Wenn Ihre Katze ständig pinkeln muss, Probleme beim Wasserlassen hat und auf dem Katzenklo schreit, ist schnelles Handeln gefragt. Nicht nur, weil die Situation für Ihre Katze sehr unangenehm und vermutlich sogar schmerzhaft ist, sondern auch weil einige ernste Erkrankungen hinter dem Problem stecken können.

Beschreibung

Vielleicht hatten Sie selbst schon einmal eine Blasenentzündung und kennen das: man hat das Gefühl ständig dringend auf die Toilette zu müssen. Sucht man dann jedoch das stille Örtchen auf, kommen nur ein paar Tropfen – und das tut dann meistens auch noch weh.

Mediziner nennen diese Symptome Pollakisurie (häufiges Urinieren, wobei jeweils nur eine kleine Mengen Harn abgesetzt wird und die tägliche Gesamtmenge an Urin nicht erhöht ist) und Strangurie (schmerzhafter Urinabsatz und starkes „Pressen“ beim Wasserlassen).

Auch Katzen können unter diesen Problemen leiden. Sie gehen dann ständig aufs Katzenklo um zu pinkeln, sehen dabei jedoch nicht sehr glücklich aus – möglicherweise maunzen oder schreien sie sogar vor Schmerzen. Es kommt jeweils auch nur eine kleine Menge Urin (u.U. ist dieser sogar blutig). Dabei scheinen die Katzen teilweise richtig zu „pressen“, um möglichst viel Harn loszuwerden. Es kann auch vorkommen, dass die Katzen plötzlich unsauber werden und nicht mehr stubenrein sind.

Achtung, Verwechslungsgefahr!

Wenn Sie „nur“ beobachtet haben, dass Ihre Katze häufiger pinkelt (oder versucht zu pinkeln) als sonst, kann es auch sein, dass ein anderes Problem als Pollakisurie und Strangurie dahintersteckt. Deswegen haben wir für Sie einen Entscheidungsbaum erstellt, der Ihnen hilft, das „richtige“ Symptom zu identifizieren:

Zum Test

(Der Test öffnet sich in einem neuem Tab, sie bleiben also trotzdem auf dieser Seite.)

Allerdings kann es auch sein, dass Ihre Katze stattdessen erfolglos versucht Kot abzusetzen (z.B. bei einer Verstopfung) und dabei „presst“ (Tenesmus) – das kann ganz ähnlich aussehen wie ständiger Harndrang und Schmerzen beim Pinkeln. Allerdings ist der Urinabsatz hierbei in der Regel normal.

Wie kommt es zu schmerzhaftem Urinabsatz und ständigem Harndrang?

Der Urin wird bei Katzen – genau wie bei uns Menschen – ständig in den Nieren hergestellt. Von dort fließt er über die sog. Harnleiter in die Harnblase. Dort wird er erstmal gesammelt. Wenn die Blase dann irgendwann voll ist, verspürt die Katze Harndrang.

Damit sie dann aber auch Urin absetzen kann, müssen vereinfacht gesagt zwei Muskeln im Team zusammenarbeiten: Die Blasenmuskulatur (in der Wand der Harnblase) muss sich zusammenziehen, um die Blase zusammenzupressen und den Urin aus ihr rauszudrücken. Gleichzeitig muss sich der Schließmuskel am Blasenausgang und in der Harnröhre aber auch entspannen. Nur dann kann der Urin über die Harnröhre nach draußen abfließen.

Wenn eine Katze Probleme beim Wasserlassen hat und unter ständigem Harndrang leidet, kann dieses fein abgestimmte System an mehreren Punkten gestört sein:

  • Die Blasenmuskulatur ist zu schwach, um den Harn vollständig aus der Blase zu drücken (z.B. wenn die Blase so stark überdehnt war, dass Muskelfasern gerissen sind). Dadurch wird beim Urinieren immer nur ein bisschen Harn abgelassen, so dass die Blase voll bleibt. Die Katze hat dann nach wie vor das Gefühl „mal zu müssen“.
  • Die Blasenmuskulatur ist überaktiv und zieht sich unabhängig vom Urinabsatz immer wieder unwillkürlich zusammen (z.B. bei einer Blasenentzündung). Das tut weh und vermittelt der Katze das Gefühl dringend zu müssen – obwohl die Blase eigentlich schon leer ist.
  • Das Fassungsvermögen der Blase ist verringert (z.B. durch einen großen Tumor bei Harnblasenkrebs). Dadurch führen schon geringe Mengen Urin in der Blase dazu, dass das Signal „die Blase ist voll, bitte Urin absetzen“ gemeldet wird.
  • Die Harnröhre ist (teilweise) verstopft oder undurchlässig (Harnröhrenverschluss, z.B. bei Harnsteinen). Dadurch schafft es – wenn überhaupt – nur eine kleine Menge Harn beim Urinieren durch die Harnröhre hindurch. Die Blase bleibt also voll – und auch der Harndrang bleibt bestehen.

Ursachen für schmerzhaftes Urinieren und ständigen Harndrang

Häufige Ursachen für Pollakisurie und Strangurie

Die häufigsten Ursachen für schmerzhaftes Urinieren und starken Harndrang bei der Katze sind

  • idiopathische FLUTD
  • Harnsteine und Schleimpfropfen
  • Bakterielle Blasenentzündung
  • Idiopathische FLUTD

    Die idiopathische FLUTD (Feline Lower Urinary Tract Disease) ist eine häufige Erkrankung des unteren Harntrakts bei Katzen. Hierbei kommt es – ohne dass wir Tiermediziner genau wissen wieso – zu einer Entzündung der Harnblase und/oder Harnröhre und damit auch zu den typischen Symptomen einer Blasenentzündung („idiopathisch“ = „ohne erkennbare Ursache“). Möglicherweise ist Stress allerdings ein Auslöser für die Erkrankung.

    Tatsächlich ist die idiopathische FLUTD die häufigste Ursache von Strangurie und Pollakisurie (also Schmerzen beim Pinkeln und starkem Harndrang) bei Katzen. Als weiteres Symptom fällt oft auf, dass sich die betroffenen Stubentiger viel an den Genitalien putzen. Der Urin kann außerdem blutig sein.

    Manchmal kommt es bei der idiopathischen FLUTD (v.a. bei Katern) auch zu einem teilweisen oder vollständigen Verschluss der Harnröhre – die betroffenen Tiere können dann gar keinen oder nur sehr wenig Urin absetzen und zeigen oft noch zusätzliche Symptome wie Teilnahmslosigkeit, Appetitlosigkeit und Erbrechen. Ein Harnröhrenverschluss ist ein lebensbedrohlicher Notfall! Falls Sie vermuten, dass Ihre Katze betroffen sein könnte, sollten Sie sie so schnell wie möglich zum Tierarzt bringen!

  • Harnsteine und Schleimpfropfen

    Harnsteine (bzw. Blasensteine) führen durch eine Reizung der Blasenwand zu ständigem Harndrang und Schmerzen beim Urinieren. Teilweise kommt es auch zu Blut im Urin. Andererseits können die Harnsteine aber auch in die Harnröhre abgeschwemmt werden und sie verstopfen – die Folge ist dann ein lebensbedrohlicher Harnröhrenverschluss (siehe oben).

    Die Harnröhre kann aber auch durch Schleimpfropfen verstopft sein – weiche „Stöpsel“ aus organischem Material wie Entzündungs- und Schleimhautzellen und Proteinen (Eiweißen). Weil sie die Harnröhre teilweise oder vollständig blockieren, kann die betroffene Katze nur wenig Urin absetzen. Die Blase bleibt also trotz Pinkeln voll, was die Schmerzen und den ständigen Harndrang verursacht.

  • Bakterielle Blasenentzündung (Harnwegsinfektion)

    Bei einer bakteriellen Blasenentzündung gelangen Bakterien in die Blase und führen dort zu einer Entzündung. Diese verursacht die Schmerzen beim Pinkeln und den ständigen Harndrang. Manchmal schädigen die Bakterien die Harnwege auch so sehr, dass der Urin blutig wird. Harnwegsinfektionen sind bei Katzen seltener als bei Menschen oder Hunden.

Viele Krankheiten der unteren Harnwege (also der Harnblase und Harnröhre) führen bei der Katze zu fast identischen Symptomen – unter anderem auch zu schmerzhaftem Urinabsatz und häufigem Pinkeln. Deswegen werden diese Krankheiten zum sogenannten FLUTD-Komplex zusammengefasst (FLUTD steht für „Feline Lower Urinary Tract Disease“, auf Deutsch also „Erkrankung der unteren Harnwege der Katze“). Alle Krankheiten im FLUTD-Komplex kommen also als Ursache für Schmerzen beim Pinkeln und häufiges Urinieren in Frage. Mehr Informationen zum FLUTD-Komplex finden Sie hier.

Weitere Ursachen für schmerzhaftes Urinieren und häufiges Pinkeln

  • Verletzung (Trauma) der Harnblase oder Harnröhre (z.B. Harnblasenriss)
  • Bestimmte Medikamente (z.B. Cyclophosphamid – ein Chemotherapeutikum)
  • Schädigungen des Rückenmarks (z.B. beim Bandscheibenvorfall)
  • Angeborene und erworbene Fehlbildungen der Harnwege
  • Harnröhrenprolaps (Heraustreten der Harnröhrenschleimhaut aus der Harnröhrenöffnung an der Penisspitze)
  • Tumoren der Harnwege (Blasenkrebs und Harnröhrenkrebs)
  • Erkrankungen der Prostata
    • Entzündung (Prostatitis)
    • Prostatakrebs
    • Benigne Prostatahyperplasie (gutartige Vergrößerung der Prostata)

Dann sollten Sie zum Tierarzt

Möglichst schnell sollten Sie einen Tierarzt aufsuchen, wenn:

  • Die Symptome sehr plötzlich aufgetreten sind und/oder Ihre Katze sehr schwach, apathisch oder krank wirkt
  • Ihre Katze insgesamt nur sehr wenig oder gar keinen Urin absetzt (also Verdacht auf einen Verschluss der Harnröhre besteht)
  • Weitere Symptome, wie z.B. Erbrechen oder Durchfall, auftreten
  • Ihre Katze erhöhte oder erniedrigte Temperatur hat (Körpertemperatur über 39°C bzw. unter 38°C)
  • Ihre Katze Schmerzen zu haben scheint
  • Ihre Katze nicht mehr oder nur schlecht frisst
  • Wenn der Urin blutig ist, stinkt/komisch riecht oder anders aussieht als sonst

Aber auch sonst sollten Sie den Tierarztbesuch nicht auf die lange Bank schieben. Es gilt: je eher, desto besser! Ansonsten kann es vorkommen, dass die Mieze die Schmerzen beim Pinkeln mit dem Katzenklo in Verbindung bringt und dieses zukünftig meidet. Die Folge ist Unsauberkeit, d.h. die Katze pinkelt statt ins Katzenklo auf Teppiche, ins Bett oder an andere Orte.

Untersuchungen und Diagnose bei schmerzhaftem Urinabsatz und ständigem Harndrang

Üblicherweise wird der Tierarzt Ihnen zunächst einige Fragen stellen (z.B. wie oft und wieviel Urin Ihre Katze absetzt, ob der Urin stinkt und ob neben dem häufigen Pinkeln und den Schmerzen beim Urinieren weitere Symptome beobachtet wurden). Im Anschluss wird er eine allgemeine klinische Untersuchung durchführen. Dabei wird er besonders darauf achten, wie groß die Harnblase ist (ob sie also leer oder stark gefüllt ist) und ob die Berührung schmerzhaft ist.

Urinuntersuchung

Hat eine Katze Probleme und Schmerzen beim Urinieren und ständigen Harndrang, ist eine Urinuntersuchung sehr wichtig. Um zu überprüfen, ob Entzündungszellen, Blut und einige andere Stoffe im Harn vorhanden sind, wird Ihr Tierarzt meistens einen sog. Urinstick verwenden. Dieser wird in den Urin eingetaucht und verfärbt sich dann – abhängig davon, welche Stoffe im Harn vorhanden sind. Der Tierarzt kann so sofort beurteilen, welche Veränderungen vorliegen.

Außerdem wird er meistens das sog. „Urin-spezifische Gewicht (USG)“ bestimmen. Das gibt an, wie gut der Urin konzentriert ist, also ob er eher wässrig (niedriges USG, Urin hell) oder gut gesättigt (hohes USG, Urin dunkelgelb) ist. Ist das USG bei Ihrer Katze erniedrigt, liegt möglicherweise eher (oder zusätzlich) ein anderes Symptom namens Polyurie/Polydipsie vor. Hierbei pinkeln die Katzen ebenfalls sehr häufig, setzen dabei aber normal-große oder vergrößerte Urinmengen ab. Außerdem trinken sie i.d.R. auch mehr als sonst. Es ist sehr wichtig, herauszufinden, welches Symptom genau bei einer Katze vorliegt – als Ursachen kommen nämlich ganz andere Krankheiten in Frage.

Zusätzlich wird Ihr Tierarzt oft auch einen Tropfen des Urins unter dem Mikroskop untersuchen (sog. Harnsediment). Dort kann er sehen, ob und wie viele Bakterien, Entzündungszellen und rote Blutkörperchen im Urin vorhanden sind. Auch andere, speziellere Veränderungen kann er dort erkennen. So können beispielsweise bei Blasenkrebs Krebszellen im Urin vorhanden sein oder bei Harnsteinen sog. Kristalle.

Wenn der Tierarzt vermutet, dass eine Harnwegsinfektion (bakterielle Blasenentzündung) vorliegt, wird er möglicherweise eine Probe von – idealerweise steril gewonnenem – Urin in ein Labor einschicken. Dort kann mit einer bakteriologischen Untersuchung überprüft werden, ob und welche Bakterien im Urin vorhanden sind und welches Antibiotikum gegen sie hilft. Eine solche Untersuchung kann eventuell auch dann sinnvoll sein, wenn bei der mikroskopischen Untersuchung keine Bakterien gefunden wurden. Denn manchmal „verstecken“ sich die Bakterien und sind unter dem Mikroskop nicht zu sehen.

Weitere Untersuchungen

Je nachdem, welche Ursache für die Symptome vermutet wird, wird Ihr Tierarzt möglicherweise noch weitere Untersuchungen durchführen. Bei Verdacht auf Harnsteine sind beispielsweise Röntgenbilder hilfreich, aber auch eine Ultraschalluntersuchung kann nötig sein. Diese wird auch durchgeführt um Veränderungen der Blase oder Prostata darzustellen (wie z.B. Blasenkrebs oder eine Prostataentzündung). Es kann auch sein, dass Ihr Tierarzt eine Blutuntersuchung, also eine Beurteilung des Blutbilds und der Organwerte, durchführen wird.

Führen alle diese Untersuchungen zu keinem eindeutigen Ergebnis müssen möglicherweise noch speziellere Maßnahmen erfolgen, z.B. eine Untersuchung der Harnwege mit Kontrastmittel oder eine Endoskopie der Harnröhre und Blase (Urethroskopie und Zystoskopie).

Das können Sie selbst tun

Vor dem Termin beim Tierarzt können Sie für einige der Untersuchungen zuhause bereits Urin sammeln. Eine ausführliche Anleitung, wie das am besten funktioniert (inkl. Tipps und Tricks), finden Sie hier: Urinprobe von Katzen – so klappts!

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Quellen

16. Januar 2017

Von Dr. Iris Wagner-Storz