Wissen Sie, was einer der Nachteile davon ist, Tierärztin zu sein? Man weiß so viele wichtige Dinge über Hunde und Katzen, die aber leider nicht allgemein bekannt sind. Manche davon würden wir am liebsten in die ganze Welt hinausschreien – einfach, weil sie so wichtig für das Wohlbefinden und die Gesundheit unserer Tiere sind.

Grund genug also einen Beitrag zu machen, in dem ich Ihnen einige dieser Dinge verrate. Gleichzeitig wollte ich aber nicht, dass er nur meine persönliche Meinung wiederspiegelt. Deswegen habe ich eine ganze Gruppe von Tierärzten gefragt, von was sie sich wünschen, dass es alle Hunde- und Katzenbesitzer wissen würden.

Manche dieser Dinge könnten Ihrem Tier möglicherweise das Leben retten, andere würden uns Tierärzten das Leben einfach ein klein wenig leichter machen. Was ich damit meine? Das erfahren Sie in den ersten sechs Punkten, die Sie als Tierhalter unbedingt wissen sollten:

Keine Lust, ein Video anzuschauen? Dann können Sie gerne auch einfach hier weiterlesen!

Nummer 1: Alter ist keine Krankheit

„Meine Katze kommt nicht mehr so gut aufs Sofa und läuft auch ein bisschen steif, aber sie ist halt auch alt“

„Mein Hund trottet beim Spazierengehen nur noch langsam hinter mir her und ist echt schlapp. Aber er ist halt auch nicht mehr der Jüngste…“

Viel zu oft schieben wir bei etwas betagteren Hunden und Katzen einfach alles aufs Alter. Das ist aber nicht gut! Denn (wie ich im Blog schon ausführlich erklärt habe): Alter ist keine Krankheit! Oft stecken hinter vermeintlichen Alterserscheinungen tatsächlich Krankheiten, die behandelt werden könnten und auch sollten!

Die Katze, die nicht mehr so viel springen mag und steif läuft? Könnte an einer schmerzhaften Arthrose leiden – und wie wir alle wissen sind Schmerzen einfach nicht schön. Deswegen dürfen auch alte Tiere mit chronischen Schmerzen gerne Schmerzmittel bekommen – und das sollten sie auch!

Und der Hund, der ein bisschen schlapp ist und nur noch hinterhertrottet? Der könnte an einer sehr gut behandelbaren Schilddrüsenunterfunktion leiden. Die ist grade bei älteren Hunden nicht so selten. Die Hunde sind dann schlapp, haben weniger Energie, schlafen sehr viel – und wenn man die Schilddrüsenunterfunktion dann erkennt und behandelt, wirken die Hunde oft wieder um Jahre jünger.

Leider sind unsere Katzen und auch manche Hunde echte Meister darin, Schmerzen und Unwohlsein relativ lange zu verstecken. Und wenn wir dann auch noch kleine Veränderungen im Verhalten direkt aufs Alter schieben, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass wir da irgendwas verpassen.

Also: wenn Sie bei Ihrem älteren Tier Veränderungen feststellen (z.B. Gewichtsabnahme, Gewichtszunahme, viel trinken, viel pinkeln (Symptom beim Hund/bei der Katze ansehen), Appetitverlust, gesteigerter Appetit, steifer Gang), dann nehmen Sie das nicht einfach hin, sondern lassen Sie Ihren Vierbeiner mal vom Tierarzt durchchecken.

Idealerweise gehen Sie sogar einmal jährlich zum Tierarzt bzw. mit älteren Tieren gerne auch zweimal jährlich. Dann ist die Chance am geringsten, dass Sie irgendwas verpassen und Ihr Tier die ganze Zeit leidet.

Nummer 2: Zweimal täglich bedeutet alle 12 Stunden

Wenn Ihr Tierarzt Ihnen Tabletten mitgibt, und sagt, dass Sie diese Ihrem Tier zweimal täglich geben sollen, dann heißt das nicht, dass Sie sie um 9 Uhr morgens und um 15 Uhr mittags geben sollen – sondern möglichst zu gleichen Zeiten morgens und abends (also z.B. um 7 Uhr morgens und um 19 Uhr abends).

Es ist nämlich so, dass Medikamente eine bestimmte Wirkdauer haben.

Angenommen, Ihr Tier soll zweimal täglich ein Schmerzmittel bekommen, dann hat das z.B. eine Wirkdauer von 12 Stunden. Wenn Sie das jetzt um 9 Uhr morgens und um 15 Uhr mittags geben, dann liegen zwischen der „Abendgabe“ und der Morgengabe 18 Stunden – das heißt, Ihr Tier ist sechs Stunden lang nicht mit einem Schmerzmittel abgedeckt und hat Schmerzen – nicht schön!

Und das mit der Wirkdauer gilt natürlich auch bei anderen Medikamenten, wie z.B. Antibiotika.

Also, wenn Ihr Tier zweimal täglich Medikamente braucht, dann versuchen Sie sie wirklich in etwa alle 12 Stunden zu geben. Ich selbst stelle mir immer einen Alarm ins Handy, damit ich auch wirklich immer zur rechten Zeit an die Medikamente denke.

Nummer 3: Katzen sind keine kleinen Hunde – und Hunde keine kleinen Menschen

Noch mal etwas, das Medikamente betrifft (auch noch ein paar andere Punkte, aber um die geht’s jetzt hier nicht): Katzen sind keine kleinen Hunde und Hunde sind auch keine kleinen, pelzigen Menschen. Jede Tierart verstoffwechselt Medikamente anders. Das heißt, man kann nicht einfach einer Katze ein Medikament vom Hund geben und nur die Dosis reduzieren. Oder dem Hund was aus der Hausapotheke oder vom Pferd.

Tatsächlich kann man ein Tier so ziemlich schnell umbringen!

Hier mal ein Beispiel: Angenommen Sie haben von Ihrem Hund noch ein Flohmittel übrig, in dem Permethrin oder Deltamethrin enthalten ist (z.B. Advantix®, exspot®, Vectra® 3D oder Scalibor® Halsband) und denken sich „Prima, das hab ich ja eh noch, das kann ich ja jetzt einfach bei meiner Katze verwenden“– dann ist die Wahrscheinlichkeit leider sehr hoch, dass Ihre Katze stirbt. Und Sie sind dann schuld dran.

Denn die Mittel werden zwar i.d.R. sehr gut von Hunden vertragen, sind aber leider sehr, sehr giftig für Katzen.

Und ähnliches gilt z.B. auch für Ibuprofen oder Aspirin – gut verträglich für uns, aber nicht so gut für Hunde und Katzen.

Also geben Sie nichts, was Sie nicht explizit für Ihr Tier vom Tierarzt bekommen haben oder das zumindest für die jeweilige Tierart gedacht ist – und Hände weg vom eigenen Medikamentenschrank.

Nummer 4: Auch verwandte Tiere können Nachwuchs zeugen

„Ach, das sind doch Bruder und Schwester, die würden doch niemals…“

Falsch! Wenn Hunde und Katzen geschlechtsreif werden und die Hormone einsetzen, dann kennen die keine Familienbande mehr! Da ist es egal, ob Bruder oder Schwester, Mutter oder Vater,– wenn beide einigermaßen willig sind, dann kommt’s auch zur Paarung.

Und was viele nicht wissen: Katzen können schon im zarten Alter von vier Monaten trächtig, also schwanger, werden und Kater mit nur fünf Monaten schon geschlechtsreif!

Also, wenn Sie süße kleine Katzenbabys oder Hundewelpen zuhause haben und keinen Nachwuchs wollen (der noch dazu mit einer kleinen Prise Inzucht gewürzt ist), dann lassen Sie sie rechtzeitig kastrieren – noch vor der Geschlechtsreife – oder trennen Sie sie zumindest! Und nein, es reicht nicht, sie nur nachts zu trennen – auch tagsüber kann’s da durchaus zur Sache gehen! Und das geht oft so schnell, dass man sie nicht mehr rechtzeitig trennen kann.

Und dann haben Sie plötzlich einen ganzen Wurf kleiner Katzenbabys oder Hundewelpen und so eine Aufzucht ist ganz schön aufwendig, teuer und es kann auch einiges schiefgehen, wenn man nicht weiß, was man tut.

Nummer 5: Wenn Katzen länger nicht fressen, ist das ein Notfall!

Es klingt jetzt vielleicht ein bisschen überdramatisch, aber wenn Katzen über längere Zeit nichts fressen, ist das echt ein großes Problem – tatsächlich sogar ein lebensbedrohliches! Anders als Hunde, die auch mal ein paar Tage ohne Nahrung klarkommen, z.B. wenn sie Durchfall haben oder Erbrechen, sind Katzen da ziemlich empfindlich – vor allem, wenn sie ein bisschen zu dick sind.

Wenn Katzen zum Beispiel wegen irgendeiner Krankheit ein paar Tage lang nicht fressen, kann es passieren, dass so schnell so viel Körperfett abgebaut wird, dass die Leber sozusagen nicht mit der Verwertung hinterherkommt.

Das ganze Fett sammelt sich dann in den Leberzellen an und es kommt zu einer sogenannten Hepatolipidose oder Leberverfettung. Das klingt jetzt erst mal nicht so dramatisch, aber die Folge davon ist, dass die Leber nicht mehr ordentlich funktionieren kann und die Katze tatsächlich an einem Leberversagen stirbt.

Also versuchen Sie bitte niemals Ihrer Katze ein neues Futter „schmackhaft“ zu machen, indem Sie sie ein paar Tage hungern lassen und setzen Sie eine dicke Katze auch nicht auf eine zu extreme Diät.

Und wenn Ihre Katze aus irgendeinem Grund länger als – sagen wir mal 24 Stunden – gar nicht fressen will, dann nehmen Sie das sehr ernst und bringen Sie sie zum Tierarzt – dann könnte nämlich nicht nur eine wirklich ernste Krankheit dahinterstecken, sondern sie könnte sonst möglicherweise auch an einem Leberversagen sterben.

Nummer 6: Sagen Sie Ihrem Tierarzt, wenn Ihr Vierbeiner schwierig oder bissig ist

Glauben Sie mir, wir Tierärzte haben Erfahrung mit bissigen Tieren. Finden wir das toll? Nein. Aber es gehört nun mal zu unserem Job. Wir machen deswegen auch niemandem Vorwürfe oder behandeln ein Tier schlechter. Wir verstehen, dass der Hund oder die Katze einfach nur Angst hat.

Was wir dagegen richtig blöd finden, ist, wenn uns Besitzer nicht sagen, dass ihr Hund schon öfter Tierärzte gebissen hat oder die Katze jedes Mal beim Blutabnehmen komplett austickt.

Unser Job ist schon gefährlich genug, wenn wir Bescheid wissen. Aber wenn man uns so was verschweigt, dann können wir auch nicht die nötigen Sicherheitsvorkehrungen treffen.

Meine Katze Nini war ein Horror beim Tierarzt. Sie hat sich mit allen Krallen und Zähnen gewehrt und wollte jeden umbringen, der ihr zu nahekam. Aber ich habe das meinen Kollegen vorher gesagt und so konnten wir alles so einrichten, dass es möglichst sicher und gleichzeitig auch so stressfrei wie möglich für sie war.

Also: wenn Ihr Tier ein bisschen schwierig ist, dann sagen Sie einfach Ihrem Tierarzt Bescheid! Niemand wird Ihnen deswegen Vorwürfe machen.

Und bitte regen Sie sich nicht auf, wenn wir Ihrem Hund einen Maulkorb aufsetzen wollen. Es sind unsere Finger und Hände und Kehlen, die im Gefahrenbereich sind, also überlassen Sie bitte auch uns die Entscheidung. Ihrem Hund tut der Maulkorb wirklich nicht weh!

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