Die chronische Niereninsuffizienz (CNI) ist eine – vor allem bei älteren Katzen – häufige Erkrankung, bei der die Nieren nur noch eingeschränkt funktionieren. Sie entwickelt sich in den meisten Fällen über Monate oder Jahre. Die Nieren werden in dieser Zeit immer weiter geschädigt, bis sie ihre Funktionen nicht mehr ausreichend wahrnehmen können (totales Nierenversagen).

Erfahren Sie hier, wie Sie erkennen können, ob Ihre Katze von einer CNI betroffen ist, wie diese Nierenerkrankung diagnostiziert wird, welche Nierenwerte für eine CNI sprechen, welche Erkrankungsstadien & Behandlungsmöglichkeiten es gibt und wie die Lebenserwartung bei betroffenen Katzen ist.

Chronische Niereninsuffizienz (CNI) bei der Katze: Zusammenfassung

  • Häufigkeit der Erkrankung: Sehr häufig

  • Schwere der Erkrankung: Schwer

  • Vorkommen: Häufig bei älteren Katzen (v.a. älter als 7 Jahre)

  • Ansteckungsgefahr: Nicht ansteckend für Tiere oder Menschen

  • Typische Symptome: Häufigeres Urinieren, vergrößerte Urinmengen, gesteigerter Durst, Appetitlosigkeit, Teilnahmslosigkeit, Abmagerung, Erbrechen

  • Verlauf: Chronisch (über mehrere Monate bis Jahre)

  • Diagnose: Urin- und Blutuntersuchung

  • Behandlungsmöglichkeiten: Futterumstellung (Nierendiät), Steigerung der Wasseraufnahme, Medikamente

  • Prognose: Vorsichtig, die Erkrankung führt i.d.R. zum Tod. Bei früher Diagnose können nierenkranke Katzen aber oft noch jahrelang leben!

  • Zuständige Spezialisten: Spezialisten für Innere Medizin

Beschreibung

Die chronische Niereninsuffizienz (CNI) oder auch chronische Nierenerkrankung (CNE) ist eine sehr häufige Erkrankung bei Katzen – bei mittelalten bis alten Katzen stellt sie sogar eine der häufigsten Krankheiten überhaupt dar (sie kann allerdings leider auch schon bei jungen Samtpfoten auftreten)!

Vermutlich entwickelt jede zweite bis dritte Katze irgendwann in ihrem Leben Nierenprobleme. Es wird angenommen, dass 30-40% (also über ein Drittel!) aller Katzen über 10 Jahren an einer CNI leiden. Leider ist die chronische Niereninsuffizienz auch eine der häufigsten Todesursachen von Katzen.

Bei der CNI kommt es zu einer immer weiter fortschreitenden Schädigung der Nieren und dadurch zu einem Verlust der Nierenfunktion („Niereninsuffizienz“). Die Erkrankung entwickelt sich i.d.R. über mehrere Monate oder Jahre.

Erst wenn große Teile (vermutlich mind. zwei Drittel) des Nierengewebes zerstört sind, zeigen nierenkranke Katzen die typischen Symptome einer CNI. Aus diesem Grund wird die chronische Niereninsuffizienz häufig erst spät erkannt.

Als chronisches Nierenversagen wird das Endstadium der Erkrankung bezeichnet, in dem die Nieren nur noch eine so geringe Leistung haben, dass es schließlich zum Tod der nierenkranken Katze kommt. Häufig wird dieses Krankheitsstadium aber erst nach längerer Zeit (bis zu mehreren Jahren) erreicht.

Meistens ist nicht bekannt, was bei nierenkranken Katzen ursprünglich zur Schädigung der Nieren geführt hat (häufig haben die betroffenen Katzen zu diesem Zeitpunkt auch noch gar keine Symptome gezeigt). Einmal vorhanden kommt es aber zu einem Teufelskreis: Der Schaden führt zu weiteren Schädigungen in den Nieren – und die Niereninsuffizienz schreitet immer weiter voran.

Leider kann die chronische Niereninsuffizienz nicht geheilt oder rückgängig gemacht werden. Mit der richtigen Behandlung und Unterstützung kann aber die Lebensqualität der betroffenen Katzen verbessert und ihr Leben verlängert werden. So können viele nierenkranke Katzen noch ein langes, glückliches Leben haben.

Nierenproblem ist nicht gleich Nierenproblem: Unterscheidung der CNI vom akuten Nierenversagen

Es ist sehr wichtig, eine chronische Niereninsuffizienz vom akuten Nierenversagen zu unterscheiden. Beide Erkrankungen unterscheiden sich nämlich deutlich, was die möglichen Ursachen, die Behandlung und auch die Prognose angeht.

Bei einem akuten (also „plötzlichen“) Nierenversagen kommt es sehr schnell zu einer Schädigung der Nieren (z.B. durch eine Vergiftung). Der Zustand ist für die betroffenen Katzen akut lebensbedrohlich und kann schnell zum Tod führen. Mit der richtigen Behandlung – und wenn die Katze überlebt – kann die Schädigung der Nieren aber u.U. reversibel sein, d.h. die Nieren können sich teilweise komplett erholen.

Im Gegensatz dazu verläuft die CNI chronisch, d.h. sie entwickelt sich über Monate oder sogar Jahre. Die Schädigung der Nieren ist irreversibel, d.h. sie kann nicht mehr rückgängig gemacht oder behoben werden.

Ein akutes Nierenversagen kann allerdings in eine chronische Niereninsuffizienz übergehen, wenn die schwere, kritische Erkrankungsphase überstanden wird, die Nieren jedoch bleibende Schäden davongetragen haben. Und andersrum haben Katzen mit CNI leider ein erhöhtes Risiko, an einem akuten Nierenversagen zu erkranken (weil die Nieren bereits vorgeschädigt sind).

Folgen der eingeschränkten Nierenfunktion bei CNI

Die Nieren sind im Körper für viele sehr wichtige Aufgaben zuständig. Die bekannteste davon ist die Produktion von Urin. Über den Urin wird einerseits der Flüssigkeitshaushalt des Körpers stabil gehalten, andererseits werden über den Harn aber auch schädliche Stoffe entsorgt.

Die Nieren stellen nämlich sozusagen die „Waschmaschinen“ des Körpers dar. Sie reinigen das Blut laufend von schädlichen Stoffwechselprodukten und Giftstoffen und scheiden sie mit dem Urin aus. Stoffe, die der Körper noch braucht (wie beispielsweise Zuckermoleküle, Eiweiße, Aminosäuren), werden dagegen zurückgehalten und gelangen zurück in den Blutkreislauf.

Zusammen mit den „Abfallstoffen“ wird über den Urin auch mehr oder weniger Wasser ausgeschieden – je nach Flüssigkeitsbedarf des Körpers. Die Nieren sorgen also dafür, dass das Blut gefiltert, gereinigt und entgiftet wird, während sie gleichzeitig den Wasser- und Elektrolythaushalt stabil halten.

Wenn die Nieren wie bei der chronischen Niereninsuffizienz geschädigt sind, können sie diese Aufgaben nicht mehr ausreichend erfüllen. Einige der Stoffe, die eigentlich aus dem Blut gefiltert und über den Urin ausgeschieden werden sollten („harnpflichtige Stoffe“), sammeln sich im Blut an (z.B. Phosphat, Kreatinin, Harnstoff). Dadurch kann es bei nierenkranken Katzen zu einer sogenannten Urinvergiftung (Urämie) kommen.

Stoffe, die die Nieren eigentlich zurückhalten sollten, wie z.B. Proteine, können dagegen verloren gehen und mit dem Harn ausgeschieden werden.

Bei Katzen mit CNI verlieren die Nieren aber auch ihre Fähigkeit, den Urin ausreichend zu konzentrieren. Sie können die ausgeschiedene Wassermenge also nicht mehr an den Flüssigkeitsbedarf des Körpers anpassen. Es entstehen große Mengen eines sehr wässrigen, hellen bzw. farblosen Urins. Bemerkbar macht sich das bei nierenkranken Katzen durch vermehrtes Urinieren, d.h. sie pinkeln häufiger als normal und setzen dabei größere Mengen Urin ab (Polyurie). So geht dem Körper der Katze viel Flüssigkeit verloren. Damit dieser dabei nicht austrocknet (dehydriert), trinken CNI-Katzen auch mehr als gesunde Artgenossen (Polydipsie).

Vor allem im fortgeschrittenem Stadium der Nierenerkrankung schaffen sie aber oft nicht mehr, so viel zu trinken, dass sie den Flüssigkeitsverlust ausgleichen könnten – und es kommt zur Dehydratation (Flüssigkeitsmangel, Austrocknung).

Die Nieren erfüllen aber auch noch andere Aufgaben: So sind sie unter anderem an der Steuerung des Blutdrucks, am Säure-Basen-Haushalt, an der Blutbildung und am Kalzium-Stoffwechsel (und damit am Knochenaufbau) beteiligt. Katzen mit Nierenproblemen können deswegen auch an Bluthochdruck, Blutarmut (Anämie), Übersäuerung des Blutes und an Veränderungen bestimmter Elektrolytspiegel im Blut (z.B. Kalzium und Phosphat) leiden.

Symptome bei chronischer Niereninsuffizienz (CNI)

Wie schon erwähnt, zeigen Katzen mit einer CNI erst dann Symptome, wenn die Nierenfunktion sehr stark verringert ist. Aus diesem Grund kann die Niereninsuffizienz wie eine akute Erkrankung aussehen (das heißt, die Symptome treten ganz plötzlich auf), obwohl sie eigentlich chronisch verläuft und sich über Monate oder Jahre entwickelt hat. Die Symptome können sich aber auch schleichend entwickeln.

Sehr häufig fällt bei einer Katze mit CNI als erstes auf, dass sie mehr trinkt (Polydipsie), häufiger pinkelt und dabei größere Mengen Urin absetzt als früher (Polyurie). Es finden sich im Katzenklo also mehr und größere Urinklumpen als es für sie eigentlich üblich ist (bzw. als es bei ihren gesunden Artgenossen der Fall ist). Dieses Viel Trinken und viel Pinkeln ist bei Katzen immer ein Warnzeichen, dass Sie als Besitzer sehr ernst nehmen sollten – selbst wenn Ihre Mieze keine weiteren Symptome zeigt!

Nierenkranke Katzen wirken außerdem häufig teilnahmslos, möchten nicht mehr oder nur sehr mäkelig fressen und magern ab. Manche Katzen mit Nierenproblemen entwickeln auch einen komischen, Urin-ähnlichen Mundgeruch.

Grundsätzlich ist es bei der CNI auch so, dass die Symptome umso stärker und zahlreicher werden, je weiter die Niereninsuffizienz fortschreitet (frühe CNI: z.B. nur viel trinken und pinkeln; Endstadium der CNI: zusätzlich z.B. auch Erbrechen, Appetitlosigkeit, Abmagerung, Schwäche etc.).

  • Sehr häufige Symptome bei Katzen mit CNI:

  • Häufige Symptome bei Katzen mit CNI:

  • Gelegentlich auftretende Symptome bei Katzen mit CNI:

    • Struppiges Fell
    • Blutige Geschwüre (Ulzera) im Maul und Zahnfleischentzündung/Parodontitis
    • Schwierigkeiten und/oder Schmerzen beim Fressen (Dysphagie)
    • Vermehrtes Speicheln (Hypersalivation)
    • Urinähnlicher Mundgeruch (urämischer Foetor ex ore)
    • Durchfall
    • Blut im Stuhl/blutiger Durchfall
    • Blasse Schleimhäute (Zeichen für Blutarmut)
    • Beschleunigte Atmung (Tachypnoe)
    • Unwillentliches Absenken/Hängenlassen des Kopfes (Ventroflexion)
    • Urininkontinenz
  • Selten auftretende Symptome bei Katzen mit CNI:

    • Blutiger Urin (Hämaturie)
    • Erschwertes und/oder schmerzhaftes Urinieren (Dysurie)
    • Neurologische Symptome wie
      • Zittern
      • Muskelzuckungen
      • (Krampf-)Anfälle

Ursachen und Risikofaktoren der chronischen Niereninsuffizienz (CNI) bei Katzen

Bei den allermeisten Katzen mit CNI kann man nicht mehr herausfinden, was zur urprünglichen Schädigung der Nieren geführt hat. Hier steckt die Forschung noch in den Kinderschuhen: Wir Tierärzte wissen einfach noch nicht so genau, wieso es bei so vielen Katzen zur Entwicklung einer chronischen Niereninsuffizienz kommt.

Theoretisch kann eine CNI bei Katzen durch jeden Zustand entstehen, bei dem es zu einer unwiderruflichen und fortschreitenden Schädigung der Nieren kommt. Dementsprechend gibt es eine ganze Reihe von Erkrankungen, die als Ursache für die Niereninsuffizienz diskutiert werden. Allerdings erklären diese noch nicht wirklich, wieso so viele Katzen von der CNI betroffen sind. Vermutlich gibt es also noch einige unbekannte Faktoren, die hier eine Rolle spielen.

Mögliche Ursachen & Risikofaktoren für die chronische Niereninsuffizienz

  • Bakterielle Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)
  • Nierentumore (v.a. Lymphom)
  • Angeborene Nierenerkrankungen/-fehlbildungen, z.B. PKD (s.u.)
  • Amyloidose (seltene Stoffwechselerkrankung, bei der sich abnorm veränderte Proteine z.B. in den Nieren ablagern)
  • Autoimmunerkrankungen und immunologisch bedingte Krankheiten, z.B.
    • Systemischer Lupus erythematodes
    • Glomerulonephritis (Entzündung der Nierenkörperchen)
    • Feline infektiöse Peritonitis (FIP)
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
  • Hyperkalzämie (erhöhter Kalziumspiegel im Blut)
  • Infektionen, z.B. mit dem Felinen Immundefizienz-Virus (FIV), dem felinen Leukämie-Virus (FeLV) oder dem felinen Morbillivirus
  • Bluthochdruck (Hypertension)

CNI als Folge einer angeborenen Erkrankung (z.B. PKD)

In einigen Fällen kann die CNI als Folge einer angeborenen Krankheit auftreten. Am häufigsten kommt hierbei eine Erkrankung namens „polyzystische Nierenerkrankung“ (polycystic kidney disease, PKD; auch als „Zystennieren“ bezeichnet) vor. Meist tritt sie bei Perserkatzen (und Persermischlingen) auf.

Erkrankte Katzen weisen i.d.R. in beiden Nieren mehrere Zysten – also flüssigkeitsgefüllte Hohlräume – auf, die das gesunde Gewebe verdrängen. Obwohl die Erkrankung angeboren ist, kommt es meist erst bei mittelalten Katzen zu den Symptomen einer chronischen Niereninsuffizienz.

CNI als Folge eines akuten Nierenversagens

Die chronische Niereninsuffizienz kann auch als Folge eines akuten Nierenversagens entstehen, wenn die betroffenen Katzen zwar überleben, die Nieren aber dauerhaft geschädigt sind. Ursachen für ein akutes Nierenversagen sind unter anderem:

Untersuchungen und Diagnose der chronischen Niereninsuffizienz

Ihr Tierarzt wird zunächst versuchen möglichst viel über die Krankengeschichte (Anamnese) Ihrer Katze zu erfahren. So wird er beispielsweise fragen, welche Symptome Sie beobachtet haben, wie lange diese schon bestehen und ob Ihre Katze in letzter Zeit Medikamente erhalten hat. Danach wird er Ihre Mieze gründlich untersuchen (klinische Allgemeinuntersuchung). Manchmal kann er beim Abtasten schon spüren, dass die Nieren verändert sind.

Um die chronische Niereninsuffizienz zu diagnostizieren, wird der Tierarzt im Anschluss dann eine Untersuchung des Urins und des Blutes durchführen.

Untersuchung der Nierenwerte bei CNI-Verdacht

Bei einer CNI sind die Nieren nicht mehr in der Lage, die sogenannten „harnpflichtigen Substanzen“ Harnstoff und Kreatinin ausreichend aus dem Blut zu filtern und auszuscheiden. Dadurch kommt es zu einem Anstieg dieser Stoffe im Blut. Umgangssprachlich wird hier auch von einem Anstieg der Nierenwerte gesprochen.

Grundsätzlich gilt ein Kreatininwert über 140 µmol/l bzw. 1,6 mg/dl als erhöht und spricht für das Vorhandensein einer chronischen Niereninsuffizienz.

Achtung – es gibt auch Ausnahmen!

Nicht jeder Anstieg der Nierenwerte (also auch des Kreatininwerts) bedeutet automatisch, dass eine Niereninsuffizienz vorliegt! So können sie beispielsweise auch ansteigen, wenn die Katze ausgetrocknet, also dehydriert, ist. Die Nierenwerte müssen also immer im „Komplettpaket“ mit den anderen Untersuchungsergebnissen betrachtet werden. Gegebenenfalls sollte die Messung auch nach einiger Zeit noch mal wiederholt werden.

Bei der Untersuchung des Blutes wird der Tierarzt auch nach weiteren möglichen Folgen der CNI Ausschau halten. So könnten sich z.B. eine Blutarmut (Anämie) oder typische Veränderungen bestimmter Elektrolyte, wie ein erhöhter Phosphatspiegel (Hyperphosphatämie), ein verringerter Kaliumspiegel (Hypokaliämie; seltener ist auch ein erhöhter Kaliumspiegel möglich), ein verringerter Natriumspiegel (Hyponatriämie) oder ein verringerter Kalziumspiegel (Hypokalzämie; seltener ist auch ein erhöhter Kalziumspiegel möglich) zeigen.

Die Untersuchung dieser Werte hilft nicht nur dabei, die Diagnose „chronische Niereninsuffizienz“ zu stellen, sondern ist auch wichtig für die Planung der Behandlung

Urinuntersuchung bei CNI-Verdacht: USG & Proteinausscheidung

Einen weiteren Hinweis auf das Vorliegen einer chronischen Niereninsuffizienz liefert die Untersuchung des sogenannten „Urin-spezifischen Gewichts“ (USG). Dieser Wert, der manchmal auch als Urindichte bezeichnet wird, gibt an, wie stark der Urin konzentriert ist (hohes USG = stark konzentrierter, „gelber“ Urin; erniedrigtes USG = sehr wässriger, schwach konzentrierter, farbloser Urin).

Wie schon erwähnt, sind die Nieren bei einer CNI irgendwann nicht mehr in der Lage, den Harn ausreichend zu konzentrieren – also sinkt auch das Urin-spezifische Gewicht. Dementsprechend ist das USG bei nierenkranken Katzen in der Regel (allerdings nicht immer) erniedrigt (unter 1.035).

Katzen mit einer chronischen Niereninsuffizienz scheiden mit dem Urin häufig auch Eiweiß (Protein) aus (sog. Proteinurie). Deswegen wird der Tierarzt meistens auch kontrollieren, ob und wieviel Eiweiß im Harn der Katze vorhanden ist. Dadurch erhält er nicht nur einen weiteren Hinweis auf das Vorliegen einer Niereninsuffizienz – diese Information ist auch wichtig für die Prognose und die Behandlung (s.u.).

Das Problem mit der CNI-Diagnose…

Durch Kombination der Informationen aus der Krankengeschichte, der klinischen Untersuchung sowie der Blut- und Urinuntersuchung ist es für den Tierarzt i.d.R. verhältnismäßig einfach die Diagnose „chronische Niereninsuffizienz“ zu stellen:

Wird bei einer Katze ein erhöhter Kreatininwert zusammen mit einem USG unter 1.035 (sowie ggf. den passenden Symptomen und weiteren typischen Veränderungen) festgestellt, kann i.d.R. davon ausgegangen werden, dass sie an einer CNI leidet.

Das Problem ist jedoch, dass sowohl die Symptome als auch die Veränderungen im Blut und Urin erst relativ spät in der Erkrankung auftreten – so steigen die Nierenwerte im Blut beispielsweise erst an, wenn bereits mindestens 3/4 des Nierengewebes zerstört sind. Das heißt, normale Nierenwerte und/oder ein normales USG schließen eine CNI im Frühstadium nicht aus! Die Prognose wäre jedoch umso besser, je früher die Krankheit diagnostiziert werden würde.

SDMA zur (frühen) Diagnose der CNI bei Katzen

Glücklicherweise ist seit relativ kurzer Zeit eine neue Testmethode auf dem Markt, bei dem das sogenannte SDMA (symmetrisches Dimethylarginin) im Blut gemessen wird. SDMA ist ein Biomarker, der bereits ansteigt, wenn 25-30% der Nierenfunktion zerstört sind. Dadurch ist es theoretisch möglich, eine CNI viel früher als nur mit den Nierenwerten festzustellen. Weil der Test aber relativ neu ist, müssen die Ergebnisse noch mit etwas Vorsicht interpretiert werden.

Ein anhaltender SDMA-Wert über 14 µg/dl spricht vermutlich dafür, dass eine Katze unter einer chronischen Niereninsuffizienz leidet – selbst wenn der Kreatininwert noch unter 140 µmol/l bzw. 1,6 mg/dl liegt (in diesem Fall ist die Erkrankung im IRIS-Stadium 1, s.u.).

Weitere Untersuchungen bei CNI

Viele Katzen, die an einer CNI erkrankt sind, entwickeln einen krankhaft erhöhten Blutdruck (Bluthochdruck, Hypertonie/Hypertension). Dieser sollte unbedingt erkannt werden, weil er unbehandelt schwerwiegende Folgen haben kann (bis hin zu Erblindung und Hirnblutungen).

Wenn die Diagnose „chronische Niereninsuffizienz“ gestellt ist, sollte also wenn möglich immer der Blutdruck der nierenkranken Katze gemessen werden – das ist auch wichtig für die Einteilung in ein CNI-Erkrankungsstadium (dazu gleich mehr).

Bakterielle Harnwegsinfektionen (z.B. bakterielle Blasenentzündung) treten bei der CNI ebenfalls häufig als Komplikation auf. Allerdings zeigen die betroffenen Katzen dabei oft nicht die typischen Symptome, die man erwarten würde (wie z.B. Schmerzen beim Pinkeln und häufiges Absetzen kleiner Mengen Urin). Es wird deshalb empfohlen, immer eine bakteriologische Untersuchung des Urins durchzuführen, sobald eine chronische Niereninsuffizienz festgestellt wurde.

Suche nach der CNI-Ursache

Wie schon erwähnt, kann meistens nicht mehr festgestellt werden, was die CNI verursacht hat. Trotzdem ist es die Mühe wert, nach der Ursache zu suchen – denn manchmal findet man sie eben doch! Und mit etwas Glück kann die zugrundeliegende Erkrankung dann sogar behandelt werden.

Zwar wird die Schädigung der Nieren meistens nicht mehr zu beheben sein, aber das Fortschreiten der Niereninsuffizienz kann verlangsamt oder sogar aufgehalten werden. Deswegen sollte immer versucht werden, die zugrundeliegende Ursache zu finden (z.B. Pyelonephritis, Harnsteine in den Harnleitern).

Häufig wird zu diesem Zweck eine Ultraschalluntersuchung des Bauches durchgeführt. In manchen Fällen macht es auch Sinn, eine Gewebeprobe aus den Nieren zu entnehmen (Biopsie) – allerdings nur, wenn eine Erkrankung vermutet wird, die so auch relativ sicher diagnostiziert werden kann (z.B. Nierentumor, Amyloidose).

Je nach vermuteter Ursache der CNI und bestehender Symptomatik kann es sein, dass der Tierarzt noch weitere Untersuchungen durchführt (z.B. Röntgen, Bestimmung der Schilddrüsenhormone).

Einteilung der Niereninsuffizienz in Erkrankungsstadien („Staging“)

Einteilung in IRIS-Stadien

Bei Katzen mit CNI hängen sowohl die Behandlung als auch die Prognose und Lebenserwartung stark davon ab, wie sehr die Nieren bereits geschädigt sind und wie weit fortgeschritten die Erkrankung ist.

Um das besser einschätzen zu können, wird die chronische Niereninsuffizienz bei Katzen nach dem sog. IRIS-Staging (IRIS = International Renal Interest Society) in vier Erkrankungsstadien eingeteilt. Dabei steht IRIS-Stadium 1 für ein sehr frühes Erkrankungsstadium, in Stadium 4 sind die Nieren massiv geschädigt und die Nierenfunktion ist stark eingeschränkt.

Die Einteilung erfolgt danach, wieviel Kreatinin im Blut vorhanden ist. Kreatinin (einer der Nierenwerte) ist eine Substanz, die die Nieren eigentlich aus dem Blut rausfiltern sollten. Wenn sie aufgrund der CNI schlechter arbeiten, steigt dessen Spiegel im Blut immer mehr an. Es gilt also: je höher die Kreatinin-Konzentration im Blut, desto höher das Stadium der Niereninsuffizienz. Idealerweise sollten bei der Einstufung von Katzen allerdings mindestens zwei Messergebnisse herangezogen werden, die im Abstand mehrerer Wochen gewonnen wurden.

IRIS-StadiumKreatinin-Konzentration im BlutAnmerkung
1< 140 µmol/l bzw. < 1,6 mg/dlKreatininwert noch im Normalbereich, aber es liegen weitere Anzeichen für eine CNI vor (z.B. erniedrigtes Urin-spezifisches Gewicht, SDMA-Wert anhaltend über 14 µg/dl, im Ultraschall veränderte Nieren, ansteigende Kreatininwerte im zeitlichen Verlauf). Betroffene Katzen zeigen meist noch keine Symptome (wenn dann v.a. gesteigerter Durst und Urinabsatz). Zustand in diesem Stadium oft lange stabil oder nur langsam fortschreitend.
2140 – 250 µmol/l bzw. 1,6 – 2,8 mg/dlEs treten noch keine oder nur milde Symptome einer CNI auf (v.a. gesteigerter Durst und Urinabsatz, evtl. mäkeliges Fressen, Gewichtsverlust). Zustand in diesem Stadium oft lange stabil oder nur langsam fortschreitend. Achtung: Das untere Ende der Skala liegt bei manchen Laboren noch im Referenzbereich.
3251 – 440 µmol/l bzw. 2,9 – 5,0 mg/dlI.d.R. zeigen die betroffenen Katzen deutliche Symptome; diese können allerdings unterschiedlich schwer ausgeprägt sein. Zustand verschlechtert sich meist fortschreitend.
4> 440 µmol/l bzw. > 5,0 mg/dlDeutliche bis schwere klinische Symptome.

(Tabelle mit Nierenwerten zum Vergrößern einfach anklicken)

Tabelle zur Einteilung der CNI bei Katzen in IRIS-Stadien mittels Nierenwerten/Kreatininwerten

Tabelle: Einstufung der chronischen Niereninsuffizienz in verschiedene Stadien bei der Katze (IRIS-Staging). Die Einteilung erfolgt in Abhängigkeit vom Kreatinin-Wert (einem Nierenwert) im Blut. (IRIS = International Renal Interest Society, CNI = Chronische Niereninsuffizienz) (Quelle: www.iris-kidney.com)

Wenn Katzen mit Niereninsuffizienz schon etwas abgemagert sind oder unter Muskelschwund leiden, kann es allerdings sein, dass der Kreatininwert nicht mehr den tatsächlichen Erkrankungsgrad widerspiegelt. Bei diesen Katzen wird empfohlen, zusätzlich den SDMA-Wert zu bestimmen.

Bei mageren CNI-Katzen, die sich dem Kreatinin-Wert zufolge im IRIS-Stadium 2 befinden, spricht ein SDMA-Wert über 25 µg/dl dafür, dass sie möglicherweise eher schon im Stadium 3 sind. Ein SDMA-Wert über 45 µg/dl bei abgemagerten Katzen im Stadium 3 weist dagegen darauf hin, dass sie sich vielleicht schon im Stadium 4 befinden.

Wie schon erwähnt, treten die Symptome bei der CNI i.d.R. erst sehr spät im Krankheitsverlauf auf. Deswegen wird die chronische Niereninsuffizienz bei den meisten Katzen erst festgestellt, wenn sie sich bereits in IRIS-Stadium 2 oder 3 befinden.

Weitere Einteilung (Substaging) in Abhängigkeit von Blutdruck und Proteinurie

Neben dieser Einteilung in IRIS-Stadien sind aber noch zwei weitere Faktoren ganz wichtig dafür, wie die CNI behandelt werden sollte und wie lange eine nierenkranke Katze noch leben wird: der Blutdruck und das Vorhandensein von Eiweißen (Proteinen) im Urin.

Wenn Eiweiße mit dem Harn ausgeschieden werden, sprechen Mediziner von einer sogenannten Proteinurie. Leider kommt das bei relativ vielen Samtpfoten mit Niereninsuffizienz vor. Das ist schlecht – denn sehr wahrscheinlich schädigt dieser Vorgang die Nieren noch weiter und führt so zu einem schnelleren Fortschreiten der Erkrankung. Aus diesem Grund haben CNI-Katzen, die an einer Proteinurie leiden, auch eine schlechtere Prognose – sie sterben also früher als Katzen, die kein Protein mit dem Urin verlieren.

Auch Bluthochdruck (Hypertonie) ist bei Katzen mit Niereninsuffizienz leider eine häufige Komplikation (bei 20-60% der Katzen mit CNI). Dieser ist ebenfalls sehr schlecht für den Körper: Am häufigsten (bei etwa 60% der Katzen mit Hypertonie) kommt es dadurch zu Schäden an den Augen, die leider oft bis zur Erblindung führen. Aber auch weitere Folgen sind möglich, z.B. Hirnblutungen, Krampfanfälle und Herzerkrankungen. Einen direkten Einfluss auf die Prognose hat Bluthochdruck bei Katzen mit Niereninsuffizienz zwar nicht, er kann aber zu einer Verstärkung der Proteinurie beitragen – was dann wiederum sehr wohl die Prognose verschlechtert.

Katzen können in jedem IRIS-Stadium einen Bluthochdruck oder eine Proteinurie entwickeln. Aus diesem Grund sollte auch bei allen Katzen mit CNI der Blutdruck gemessen und die Menge an Proteinen im Urin bestimmt werden. Anhand dieser Ergebnisse werden Katzen mit CNI dann weiter eingeteilt. Ein möglicher Befund bei einer Katze mit Niereninsuffizienz wäre dann z.B. „IRIS-Stadium 2, keine Proteinurie, mittelgradiger Bluthochdruck“.

Messung der Proteinausscheidung (Proteinurie) und mögliche UPC-Ergebnisse

Die Proteinausscheidung kann bei Katzen über den sogenannten UPC (Urin-Protein-Kreatinin-Quotient) bestimmt werden, also über das Verhältnis von Protein zu Kreatinin in einer Urinprobe. Leider können verschiedene Probleme, wie z.B. eine bakterielle Blasenentzündung oder Blut im Urin, die Messung verfälschen. Deswegen sollte vor bzw. gemeinsam mit der Messung des UPC immer eine komplette Urinuntersuchung erfolgen. Nur wenn keine Hinweise auf solche Probleme gefunden werden, macht es Sinn, den UPC zu bewerten.

Nach den aktuellen IRIS-Richtlinien leidet eine Katze an einer Proteinurie, wenn der UPC über 0,4 liegt. Bei einem UPC unter 0,2 liegt keine Proteinurie vor. Dazwischen ist das Ergebnis grenzwertig und die Katze sollte nach 2 Monaten nochmal untersucht werden.

Blutdruckmessung und mögliche Ergebnisse bei Katzen mit CNI

Der Blutdruck kann bei Katzen mit speziellen (tiermedizinischen!) Blutdruckmessgeräten am Schwanz oder oberhalb der Pfote gemessen werden. Idealerweise sollte die Katze dabei möglichst entspannt sein – denn wenn sie bei der Messung sehr gestresst ist, kann das zu falsch hohen Werten führen. Wenn möglich, sollten außerdem mehrere Messungen zu verschiedenen Zeitpunkten (mindestens zwei Mal je 3-5 Messungen) durchgeführt werden.

Abhängig vom gemessenen Blutdruck werden Katzen folgendermaßen eingeteilt:

Systolischer Blutdruck in mmHgEinstufung des BlutdrucksRisiko für Schäden (z.B. an Gehirn, Herz, Nieren, Augen)
<150Kein BluthochdruckMinimal
150 – 159Geringgradiger/grenzwertiger BluthochdruckNiedrig
160 – 179Mittelgradiger BluthochdruckModerat
≥ 180Hochgradiger BluthochdruckHoch
Tabelle mit Blutdruckwerten bei der Katze inkl. Einstufung des Blutdrucks/Bluthochdrucks

Tabelle: Blutdruckwerte bei der Katze inklusive Einstufung des Blutdrucks bzw. Bluthochdrucks sowie das jeweilige Risiko für Folgeschäden.

Behandlung der chronischen Niereninsuffizienz bei Katzen

Leider gibt es keine Behandlung, die die chronische Niereninsuffizienz heilen kann. Einmal entwickelt, bleibt die CNI bis zum Lebensende bestehen.

Trotzdem macht eine Behandlung der CNI sehr viel Sinn – denn sie steigert nicht nur die Lebensqualität der Katzen, sondern sorgt auch dafür, dass die Krankheit langsamer voranschreitet und die nierenkranken Katzen deutlich länger leben. Weil die Niereninsuffizienz lebenslang besteht, muss die Behandlung allerdings auch lebenslang erfolgen.

Die CNI hat sehr viele Auswirkungen auf den Körper. Deswegen beruht die Behandlung der Niereninsuffizienz i.d.R. auch auf mehreren Säulen:

Umstellung der Fütterung auf eine spezielle Nierendiät

Auch wenn eine Umstellung des Futters banal klingt: es wurde gezeigt, dass nierenkranke Katzen, die ein spezielles Nierenfutter erhalten, deutlich länger leben und sich auch wesentlich besser fühlen. Tatsächlich gilt die Futterumstellung als die wirksamste Behandlungsform bei CNI! In einer Studie lebten nierenkranke Katzen, denen eine spezielle Diät verabreicht wurde, 2,4-mal länger als CNI-Katzen, die normales Futter erhielten.

Ab IRIS-Stadium 2 sollte bei Niereninsuffizienz also unbedingt eine spezielle Nierendiät gefüttert werden!

Diese sollte einige besondere Eigenschaften aufweisen. Ganz wichtig ist z.B., dass der Phosphatgehalt im Futter verringert ist. Dieser Stoff sammelt sich bei CNI-Katzen nämlich im Blut an. Das führt dazu, dass die Nieren noch weiter geschädigt werden – und verringert so die Überlebenszeit der nierenkranken Katzen deutlich. Indem weniger Phosphat mit dem Futter aufgenommen wird, kann auch dessen Blutspiegel reduziert werden. Ein niedriger Phosphatgehalt ist also ganz entscheidend für den lebensverlängernden Effekt der Nierendiät.

Ein weiteres Kennzeichen der meisten Nierendiäten ist ein reduzierter Proteingehalt. Beim Abbau von Eiweißen entstehen nämlich Harnstoff und Kreatinin – zwei der Abfallstoffe, deren Blutspiegel bei Katzen mit CNI ansteigen und zur Urinvergiftung (Urämie) führen. Damit die Katzen bei einer verringerten Proteinaufnahme keinen Nährstoffmangel entwickeln, sollte das enthaltene Eiweiß allerdings eine besonders hohe Qualität haben.

Zusätzlich ist Spezialfutter für CNI-Katzen meist auch mit Omega-3-Fettsäuren, Vitaminen (v.a. B-Vitamine) und Kalium angereichert und hat einen erhöhten Fettgehalt, um die nierenkranken Katzen mit ausreichend Kalorien zu versorgen. Spezielle Nierendiäten werden von vielen Futtermittelherstellern angeboten (z.B. k/d von Hills, Renal von Royal Canin).

Wichtig ist, dass das Futter langsam und über mehrere Tage oder sogar Wochen umgestellt wird. Denn wie jeder Katzenbesitzer weiß, können Katzen bei Futter sehr mäkelig sein – erst recht, wenn es ihnen wegen der CNI sowieso schon schlecht geht. Eine langsame Umstellung, bei der die Nierendiät zunächst mit dem alten Futter gemischt wird, steigert die Akzeptanz eines Futterwechsels sehr.

Außerdem sollten Katzen mit Niereninsuffizienz idealerweise nichts (oder zumindest nicht viel) an sonstigen Leckereien und Futter bekommen – sonst geht der Effekt der speziellen Nierendiät nämlich zumindest teilweise wieder verloren.

Eine zusätzliche Verabreichung von Vitamin E und C sowie von β-Karotin und zusätzlichen Omega-3-Fettsäuren hatte in einigen Studien ebenfalls einen positiven Effekt auf den Verlauf der Niereninsuffizienz. Deswegen wird die Gabe von solchen Antioxidantien und essentiellen Fettsäuren bei CNI-Katzen aktuell empfohlen. Omega-3-Fettsäuren können Sie Ihrer Katze ganz einfach in Form von Fischöl* über das Futter geben (tägliche Dosis von 10-200 mg Fischöl pro kg Körpergewicht der Katze; 4 kg-schwere Katze also 40-800 mg Fischöl pro Tag) .

Verminderung der Phosphat-Aufnahme

Wie gerade schon angesprochen, haben Katzen mit CNI sehr häufig einen erhöhten Phosphatspiegel im Blut – was die Niereninsuffizienz verschlimmert und die Lebenserwartung reduziert. Deshalb ist es bei diesen Katzen sehr wichtig, den Blutspiegel zu senken – und zwar indem die Aufnahme von Phosphat reduziert wird.

Meistens reicht die Fütterung einer wie oben beschriebenen Phosphat-reduzierten Nierendiät aus, um den Blutspiegel im Rahmen zu halten. Falls der Phosphatspiegel durch die Nierendiät jedoch nicht ausreichend sinkt (v.a. IRIS-Stadien 3 und 4) – oder wenn nierenkranke Katzen sich weigern, das neue Futter zu fressen – können mit den Mahlzeiten auch spezielle Präparate, sogenannte Phosphat-Binder, verabreicht werden. Wie der Name schon andeutet, binden diese das Phosphat im Futter, so dass es vom Darm nicht aufgenommen werden kann.

Um zu überprüfen, ob die Behandlung (Phosphat-reduzierte Nierendiät und/oder Phosphat-Binder) anschlägt, sollte nach einigen Wochen der Phosphatspiegel im Blut überprüft werden (die Katze sollte in den 12 Stunden vor der Blutabnahme nichts fressen). Der „Zielbereich“, in dem der Phosphatgehalt durch die Behandlung dann liegen sollte, unterscheidet sich je nach IRIS-Stadium:

  • Stadium 1 & 2: 2,5-4,5 mg/dl bzw. 0,81-1,45 mmol/dl
  • Stadium 3: 2,5-5 mg/dl bzw. 0,81-1,61 mmol/dl
  • Stadium 4: 2,5-6 mg/dl bzw. 0,81-1,94 mmol/dl

Liegt er über den angegeben Werten, sollte die Behandlung angepasst und z.B. zusätzlich zur Nierendiät ein Phosphatbinder verwendet werden.

Steigerung der Wasseraufnahme/Ausgleich des Flüssigkeitsmangels

Nierenkranke Katzen verlieren sehr viel Flüssigkeit über die Nieren. Meistens können sie das zunächst noch ausgleichen, indem sie mehr trinken. Leider sind unsere Samtpfoten aber eher „trinkfaul“ – irgendwann schaffen sie es oft nicht mehr, den Flüssigkeitsmangel so auszugleichen. Katzen mit Niereninsuffizienz sind deswegen besonders anfällig für eine chronische Austrocknung (Dehydratation).

Ein solcher Flüssigkeitsmangel ist sehr schlecht für die Katze: er schädigt die Nieren noch weiter und kann im schlimmsten Fall zu einem akuten Nierenversagen führen. Außerdem fühlen sich dehydrierte Katzen nicht gut (sie verlieren z.B. ihren Appetit und wirken teilnahmslos oder schwach, manchmal kommt es auch zur Verstopfung) und ihre Lebensqualität sinkt. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist also extrem wichtig bei nierenkranken Katzen!

Katzen mit CNI sollten deswegen auf jeden Fall ermuntert werden, viel Flüssigkeit aufzunehmen. Am einfachsten geht das, indem man von Trocken- auf Nassfutter umsteigt – es ist ganz erstaunlich welchen Unterschied das macht! Zusätzlich kann das Nassfutter sogar noch mit Wasser gemischt werden, so dass ein „Brei“ entsteht (viele Katzen schlecken das gerne auf).

Sie sollten außerdem viele Wassernäpfe in der Wohnung verteilen – je öfter Ihre Katze darüber stolpert bzw. je kürzer der Weg dorthin ist, desto häufiger wird sie auch trinken. Zusätzlich kann das Anbieten spezieller Katzendrinks* oder das Aufstellen eines Trinkbrunnens für Katzen (z.B. des Lucky-Kitty Keramik-Katzenbrunnens*) dabei helfen, die Flüssigkeitsaufnahme zu steigern. Noch mehr hilfreiche Informationen zu diesem Thema finden Sie in unseren 11 Tipps, wie Ihre Katze garantiert mehr trinkt!.

Leider reichen solche Maßnahmen bei manchen nierenkranken Katzen (v.a. im IRIS-Stadium 3 und 4) einfach nicht mehr aus, um eine Austrocknung zu verhindern. In einem solchen Fall kann es sehr sinnvoll sein, der Katze alle paar Tage (z.B. alle 1-3 Tage) Flüssigkeit direkt unter die Haut zu verabreichen (sog. subkutane Infusion). Viele Katzen blühen dann nochmal richtig auf! Solche Infusionen sind nicht besonders schwierig durchzuführen – nach einer Einweisung durch den Tierarzt können sie meistens auch zuhause verabreicht werden (wenn die Katze einigermaßen mitmacht).

Sie sollten übrigens auch immer im Hinterkopf behalten, dass eine Katze mit Niereninsuffizienz bei Erbrechen und Durchfall sehr viel schneller austrocknet. Falls Ihre Katze also mal unter diesen Symptomen leidet, sollten Sie sie gut beobachten und bei anhaltenden Beschwerden Ihren Tierarzt kontaktieren.

Appetitstimulation/Steigerung der Futteraufnahme

Vor allem in fortgeschrittenen Stadien verlieren leider viele Katzen mit CNI ihren Appetit und fressen nicht mehr genug. Dazu kommt, dass sie oft auch noch unter Übelkeit und Erbrechen leiden.

Die Folge dieser Symptome ist, dass sie Gewicht verlieren oder sogar abmagern. Das ist schlecht – Untergewicht steht nämlich im Verdacht, die Lebenserwartung von Katzen mit Niereninsuffizienz zu verringern. Und tatsächlich ist die Verweigerung von Futter bzw. das daraus folgende (drohende) Verhungern auch eine der häufigsten Todesursachen bzw. Gründe für eine Einschläferung bei nierenkranken Katzen.

Falls Ihre CNI-Katze nicht fressen will, sollten Sie sich also unbedingt bei Ihrem Tierarzt melden – es gibt nämlich mehrere Möglichkeiten, Katzen zu helfen, die kein Futter aufnehmen wollen.

In vielen Fällen macht es Sinn, Medikamente zu geben, die die Übelkeit lindern (z.B. Maropitant, Ondansetron). Einerseits kommt bei manchen Katzen so dann der Appetit zurück, andererseits behalten sie dadurch aber auch das Fressen in sich, das sie sonst erbrechen würden (und können somit dessen Nährstoffe aufnehmen). Es gibt aber auch spezielle Medikamente (z.B. Mirtazapin, Cyproheptadin), die bei Katzen den Appetit anregen.

In manchen Fällen kann es auch sinnvoll sein, einer Katze, die gar nicht fressen will, eine Magensonde zu legen. So kann sie über eine Spritze mit Futterbrei versorgt werden.

Behandlung des Bluthochdrucks und der Proteinurie

Weil die Folgen eines Bluthochdrucks und einer Proteinurie so schwer sein können, sollten diese Komplikationen bei betroffenen CNI-Katzen natürlich auch behandelt werden.

Eine Therapie des Bluthochdrucks wird im Moment bei Katzen aller IRIS-Stadien empfohlen, wenn der Blutdruck bei mindestens 3 Messungen in einem Zeitraum von 1-2 Monaten höher als 160 mmHg (bzw. in einem Zeitraum von 1-2 Wochen höher als 180 mmHg) ist. Durch die wiederholten Blutdruckbestimmungen soll sicher gestellt werden, dass es sich wirklich um einen dauerhaften Anstieg und nicht nur um eine zufällig hohe Messung handelt. Liegt der Blutdruck dagegen bei einer Untersuchung über 200 mmHg oder ist es durch durch den Bluthochdruck bereits zu Schäden, z.B. an den Augen gekommen, sollte die Therapie sofort gestartet werden. Ziel der Behandlung ist es, den Blutdruck langsam auf unter 160 mmHg zu senken.

Die Proteinurie sollte behandelt werden, wenn der UPC bei Katzen mit einer Niereninsuffizienz konstant größer als 0,4 ist. Bei einer grenzwertigen Proteinurie (UPC zwischen 0,2 und 0,4) erfolgt normalerweise noch keine Behandlung, der UPC der betroffenen Katze sollte aber nach 2 Monaten erneut kontrolliert werden.

Zur Therapie des Bluthochdrucks bei Katzen mit CNI wird im Moment v.a. Amlodipin (z.B. in Amodip®) eingesetzt. Dabei handelt es sich um einen sogenannten Kalziumkanalblocker. Amlodipin sorgt dafür, dass nicht so viel Kalzium in die Muskelzellen der Blutgefäße einströmen kann. Dadurch „entspannen“ sich die Muskelzellen und der Durchmesser der Blutgefäße wird größer. Wenn die Menge an Blut gleichbleibt, die Gefäße jedoch größer sind, sinkt der Blutdruck.

Statt Amlodipin werden manchmal auch sogenannte ACE-Hemmer oder Angiotensin-II-Rezeptorblocker verabreicht – diese haben allerdings keine so gute Wirkung auf den Bluthochdruck. Auf der anderen Seite verringern sie aber zusätzlich die Ausscheidung von Protein mit dem Urin. Deswegen werden sie häufig bei CNI-Katzen mit Proteinurie eingesetzt.

Typische Beispiele für ACE-Hemmer sind Benazepril (z.B. in Fortekor®, Benazecare®, Benakor®) und Enalapril (z.B. in Vasotop®). Aus der Reihe der Angiotensin-II-Rezeptorblocker wird bei Katzen mit CNI v.a. Telmisartan (z.B. in Semintra®) eingesetzt.

Diese Medikamente verringern den Blutdruck und die Proteinurie, indem sie in das sogenannte Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) eingreifen. Das ist ein komplexes System aus verschiedenen Hormonen und Enzymen, mit dem der Körper den Blutdruck und den Wasserhaushalt kontrolliert und in normalen Bereichen hält.

Eines der Hormone im Renin-Angiotensin-Aldosteron-System ist das Angiotensin-II. Dieser Botenstoff wirkt gefäßverengend – und zwar unter anderem auch in den Kapillaren der Nieren. Wenn die Blutgefäße enger sind, die Menge an Blut aber gleichbleibt, steigt der Blutdruck an. Im Falle eines zu niedrigen Blutdrucks ist das eigentlich ein sinnvoller Mechanismus, um ihn wieder in normale Bahnen zu lenken.

Wenn der Blutdruck in den Nierenkapillaren allerdings zu hoch wird (wie bei vielen Katzen mit CNI), wird die Gefäßwand dort ein bisschen durchlässig. Dadurch können Proteine (anders als bei gesunden Katzen) plötzlich durch die Gefäßwand hindurch und in den Urin gelangen. Für die Nieren ist das ziemlich schlecht. Es wird angenommen, dass es durch die Proteine zu einer Entzündung und Schädigung der feinen Nierenstrukturen kommt.

Durch die Freisetzung von anderen Botenstoffen (u.a. Aldosteron) führt Angiotensin-II aber auch zu einer Erhöhung des Blutvolumens – auch dadurch steigt der Blutdruck an.

ACE-Hemmer verringern die Menge an Angiotensin-II, indem sie die Herstellung des Hormons hemmen. Diese erfolgt nämlich durch ein Enzym, das ACE (Angiotensin Converting Enzyme) genannt wird. Wie der Name schon andeutet hemmen ACE-Hemmer dieses Enzym. Dadurch entsteht weniger Angiotensin-II, der Blutdruck sinkt – auch in den Nierenkapillaren – und es gelangt weniger Protein in den Urin.

Bei Angiotensin-II-Rezeptorblockern ist der Effekt der gleiche – allerdings wirken sie nicht, indem sie die Menge an Angiotensin-II verringern, sondern indem sie dessen Wirkung blockieren. Das Angiotensin-II ist also noch da, es hat aber keinen Effekt mehr.

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Weitere Behandlungen

Je nachdem, welche Veränderungen noch auftreten, können weitere Behandlungen nötig sein.

So kommt es beispielsweise bei 20-30% der CNI-Katzen in IRIS-Stadium 2 und 3 zu einem Kaliummangel. Möglicherweise ist dieser schlecht für die Nieren, auf jeden Fall kann er aber zu Schwäche führen – und das ist ziemlich unangenehm für die betroffenen Katzen. Bei einem Kaliummangel sollte deswegen gehandelt und zusätzliches Kalium (bevorzugt über das Futter) verabreicht werden.

Auch eine Blutarmut (Anämie) ist bei nierenkranken Katzen leider nicht selten – bis zu 60% aller Katzen mit Niereninsuffizienz entwickeln im Laufe ihrer Erkrankung dieses Problem. Das beeinträchtigt die Lebensqualität – die betroffenen Katzen sind schlapp und leiden unter Appetitlosigkeit. Je nach Schwere der Blutarmut kommen verschiedene Behandlungen in Frage, z.B. die Gabe von B-Vitaminen bei einer leichten Anämie. Bei einer ausgeprägteren Blutarmut, bei der der Hämatokrit unter 22% liegt und die Katze Symptome der Anämie zeigt, können auch Medikamente eingesetzt werden, die die Blutbildung anregen (idealerweise Darbopoetin). Oft ist dann auch eine Kombination mit Eisenpräparaten sinnvoll. In sehr schweren Fällen können auch Bluttransfusionen nötig sein.

Eine Blutwäsche (Hämodialyse), wie sie in der Humanmedizin häufig erfolgt, ist technisch zwar möglich, wird bei einer chronischen Niereninsuffizienz aber nicht empfohlen. Denn neben den offensichtlichen Nachteilen (sehr teuer, nur an wenigen Tierkliniken verfügbar) müsste sie lebenslang alle 2-3 Tage durchgeführt werden. Das würde für die nierenkranken Katze sehr viel Stress bedeuten.

Die Sache mit der Nierentransplantation…

Technisch gesehen sind Nierentransplantationen bei Katzen möglich. In einigen Ländern, z.B. in den USA, wird die OP auch schon regelmäßig durchgeführt. In Deutschland verstößt eine Nierentransplantation jedoch gegen das Tierschutzgesetz und ist somit verboten – und zwar, weil man einem gesunden Spendertier ohne medizinischem Grund ein Organ entnehmen müsste. Denn das ist ethisch und moralisch gesehen zumindest fraglich, denn Katzen können sich schließlich nicht dazu entscheiden, freiwillig eine Niere zu spenden.

Kontrolluntersuchungen bei Katzen mit chronischer Niereninsuffizienz

Die CNI verläuft bei jeder Katze anders und häufig auch schubweise. Um rechtzeitig zu erkennen, wenn sich die Niereninsuffizienz verschlechtert, sollten regelmäßig Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden.

Nachdem die CNI zum ersten Mal festgestellt wurde, sollten alle 2-4 Wochen Kontrollen stattfinden, bis sich die Krankheit stabilisiert hat. Anschließend können die Abstände je nach Krankheitsstadium ausgeweitet werden: halbjährlich in Stadium 1 und 2 bzw. alle 1-3 Monate in Stadium 3 und 4. Leidet eine Katze mit Niereninsuffizienz zusätzlich unter Bluthochdruck sollten die Kontrollen dagegen – unabhängig vom IRIS-Stadium – alle 3 Monate erfolgen.

Natürlich sollte aber auch immer dann eine Kontrolle erfolgen, wenn es der Samtpfote schlechter geht.

Bei jeder Kontrolle sollten Gewicht und Ernährungszustand überprüft werden, außerdem auch ob die Katze ausgetrocknet (dehydriert) ist. Eine klinische Allgemeinuntersuchung gehört ebenfalls zum Minimalprogramm.

Es sollte außerdem eine Untersuchung zumindest der wichtigsten Blutwerte (Nierenwerte Harnstoff und Kreatinin; Phosphat, Kalium, Hämatokrit – ein Messwert, der angibt, ob eine Katze unter einer Blutarmut leidet) sowie eine Urinuntersuchung durchgeführt werden.

Weil eine Proteinurie, also eine Ausscheidung von Eiweißen (Proteinen) mit dem Urin, die Nieren weiter schädigt und die Überlebenszeit verkürzt, sollte idealerweise immer (zumindest aber bei Hinweisen auf Eiweiße im Urin) auch der UPC (Messwert für die Menge der Proteine im Urin) bestimmt werden – dann kann gegebenenfalls eine Behandlung erfolgen.

Wie schon erwähnt, entwickeln viele Katzen, die an einer chronischen Niereninsuffizienz erkrankt sind, zusätzlich einen Bluthochdruck (Hypertonie). Als Folge kann es u.a. zur Erblindung kommen. Deswegen sollte der Blutdruck bei Katzen mit CNI, wenn möglich, bei jeder Kontrolle gemessen werden. Nur dann kann rechtzeitig eine Behandlung erfolgen und somit Schäden vermieden werden.

Falls vermutet wird, dass eine Harnwegsinfektion vorliegen könnte, sollte zusätzlich eine bakteriologische Untersuchung des Urins erfolgen.

Prognose bei Katzen mit chronischer Niereninsuffizienz

Die chronische Niereninsuffizienz verläuft bei jeder Katze anders. Dadurch ist im Vorfeld nie vorhersehbar, wie sie sich entwickeln wird. Bei vielen Katzen zeigt die CNI einen stufenartigen Verlauf: Phasen, in denen die Krankheit und die Nierenfunktion stabil sind, wechseln sich ab mit Phasen, in denen es zu einer Verschlechterung kommt. Der eigentliche Endpunkt der Erkrankung ist ein totales Nierenversagen und damit der Tod.

Allerdings können die Phasen, in denen die CNI stabil ist, sehr lange dauern (teilweise einige Jahre!). Gerade wenn die Niereninsuffizienz in einem frühen Krankheitsstadium erkannt und angemessen behandelt wird, können nierenkranke Katzen also noch sehr lange leben. Häufig sterben die erkrankten Katzen dann nicht mal an der chronischen Niereninsuffizienz – viele ältere Katzen sterben sogar eher mit der CNI als durch die CNI. In einer Studie starben z.B. 81% der Katzen mit einer Stadium 2-Niereninsuffizienz und 37% der Katzen mit einer Stadium 3-Niereninsuffizienz an einer anderen Erkrankung, ohne jemals zum Endstadium der CNI gelangt zu sein.

Die Diagnose „chronische Niereninsuffizienz“ muss also kein Todesurteil sein und ist in aller Regel auch kein Grund, die Katze einzuschläfern!

Überlebenszeiten bei der chronischen Niereninsuffizienz

In einigen Studien wurde untersucht, wie lange nierenkranke Katzen je nach IRIS-Erkrankungsstadium (siehe Abschnitt „Einteilung der Niereninsuffizienz in Erkrankungsstadien“) noch gelebt haben. Es muss allerdings bedacht werden, dass die angegebenen Zahlen nur Durchschnittswerte sind. Manche Katzen leben auch deutlich länger, andere leider sehr viel kürzer.

Durchschnittliche Überlebenszeiten bei Katzen mit CNI:

  • Stadium 1: unbekannt (zu wenige Angaben, da sehr schwierig zu diagnostizieren)
  • Stadium 2: ca. 3 Jahre (hierbei wurden allerdings nur Katzen im fortgeschritten Stadium 2 betrachtet, bei denen der Kreatininwert über 200 µmol/l  bzw. 2,26 mg/dl betrug. Die durchschnittliche Überlebenszeit für Katzen in einem frühen Stadium 2 wird also vermutlich höher sein.)
  • Stadium 3: ca. 1,5 – 2 Jahre
  • Stadium 4: ca. 1 – 2 Monate

Tipps für ein möglichst langes Leben mit CNI-Katzen

Man weiß, dass einige Faktoren bei nierenkranken Katzen mit einer kürzeren Überlebenszeit assoziiert sind. Dazu gehören z.B.

  • hoher Phosphatspiegel im Blut (Hyperphosphatämie)
  • Eiweißverlust über die Nieren (Proteinurie),
  • hohe Nierenwerte,
  • Blutarmut (Anämie),
  • möglicherweise: Untergewicht

All diese Veränderungen könnten dazu führen, dass Ihre Katze kürzer lebt. Deshalb ist es wichtig, sie früh zu erkennen und wenn möglich zu behandeln (z.B. hoher Phosphatspiegel im Blut durch Fütterung einer speziellen Nierendiät und ggf. Phosphatbindern; Verringerung der Proteinurie durch bestimmte Medikamente etc.).

Damit Ihre nierenkranke Katze möglichst lange und mit guter Lebensqualität lebt, sollten Sie aber auch einige zusätzliche Punkte beachten:

  • Lassen Sie regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchführen
    • In Stadium 1 und 2: alle 6 Monate
    • In Stadium 3 und 4: alle 1-3 Monate
    • Und natürlich immer, wenn sich der Zustand Ihrer Katze verschlechtert
  • Sorgen Sie für eine angemessene und angepasste Behandlung der chronischen Niereninsuffizienz
  • Lassen Sie auftretenden Komplikationen und Begleiterkrankungen behandeln
  • Beobachten Sie Ihre Katze zuhause gut und wiegen Sie sie regelmäßig, damit Sie eine Verschlechterung der CNI möglichst schnell bemerken (Warnzeichen sind z.B. Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit/mäkelige Futteraufnahme, deutlich gesteigerte Wasseraufnahme, Veränderungen im Urinabsatzverhalten, veränderte Aktivität der Katze, z.B. Teilnahmslosigkeit)

Vorbeugung

Leider gibt es nach heutigem Wissensstand nur sehr wenig, was man tun kann, um die Entwicklung einer chronischen Niereninsuffizienz zu verhindern oder um das Risiko einer Erkrankung zu senken:

  • So gut wie möglich Zustände vermeiden, die die Nieren schädigen können (z.B. langfristige Gabe von Schmerzmitteln, Vergiftungen, Narkosen)
  • Krankheiten rechtzeitig behandeln, die zu einer chronischen Niereninsuffizienz führen können (z.B. Harnsteine, Entzündungen des Nierenbeckens und der unteren Harnwege, Autoimmunerkrankungen)

Ansonsten kann man nur versuchen, die chronische Niereninsuffizienz möglichst früh zu diagnostizieren und zu behandeln. So kann das Fortschreiten der CNI zumindest früh verlangsamt werden. Damit dies gelingt, sollten Sie:

  • Ihre Katze aufmerksam beobachten, sie regelmäßig wiegen und auf erste Anzeichen einer CNI, wie vermehrtes Trinken und vermehrten Urinabsatz, achten
  • Ihre Katze regelmäßig zur Gesundheitsvorsorge beim Tierarzt vorstellen
    • gesunde Katzen, die älter als 10 Jahre sind, einmal jährlich
    • gesunde Katzen, die älter als 15 Jahre sind, alle 6 Monate

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Quellen

Veröffentlicht am 23. November 2017

Vollständig überarbeitet am 27. Juni 2019

Von Dr. Iris Wagner-Storz