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Schlittenfahren beim Hund: Was sind die Ursachen?

Frage der Woche vom 09.09.2018

//Schlittenfahren beim Hund: Was sind die Ursachen?

Frage:

Mein Hund zeigt seit einigen Tagen „Schlittenfahren“, er rutscht also mit dem Po über den Teppich. Ist das normales Verhalten oder steckt dahinter vielleicht eine Erkrankung? Mein Freund ist sich sicher, dass unser Hund „Schlittenfährt“, weil er Würmer hat. Stimmt das und was kann ich tun?

Unsere Antwort:

„Schlittenfahren“ ist kein normales Verhalten beim Hund, sondern in der Regel rutschen die Vierbeiner mit dem Po über den Boden, weil sie Juckreiz plagt und sie so versuchen diesen zu stillen. In gewisser Weise hat Ihr Freund recht – denn Würmer können tatsächlich die Ursache für den Juckreiz im Analbereich sein – am häufigsten stecken jedoch die Analdrüsen hinter diesem unangenehmen Problem.

Was sind Analdrüsen und warum können sie Probleme machen?

Die Analdrüsen des Hundes sitzen in den Analbeuteln links und rechts neben dem After. Sie produzieren ein sehr geruchsintensives Sekret, das beim Kotabsatz dem Hundekot beigemischt wird und der Markierung des Reviers dient. Manchmal verstopfen jedoch die Ausführungsgänge der Analbeutel, z.B. durch zu weichen Kot oder bei einer Allergie. Dadurch sammelt sich immer mehr Sekret an und verursacht ein sehr unangenehmes, juckendes Gefühl bei den betroffenen Tieren. Durch das „Schlittenfahren“ versuchen die Hunde das unangenehme Gefühl loszuwerden. Oft schlecken und knabbern sich die Hunde auch viel im Analbereich.

Bleiben die verstopften Analdrüsen zu lange unbehandelt, kann es zu einer Infektion oder einem Abszess kommen. Dieser kann sogar durch die Haut nach außen hin aufbrechen und ist extrem schmerzhaft für die Tiere. Gehen Sie deshalb frühzeitig zum Tierarzt, wenn Sie denken, dass Ihr Hund Probleme mit den Analdrüsen hat.

Welche Ursachen für „Schlittenfahren“ beim Hund gibt es noch?

Neben verstopften Analdrüsen können auch andere Ursachen dazu führen, dass die Hunde mit dem Po über den Boden rutschen. Wie bereits zu Beginn erwähnt, sind Würmer ein möglicher Auslöser, vor allem der sogenannte Gurkenkernbandwurm. Die Segmente der Bandwürmer wandern nämlich aktiv aus dem Darm aus und verursachen dadurch starken Juckreiz rund um den After. Die Bandwurmsegmente, Proglottiden genannt, trocknen an der Umgebungsluft ein und sehen dann im Fell wie kleine, weiße Gurkenkerne aus – daher der Name des Gurkenkernbandwurms. Übrigens werden die Endoparasiten u.a. durch Flöhe übertragen. Deswegen ist eine regelmäßige Flohprophylaxe bei Hund und Katze sehr wichtig. Lesen Sie hier mehr zum Thema Flohbefall bei Hund und Katze.

Bei Hunden mit einer Allergie ist Juckreiz eines der Hauptsymptome. Viele betroffene Tiere juckt es auch im Analbereich und sie versuchen sich durch das Rutschen über den Boden Abhilfe zu verschaffen.

Und schließlich kann „Schlittenfahren“ beim Hund aber auch ein Anzeichen für einen Tumor im Analbereich (z.B. der Analdrüsen) sein. Weil bei einem Tumor eine frühe Diagnose die Prognose verbessert, ist es wichtig nicht zu lange mit einem Tierarztbesuch zu warten.

Was Sie tun können, wenn Ihr Hund „Schlitten fährt“:

Zuerst sollten Sie einfach mal ganz indiskret unter den Schwanz Ihres Vierbeiners schauen, ob Sie dort irgendetwas sehen, was den Juckreiz und das Schlittenfahren bei Ihrem Hund erklären könnte. Manchmal verfängt sich z.B. beim Kotabsatz etwas Kot in den Haaren der Tiere, trocknet ein und fängt an zu jucken. In so einem Fall kann ein ausgiebiges Bad das Problem schnell lösen.

Wenn der Juckreiz jedoch nicht aufhört oder Sie Rötungen oder eine ungewöhnliche Struktur erkennen, sollten Sie Ihr Tier zeitnah bei einem Tierarzt vorstellen. Mit einer gründlichen Untersuchung kann der Tierarzt den Grund für das „Schlittenfahren“ in der Regel schnell herausfinden und behandeln.

Sie möchten unseren Tierärzten gerne selber eine Frage stellen? Dann hier entlang!
2018-09-16T10:51:21+00:00

Über den Autor:

Geboren in der Nähe von Passau habe ich von 2008 bis 2014 an der LMU München Tiermedizin studiert. Nach meinem Abschluss habe ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München (Thema: Auswertung eines neuartigen Allergietests) gemacht. Anschließend habe ich ein Jahr in der Onkologie gearbeitet. Die Arbeit mit krebskranken Tieren war zwar oft sehr traurig, aber ich habe dort viele tolle Tiere und ihre Besitzer kennengelernt. 2014 habe ich meine Mischlingshündin Lotta adoptiert – unseren süßen Bürohund.