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Geschirr oder Halsband – was ist besser?

Frage der Woche vom 16.08.2016

//Geschirr oder Halsband – was ist besser?

Frage:

Mein Hund trägt beim Spazierengehen die meiste Zeit ein Halsband und mag dieses eigentlich auch sehr gerne. Letzte Woche wurden wir von einer Bekannten darauf angesprochen, dass das äußerst schädlich für den Hund ist und ich doch unbedingt auf ein Geschirr umsteigen soll. Stimmt das denn wirklich? Ist ein Geschirr viel besser für den Hund als ein Halsband?

Unsere Antwort:

Diese Frage kann man sicherlich aus mehreren Blickwinkeln betrachten. Aus tiermedizinischer Sicht sind wir der Meinung, dass ein gut sitzendes Hundegeschirr einem Halsband in den meisten Fällen vorzuziehen ist – und zwar aus folgenden Gründen:

Wie jeder Hundebesitzer sicherlich bestätigen kann, sind die Kräfte, die bei einem angeleinten Hund auf Halsband oder Geschirr einwirken, in manchen Fällen extrem hoch – z.B. wenn der Vierbeiner plötzlich in die Leine springt, heftig daran zieht oder wir als Besitzer an der Leine rucken. Nicht immer lässt sich so eine Situation vermeiden und manche Hunde haben auch generell Probleme damit, locker an der Leine zu laufen.

Wie der Name schon sagt, wird das Halsband um den Hals des Hundes angelegt – einem äußerst sensiblen Körperbereich, in dem viele wichtige Strukturen wie z.B. Hauptschlagader, Kehlkopf, Speise- und Luftröhre, Schilddrüse und Halswirbelsäule dicht beieinanderliegen. Die Kräfte, die durch die Leine entstehen, wirken durch die geringe Auflagefläche des Halsbandes auf eine sehr kleine Fläche ein und sind dadurch extrem stark.  Dies verursacht bei den Vierbeinern nicht nur Schmerzen, die empfindlichen Strukturen im Halsbereich können auch schnell ernsthaft verletzt werden.

Als Folgen können z.B. Wirbelsäulenverletzungen oder Kehlkopfentzündungen auftreten. Außerdem ist nicht auszuschließen, dass die Schilddrüse durch den dauerhaften oder plötzlichen Druck des Hundehalsbandes gereizt und geschädigt werden könnte. Es ist durchaus denkbar, dass dadurch eine chronische Entzündung in der Schilddrüse entsteht, die sich langfristig evtl. zu einer Schilddrüsenunterfunktion – auch Hypothyreose genannt – entwickeln könnte.

Ein Geschirr verteilt – durch seine größere Auflagefläche – die auf den Hund einwirkenden Kräfte in aller Regel besser und vor allem auf eine größere Körperoberfläche. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass das Hundegeschirr optimal passt und sitzt. Vor allem die Schulterpartie sollte ausreichend Platz haben, damit sich die Vorderbeine frei und in einem korrekten Bewegungsablauf bewegen können. Kann der Hund die Schulter nämlich nicht einwandfrei bewegen, kann es zu Fehlhaltungen und dadurch langfristig zu Problemen am Bewegungsapparat kommen. Zu kleine Geschirre können außerdem scheuern und äußerst unangenehm für die Vierbeiner sein, zu große verhindern wiederum die optimale Kraftverteilung und das Tier kann schnell herausschlüpfen. Die richtige Wahl des Geschirres ist also extrem wichtig und Sie sollten sich beim Kauf durch fachkundiges Personal oder einen Tierarzt beraten lassen.

Selbstverständlich können plötzliche und starke Impulse durch die Leine auch bei Verwendung eines Geschirrs beim Hund Schmerzen und Schäden verursachen. Deshalb ist ein Geschirr auch keine Ausrede dafür, mit dem eigenen Vierbeiner nicht an der Leinenführigkeit zu arbeiten.

Fazit:

Die Verletzungsgefahr für den Hund ist bei einem Halsband prinzipiell größer als bei einem gut sitzenden Geschirr. Vierbeiner die an der Leine viel ziehen oder öfter nach vorne preschen, sollten definitiv ein Geschirr tragen. Nichtsdestotrotz ist ein Halsband aber nicht per se schlecht und bei Vierbeinern, die überwiegend im Freilauf unterwegs sind bzw. einwandfrei an der lockeren Leine laufen, spricht auch nichts dagegen. Im besten Fall ist Ihr Vierbeiner an beides gewöhnt und Sie können je nach Situation entscheiden, was die bessere Wahl ist. Meine Hündin Lotta z.B. trägt in der Regel beim Spaziergang ein Geschirr, bei kurzen Strecken oder entspannten Abendrunden hat sie aber auch mal ein Halsband an.

Sie möchten unseren Tierärzten gerne selber eine Frage stellen? Dann hier entlang!
2018-09-20T09:47:07+00:00

Über den Autor:

Geboren in der Nähe von Passau habe ich von 2008 bis 2014 an der LMU München Tiermedizin studiert. Nach meinem Abschluss habe ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München (Thema: Auswertung eines neuartigen Allergietests) gemacht. Anschließend habe ich ein Jahr in der Onkologie gearbeitet. Die Arbeit mit krebskranken Tieren war zwar oft sehr traurig, aber ich habe dort viele tolle Tiere und ihre Besitzer kennengelernt. 2014 habe ich meine Mischlingshündin Lotta adoptiert – unseren süßen Bürohund.