Das akute Nierenversagen ist ein lebensbedrohlicher Zustand, bei dem es plötzlich zu einem teilweisen oder vollständigen Verlust der Nierenfunktion kommt. Bei Katzen ist es oft die Folge einer Vergiftung, z.B. mit Lilien. Lesen Sie hier, wie Sie erkennen, ob Ihre Katze betroffen ist, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und wie die Prognose für Katzen mit Nierenversagen ist.

Akutes Nierenversagen (Katze): Zusammenfassung

  • Häufigkeit der Erkrankung: Gelegentlich

  • Schwere der Erkrankung: Sehr schwer

  • Vorkommen: Bei Katzen aller Rassen und Altersstufen möglich

  • Ansteckungsgefahr: Nicht ansteckend für Tiere oder Menschen

  • Typische Symptome: Teilnahmslosigkeit, Appetitlosigkeit, Erbrechen, häufiges Absetzen großer Urinmengen und gesteigerter Durst ODER verringerter bis fehlender Urinabsatz

  • Verlauf: Akut (plötzlich)

  • Diagnose: Blut- und Urinuntersuchung

  • Behandlungsmöglichkeiten: Behandlung in der Klinik, Infusionen, evtl. Dialyse

  • Prognose: Vorsichtig bis schlecht

  • Zuständige Spezialisten: Spezialisten für Innere Medizin

  • Notfall! Sofort Tierarzt aufsuchen!

Beschreibung

Ein akutes Nierenversagen ist ein lebensbedrohlicher Zustand! Falls Sie vermuten, dass Ihre Katze betroffen sein könnte, sollten Sie sie unbedingt so schnell wie möglich zu einem Tierarzt bringen!

Bei einem akuten Nierenversagen (ANV) kommt es plötzlich zu einer so starken Schädigung der Nieren, dass diese ihre Funktionen nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt ausführen können. Ein akutes Nierenversagen kann als Folge einer ganzen Reihe von Ursachen und Ereignissen auftreten (z.B. bei Vergiftungen, nach Narkosen, bei Infektionskrankheiten). Es entwickelt sich innerhalb von Stunden bis Tagen nach dem auslösenden Ereignis.

Das Nierenversagen kann ein vorübergehender Zustand sein, wenn der Nierenschaden nicht zu groß ist und die erkrankte Katze die schwere, kritische Erkrankungsphase überlebt. Können die Nierenschäden dagegen nicht wieder vollständig behoben werden, kann das akute Nierenversagen in eine chronische Niereninsuffizienz übergehen.

Was passiert bei einem Nierenversagen?

Die Nieren führen im Körper einige einzigartige und lebenswichtige Funktionen aus. Unter anderem dienen sie als „Waschmaschinen“ des Körpers: Sie reinigen das Blut von schädlichen Abfallprodukten und Giftstoffen und scheiden sie über den Urin aus. Stoffe, die der Körper noch braucht (wie beispielsweise Zuckermoleküle), werden dagegen zurückgehalten und in den Blutkreislauf zurückgeführt.

Außerdem regeln die Nieren aber auch den Flüssigkeitshaushalt des Körpers: Je nach Flüssigkeitsbedarf scheiden sie mit dem Urin mehr oder weniger Wasser aus. Die Nieren sorgen also dafür, dass das Blut gefiltert, gereinigt und entgiftet wird, während sie gleichzeitig den Wasser- und Elektrolythaushalt stabil halten.

Damit sie diese Aufgaben ausführen können, fließt sehr viel Blut durch die Nieren hindurch. Ein Fünftel des Blutes, das das Herz mit jedem Schlag durch den Körper pumpt, ist für die Nieren bestimmt – jeden Tag fließt das gesamte Blut des Körpers so mehrere hundert Mal durch die beiden Organe!

Leider macht sie diese beeindruckende Durchblutung sehr anfällig gegenüber gefährlichen Giftstoffen (z.B. bei einer Vergiftung). Denn diese gelangen so in besonders großer Menge in die Nieren.

Die starke Versorgung mit Blut zeigt aber auch, wie viel Sauerstoff und Nährstoffe die Nierenzellen brauchen, um ordentlich funktionieren zu können. Wenn aus irgendeinem Grund zu wenig Blut in die Nieren gelangt, kann es daher schnell zum Sauerstoff- und Nährstoffmangel kommen.

Wenn einer dieser beiden Fälle eintritt – also gefährliche Giftstoffe mit dem Blut in die Nieren gelangen oder die Nierendurchblutung (stark) verringert ist – sterben die Nierenzellen ab. Eine solche Zerstörung von Nierengewebe kann aber auch bei verschiedenen Infektions- und Autoimmunkrankheiten auftreten.

Ist der Schaden dabei groß und sterben viele Nierenzellen ab, können die Nieren ihre Aufgaben nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt ausführen – es kommt zum akuten Nierenversagen.

Was sind die Folgen eines akuten Nierenversagens für den Körper?

Weil die Nieren für so viele lebenswichtige Aufgaben zuständig sind, sind die Folgen eines Nierenversagens für den Körper dramatisch:

  • Die Nieren können das Blut nicht mehr vollständig reinigen. Als Folge sammeln sich all jene schädlichen Stoffe im Blut an, die eigentlich herausgefiltert und über den Urin ausgeschieden werden sollten („harnpflichtige Stoffe“). Dadurch kommt es zu einem Anstieg der sogenannten Nierenwerte Harnstoff und Kreatinin (zwei harnpflichtige Stoffe) und letztlich zu einer lebensbedrohlichen Urinvergiftung (Urämie).
  • Auch das sensible Gleichgewicht des Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalts können die Nieren nicht mehr stabil halten. Es kommt zu gefährlichen Veränderungen, die ungehandelt zum Tod der Katze führen können.
  • Die Nieren sind auch nicht mehr in der Lage, die Flüssigkeitsausscheidung über den Urin (also letztlich die Urinmenge) an den Flüssigkeitsbedarf des Körpers anzupassen. Bei vielen Katzen kommt dadurch es zu einer gesteigerten Urinproduktion – sie pinkeln also deutlich größere Mengen als sonst (nicht-oligurisches Nierenversagen). Auf der anderen Seite kann die Schädigung aber auch dazu führen, dass die Nieren gar keinen oder nur noch sehr eingeschränkt Urin produzieren können, d.h. die Katzen pinkeln nur sehr wenig oder gar nicht mehr (anurisches oder oligurisches Nierenversagen). Dieser Zustand ist für den Körper der Katzen sogar noch gefährlicher – denn die Giftstoffe sammeln sich dann sehr schnell massiv an. Teilweise geht ein nicht-oligurisches in ein oligurisches oder anurisches Nierenversagen über.

Unterscheidung des akuten Nierenversagens von der chronischen Niereninsuffizienz

Im Gegensatz zur chronischen Niereninsuffizienz (bei der sich die Nierenschädigung i.d.R. über mehrere Monate bis Jahre entwickelt) tritt das akute Nierenversagen plötzlich auf. Die betroffenen Katzen sind schwer krank und zeigen heftige Symptome.

Anders als bei der chronischen Niereninsuffizienz kann der Nierenschaden außerdem reversibel sein, d.h. er kann möglicherweise vom Körper repariert und behoben werden. In diesem Fall bleiben keine langfristigen Schäden zurück.

Ein akutes Nierenversagen kann allerdings in eine chronische Niereninsuffizienz übergehen. Dazu kommt es, wenn die betroffene Katze zwar die schwere, kritische Erkrankungsphase übersteht, die Nierenschäden jedoch nicht wieder vollständig behoben werden können.

Auf der anderen Seite haben Katzen mit chronischer Niereninsuffizienz aber auch ein erhöhtes Risiko, ein akutes Nierenversagen zu entwickeln. In diesem Fall sind die Nieren nämlich schon von vorherein besonders anfällig für Schädigungen.

Insgesamt kommt die chronische Niereninsuffizienz bei Katzen deutlich häufiger vor als ein akutes Nierenversagen.

Symptome bei Katzen mit akutem Nierenversagen

Leider sind die Symptome bei einem akuten Nierenversagen oft sehr unspezifisch, d.h. es gibt keine eindeutigen Anzeichen, von denen man direkt auf das Nierenversagen schließen könnte. Dadurch ist es nicht ganz einfach, es zu erkennen.

Die betroffenen Katzen wirken meistens „krank“, sind teilnahmslos, wollen nicht fressen und ziehen sich zurück. Häufig erbrechen sie auch. Die Symptome entstehen i.d.R. relativ schnell (innerhalb von Stunden bis Tagen).

  • Sehr häufige Symptome:

    • Teilnahmslosigkeit (Apathie/Lethargie)
    • Appetitlosigkeit/keine Futteraufnahme mehr
  • Häufige Symptome:

    • Übelkeit und Erbrechen
    • Austrocknung (Dehydratation)
    • Vermehrtes Absetzen großer Mengen Urin und/oder vermehrte Wasseraufnahme (Polyurie und Polydipsie)
    • Fehlender oder verringerter Urinabsatz (Anurie oder Oligurie)
  • Gelegentlich auftretende Symptome:

    • Durchfall
    • Harnähnlicher Mundgeruch (urämischer Foetor ex ore)
    • Blutige Geschwüre (Ulzera) der Maulschleimhaut
    • Schmerzen beim Berühren des Bauches (im Bereich der Nieren)

Je nach Ursache des Nierenversagens können die betroffenen Katzen auch noch weitere Symptome zeigen (z.B. Krampfanfälle, vermehrtes Speicheln, Taumeln).

Vor allem wenn sich das „Pinkelverhalten“ einer Katze ganz plötzlich ändert (z.B. fehlender Urinabsatz oder plötzlich sehr viel mehr Urin als sonst) und evtl. auch noch andere, allgemeinere Symptome vorliegen (z.B. Teilnahmslosigkeit, Schmerzen, Unruhe, Erbrechen, Appetitlosigkeit etc.) ist das ein deutliches Warnzeichen dafür, dass etwas nicht stimmt! In diesem Fall sollten Sie Ihre Katze sobald wie möglich zum Tierarzt bringen!

Ursachen und Risikofaktoren des akuten Nierenversagens

Ein akutes Nierenversagen kann als Folge einer ganzen Reihe von Zuständen, Erkrankungen und Ereignissen auftreten. Bei etwa einem Drittel der betroffenen Katzen kann der Auslöser allerdings nicht mehr festgestellt werden.

Gifstoffe

Am häufigsten wird ein akutes Nierenversagen bei Katzen durch Giftstoffe (sog. nephrotoxische, also nierenschädigende, Stoffe) verursacht. Hierzu werden auch einige Medikamente gezählt, bei denen es als (i.d.R. seltene) Nebenwirkung, aber  auch bei einer Überdosierung, zu einem Nierenversagen kommen kann.

Zu diesen Giftstoffen gehören unter anderem:

  • Liliengewächse (z.B. weiße Lilie, Feuerlilie, Stargazer-Lilie, u.a. Arten der Gattung Lilium, außerdem Arten der Gattung Hemerocallis (Taglilien))
  • Die meisten Schmerzmittel (vor allem bei Kombination mehrerer Schmerzmittel, bei älteren Katzen oder wenn eine Vorerkrankung besteht, z.B. chronische Niereninsuffizienz)
  • Verschiedene Antibiotika (v.a. sog. Aminoglykosid-Antibiotika wie Gentamicin)
  • Bestimmte Mittel gegen Pilzinfektionen (Amphotericin B)
  • Verschiedene Medikamente zur Chemotherapie (z.B. Doxorubicin, Cis- und Carboplatin, Azathioprin, Methotrexat)
  • ACE-Hemmer (Medikamente, die u.a. bei Bluthochdruck, Herzinsuffizienz und krankhafter Proteinausscheidung über die Nieren – z.B. bei chronischer Niereninsuffizienz – eingesetzt werden)
  • Überdosierung mit Vitamin D
  • Verschiedene Schwermetalle (wie Blei und Quecksilber) und Lösungsmittel
  • Schädlingsbekämpfungsmittel (Pestizide) und Unkrautvernichtungsmittel (Herbizide)
  • Kontaminiertes Futter, z.B. mit Melamin und Cyanursäure

Weitere Ursachen für Nierenversagen

Die folgenden Erkrankungen können ebenfalls zu einem akuten Nierenversagen führen:

  • Nierentumore (z.B. Lymphom)
  • Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)
  • Blutvergiftung (Sepsis)
  • Immunsystem-vermittelte Krankheiten (z.B. systemischer Lupus erhythematodes, akute Glomerulonephritis, Vaskulitis)
  • Einige andere Krankheiten (z.B. Feline infektiöse Peritonitis/FIP, Bauchspeicheldrüsenentzündung/Pankreatitis, bakterielle Endokarditis/Herzinnenhautentzündung)

Außerdem kommen als Ursache für ein akutes Nierenversagen alle Zustände und Ereignisse in Frage, bei denen:

  • der Blutdruck stark erniedrigt ist (z.B. bei tiefen u./o. lang andauernden Narkosen, im Schock)
  • die Nierendurchblutung gestört oder unterbrochen ist (z.B. durch Blutgerinnsel, bei Herzversagen, Herzrhythmusstörungen, Herzbeuteltamponade)
  • das Blutvolumen (also die Menge des Blutes im Körper) stark erniedrigt ist (z.B. bei starker Austrocknung, bei starken Blutungen, bei einem Hitzschlag)

Risikofaktoren

Es gibt leider einige Erkrankungen und Zustände (Risikofaktoren), die es wahrscheinlicher machen, dass eine Katze ein akutes Nierenversagen entwickeln wird. Dabei gilt: Je mehr dieser Faktoren gleichzeitig zutreffen, desto höher ist das Risiko eines Nierenversagens.

Zu diesen Risikofaktoren gehören unter anderem:

  • Bereits vorhandene Nierenprobleme (z.B. chronische Niereninsuffizienz)
  • Fortgeschrittenes Alter
  • Austrocknung (Dehydratation), z.B. durch ungenügende Wasseraufnahme, Durchfall oder Erbrechen
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Gestörter Elektrolythaushalt
  • Gleichzeitige Verwendung verschiedener Medikamente, die die Nieren schädigen können
  • Gleichzeitige Verwendung von harntreibenden Medikamenten (Diuretika, wie z.B. Furosemid) und potentiell nierenschädigenden Medikamenten
  • Herzerkrankungen, bei denen eine verminderte Pumpleistung des Herzens vorliegt
  • Lebererkrankungen
  • Blutvergiftung (Sepsis)
  • Fieber

Untersuchungen und Diagnose

Bei den Untersuchungen geht es einerseits darum, die Diagnose „akutes Nierenversagen“ stellen zu können. Andererseits wird der Tierarzt aber auch versuchen herauszufinden, was das Nierenversagen ausgelöst hat – denn nur dann ist eine gezielte Behandlung möglich.

Das ist wichtig, denn eine auf die Grundursache abgestimmte, frühzeitige Behandlung steigert nicht nur die Wahrscheinlichkeit, dass die erkrankte Katze überlebt – sie reduziert auch das Risiko, dass Nierenschäden zurückbleiben.

Der Tierarzt wird deswegen erst mal versuchen, möglichst viel über die Krankengeschichte (Anamnese) der betroffenen Katze zu erfahren. So wird er beispielsweise fragen, welche Symptome Sie beobachtet haben, wie lange diese schon bestehen, ob Ihre Katze in letzter Zeit Medikamente erhalten hat und ob Sie z.B. die Aufnahme von Pflanzen beobachtet haben. Er wird außerdem eine gründliche klinische Allgemeinuntersuchung durchführen. Im Anschluss folgen verschiedene weitere Untersuchungen:

Blutuntersuchung

Typischerweise kommt es bei einem akuten Nierenversagen zu einem Anstieg der Nierenwerte Harnstoff und Kreatinin (zwei harnpflichtige Stoffe, die eigentlich aus dem Blut gefiltert und ausgeschieden werden sollten). Die Nierenwerte kann man im Blut leicht messen. Aber auch Veränderungen des Säure-Basen-Haushalts und verschiedener Blutsalze (Elektrolyte) sind beim Nierenversagen häufig und können mittels einer Blutuntersuchung festgestellt werden.

Urinuntersuchung

Bei vielen Katzen mit akuten Nierenversagen sind die Nieren nicht mehr in der Lage den Urin ausreichend zu konzentrieren, d.h. es wird ein sehr „wässriger“ Urin produziert. Der Tierarzt kann dies festellen, indem er das sogenannte „Urin-spezifische Gewicht“ (USG) misst. Eine Urinuntersuchung kann außerdem Hinweise auf die zugrundeliegende Ursache geben (z.B. Bakterien und Entzündungszellen bei Nierenbeckenentzündung, spezielle Kristalle bei Frostschutzmittelvergiftung).

Weitere Untersuchungen

Meistens sind noch weitere Untersuchungen nötig, um die Diagnose zu bestätigen, den Auslöser des Nierenversagens zu identifizieren und die Behandlung zu planen. Häufig werden hierzu Ultraschalluntersuchungen und/oder Röntgenaufnahmen des Bauchraums durchgeführt (zur Feststellung von z.B. Harnsteinen, Harnröhrenverschlüssen, Tumoren etc.; oft sind die Nieren bei einem Nierenversagen auch vergrößert) .

Es kommen aber auch weitere Untersuchungen, wie beispielsweise eine Entnahme von Gewebeproben aus den Nieren (z.B. zur Diagnose eines Tumors), eine Untersuchung des Urins auf Bakterien, Messungen des Blutdrucks und/oder eine Messung der produzierten Urinmenge in Frage.

Behandlung des akuten Nierenversagens bei der Katze

Das akute Nierenversagen ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der eine intensive Therapie und Überwachung erfordert! Betroffene Katzen sollten deswegen – wann immer möglich – stationär in einer Klinik behandelt werden. Je nach Schwere und Ursache des Nierenversagens sind mindestens 5-6 Tage intensive Behandlung in der Klinik nötig (meistens jedoch mehr).

Es gilt außerdem: Je früher die Behandlung erfolgt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die erkrankte Katze überlebt und keine bleibenden Nierenschäden zurückbleiben.

Dabei ruht die Behandlung des Nierenversagens auf mehreren Säulen:

Spezifische Behandlung der Grundursache

Wenn der Auslöser des Nierenversagens gefunden und zielgerichtet behandelt wird, steigen die Überlebens- und Heilungschancen deutlich! Dabei richtet sich die spezifische Behandlung immer nach der Grundursache:

Bei einer Vergiftung wird z.B. versucht, das Gift aus dem Magen-Darm-Trakt zu entfernen und, wenn vorhanden, ein Gegengift verabreicht. Medikamente, die potentiell nierenschädigend sind, werden abgesetzt. Stehen Harnsteine im Verdacht, das Nierenversagen ausgelöst zu haben, werden sie entfernt. Katzen, die unter einer bakteriellen Nierenbeckenentzündung leiden, erhalten Antibiotika.

Infusionstherapie

Eine Infusionstherapie (also die Gabe von Flüssigkeit über die Vene) ist ein extrem wichtiger Bestandteil der Behandlung beim akutem Nierenversagen. Denn bei einem ausgeglichenen Wasserhaushalt werden die Nieren besser durchblutet und die schädlichen harnpflichtigen Stoffe im Blut können besser ausgeschieden werden. Auch die gefährlichen Verschiebungen im Säure-Basen- und Elektrolythaushalt können über die Infusion behandelt werden.

Während der Infusionstherapie ist es extrem wichtig, dass die Menge an ausgeschiedenem Urin immer gut überwacht wird und die Behandlung sehr vorsichtig erfolgt. Wenn erkrankte Katzen nämlich keinen Urin (mehr) produzieren können, kann es durch eine Infusion zu einer tödlichen Überlastung des Körpers mit Flüssigkeit kommen. Möglicherweise werden solchen Katzen dann harntreibende Medikamente verabreicht, um die Urinproduktion anzuregen.

Behandlung der Symptome und Komplikationen

Natürlich werden auch alle Symptome und Komplikationen, die Katzen mit Nierenversagen zeigen, so gut wie möglich behandelt (z.B. mit Medikamenten gegen Übelkeit und mit Schmerzmitteln).

Dialyse

In manchen Fällen ist eine Behandlung, wie sie oben beschrieben ist, einfach nicht ausreichend. Um dann Zeit zu gewinnen und den Zustand einer Katze zu stabilisieren – bis die Behandlung hoffentlich doch noch anschlägt und die Nieren sich wieder erholen – kann eine Dialyse sehr hilfreich sein. Sie kann außerdem bei Vergiftungen eingesetzt werden, um die Giftstoffe im Blut zumindest teilweise zu entfernen.

Bei der Dialyse handelt es sich um ein Verfahren zur Blutreinigung. Mithilfe einer Membran, die nur für bestimmte Stoffe durchlässig ist, werden schädliche Substanzen und überschüssige Flüssigkeit aus dem Körper gefiltert. Die Dialyse übernimmt also einige der Aufgaben, die sonst von den Nieren ausgeführt werden.

Es gibt im Wesentlichen zwei Dialyse-Verfahren:

1) Die Hämodialyse: Dieses Verfahren haben wohl die meisten Menschen im Kopf, wenn sie „Dialyse“ hören. Hierfür sind allerdings spezielle Dialysegeräte nötig. Sie ist deswegen nur in einigen wenigen Tierkliniken in Deutschland verfügbar und recht teuer. Sie gilt aber als hervorragende Behandlungsmöglichkeit bei akutem Nierenversagen. Eine Hämodialyse wird täglich bis mehrmals die Woche für jeweils 4-8 Stunden durchgeführt.

2) Die Peritonealdialyse: Hierbei wird der eigene Bauchraum der Katze zur Blutreinigung verwendet. Eine Peritonealdialyse kann in den meisten Kliniken durchgeführt werden. Sie ist allerdings nicht ganz so erfolgreich wie eine Hämodialyse – und auch mit mehr möglichen Komplikationen verbunden.

Die Durchführung einer Dialyse kommt in Frage, wenn:

  • das akute Nierenversagen nicht auf die Behandlung anspricht
  • die Katze keinen oder nur sehr wenig Urin produziert (oligurisches oder anurisches Nierenversagen)
  • akut lebensbedrohliche Veränderungen des Elektrolyt- und/oder Säure-Basen-Haushalts vorliegen
  • eine Vergiftung vorliegt, bei der die Giftstoffe mittels Dialyse entfernt werden können (z.B. Frostschutzmittel-Vergiftung)

Prognose beim akuten Nierenversagen

Insgesamt ist die Prognose für Katzen mit akutem Nierenversagen leider vorsichtig bis schlecht.

Etwa die Hälfte der betroffenen Katzen stirbt oder wird eingeschläfert. Je nach Ursache des Nierenversagens, Ausmaß der Schäden, Begleiterkrankungen und Behandlungsmöglichkeiten kann die Prognose jedoch auch besser oder schlechter sein. So ist die Überlebensrate bei einem Nierenversagen durch einen Harnwegsverschluss (z.B. durch Harnsteine) am besten (ca. 90%), bei einer Vergiftung beträgt sie dagegen durchschnittlich nur 43-69%.

Ein schlechtes Zeichen ist außerdem, wenn erkrankte Katzen keinen oder nur sehr wenig Urin produzieren (anurisches oder oligurisches Nierenversagen). Bei diesen Katzen liegt die Sterblichkeit leider noch höher.

Generell gilt bei der Prognose des Nierenversagens: je früher eine Behandlung erfolgt und je besser die Grundursache behandelt werden kann, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die erkrankte Katze überlebt und keine Schäden zurückbleiben.

Langzeitprognose

Falls die Katzen die akute und schwere Erkrankungsphase des Nierenversagens überstehen, ist die Langzeitprognose meistens relativ günstig bis gut. Es muss allerdings abgewartet werden, ob sich die Nieren wieder vollständig erholen. Die Regeneration der Nieren kann mehrere Wochen oder sogar Monate dauern. Erst dann kann sicher beurteilt werden, ob bleibende Nierenschäden zurückbleiben. Etwa die Hälfte der überlebenden Katzen entwickelt eine chronische Niereninsuffizienz.

Vorbeugung

Um Katzen vor einem akuten Nierenversagen zu schützen, kann man nur versuchen, mögliche Auslöser zu meiden und Risikofaktoren zu minimieren:

  • Giftige Substanzen wie Lilien, Frostschutzmittel, Schädlingsbekämpfungs- und Unkrautvernichtungsmittel, Schwermetalle, Lösungsmittel und Medikamente außer Reichweite von Katzen halten
  • Medikamente nur in Rücksprache mit dem Tierarzt verabreichen, v.a. bei Kombination verschiedener Medikamente und bei Katzen, die bereits ein erhöhtes Risiko für ein Nierenversagen haben (z.B. aufgrund einer chronischen Niereninsuffizienz)
  • niemals humanmedizinische Präparate wie z.B. Schmerzmittel verabreichen (außer wenn vom Tierarzt verordnet)

Und natürlich sollte man die Katze aufmerksam beobachten. Wenn sich die Katze zurückzieht, apathisch ist, nicht mehr frisst, vermehrt trinkt und Urin absetzt bzw. keinen Urin absetzt und eventuell sogar erbricht, sollte unbedingt ein Tierarzt aufgesucht werden.

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Quellen

Veröffentlicht am 26. November 2017

Vollständig überprüft/überarbeitet am 24. Juli 2019

Von Dr. Iris Wagner-Storz