Niedriges T4 beim Hund – immer Behandlung mit Forthyron® nötig?

Hund mit erniedrigtem T4 und Verdacht auf Hodentumor: Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion starten?


Bei unserem Hund, einem Bolonka-Zwetna (13 Jahre alt, 3,4 kg), hat die letzte Blutuntersuchung vom Mai 2018 einen T4-Wert von 0,7 µg/dl ergeben. Während unsere Haustierärztin keine medikamentöse Behandlung empfohlen hat, wurde von einer anderen Tierärztin die Verabreichung von „Forthyron® flavour“ empfohlen (für die restliche Lebenszeit des Hundes – Lebenserwartung der Rasse 15 Jahre).

Bei unserem Hund besteht außerdem der Verdacht auf einen Hodentumor (ein Hoden ist vergrößert und weist laut Aussage unserer Tierärztin eine inhomogene, teils derb-feste Gewebestruktur sowie eine Schwarzfärbung der Haut auf), weshalb er nun kastriert werden soll. Eine eingeholte Zweitmeinung einer anderen Tierärztin hat dies bestätigt.


Was kann/soll ich jetzt tun? Ist eine Behandlung mit Forthyron tatsächlich sinnvoll?
Tierarztfrage vom 24.11.2019

Antwort von Tierärztin Dr. Iris Wagner-Storz:

Ich könnte mir gut vorstellen, dass Sie nicht der einzige Hundebesitzer sind, der schon mal vor einer ähnlichen Frage stand: Reicht ein niedriges T4 tatsächlich aus, um eine lebenslange Therapie mit Forthyron® o.ä. zu beginnen?

Tatsächlich kommt das unserer Meinung nach so häufig vor, dass wir Ihre spannende Frage zum Anlass genommen haben, einen ausführlichen Artikel zum Thema Diagnose der Schilddrüsenunterfunktion zu schreiben. Dort erklären wir genau, was es eigentlich mit T4, TSH und Co auf sich hat – und welche Messungen wirklich nötig sind um eine Schilddrüsenunterfunktion zu diagnostizieren.

Daher werde ich hier ganz speziell auf Ihren Fall eingehen. Und um es schon mal vorweg zu nehmen: Ihre Skepsis bezüglich der Gabe von Forthyron ist aus meiner Sicht nicht ganz unbegründet. Ein erniedrigtes T4 ist nach aktueller Meinung nämlich NICHT ausreichend, um die Diagnose Schilddrüsenunterfunktion zu stellen. Wie wir in dem oben genannten Artikel ausführlich beschreiben, können auch andere Krankheiten und Medikamente zu einem verringerten T4-Wert führen – darunter auch Krebserkrankungen. Und das ist in Ihrem Fall ganz besonders relevant, weil ja zusätzlich der Verdacht auf einen Hodentumor besteht.

Natürlich sollten Sie das weitere Vorgehen unbedingt mit Ihrer Tierärztin besprechen. Aus meiner Sicht könnte es bei einer Problematik wie der Ihren aber Sinn machen, erstmal die Grunderkrankung zu behandeln – in Ihrem Fall durch eine Kastration – und im Anschluss (nach 2 bis 4 Monaten) die Schilddrüsenwerte erneut bestimmen zu lassen. Außerdem würden wir unbedingt dazu raten, dann auch gleich die Kombination aus T4 und TSH (oder fT4 und TSH) messen zu lassen.

Ich wünsche Ihnen und Ihrem Hund alles Gute,

Ihre Dr. med. vet. Iris Wagner-Storz

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