Folgt uns auf:

fellomed auf YouTube

fellomed auf Instagram

fellomed auf Facebook

 

 

Analdrüsen bei Hund & Katze

///Analdrüsen bei Hund & Katze

Analdrüsen: allein die Erwähnung dieses Wortes bringt manche Hunde schon dazu, die Schwänze einzukneifen – und die Besitzer die Nase zu rümpfen. Katzenbesitzer sind hier weniger vorgeprägt – aber was viele nicht wissen: auch Katzen haben Analdrüsen!

Aber wozu dienen die Analdrüsen eigentlich? Welche Probleme können sie verursachen? Wie oft sollten die Analbeutel bei Hund und Katze tatsächlich ausgedrückt werden? Und wie geht das eigentlich? Die Antworten finden Sie hier!

 

Analdrüsen: Was ist das und wozu dienen sie?

Die Analdrüsen, korrekter auch als Analbeutel bezeichnet, sind zwei kleine, paarige „Taschen“ oder „Aussackungen“ in der Schleimhaut des Analkanals, also des letzten Stück Darms vor dem Anus. Stellt man sich den After als eine Uhr vor, liegen die Analbeutel – von außen unsichtbar – auf etwa 4 und 8 Uhr neben dem Anus, zwischen dem inneren und äußeren Schließmuskel.

In der Wand der beiden Analbeutel sitzen sehr viele Drüsen (apokrine Schweißdrüsen und Talgdrüsen). Sie produzieren ein Sekret, das sich in den Hohlräumen der Analbeutel sammelt. Zusammen mit abgeschilferten Zellen, Bakterien und Hefepilzen bildet es den typischen Analdrüseninhalt. Dabei kann dieser von Hund zu Hund bzw. Katze zu Katze recht unterschiedlich aussehen: bei manchen ist er sehr flüssig, bei anderen etwas dicker – und auch die Farbe kann variieren. Meist ist der Analbeutelinhalt aber recht flüssig, braun und in jedem Fall stinkend.

Über je einen dünnen, kurzen Gang sind die Analdrüsen mit dem Anus verbunden. Beim Hund enden die Gänge – von außen gerade nicht mehr sichtbar – kurz hinter dem äußeren Bereich des Afters. Bei der Katze münden sie dagegen auf einer kleinen Erhöhung etwa 2 mm seitlich des Anus.

Wenn keine Analdrüsenprobleme vorliegen, wird jedes Mal, wenn ein Hund bzw. eine Katze sein/ihr großes Geschäft verrichtet, die Region der Analdrüsen durch den Kot zusammengepresst. Dadurch entleert sich etwas Sekret aus den beiden Analbeuteln. So wird jede „Kotportion“ mit ein bisschen Analdrüsensekret versehen.

Für uns stinkt das Analdrüsensekret sehr – für unsere vierbeinigen Begleiter handelt es sich dagegen um einen interessanten, aufschlussreichen Duft! Das Sekret jedes Hundes und jeder Katze riecht ein klein wenig anders. Indem sie den damit „parfümierten“ Kot absetzen, markieren sie also auch ihr Revier und hinterlassen eine „Visitenkarte“ – genauso, wie sie das auch mit Urin machen.

Gut zu wissen:

Oft wird die Bezeichnung „Analdrüsen“ nicht ganz richtig verwendet: die eigentlichen Analdrüsen sind mikroskopisch klein und sitzen in der Wand der Analbeutel. Spricht man von verstopften Analdrüsen sind i.d.R. also nicht die Drüsen selbst gemeint, sondern die Analbeutel bzw. deren Ausführungsgänge. Da es im allgemeinen Sprachgebrauch aber üblich ist, von verstopften Analdrüsen zu sprechen, haben wir uns entschieden, zum besseren Verständnis hier teilweise von der medizinisch korrekten Ausdrucksweise abzuweichen.

Welche Probleme können die Analdrüsen verursachen?

Bei Hunden sind Analdrüsenprobleme leider keine Seltenheit – vermutlich ist etwa jeder 10. Hund irgendwann davon betroffen! Da haben es Katzen besser, bei ihnen sind Erkrankungen der Analdrüsen eher selten.

Das häufigste Problem sowohl bei Hunden als auch bei Katzen ist eine Verstopfung der Analbeutel – die allerdings in eine Analdrüsenentzündung oder sogar einen Analdrüsenabszess übergehen kann. Seltener kommen auch Tumoren der Analbeutel vor.

Verstopfte Analdrüsen

Von verstopften Analdrüsen spricht man, wenn sich die Analdrüsen nicht ausreichend entleeren können. In einem solchen Fall sammelt sich immer mehr Sekret an, die Analbeutel werden größer, das Sekret dickt ein und wird fester. Dadurch kommt es dann erst recht nicht mehr von alleine aus den Analbeuteln heraus.

Es gibt viele Gründe, wieso sich die Analdrüsen nicht ausreichend entleeren können – und oft findet man gar nicht heraus, wie es dazu kommen konnte. Verschiedene Faktoren können vermutlich eine Rolle in der Entstehung spielen, z.B. Kotkonsistenz, Fütterung, Körpergewicht, zu geringe körperliche Betätigung und verschiedene Erkrankungen (z.B. entzündliche Darmerkrankungen, Narbengewebe in der Umgebung, Nervenschäden). Oft kommt es jedoch zu einer Verstopfung

  • weil die Ausführungsgänge von außen zusammengepresst werden (z.B. durch einen Tumor in der Umgebung oder durch Fettgewebe bei zu dicken Hunden und Katzen) oder
  • weil der Kot zu weich ist, um genug Druck ausüben zu können (z.B. bei Durchfallerkrankungen oder bei weichem Kot durch „falsches“ Futter).

Vor allem kleinere Hunderassen sind häufig von verstopften Analdrüsen betroffen. Das liegt vermutlich daran, dass diese besonders kleine, enge Ausführungsgänge haben. Wie bereits angedeutet, sind aber auch dicke Hunde und Katzen anfälliger für die Erkrankung.

Analdrüsenentzündung und Analdrüsenabszess

So unangenehm es für einen Hund oder eine Katze auch ist, wenn die Analdrüsen verstopft sind – es kann leider noch schlimmer kommen. In dem angestauten Sekret herrschen nämlich hervorragende Bedingungen für Bakterien und Hefepilze. Oft vermehren sie sich und führen zu einer schmerzhaften Infektion und Entzündung (bei Katzen seltener als bei Hunden). Aber auch andere Erkrankungen als verstopfte Analdrüsen können Hunde und Katzen für eine Analdrüsenentzündung besonders anfällig machen – z.B. Hautentzündungen in der Analregion oder eine atopische Dermatitis (Umweltallergie).

Wenn die Ausführungsgänge der Analdrüsen komplett verstopft sind, breitet sich die Entzündung irgendwann auch in die Wände der Analbeutel aus, die Entzündung „frisst“ sich also bis in das umliegende Gewebe. Es bildet sich ein schmerzhafter Analdrüsenabszess, also eine Entzündung und Eiteransammlung im Gewebe. Meist bricht der Abszess irgendwann nach außen auf. Über einen sogenannten Fistelgang (also ein Gang nach außen) tritt der Eiter dann aus einer blutigen Öffnung neben dem After aus.

Analbeutelkarzinom

Die Analdrüsen können auch Ausgangspunkt für Tumore sein. Fast ausnahmslos handelt es dabei sich um bösartige Adenokarzinome, die leider auch schnell metastasieren. Zum Zeitpunkt der Diagnose finden sich bei der Hälfte der betroffenen Hunde bereits Metastasen in den nahegelegenen Lymphknoten, seltener auch in Leber, Milz oder Lunge. Zum Glück sind Analbeutelkarzinome bei Hunden aber selten. Vor allem ältere Hunde über 10 Jahre scheinen davon betroffen zu sein. Bei Katzen sind Analbeutelkarzinome sogar noch sehr viel seltener.

Was sind typische Symptome bei Analdrüsen-Problemen?

Bei verstopften Analdrüsen, Analdrüsenentzündungen und -abszessen zeigen die betroffenen Hunde und Katzen meist Symptome, die durch Juckreiz und Schmerzen in der Afterregion hervorgerufen werden:

  • Lecken und Knabbern in der Analregion und an der Schwanzwurzel; bei Katzen auch am hinteren Bauch

  • V.a. Hunde: „Schlittenfahren“, also auf dem Popo rutschen, und Reiben der Analregion an Gegenständen

  • V.a. Katzen: haarlose Stellen an Schwanzwurzel und hinterem Bauch (durch das Lecken und Knabbern)

  • Widerstreben, sich hinzusetzen und Unbehagen beim Sitzen

  • Schwanzjagen

  • Schmerzäußerung beim Berühren der Analregion

In schweren Fällen können aufgrund der Schmerzen auch Probleme beim Kotabsatz zu beobachten sein. So zeigen die Hunde und Katzen z.B. Stuhlzwang (Tenesmus), also einen schmerzhaften Stuhldrang mit starkem Pressen beim Kotabsatz, wobei meist nur geringe Mengen Kot kommen. Im schlimmsten Fall widerstrebt es den Tieren dann irgendwann, überhaupt Kot abzusetzen. Betroffene Katzen verlieren teilweise auch ihre Stubenreinheit und koten außerhalb des Katzenklos (Unsauberkeit).

Halten die Probleme mit den Analdrüsen länger an, können neben dem Anus große und oft schmerzhafte Schwellungen zu finden sein.

Im Falle eines durchgebrochenen Analdrüsenabszesses sieht man 1-2 cm neben dem Anus meist (blutigen) Eiter austreten, teilweise bemerkt man auch einen unangenehmen, fauligen Geruch im Pobereich des Tieres. Bei Hunden und Katzen mit Analdrüsenentzündung oder -abszess kann es zusätzlich auch zu Fieber kommen.

Der Inhalt der Analbeutel ist bei Verstopfung oft dickflüssiger als normal, bei Analdrüsenentzündung oder Abszessbildung i.d.R. zusätzlich auch eitrig oder blutig und stinkt sogar noch mehr als sonst.

Liegt ein Analbeutelkarzinom vor, haben die betroffenen Hunde oft eine Schwellung neben dem Anus und gelegentlich Schwierigkeiten beim Kotabsatz. Bei manchen Hunden ist – als Folge eines tumorbedingten Anstiegs des Blutcalciums (Hypercalcämie) – auch häufiges Absetzen großer Mengen Urin sowie gesteigerter Durst (Polyurie/Polydipsie), Muskelschwäche, Erbrechen, Appetitlosigkeit und Verstopfung zu beobachten. Schlittenfahren, Lecken und Knabbern im Analbereich sind ebenfalls möglich, aber seltener als die anderen Symptome.

Was soll ich tun, wenn mein Hund/meine Katze diese Symptome zeigt?

Wenn Ihr Hund bzw. Ihre Katze die oben beschriebenen Symptome zeigt, sollten Sie ihn/sie zu einem Tierarzt bringen. Vor allem, wenn Sie neben den typischen Analdrüsen-Symptomen gesteigerten Durst, vermehrten Urinabsatz, Erbrechen oder Schwäche beobachten, sollten Sie den Besuch nicht auf die lange Bank schieben und möglichst bald einen Tierarzt aufsuchen!

Bei Hunden wird der Tierarzt – neben einem Vorgespräch und einer Allgemeinuntersuchung – eine rektale Untersuchung durchführen. Dazu führt er einen Finger in den Enddarm ein und tastet die umliegenden Strukturen ab. Vergrößerte Analbeutel – sei es durch Verstopfung, Entzündung oder einen Tumor – sind i.d.R. sehr leicht zu fühlen. Bei Katzen ist eine rektale Untersuchung fast immer nur unter Sedation (also nach Gabe einer Beruhigungsspritze) oder in Narkose möglich. Oft wird deswegen zunächst darauf verzichtet und die Analbeutel werden nur von außen abgetastet.

Als nächstes wird der Tierarzt versuchen die Analbeutel auszudrücken – einerseits um sie zu entleeren, andererseits aber auch um den Inhalt untersuchen zu können. Bei Hunden geschieht dies i.d.R. „von innen“ im Rahmen der rektalen Untersuchung, bei Katzen dagegen meist von außen.

Zusammen mit den Befunden der rektalen Untersuchung geben das Aussehen des Analdrüsensekrets sowie die darin enthaltene Menge an Entzündungszellen und Bakterien (Untersuchung unter dem Mikroskop) i.d.R. guten Aufschluss darüber, was in den Analbeuteln vor sich geht. Es ist allerdings auch wichtig, ob der Hund/die Katze beim Abtasten Schmerzen zeigt und wie leicht oder schwer die Analbeutel auszudrücken sind.

Besteht nach diesen Untersuchungen der Verdacht, dass es sich um ein Analbeutelkarzinom handeln könnte, sollten zusätzlich ein komplettes Blutbild, eine Untersuchung der Organwerte, eine Urinuntersuchung und Röntgenaufnahmen von Lunge und Bauch durchgeführt werden.

Wie werden Erkrankungen der Analdrüsen behandelt?

Das hängt natürlich von der eigentlichen Erkrankung ab. Bei verstopften Analdrüsen kann das Problem oft erstmal behoben werden, indem der Tierarzt die Analbeutel ausdrückt, also mechanisch komplett entleert. Bei Katzen hält die Besserung dann meist relativ lange an. Bei Hunden dagegen kommt es leider oft recht schnell zu einem Rezidiv, d.h. die Analdrüsen füllen sich wieder (laut einer Studie bei 4 von 5 Hunden innerhalb von 3 Wochen). Langfristig können dann Maßnahmen wie Futterumstellung (z.B. höherer Anteil Ballaststoffe), mehr Bewegung und/oder eine Gewichtsabnahme dabei helfen, die Häufigkeit von Wiedererkrankungen zu reduzieren.

Sind die Analbeutel entzündet – oder liegt sogar ein Analdrüsenabszess vor – ist es oft nötig, die Analdrüsen alle paar Tage (oft alle 2-5 Tage) zu spülen und ein flüssiges Antibiotikum und Cortison in die Analbeutel zu applizieren. In schweren Fällen können auch Antibiotika- und Cortison-Tabletten erforderlich sein. Warme Kompressen können zusätzlich dabei helfen, die Symptome zu lindern und die Heilung zu beschleunigen.

Leider gibt es einige Hunde (seltener auch Katzen), die nicht auf die Behandlung ansprechen oder regelmäßig so schwer betroffen sind, dass eine Entfernung der Analbeutel in Frage kommen könnte. Diese Operation ist allerdings sehr anspruchsvoll und birgt einige Risiken, da die Analbeutel sehr nah an den Schließmuskeln liegen. Werden diese in der OP verletzt, kann es leicht zu einer Kotinkontinenz kommen, d.h. die betroffenen Hunde verlieren unwillentlich Kot (z.B. beim Laufen oder im Liegen). Eine solche Operation sollte also gut abgewogen und im Idealfall nur von einem sehr erfahrenen Chirurgen durchgeführt werden.

Bei Hunden mit einem Analbeutelkarzinom ist die frühe, vollständige Entfernung des betroffenen Analbeutels (sowie der dazugehörigen Lymphknoten) dagegen immer die Therapie der Wahl.

Wie oft sollten die Analdrüsen ausgedrückt werden?

Wie so oft in der Tiermedizin lautet die Antwort: es kommt darauf an.

Bei Hunden (und auch Katzen), die keine Probleme mit den Analdrüsen haben und keine der oben beschriebenen Symptome zeigen, ist es nicht nötig – und möglicherweise sogar schädlich – die Analbeutel regelmäßig bzw. vorsorglich ausdrücken zu lassen. Erstens scheinen diese Tiere die Entleerung der Analbeutel selbst im Griff zu haben. Es besteht also keine Notwendigkeit die Hunde bzw. Katzen einer für sie unangenehmen Prozedur zu unterziehen. Dies  gilt umso mehr, da bis heute unklar ist, ob es bei „gesunden“ Analbeuteln nicht sogar schädlich ist, sie auszudrücken. Es könnte sein, dass sie sich dadurch schneller füllen und es leichter zu einer Verstopfung kommen kann.

Auch bei Hunden und Katzen, die gelegentlich unter verstopften Analdrüsen leiden, reicht es oft das Tier einfach im Auge zu behalten. Üblicherweise zeigen unsere vierbeinigen Begleiter, wenn es wieder Zeit wird die Analbeutel entleeren zu lassen (z.B. indem sie Schlittenfahren oder viel am Anus schlecken/knabbern).

Bei wirklich häufigen Analdrüsenproblemen kann es allerdings schon sinnvoll sein, die Analbeutel regelmäßig (z.B. alle paar Wochen) ausdrücken zu lassen.

Analdrüsen ausdrücken: wie geht das?

Wenn die Analdrüsen bei Ihrem Hund sehr oft verstopft sind und sich in der Folge eventuell sogar entzünden, kann es im Einzelfall Sinn machen, wenn Sie lernen, die Analdrüsen selbst auszudrücken (Bei Katzen kommt diese Option eher selten in Frage).

Wir können Ihnen aber aus Erfahrung sagen (auch wir mussten erst lernen, die Analdrüsen auszudrücken): es ist nicht so leicht, wie es aussieht! Daher werden wir Ihnen hier zwar grundsätzlich erklären, wie es geht, damit Sie eine Vorstellung vom Ablauf bekommen. Wir empfehlen Ihnen aber unbedingt, dass Sie sich den Vorgang von einem Tierarzt zeigen lassen und den ersten Versuch auch nur unter seinen Augen wagen!

Achtung:

Bitte beachten Sie, dass es bei falscher Durchführung (zu grobes Vorgehen, zu viel Druck, kein Abbrechen bei Widerstand etc.) unter anderem zu einer Verletzung des Darms oder zu einer Ruptur der Analbeutel kommen kann (d.h. die Wand reißt und der Analbeutelinhalt dringt ins umliegende Gewebe ein). Beide Fälle sind sehr ungünstig und können zu einer starken Entzündung mit schweren Folgen führen (z.B. langfristige Schäden, hohe Behandlungskosten, teure OP erforderlich).

Wir betonen daher nochmal: wir raten Ihnen dringend davon ab, die Analbeutel nur aufgrund einer Internet-Anleitung auszudrücken! Lassen Sie sich unbedingt vorher persönlich von einem Tierarzt zeigen, wie es geht und brechen Sie jeden Versuch ab, wenn der Widerstand beim Ausdrücken zu groß ist. Bitte achten Sie auch auf den Selbstschutz – manche Hunde empfinden das Leeren der Analdrüsen möglicherweise als so unangenehm, dass sie bissig reagieren. Man sollte daher immer eine Hilfsperson haben, die den Hund währenddessen gut festhält.

Um die Analdrüsen auszudrücken benötigen Sie ein Paar Einmalhandschuhe, einige Kosmetik- oder Taschentücher bzw. Küchenrolle und etwas, um den Finger gleitfähig zu machen (z.B. Vaseline, neutrales Gleitgel).

Bevor Sie beginnen, überprüfen Sie bitte Ihre Fingernägel – mit langen, kantigen oder spitzen Nägeln sollte man niemals die Analbeutel ausdrücken! Ziehen Sie dann die Handschuhe an und tragen Sie eine großzügige Portion Gleitmittel auf den Zeigefinger auf (bei sehr kleinen Hunden ist es manchmal sinnvoll und nötig stattdessen mit dem kleinen Finger zu arbeiten).

Führen Sie den Zeigefinger nun langsam und vorsichtig etwa bis zum ersten Fingerglied in den Anus des Hundes ein. Legen Sie nun den Daumen der gleichen Hand auf die äußere Haut seitlich des Anus (bei Verwendung der rechten Hand auf etwa 8 Uhr). Fühlen Sie nun mit Zeigefinger und Daumen: Sie sollten eine runde Struktur fühlen, die je nach Hundegröße und Füllungszustand des Analbeutels etwa erbsen- bis walnussgroß ist. Das ist der Analbeutel.

Nun kommt der schwierige Teil: oft verschließt man beim Ausdrücken den Ausführungsgang mit dem Zeigefinger. Unserer Meinung nach kann es hilfreich sein, den Daumen – während er auf der Haut liegt – etwas nach vorne/von Ihnen weg zu schieben. Dadurch stülpt sich der Anus ein klein wenig nach außen, so dass der Ausführungsgang frei liegt. Ziehen Sie nun den Zeigefinger langsam und vorsichtig zu sich heran, in einer Art schiebenden oder rollenden Bewegung. Nun sollte sich der Analbeutelinhalt entleeren, was man meist als Flüssigkeitsstrom spürt. Halten Sie beim Ausdrücken unbedingt ein Tuch vor den Anus ihres Hundes, ansonsten könnte es eine kleine, stinkende Sauerei geben!

Ist der erste Analbeutel entleert, folgt die andere Seite. Die meisten Tierärzte arbeiten auf der linken Seite mit dem Zeigefinger der rechten, auf der rechten Seite mit dem der linken Hand. Auf der rechten Seite befindet sich der Analbeutel auf etwa 4 Uhr.

Brechen Sie den Versuch sofort ab, wenn der Hund mehr als ein bisschen Unbehagen zeigt, der Widerstand beim Ausdrücken sehr groß ist oder Ihnen an der Form des Analbeutels etwas auffällt. Sie sollten Ihren Tierarzt außerdem immer informieren, wenn Ihnen beim Ausdrücken etwas komisch vorkommt oder der Analbeutelinhalt anders aussieht als sonst und z.B. Eiterflocken und/oder Blut enthält.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie diesen Artikel kurz bewerten würden:

[Gesamt:2    Durchschnitt: 5/5]
Quellen

15. September 2018

Von Dr. Iris Wagner-Storz

2018-10-26T13:54:41+00:00

Über den Autor:

Als ursprüngliche Schwäbin bin ich 2007 nach München gezogen um Tiermedizin an der LMU zu studieren. Anschließend hab ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München geschrieben – über eine neue Art der Immuntherapie bei Hunden mit Umweltallergie. Meine Lieblingsbereiche sind die Dermatologie, die Innere Medizin und Infektionskrankheiten. Ich bin stolze Dosenöffnerin für meine beiden Miezen Nini und Clyde, liebe alle Tiere (Katzen aber natürlich besonders) und habe eine Schwäche für Kuchen.