Unser Interview mit einem der führenden Experten für Allergien bei Hund & Katze zum diesem Thema:

Vielen Dank an die Medizinische Kleintierklinik der LMU München und an Prof. Dr. Ralf Müller

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Hintergrundwissen zu Allergien

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Bei einer Allergie richtet sich das Immunsystem gegen bestimmte, eigentlich völlig harmlose Stoffe aus der Umwelt, wie Pollen oder Lebensmittelbestandteile. Diese Substanzen werden auch als Allergene bezeichnet. Der Körper von allergischen Hunden „verwechselt“ sie sozusagen mit gefährlichen Eindringlingen und versucht, sie abzuwehren.

Wieso genau der Körper so überempfindlich auf harmlose Stoffe reagiert ist noch unklar. Die Folge ist jedoch eine Entzündungsreaktion, die zu vielen Symptomen führen kann: Juckreiz, Hautentzündungen, Durchfall, Erbrechen, Atemwegsprobleme oder Augenausfluss.

Vermutlich spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Einige davon scheinen genetisch bedingt, also angeboren, zu sein, während andere von außen kommen (Umweltfaktoren). So scheint bei allergischen Hunden z.B. die Hautbarriere gestört zu sein, so dass Allergene (wie Pollen) leichter in die Haut eindringen können. Andererseits ist das Immunsystem der betroffenen Hunde verändert. Beim Menschen scheinen auch Stress und reizende Stoffe Allergien fördern zu können – ob dies auch auf Hunde zutrifft ist unklar, aber wahrscheinlich.

Wie bei Menschen, scheinen Allergien auch bei Hunden inzwischen häufiger zu sein als früher. Wieso das so ist, weiß man noch nicht. Allerdings gibt es verschiedene Theorien. Eine davon ist die sogenannte Hygienehypothese, von der vermutlich viele schon mal gehört haben. Sie besagt, dass das Immunsystem durch die zunehmende Hygiene und Sauberkeit in unserem Umfeld nicht mehr ausreichend Kontakt zu Bakterien und Parasiten hat. Diese „Unterforderung“ sorgt dafür, dass das Immunsystem sich gegen andere „Eindringlinge“ richtet. Vor allem wenn ein Hund im Welpenalter nicht ausreichend mit Keimen in Kontakt kommt, scheint er ein höheres Erkrankungsrisiko zu haben.

Auf was kann ein Hund allergisch sein bzw. welche Allergien gibt es?

Am häufigsten sind Hunde gegen Flohspeichel, Futtermittelbestandteile oder Umweltallergene (wie Pollen, Hausstaubmilben oder Schimmelpilze) allergisch.

Seltener können Hunde allerdings auch auf andere Substanzen allergisch reagieren – z.B. auf bestimmte Medikamente, wie Penicillin, oder sog. Kontaktallergene, wie Nickel, Gummi oder Wolle.

Weil Flohspeichel-, Futtermittel- und Umweltallergie so viel häufiger sind, geht es in diesem Artikel jedoch v.a. um diese drei Allergieformen.

Flohallergie

Die Flohallergie (auch Flohspeichel- oder Flohbissallergie) ist tatsächlich die häufigste Allergie bei Hunden! Bei dieser reagieren Hunde allergisch auf den Speichel von Flöhen, der bei einem Biss der kleinen Tiere in die Haut des Hundes gelangt.

Die Flohspeichelallergie ist nicht gleichzusetzen mit einem Flohbefall – bei vielen Hunden mit Flohallergie findet man tatsächlich nicht eines der kleinen Krabbeltiere auf der Haut. Der Biss eines einzigen Flohs kann bei allergischen Hunden nämlich schon ausreichen, um starken Juckreiz auszulösen. Bei Hunden ohne Flohallergie führt dagegen selbst ein Flohbefall meist nicht zu Juckreiz (außer bei starkem Befall; dann kann die Bewegung der Flöhe den Hund so sehr irritieren und kitzeln, dass er sich kratzt).

Die typischen Symptome bei Flohallergie sind Juckreiz (meist in der hinteren Körperhälfte, also am hinteren Rücken und Bauch sowie an Schwanzwurzel, Oberschenkeln und Flanken) und sogenannte Hot Spots (begrenzte, oft runde Stellen mit so massivem Juckreiz, dass die Hunde sich dort blutig kratzen; häufig am Hals oder an der Kruppe).

Futtermittelallergie

Bei Hunden ist die Futtermittelallergie meist gegen bestimmte Proteine (Eiweiße) im Futter gerichtet. Häufig reagieren die Hunde auf Rind, Huhn, Soja oder Weizen.

Typischerweise zeigen Hunde mit Futtermittelallergie Juckreiz, aber auch Ohrentzündungen und Magen-Darm-Symptome (z.B. Durchfall, Magen-Darm-Grummeln oder Blähungen) treten häufig auf.

Umweltallergie

Eine Umweltallergie (auch als atopische Dermatitis bekannt) kann sich gegen verschiedene Stoffe aus der Umgebung des Hundes richten – also gegen Pollen, Hausstaubmilben, Schimmelpilze, Tierhaare oder sogar Menschen-Epithel (also Hautschuppen von Menschen). Die meisten Hunde sind gegen Hausstaubmilben allergisch. Weil diese das ganze Jahr über vorkommen, zeigen die betroffenen Hunde auch während des gesamten Jahres Symptome (evtl. etwas stärker im Winter). Hunde, die allergisch auf Pollen sind, haben dagegen meistens nur saisonal Symptome, also während bestimmter Monate oder Jahreszeiten (typischerweise Frühling und/oder Sommer).

Auch Hunde mit Umweltallergie leiden typischerweise an Juckreiz, aber auch Ohrentzündungen und Atemwegsprobleme wie Niesen, Nasenausfluss oder Augenausfluss sind möglich. Oft treten die Symptome zunächst nur zu bestimmten Jahreszeiten auf, im Laufe der Zeit sind sie dann aber ganzjährig zu beobachten.

Mischformen

Natürlich können Hunde auch an mehreren Allergien gleichzeitig leiden, also z.B. an einer Flohspeichel- und an einer Umweltallergie. Leider ist das sogar recht häufig der Fall.

Kann ein Hund auf etwas allergisch sein, zu dem er noch nie Kontakt hatte?

Nein. Damit eine Allergie entsteht, muss sich der Körper zunächst gegen das Allergen sensibilisieren. Unter Sensibilisierung versteht man den ersten Kontakt mit einem Allergen und die daraufhin entstehende spezifische Immunantwort im Körper. Während dieser Phase der Sensibilisierung (sie dauert einige Tage bis mehrere Jahre) zeigt ein Hund keine Symptome. Erst wenn er danach wieder Kontakt zu diesem Allergen hat, treten Symptome auf.

So kann beispielsweise ein Hund, der noch nie Pferd gefressen hat, auch nicht allergisch darauf reagieren. Erst nachdem er es eine gewisse Zeit gefressen hat, kann er eine Allergie darauf entwickeln.

Welche Hunde sind von Allergien betroffen?

Grundsätzlich kann jeder Hund eine Allergie entwickeln, unabhängig von Rasse, Alter oder Geschlecht.

Einige Rassen stehen allerdings im Verdacht ein erhöhtes Erkrankungsrisiko zu haben, z.B. Labrador Retriever, Golden Retriever, Französische Bulldogge, Mops, Boxer, verschiedene Terrier (West Highland White Terrier, Yorkshire Terrier, Boston Terrier, Foxterrier, Scottish Terrier), Deutscher Schäferhund, Shar Pei, Englische Bulldogge sowie English und Irish Setter.

Bei einer Umweltallergie entstehen die ersten Symptome meist zwischen dem 1. und 3. Lebensjahr, eine Futtermitteallergie zeigt sich manchmal sogar schon vor dem 6. Lebensmonat (oft vor dem 1. Geburtstag). Eine Flohspeichelallergie kann zu jedem Zeitpunkt auftreten, häufig sind die betroffenen Hunde aber zwischen 3 und 5 Jahre alt, wenn sie Symptome entwickeln.

Welche Symptome haben Hunde mit einer Allergie?

Das klassische Symptom bei allergischen Hunden ist Juckreiz. Dieser kann sich als Kratzen, Schlecken, Knabbern oder Reiben äußern. Häufig betroffene Körperstellen sind Achseln, Bauch, Leiste, Pfoten und Ohren. Manchmal tritt der Juckreiz aber auch an anderen Stellen auf, z.B. an Rücken und Schwanzwurzel (häufig bei Flohallergie) oder im Maul-/Nasenbereich. Dabei können viele verschiedene Körperregionen auf einmal betroffen sein, manche Hunde schlecken sich aber z.B. auch nur eine Pfote oder kratzen sich nur an den Ohren. Juckreiz ist typischerweise das allererste Symptom, das allergische Hunde zeigen.

Weil sich die Hunde so viel kratzen und schlecken, wird die Haut an den betroffenen Stellen dann aber oft in Mitleidenschaft gezogen – und es kommt schließlich zu einer Hautentzündung (Dermatitis). Häufig wird dies auch von Bakterien und Hefepilze ausgenutzt, um die Stellen zu infizieren. Diese sog. Sekundärinfektion verstärkt die Entzündung noch weiter.

Quaddeln (Urtikaria) beim Hund

Quaddeln an den Hinterbeinen eines Hundes

Als Folge der Hautentzündung und/oder -infektion kommt es oft zu Rötungen, Krusten, Kratzspuren, offenen Wunden, Haarausfall, Papeln (kleine Hautknötchen), Pusteln (mit Eiter gefüllte Bläschen) und Schwellungen. Im Laufe der Zeit kann die Haut auch haarlos werden, sich verdicken und dunkel färben. Seltener haben allergische Hunde auch Quaddeln (kleinere, örtlich begrenzte Schwellungen, wie z.B. bei einem Mückenstich) am Körper (Quaddelsucht, Urtikaria).

Eine Ohrentzündung (Otitis) ist bei Hunden mit einer Allergie ebenfalls recht häufig (v.a. bei Umwelt- und Futtermittelallergie). Die betroffenen Hunde schütteln ihren Kopf und kratzen sich an den Ohren. Oft sieht man in den Ohren auch krümelig-dunkelbraune oder weißlich-schmierige Beläge.

Auch eine Pfotenentzündung (Pododermatitis) ist bei Allergikern keine Seltenheit. Dabei können die Pfoten unterschiedlich stark betroffen sein – von leichten Rötungen über Pusteln bis hin zu stark entzündeten, geschwollen Pfoten, bei denen Eiter austritt, wenn man auf sie drückt. Sind die Pfoten stark entzündet, können Hunde auch lahm gehen.

Hot Spot bei einem Hund

Hot Spot an der Kehle eines Hundes (Quelle: Kalumet, HotSpot dog, CC BY-SA 4.0)

„Hot Spots“ (pyotraumatische Dermatitis) sind abgegrenzte (lokalisierte), oft runde, massive Hautentzündungen, die durch einen extremen Juckreiz entstehen. Häufig nässen oder bluten die betroffenen Stellen. Oft findet man Hot Spots am Hals oder an der Kruppe. Sind sie allergisch bedingt, sind sie oft Folge einer Flohallergie. Am Hals können sie aber auch entstehen, wenn sich Hunde aufgrund einer Ohrentzündung stark kratzen.

Magen-Darm-Symptome wie Durchfall, Magen-Darm-Grummeln, häufiger Kotabsatz, Blähungen, Erbrechen oder Probleme beim Kotabsatz können v.a. bei Futtermittelallergie auftreten.

Vor allem bei einer Umweltallergie sind dagegen auch Augen- und Atemwegsprobleme wie Nasenausfluss, Atemgeräusche, Niesen, Rückwärtsniesen, gerötete Bindehäute und Augenausfluss möglich.

Allergische Hunde können das ganze Jahr über Symptome zeigen (z.B. bei Futtermittelallergie), bei manchen treten sie jedoch nur zu bestimmten Jahreszeiten auf (z.B. bei einer Allergie gegen bestimmte Baumpollen).

Wie finde ich raus, an welcher Allergie mein Hund leidet?

Leider gibt es keinen Test, mit dem man ohne weiteres herausfinden kann, ob ein Hund an einer Allergie leidet, und wenn ja, an welcher. Stattdessen muss man sich nach und nach an die richtige Diagnose „heranarbeiten“.

Diagnose „Allergie“

Zunächst müssen erstmal andere Krankheiten als Ursache für die Symptome ausgeschlossen werden. Für den Juckreiz und die Hautentzündung kommen als sog. Differentialdiagnosen, also als Alternativdiagnosen, u.a. in Frage

  • Infektionen mit Bakterien (Pyodermie) und Hefepilzen (z.B. Malassezien)
  • Ein Befall mit Milben (z.B. mit Räudemilben oder Demodexmilben) oder Flöhen
  • Eine Pilzerkrankung (Dermatophytose)
  • Seltenere Erkrankungen, wie Autoimmunkrankheiten oder Krebserkrankungen

Wie immer will der Tierarzt deswegen zunächst möglichst viel über die Vorgeschichte des Hundes erfahren (Aufnahme der sog. Anamnese, also des Vorberichts): Wann haben die Symptome begonnen? Wie alt war der Hund zu diesem Zeitpunkt? Was war zuerst da – der Juckreiz oder die Hautentzündung? Wurden Flöhe auf dem Hund gefunden? Sind noch andere Artgenossen im Umfeld des Hundes betroffen?

Im Anschluss folgen die klinische Allgemeinuntersuchung des Hundes und dann die dermatologische Untersuchung. Dabei wird die Haut des möglicherweise allergischen Hundes genau unter die Lupe genommen: Welche Hautveränderungen gibt es? Welche Hautstellen sind betroffen? Finden sich Hinweise auf z.B. Flöhe?

Zytologische Untersuchung