten Gewicht und Ernährungszustand überprüft werden, außerdem auch ob die Katze ausgetrocknet (dehydriert) ist. Eine klinische Allgemeinuntersuchung gehört ebenfalls zum Minimalprogramm. Es sollte außerdem eine Untersuchung zumindest der wichtigsten Blutwerte (Nierenwerte Harnstoff und Kreatinin, sowie Phosphat und Kalium) sowie eine Urinuntersuchung  durchgeführt werden. Weil eine Proteinurie, also eine Ausscheidung von Eiweißen (Proteinen) mit dem Urin, die Nieren möglicherweise weiter schädigt, sollte bei Urinuntersuchungen unbedingt auch der UP/C (Messwert für die Menge der Proteine im Urin) bestimmt werden – dann kann gegebenenfalls eine Behandlung erfolgen. Falls vermutet wird, dass eine Harnwegsinfektion vorliegt, sollte zusätzlich eine bakteriologische Untersuchung des Urins erfolgen.

Wie schon erwähnt entwickeln viele Katzen, die an einer chronischen Niereninsuffizienz erkrankt sind, zusätzlich einen Bluthochdruck (Hypertonie). Als Folge kann es u.a. zur Erblindung oder zu einer Herzerkrankung kommen. Deswegen sollte der Blutdruck bei Katzen mit CNI, wenn möglich, regelmäßig gemessen werden. Nur dann kann rechtzeitig eine Behandlung erfolgen und somit Schäden vermieden werden.

Prognose bei chronischer Niereninsuffizienz (Katze)

Die chronische Niereninsuffizienz verläuft bei jeder Katze anders. Dadurch ist im Vorfeld nie vorhersehbar, wie sie sich entwickeln wird. Bei den meisten Katzen zeigt die CNI einen stufenartigen Verlauf: Phasen, in denen die Krankheit und die Nierenfunktion stabil sind, wechseln sich ab mit Phasen, in denen es zu einer Verschlechterung kommt. Der eigentliche Endpunkt der Erkrankung ist ein totales Nierenversagen und damit der Tod.

Allerdings können die Phasen, in denen die CNI stabil ist, sehr lange dauern. Gerade wenn die Niereninsuffizienz in einem frühen Krankheitsstadium erkannt und angemessen behandelt wird, können nierenkranke Katzen noch sehr lange leben. Häufig sterben die erkrankten Katzen dann nicht mal an der chronischen Niereninsuffizienz – viele ältere Katzen sterben sogar eher mit der CNI als durch die CNI. Die Diagnose „chronische Niereninsuffizienz“ muss also kein Todesurteil sein und ist in aller Regel auch kein Grund, die Katze einzuschläfern!

Überlebenszeiten bei der chronischen Niereninsuffizienz

In verschiedenen Studien wurde untersucht, wie lange nierenkranke Katzen je nach IRIS-Erkrankungsstadium (siehe Abschnitt „Einteilung der Niereninsuffizienz in Erkrankungsstadien„) noch gelebt haben. Es muss allerdings bedacht werden, dass die angegebenen Zahlen nur Durchschnittswerte sind. Manche Katzen leben auch deutlich länger, andere leider sehr viel kürzer.

Je nach Studie wurden folgende durchschnittliche Überlebenszeiten festgestellt:

  • Stadium 1: zu wenige Angaben, da sehr schwierig zu diagnostizieren
  • Stadium 2: 6 Monate bis 3 Jahre
  • Stadium 3: 5 Monate bis 2 Jahre
  • Stadium 4: 3 Wochen bis 3 Monate

Man weiß, dass einige Faktoren bei Katzen einen negativen Einfluss auf die Überlebenszeit haben. Dazu gehören z.B. ein hoher Eiweißverlust über die Nieren (Proteinurie), hohe Nierenwerte, eine hohe Phosphat-Konzentration im Blut und eine starke Blutarmut. Es wird vermutet, dass auch untergewichtige Katzen eine geringere Überlebenszeit haben als normalgewichtige Artgenossen. Deshalb ist es wichtig, alle diese Veränderungen frühzeitig zu erkennen und wenn möglich zu behandeln.

Damit nierenkranke Katzen noch möglichst lange und mit guter Lebensqualität leben, müssen einige Punkte beachtet werden:

  • Es sollten regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden
    • in Stadium 1 und 2: alle 6 Monate
    • in Stadium 3 und 4: alle 1-3 Monate
    • Und natürlich immer, wenn sich der Zustand der Katze verschlechtert
  • Angemessene und angepasste Behandlung der chronischen Niereninsuffizienz
  • Behandlung von auftretenden Komplikationen und Begleiterkrankungen
  • Gute Beobachtung der Katze zuhause, damit eine Verschlechterung der CNI möglichst schnell bemerkt wird (Körpergewicht, Futteraufnahme, Wasseraufnahme, Urinabsatzverhalten, Aktivität der Katze)

Vorbeugung

Leider gibt es nach heutigem Wissensstand nur wenig, was man tun kann, um die Entwicklung einer chronischen Niereninsuffizienz zu verhindern oder um das Risiko einer Erkrankung zu senken. Dazu gehört:

  • So gut wie möglich Zustände vermeiden, die die Nieren schädigen können (z.B. langfristige Gabe von Schmerzmitteln, Vergiftungen, Narkosen)
  • Krankheiten rechtzeitig behandeln, die zu einer chronischen Niereninsuffizienz führen können (z.B. Harnsteine, Entzündungen des Nierenbeckens und der unteren Harnwege, Autoimmunerkrankungen)

Ansonsten kann man nur versuchen, die chronische Niereninsuffizienz möglichst früh zu diagnostizieren und zu behandeln. So kann das Fortschreiten der CNI zumindest früh verlangsamt werden. Damit dies gelingt, sollten Katzenbesitzer:

  • Ihre Katze aufmerksam beobachten, sie regelmäßig wiegen und auf erste Anzeichen einer CNI, wie vermehrtes Trinken und vermehrten Urinabsatz, achten
  • Ihre Katze regelmäßig zur Gesundheitsvorsorge beim Tierarzt vorstellen
    • gesunde Katzen, die älter als 10 Jahre sind, einmal jährlich
    • gesunde Katzen, die älter als 15 Jahre sind, alle 6 Monate

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Quellen

23. November 2017

Von Dr. Iris Wagner-Storz

2018-12-05T17:21:30+00:00

Über den Autor:

Als ursprüngliche Schwäbin bin ich 2007 nach München gezogen um Tiermedizin an der LMU zu studieren. Anschließend hab ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München geschrieben – über eine neue Art der Immuntherapie bei Hunden mit Umweltallergie. Meine Lieblingsbereiche sind die Dermatologie, die Innere Medizin und Infektionskrankheiten. Ich bin stolze Dosenöffnerin für meine beiden Miezen Nini und Clyde, liebe alle Tiere (Katzen aber natürlich besonders) und habe eine Schwäche für Kuchen.