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Hodentumor beim Hund

Hodenkrebs; Sertoli-Zell-Tumor, Interstitialzell-(Leydig-Zell)-Tumor, Seminom

Ein Hodentumor, auch Hodenkrebs genannt, ist eine Erkrankung, die vor allem ältere, unkastrierte Rüden oder Hunde mit Kryptorchismus (Hodenhochstand) betrifft. In vielen Fällen wird der Hodentumor nur zufällig – z.B. während einer Untersuchung beim Tierarzt – entdeckt.

Lesen Sie hier alles zu Ursachen, Symptomen und Behandlung von Hodenkrebs beim Hund.

Hodentumor (Hund): Zusammenfassung

  • Häufigkeit der Erkrankung: Selten

  • Schwere der Erkrankung: Mittelschwer

  • Vorkommen: Vor allem bei älteren, unkastrierten Rüden und bei Kryptorchismus (Hodenhochstand)

  • Ansteckungsgefahr: Nicht ansteckend für Tiere oder Menschen

  • Typische Symptome: Vergrößerung eines Hoden

  • Verlauf: Chronisch

  • Diagnose: Untersuchung einer Gewebeprobe aus dem Tumor

  • Behandlungsmöglichkeiten: Chirurgische Entfernung der Hoden (Kastration)

  • Prognose: In der Regel gut

  • Zuständige Spezialisten: Spezialisten für Tumor-/Krebserkrankungen (Onkologie)

Beschreibung

Bei einem Hodentumor, auch Hodenkrebs genannt, kommt es zur Entartung und unkontrollierten Vermehrung von Zellen im Hodengewebe. Je nachdem welche Zellen des Hodengewebes entarten, unterscheidet man verschiedene Tumorarten.  Die drei häufigsten Arten beim Hund sind der Interstitialzell-(Leydig-Zell)-Tumor, das Seminom und der Sertoli-Zell-Tumor.

Hodentumore treten vor allem bei älteren (meist älter als 10 Jahre), unkastrierten Rüden oder Kryptorchiden (Rüden bei denen ein oder beide Hoden nicht aus der Bauchhöhle in den Hodensack abgestiegen sind) auf.

In den meisten Fällen wachsen Hodentumore an Ort und Stelle. Sie verdrängen zwar im Hoden das umliegende Gewebe, streuen aber nur selten in andere Organe und bilden dort Metastasen (in weniger als 15 % der Fälle).

Da sich die Hodentumore aus funktionellen Zellen im Hoden entwickeln, sind sie manchmal auch dazu im Stande Hormone (v.a. Östrogen) zu bilden. Am häufigsten neigen Sertoli-Zell-Tumore zur Bildung des weiblichen Sexualhormones Östrogen. Östrogen kann für den Rüden gefährlich werden, wenn es in zu hohen Mengen im Körper vorliegt. Neben körperlichen Veränderungen – wie Haarausfall, Schwarzfärbung der Haut, Rückbildung des Penis und des Hodens, hängender Hodensack, Gesäugeanbildung, Unfruchtbarkeit – kann es zu einer sogenannten Knochenmarkssuppression kommen. Dabei hört das Knochenmark des Hundes auf, die lebenswichtigen Blutzellen (rote und weiße Blutkörperchen sowie Blutplättchen) zu produzieren.

Ursachen und Risikofaktoren eines Hodentumors

Die Ursachen, die beim Hund zu einer Entartung der Zellen im Hoden führen, sind nicht vollständig aufgeklärt. Viele unterschiedliche Faktoren – wie Alter, Rasse oder Kryptorchismus – scheinen die Entwicklung eines Hodentumors zu beeinflussen.

Kryptorchismus gilt als der größte Risikofaktor, da in diesem Fall ein ca. 13-fach erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Hodentumors besteht. Kryptorchismus, auch als Hodenhochstand bezeichnet, ist eine angeborene Lageanomalie der Hoden. Normalerweise wandern beim Rüden die Hoden nach der Geburt aus der Bauchhöhle über die Leiste in den Hodensack. Beim Kryptorchismus läuft dieser Prozess gar nicht oder nur unvollständig ab. Ein oder beide Hoden bleiben dann in der Bauchhöhle oder im Leistenspalt. Bei Hunden mit Kryptorchismus sollten die Hoden deshalb immer entfernt werden, um einer Tumorbildung vorzubeugen.

Bei bestimmten Rassen besteht anscheinend ein erhöhtes Risiko für einen Hodentumor: Boxer, Deutsche Schäferhunde, Afghanen, Weimeraner, Shetland Sheepdogs, Collies und Malteser erkranken laut Studien häufiger an einem Hodentumor als Hunde anderer Rassen.

Symptome bei Hodenkrebs

Oft ist eine Vergrößerung des Hodens das einzige Symptom eines Hodentumors. Dies fällt häufig nur zufällig, z. B. während einer Untersuchung beim Tierarzt, auf.

Wenn der Hodentumor aber Östrogen bildet, kann es durch die Wirkung des Hormons auf den Körper zu weiteren Symptomen beim Hund kommen:

  • Haarausfall, v.a. an den Flanken
  • Schwarzfärbung der Haut
  • Anbildung eines Gesäuges
  • Milchfluss
  • Rückbildung (Verkleinerung) des zweiten Hodens
  • Stark hängender Hodensack
  • Unfruchtbarkeit

Tritt durch den erhöhten Östrogengehalt im Blut eine Schädigung des Knochenmarks ein, fehlen lebenswichtige Blutzellen. Dadurch können Hunde mit einem Hodentumor auch folgende unspezifische Symptome zeigen:

  • Schwäche
  • Teilnahmslosigkeit
  • Verminderten Appetit
  • Blutungen
  • Blasse Schleimhäute

Untersuchungen und Diagnose bei Hodenkrebs

Wird der Hund auf Grund einer Auffälligkeit am Hoden beim Tierarzt vorgestellt, wird dieser nach einer ausführlichen Allgemeinuntersuchung die Hoden gründlich untersuchen und abtasten.

Besteht der Verdacht eines Hodentumors, kann das veränderte Gewebe mit Hilfe einer sogenannten Feinnadelaspiration untersucht werden. Dazu wird unter Ultraschallkontrolle mit einer kleinen Nadel in den Tumor gepikst und Zellen entnommen. Diese können unter dem Mikroskop untersucht werden. Andere Ursachen für die Hodenveränderungen – wie z.B. ein Abszess – können dadurch ausgeschlossen werden. Ein Hodentumor kann mit dieser Methode jedoch nicht immer sicher diagnostiziert werden.

Eine sichere Diagnose kann nur mit einer histologischen Untersuchung des veränderten Gewebes durch einen Pathologen gestellt werden. Weil die Kastration im Falle eines Hodentumors die Therapie der Wahl darstellt, wird für die Probenentnahme häufig direkt eine chirurgische Entfernung der Hoden (Kastration) empfohlen. Als Alternative kann auch eine Biopsie (mit einer Stanze gewonnene Gewebeprobe) entnommen werden, wenn eine Kastration des Hundes nicht ohne definitive Diagnose durchgeführt werden soll.

Mit einer Blutuntersuchung kann der Tierarzt eventuelle Veränderungen der Blutzellen diagnostizieren und den Hormongehalt im Blut messen. Dadurch kann er feststellen, ob der Hodenkrebs Östrogen bildet und ob dadurch eine Knochenmarkssuppression ausgelöst wurde. Außerdem können durch eine Blutuntersuchung auch andere Erkrankungen, die bei älteren Hunden häufig vorkommen, erkannt werden.

Eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums ist vor allem bei Hunden mit Kryptorchismus notwendig. Denn nur so können die in der Bauchhöhle liegenden Hoden untersucht werden.

Behandlung eines Hodentumors

Die Therapie der Wahl bei Hodenkrebs des Hundes ist die operative Entfernung der Hoden, also eine Kastration. Da die meisten Hodentumore keine Tochtergeschwüre (Metastasen) bilden, führt die Kastration häufig zu einer Heilung der Hunde.

Liegt eine Knochenmarkssuppression vor, ist eine zusätzliche, intensive Behandlung mit unterstützenden Medikamenten (z.B. Antibiotika) oder Bluttransfusionen notwendig.

Hat der Hodentumor jedoch gestreut, kann in manchen Fällen eine zusätzliche Chemotherapie oder Strahlentherapie sinnvoll sein. Die Vor- und Nachteile einer solchen Therapie bzw. welche Behandlungsoption für den einzelnen Fall am besten ist, sollte man mit einem Onkologen (Spezialist für Tumorerkrankungen) besprechen.

Prognose bei Hodenkrebs

Bei einem Hodentumor der keine Metastasen gebildet hat, ist die Prognose nach einer Kastration sehr gut. In vielen Fällen kann eine Heilung erzielt werden.

Im Falle einer Knochenmarkssuppression oder bei Metastasen ist die Therapie langwieriger und die Prognose vorsichtig.

Vorbeugung

Eine Kastration verhindert die Entstehung eines Hodentumors. Leidet der Hund an Kryptorchismus (Hodenhochstand) ist es wichtig, dass auch der im Bauch oder Leistenspalt liegende Hoden vollständig entfernt wird.

Bei unkastrierten Hunden sollte man die Hoden regelmäßig abtasten, um einen Tumor oder eine Vergrößerung der Hoden frühzeitig zu erkennen.

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Quellen

20. März 2018

Von Dr. Stefanie Mallmann

2018-10-27T19:04:49+00:00

Über den Autor:

Geboren in der Nähe von Passau habe ich von 2008 bis 2014 an der LMU München Tiermedizin studiert. Nach meinem Abschluss habe ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München (Thema: Auswertung eines neuartigen Allergietests) gemacht. Anschließend habe ich ein Jahr in der Onkologie gearbeitet. Die Arbeit mit krebskranken Tieren war zwar oft sehr traurig, aber ich habe dort viele tolle Tiere und ihre Besitzer kennengelernt. 2014 habe ich meine Mischlingshündin Lotta adoptiert – unseren süßen Bürohund.