Die chronische Niereninsuffizienz (CNI) ist eine – vor allem bei älteren Katzen – häufige Erkrankung, bei der die Nieren nur noch eingeschränkt funktionieren. Sie entwickelt sich in den meisten Fällen über Monate oder Jahre. Die Nieren werden in dieser Zeit immer weiter geschädigt, bis sie ihre Funktionen nicht mehr ausreichend wahrnehmen können (totales Nierenversagen).

Erfahren Sie hier, wie Sie erkennen können, ob Ihre Katze von einer CNI betroffen ist, wie diese Nierenerkrankung diagnostiziert wird, welche Nierenwerte für eine CNI sprechen, welche Erkrankungsstadien & Behandlungsmöglichkeiten es gibt und wie die Lebenserwartung bei betroffenen Katzen ist.

Chronische Niereninsuffizienz (CNI) bei der Katze: Zusammenfassung

  • Häufigkeit der Erkrankung: Sehr häufig

  • Schwere der Erkrankung: Schwer

  • Vorkommen: Häufig bei älteren Katzen (v.a. älter als 7 Jahre)

  • Ansteckungsgefahr: Nicht ansteckend für Tiere oder Menschen

  • Typische Symptome: Häufigeres Urinieren, vergrößerte Urinmengen, gesteigerter Durst, Appetitlosigkeit, Teilnahmslosigkeit, Abmagerung, Erbrechen

  • Verlauf: Chronisch (über mehrere Monate bis Jahre)

  • Diagnose: Urin- und Blutuntersuchung

  • Behandlungsmöglichkeiten: Futterumstellung (Nierendiät), Steigerung der Wasseraufnahme, Medikamente

  • Prognose: Vorsichtig, die Erkrankung führt i.d.R. zum Tod. Bei früher Diagnose können nierenkranke Katzen aber oft noch jahrelang leben!

  • Zuständige Spezialisten: Spezialisten für Innere Medizin

Beschreibung

Die chronische Niereninsuffizienz (CNI) oder auch chronische Nierenerkrankung (CNE) ist eine sehr häufige Erkrankung bei Katzen – bei mittelalten bis alten Katzen stellt sie sogar eine der häufigsten Krankheiten überhaupt dar (sie kann allerdings leider auch schon bei jungen Samtpfoten auftreten)!

Vermutlich entwickelt jede zweite bis dritte Katze irgendwann in ihrem Leben Nierenprobleme. Es wird angenommen, dass 30-40% (also über ein Drittel!) aller Katzen über 10 Jahren an einer CNI leiden. Leider ist die chronische Niereninsuffizienz auch eine der häufigsten Todesursachen von Katzen.

Bei der CNI kommt es zu einer immer weiter fortschreitenden Schädigung der Nieren und dadurch zu einem Verlust der Nierenfunktion („Niereninsuffizienz“). Die Erkrankung entwickelt sich i.d.R. über mehrere Monate oder Jahre.

Erst wenn große Teile (vermutlich mind. zwei Drittel) des Nierengewebes zerstört sind, zeigen nierenkranke Katzen die typischen Symptome einer CNI. Aus diesem Grund wird die chronische Niereninsuffizienz häufig erst spät erkannt.

Als chronisches Nierenversagen wird das Endstadium der Erkrankung bezeichnet, in dem die Nieren nur noch eine so geringe Leistung haben, dass es schließlich zum Tod der nierenkranken Katze kommt. Häufig wird dieses Krankheitsstadium aber erst nach längerer Zeit (bis zu mehreren Jahren) erreicht.

Meistens ist nicht bekannt, was bei nierenkranken Katzen ursprünglich zur Schädigung der Nieren geführt hat (häufig haben die betroffenen Katzen zu diesem Zeitpunkt auch noch gar keine Symptome gezeigt). Einmal vorhanden kommt es aber zu einem Teufelskreis: Der Schaden führt zu weiteren Schädigungen in den Nieren – und die Niereninsuffizienz schreitet immer weiter voran.

Leider kann die chronische Niereninsuffizienz nicht geheilt oder rückgängig gemacht werden. Mit der richtigen Behandlung und Unterstützung kann aber die Lebensqualität der betroffenen Katzen verbessert und ihr Leben verlängert werden. So können viele nierenkranke Katzen noch ein langes, glückliches Leben haben.

Nierenproblem ist nicht gleich Nierenproblem: Unterscheidung der CNI vom akuten Nierenversagen

Es ist sehr wichtig, eine chronische Niereninsuffizienz vom akuten Nierenversagen zu unterscheiden. Beide Erkrankungen unterscheiden sich nämlich deutlich, was die möglichen Ursachen, die Behandlung und auch die Prognose angeht.

Bei einem akuten (also „plötzlichen“) Nierenversagen kommt es sehr schnell zu einer Schädigung der Nieren (z.B. durch eine Vergiftung). Der Zustand ist für die betroffenen Katzen akut lebensbedrohlich und kann schnell zum Tod führen. Mit der richtigen Behandlung – und wenn die Katze überlebt – kann die Schädigung der Nieren aber u.U. reversibel sein, d.h. die Nieren können sich teilweise komplett erholen.

Im Gegensatz dazu verläuft die CNI chronisch, d.h. sie entwickelt sich über Monate oder sogar Jahre. Die Schädigung der Nieren ist irreversibel, d.h. sie kann nicht mehr rückgängig gemacht oder behoben werden.

Ein akutes Nierenversagen kann allerdings in eine chronische Niereninsuffizienz übergehen, wenn die schwere, kritische Erkrankungsphase überstanden wird, die Nieren jedoch bleibende Schäden davongetragen haben. Und andersrum haben Katzen mit CNI leider ein erhöhtes Risiko, an einem akuten Nierenversagen zu erkranken (weil die Nieren bereits vorgeschädigt sind).

Folgen der eingeschränkten Nierenfunktion bei CNI

Die Nieren sind im Körper für viele sehr wichtige Aufgaben zuständig. Die bekannteste davon ist die Produktion von Urin. Über den Urin wird einerseits der Flüssigkeitshaushalt des Körpers stabil gehalten, andererseits werden über den Harn aber auch schädliche Stoffe entsorgt.

Die Nieren stellen nämlich sozusagen die „Waschmaschinen“ des Körpers dar. Sie reinigen das Blut laufend von schädlichen Stoffwechselprodukten und Giftstoffen und scheiden sie mit dem Urin aus. Stoffe, die der Körper noch braucht (wie beispielsweise Zuckermoleküle, Eiweiße, Aminosäuren), werden dagegen zurückgehalten und gelangen zurück in den Blutkreislauf.

Zusammen mit den „Abfallstoffen“ wird über den Urin auch mehr oder weniger Wasser ausgeschieden – je nach Flüssigkeitsbedarf des Körpers. Die Nieren sorgen also dafür, dass das Blut gefiltert, gereinigt und entgiftet wird, während sie gleichzeitig den Wasser- und Elektrolythaushalt stabil halten.

Wenn die Nieren wie bei der chronischen Niereninsuffizienz geschädigt sind, können sie diese Aufgaben nicht mehr ausreichend erfüllen. Einige der Stoffe, die eigentlich aus dem Blut gefiltert und über den Urin ausgeschieden werden sollten („harnpflichtige Stoffe“), sammeln sich im Blut an (z.B. Phosphat, Kreatinin, Harnstoff). Dadurch kann es bei nierenkranken Katzen zu einer sogenannten Urinvergiftung (Urämie) kommen.

Stoffe, die die Nieren eigentlich zurückhalten sollten, wie z.B. Proteine, können dagegen verloren gehen und mit dem Harn ausgeschieden werden.

Bei Katzen mit CNI verlieren die Nieren aber auch ihre Fähigkeit, den Urin ausreichend zu konzentrieren. Sie können die ausgeschiedene Wassermenge also nicht mehr an den Flüssigkeitsbedarf des Körpers anpassen. Es entstehen große Mengen eines sehr wässrigen, hellen bzw. farblosen Urins. Bemerkbar macht sich das bei nierenkranken Katzen durch vermehrtes Urinieren, d.h. sie pinkeln häufiger als normal und setzen dabei größere Mengen Urin ab (Polyurie). So geht dem Körper der Katze viel Flüssigkeit verloren. Damit dieser dabei nicht austrocknet (dehydriert), trinken CNI-Katzen auch mehr als gesunde Artgenossen (Polydipsie).

Vor allem im fortgeschrittenem Stadium der Nierenerkrankung schaffen sie aber oft nicht mehr, so viel zu trinken, dass sie den Flüssigkeitsverlust ausgleichen könnten – und es kommt zur Dehydratation (Flüssigkeitsmangel, Austrocknung).

Die Nieren erfüllen aber auch noch andere Aufgaben: So sind sie unter anderem an der Steuerung des Blutdrucks, am Säure-Basen-Haushalt, an der Blutbildung und am Kalzium-Stoffwechsel (und damit am Knochenaufbau) beteiligt. Katzen mit Nierenproblemen können deswegen auch an Bluthochdruck, Blutarmut (Anämie), Übersäuerung des Blutes und an Veränderungen bestimmter Elektrolytspiegel im Blut (z.B. Kalzium und Phosphat) leiden.

Symptome bei chronischer Niereninsuffizienz (CNI)

Wie schon erwähnt, zeigen Katzen mit einer CNI erst dann Symptome, wenn die Nierenfunktion sehr stark verringert ist. Aus diesem Grund kann die Niereninsuffizienz wie eine akute Erkrankung aussehen (das heißt, die Symptome treten ganz plötzlich auf), obwohl sie eigentlich chronisch verläuft und sich über Monate oder Jahre entwickelt hat. Die Symptome können sich aber auch schleichend entwickeln.

Sehr häufig fällt bei einer Katze mit CNI als erstes auf, dass sie mehr trinkt (Polydipsie), häufiger pinkelt und dabei größere Mengen Urin absetzt als früher (Polyurie). Es finden sich im Katzenklo also mehr und größere Urinklumpen als es für sie eigentlich üblich ist (bzw. als es bei ihren gesunden Artgenossen der Fall ist). Dieses Viel Trinken und viel Pinkeln ist bei Katzen immer ein Warnzeichen, dass Sie als Besitzer sehr ernst nehmen sollten – selbst wenn Ihre Mieze keine weiteren Symptome zeigt!

Nierenkranke Katzen wirken außerdem häufig teilnahmslos, möchten nicht mehr oder nur sehr mäkelig fressen und magern ab. Manche Katzen mit Nierenproblemen entwickeln auch einen komischen, Urin-ähnlichen Mundgeruch.

Grundsätzlich ist es bei der CNI auch so, dass die Symptome umso stärker und zahlreicher werden, je weiter die Niereninsuffizienz fortschreitet (frühe CNI: z.B. nur viel trinken und pinkeln; Endstadium der CNI: zusätzlich z.B. auch Erbrechen, Appetitlosigkeit, Abmagerung, Schwäche etc.).

  • Sehr häufige Symptome bei Katzen mit CNI:

  • Häufige Symptome bei Katzen mit CNI:

  • Gelegentlich auftretende Symptome bei Katzen mit CNI:

    • Struppiges Fell
    • Blutige Geschwüre (Ulzera) im Maul und Zahnfleischentzündung/Parodontitis
    • Schwierigkeiten und/oder Schmerzen beim Fressen (Dysphagie)
    • Vermehrtes Speicheln (Hypersalivation)
    • Urinähnlicher Mundgeruch (urämischer Foetor ex ore)
    • Durchfall
    • Blut im Stuhl/blutiger Durchfall
    • Blasse Schleimhäute (Zeichen für Blutarmut)
    • Beschleunigte Atmung (Tachypnoe)
    • Unwillentliches Absenken/Hängenlassen des Kopfes (Ventroflexion)
    • Urininkontinenz
  • Selten auftretende Symptome bei Katzen mit CNI:

    • Blutiger Urin (Hämaturie)
    • Erschwertes und/oder schmerzhaftes Urinieren (Dysurie)
    • Neurologische Symptome wie
      • Zittern
      • Muskelzuckungen
      • (Krampf-)Anfälle

Ursachen und Risikofaktoren der chronischen Niereninsuffizienz (CNI) bei Katzen

Bei den allermeisten Katzen mit CNI kann man nicht mehr herausfinden, was zur urprünglichen Schädigung der Nieren geführt hat. Hier steckt die Forschung noch in den Kinderschuhen: Wir Tierärzte wissen einfach noch nicht so genau, wieso es bei so vielen Katzen zur Entwicklung einer chronischen Niereninsuffizienz kommt.

Theoretisch kann eine CNI bei Katzen durch jeden Zustand entstehen, bei dem es zu einer unwiderruflichen und fortschreitenden Schädigung der Nieren kommt. Dementsprechend gibt es eine ganze Reihe von Erkrankungen, die als Ursache für die Niereninsuffizienz diskutiert werden. Allerdings erklären diese noch nicht wirklich, wieso so viele Katzen von der CNI betroffen sind. Vermutlich gibt es also noch einige unbekannte Faktoren, die hier eine Rolle spielen.

Mögliche Ursachen & Risikofaktoren für die chronische Niereninsuffizienz

  • Bakterielle Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)
  • Nierentumore (v.a. Lymphom)
  • Angeborene Nierenerkrankungen/-fehlbildungen, z.B. PKD (s.u.)
  • Amyloidose (seltene Stoffwechselerkrankung, bei der sich abnorm veränderte Proteine z.B. in den Nieren ablagern)
  • Autoimmunerkrankungen und immunologisch bedingte Krankheiten, z.B.
    • Systemischer Lupus erythematodes
    • Glomerulonephritis (Entzündung der Nierenkörperchen)
    • Feline infektiöse Peritonitis (FIP)
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
  • Hyperkalzämie (erhöhter Kalziumspiegel im Blut)
  • Infektionen, z.B. mit dem Felinen Immundefizienz-Virus (FIV), dem felinen Leukämie-Virus (FeLV) oder dem felinen Morbillivirus
  • Bluthochdruck (Hypertension)

CNI als Folge einer angeborenen Erkrankung (z.B. PKD)

In einigen Fällen kann die CNI als Folge einer angeborenen Krankheit auftreten. Am häufigsten kommt hierbei eine Erkrankung namens „polyzystische Nierenerkrankung“ (polycystic kidney disease, PKD; auch als „Zystennieren“ bezeichnet) vor. Meist tritt sie bei Perserkatzen (und Persermischlingen) auf.

Erkrankte Katzen weisen i.d.R. in beiden Nieren mehrere Zysten – also flüssigkeitsgefüllte Hohlräume – auf, die das gesunde Gewebe verdrängen. Obwohl die Erkrankung angeboren ist, kommt es meist erst bei mittelalten Katzen zu den Symptomen einer chronischen Niereninsuffizienz.

CNI als Folge eines akuten Nierenversagens

Die chronische Niereninsuffizienz kann auch als Folge eines akuten Nierenversagens entstehen, wenn die betroffenen Katzen zwar überleben, die Nieren aber dauerhaft geschädigt sind. Ursachen für ein akutes Nierenversagen sind unter anderem:

Untersuchungen und Diagnose der chronischen Niereninsuffizienz