„Meine Katze kommt nicht mehr so gut auf Schränke rauf und läuft ein bisschen steif, aber sie ist halt auch alt“

 „Mein Hund trottet beim Spazieren nur noch hinter mir her und schläft echt viel, aber er ist eben auch nicht mehr der Jüngste.“

„Meine Katze hat in letzter Zeit ganz schön abgebaut und abgenommen – das Alter halt.“

Kommt Ihnen das bekannt vor?

Wir neigen manchmal leider dazu, bei etwas betagteren Hunden und Katzen einfach alles aufs Alter zu schieben (meiner Erfahrung nach übrigens auch bei Menschen, aber das würde hier zu weit führen…).

Klar: ein alter Hund oder eine alte Katze ist nicht mehr so verspielt und aufgedreht wie ein Welpe. Und dass er oder sie etwas mehr schläft als früher, ist in einem gewissen Rahmen auch normal.

Wenn man aber alles immer aufs Alter schiebt, tappt man schnell in eine Falle – oft stecken hinter vermeintlichen „Alterserscheinungen“ nämlich tatsächlich Krankheiten, die behandelt werden könnten, ja sogar unbedingt sollten!

Alter ist keine Krankheit!

Die Katze, die ein bisschen steif läuft und nicht mehr springen mag? Könnte unter einer schmerzhaften Arthrose leiden. Die kann man zwar nicht heilen, aber – wie wir alle wissen – sind Schmerzen nicht so schön. Deswegen wurden ja auch Schmerzmittel erfunden – und die darf man auch bei alten Tieren mit chronischen Schmerzen gerne verwenden (nicht falsch verstehen: unbedingt vorher mit einem Tierarzt absprechen und nicht einfach ein Menschen-Medikament geben!).

Der Hund, dessen Energielevel so niedrig ist, dass er nur noch hinterhertrottet und schläft, könnte an einer sehr gut behandelbaren Schilddrüsenunterfunktion leiden. So war das neulich erst bei der Ridgeback-Hündin einer Freundin – die hatte viel weniger Energie als früher und wirkte einfach alt und müde. Eine Blutuntersuchung hat dann unseren Verdacht bestätigt – tatsächlich litt sie an einer Schilddrüsenunterfunktion. Seit sie dafür Medikamente bekommt, wirkt sie wieder um Jahre jünger!

Und was die „abbauende“, Gewicht verlierende Katze angeht: als meine Katze Nini letztes Jahr abgenommen hat, habe ich mich erst gefreut (sie hatte ein klein wenig zu viel auf den Hüften…). Als sie dann aber auch noch schlechter aufs Sofa gekommen ist, wurde ich misstrauisch. Leider zu Recht, wie sich herausgestellt hat. Es waren die ersten Anzeichen ihrer Krebserkrankung.

Neben dieser fürchterlichen Diagnose gibt es aber noch eine Menge anderer, gut behandelbarer Krankheiten, die vor allem bei älteren Tieren vorkommen und zu Gewichtsverlust führen (wie z.B. Diabetes, eine Niereninsuffizienz oder eine Schilddrüsenüberfunktion). Zahnerkrankungen, bei denen jeder Biss Schmerzen bereitet, sind ebenfalls recht häufig – und bleiben leider oft unbemerkt. Und ja, auch alten Hunden und Katzen – selbst wenn sie unter Vorerkrankungen leiden – kann man da meist noch helfen.

Gerade Katzen zeigen in der Regel leider nicht sehr deutlich, wenn es ihnen nicht gut geht. Selbst bei Schmerzen bleiben sie oft stoisch und ziehen sich nur etwas mehr zurück als sonst oder fressen nicht mehr so gut. Und auch bei Hunden gibt es Exemplare, die sich kaum etwas anmerken lassen. Gerade wenn sich Probleme schleichend entwickeln, sind sie also oft sehr schwer zu entdecken.

Wenn dann noch dazu kommt, dass unsere Tiere älter sind und wir kleine Verhaltensänderungen nicht ernst nehmen, sondern einfach aufs Alter schieben, haben unsere Tiere Pech gehabt – und es bleibt ihnen nur weiterzumachen und die Schmerzen eben auszuhalten.

Was also tun?

Wie kann man also wissen, ob eine Katze oder ein Hund ein echtes Problem hat oder einfach nur alt ist? Ganz einfach. Man geht mit dem geliebten Vierbeiner zum Tierarzt. Am besten sogar regelmäßig. Ein jährlicher Check Up inklusive Blutuntersuchung ist bei allen Haustieren eine gute Idee, bei älteren Vierbeinern darf da sogar gerne zweimal pro Jahr draus werden.

Mit meinem mittlerweile 14-jährigen Kater gehe ich spätestens alle 6 Monate zum Tierarzt (obwohl ich selber Tierärztin bin!), lasse eine komplette Blut- und Urinuntersuchung machen und mindestens einmal pro Jahr auch eine Ultraschalluntersuchung des Bauches.

Ja, das ist mühsam und kostet natürlich jedes Mal auch Geld. Aber stellen Sie sich mal vor, wie lange Ihr treuer Gefährte sonst möglicherweise mit Schmerzen oder Problemen leben muss, weil er sich – wie es eben seiner Natur entspricht – kaum etwas anmerken lässt. Außerdem ist es so: je länger eine Krankheit unentdeckt bleibt, desto schwieriger, aufwendiger und teurer ist sie oft auch zu behandeln.

Klar, wäre es schöner, wenn uns unsere Tiere einfach sagen könnten, dass ihnen etwas fehlt. Aber so lange niemand eine App entwickelt, die uns die Kommunikation mit unseren Vierbeinern ermöglicht (Sie glauben gar nicht, wie sehr uns Tierärzten eine solche App das Leben erleichtern würde…) bleibt uns leider nur eins: unsere Fellnasen gut zu beobachten, auch bei älteren Tieren nicht einfach alles aufs Alter zu schieben und sie regelmäßig – spätestens aber bei Änderungen im Verhalten! – vom Tierarzt durchchecken zu lassen.

Das sind wir unseren treuen Gefährten schuldig.

Ihre Dr. Iris Wagner-Storz

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