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Mammatumor (Gesäugetumor) beim Hund

///Mammatumor (Gesäugetumor) beim Hund

Als Mammatumor bzw. Gesäugetumor bezeichnet man beim Hund einen gut- oder bösartigen Knoten in der Milchdrüse. Mammatumore kommen vor allem bei älteren Tieren vor und sollten möglichst frühzeitig behandelt werden – denn eine rechtzeitige Therapie ist entscheidend für die Prognose dieser Erkrankung.

Mammatumor (Hund): Zusammenfassung

  • Häufigkeit der Erkrankung: Selten-Gelegentlich

  • Schwere der Erkrankung:  Leicht-Schwer

  • Vorkommen: Vor allem bei älteren, unkastrierten oder spätkastrierten Hündinnen

  • Ansteckungsgefahr: Nicht ansteckend für Tiere oder Menschen

  • Typische Symptome: Ein oder mehrere Knoten in der Milchdrüse

  • Verlauf: Akut

  • Diagnose: Histopathologische Untersuchung von Zellen aus dem Tumor

  • Behandlungsmöglichkeiten: Chirurgische Entfernung, evtl. anschließende Chemotherapie

  • Prognose: Sehr gut bis schlecht

  • Zuständige Spezialisten: Spezialisten für Tumor-/Krebserkrankungen (Onkologie) oder Gynäkologie

Beschreibung

Mammatumore bzw. Gesäugetumore zählen zu den häufigsten Tumorarten bei der Hündin. Dabei kommt es zu einer Entartung und unkontrollierten Vermehrung von Zellen in der Milchdrüse. Bei der Frau wird diese Tumorart auch als Brustkrebs bezeichnet.

Die Milchdrüsen dienen beim Hund, genau wie bei der Frau, zur Milchproduktion und somit zur Ernährung des Nachwuchses. Bei der Hündin liegen die Milchdrüsen auf der gesamten Länge zwischen Vorder- und Hinterbeinen und sind in zwei Reihen (Milchleisten) von je 5 Drüsenkomplexen (manchmal auch 4 oder 6 Komplexe) angeordnet. Jeder Drüsenkomplex ist durch eine Zitze erkennbar.

Bei der Hündin sind etwa die Hälfte aller Mammatumore gutartige Knoten (z.B. Adenome, Fibroadenome oder Papillome), die anderen 50 % sind bösartige Tumore (z.B. Karzinome, Adenokarzinome oder Osteosarkome). Nicht selten kommen auch sogenannte Mischtumore vor, bei denen sowohl bösartige als auch gutartige Bereiche in einem Knoten zu finden sind. Deshalb geht man davon aus, dass sich ein gutartiger Mammatumor im Lauf der Zeit zu einem bösartigen Tumor entwickeln kann. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig den Knoten möglichst frühzeitig zu entfernen, egal ob gutartig oder bösartig.

Bösartige Mammatumore können nämlich in die umliegenden Blut- und Lymphgefäße einwachsen. Die Tumorzellen werden dadurch im ganzen Körper verteilt, setzen sich in Lymphknoten und anderen Organen fest und bilden dort Metastasen. Gesäugetumore bilden am häufigsten in den nahegelegenen (regionalen) Lymphknoten und in der Lunge Metastasen aus.

In den allermeisten Fällen erkranken eher ältere Hündinnen (> 8 Jahre) an einem Gesäugetumor. Eine Erkrankung in einem Alter von unter 4 Jahren ist ungewöhnlich. Obwohl es sehr selten vorkommt, können auch männliche Hunde betroffen sein.

Ursachen und Risikofaktoren für Mammatumore

Beim Mammatumor des Hundes scheinen Hormone, v.a. Östrogen und Progesteron, eine große Rolle zu spielen. Hündinnen, die früh kastriert wurden, haben deswegen ein deutlich geringeres Risiko einen Mammatumor zu entwickeln als unkastrierte Weibchen. Bei der Kastration werden nämlich die Eierstöcke – der Hauptbildungsort von Östrogen und Progesteron – entfernt.

Eine Hormonbehandlung, z.B. zur Läufigkeitsunterdrückung (chemische Kastration), steigert hingegen die Wahrscheinlichkeit für einen Gesäugetumor erheblich und ist ein großer Risikofaktor.

Bei manchen Rassen und Zuchtlinien scheint auch eine genetische Veranlagung für diese Tumorart zu bestehen. Zwergpudel, Yorkshire Terrier, Dackel, Malteser, Cocker Spaniel, Chihuahua, English Springer Spaniel, English Setter, Deutscher Schäferhund, Boxer und Dobermann gehören zu den häufiger betroffenen Rassen.

Außerdem kann auch Übergewicht beim Hund einen Risikofaktor darstellen. Vor allem wenn die Hündinnen in der Pubertät ein zu hohes Körpergewicht haben, steigt die Wahrscheinlichkeit für einen Gesäugetumor an.

Symptome bei einem Mammatumor

Häufig ist das einzige Symptom ein (bzw. mehrere) Knoten in der Milchleiste des Hundes, der beim Streicheln aufgefallen ist. Die Mammatumoren wachsen meist eher langsam und fühlen sich zu Beginn oft wie ein kleiner Kieselstein an. Nicht immer sind sie unter der Haut verschieblich, sondern sie können auch fest mit dem umliegenden Gewebe verwachsen sein.

Wenn der Mammatumor groß oder sehr bösartig ist, kann die Haut über dem Knoten aufplatzen und es kann sich zusätzlich eine schwere Entzündung entwickeln. Die Hunde können auch Symptome wie Fieber, Schmerzen, verminderten Appetit und Teilnahmslosigkeit zeigen. Hat das Tier Lungenmetastasen, kann dem Besitzer auch eine Kurzatmigkeit auffallen.

Untersuchungen und Diagnose

Wenn Sie bei Ihrem Hund einen Knoten in der Milchdrüse feststellen, ist dies kein Grund in Panik zu geraten. Sie sollten aber nicht einfach abwarten, sondern baldmöglichst einen Termin beim Tierarzt zur Untersuchung vereinbaren. Denn je früher ein Tumor erkannt und behandelt wird, desto besser ist die Prognose.

Der Tierarzt wird ihnen zuerst einige Fragen stellen, um mehr über die Krankengeschichte zu erfahren (z.B. ob und wann die Hündin kastriert wurde, seit wann der Knoten da ist und ob er größer geworden ist). Neben einer gründlichen Allgemeinuntersuchung wird er vor allem die gesamte Milchleiste gründlich abtasten. Oft (in ca. 70 % der Fälle) entwickelt eine Hündin nämlich mehr als einen Mammatumor.

Hat der Tierarzt danach den Verdacht, dass es sich um einen Mammatumor handeln könnte, ist eine Probenentnahme aus dem Tumor notwendig, um den Verdacht zu bestätigen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Feinnadelaspiration

Eine wenig invasive Methode ist die sogenannte Feinnadelaspiration. Dabei wird mit einer dünnen Nadel in den Mammatumor gepikst und Zellen entnommen, die unter dem Mikroskop untersucht werden können. Dafür ist in der Regel keine Narkose notwendig und die Methode ist nicht schmerzhafter als z.B. eine Impfung. Manchmal kann das Ergebnis einer Feinnadelaspiration aber fraglich ausfallen, sodass Zweifel bestehen bleiben.

Gewebeprobe (Biopsie, Resektion)

Die Entnahme eines ganzen Gewebestücks aus dem Tumor und die histopathologische Untersuchung durch einen Pathologen ist die sicherste Methode zur Diagnose eines Mammatumors. Dafür kann  mit einer kleinen Stanze eine Biopsie aus dem Knoten entnommen werden. Da die Therapie der Wahl bei einem Mammatumor die chirurgische Entfernung ist, macht es in vielen Fällen Sinn, den Tumor direkt vollständig zu entfernen und den gesamten Tumor zu einem Pathologen zur Untersuchung einzusenden. Dieser beurteilt dann, ob es sich um einen gut- oder bösartigen Knoten handelt. Für beide Methoden ist eine Narkose notwendig.

Sonstige Untersuchungen

Neben dem Tumor sollten auch die regionalen Lymphknoten untersucht und eventuell beprobt werden. Dadurch kann festgestellt werden, ob bereits Tumorzellen in den Lymphknoten gestreut wurden. Diese Information ist vor allem für die Prognose wichtig.

Da ein bösartiger Mammatumor oft auch in die Lunge metastasiert und sich dort Tochtergeschwülste bilden, ist eine Röntgenuntersuchung der Lunge sehr zu empfehlen. Das gleiche gilt für eine Blutuntersuchung, um andere Krankheiten – die bei älteren Hündinnen nicht selten vorkommen – auszuschließen.

Behandlung eines Mammatumors

Die beste Behandlung und Therapie der Wahl bei einem Mammatumor ist die vollständige chirurgische Entfernung. Je nach Ausbreitung, muss entweder nur der Tumor mit dem betroffenen Drüsenkomplex entfernt werden oder zusätzlich auch die lokalen Lymphknoten. Wenn mehrere Mammatumore vorhanden sind oder man der Entwicklung weiterer Gesäugetumore vorbeugen will, kann es auch sinnvoll sein die gesamte betroffene Milchleiste (alle 5 Drüsenkomplexe einer Seite) zu entfernen. Beide Milchleisten sollte man aber nicht in einer Operation entfernen, sondern in zwei einzelnen Operationen. Die Operationswunde ist sonst extrem groß und heilt oft nicht richtig ab.

Wird der Tumor entfernt, ist es zu empfehlen, die Hündin in dieser Operation auch zu kastrieren – falls nicht schon geschehen. Ein Wiederauftreten der Mammatumore kann damit eventuell verhindert oder verzögert werden, da dann keine hormonelle Stimulation des Drüsengewebes mehr vorhanden ist.

Eine Chemotherapie wird beim Mammatumor nicht standardmäßig empfohlen und eingesetzt. In einigen Fällen – wenn der Tumor z.B. nicht vollständig entfernt werden kann oder in die Lymphknoten metastasiert hat – kann eine zusätzliche Chemotherapie aber sinnvoll sein und sollte mit einem spezialisierten Onkologen diskutiert werden.

Eine Liste der deutschen Diplomates (internationaler Fachtierarzt) für Onkologie finden Sie hier.

Prognose beim Mammatumor

Die Prognose ist beim Mammatumor von vielen Faktoren abhängig. Bei einem gutartigen Knoten ist die Prognose nach einer Entfernung hervorragend und der Hund gilt als geheilt.

Handelt es sich um einen bösartigen Tumor, ist für die Prognose entscheidend, wie groß er ist und ob er bereits Metastasen gebildet hat.

Bei Tumoren die kleiner als 3 cm im Durchmesser sind (und nicht metastasiert haben) kann durch eine chirurgische Entfernung nicht selten eine Heilung erzielt werden. Größere Mammatumore (über 3 cm Durchmesser) oder aggressive Formen sind oft bereits in Blut- oder Lymphgefäße eingewachsen und haben Metastasen gebildet. In diesem Fall ist die Prognose deutlich schlechter.

Entscheidend für die Prognose ist also eine frühzeitige Behandlung des Mammatumors. Aus diesem Grund sollte man nicht abwarten, sondern den Knoten baldmöglichst entfernen lassen. Jeder neu auftretende Knoten sollte untersucht werden.

Vorbeugung

Eine frühzeitige Kastration der Hündin kann das Risiko für einen Mammatumor erheblich senken:

  • Wird die Hündin bereits vor der ersten Läufigkeit kastriert, beträgt das Risiko nur noch 0,5 % des Risikos einer unkastrierten Hündin.
  • Bei einer Kastration vor der zweiten Läufigkeit: 8% des Risikos einer nicht-kastrierten Hündin
  • Kastration vor der dritten Läufigkeit: 25 % des Risikos einer nicht-kastrierten Hündin
  • Eine Kastration nach der dritten Läufigkeit oder bei einem Weibchen über 2,5 Jahre hat hingegen keinen schützenden Effekt mehr.

Wichtig ist es außerdem, die Milchleisten (Gesäuge) des Hundes regelmäßig abzutasten und wenn Knoten gefunden werden, baldmöglichst einen Termin beim Tierarzt zu vereinbaren.

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Quellen

07. Juni 2018

Von Dr. Stefanie Mallmann

2018-10-27T18:52:13+00:00

Über den Autor:

Geboren in der Nähe von Passau habe ich von 2008 bis 2014 an der LMU München Tiermedizin studiert. Nach meinem Abschluss habe ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München (Thema: Auswertung eines neuartigen Allergietests) gemacht. Anschließend habe ich ein Jahr in der Onkologie gearbeitet. Die Arbeit mit krebskranken Tieren war zwar oft sehr traurig, aber ich habe dort viele tolle Tiere und ihre Besitzer kennengelernt. 2014 habe ich meine Mischlingshündin Lotta adoptiert – unseren süßen Bürohund.