Ich denke wir sind uns einig: wenn der Hund oder die Katze plötzlich ohne Ende erbricht oder Blut pinkelt, geht man zum Tierarzt.

Leider gibts aber auch Krankheitsanzeichen, die so harmlos aussehen, dass man sie schnell mal übersieht oder einfach nicht ernst nimmt – obwohl sie tatsächlich auf teilweise schwere Krankheiten hinweisen können.

Einige dieser leider oft unterschätzten Symptome bei Hunden und Katzen will ich Ihnen hier vorstellen. Falls Sie danach noch mehr erfahren wollen, finden Sie hier bald auch noch Teil 2 dieser Artikelreihe!

Vermehrtes Pinkeln

Es mag Sie überraschen – aber wie oft und wie viel Ihr Tier pinkelt, kann Ihnen (und Ihrem Tierarzt) tatsächlich einiges über seinen Gesundheitszustand sagen!

Wenn Ihr Hund oder Ihre Katze mehr pinkelt als früher (also öfter und/oder größere Mengen), sollten bei Ihnen unbedingt die Alarmglocken klingeln. Eine gesteigerte Urinmenge ist nämlich ein Hinweis auf einige der häufigsten Krankheiten bei unseren Haustieren!

Bei Katzen kann eine solche sog. Polyurie (= gesteigerter Urinabsatz, also häufigeres Absetzen von Urin, so dass die tägliche Gesamturinmenge erhöht ist; bei betroffenen Wohnungskatzen findet man üblicherweise mehr und größere Klumpen im Katzenklo) ganz viele Gründe haben, am häufigsten sind aber drei absolute „Katzenkrankheits-Klassiker“, die man unbedingt ernst nehmen und möglichst früh behandeln sollte:

Bei vielen dieser Krankheiten ist die Urinmenge oft als 1. Anzeichen erhöht.

Und beim Hund ist es ganz ähnlich, da stecken ebenfalls häufig eine Niereninsuffizienz oder eine Zuckerkrankheit hinter dem „viel Pinkeln“. Es kann sich aber auch um das sog. Cushing-Syndrom handeln – die betroffenen Hunde haben, vereinfacht gesagt, einfach zu viel vom Stresshormon Cortison im Körper. Dazu kann es entweder durch eine Krankheit namens Hyperadrenokortizismus kommen oder aber auch durch Medikamente, die Cortison enthalten.

Also: achten Sie unbedingt immer mal wieder drauf, ob Ihr Tier größere Mengen oder öfter pinkelt als sonst. Wenn das der Fall ist, dann wenden Sie sich unbedingt an Ihren Tierarzt – es können wirklich ernste Krankheiten dahinterstecken. Und je früher diese erkannt werden, desto besser und leichter können sie auch behandelt werden.

Gesteigerter Durst

Ok, zu viel Pinkeln ist also verdächtig – aber wenn die Katze oder der Hund endlich mal genug trinkt, dann ist das doch bestimmt eine gute Nachricht, oder?

Leider nicht unbedingt. Natürlich gibt es Situationen, in denen es ganz normal ist, wenn Hunde und Katzen mehr trinken – z.B. wenn‘s sehr heiß ist, sich die Tiere sehr viel bewegt haben, unter Erbrechen oder Durchfall leiden und da viel Flüssigkeit verlieren oder wenn Sie von Feucht- auf Trockenfutter gewechselt haben.

Wenn Ihr Tier aber plötzlich ohne triftigen Grund mehr trinkt als sonst oder als seine Artgenossen, dann sollte Sie das stutzig machen.

Eine gesteigerte Wasseraufnahme ist nämlich sozusagen der „Kumpel“ vom gesteigerten Urinabsatz: denn wer viel trinkt, muss natürlich auch mehr pinkeln und wer über den Urin viel Flüssigkeit verliert, hat größeren Durst. Die beiden Symptome kommen also oft zusammen vor und weisen auch auf die gleichen, ernsten Krankheiten hin. Nur ist bei manchen Tieren eben das eine leichter bzw. früher zu bemerken als das andere.

Also: wenn Ihr Tier plötzlich mehr trinkt als sonst bzw. als normal wäre und Sie keinen offensichtlichen Grund dafür finden – dann lassen Sie das unbedingt beim Tierarzt durchchecken (hier finden Sie mehr Informationen dazu, welche Trinkmenge bei der Katze normal ist und welche beim Hund).

Übler Geruch

Klingt komisch, aber wenn Ihr Tier stinkt – egal ob nur an bestimmten Körperstellen oder ganz generell – sollten Sie das nicht einfach hinnehmen.

Klar: Hunde können schon mal müffeln, v.a. wenn sie sich in irgendwas gewälzt haben. Und dass der Atem unserer Tiere nicht nach Veilchen duftet ist auch klar.

Aber wenn Ihr Hund oder Ihre Katze wirklich Mundgeruch hat oder z.B. im Po-Bereich richtig stinkt, dann ist das nicht normal!

Maulgeruch kann z.B. darauf hinweisen, dass Ihr Tier unter einem wirklich schmerzhaften Zahnproblem leidet. Oder an einer Niereninsuffizienz. Oder an einem Tumor in Maul oder Nase.

Wenn Hautfalten oder Ohren stinken, könnte eine unangenehme Infektion dahinterstecken.

Und Gestank im Po-Bereich kann z.B. auf verstopfte oder entzündete Analbeutel hinweisen.

Also: wenn es keinen guten Grund für den Gestank gibt – bitte lassen Sie das unbedingt vom Tierarzt abklären. Bei den meisten Ursachen gilt wie immer: je früher sie erkannt und behandelt werden, desto besser – und Sie ersparen Ihrem Tier unnötiges Leiden.

Eine kastrierte Hündin bzw. Katze wirkt plötzlich wieder wie unkastriert

Dieser Punkt ist nur relevant für all diejenigen, die ein weibliches, kastriertes Tier zuhause haben:

Wenn Rüden plötzlich wieder ein gesteigertes Interesse an Ihrer kastrierten Hündin haben und z.B. aufreiten, sie bedrängen, übermäßig beschnuppern usw. – dann ist das nicht nur nervig, sondern es kann sich tatsächlich auch um ein Krankheitsanzeichen handeln!

Und das gleiche gilt auch für Katzen, die plötzlich wieder rollig zu sein scheinen.

Immer wenn kastrierte, weibliche Hunde und Katzen Anzeichen einer Läufigkeit bzw. Rolligkeit zeigen – was ja eigentlich nur bei unkastrierten Tieren vorkommt – könnte es nämlich sein, dass eine medizinische Ursache dahintersteckt.

Häufig handelt es sich um das sog. Ovarian-Remnant-Syndrom, oder Eierstock-Rest-Syndrom. Das entsteht, wenn bei der Kastration versehentlich ein kleiner Rest vom Eierstockgewebe – und der kann wirklich winzig sein – in der Bauchhöhle bleibt. Dann kann es selbst Jahre nach der Kastration wieder zu Läufigkeits- bzw. Rolligkeits-Symptomen kommen.

Aber auch verschiedene Krankheiten, wie z.B. eine Vaginitis, also eine Entzündung der Vagina, oder ein Nebennieren-Tumor können hinter dem Problem stecken.

Also: wenn Ihr kastriertes Tier plötzlich wieder Rolligkeits- bzw. Läufigkeits-Symptome zeigt und/oder attraktiv fürs andere Geschlecht ist, dann lassen Sie das am besten mal vom Tierarzt abklären.

Atemgeräusche wie Schnarchen, Röcheln oder Pfeifen

Wenn ein Tier atmet, sollte man das eigentlich nicht wirklich hören (außer natürlich bei einem hechelnden Hund).

Falls Ihre Katze oder Ihr Hund beim Atmen also anhaltend deutlich hörbare Geräusche macht – und z.B. beim Schlafen oder Toben schnarcht, keucht oder pfeift – dann ist das nicht normal.

Stattdessen kann es auf verschiedene und teilweise sehr ernste Krankheiten hinweisen, wie z.B. Asthma, einen Tumor oder eine Infektion.

Wenn das Atemgeräusch bei Ihrem Tier also anhält oder sogar immer schlimmer wird, sollten Sie unbedingt mal mit Ihrem Tierarzt sprechen.

Sonderfall kurznasige Rassen

Jetzt höre ich einige Leser allerdings schon sagen: „Aber bei manchen Rassen ist Schnarchen doch ganz normal!“

Leider ist das ein fataler Irrtum – auch wenn ich verstehe, wie man darauf kommt. Mit all den Möpsen, französischen Bulldoggen, Perserkatzen und anderen kurznasigen Rassen, die man immer wieder sieht und die ständig schnarchen und röcheln, kann man leicht den Eindruck bekommen, dass das bei diesen Tieren einfach normal ist.

Und oft wird es auf Instagram & Co sogar als besonders niedlich dargestellt, so dass ein schnarchender Mops auch schon mal tausende Likes bekommt.

Die traurige Wahrheit ist aber: es ist eben nicht normal. Es ist ein Zeichen dafür, dass die Hunde nicht genug Luft bekommen und im schlimmsten Fall ständig unter Atemnot leiden.

Bitte denken Sie mal kurz daran zurück, als Sie das letzte Mal erkältet waren. Erinnern Sie sich, wie Sie abends im Bett lagen und die ganze Welt verflucht haben, weil Sie wegen Ihrer verstopften Nase nicht schlafen konnten?

Und jetzt stellen Sie sich mal vor, dass das eben nicht nach ein paar Tagen weg geht, sondern Ihr ganzes Leben lang so bleibt. Jeden Tag, jede Nacht. Jahr für Jahr. So geht es manchen dieser armen kurznasigen Hunden und Katzen.

Schnarchen oder Röcheln ist bei keinem Hund und keiner Katze „normal“, sondern immer ein Zeichen dafür, dass was nicht stimmt. Auch wenn wir uns bei manchen Rassen inzwischen so sehr daran gewöhnt haben, dass wir es nicht mehr als „Symptom“ erkennen.

Aber nur weil wir Menschen das so hingezüchtet haben –und z.B. fürs niedliche Kindchenschema die Nase immer weiter verkürzt haben -, heißt das nicht, dass die Tiere nicht darunter leiden.

Falls Sie selbst einen betroffenen Hund oder eine Katze haben – bitte verstehen Sie mich nicht falsch – es geht hier nicht darum, dass ich Sie angreifen will. Ich will einfach nur, dass Ihnen bewusst ist, dass es eben nicht normal ist und dass Ihr Tier möglicherweise leidet.

Falls Ihr Tier also schnarcht, röchelt oder sonst wie komisch klingt beim Atmen, dann wenden Sie sich an Ihren Tierarzt. Möglicherweise kann man Ihrem Vierbeiner nämlich durch Operationen helfen, ein bisschen besser Luft zu bekommen.

Und falls Sie kein betroffenes Tier haben, aber mit dem Gedanken spielen, eines zu adoptieren: Bitte, bitte kaufen Sie keine Hunde und Katzen kurznasiger Rassen wie Mops, Französische Bulldogge und Co. Es handelt sich wirklich um Qualzuchten und Tiere sollten nicht so leiden, nur weil wir es niedlich finden.

Wenn Sie noch mehr zu diesem unterschätzten Problem erfahren wollen: das folgende Video vom BR ist wirklich sehr empfehlenswert: https://www.youtube.com/watch?v=9L-muEGHrZ8.

Fazit

Sie sehen: nicht immer sind Krankheitsanzeichen bei unseren Haustieren sehr eindeutig. Oft muss man schon genau hinschauen und bewusst auf Dinge wie Harnabsatz und Wasseraufnahme achten, um nichts zu verpassen.

Wann immer Sie sich bei einer Veränderung bei Ihrem Tier also nicht ganz sicher sind – rufen Sie am besten einfach mal bei Ihrem Tierarzt an und fragen Sie Ihn, ob das etwas ist, was untersucht werden sollte! Denn die Grundregel in der Medizin lautet – wie immer – je früher ein Problem erkannt und behandelt wird, desto besser!

Ihre Dr. Iris Wagner-Storz

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