Milztumor beim Hund: Hämangiosarkom und Co

Milztumoren sind die häufigsten Tumoren des Bauchraums beim Hund. Leider handelt es sich oft um bösartige Hämangiosarkome mit einer schlechten Prognose. Es besteht aber auch Hoffnung: in etwa einem Drittel der Fälle steckt eine gutartige Veränderung hinter einer Masse in der Milz!

So oder so ist eine rasche Behandlung entscheidend, denn es besteht akute Lebensgefahr: der Tumor kann reißen und in die Bauchhöhle bluten.

Erfahren Sie hier von einer unabhängigen Tierärztin alles, was Sie zu Milztumoren wie dem Hämangiosarkom beim Hund wissen sollten!

Milztumor (Hund): Steckbrief

  • Symptome: Leistungsschwäche, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, blasse Schleimhäute, dicker Bauch, evtl. akutes Kollabieren mit Schocksymptomen
  • Verlauf: Ohne Behandlung akutes Verbluten möglich
  • Schwere der Erkrankung: Abhängig von der Tumorart, bei Ruptur jedoch immer lebensgefährlich
  • Häufigkeit: Gelegentlich, insg. häufige Tumorart
  • Vorkommen: V.a. ältere Hunde größerer Rassen, v.a. Deutscher Schäferhund, Golden Retriever, Labrador sind häufig betroffen
  • Diagnose: Ultraschalluntersuchung, histologische Untersuchung
  • Behandlung: Chirurgische Entfernung der Milz, ggf. Chemotherapie
  • Prognose: Unterschiedlich; abhängig von Tumorart gut bis schlecht
  • Ansteckungsgefahr: Nicht ansteckend für Tiere oder Menschen
  • Fachgebiet:  Onkologie

Einleitung: Nicht jeder Milztumor ist ein Hämangiosarkom

Milztumore sind beim Hund leider keine Seltenheit – sie stecken hinter etwa 40% der Bauchraum-Tumore beim Hund. Bei manchen, häufig betroffenen Rassen sind sie sogar für bis zu 2 % aller Todesfälle verantwortlich!

Am häufigsten handelt es sich dabei um sog. Hämangiosarkome: bösartige Tumore der Blutgefäße, die leider sehr oft und auch früh metastasieren, also Tochtergeschwülste in anderen Organen ausbilden. Statistisch gesehen überleben betroffene Hunde nach der Diagnose i.d.R. leider nur noch wenige Monate.

Besonders häufig sind ältere Hunde (i.d.R. ab ca. 8 bis 9 Jahren) von Hämangiosarkomen betroffen. Große Hunderassen – und v.a. Deutsche Schäferhunde, Golden Retriever und Labradore – haben eine besondere Veranlagung für diese Tumorart. Allerdings kann sie Hunde jeder Rasse treffen.

Nicht immer steckt hinter einem Milztumor jedoch ein Hämangiosarkom! Tatsächlich leiden „nur“ 2/3 der Hunde mit einer vergrößerten Milz bzw. einer Masse in der Milz an einem bösartigen Tumor – und wiederum „nur“ 2/3 davon haben ein Hämangiosarkom. Insgesamt leiden also ca. 44% der Hunde mit einer Masse in der Milz an einem Hämangiosarkom. Das ist etwa die Hälfte der betroffenen Hunde – zwar immer noch viel, aber deutlich besser als die Annahme, dass „jeder“ Milztumor gleich ein Hämangiosarkom ist.

Noch besser: Etwa ein Drittel der Hunde hat sogar gar keinen Krebs, sondern eine gutartige Milzveränderung!

Leider ist es vor der operativen Entfernung der Milz oft nicht möglich, zu erkennen, ob ein Milztumor bzw. eine Masse in der Milz gut- oder bösartig ist. Im Ultraschall (und auch in der OP!) können z.B. ein bösartiges Hämangiosarkom und ein gutartiges Hämatom praktisch identisch aussehen! Klarheit gibt in aller Regel leider nur die histologische Untersuchung der Milz nach der chirurgischen Entfernung.

Was ist die Milz und was macht sie?

Die Milz ist ein zungenförmiges Organ, das im Bauchraum hinter dem Magen sitzt. Es ist dafür zuständig, alte, kaputte oder fehlerhafte rote Blutkörperchen aus dem Blut zu entfernen. Es dient außerdem als Blutspeicher – im Fall eines Blutmangels kann es sich zusammenziehen und rote Blutkörperchen in den Kreislauf entlassen.

Kann ein Milztumor beim Hund auch gutartig sein?

Ja! Neben dem gefürchteten Hämangiosarkom gibt es beim Hund noch andere – und teilweise auch gutartige – Veränderungen der Milz!

Tatsächlich steckt bei etwa bei einem Drittel der Hunde mit einer Masse in der Milz eine gutartige Veränderung oder ein gutartiger Tumor dahinter.

Welche Milzveränderungen gibt es beim Hund?

Eine Masse in der Milz kann bei Hunden eine Reihe verschiedener Ursachen haben.

Im besten Fall handelt es sich um nicht-tumoröse, gutartige Veränderungen, wie z.B. Hämatome, also sozusagen „Blutergüsse“ bzw. blutgefüllte Kammern in der Milz. Hierbei handelt es sich um die häufigste gutartige Milzveränderung beim Hund.

Es kommen aber auch gutartige Milztumoren, wie z.B. das Hämangiom, vor.

Bei den bösartigen Milztumoren ist das Hämangiosarkom mit weitem Abstand der häufigste Tumor, daneben kommen z.B. aber auch Mastzelltumoren, Lymphome und verschiedene Sarkome vor.

Was ist ein Hämangiosarkom?

Das Hämangiosarkom ist ein aggressiver, bösartiger Tumor der Blutgefäße. Er wächst in das umliegende Gewebe ein und streut schnell in andere Organe – zum Zeitpunkt der Diagnose hat der Tumor in der Hälfte der Fälle leider schon metastasiert.

Die Milz ist übrigens nicht der einzige Ort, an dem ein Hämangiosarkom vorkommen kann. Auch das Herz (rechter Vorhof und/oder rechtes Herzohr), die Leber sowie die Haut und Unterhaut können der primäre Entstehungsort für den Tumor sein.

Wohin streut ein Milztumor beim Hund?

Das kommt auf die Art des Tumors an. Das Hämangiosarkom als häufigste Tumorart streut v.a. in die Leber und die Lungen. Aber z.B. auch im Gehirn, in Muskeln, im sog. großen Netz oder in Knochen können Metastasen (Tochtergeschwülste) entstehen.

Wie kommt es, dass Milztumoren bluten?

Egal, ob gutartige Veränderung oder bösartiger Tumor: eines der „Hauptprobleme“ bei Milztumoren ist, dass es zu Blutungen kommen kann. So ist ein Hämangiosarkom (genau wie das gutartige Pendant, das Hämangiom) wie schon erwähnt ein Tumor der Blutgefäße. Dadurch entstehen im Tumor fragile, mit Blut gefüllte Kammern, die reißen können.

Bei nur kleinen „Rissen“ im veränderten Gewebe kann es zu einem schwachen Blutverlust mit eher milden, unspezifischen Symptomen kommen. Oft stoppt die Blutung irgendwann wieder und dem Hund geht es wieder besser. Betroffene Hundebesitzer erinnern sich oft im Nachhinein, dass ihr Hund vor einiger Zeit ein paar Tage lang schwach und schlapp war, sich dann aber von alleine wieder „berappelt“ hat.

Leider kann die Veränderung an der Milz aber auch so stark reißen, dass es zu lebensbedrohlichen Blutungen kommt.

Symptome bei Hunden mit Milztumor

Ein Milztumor macht sich beim Hund – wenn überhaupt! – leider erstmal nur sehr unspezifisch bemerkbar. Die betroffenen Hunde wirken schlapp und müde oder bringen nicht mehr so viel Leistung, was – verständlicherweise – oft erstmal dem Älterwerden zugeschrieben wird. Manche Hunde fressen auch nicht mehr so gut wie sonst.

Einem aufmerksamen Hundehalter fällt vielleicht auch noch auf, dass der Bauch des Hundes dick und irgendwie größer als sonst aussieht (weil die Milz durch den Tumor sehr groß ist) und/oder dass die Schleimhäute, z.B. im Maul, sehr hell bzw. blass sind statt wie sonst rosa (ein Anzeichen für eine Blutarmut durch wiederkehrende/chronische Blutungen der Milz). Bei manchen Hunden kommen auch Erbrechen und Durchfall dazu.

Milztumor geplatzt beim Hund: Anzeichen

Werden die oben beschriebenen Veränderungen übersehen, kann sich der Milztumor auch ganz dramatisch und plötzlich äußern: der Hund kollabiert oder will bzw. kann sich nicht mehr bewegen, leidet unter Bauchschmerzen, atmet schnell und hat gräulich-weiße Schleimhäute (z.B. im Maul).

Dazu kommt es, wenn der Tumor rupturiert, also platzt. Dann tritt eine u.U. sehr große Menge Blut in die Bauchhöhle aus (Hämoabdomen) und der Hund droht zu verbluten. Es kommt zu einem sog. Volumenmangelschock. Es herrscht akute Lebensgefahr, suchen Sie mit Ihrem Hund sofort einen Tierarzt auf – es handelt es sich um einen absoluten Notfall!

Symptome beim Milztumor auf einen Blick

  • Teilnahmslosigkeit, „Schlappheit“, (Leistungs-)Schwäche
  • Appetitlosigkeit
  • Vergrößerter, dicker Bauch
  • Blasse Schleimhäute (durch die Blutarmut)
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Kollaps
  • Bauchschmerzen
  • Erhöhte Atem- und Herzfrequenz

Ursachen und Risikofaktoren für Milztumore beim Hund

Warum bekommt ein Hund einen Milztumor bzw. ein Hämangiosarkom – diese Frage stellen sich wohl viele Halter eines betroffenen Vierbeiners. Leider kennen wir die Antwort noch nicht.

Was wir wissen ist, dass der deutsche Schäferhund, der Labrador und der Golden Retriever besonders häufig betroffen sind. Eine genetische Komponente scheint also zumindest mit eine Rolle zu spielen.

Vermutlich handelt es sich aber, wie so oft, um ein sog. multifaktorielles Geschehen, d.h. es gibt nicht „die eine“ Ursache, sondern eine Kombination verschiedener Faktoren führt zur Tumor-Entstehung.

Untersuchungen und Diagnose von Milztumoren beim Hund

Ein akut gerissener Milztumor ist i.d.R. leicht zu diagnostizieren: Vorbericht, klinische Untersuchung und Ultraschall geben meist eindeutige Hinweise auf die Ursache der Symptome. Für ausgiebige weiterführende Untersuchungen bleibt dann oft keine Zeit – der Hund muss m.o.w. sofort operiert werden, um ihn vor dem Verbluten zu retten.

Allerdings weiß zu diesem Zeitpunkt noch niemand, ob es sich um eine gutartige Veränderung oder einen bösartigen Tumor handelt, der da gerissen ist – die Entscheidung für oder gegen die OP muss dementsprechend meist „blind“ erfolgen (mehr Infos s.u.).

Diagnose vor Ruptur des Milztumors

Etwas schwieriger ist es, einen Milztumor in einem frühen Stadium zu identifizieren. Die klinische Untersuchung kann dabei erste Hinweise geben: beim Abtasten des Bauches kann der Tierarzt u.U. die vergrößerte Milz spüren, eventuell fällt auch schon auf, dass die Schleimhäute des Hundes sehr hell sind – ein Anzeichen für eine Blutarmut.

Bei einer Blutuntersuchung können dann weitere m.o.w. typische Veränderungen auffallen, wie z.B. ein Mangel an roten Blutkörperchen (Anämie) und Blutplättchen (Thrombozytopenie).

Die definitive Bestätigung für das Vorhandensein eines Milztumors bzw. einer Masse in der Milz erhalten Tierarzt und Hundehalter dann bei der Ultraschalluntersuchung. Hier können die Veränderungen in der Struktur und Größe des Organs relativ gut beurteilt werden.

Grenzen der Ultraschalluntersuchung

Allerdings hat die Ultraschalluntersuchung auch Grenzen: es ist leider nicht möglich, mit Sicherheit zu sagen, was hinter einem vermeintlichen Milztumor steckt. Ein extrem bösartiges Hämangiosarkom und ein gutartiges Hämangiom oder Hämatom sehen im Ultraschall praktisch gleich aus!

Übrigens: Eine große Masse in der Milz bedeutet nicht automatisch, dass es sich um einen bösartigen Tumor handelt! Auch gutartige Veränderungen können beeindruckende Größen (z.B. Fußballgroß) annehmen!

Bei den meisten Tumorarten kann eine sog. Feinnadelaspiration (FNA) dabei helfen, die Tumorart zu identifizieren. Dabei werden mit einer dünnen Nadel einige Zellen gewonnen, die dann von Spezialisten unter dem Mikroskop untersucht werden können. Vermutet der Tierarzt ein Lymphom, kann eine FNA tatsächlich auch bei einer Masse in der Milz Sinn machen.

In den meisten anderen Fällen ist eine FNA dagegen nicht sinnvoll – denn erstens sind auch bei dieser Untersuchungsmethode manche Tumorarten nicht einwandfrei unterscheidbar, und zweitens besteht das Risiko, dass es dabei zu einer gefährlichen Blutung kommt.

Der Tierarzt muss also im Einzelfall entscheiden, ob eine FNA Sinn macht.

Entfernung und histologische Untersuchung der Milz

Die einzige Möglichkeit, zweifelsfrei festzustellen, ob es sich um einen bösartigen Milztumor handelt und um welche Art genau, ist die operative Entfernung und anschließende histologische Untersuchung der Milz (also Untersuchung des Milz-Gewebes unter dem Mikroskop).

Selbst während der OP kann in vielen Fällen noch nicht beurteilt werden, um was für einen Milztumor es sich handelt – ein gutartiges Hämangiom oder Hämatom kann exakt so aussehen wie ein bösartiges Hämangiosarkom!

Die einzige Möglichkeit, ein Hämangiosarkom zweifelsfrei zu diagnostizieren, ist die histologische Untersuchung der Milz nach chirurgischer Entfernung! Es kann weder im Ultraschall noch in der OP sicher von gutartigen Veränderungen unterschieden werden!

Die Entscheidung für oder gegen eine OP muss also leider bereits stattfinden, noch bevor klar ist, wie die Überlebenschancen und die vermutete Überlebensdauer des Hundes ist.

Einziger Pluspunkt: auch bei einer gutartigen Milzveränderung ist die operative Entfernung der Milz die Behandlung der Wahl – denn auch diese kann reißen und zum Verbluten des Hundes führen. Stellt sich im Nachhinein heraus, dass die Masse in der Milz gutartig ist, hat man also zumindest nicht „unnötig“ operiert.

Suche nach Metastasen: „Staging“ der Milztumor-Erkrankung

Das größte „Risiko“ ist, dass der Hund operiert wird, dann aufgrund bereits fortgeschrittener Metastasierungen aber innerhalb kurzer Zeit verstirbt. Wie schon erwähnt, haben Hämangiosarkome der Milz zum Zeitpunkt der Diagnose in ca. 50% der Fälle schon gestreut.

Dementsprechend ist es wichtig, vor der OP schon nach solchen Tochtergeschwülsten zu suchen. Dazu werden im Ultraschall auch die anderen Bauchorgane beurteilt. Außerdem sollten unbedingt Röntgenaufnahmen der Lunge (in 3 Ebenen) gemacht werden.

Ein hoher Anteil von Hunden mit Hämangiosarkom (ein Viertel bis fast die Hälfte) hat zusätzlich ein Hämangiosarkom im Herz. Dementsprechend sollte u.U. auch eine Beurteilung des Herzens zu den präoperativen Untersuchungen gehören.

Behandlung eines Milztumors beim Hund

In den meisten Fällen von Milztumoren beim Hund ist die chirurgische Entfernung der gesamten Milz das Mittel der Wahl (Ausnahme z.B. Lymphom – hier wird eine Chemotherapie empfohlen, siehe hier). Aufgrund des Blutverlustes können während und nach der OP Bluttransfusionen nötig sein.

Anschließend sollte das Organ zur weiteren Untersuchung in ein Labor eingeschickt werden. Dort kann bei der histologischen Untersuchung zweifelsfrei die Art des Milztumors festgestellt werden – dieses Wissen ist wichtig für die weitere Behandlung und die Prognose des Hundes.

Bei Hämangiosarkomen wird eine anschließende Chemotherapie empfohlen. Diese verzögert das Auftreten von Metastasen und verlängert die durchschnittliche Überlebenszeit betroffener Hunde. Sie wird i.d.R. gut vertragen und die Lebensqualität des Hundes ist dabei kaum beeinträchtigt (erfahren Sie hier mehr zur Chemotherapie beim Hund).

Bei gutartigen Tumoren oder Milzveränderungen ist der Hund nach der OP geheilt.

Kann ein Hund ohne Milz leben?

Ja! Auch ohne Milz kann ein Hund ein normales Leben führen.

Milztumor Hund: OP Ja oder Nein?

Wenn der Milztumor vor der Ruptur entdeckt wird und noch keine Metastasen vorhanden sind, lautet der Rat i.d.R. ganz klar zur OP (Ausnahme: Lymphom) – denn egal ob gut- oder bösartig: die Veränderung kann reißen und zum Verbluten des Hundes führen.

Wird bei einem Hund ein Milztumor unbekannter Art entfernt, bevor er reißt, stehen die Chancen laut der Erfahrungen vieler Tierärzte etwa 50/50, dass der Hund „davonkommt“ – dabei gilt: je früher ein Tumor entdeckt und entfernt wird, desto besser sind auch die Chancen.

Einer Studie zufolge handelt es sich bei Milzveränderungen, die „zufällig“ bei einer Untersuchung beim Tierarzt gefunden werden (im Gegensatz zur Diagnose nach bereits erfolgter Tumorruptur), häufiger um gutartige Veränderungen (in 70% der Fälle).

Milztumor bereits geplatzt – was tun?

Ist der Milztumor bereits „geplatzt“, ist die Situation komplizierter:

Handelt es sich um eine gutartige Veränderung ist die OP kurativ, d.h. der Hund ist geheilt und hat eine m.o.w. unveränderte Lebenserwartung.

Handelt es sich dagegen um einen bösartigen Milztumor, ist die Prognose leider schlecht. Wenn der Tumor reißt, verteilen sich über das Blut unzählige Tumorzellen in der gesamten Bauchhöhle – jede davon kann zu einer Metastase heranwachsen. Der Hund wird also mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die nächsten Wochen bis Monate am Krebs versterben.

Was also tun? Eine schwierige Entscheidung – da niemand vor der OP sicher sagen kann, welche Tumorart und damit Prognose der Hund hat. Folgendes sollte allerdings bedacht werden:

  • Einer Studie zufolge steigt das Risiko, dass es sich bei einer Masse um einen bösartigen Milztumor handelt, im Falle einer Ruptur und Blutung in den Bauchraum leider auf ca. 80%. Das bedeutet aber auch: laut dieser Studie war bei einem von fünf Hunden eine gutartige Veränderung Ursache der Bauchblutung.
  • Die häufig von Hämangiosarkomen betroffenen Rassen (Deutscher Schäferhund, Golden Retriever, Labrador) haben leider schlechtere Chancen auf einen guten Ausgang, v.a. wenn die betroffenen Hunde bereits älter (<8 Jahre alt) sind (Auf der anderen Seite neigen z.B. Deutsche Schäferhunde auch zu gutartigen Hämangiomen. Die Rasse alleine sollte also nicht darüber entscheiden, ob eine OP stattfindet oder nicht.)
  • Einige Blutwerte können ebenfalls einen kleinen Hinweis geben: eine Anämie (Blutarmut), morphologisch veränderte rote Blutkörperchen (Erythrozyten) und ein Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) sprechen beispielsweise eher dafür, dass es sich um einen bösartigen Milztumor handelt (sicher ist dies aber ebenfalls nicht)
  • Und nicht zuletzt sollte bedacht werden, dass die OP dem Hund zumindest noch eine Chance gibt. Im Falle einer Euthanasie besteht dagegen die Gefahr, dass die Veränderung eigentlich gutartig gewesen wäre und der Hund „unnötig“ eingeschläfert wurde.

Die Entscheidung für oder gegen eine OP sollte also immer im Einzelfall zusammen mit dem Tierarzt getroffen werden!

Dendritische Zelltherapie bei Milztumoren

Wer im Internet nach Informationen zu Milztumoren sucht, wird schnell auf die sog. dendritische Zelltherapie stoßen. Diese wird vom Hersteller beworben als „schonende Behandlung“, die zur „‘Wiedererstarkung‘ des Immunsystems“ und erheblichen Steigerung der Lebenserwartung des Tieres führt.

Dabei wird die dendritische Zelltherapie nicht nur bei Hämangiosarkomen empfohlen, sondern im Grunde genommen bei jedem Tumor – unabhängig davon, wie weit das Wachstum fortgeschritten ist und ob bereits Metastasen entstanden sind. Sie sollte allerdings nicht gleichzeitig mit einer Chemotherapie durchgeführt werden, weil diese die Herstellung des Präparats laut Aussage des Herstellers beeinträchtigen würde.

Wie läuft die dendritische Zelltherapie beim Hund ab?

Zur Durchführung einer dendritischen Zelltherapie wird beim Tierarzt zunächst Blut entnommen. Dieses wird zum Hersteller PetBioCell geschickt, wo sog. dendritische Zellen – bestimmte Zellen des Immunsystems – aus dem Blut gewonnen werden. Diese werden in eine Injektionslösung verbracht und dem Tierarzt wieder zugeschickt. Dort erfolgen dann 3 Injektionen jeweils im Abstand von 4 Wochen.

Und was ist dran an der dendritischen Zelltherapie? Erfahrungen?

Aktuell ist es nicht einfach, eine evidenzbasierte (also auf wissenschaftlichen Beweisen beruhende) Aussage zur dendritischen Zelltherapie zu machen.

Zunächst einmal wirbt der Hersteller mit zahlreichen positiven Veröffentlichungen und Studien. Allerdings stammen diese fast ausschließlich vom Hersteller selbst, somit sind sie mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten. Dazu handelt es sich zum größten Teil um Vorträge und Poster auf Kongressen, nicht um Veröffentlichungen in renommierten Fachzeitschriften.

Auch positiven Berichten von Hundehaltern auf Facebook und Co sollte man grundsätzlich nicht zu viel Gewicht beimessen. Es handelt sich hierbei nur um Einzelfälle – und auch ohne weitere Behandlung leben manche Hunde mit Hämangiosarkom nach einer OP noch mehrere Jahre lang! Außerdem sollten Sie bedenken: wer schreibt schon extra einen Beitrag in den sozialen Medien, um vom Misserfolg einer Behandlung zu berichten? Noch dazu verbreiten sich Posts über herzerwärmende „Wunderheilungen“ natürlich wesentlich stärker.

Hört man sich im Kollegenkreis um, erfährt man dagegen auch viele Geschichten von Fällen, bei denen die dendritische Zelltherapie keinen Erfolg gebracht hat.

Aktuell wird zur dendritischen Zelltherapie bei Hämangiosarkomen der Milz nun tatsächlich eine placebokontrollierte Studie in der renommierten Tierklinik Hofheim durchgeführt. Die Ergebnisse werden aktuell aber noch ausgewertet, somit müssen wir uns hier noch ein wenig gedulden.

Die Wirksamkeit ist damit noch nicht abschließend geklärt, aus meiner Sicht aber doch zumindest fraglich. Als besonders problematisch empfinde ich, dass zugunsten der „nebenswirkungsarmen“ dendritischen Zelltherapie mit fraglicher Wirkung eine OP oder eine Chemotherapie – also Behandlungen, die die Überlebensdauer nachweislich steigern – ausgeschlossen oder aufgeschoben werden könnten. In diesem Moment gilt also nicht mehr „so lang es nicht schadet…“ – denn es könnte eben doch schaden.

Milztumor beim Hund: Lebenserwartung und Prognose

Wie lange ein Hund mit Milztumor überleben wird, hängt davon ab, um welche Tumorart es sich handelt, wie groß der Tumor ist, ob sich bereits Metastasen gebildet haben, ob der Tumor bereits rupturiert ist und nicht zuletzt natürlich, ob die Milz chirurgisch entfernt wird und eine anschließende Chemotherapie stattfindet.

Lebenserwartung ohne OP

Wenn der Milztumor bereits „geplatzt“ ist, wird der Hund ohne OP innerhalb kürzester Zeit verbluten – nur die chirurgische Entfernung der Milz kann sein Leben retten.

Wird der Tumor schon vorher entdeckt, variiert die Lebenserwartung, je nachdem, ob es sich um eine gut- oder bösartige Veränderung handelt, wie groß der Tumor bereits ist und ob er schon gestreut hat.

Selbst im besten Fall – also bei einer gutartigen Veränderung – wird es ohne OP jedoch wahrscheinlich irgendwann zu einer so starken Blutung kommen, dass der Hund innerlich verblutet. Bis dahin finden oft immer wieder kleinere Blutungen statt, bei denen der Hund nicht stirbt, die aber die Lebensqualität des Hundes stark beeinträchtigen können.

Lebenserwartung mit OP

Übersteht ein Hund mit einer gutartigen Veränderung die OP, gilt er als geheilt und seine Lebenserwartung ist nicht beeinträchtigt.

Bei einem Hämangiosarkom beträgt die durchschnittliche Überlebenszeit statistisch gesehen selbst nach einer OP dagegen leider nur 1 bis 3 Monate, mit Chemotherapie erhöht sich diese Zahl auf 4 bis 6 Monate. Dabei überleben weniger als 10% ein Jahr.

Denken Sie allerdings daran – es handelt sich hier um statistische Mittelwerte! Tierärzte sehen trotz allem immer wieder auch Fälle, wo Hunde nach einer frühen OP noch jahrelang leben!

Ist ein Hämangiosarkom bereits gerissen, überleben die Hunde die OP dagegen leider meist nur noch einige Wochen bis Monate.

Auch bereits sichtbare Metastasen in Leber und/oder Lunge verschlechtern die Prognose.

Vorbeugung gegen Milztumoren bei Hunden

Leider können wir nicht verhindern, dass ein Hund Milztumore entwickelt. Ein frühes Entdecken beeinflusst die Prognose aber ganz maßgeblich!

Aus diesem Grund sollte eine routinemäßige Ultraschalluntersuchung der Milz ab einem Alter von ca. 7 bis 8 Jahren deswegen auch unbedingt zum (halb-)jährlichen Gesundheitscheck beim Tierarzt gehören.

Denken Sie außerdem immer daran: Alter ist keine Krankheit! Schieben Sie Veränderungen bei Ihrem Tier nicht automatisch auf sein fortgeschrittenes Alter. Oft stecken Krankheiten oder gesundheitliche Probleme dahinter, die behandelt werden können und sollten – neben einem Milztumor kommen hier z.B. eine Schilddrüsenunterfunktion oder schmerzhafte Arthrosen in Frage. Falls eine solche Krankheit dahintersteckt, werden Sie überrascht sein, wie Ihr Hund nach korrekter Behandlung plötzlich wieder aufblüht!

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