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Katze trinkt viel und uriniert viel

Polyurie/Polydipsie (PU/PD) bei der Katze

///Katze trinkt viel und uriniert viel

Ihre Katze trinkt viel Wasser und pinkelt viel? Gut, dass Ihnen das aufgefallen ist! Denn diese beiden Symptome sind Alarmsignale für einige der häufigsten Krankheiten bei der Katze (z.B. für die chronische Niereninsuffizienz oder Diabetes). Wann immer Sie also den Eindruck haben, dass Ihre Katze mehr trinkt oder uriniert als früher, sollten Sie der Ursache auf den Grund gehen!

Beschreibung

Wenn das Wasserschälchen schneller leer wird als früher oder plötzlich mehr oder größere Klumpen im Katzenklo liegen, ist es meistens Zeit für einen Tierarztbesuch. Denn dahinter stecken oft zwei Symptome, die Tierärzte als Polyurie und Polydipsie (abgekürzt: PU/PD) bezeichnen.

Dabei steht Polydipsie (griechisch für „viel Durst“) für einen krankhaft gesteigerten Durst und eine vermehrte Flüssigkeitsaufnahme. Eine von Polyurie betroffene Katze trinkt also viel Wasser.

Polyurie (griechisch für „viel Harn“) bezeichnet dagegen eine krankhaft gesteigerte Urinproduktion und eine übermäßige Harnausscheidung. Betroffene Katzen pinkeln also öfter und mehr (zu erkennen an vielen großen Klumpen im Katzenklo). Insgesamt ist die tägliche Urinmenge dadurch größer als normal.

Weil Katzen, die viel trinken, auch mehr pinkeln müssen – und andersrum Miezen, die viel Urin absetzen, auch mehr Durst haben – kommen die beiden Symptome fast immer zusammen vor.

Deswegen ist es auf den ersten Blick praktisch unmöglich festzustellen, ob das eigentliche Problem einer Katze das „Viel Trinken“ (Polydipsie) oder das „Viel Pinkeln“ (Polyurie) ist. Tierärzte sprechen deswegen vom „Symptomkomplex Polyurie/Polydipsie“.

Weil die betroffenen Miezen so oft pinkeln müssen, kann es auch mal sein, dass die Katze neben das Katzenklo (z.B. auf Teppiche oder ins Bett) macht. Diese Unsauberkeit ist jedoch kein Verhaltensproblem, sondern Folge der Symptome Polyurie/Polydipsie.

Achtung, Verwechslungsgefahr!

Die Polyurie/Polydipsie kann leicht mit anderen Symptomen verwechselt werden. So kommt es beispielsweise bei der Pollakisurie ebenfalls zum häufigen Pinkeln – allerdings werden dabei nur jeweils kleine Mengen Urin abgesetzt. Die Gesamtmenge des über den Tag ausgeschiedenen Urins ist nicht erhöht. Außerdem zeigen die betroffenen Katzen oft Schmerzen beim Wasserlassen.

Die PU/PD kann z.B. aber auch mit einer Harninkontinenz verwechselt werden. Bei der verliert die Katze unabsichtlich Urin – was den Eindruck einer gesteigerten Urinmenge bzw. eines häufigen Urinierens machen kann.  Die Gesamt-Urinmenge ist bei einer Inkontinenz aber nicht gesteigert. Außerdem trinkt die Katze nicht mehr Wasser als früher.

Weil es manchmal schwierig sein kann, zu erkennen welches Symptom hinter dem „Viel Pinkeln“ der Katze steckt, haben wir für Sie einen einen interaktiven Test erstellt, der Ihnen hilft, das „richtige“ Symptom zu identifizieren:

Zum Test

(Der Test öffnet sich in einem neuem Tab, sie bleiben also trotzdem auf dieser Seite.)

Wieviel Wasser und Urin ist für Katzen normal?

Es ist nicht ganz einfach festzulegen, was normal und was krankhaft gesteigert ist. Es gibt zwar allgemein akzeptierte Höchstwerte, aber leider halten sich nicht alle Tiere ans Lehrbuch. Das heißt, die individuellen Höchstwerte der jeweiligen Tiere können niedriger liegen.

So kann es sein, dass eine Katze zwar weniger als die Höchstmenge trinkt, die Wasseraufnahme aber trotzdem schon krankhaft gesteigert ist. Es gilt also: wenn Ihre Katze deutlich mehr trinkt oder pinkelt als früher, könnte das bereits ein Hinweis auf eine Erkrankung sein.

Wenn die Trinkmenge Ihrer Katze dagegen über dem angegebenen Höchstwert liegt, ist dies ein deutliches Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt und eine Polyurie/Polydipsie vorliegt.

Aber auch hier gilt – keine Regel ohne Ausnahme! In Situationen, in denen der Körper einen erhöhten Flüssigkeitsbedarf hat (z.B. bei großer Hitze, bei Fieber, in Stresssituationen) kann die „gesunde“ Trinkmenge höher liegen. Dasselbe gilt für Zustände, bei denen viel Flüssigkeit verloren geht, wie z.B. bei Erbrechen oder Durchfall. Auch bei einem Wechsel von Feuchtfutter auf Trockenfutter kann es zu einem Anstieg der Trinkmenge kommen, ohne dass eine Erkrankung zugrunde liegen muss

Generell gilt, dass die normale, „gesunde“ Urinabsatzmenge einer Katze bei maximal 50 ml pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag liegt (bei einer 4 kg-schweren Katze also max. 200 ml pro Tag).

Weil es aber nicht ganz einfach ist, die Urinmenge einer Katze zu bestimmen, ist es meistens zweckmäßiger die Wasseraufnahme zu beurteilen. Die normale Trinkmenge einer Katze, die Dosenfutter frisst, beträgt i.d.R. weniger als 20 ml pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Die allgemein akzeptierte Obergrenze einer „gesunden“ Wasseraufnahme liegt bei maximal 80-100 ml pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag (bei einer 4 kg-schweren Katze also max. 400 ml pro Tag).

Wie kommt es zum gesteigertem Durst und zur gesteigerter Urinproduktion?

Flüssigkeitsregulation bei gesunden Katzen

Der Flüssigkeitsgehalt des Blutes wird vom Körper sehr genau kontrolliert und reguliert – denn ein Flüssigkeitsmangel kann schwere Folgen haben und sogar zum Tod führen. Zu diesem Zweck befinden sich im Körper der Katze mehrere „Messstationen“. Dort werden der Flüssigkeitsgehalt des Blutes und die Konzentrationen bestimmter Salze (Elektrolyte) im Blut ständig überprüft.

Wenn der Flüssigkeitsgehalt zu niedrig bzw. die Elektrolytkonzentration zu hoch ist, werden sofort bestimmte Reaktionen ausgelöst, um den korrekten „Flüssigkeitspegel“ des Blutes wiederherzustellen.

So wird einerseits im Gehirn der Katze, im sog. Durstzentrum, ein Durstgefühl ausgelöst. Das veranlasst die Katze, mehr zu trinken. Dadurch gelangt mehr Flüssigkeit über den Magen in den Darm. Dort wird die Flüssigkeit über die Darmschleimhaut aufgenommen und gelangt so in den Blutkreislauf, wo es den Flüssigkeitsgehalt des Blutes erhöht.

Andererseits veranlassen die Messfühler aber auch die Ausschüttung eines Botenstoffs, des antidiuretischen Hormons (ADH). Dieser Botenstoff teilt den Nieren mit, dass weniger Wasser mit dem Urin ausgeschieden werden soll. Es entsteht so weniger Urin, der dafür aber stärker konzentriert ist (zu erkennen an der dunkelgelben Farbe). Dadurch geht weniger Flüssigkeit verloren und der Flüssigkeitspegel des Blutes steigt an.

Gestörte Flüssigkeitsregulation

Wenn eine Katze ohne erkennbaren Grund sehr viel trinkt und pinkelt, ist diese fein abgestimmte Flüssigkeitsregulation bei ihr gestört.

Wie bereits erwähnt, muss eine Katze, die sehr viel uriniert, auch mehr trinken (sonst würde sie austrocknen). Und andererseits muss eine Katze, die sehr viel trinkt, auch öfter Pinkeln. Das heißt, hinter dem Symptomkomplex „Viel Trinken und viel Pinkeln“ können zwei verschiedene Hauptprobleme stecken.

Primäre Polydipsie

Bei einer primären Polydipsie (bei der vermehrter Durst der Hauptgrund für den Symptomkomplex ist) liegt i.d.R. eine Schädigung oder krankhafte Stimulation des Durstzentrums im Gehirn vor.

Primäre Polyurie

Bei den allermeisten betroffenen Katzen steckt hinter dem Symptomkomplex „Viel Trinken und viel Pinkeln“ jedoch eine primäre Polyurie (also ein gesteigerter Urinabsatz). Dabei kann die Störung an verschiedenen Stellen der Flüssigkeitsregulation liegen:

  • Die Nieren können geschädigt sein, so dass sie ihre Funktionen nicht mehr ausreichend wahrnehmen können. Dadurch gehen Wasser und Elektrolyte ungehindert verloren (wie bei einem undichten Sieb).
  • Die Rückgewinnung bestimmter löslicher Stoffe aus dem Urin (die dem Körper eigentlich erhalten bleiben sollen) kann gestört sein. So findet sich bei der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) beispielsweise eine stark erhöhte Zuckerkonzentration im Blut. Diese ist so hoch, dass die Nieren mit der Rückgewinnung nicht hinterherkommen. Die Zuckermoleküle gelangen so in großer Menge in den Urin – und ziehen dabei sehr viel Flüssigkeit mit sich, die ebenfalls ausgeschieden wird. Ähnliches passiert auch bei anderen Stoffen (z.B. Natrium oder Harnstoff).
  • Die Störung kann aber auch beim antidiuretischen Hormon liegen – ist von diesem zu wenig vorhanden oder wird dessen Wirkung an den Nieren gestört, kommt es ebenfalls zur Ausscheidung großer Mengen an Flüssigkeit.

Ursachen für Polyurie/Polydipsie bei der Katze

Die häufigsten Ursachen für das Bild „Katze trinkt viel und uriniert viel“ (Polyurie und Polydipsie) sind

  • die chronische Niereninsuffizienz,
  • die Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) und
  • der Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)

Die chronische Niereninsuffizienz ist eine sehr häufige Erkrankung, bei der die Nierenfunktion – aus verschiedenen Gründen – über längere Zeit (Wochen, Monate oder Jahre) immer weiter verlorengeht. Erst wenn mehr als zwei Drittel der Niere zerstört sind, kommt es zu den klassischen Symptomen der Erkrankung: die Katze trinkt viel und setzt häufig große Mengen Urin ab, zeigt Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und insgesamt einen schlechten Allgemeinzustand. Häufig erbrechen die erkrankten Katzen auch.

  • Hyperthyreose

Bei der Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) kommt es zu einer krankhaft erhöhten Produktion von Schilddrüsenhormonen. Die betroffenen Katzen können zusätzlich zum Trinken von viel Wasser und zum viel Urinieren u.a. folgende Symptome zeigen: einen vermehrten, fast unstillbaren Hunger (Polyphagie) bei gleichzeitigem Gewichtsverlust (der bis zur Abmagerung führen kann), Erbrechen, ungepflegtes Fell und haarlose Hautbereiche (häufig „fleckig“), Nervosität bis Hyperaktivität und manchmal ein tastbarer Knoten vorne am Hals (die krankhaft vergrößerte Schilddrüse).

  • Diabetes mellitus

Der Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) ist, neben der Schilddrüsenüberfunktion, eine der am häufigsten vorkommenden Hormonerkrankungen der Katze. Aufgrund eines Mangels an Insulin kommt es zu einem krankhaften Anstieg des Blutzuckerspiegels. Neben der Polyurie und Polydipsie zeigt sich meistens ein vermehrter, fast unstillbarer Hunger (Polyphagie) bei gleichzeitig leichtem Gewichtsverlust. Häufig ändert sich das Verhalten der erkrankten Katzen auch; sie wirken apathisch und putzen sich nicht mehr so viel. Dadurch entwickelt sich häufig ein stumpfes, struppiges Fell. Bei manchen Katzen kommt es auch zu einem reduzierten Sprungvermögen und zu einer Schwäche der Hinterbeine. Dies kann soweit führen, dass die Fersen (Sprunggelenke) der Katzen beim Stehen und Laufen den Boden berühren.

Weitere Ursachen für eine Polyurie/Polydipsie (PU/PD) sind:

  • Medikamente
    • Glukokortikoide (z.B. Kortison)
    • Diuretika (Medikamente zur Entwässerung)
    • Antikonvulsiva (Medikamente zur Behandlung von Epilepsien und Krampfanfällen)
    • Mannitol oder Glukoselösung
  • Vergiftungen, z.B. mit Frostschutzmittel (Ethylenglykol) oder bestimmten Pflanzen wie Osterglocken
  • Cushing-Syndrom (Hyperadrenokortizismus, „Morbus Cushing“; dabei kommt es zu einer Überproduktion von körpereigenem Kortison)
  • Hypokaliämie (zu wenig Kalium im Blut)
  • Hypercalcämie (zu viel Kalzium im Blut), z.B. als Folge einer Überfunktion der Nebenschilddrüse (Hyperparathyreoidismus) oder bei Tumoren (z.B. bei Lymphomen und Analbeutelkarzinomen)
  • Große Mengen bakterieller Toxine (von Escherichia coli = E. coli) im Körper, z.B. bei
    • Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)
    • Gebärmuttervereiterung (Pyometra)
    • Blutvergiftung (Sepsis)
  • Akutes Nierenversagen (z.B. als Folge von Vergiftungen, bei Infektionskrankheiten, nach einer Unterversorgung der Nieren mit Sauerstoff – z.B. nach Narkosen)
  • Glomerulonephritis (bestimmte Art der Nierenentzündung, bei der die sog. Nierenkörperchen betroffen sind)
  • Natriumarme oder eiweißarme Fütterung
  • Lebererkrankungen
    • Leberinsuffizienz
    • Leberentzündung (Hepatitis)
    • Portosystemischer Shunt (eine Gefäßmissbildung, bei der das Blut nicht mehr durch die Leber fließt und deswegen nicht entgiftet wird)
    • Akutes Leberversagen
  • Erkrankungen des Gehirns
    • Trauma (Verletzung)
    • Entzündung des Gehirns (Enzephalitis)
  • Addison-Syndrom (Nebenniereninsuffizienz, Hypoadrenokortizismus, „Morbus Addison“)
  • Diabetes insipidus (Erkrankung, bei der ein Mangel oder eine unzureichende Wirkung des antidiuretischen Hormons vorliegt)
  • Psychisch bedingt (in Stresssituationen oder als angewöhnter „Tick“, sehr selten bei Katzen)

Achtung: Wie oben erwähnt kann es vorkommen, dass Katzen einen erhöhten Flüssigkeitsbedarf haben und dadurch viel trinken, z.B. bei sehr heißem Wetter, bei Fieber oder in Stresssituationen. Auch wenn der Katze viel Flüssigkeit verloren geht (wie z.B. bei Erbrechen oder Durchfall) wird sie mehr trinken als sonst. Diese gesteigerte Wasseraufnahme ist jedoch nicht krankhaft, sondern im Gegenteil ein sinnvoller Mechanismus, um den Flüssigkeitsmangel auszugleichen. Katzen, die aus diesen Gründen vermehrt trinken, werden aber i.d.R. keine Polyurie zeigen, also nicht mehr Urin absetzen als üblich.

Dann sollten Sie zum Tierarzt

Möglichst schnell sollten Sie einen Tierarzt aufsuchen, wenn:

  • Die Symptome sehr plötzlich aufgetreten sind und/oder Ihre Katze sehr schwach, apathisch oder „krank“ wirkt
  • Eine Vergiftung nicht ausgeschlossen werden kann
  • Weitere Symptome, wie starkes Erbrechen oder Durchfall, auftreten

Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihre Katze zwar mehr als üblich trinkt und/oder uriniert, es ihr sonst aber gut geht, können Sie zunächst versuchen, die Trinkmenge Ihrer Katze über 3-5 Tage zu bestimmen. Messen Sie also die Wassermenge, die Sie ihrer Katze in den Napf geben, in einem Messbecher ab. Nach 24 Stunden messen Sie, wieviel Flüssigkeit noch im Napf vorhanden ist. Die Differenz ergibt die getrunkene Wassermenge.

Damit die Trinkmenge möglichst genau beurteilt werden kann, sollten einige Punkte beachtet werden:

  • Wenn Sie mehrere Tiere besitzen: Es ist wichtig, dass die Katze, bei der die Trinkmenge bestimmt werden soll, nur aus dem abgemessenen Napf trinkt und sonst kein Tier Zugang zu diesem Napf hat.
  • Die Katze sollte nur aus Wasserquellen trinken, bei denen vorher die Wassermenge bestimmt wurde. Sie sollte in dieser Zeit nicht aus Pfützen, Teichen und anderen Näpfen trinken. Wenn nötig sollten Freigänger in dieser Zeit also im Haus behalten werden.

Sofern die tägliche Trinkmenge die Obergrenze von 80-100 ml Wasser pro Kilogramm Körpergewicht überschreitet, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass eine der oben genannten Erkrankungen dahintersteckt. In diesem Fall sollte unbedingt ein Tierarzt aufgesucht werden.

Wie oben bereits beschrieben ist die Obergrenze von 100 ml Wasser pro Kilogramm pro Tag jedoch nicht in Stein gemeißelt. Bei manchen Katzen kann eine Wasseraufnahme von beispielsweise 60 ml pro Kilogramm pro Tag bereits krankhaft gesteigert sein. Falls Sie also den starken Eindruck haben, dass Ihre Katze viel trinkt oder pinkelt (oder zumindest mehr als früher), sollten Sie sicherheitshalber einen Tierarztbesuch planen – oder wenigstens eine Urinprobe der Katze untersuchen lassen!

Untersuchungen und Diagnose

Zunächst wird Ihnen der Tierarzt einige Fragen stellen (z.B. wieviel Ihre Katze trinkt, ob ihr in letzter Zeit Medikamente verabreicht wurden oder ob noch weitere Symptome beobachtet wurden) und eine allgemeine klinische Untersuchung durchführen.

Um zu überprüfen, ob Sie mit Ihrem Verdacht richtigliegen, wird Ihr Tierarzt im nächsten Schritt eine – am besten zu Hause gesammelte (siehe Abschnitt „Das können Sie selbst tun“) – Urinprobe Ihrer Katze untersuchen.

Hier wird zunächst das sogenannte „Urin-spezifische Gewicht“ bestimmt. Dieses lässt eine Aussage darüber zu, ob der Urin ausreichend konzentriert ist. Wenn ja, war es meistens entweder „falscher Alarm“ oder es liegt ein anderes, ähnlich aussehendes Problem vor (z.B. Pollakisurie, Inkontinenz, Unsauberkeit). Wenn das Urin-spezifische Gewicht dagegen erniedrigt, der Urin also „zu dünn“, ist, liegt eine „echte“ Polyurie vor.

Im Falle einer vermehrten Ausscheidung von Zuckermolekülen über den Urin, wie sie bei Diabetes mellitus typisch ist, kann es vorkommen, dass das Urin-spezifische Gewicht normal ist, obwohl eine Polyurie vorliegt. Daher wird der Tierarzt in vielen Fällen neben der Messung des Urin-spezifischen Gewichts gleich eine weitere Analyse des Urins veranlassen.

Untersuchungen zur Feststellung der Ursache

Ist bestätigt, dass eine Polyurie vorliegt, wird der Tierarzt verschiedene Untersuchungen durchführen, um die Ursache für das „Viel Trinken und viel Pinkeln“ herauszufinden.

So wird er die Urinprobe noch genauer untersuchen – es kann auch sein, dass er dafür etwas frischen Urin steril in der Praxis entnehmen wird. Bei einer solchen Urinuntersuchung kann er dann zum Beispiel feststellen, ob die betroffene Katze zu viel Zucker mit dem Urin ausscheidet (wie bei Diabetes mellitus).

Meistens wird der Tierarzt außerdem eine Blutprobe untersuchen. Dadurch kann er unter anderem die Nierenwerte und die Schilddrüsenhormone kontrollieren und sehen, ob eine chronische Niereninsuffizienz oder eine Hyperthyreose hinter dem Problem steckt.

Eine Ultraschalluntersuchung des Bauches kann manchmal ebenfalls nötig sein, z.B. um die Nieren besser beurteilen zu können.

Manchmal ist es jedoch nicht ganz leicht, die korrekte Diagnose zu ermitteln. Deswegen kann es sein, dass Ihr Tierarzt darüber hinaus noch weitere Tests und Untersuchungen durchführen muss.

Das können Sie selbst tun

Wie im Abschnitt „Dann sollten Sie zum Tierarzt“ beschrieben, können Sie zuhause bereits die durchschnittliche tägliche Wasseraufnahme Ihrer Katze bestimmen.

Vor dem Termin beim Tierarzt können Sie zuhause außerdem bereits Urin sammeln. Das erleichtert dem Tierarzt nicht nur die Arbeit, sondern sorgt auch dafür, dass Sie bei der Untersuchung des Urin-spezifischen Gewichts die höchstmögliche Aussagekraft erhalten. Es kann mit zuhause gesammeltem Urin also am besten herausgefunden werden, ob der Urin wirklich zu stark verdünnt ist.

Katzenstreu zum Urin sammeln

Spezielle Katzenstreu aus Kunststoffgranulat zum Urin sammeln. Den Urin kann man in einer Ecke zusammenlaufen lassen, so dass man ihn dort mit einer beigelegten Pipette ganz einfach aufsaugen kann. Vor Verwendung der Spezialstreu sollte das Katzenklo komplett entleert und mit viel Wasser gereinigt werden.

Idealerweise sammeln Sie über 2-3 Tage jeweils den Morgenurin (also den ersten Urin des Tages) sowie je eine weitere Urinprobe pro Tag. Aber auch eine einzelne Urinprobe (idealerweise Morgenurin) ist bereits sehr hilfreich. Sie können versuchen den Harn beim Urinieren mit einer flachen Schale oder einer Untertasse aufzufangen (das geht tatsächlich erstaunlich gut). Alternativ gibt es jedoch auch spezielle Katzenstreu aus Kunststoffgranulat, die den Urin nicht bindet, so dass er problemlos mit einer Pipette aufgesaugt werden kann (z.B. Katkor Katzenstreu oder Uro-Tec K).

Den aufgefangenen Urin füllen Sie am besten in auslaufsichere Gefäße wie z.B. saubere Marmeladengläser. Ihr Tierarzt wird Ihnen sicher auch gerne Gefäße zur Verfügung stellen. Die Urinproben sollten dann mit Datum und evtl. Uhrzeit beschriftet und bis zum Termin beim Tierarzt im Kühlschrank gelagert werden.

Mehr Tipps und Infos, wie man am besten an den Urin der Katze kommt, finden Sie hier: Urinprobe von Katzen – so klappt’s!

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Quellen

31. Dezember 2017

Von Dr. Iris Wagner-Storz

2018-10-27T20:42:03+00:00

Über den Autor:

Als ursprüngliche Schwäbin bin ich 2007 nach München gezogen um Tiermedizin an der LMU zu studieren. Anschließend hab ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München geschrieben – über eine neue Art der Immuntherapie bei Hunden mit Umweltallergie. Meine Lieblingsbereiche sind die Dermatologie, die Innere Medizin und Infektionskrankheiten. Ich bin stolze Dosenöffnerin für meine beiden Miezen Nini und Clyde, liebe alle Tiere (Katzen aber natürlich besonders) und habe eine Schwäche für Kuchen.