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Demodikose beim Hund

Canine Demodikose

Die Demodikose beim Hund wird durch die sogenannten Demodex-Milben verursacht. Die Parasiten leben in den Haarbälgen und sind bei nahezu jedem Hund vorhanden. Ist z.B. das Immunsystem geschwächt, können sich die Milben unkontrolliert vermehren und die typischen Symptome einer Demodikose verursachen.

Demodikose (Hund): Zusammenfassung

  • Häufigkeit der Erkrankung: Gelegentlich

  • Schwere der Erkrankung: Mild – Schwer

  • Vorkommen: Vor allem bei jungen oder immungeschwächten Hunden; aber Hunde jeden Alters und Rasse können erkranken

  • Ansteckungsgefahr: In aller Regel nicht ansteckend für Tiere oder Menschen (nur in Ausnahmefällen)

  • Typische Symptome: Haarausfall, Schuppen, Hautrötung, evtl. Juckreiz

  • Verlauf: Akut bis chronisch

  • Diagnose: Tiefes Hautgeschabsel

  • Behandlungsmöglichkeiten: Milbenabtötende Medikamente

  • Prognose: Gut bis vorsichtig

  • Zuständige Spezialisten: Spezialisten für Hauterkrankungen (Dermatologie)

Beschreibung

Die Demodikose ist eine Hauterkrankung, deren Auslöser Demodex-Milben sind – mikroskopisch kleine Parasiten, die in den Haarbälgen und Talgdrüsen der Haut leben. Aus diesem Grund werden sie auch als Haarbalgmilben bezeichnet. Die Demodex-Milben ernähren sich von Talg und abgestorbenen Hautzellen. Je nach Tierart besiedeln unterschiedliche Demodex-Arten die Haut, beim Hund sind das Demodex canis, Demodex injai und Demodex cornei.

Demodex-Milbe

Eine Demodex-Milbe unter dem Mikroskop betrachtet. (Quelle: Kalumet, Demodex Milbe adult, CC BY-SA 3.0 )

In geringer Zahl sind Demodex-Milben praktisch bei fast jedem Hund vorhanden. Normalerweise hält das Immunsystem die Parasiten aber gut in Schach, sodass sie das Tier nicht beeinträchtigen. Nur wenn sich die Milben unkontrolliert und übermäßig vermehren, verursachen sie die Symptome einer Demodikose. Übrigens findet man auch bei fast jedem Menschen Demodex-Milben in den Haarbälgen, vor allem an den Augenbrauen.

Man geht davon aus, dass die Milben innerhalb der ersten Lebenstage, durch den Hautkontakt beim Säugen, auf die Welpen übertragen werden. In Untersuchungen wurde nämlich festgestellt, dass man z.B. bei Hundewelpen, die durch einen Kaiserschnitt geboren wurden und danach keinen Kontakt zur Mutter hatten, keine Haarbalgmilben auf der Haut finden konnte.

Grundsätzlich kann eine Demodikose in jedem Alter auftreten, in den meisten Fällen erkranken aber junge Hunde – man spricht in diesem Fall von einer juvenilen Demodikose. Tritt die Demodikose erstmalig auf, wenn der Hund schon etwas älter ist (über 2 Jahre), bezeichnet man dies als adulte Demodikose.

Ursachen und Risikofaktoren

Wie bereits erwähnt, sind Demodex-Milben die Ursache einer Demodikose. Wenn sich diese übermäßig in den Haarbälgen vermehren, reagiert die Haut mit den typischen Symptomen.

In der Regel stören die Haarbalgmilben das Tier nicht, denn das Immunsystem kann die Parasiten normalerweise gut kontrollieren. Wenn das Immunsystem aus irgendeinem Grund geschwächt ist, können die Demodex-Milben jedoch die Überhand gewinnen.

Beim jungen Hund ist das gar nicht mal so selten der Fall, denn das Immunsystem ist im jungen Alter noch nicht voll ausgereift und stressanfällig. Mit der Zeit normalisiert sich das Immunsystem jedoch, sodass es bei jungen Hunden mit einer milden Form der Demodikose zu einer spontanen Heilung kommen kann. Warum sich bei manchen jungen Hunden die Erkrankung aber ausbreitet und nicht ohne Therapie abheilt, ist nach wie vor nicht geklärt. Eventuell liegt bei diesen Tieren ein angeborener Defekt des Immunsystems vor, weshalb sie auch von der Zucht ausgeschlossen werden sollten.

Ältere Tiere erkranken hingegen seltener an einer Demodikose. Bei ihnen muss man sich immer auf die Suche nach einer Grunderkrankung machen – denn in den meisten Fällen ist das Immunsystem durch eine andere chronische Erkrankung (z.B. Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes oder Tumor) so geschwächt, dass es die Milben nicht mehr kontrollieren kann.

Symptome

Auf Grund des Erscheinungsbildes wird bei der Demodikose zwischen der lokalisierten und der generalisierten Form unterschieden.

Bei der lokalisierten Form beschränken sich die Hautveränderungen, wie der Name schon sagt, auf einige wenige (ca. 3-4) kleine Stellen am Körper. Die betroffenen Bereiche sind haarlos, schuppig und leicht gerötet. Manche betroffenen Hunde kratzen sich außerdem vermehrt – meist ist jedoch eine Infektion der Haut mit Bakterien oder Pilzen für den Juckreiz verantwortlich, seltener die Haarbalgmilben selbst. Typisch ist auch eine sogenannte „Brillenbildung“, die durch Haarausfall rund um die Augen entsteht.

Die lokalisierte Form der Demodikose kommt meist bei jungen Tieren vor und kann auch ohne Therapie ausheilen. Manchmal dehnen sich die Hautveränderungen jedoch aus und gehen in die generalisierte Form über.

Lokale Demodikose

Lokale Demodikose an der Schnauze eines Hundes. (Quelle: Kreuzschnabel, Canine Demodikose, CC BY-SA 3.0 )

Bei der generalisierten Form sind größere Bereiche oder sogar der ganze Körper von den Hautveränderungen betroffen. Bei der generalisierten Demodikose kommt es neben dem Haarausfall oft zu einer schweren, eitrigen Entzündung der Haarfollikel und einer zusätzlichen Infektion der Haut mit Bakterien. Geschwollene und verdickte Haut, nässende Hautstellen, großflächige Krusten und geschwollene Lymphknoten sind die Folge. Im schlimmsten Fall, erreicht die Entzündung die tiefen Blutgefäße der Haut und es kommt zu einer Blutvergiftung.

generalisierte Demodikose beim Hund

Hund mit generalisierte Demodikose. (Quelle: Julie Knicely, Demodectic mange 2, CC BY 1.0)

Ein Sonderfall ist die sogenannte Pododemodikose, bei der sich die Hautveränderungen auf die Pfoten beschränken. Die betroffenen Vierbeiner haben stark geschwollene, entzündete und haarlose Pfoten. Eine Pododemodikose ist meist äußerst schmerzhaft und therapieresistent.

Untersuchungen und Diagnose

Das „Gute“ an der Demodikose ist, dass sie in den allermeisten Fällen schnell und einfach zu diagnostizieren ist. Durch die klinischen Symptome hat der Tierarzt oft schon einen Verdacht und um diesen zu bestätigen, macht er ein sogenanntes tiefes Hautgeschabsel. Dafür schabt er mit einer Skalpellklinge an drei ca. Briefmarken-großen, auffälligen Hautstellen so lange, bis es leicht anfängt zu bluten. Das gewonnene Material und Blut betrachtet der Tierarzt dann unter dem Mikroskop, denn nur damit sind die winzig kleinen Milben zu erkennen.

Im ersten Moment hört sich diese Untersuchungsmethode schmerzhaft an, es ist aber wirklich nur halb so schlimm – die allermeisten Hunde zeigen dabei noch nicht mal Abwehrreaktionen.

Wenn der Tierarzt in diesen drei Geschabseln nicht mehr als eine Milbe findet, ist das ein negativer Befund und der Hund hat mit ziemlicher Sicherheit keine Demodikose. Findet der Tierarzt aber mehr als eine Demodexmilbe, muss man davon ausgehen, dass zu viele Haarbalgmilben vorhanden sind und diese sich unkontrolliert vermehren.

An ungünstigen Stellen, an denen kein Geschabsel möglich ist (z.B. rund um die Augen oder an den Pfoten), kann der Tierarzt alternativ auch ein paar Haare auszupfen und unter dem Mikroskop beurteilen. Diese Methode ist jedoch nicht ganz so zuverlässig wie ein Geschabsel.

Relativ neu ist die Klebebandquetschmethode, bei der ein Streifen Tesa auf die Haut geklebt wird und diese dann mehrmals zwischen den Fingern gequetscht wird. Den Tesastreifen kann man dann ebenfalls unter dem Mikroskop auf die Parasiten untersuchen.

Außerdem wird der Tierarzt die Haut auf eine Infektion mit Bakterien oder Hefepilzen untersuchen (sogenannten Sekundärinfektion). Diese können sich nämlich auf der geschädigten und geschwächten Haut schnell vermehren und müssen unbedingt mitbehandelt werden.

Besteht in schweren Fällen der Verdacht einer Blutvergiftung, ist zur Bestätigung eine Blutuntersuchung notwendig.

Wenn erwachsene Hunde an einer Demodikose erkranken, muss in jedem Fall nach einer Grunderkrankung gesucht werden. In fast allen Fällen gibt es nämlich eine Ursache dafür, dass das Immunsystem die Milben nicht mehr unter Kontrolle hat – z.B. eine Schilddrüsenunterfunktion oder ein Cushing-Syndrom. Um die Grunderkrankung festzustellen, können unterschiedliche Untersuchungen (z.B. Blutuntersuchung, Ultraschall, Röntgen, Urinuntersuchung) notwendig sein.

Behandlung

Nicht immer muss eine Demodikose behandelt werden, denn die lokalisierte Form der Erkrankung heilt beim Junghund oft auch ohne Therapie ab. Wenn sich die veränderten Hautstellen aber ausbreiten bzw. eine generalisierte Form oder Pododemodikose vorliegt, müssen die Milben mit Hilfe von Medikamenten bekämpft werden.

Es gibt viele unterschiedliche Medikamente, die zur Bekämpfung der Haarbalgmilben eingesetzt werden können. Die Palette reicht von Waschlösungen über Tabletten bis hin zu Spot-Ons. Leider spricht nicht jedes Mittel bei jedem Hund an – deshalb ist es sehr wichtig, den Erfolg der Therapie durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen zu überwachen und die Medikamente eventuell anzupassen.

Die Behandlung der Demodikose ist oft langwierig und dauert mehrere Wochen bis Monate. Wichtig ist es aber, nicht zu früh mit der Therapie aufzuhören, da es sonst schnell zu einem Wiederaufflammen (Rezidiv) kommen kann. Erst wenn in zwei aufeinanderfolgenden Hautgeschabseln im Abstand von vier Wochen keine Milben gefunden wurden, kann die Therapie vier Wochen danach beendet werden.

Hat der Tierarzt zusätzlich eine Sekundärinfektion der Haut mit Bakterien oder Hefepilzen festgestellt, muss diese ebenfalls mitbehandelt werden. Sekundärinfektionen sind nämlich häufig für den Juckreiz verantwortlich und verschlimmern die Symptome der Demodikose. Oft kann durch regelmäßiges Waschen mit desinfizierenden Shampoos die Hautinfektion gut bekämpft werden, in schweren Fälle kann aber ein zusätzliches Antibiotikum notwendig sein – das gilt vor allem dann, wenn die bakterielle Entzündung in die tieferen Hautschichten vordringt und es zu einer Blutvergiftung kommt. Bei einer Blutvergiftung müssen die betroffenen Vierbeiner in der Regel in der Klinik stationär intensiv behandelt werden.

Prognose

Die Prognose bei einer Demodikose ist bei richtiger und konsequenter Behandlung meist gut. Bei erwachsenen Hunden muss immer nach der Grundursache gesucht und diese behandelt werden, ansonsten kann es schnell zu einem Rezidiv (Wiederaufflammen) kommen.

Manche Hunde mit generalisierter Demodikose können aber auch mit intensiver Therapie nicht vollständig geheilt werden, so dass eine lebenslange Therapie notwendig ist. Dasselbe gilt für die Pododemodikose – sie ist ebenfalls schwerer zu therapieren und die Prognose deshalb vorsichtiger.

Vorbeugung

Da Demodex-Milben ja „normale Bewohner“ der Haut sind und auch eine genetische Komponente eine Rolle zu spielen scheint, kann man eine Demodikose weder aktiv verhindern noch ihr vorbeugen.

Da aber noch nicht abschließend geklärt ist, welche Mechanismen genau zur Entwicklung der Erkrankung beitragen und wie groß der genetische Einfluss ist, sollten Hunde mit einer behandlungswürdigen Demodikose auf jeden Fall von der Zucht ausgeschlossen werden.

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Quellen

03. August 2018

Von Dr. Stefanie Mallmann

2018-10-27T18:49:29+00:00

Über den Autor:

Geboren in der Nähe von Passau habe ich von 2008 bis 2014 an der LMU München Tiermedizin studiert. Nach meinem Abschluss habe ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München (Thema: Auswertung eines neuartigen Allergietests) gemacht. Anschließend habe ich ein Jahr in der Onkologie gearbeitet. Die Arbeit mit krebskranken Tieren war zwar oft sehr traurig, aber ich habe dort viele tolle Tiere und ihre Besitzer kennengelernt. 2014 habe ich meine Mischlingshündin Lotta adoptiert – unseren süßen Bürohund.