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Der Zyklus der Hündin

Läufigkeit, Scheinträchtigkeit & Co.

///Der Zyklus der Hündin

Genau wie die Frau, hat auch eine nicht-kastrierte Hündin einen regelmäßig ablaufenden Sexualzyklus. Aber was ist denn überhaupt ein Zyklus? So nennt man die regelmäßig ablaufenden Vorgänge im weiblichen Körper, die für die Fortpflanzung notwendig sind.

Wie läuft der Zyklus ab?

Während des Zyklus wachsen und reifen im Eierstock (Ovar) regelmäßig die Eizellen heran, es kommt zum Eisprung (Ovulation) und der Körper bereitet die Gebärmutter auf eine mögliche Schwangerschaft bzw. Trächtigkeit vor. Gesteuert werden diese Vorgänge durch zahlreiche Sexualhormone, wie z.B. Östrogen und Progesteron.

Bei der Hündin dauert ein Zyklus in der Regel ca. 7 Monate, also deutlich länger als bei der Frau (28 Tage). Die Länge kann aber von Hündin zu Hündin stark variieren, von 4 bis 12 Monaten.

Der Zyklus der Hündin wird in 4 Phasen unterteilt: Proöstrus, Östrus, Diöstrus und Anöstrus. In jeder dieser vier Phasen finden typische Veränderungen im Körper und den Geschlechtsorganen statt. Proöstrus und Östrus werden zusammen als Läufigkeit oder „Hitze“ bezeichnet.

Proöstrus (Vorbrunst)

Der Proöstrus dauert durchschnittlich etwa 9 Tage, mit einer Spanne von 3-17 Tagen. Während des Proöstrus wachsen und reifen im Eierstock mehrere Eizellen heran. Außerdem wird die Auskleidung (Schleimhaut) der Gebärmutter so umgebaut, dass sie für eine mögliche Trächtigkeit bereit ist.

Der Proöstrus ist bei den meisten Hündinnen auch äußerlich gut zu erkennen. Die Vulva (äußerer Teil der Scheide, „Schamlippen“) ist deutlich geschwollen und gerötet. Außerdem kommt es zu einem fleischfarbenen bis blutigen, wässrigen Ausfluss aus der Scheide. Rüden finden die Hündin in dieser Zyklusphase bereits sehr attraktiv, aber die Hündin lässt noch keine Paarung zu. Oft sind die Weibchen sehr aktiv und fangen an die Umgebung mit Urin zu markieren.

Östrus (Brunst)

Der Östrus beginnt damit, dass die Hündin das Aufspringen und den Deckakt durch den Rüden zulässt. Trifft sie auf einen Rüden, bleibt sie mit beiden Hinterbeinen gespreizt stehen und hebt den Schwanz zur Seite. Aus diesem Grund wird der Östrus häufig auch Standhitze genannt. Der Östrus dauert im Durchschnitt ca. 8-10 Tage.

Im Östrus findet auch der Eisprung (Ovulation) statt, bei dem mehrere Eizellen aus dem Eierstock in die Gebärmutter abgegeben werden. Dort können sie über mehrere Tage von den männlichen Spermien befruchtet werden. Der Eisprung lässt sich von außen nicht erkennen. Häufig findet er aber 2-4 Tage nach dem Beginn der Deckbereitschaft statt.

Der Ausfluss aus der der Vagina ist im Östrus meist weniger blutig und die Vulva ist nicht mehr so stark geschwollen wie im Proöstrus.

Diöstrus (Nachbrunst)

Der Diöstrus beginnt, wenn die Hündin keine Paarung mehr zulässt und Rüden abwehrt. Der Ausfluss verschwindet und die Vulva schwillt vollständig ab.

Der Diöstrus dauert ca. 63 Tage, unabhängig ob eine Befruchtung der Eizellen stattgefunden hat oder nicht. Der Diöstrus endet entweder mit der Geburt der Welpen (wenn eine Befruchtung stattgefunden hat) oder unbemerkt (bei nichtträchtigen Hündinnen).

Anöstrus (Ruhephase)

Als Anöstrus bezeichnet man die Zeit zwischen dem Ende des Diöstrus und dem Beginn des nächsten Proöstrus. Er dauert durchschnittlich etwa 4 Monate, die Zeit kann aber je nach Hündin stark schwanken. Die Veränderungen der Gebärmutter und der äußeren Genitalien werden in dieser Zeit vollständig zurückgebildet und „repariert“. Der Anöstrus kann als eine Art Ruhephase der Ovarien und Gebärmutter gesehen werden.

Zyklus der Hündin

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Läufigkeit

Proöstrus und Östrus werden zusammen als Läufigkeit oder Hitze bezeichnet. Die erste Läufigkeit tritt mit Beginn der Pubertät auf. Im Durchschnitt setzt die Pubertät bei der Hündin mit etwa 9-10 Monaten ein. Die Spanne reicht aber, je nach Rasse und Körpergröße, von 6-24 Monaten. Kleinere Hunderassen kommen früher in die Pubertät als große Rassen. Die erste Läufigkeit kann manchmal so leicht ausgeprägt sein, dass der Besitzer sie gar nicht bemerkt.

Während der Läufigkeit ist das Weibchen sexuell attraktiv für Rüden. Die Vulva ist zu Beginn deutlich geschwollen. Außerdem kann man fleischfarbenen bis blutigen Ausfluss beobachten, der zum Ende hin weniger wird. Die Menge des Ausflusses ist sehr individuell. Manche Hündinnen sind sehr reinlich und putzen sich häufig an der Vulva. Dadurch kann es sein, dass der Besitzer den Ausfluss kaum bemerkt. Viele Weibchen sind während ihrer Läufigkeit deutlich aktiver und beginnen damit auf dem Sparziergang Duftmarken zu setzen.

Lesen Sie hier mehr zum Thema Läufigkeit.

Scheinträchtigkeit

Als Scheinträchtigkeit bezeichnet man ein Geschehen, bei dem eine nicht-trächtige Hündin gegen Ende des Diöstrus (ca. 6-12 Wochen nach Ende der Läufigkeit) Symptome einer Schwangerschaft zeigt. Die Tiere zeigen dann mütterliches Verhalten und Nestbau bzw. adoptieren Kuscheltiere und bemuttern sie. Häufig schwillt auch das Gesäuge an und in einigen Fällen zeigen die Weibchen sogar Milchausfluss aus den Zitzen. Die Scheinträchtigkeit ist ein normales Phänomen (sie tritt bei ca. 25% der nicht-kastrierten Hündinnen auf) und ist nicht krankhaft. Nach ca. 2-3 Wochen verschwinden die Symptome in aller Regel von alleine wieder. Die Ausprägungen sind je nach Tier sehr unterschiedlich. Generell zeigen kleinere Hunde häufiger Zeichen einer Scheinträchtigkeit als große Rassen. Behandelt werden muss die Scheinträchtigkeit nur, wenn sie länger als die üblichen 2-3 Wochen dauert oder die Tiere dadurch sehr stark belastet werden.

Hier lesen Sie mehr über Ursachen, Symptome und Therapie der Scheinträchtigkeit.

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Quellen

13. März 2018

Von Dr. Stefanie Mallmann

2018-10-27T21:05:49+00:00

Über den Autor:

Geboren in der Nähe von Passau habe ich von 2008 bis 2014 an der LMU München Tiermedizin studiert. Nach meinem Abschluss habe ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München (Thema: Auswertung eines neuartigen Allergietests) gemacht. Anschließend habe ich ein Jahr in der Onkologie gearbeitet. Die Arbeit mit krebskranken Tieren war zwar oft sehr traurig, aber ich habe dort viele tolle Tiere und ihre Besitzer kennengelernt. 2014 habe ich meine Mischlingshündin Lotta adoptiert – unseren süßen Bürohund.