Unser Interview mit einem der führenden Experten für Allergien bei Hund & Katze zum Thema „Atopische Dermatitis“:

Vielen Dank an die Medizinische Kleintierklinik der LMU München und an Prof. Dr. Ralf Müller

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Atopische Dermatitis (Hund): Zusammenfassung

  • Häufigkeit der Erkrankung: Häufig

  • Schwere der Erkrankung: Leicht bis mittel

  • Vorkommen: Bei Hunden aller Rassen und Altersstufen möglich, beginnt jedoch häufig im Alter von 6 Monaten bis 3 Jahren

  • Ansteckungsgefahr: Nicht ansteckend für Tiere oder Menschen

  • Typische Symptome: Juckreiz, Hautentzündungen, Ohr- und Pfotenentzündungen, haarlose Stellen

  • Verlauf: Chronisch

  • Diagnose: Durch Ausschluss anderer Ursachen für die Symptome

  • Behandlungsmöglichkeiten: Desensibilisierung, verschiedene Medikamente und Behandlungen

  • Prognose: gut bezüglich des Überlebens (in aller Regel nicht lebensbedrohlich), allerdings meist lebenslange Erkrankung

Beschreibung

Die atopische Dermatitis (auch als Umweltallergie bezeichnet) ist eine leider recht häufige allergische Hauterkrankung, die bei den betroffenen Hunden zu teilweise starkem Juckreiz führt. Dabei ist die Allergie gegen bestimmte Stoffe in der Luft, wie Pollen, Milben oder Schimmelpilze, gerichtet.

Der Begriff „atopische Dermatitis“ bzw. Umweltallergie ist also sozusagen der Überbegriff für Milbenallergie bzw. Hausstaubmilbenallergie, Pollenallergie, Grasallergie, Hausstauballergie, Schimmelpilzallergie etc.

Der Begriff „atopisch“ bezeichnet dabei die genetische Veranlagung, auf harmlose Stoffe aus der Umwelt (Umweltallergene) eine Antikörper-vermittelte Allergie zu entwickeln. Die atopische Dermatitis bzw. Umweltallergie ist also eine zumindest teilweise angeborene Erkrankung.

Man vermutet, dass etwa jeder zehnte bis zwanzigste Hund an einer atopischen Dermatitis leidet.

Wann und wie entwickelt sich die atopische Dermatitis?

Typischerweise sind Hunde zwischen 6 Monaten und 3 Jahren alt, wenn sie die ersten Symptome einer atopischen Dermatitis zeigen (ca. 80% der Hunde). Einmal entwickelt, bleibt die Umweltallergie i.d.R. lebenslang bestehen.

Häufig ist die atopische Dermatitis am Anfang allerdings noch saisonal, d.h. die Hunde zeigen nur zu bestimmten Jahreszeiten allergische Symptome (z.B. im Winter bei Milbenallergie, im Frühjahr bei Baum-Pollenallergie oder im Sommer bei Grasallergie). Oft wird die Allergie im Lauf der Zeit dann jedoch asaisonal, d.h. die Symptome bestehen das ganz Jahr über. Das liegt u.a. daran, dass entsprechend veranlagte Hunde immer mehr Sensibilisierungen entwickeln, d.h. sie werden auf immer mehr Stoffe allergisch.

Auf welche Allergene können Hunde reagieren?

Hunde können auf ganz viele verschiedene Umweltallergene in der Luft reagieren, z.B. auf

  • Milben-Allergene (z.B. Hausstaubmilbe, Vorratsmilbe)
  • Verschiedene Pflanzenpollen (von Bäumen, Gräsern und Kräutern, z.B. von Birke, Hasel, Wiesen-Lieschgras, Spitzwegerich, Ambrosia)
  • Federn; Hautschuppen von Menschen, Katzen oder anderen Tieren
  • Insekten (z.B. Kakerlake, Stubenfliege)
  • Hausstaub
  • Schimmelpilzsporen (z.B. Aspergillus, Penicillium)

Dabei leiden die meisten Hunde mit atopischer Dermatitis an einer Milbenallergie, genauer gesagt an einer Hausstaubmilbenallergie. Aber auch Pollenallergien bzw. Grasallergien kommen sehr häufig vor.

Interessanterweise können Hunde auch auf Hautschuppen von Katzen oder sogar von uns Menschen allergisch sein – ähnlich wie wenn wir Menschen an einer Hunde- oder Katzenhaarallergie leiden. Menschen können also nicht nur an einer „Hundehaarallergie“ leiden, Hunde können auch von einer „Menschenhaarallergie“ betroffen sein.

Hier finden Sie einen Artikel über Allergien beim Hund im Allgemeinen: „Allergien beim Hund: eine Übersicht“. Lesen Sie dort u.a., was bei einer Allergie passiert, welche Allergiearten es gibt und wie sie behandelt werden können.

Symptome der atopischen Dermatitis beim Hund

Welche Symptome kommen vor?

Juckreiz, haarlose Stellen und Hautveränderungen

Das „typische“ und erste Symptom bei Hunden mit Hausstaubmilbenallergie, Grasallergie, Hausstauballergie und Co ist Juckreiz. Dieser kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein – von kaum bemerkbar bis hin zum „Blutig-Kratzen“. Juckreiz ist das erste Symptom, das bei Hunden mit Allergie auftritt; alle sichtbaren Hautveränderungen kommen i.d.R. erst danach.

Weil die betroffenen Hunde die juckenden Stellen kratzen, benagen, abschlecken und beknabbern, kommt es schließlich allerdings oft zur Hautentzündung (Dermatitis). An den betroffenen Hautstellen zeigen sich dann z.B.

  • Rötungen,
  • Krusten,
  • Pusteln,
  • nässende/offene Wunden,
  • Kratzspuren und/oder
  • Schwellungen

Außerdem kratzen oder schlecken sich Hunde an den juckenden Stellen oft das Fell aus, so dass es zu haarlosen Bereichen (Alopezie) kommt. Andererseits kann sich das Fell aber auch bräunlich-rostrot verfärben, wenn Hunde sich viel schlecken (sog. Leckverfärbung).

Seltener entwickeln Hunde mit atopischer Dermatitis Quaddeln (Urtikaria), also örtlich begrenzte Schwellungen der Haut (sehen ähnlich aus wie Mückenstiche).

Besteht die atopische Dermatitis bzw. die Hautentzündung über längere Zeit, kann es schließlich auch zu einer Verdickung (Lichenifikation) und/oder Dunkelverfärbung (Hyperpigmentation) der Haut kommen.

Bei Hunden mit atopischer Dermatitis typischerweise betroffene Hautstellen

Die roten Bereiche kennzeichnen die Hautstellen, die bei Hunden mit atopischer Dermatitis typischerweise von Juckreiz und Entzündungen betroffen sind.

Typischerweise sind bei Hunden mit atopischer Dermatitis v.a. die Hautstellen von Entzündungen und Juckreiz betroffen, die besonders viel Kontakt zur „Umwelt“ haben (die Allergene gelangen nämlich zum größten Teil direkt über die Haut in den Körper):

  • die „Unterseite“ des Hundes: Bauch, Achseln, Leiste
  • Innenseite der Oberschenkel
  • Pfoten
  • Kopf/Gesicht
  • Ohren

Dabei können viele verschiedene Hautstellen auf einmal betroffen sein, es gibt aber auch Hunde mit atopischer Dermatitis, die z.B. nur an einer Ohrentzündung leiden oder die sich nur die Pfoten knabbern.

Ohrentzündungen

Bei etwa der Hälfte aller Hunde mit Pollenallergie, Milbenallergie und Co kommt es zu einer Ohrentzündung (Otitis externa). Betroffene Hunde schütteln viel mit dem Kopf und kratzen sich an den Ohren. Im Gehörgang ist oft bräunlich-krümeliger oder weißlich-cremiger, teilweise stinkender Ausfluss erkennbar. Bei manchen Hunden sieht man auch schon von außen, dass die Gehörgänge zugeschwollen sind.

Pfotenentzündungen

Bei vielen Hunden mit atopischer Dermatitis kommt es außerdem auch zu einer Pfotenentzündung (Pododermatitis). Dabei kann sich diese nur als leichte Rötung äußern, sie kann aber auch so stark ausgeprägt sein, dass die Pfoten massiv geschwollen sind, nässen und auf Druck sogar Eiter austritt. V.a. bei solch schweren Fällen kann es auch sein, dass der betroffene Hund lahmt.

Sekundärinfektionen und Pyodermie

Sehr oft nutzen Bakterien oder Hefepilze (z.B. Malassezien) die Situation aus und besiedeln die von Allergie und Entzündung bereits geschädigte Haut (oder die Ohren) – die Folge ist eine sog. Sekundärinfektion. Diese Hautentzündung mit Bakterien (Pyodermie) oder Hefepilzen verstärkt die Symptome noch weiter, denn die Bakterien und Hefepilze verschlimmern nicht nur die Entzündung, sie können auch für sich schon Juckreiz auslösen.

Atemwege und Augen

Seltener leiden Hunde mit Milbenallergie, Grasallergie und Co auch an Problemen mit den Atemwegen (sog. Rhinitis, äußert sich durch Niesen, Rückwärtsniesen, Nasenausfluss, Atemgeräusch) und/oder mit den Augen (sog. Konjunktivitis, äußert sich durch Augenausfluss, gerötete und/oder geschwollene Bindehäute).

Wann zeigen Hunde mit atopischer Dermatitis die Symptome?

Die allergischen Symptome können bei Hunden mit atopischer Dermatitis ganzjährig zu beobachten sein, aber auch nur zu bestimmten Jahreszeiten – je nachdem, wann das problematische Allergen in der Luft vorhanden ist.

So zeigen Hunde mit einer Baum-Pollenallergie (z.B. Hasel, Erle, Buche) oft v.a. im Frühjahr Symptome, während Hunde mit Grasallergie eher im Sommer betroffen sind. Hunde mit Milbenallergie/Hausstaubmilbenallergie jucken und kratzen sich dagegen i.d.R. ganzjährig, wobei die Symptome im Winter oft schlimmer sind.

Ursachen und Risikofaktoren der atopischen Dermatitis

Obwohl zahlreiche Untersuchungen (sowohl in der Human- als auch in der Tiermedizin) durchgeführt wurden, ist bis heute immer noch nicht ganz klar, wieso manche Hunde (und Menschen) eine atopische Dermatitis entwickeln.

Es wird angenommen, dass die Erkrankung teilweise angeboren ist, auf der anderen Seite aber auch Umwelteinflüsse eine große Rolle spielen. So geht beispielsweise die Hygienehypothese davon aus, dass eine mangelnde Stimulierung des Immunsystems durch Keime und Erreger (v.a. in jungem Alter) dazu führt, dass es sich stattdessen mit anderen – eigentlich harmlosen – Eindringlingen beschäftigt: Allergene. Eine zu „reine“, hygienische Umgebung soll dementsprechend die Entstehung von Allergien fördern. Leider gibt es sowohl Studien, die diese These unterstützen, als auch solche, die sie widerlegen.

Klar ist allerdings, dass Kinder von allergischen Eltern sehr viel häufiger an einer Allergie erkranken als Kinder von „gesunden“ Eltern – und dasselbe scheint auch für Hunde zu gelten. Daher sollte mit allergischen Hunden nicht gezüchtet werden.

Welche Hunde sind oft von Pollenallergie, Milbenallergie und Co betroffen?

Jeder Hund kann eine atopische Dermatitis entwickeln, egal welcher Rasse er angehört oder ob er ein Mischling ist. Bei einigen Rassen vermutet man allerdings, dass sie ein erhöhtes Erkrankungsrisiko haben, z.B. Labrador Retriever, Golden Retriever, Französische Bulldogge, Mops, Boxer, verschiedene Terrier (West Highland White Terrier, Yorkshire Terrier), Deutscher Schäferhund und Englische Bulldogge. Dabei bestehen aber auch regionale Unterschiede.

Hunde, die bereits an einer anderen Allergie leiden (z.B. Flohspeichel- oder Futtermittelallergie) haben leider ebenfalls ein höheres Risiko zusätzlich an einer Umweltallergie zu erkranken.

Untersuchungen und Diagnose der atopischen Dermatitis beim Hund

Schwer zu glauben, aber bis heute gibt es tatsächlich keinen einzigen Test, der uns sagen kann, ob ein Hund an einer Allergie leidet und wenn ja, an welcher. Die atopische Dermatitis ist deswegen immer eine sog. Ausschlussdiagnose – d.h. die Diagnose kann nur gestellt werden, indem man die anderen möglichen Ursachen für die Symptome ausschließt.

Zeigt ein Hund die oben beschriebenen Symptome, kommen neben der atopischen Dermatitis v.a. Infektionen mit Bakterien oder Pilzen, ein Befall mit Milben (Räudemilben oder Demodexmilben) sowie die Flohspeichelallergie und die Futtermittelallergie in Frage. Aber auch seltenere Erkrankungen können für die Symptome verantwortlich sein (z.B. bestimmte Autoimmunerkrankungen).

Schritt 1: Diagnose der Allergie

Der Tierarzt wird deswegen zunächst viele Fragen stellen, um möglichst viel über die Krankheitsgeschichte des Hundes zu erfahren: Wann haben die Symptome begonnen? Was war zuerst da – der Juckreiz oder die Hautentzündung? Wo und wieviel kratzt sich der Hund?

Nach einer allgemeinen klinischen Untersuchung des Hundes folgt dann eine genaue Beurteilung der Haut (dermatologische Untersuchung): welche Hautveränderungen gibt es und welche Körperstellen sind davon betroffen?

Wenn ein Hund unter Hautentzündungen leidet, sollten dort unbedingt auch Proben genommen werden (zytologische Untersuchung). Das geht ganz schnell und tut überhaupt nicht weh: so presst der Tierarzt z.B. einfach ein kleines Glasplättchen (Objektträger) oder ein Stück Klebeband auf die Haut des Hundes. Dabei werden einige Zellen und auch etwaige Keime übertragen. Indem er das Präparat dann anfärbt und unter dem Mikroskop betrachtet, kann der Tierarzt so ganz schnell feststellen, ob die Haut wirklich entzündet ist und ob eine Sekundärinfektion mit Bakterien oder Hefepilzen (z.B. Malassezien) vorliegt. Das gleiche Prinzip funktioniert auch bei „dreckigen“ oder entzündeten Ohren. Hier wird die Probe allerdings mit einem Wattestäbchen gewonnen.

Diese sog. zytologische Untersuchung ist sehr wichtig, denn:

  • Wie erwähnt, kann auch eine Infektion mit Bakterien oder Hefepilzen zu den beschriebenen Symptomen führen – und diese muss nicht unbedingt Folge einer Allergie sein. Auch Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen (z.B. Schilddrüsenunterfunktion), können Hautinfektionen verursachen.
  • Wenn ein Hund an Sekundärinfektionen leidet, sollten diese unbedingt behandelt werden, da sie die Symptome der Allergie massiv verstärken können. Durch die zytologische Untersuchung kann der Tierarzt deshalb schnell und einfach die weitere Therapie planen.

Je nachdem, wie die Krankengeschichte des Hundes ist und was der Tierarzt an Hautveränderungen findet, kann es auch sein, dass er noch mehr Untersuchungen durchführt (z.B. Hautgeschabsel, Biopsientnahme, Pilzkultur).

Schritt 2: Diagnose der atopischen Dermatitis

Ist klar, dass der Hund mit hoher Wahrscheinlichkeit an einer Allergie leidet, geht es im 2. Schritt darum, herauszufinden, ob es sich um eine atopische Dermatitis handelt – oder ob vielleicht eine andere Allergie dahintersteckt.

Eine Flohspeichelallergie kann relativ einfach bestätigt oder ausgeschlossen werden: Man behandelt den Hund einfach mit einem gut wirksamen Mittel gegen Flöhe (z.B. mit einem Spot-On oder mit Tabletten)! Kommt es zu keiner Besserung, ist klar, dass eine Flohspeichelallergie nicht das Problem des Hundes ist.

Um eine Futtermittelallergie auszuschließen muss dagegen unbedingt eine