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Kastration vs. Sterilisation bei Hund & Katze – was ist der Unterschied?

Frage der Woche vom 07.10.2018

//Kastration vs. Sterilisation bei Hund & Katze – was ist der Unterschied?

Sterilisierte Hündin oder kastrierte Hündin?

Wann spricht man bei einem Hund/einer Hündin bzw. bei einer Katze von Sterilisation und wann von Kastration? Manchmal habe ich den Eindruck, dass Hündinnen sterilisiert werden und Rüden kastriert, aber dann wiederum lese ich auch von kastrierten Hündinnen. Was stimmt denn nun?

Unsere Antwort:

Eine sehr gute Frage! Beim Thema Kastration/Sterilisation scheint wirklich große Unklarheit zu herrschen – auch wir stellen immer wieder fest, dass die Begriffe oft nicht ganz korrekt verwendet werden. Wir freuen uns deswegen über die Gelegenheit, das mal klar stellen zu können!

Im Prinzip ist es ganz einfach: routinemäßig werden Hunde und Katzen eigentlich immer kastriert – und zwar sowohl Hündinnen bzw. Katzen als auch Rüden bzw. Kater! Eine Sterilisation im eigentlichen Sinne ist zwar möglich, wird aber nur sehr selten durchgeführt. Es ist also nicht so, dass Hündinnen sterilisiert werden und Rüden kastriert. Der Unterschied liegt vielmehr in der Art des operativen Eingriffs

Der Grund für die Verwechslung liegt vermutlich darin, dass beide Begriffe etwas Ähnliches bedeuten – nämlich „unfruchtbar oder zeugungsunfähig machen“. Die Art und Weise, wie die beiden Verfahren (also die Sterilisation und die Kastration) diesen Zustand der Unfruchtbarkeit erreichen, unterscheidet sich aber sehr!

Kastration

Bei einer „klassischen“ Kastration werden die Keimdrüsen chirurgisch entfernt – bei Rüden bzw. Katern also die Hoden, bei Hündinnen und Katzen dagegen die Eierstöcke. Dadurch kommt es allerdings nicht nur zur Unfruchtbarkeit. Die Keimdrüsen sind auch Produktionsort bestimmter Sexualhormone, wie Testosteron bzw. Östrogen. Entfernt man sie, kommt es daher auch zu weiteren Auswirkungen auf den Körper. Allen voran verursacht eine Kastration eine Ausschaltung des Sexualverhaltens und -triebes. Kastrierte Hündinnen werden nicht mehr läufig und scheinträchtig, kastrierte Katzen nicht mehr rollig.

Aber auch sonst kann eine Kastration Einfluss haben: manche Tiere sind verträglicher und nicht mehr „aggressiv“ gegenüber Artgenossen (v.a. Rüden und Kater) und auch das Revierverhalten ist i.d.R. nicht mehr so stark ausgeprägt (ein erwünschter Effekt v.a. bei Markierverhalten in der Wohnung, z.B. bei Katern). Auch auf die Gesundheit kann eine Kastration positive Effekte haben: so sinkt z.B. das Risiko von Gebärmuttervereiterungen (Pyometra) und Mammatumoren („Brustkrebs“) – und ein Rüde ohne Hoden kann logischerweise auch keinen Hodenkrebs mehr bekommen.

Ein weniger schöner Nebeneffekt: kastrierte Hunde und Katzen neigen dazu, ein paar Fettpölsterchen zuzulegen, wenn man als Besitzer nicht aufpasst. Und auch weitere negative Einflüsse auf die Gesundheit werden zunehmend diskutiert (z.B. eine höhere Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung einer Harninkontinenz).

Sterilisation

Bei einer Sterilisation wird dagegen nur der Weg der Spermien bzw. der Eizellen im Körper unterbrochen. Dadurch kann keine Befruchtung stattfinden. Die Keimdrüsen – und damit auch die Effekte der Sexualhormonebleiben dagegen erhalten. Libido, Sexualtrieb und Verhalten bleiben unverändert. Aus diesem Grund ist diese Art der Empfängnisverhütung v.a. bei uns Menschen verbreitet, fast jeder Leser wird beispielsweise schon mal von einer Vasektomie gehört haben. Hier werden die Samenleiter des Mannes durchtrennt oder abgebunden. Aber auch bei Frauen ist eine Sterilisation möglich, z.B. durch Abbinden der Eileiter.

Bei unseren Hunden und Katzen würde eine Sterilisation bedeuten, dass Rüden und Kater nach wie vor versuchen würden, willige Partnerinnen zu decken. Sterilisierte Hündinnen würden weiterhin läufig und scheinträchtig werden und bei sterilisierten Katzen käme es nach wie vor zur Rolligkeit. Auch die anderen, oben beschriebenen, positiven Effekte (z.B. bezüglich einer Gebärmuttervereiterung) würden bei einer Sterilisation entfallen.

Fazit: Sterilisierte Hündinnen sind i.d.R. kastrierte Hündinnen

Viele der erwünschten Effekte einer Kastration sind bei einer Sterilisation nicht gegeben. Aus diesem Grund werden sowohl Rüden und Kater als auch Hündinnen und Katzen routinemäßig kastriert – und nicht sterilisiert. Sterilisierte Hündinnen – wie es im allgemeinen Sprachgebrauch manchmal heißt – kann es zwar theoretisch geben, es ist aber sehr unwahrscheinlich, dass Sie jemals einer begegnen werden.

Sie möchten unseren Tierärzten gerne selber eine Frage stellen? Dann hier entlang!
2018-10-19T11:56:03+00:00

Über den Autor:

Als ursprüngliche Schwäbin bin ich 2007 nach München gezogen um Tiermedizin an der LMU zu studieren. Anschließend hab ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München geschrieben – über eine neue Art der Immuntherapie bei Hunden mit Umweltallergie. Meine Lieblingsbereiche sind die Dermatologie, die Innere Medizin und Infektionskrankheiten. Ich bin stolze Dosenöffnerin für meine beiden Miezen Nini und Clyde, liebe alle Tiere (Katzen aber natürlich besonders) und habe eine Schwäche für Kuchen.