Folgt uns auf:

fellomed auf YouTube

fellomed auf Instagram

fellomed auf Facebook

 

 

Hündin ungewollt gedeckt – was tun?

Frage der Woche vom 23.09.2018

//Hündin ungewollt gedeckt – was tun?

Frage:

Guten Tag, wir sind gerade in einer verzwickten Lage bezüglich unserer Malteser-Hündin. Vor 14 Tagen wurde sie ungewollt von einem kleinen Rüden gedeckt. Wir wissen nun nicht genau was wir am Besten machen sollen.

Unsere Antwort:

Wenn eine Hündin ungewollt gedeckt wurde, gibt es verschiedene Möglichkeiten mit dieser Situation umzugehen. Das Wichtigste ist immer, die Hündin möglichst bald nach dem vermeintlichen Deckakt bei einem Tierarzt vorzustellen und untersuchen zu lassen. Nachdem der Tierarzt einige wichtige Fragen gestellt (z.B. seit wann die Hündin genau läufig ist, ob der Deckakt beobachtet wurde oder die Hündin ausgebüxt ist) und evtl. Untersuchungen (z.B. Progesteronbestimmung, vaginaler Abstrich) durchgeführt hat, kann er besser einschätzen wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Hündin tatsächlich tragend ist. Etwa ab dem 21. Tag der Trächtigkeit kann der Tierarzt außerdem per Ultraschall feststellen, ob die Hündin aufgenommen hat und „schwanger“ ist.

Grundsätzlich gibt es bei einer ungewollten Trächtigkeit dann zwei verschiedene Ansätze:

  • Die Trächtigkeit bestehen und die Hündin die Welpen austragen lassen

    Fasst man diese Option ins Auge, gibt es einige Punkte, die beachtet werden müssen. Zuerst einmal sollte man sich fragen, ob man die Verantwortung für den Nachwuchs auch übernehmen kann – denn eine Welpenaufzucht ist nicht nur extrem zeitintensiv und anspruchsvoll, sondern auch teuer. Außerdem sollte man dafür sorgen können, dass alle Welpen an einen guten Platz vermittelt werden.

    Bei jeder Trächtigkeit bzw. Geburt besteht natürlich auch ein Risiko für das Muttertier – vor allem wenn der Rüde deutlich größer ist als die Hündin, die von ihm gedeckt wurde. Die Welpen können in so einem Fall nämlich zu groß werden, was zu Komplikationen führen kann und die Wahrscheinlichkeit für einen Kaiserschnitt deutlich erhöht.

  • Die Trächtigkeit künstlich beenden

    Der Tierarzt kann mittels verschiedener Methoden die ungewollte Trächtigkeit der Hündin beenden. Am häufigsten wird dafür Alizin, ein sog. Progesteron-Hemmer, eingesetzt. Das Mittel kann bis zum 45. Tag nach der Paarung verabreicht werden und verhindert in der frühen Phase die Einnistung der Embryonen in die Gebärmutter. Bei fortgeschrittenerer Trächtigkeit führt es dagegen zu einem Abort (Trächtigkeitsabbruch). Alizin ist in der Regel gut verträglich. Wird es nach dem 20. Trächtigkeitstag eingesetzt, kann es bei der gedeckten Hündin allerdings zu Geburtsanzeichen (z.B. verminderter Appetit, Anschwellen des Gesäuges, Austreibung der Feten) kommen.

    Alternativ kann der Tierarzt der tragenden Hündin auch am 3. und 5. Tag nach dem Deckakt Östrogen verabreichen und damit die Einnistung der Embryonen in die Gebärmutter verhindern. Nach einer Östrogen-Verabreichung ist jedoch das Risiko einer Gebärmutterentzündung recht hoch, weshalb Östrogen heutzutage eher selten zum Trächtigkeitsabbruch eingesetzt wird.

    Sind mit einer ungewollt gedeckten Hündin generell keine Welpen geplant, kann man auch über eine Kastration nachdenken, bei der die Gebärmutter (inklusive Embryonen) entfernt wird (Ovariohysterektomie). Das Risiko für Komplikationen (z.B. starke Blutungen, Verhaltensänderungen) ist in diesem Fall aber höher als bei einer „normalen“, geplanten Kastration zwischen den Läufigkeiten.

Fazit:

Sie sehen, es gibt einiges, was man machen kann, wenn eine Hündin ungewollt gedeckt wurde. Dabei muss aber einiges bedacht werden. Aus diesem Grund empfehlen wir, dass Sie Ihre Hündin schnellstmöglich bei Ihrem Tierarzt vorstellen. Nachdem er mit Ihnen gesprochen und Ihre Hündin untersucht hat, kennt er alle wichtigen Informationen und kann Sie bei der Entscheidung unterstützen.

Sie möchten unseren Tierärzten gerne selber eine Frage stellen? Dann hier entlang!
2018-10-28T14:54:37+00:00

Über den Autor:

Geboren in der Nähe von Passau habe ich von 2008 bis 2014 an der LMU München Tiermedizin studiert. Nach meinem Abschluss habe ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München (Thema: Auswertung eines neuartigen Allergietests) gemacht. Anschließend habe ich ein Jahr in der Onkologie gearbeitet. Die Arbeit mit krebskranken Tieren war zwar oft sehr traurig, aber ich habe dort viele tolle Tiere und ihre Besitzer kennengelernt. 2014 habe ich meine Mischlingshündin Lotta adoptiert – unseren süßen Bürohund.