Folgt uns auf:

fellomed auf YouTube

fellomed auf Instagram

fellomed auf Facebook

 

 

Akutes Nierenversagen bei der Katze

Akute Niereninsuffizienz (ANI)

///Akutes Nierenversagen bei der Katze

Das akute Nierenversagen ist ein lebensbedrohlicher Zustand, bei dem es plötzlich zu einem teilweisen oder vollständigen Verlust der Nierenfunktion kommt. Bei Verdacht auf Nierenversagen sollte so schnell wie möglich ein Tierarzt aufgesucht werden!

Akutes Nierenversagen (Katze): Zusammenfassung

  • Häufigkeit der Erkrankung: Gelegentlich

  • Schwere der Erkrankung: Sehr schwer

  • Vorkommen: Bei Katzen aller Rassen und Altersstufen möglich

  • Ansteckungsgefahr: Nicht ansteckend für Tiere oder Menschen

  • Typische Symptome: Teilnahmslosigkeit, Appetitlosigkeit, Erbrechen, häufiges Absetzen großer Urinmengen und gesteigerter Durst ODER verringerter bis fehlender Urinabsatz

  • Verlauf: Akut (plötzlich)

  • Diagnose: Blut- und Urinuntersuchung

  • Behandlungsmöglichkeiten: Behandlung in der Klinik, Infusionen, evtl. Dialyse

  • Prognose: Vorsichtig bis schlecht

  • Zuständige Spezialisten: Spezialisten für Innere Medizin

  • Notfall! Sofort Tierarzt aufsuchen!

Beschreibung

Ein akutes Nierenversagen ist ein lebensbedrohlicher Zustand! Betroffene Katzen müssen unbedingt dringend beim Tierarzt vorgestellt und behandelt werden!

Bei einem akuten Nierenversagen (ANV) kommt es plötzlich zu einer so starken Schädigung der Nieren, dass diese ihre Funktionen nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt ausführen können. Ein akutes Nierenversagen kann als Folge einer ganzen Reihe von Ursachen und Ereignissen auftreten (z.B. bei Vergiftungen, nach Narkosen, bei Infektionskrankheiten). Es entwickelt sich innerhalb von Stunden bis Tagen nach dem auslösenden Ereignis.

Das Nierenversagen kann ein vorübergehender Zustand sein, wenn der Nierenschaden nicht zu groß ist und die erkrankte Katze die schwere, kritische Erkrankungsphase überlebt. Können die Nierenschäden dagegen nicht wieder vollständig behoben werden, kann das akute Nierenversagen in eine chronische Niereninsuffizienz übergehen.

Was passiert bei einem Nierenversagen und was sind die Folgen für den Körper?

Die Nieren führen im Körper einige einzigartige Funktionen aus. Unter anderem dienen sie als „Waschmaschinen“ des Körpers. Sie reinigen das Blut von schädlichen Abfallprodukten und Giftstoffen und scheiden sie mit dem Urin aus. Stoffe, die der Körper noch braucht (wie beispielsweise Zuckermoleküle), werden dagegen zurückgehalten und in den Blutkreislauf zurückgeführt. Je nach Flüssigkeitsbedarf des Körpers wird mit dem Urin außerdem mehr oder weniger Wasser ausgeschieden. Die Nieren sorgen also dafür, dass das Blut gefiltert, gereinigt und entgiftet wird, während sie gleichzeitig den Wasser- und Elektrolythaushalt stabil halten.

Damit sie diese Aufgaben ausführen können, fließt sehr viel Blut durch die Nieren hindurch. Ein Fünftel des Blutes, dass das Herz mit jedem Schlag durch den Körper pumpt, ist für die Nieren bestimmt – jeden Tag fließt das gesamte Blut des Körpers so mehrere hundert Mal durch diese beiden Organe. Diese beeindruckende Durchblutung macht sie jedoch auch besonders anfällig gegenüber gefährlichen Giftstoffen (z.B. bei einer Vergiftung). Denn diese gelangen so in besonders großer Menge in die Nieren.

Zur Erfüllung ihrer Aufgaben benötigen die Nierenzellen andererseits aber auch sehr viel Sauerstoff und Nährstoffe. Wenn aus irgendeinem Grund zu wenig Blut in die Nieren gelangt, erhalten die Zellen nicht mehr genug von diesen im Blut gelösten Stoffen. Es kommt zum Sauerstoff- und Nährstoffmangel.

Wenn einer dieser beiden Fälle eintritt – also gefährliche Giftstoffe mit dem Blut in die Nieren gelangen oder die Nierendurchblutung verringert ist – sterben die Nierenzellen ab. Eine solche Zerstörung von Nierengewebe kann auch bei verschiedenen Infektions- und Autoimmunkrankheiten auftreten.

Wenn der Schaden groß ist und viele Nierenzellen absterben, können die Nieren ihre Aufgaben nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt ausführen – es kommt zum akuten Nierenversagen. Die Nieren können das Blut nicht mehr vollständig reinigen. In der Folge sammeln sich die schädlichen Stoffe, die eigentlich aus dem Blut gefiltert und über den Urin ausgeschieden werden sollten („harnpflichtige Stoffe“), im Blut an. Dadurch kommt es zu einem Anstieg der sogenannten Nierenwerte (Harnstoff und Kreatinin, zwei harnpflichtige Stoffe) und zur Urinvergiftung (Urämie).

Bei vielen betroffenen Katzen sind die Nieren auch nicht mehr in der Lage den Urin ausreichend zu konzentrieren (also die Urinmenge an den Flüssigkeitsbedarf des Körpers anzupassen). Dann kommt es zu einer gesteigerten Urinproduktion (nicht-oligurisches Nierenversagen).

Auf der anderen Seite kann die Nierenschädigung jedoch auch dazu führen, dass gar kein oder nur noch sehr eingeschränkt Urin produziert werden kann (anurisches oder oligurisches Nierenversagen). Dieser Zustand ist für den Körper der Katzen besonders gefährlich – denn die Giftstoffe sammeln sich massiv an. Teilweise geht ein nicht-oligurisches in ein oligurisches oder anurisches Nierenversagen über.

Ein Nierenversagen hat aber auch noch weitere Folgen, wie z.B. lebensbedrohliche Störungen des Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalts.

Unterscheidung des akuten Nierenversagens von der chronischen Niereninsuffizienz/dem chronischen Nierenversagen

Im Gegensatz zur chronischen Niereninsuffizienz tritt das akute Nierenversagen plötzlich auf; die betroffenen Katzen sind schwer krank und zeigen heftige Symptome. Anders als bei der chronischen Niereninsuffizienz kann der Nierenschaden außerdem reversibel sein, d.h. er kann möglicherweise vom Körper repariert und behoben werden. In diesem Fall bleiben keine langfristigen Schäden zurück.

Ein akutes Nierenversagen kann allerdings in eine chronische Niereninsuffizienz übergehen. Dazu kommt es, wenn die schwere, kritische Erkrankungsphase überstanden wird, die Nierenschäden jedoch nicht wieder vollständig behoben werden können.

Insgesamt kommt die chronische Niereninsuffizienz bei Katzen deutlich häufiger vor als ein akutes Nierenversagen.

Symptome beim akuten Nierenversagen (Katze)

Katzen mit einem akuten Nierenversagen wirken meistens „krank“, sind teilnahmslos, wollen nicht fressen und ziehen sich zurück. Häufig erbrechen sie auch. Die Symptome entstehen meistens relativ schnell (innerhalb von Stunden bis Tagen). Insgesamt sind die Symptome bei einem akuten Nierenversagen leider oft sehr unspezifisch.

  • Sehr häufige Symptome:

    • Teilnahmslosigkeit (Apathie/Lethargie)
    • Appetitlosigkeit/keine Futteraufnahme mehr
  • Häufige Symptome:

    • Übelkeit und Erbrechen
    • Austrocknung (Dehydratation)
  • Gelegentlich auftretende Symptome:

    • Durchfall
    • Harnähnlicher Mundgeruch (urämischer Foetor ex ore)
    • Blutige Geschwüre (Ulzera) der Maulschleimhaut
    • Vermehrtes Absetzen großer Mengen Urin und/oder vermehrte Wasseraufnahme (Polyurie und Polydipsie)
    • Fehlender oder verringerter Urinabsatz (Anurie oder Oligurie)
    • Schmerzen beim Berühren des Bauches (im Bereich der Nieren)
  • Selten auftretende Symptome:

    • Schwarz verfärbter Kot (durch Blutbeimengungen)

Je nach Ursache des Nierenversagens können die betroffenen Katzen auch noch weitere Symptome (z.B. Krampfanfälle, vermehrtes Speicheln, Taumeln).

Ursachen und Risikofaktoren des akuten Nierenversagens

Ein akutes Nierenversagen kann als Folge einer Vielzahl von Zuständen, Erkrankungen und Ereignissen auftreten. Bei etwa einem Drittel der betroffenen Katzen kann der Auslöser allerdings nicht mehr festgestellt werden.

Am häufigsten wird ein akutes Nierenversagen bei Katzen durch Giftstoffe (sog. nephrotoxische, also nierenschädigende, Stoffe) verursacht. Dazu gehören unter anderem:

  • Liliengewächse (z.B. Osterglocke, Narzisse, Tigerlilie, u.a. Arten der Gattung Lilium, außerdem Arten der Gattung Hemerocallis (Taglilien))
  • Frostschutzmittel (Ethylenglykol)
  • Verschiedene Antibiotika
  • Verschiedene Schmerzmittel (vor allem bei längerer Gabe)
  • Bestimmte Mittel gegen Pilzinfektionen
  • Verschiedene Medikamente zur Chemotherapie
  • Überdosierung mit Vitamin D
  • Verschiedene Schwermetalle (wie Blei und Quecksilber) und Lösungsmittel
  • Schädlingsbekämpfungsmittel (Pestizide) und Unkrautvernichtungsmittel (Herbizide)
  • Kontaminiertes Futter, z.B. mit Melamin und Cyanursäure

Die folgenden Erkrankungen können ebenfalls zu einem akuten Nierenversagen führen:

  • Nierentumoren
  • Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)
  • Blutvergiftung (Sepsis)

Weitere mögliche Ursachen für ein akutes Nierenversagen sind alle Zustände und Ereignisse bei denen:

  • der Blutdruck stark erniedrigt ist (z.B. bei tiefen u./o. lang andauernden Narkosen)
  • die Nierendurchblutung gestört oder unterbrochen ist (z.B. durch Blutgerinnsel)
  • das Blutvolumen (also die Menge des Blutes im Körper) stark erniedrigt ist (z.B. bei starker Austrocknung, bei starken Blutungen, im Schock)
  • die Harnwege über längere Zeit blockiert sind, z.B. durch Harnsteine

Risikofaktoren

Wenn bei Katzen bereits bestimmte Erkrankungen oder Zustände (Risikofaktoren) vorliegen, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie ein akutes Nierenversagen entwickeln werden. Je mehr dieser Faktoren gleichzeitig zutreffen, desto höher ist das Risiko eines Nierenversagens.

Zu diesen Risikofaktoren gehören unter anderem:

  • Bereits vorhandene Nierenprobleme (z.B. chronische Niereninsuffizienz)
  • Fortgeschrittenes Alter
  • Austrocknung (Dehydratation)
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Gestörter Elektrolythaushalt
  • Gleichzeitige Verwendung verschiedener Medikamente, die die Nieren schädigen können
  • Gleichzeitige Verwendung von harntreibenden Medikamenten (Diuretika, wie z.B. Furosemid) und potentiell nierenschädigenden Medikamenten
  • Herzerkrankungen, bei denen eine verminderte Pumpleistung des Herzens vorliegt
  • Lebererkrankungen
  • Blutvergiftung (Sepsis)
  • Fieber

Untersuchungen und Diagnose

Die Untersuchungen des Tierarztes dienen einerseits dazu, die Diagnose „akutes Nierenversagen“ stellen zu können. Andererseits ist es aber auch sehr wichtig, herauszufinden, was das Nierenversagen ausgelöst hat. Nur dann ist eine gezielte Behandlung möglich. Eine auf die Grundursache abgestimmte, frühzeitige Behandlung steigert nicht nur die Wahrscheinlichkeit, dass die erkrankte Katze überlebt, sie reduziert auch das Risiko, dass Nierenschäden zurückbleiben.

Der Tierarzt wird zunächst versuchen möglichst viel über die Krankengeschichte (Anamnese) der betroffenen Katze zu erfahren. So wird er beispielsweise fragen, welche Symptome beobachtet wurden, wie lange diese schon bestehen, ob die Katze in letzter Zeit Medikamente erhalten hat und ob z.B. die Aufnahme von Pflanzen beobachtet wurde. Er wird außerdem eine gründliche klinische Allgemeinuntersuchung durchführen. Im Anschluss folgen verschiedene weitere Untersuchungen:

Blutuntersuchung

Typischerweise kommt es bei einem akuten Nierenversagen zu einem Anstieg der Nierenwerte (Harnstoff und Kreatinin – zwei harnpflichtige Stoffe, die eigentlich aus dem Blut gefiltert und ausgeschieden werden sollten). Auch Veränderungen des Säure-Basen-Haushalts und verschiedener Blutsalze (Elektrolyte) sind häufig.

Urinuntersuchung

Bei vielen Katzen mit akuten Nierenversagen sind die Nieren nicht mehr in der Lage den Urin ausreichend zu konzentrieren. Der Tierarzt kann dies mittels Untersuchung des sogenannten „Urin-spezifischen Gewichts“ feststellen. Eine Urinuntersuchung kann außerdem Hinweise auf die zugrundeliegende Ursache geben.

Weitere Untersuchungen

Um die Diagnose zu bestätigen und den Auslöser des Nierenversagens zu identifizieren, werden häufig noch weitere Untersuchungen durchgeführt. Dazu gehören beispielsweise Ultraschalluntersuchungen, Röntgenaufnahmen, die Entnahme von Gewebeproben aus den Nieren, Untersuchung des Urins auf Bakterien, Messungen des Blutdrucks und Messung der produzierten Urinmenge.

Behandlung des akuten Nierenversagens  bei der Katze

Das akute Nierenversagen ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der eine intensive Therapie und Überwachung erfordert! Betroffene Katzen sollten immer stationär in einer Klinik behandelt werden. Je nach Schwere und Ursache des Nierenversagens sind mindestens 5-6 Tage intensive Behandlung in der Klinik nötig (meistens jedoch mehr).

Je früher die Behandlung erfolgt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die erkrankte Katze überlebt und dass keine bleibenden Nierenschäden zurückbleiben.

Die Behandlung des Nierenversagens beruht auf mehreren Säulen:

Spezifische Behandlung der Grundursache

Wenn der Auslöser des Nierenversagens gefunden und zielgerichtet behandelt wird, steigen die Überlebens- und Heilungschancen deutlich. Die Behandlung richtet sich dabei nach der Grundursache. Bei einer Vergiftung wird z.B. versucht, das Gift aus dem Magen-Darm-Trakt zu entfernen und, wenn vorhanden, ein Gegengift verabreicht. Medikamente, die potentiell nierenschädigend sind, werden abgesetzt. Stehen Harnsteine im Verdacht, das Nierenversagen ausgelöst zu haben, werden sie entfernt.

Ausgleich des Wasser- und Elektrolythaushalts

Eine Infusionstherapie (also die Gabe von Flüssigkeit über die Vene) ist ein extrem wichtiger Bestandteil der Behandlung bei akutem Nierenversagen. Denn bei einem ausgeglichenen Wasserhaushalt werden die Nieren besser durchblutet und die schädlichen harnpflichtigen Stoffe im Blut können besser ausgeschieden werden. Auch Verschiebungen im Säure-Basen- und Elektrolythaushalt werden über die Infusion ausgeglichen.

Während der Behandlung ist es wichtig, dass die Menge an ausgeschiedenem Urin immer gut überwacht wird. Produzieren erkrankte Katzen keinen Urin mehr, muss die Behandlung (und vor allem die Infusionstherapie) sehr vorsichtig erfolgen. Möglicherweise werden dann harntreibende Medikamente verabreicht, um die Urinproduktion anzuregen.

Behandlung der Symptome und Komplikationen

Natürlich werden auch alle Symptome und Komplikationen, die Katzen mit Nierenversagen zeigen, so gut wie möglich behandelt (z.B. mit Medikamenten gegen Übelkeit und mit Schmerzmitteln).

Dialyse

In manchen Fällen ist eine Behandlung, wie sie oben beschrieben ist, nicht ausreichend. Um Zeit zu gewinnen und den Zustand einer Katze zu stabilisieren – bis die Behandlung hoffentlich doch noch anschlägt und die Nieren sich wieder erholen – kann eine Dialyse sehr hilfreich sein. Sie kann außerdem bei Vergiftungen eingesetzt werden, um die Giftstoffe im Blut zumindest teilweise zu entfernen.

Bei der Dialyse handelt es sich um ein Verfahren zur Blutreinigung. Mithilfe einer Membran, die nur für bestimmte Stoffe durchlässig ist, werden schädliche Substanzen und überschüssige Flüssigkeit aus dem Körper gefiltert. Die Dialyse übernimmt also einige der Aufgaben, die sonst von den Nieren ausgeführt werden.

Es gibt im Wesentlichen zwei Dialyse-Verfahren:

1) Die Peritonealdialyse: Hierbei wird der eigene Bauchraum der Katze zur Blutreinigung verwendet. Eine Peritonealdialyse kann in den meisten Kliniken ausgeführt werden. Sie ist allerdings nicht ganz so erfolgreich wie und mit mehr möglichen Komplikationen verbunden als die Hämodialyse.

2) Die Hämodialyse: Hierfür sind spezielle Dialysegeräte nötig. Sie ist deswegen nur in einigen wenigen Kliniken in Deutschland verfügbar und recht teuer. Sie gilt aber als hervorragende Behandlungsmöglichkeit bei akutem Nierenversagen. Eine Hämodialyse wird täglich bis mehrmals die Woche für jeweils 4-8 Stunden durchgeführt.

Die Durchführung einer Dialyse kommt in Frage, wenn:

  • das akute Nierenversagen nicht auf die Behandlung anspricht
  • die Katze keinen oder nur sehr wenig Urin produziert (oligurisches oder anurisches Nierenversagen)
  • akut lebensbedrohliche Veränderungen des Elektrolyt- und/oder Säure-Basen-Haushalts vorliegen
  • eine Vergiftung vorliegt, bei der die Giftstoffe mittels Dialyse entfernt werden können (z.B. Frostschutzmittel)

Prognose beim akuten Nierenversagen

Insgesamt ist die Prognose für Katzen mit akutem Nierenversagen leider vorsichtig bis schlecht.

Etwa die Hälfte der betroffenen Katzen stirbt oder wird eingeschläfert. Je nach Ursache des Nierenversagens, Ausmaß der Schäden, Begleiterkrankungen und Behandlungsmöglichkeiten kann die Prognose jedoch auch besser oder schlechter sein.

Ein schlechtes Zeichen ist leider, wenn erkrankte Katzen keinen oder nur sehr wenig Urin produzieren (anurisches oder oligurisches Nierenversagen). Bei diesen Katzen liegt die Sterblichkeit noch höher.

Generell gilt: je früher eine Behandlung erfolgt und je besser die Grundursache behandelt werden kann, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die erkrankte Katze überlebt und keine Schäden zurückbleiben.

Langzeitprognose

Falls die Katzen die akute und schwere Erkrankungsphase des Nierenversages überstehen, ist die Langzeitprognose meistens relativ günstig bis gut. Es muss allerdings abgewartet werden, ob sich die Nieren wieder vollständig erholen. Die Regeneration der Nieren kann mehrere Wochen oder sogar Monate dauern. Erst dann kann sicher beurteilt werden, ob bleibende Nierenschäden zurückbleiben. Etwa die Hälfte der überlebenden Katzen entwickelt eine chronische Niereninsuffizienz.

Vorbeugung

Um Katzen vor einem akuten Nierenversagen zu schützen, kann man nur versuchen, mögliche Auslöser zu meiden und Risikofaktoren zu minimieren:

  • Giftige Substanzen wie Liliengewächse (z.B. Osterglocken und Taglilien), Frostschutzmittel, Schädlingsbekämpfungs- und Unkrautvernichtungsmittel, Schwermetalle, Lösungsmittel und Medikamente außer Reichweite von Katzen halten
  • Medikamente nur in Rücksprache mit dem Tierarzt verabreichen, v.a. bei Kombination verschiedener Medikamente
  • niemals humanmedizinische Präparate wie z.B. Schmerzmittel verabreichen (außer wenn vom Tierarzt verordnet)
  • Grunderkrankungen (wie chronische Niereninsuffizienz und Diabetes mellitus) behandeln und regelmäßig vom Tierarzt kontrollieren lassen

Und natürlich sollte man die Katze aufmerksam beobachten. Wenn sich die Katze zurückzieht, apathisch ist, nicht mehr frisst, vermehrt trinkt und Urin absetzt bzw. keinen Urin absetzt und eventuell sogar erbricht, sollte unbedingt ein Tierarzt aufgesucht werden.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie diesen Artikel kurz bewerten würden:

[Gesamt:28    Durchschnitt: 4.1/5]
Quellen

26. November 2017

Von Dr. Iris Wagner-Storz

2018-10-27T20:10:19+00:00

Über den Autor:

Als ursprüngliche Schwäbin bin ich 2007 nach München gezogen um Tiermedizin an der LMU zu studieren. Anschließend hab ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München geschrieben – über eine neue Art der Immuntherapie bei Hunden mit Umweltallergie. Meine Lieblingsbereiche sind die Dermatologie, die Innere Medizin und Infektionskrankheiten. Ich bin stolze Dosenöffnerin für meine beiden Miezen Nini und Clyde, liebe alle Tiere (Katzen aber natürlich besonders) und habe eine Schwäche für Kuchen.