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Allergien bei Hund und Katze: Behandlung & Medikamente

///Allergien bei Hund und Katze: Behandlung & Medikamente

Welche Medikamente und Behandlungen gibt es eigentlich, wenn Hunde oder Katzen an einer Allergie leiden? Was muss bei der Therapie beachtet werden? Und gibt es auch Hausmittel, die man bei Allergien einsetzen kann?

Wir stellen Ihnen hier eine Reihe verschiedener Medikamente, Mittel und Behandlungen vor – und erklären Ihnen, was Sie rund um die Allergie-Behandlung sonst noch wissen sollten!

Bitte beachten Sie aber, dass es sich hierbei nicht um eine vollständige Liste handelt – es gibt eine Vielzahl verschiedener Ansätze und ständig kommen neue hinzu. Deswegen haben wir uns auf die wichtigsten bzw. am häufigsten eingesetzten Behandlungen bei Allergien beschränkt.

Grundlagen der Behandlung: was Sie wissen sollten!

Untersuchung der Allergieursache

Allergie ist nicht gleich Allergie – und je nach Allergieform gibt es unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten. Deswegen ist es enorm wichtig, nicht nur die Symptome zu behandeln, sondern auch herauszufinden, an welcher Allergie ein Hund bzw. eine Katze leidet (und ggf. auf welche Stoffe genau ein Tier reagiert).

Um zu verstehen, wie wichtig das ist, sollte man sich immer bewusst sein, dass eine Allergie i.d.R. eine lebenslange Erkrankung ist – man sollte also besser gleich rausfinden, woran das Tier leidet, als jahrelang nur mit Medikamenten die Symptome zu lindern – irgendwann kann es dann nämlich zu schweren Nebenwirkungen kommen.

Außerdem: nur wenn man weiß, worauf ein Hund/eine Katze allergisch ist, kann man die Allergene zukünftig meiden!

Wie man rausfindet, an welcher Allergie ein Hund leidet, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Allergenvermeidung

Idealerweise schafft man es, die problematischen Allergene vom Hund bzw. von der Katze fernzuhalten. Eine solche Allergenvermeidung ist die beste „Behandlung“. V.a. bei Tieren mit Flohspeichel- oder Futtermittelallergie kann die Erkrankung damit oft so gut kontrolliert werden, dass keine weiteren Medikamente nötig sind!

So können Hunde und Katzen mit Flohallergie ganz einfach regelmäßig mit einem Mittel zur Flohprophylaxe behandelt werden, um die Symptome zu verhindern. Bei Tieren mit Futtermittelallergie kann man die Symptome dagegen durch Futterumstellung und Vermeidung der problematischen Futtermittel in den Griff kriegen.

Zugegeben: bei Hunden und Katzen, die auf Pollen oder Hausstaubmilben reagieren (sog. Umweltallergie/atopische Dermatitis), ist eine Allergenvermeidung etwas schwieriger, aber auch hier gibt es Möglichkeiten, die Menge der Allergene zu verringern (z.B. durch regelmäßiges Absaugen/Waschen von Textilien wie Teppichen, Vorhängen und Tierdecken, Nutzung spezieller antiallergischer Hunde-/Katzenbetten).

Ursächliche Behandlung der Allergie

Bei einer Umweltallergie ist auch eine ursächliche Behandlung der Allergie möglich, d.h. es werden nicht nur die Symptome unterdrückt, sondern die Allergie wird direkt „an der Wurzel gepackt“. Dazu wird eine sog. Desensibilisierung (auch Hyposensibilisierung oder Allergen-Immuntherapie genannt) durchgeführt. Diese ist sehr schonend und hat bei den meisten Hunden und Katzen keine Nebenwirkungen. Leider wirkt sie aber auch nicht bei jedem Tier gleich gut. Im besten Fall brauchen Hunde bzw. Katzen unter einer Desensibilisierung allerdings keine weiteren Medikamente. Deswegen empfehlen wir bei jedem Tier mit Umweltallergie, eine Desensibilisierung unbedingt in Erwägung zu ziehen! Mehr Informationen zur Desensibilisierung finden Sie hier unter „Ursächliche Behandlung“.

Infektion der Haut mit Bakterien und Hefepilzen

Bei sehr vielen Hunden (bei Katzen nicht ganz so häufig) kommt es aufgrund der Allergie zu Hautinfektionen mit Bakterien und Hefepilzen (z.B. mit sog. Malassezien). Die Folge können Hautentzündungen sowie Ohren- oder Pfotenentzündungen sein.

Das Problem bei Bakterien und Hefepilzen ist, dass diese selbst zu teilweise schweren Symptomen führen können, z.B. zu starkem Juckreiz, Entzündungen und im schlimmsten Fall sogar zu Blutvergiftungen (Sepsis).

Es ist deswegen sehr wichtig, die Haut (und Ohren) allergischer Hunde und Katzen regelmäßig auf Bakterien und Hefepilze zu kontrollieren und vorhandene Infektionen zu behandeln! Zur Diagnose kann der Tierarzt ganz einfach in der Praxis Proben von der Haut nehmen (sog. zytologische Untersuchung). Dazu kann er z.B. ein kleines Glasplättchen – einen sog. Objektträger – auf die Haut pressen. Die so gewonnene Probe kann er dann anfärben und direkt unter dem Mikroskop auf Bakterien, Hefepilze und vorhandene Abwehrzellen untersuchen. Diese Untersuchung geht sehr schnell und tut überhaupt nicht weh.

Juckreizschwelle

Interessanterweise ist es so: der Körper von Hunden und Katzen hat eine gewisse Toleranz gegenüber Juckreiz-auslösenden Faktoren. Erst wenn genug davon zusammenkommen, kratzt sich das Tier.

Darstellung der Juckreizschwelle bei HUnden und KatzenNehmen wir mal an, ein Hund oder eine Katze hat eine Umweltallergie, dazu kommen aber noch eine Flohspeichelallergie und zusätzliche Infektionen mit Bakterien (s. Abbildung). Erst in der Summe führen diese drei Erkrankungen zu Juckreiz. Eliminiert man die Flohspeichelallergie und die Infektionen, fällt der Juckreiz unter die Schwelle – und das Tier kratzt sich nicht mehr.

Es ist also ganz entscheidend, alle Faktoren für Juckreiz in den Griff zu kriegen und zu behandeln, auch wenn sie nicht das Hauptproblem zu sein scheinen. Aus diesem Grund sollte eine ordentliche, ganzjährige Flohprophylaxe bei jedem allergischen Tier zur Behandlung dazugehören – auch wenn man denkt, dass es eine Umweltallergie hat. Das gleiche gilt natürlich auch für die Bekämpfung von Infektionen mit Bakterien und Hefepilzen.

Es gibt nicht „die“ ideale Behandlung

Leider gibt es kein Behandlungsschema, das für jedes allergische Tier passt. Stattdessen muss für jeden Hund und jede Katze individuell geschaut werden, welche Maßnahmen und Medikamente Sinn machen.

Dazu kommt, dass es i.d.R. nicht mit einer Maßnahme oder Behandlung getan ist. Für ein optimales Ergebnis sollte immer eine Kombination aus verschiedenen Behandlungen und Medikamenten gewählt werden – so können sich die positiven Effekte ergänzen und die Dosierungen der einzelnen Medikamente reduziert werden. Dadurch sinkt das Risiko von Nebenwirkungen.

Oft ist es auch so, dass der Behandlungsplan eines Tieres gelegentlich angepasst werden muss. So reichen bei einem Hund/einer Katze während der „normalen“ chronischen Erkrankung vielleicht milde Medikamente, bei einem akuten Allergie-Schub kann es dagegen nötig sein, eine Zeit lang Cortison zu verabreichen.

Spezialisten sind ihr Geld wert!

Wir können es nicht oft genug betonen: manchmal ist ein auf Dermatologie spezialisierter Tierarzt wirklich Gold wert! Gerade bei komplizierten Fällen oder wenn bei der Behandlung nichts funktioniert, lohnt es sich zu einem Tierarzt zu gehen, der sich auf Dermatologie spezialisiert hat. Sie gehen mit Hauterkrankungen schließlich auch nicht zu ihrem Hausarzt, oder?

Wir haben für Sie hier zusammengefasst, welche Arten von Spezialisten es gibt und wo Sie den nächsten finden.

Hausmittel und „sanfte“ Behandlungen bei Allergien

Es gibt einige Medikamente und Behandlungen, die fast keine Nebenwirkungen haben und somit auf jeden Fall als unterstützende Behandlung erwogen werden sollten. Leider ist ihre Wirkung i.d.R. nicht stark genug, um die Allergie-Symptome alleine zu kontrollieren (außer in sehr milden Fällen). Sie können aber dabei helfen, die Symptome zu mildern und die Dosis stärkerer Medikamente zu vermindern – dadurch sinkt das Risiko für Nebenwirkungen bei diesen Mitteln.

Essentielle Fettsäuren

Von essentiellen Fettsäuren bzw. Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren haben Sie bestimmt schon mal gehört. Sie sind „essentiell“, weil sie vom Körper nicht selbst hergestellt werden können und von außen zugeführt werden müssen. Beispiele für essentielle Fettsäuren sind DHA und EPA (Docosahexaensäure und Eicosapentaensäure). Gerade für allergische Hunde und Katzen sind sie sinnvoll, da bei ihnen die Hautbarriere gestört ist. Durch Gabe von essentiellen Fettsäuren kann diese bewiesenermaßen verbessert werden, so dass es im Idealfall nicht nur zu einer Verbesserung der Fellqualität kommt, sondern auch zu einer Milderung der allergischen Symptome.

Die Wirkung ist allerdings nicht mit der von „starken“ Medikamenten zu vergleichen und eher mild. Außerdem dauert es bis zu 2 Monate, bis man einen Effekt sieht. Andererseits haben essentielle Fettsäuren aber nur sehr wenige Nebenwirkungen (bei oraler Gabe kann es z.B. gelegentlich zu mildem Durchfall und Erbrechen kommen), weswegen man auf jeden Fall einen Versuch starten kann! Bonuseffekt: Sie sind zusätzlich sinnvoll bei Herz- und Gelenkerkrankungen.

Wie kann man essentielle Fettsäuren geben?

Es gibt drei Möglichkeiten, essentielle Fettsäuren zu verabreichen: 1) durch Gabe spezieller, mit essentiellen Fettsäuren angereicherter Futtermittel 2) durch Zugabe der Fettsäuren zum normalen Futter (Öl, spezielle Präparate oder Kapseln) 3) durch Gabe von speziellen Präparaten direkt auf die Haut (z.B. Allerderm® Spot On oder Dermoscent® Essential 6 spot-on).

Welche dieser drei Varianten am besten funktioniert, ist aktuell noch unklar. Es scheint aber keine großen Unterschieden zu geben, so dass Sie auswählen können, was für Sie am einfachsten ist. Eine Kombination mehrerer dieser Möglichkeiten scheint dagegen keinen zusätzlichen positiven Effekt zu haben.

Wieviel essentielle Fettsäuren sollte man geben?

Bei Hunden ist eine einfache und kostengünstige Möglichkeit die Gabe von kaltgepresstem Leinöl, Distelöl, Fischöl oder Nachtkerzenöl über das Futter. Hunde erhalten dafür einmal täglich einen Esslöffel Leinöl oder Distelöl pro 10 Kilogramm Körpergewicht bzw. 1 ml Nachtkerzenöl pro 10 kg Körpergewicht oder 50 mg Fischöl pro Kilogramm Körpergewicht. Natürlich können Sie die Gesamtdosis auch auf mehrere Mahlzeiten aufteilen.

Bei Katzen funktionieren pflanzliche Öle leider nicht so gut, weswegen hier Fischöl die beste Wahl ist. Katzen erhalten ebenfalls 50 mg Fischöl pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag (ebenfalls auf mehrere Mahlzeiten verteilt möglich).

Fangen Sie sowohl bei Hunden als auch bei Katzen mit einer geringen Menge Öl an und steigern Sie die Dosis über mehrere Tage, damit der Körper Zeit hat, sich an das zusätzliche Fett zu gewöhnen. Reduzieren Sie die Dosis wieder, wenn es zu Durchfall oder Erbrechen kommt. Bitte beachten Sie auch, dass Sie die Futtermenge vermutlich etwas reduzieren müssen, damit Ihr Tier nicht zunimmt.

Achtung!

Bei Hunden mit Bauchspeicheldrüsen-Problemen (Pankreatitis) oder mit einer Neigung zu einer solchen sollte besser keine Zugabe von Öl zum Futter erfolgen, da Fett im Verdacht steht, akute Erkrankungsschübe auslösen zu können!

Shampoo-Therapie

Man sollte nicht meinen, dass etwas so einfaches wie Waschen mit einem Shampoo helfen kann, aber es ist tatsächlich ziemlich wirksam! Zugegeben: bei manchen Hunden und vermutlich fast allen Katzen ist es dann doch nicht so einfach und vielleicht nicht die beste Option, aber wenn Ihr Tier kein Problem damit hat, geduscht zu werden, ist Shampoonieren wirklich eine gute Idee!

Eine Studie konnte zeigen, dass Shampoonieren (1 Mal pro Woche; in der Studie wurde Allermyl®- Shampoo verwendet) den Juckreiz bei einem Viertel der allergischen Hunde um die Hälfte verbessert! Das liegt vermutlich v.a. daran, dass „schädliche“ Stoffe, wie Allergene und Bakterien, von der Haut gewaschen werden und die Haut beruhigt wird.

Wie sollte man sein Tier shampoonieren?

Für eine optimale Wirkung müssen einige Punkte beachtet werden:

  • Es gibt verschiedene Arten von Shampoos, z.B. pflegende, antibakterielle oder Schuppen-, Talg- und Krusten-lösende (sog. sebolytische) Shampoos. Welche Art am besten geeignet ist, hängt vom Einzelfall ab – und kann sich im Verlauf der Behandlung auch ändern. Im Idealfall wählt man das passende Shampoo also zusammen mit dem Tierarzt und nach zytologischer Beurteilung der Haut aus. Auf jeden Fall sollte allerdings ein nicht-irritierendes Tiershampoo verwendet werden.
  • Wenn Sie feststellen, dass sich Ihr Hund/Ihre Katze nach dem Shampoonieren mehr juckt und kratzt, sollten Sie mit Ihrem Tierarzt sprechen. Möglicherweise ist das gewählte Shampoo doch nicht ideal geeignet oder die Abstände zwischen den Behandlungen müssen vergrößert werden.
  • Beim Shampoonieren kann es passieren, dass die Haut austrocknet. Um dem entgegenzuwirken, kann es sinnvoll sein, nach dem Waschen ein Pflegeprodukt auf die Haut aufzutragen (z.B. essentielle Fettsäuren, s.o., oder Pflegeprodukte, s.u.).
  • Damit das Shampoo gut wirken kann und die Haut möglichst wenig austrocknet, sollte man sich an die „10-10-10-Regel“ halten: das heißt, das Fell sollte 10 Minuten lang komplett nass gemacht werden (v.a. bei Hunden mit langem und dichtem Fell), das Shampoo sollte 10 Minuten einwirken und dann 10 Minuten lang wieder ausgewaschen werden. Zugegeben: das ist mühsam. Gerade im Sommer kann der Hund während der Einwirkzeit aber z.B. auch im Garten liegen. Weil man die Zeiten schnell unterschätzt, sollte man sich beim Shampoonieren idealerweise eine Uhr zu Hilfe nehmen.
  • Beim Shampoonieren werden Medikamente gegen Flöhe und Zecken, die auf die Haut aufgetragen wurden (Spot Ons wie Frontline®, Exspot®, Advocate®, etc.), von der Haut abgewaschen. Dadurch haben sie eine verkürzte Wirkungsdauer. Wenn Sie Ihren Hund/Ihre Katze also regelmäßig waschen wollen, sollten Sie mit Ihrem Tierarzt über alternative Mittel zur Parasitenprophylaxe sprechen (z.B. Tabletten).

Pflegeprodukte

Wie bereits erwähnt, ist die Hautbarriere bei allergischen Hunden und Katzen gestört. Bestimmte Pflegeprodukte können die Haut beruhigen, befeuchten und mit wichtigen Nährstoffen versorgen – und so die Hautbarriere vermutlich stärken. Das kann dazu beitragen, die Symptome zu mildern und die Dosis stärkerer Medikamente zu reduzieren.

Es gibt inzwischen eine ganze Menge von Pflegeprodukten für Hunde und Katzen, z.B. in Schaum-, Lotion- oder Sprayform. Sie werden direkt auf die Haut aufgebracht. V.a. nach dem Waschen bzw. Shampoonieren können sie helfen, die Haut wieder mit Feuchtigkeit zu versorgen.

Antihistaminika

Nicht nur Heuschnupfen-geplagten Menschen können Antihistaminika helfen – auch allergische Hunde und Katzen können von diesen Medikamenten profitieren! Zwar ist ihre Wirkung nicht zu vergleichen mit der von z.B. Cortison, dafür haben sie aber auch deutlich weniger Nebenwirkungen (so kann es v.a. zu Müdigkeit kommen).

Leider wirkt nicht jedes Antihistaminikum bei jedem Hund bzw. bei jeder Katze. Deswegen bleibt oft nichts anderes als verschiedene Antihistaminika auszuprobieren (oft über jeweils 2 Wochen), bis eines gefunden ist, das wirkt und gut vertragen wird, also nicht zu Müdigkeit führt. Dies lohnt sich aber, denn weil Antihistaminika so wenige Nebenwirkungen haben, können sie ggf. auch lebenslang gegeben werden (Zugegeben: leider findet man bei manchen Tieren kein Antihistaminikum, das funktioniert).

Geeignet für allergische Hunde und Katzen ist z.B. Cetirizin, welches 1-2 Mal täglich gegeben werden muss. Cetirizin gibt es als Tabletten, Tropfen und Saft.

Es sollte allerdings beachten werden, dass es einige Zeit dauern kann, bis Antihistaminika wirken (i.d.R. bis zu 2 Wochen). Für akute Allergie-Schübe sind sie deswegen meist nicht geeignet. Sie können aber langfristig vorbeugend gegeben werden.

Präparate gegen Bakterien und Hefepilzen

Bei sekundären Hautinfektionen mit Bakterien ist es in sehr vielen Fällen nicht nötig, gleich ein Antibiotikum zu geben. Oft reicht es, die infizierte und entzündete Haut mit antibakteriellen Präparaten zu behandeln. Diese bekämpfen die Infektion ebenfalls, es kommt allerdings deutlich seltener zu Resistenzen als bei Antibiotika. Ein typischer Wirkstoff ist z.B. Chlorhexidin, aber auch medizinischer Honig hat antibakterielle Eigenschaften. Bitte beachten Sie, dass bei Katzen keine desinfizierenden Mittel mit Jod eingesetzt werden sollten (außer sie sind spezifisch für Katzen zugelassen), da Jod für Katzen giftig sein kann!

Es gibt eine ganze Reihe unterschiedlicher Präparate, z.B. antibakterielle Schäume, Tücher, Bäder, Shampoos, Salben und Ohrreiniger. Und auch für Infektionen mit Hefepilzen (z.B. Malassezien) stehen viele verschiedene Formulierungen zur Verfügung. Je nach betroffener Hautstelle und Kooperationsbereitschaft des Hundes/der Katze kann so ein geeignetes Präparat zur Behandlung gewählt werden (z.B. Tücher bei Infektionen in Hautfalten).

Diese Präparate sollten allerdings nur eingesetzt werden, wenn Hunde/Katzen auch tatsächlich an einer Hautinfektion leiden (bzw. wenn es an bestimmten Stellen immer wieder zu Infektionen kommt), da sie die Haut sonst stark austrocknen und auch reizen können. Idealerweise sollte vorher also eine zytologische Untersuchung der Haut erfolgen.

Stärkere Medikamente gegen Allergie-Symptome

Achtung!

Die meisten Medikamente in dieser Kategorie haben leider einen Nachteil: sie wirken, indem sie das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppression). Das kann verschiedene Folgen haben.

Einerseits sind Hunde und Katzen dann anfälliger für Infektionen (z.B. der Haut, der Harnwege, der Atemwege). Bei Tieren, die über längere Zeit mit diesen Medikamenten behandelt werden, sollte deswegen auch regelmäßig der Urin auf eine bakterielle Infektion überprüft werden. Hunde und Katzen, die diese Medikamente erhalten, zeigen bei einer Blasenentzündung nämlich oft nicht die typischen Symptome, so dass man die Blasenentzündung als Besitzer gar nicht bemerkt. Weil es bei fehlender Behandlung aber zu Komplikationen kommen kann (z.B. Aufsteigen der Infektion in die Nieren), sollte man vorsichtshalber den Urin regelmäßig auf Bakterien kontrollieren.

Andererseits spielt das Immunsystem aber auch eine große Rolle bei der Bekämpfung entarteter Zellen. Wird es unterdrückt, können sie diese Aufgabe nicht mehr erfüllen. Bei Hunden und Katzen, die über längere Zeit mit immunsupprimierenden Medikamenten behandelt werden, steigt deswegen das Risiko für Krebserkrankungen.

Bevor man Medikamente einsetzt, die das Immunsystem schwächen, sollte die Haut des Hundes/der Katze außerdem unbedingt auf Infektionen mit Bakterien oder Hefepilzen untersucht werden. Sind Infektionen vorhanden, sollten diese auf jeden Fall vorher bzw. gleichzeitig behandelt werden. Denn weil die Medikamente ja das Immunsystem schwächen, kann es sonst zu einer Verschlimmerung der Hautentzündung kommen.

Cortison & Co (Glukokortikoide)

Orale Gabe (Tabletten)

Cortison-Präparate (z.B. solche mit Prednisolon, Methylprednisolon oder Prednison) sind die „Klassiker“ unter den bei Allergien eingesetzten Medikamenten. Sie unterdrücken das Immunsystem und wirken so i.d.R. sehr gut und auch schnell gegen Juckreiz und Hautentzündungen. V.a. bei akuten Allergie-Schüben und starkem Juckreiz sind sie deswegen sehr gut geeignet. Eine langfristige Gabe sollte allerdings sorgfältig abgewogen werden, weil es zu teilweise starken Nebenwirkungen kommen kann.

„Klassische“ Nebenwirkungen sind z.B. häufiges Pinkeln und vermehrtes Trinken (Polyurie/Polydipsie), gesteigerter Appetit (Polyphagie), Gewichtszunahme und Hautverdünnung. Außerdem kann es zur Entwicklung eines Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) kommen. Da Cortison-Präparate das Immunsystem schwächen, kann es auch leichter zu Infektionen kommen (s. Hinweis oben).

Aus diesem Grund sollten Cortison-Präparate immer nur so kurz wie nötig eingesetzt werden. Wenn sich eine langfristige Gabe nicht vermeiden lässt, sollte man versuchen die geringste Dosis zu finden, mit der die Symptome des Hundes/der Katze akzeptabel sind. Außerdem sollte man unterstützendende Medikamente/Behandlungen einsetzen (s.o.), denn auch dadurch kann man oft Cortison „sparen“ und eine niedrigere Dosis wählen.

Wenn es sich vermeiden lässt, sollten Hunde und Katzen außerdem keine langwirksamen Cortison-Spritzen bekommen. Wenn es dann nämlich zu Nebenwirkungen kommt, ist es unmöglich, das Medikament abzusetzen – nach dem Motto: was drin ist, ist drin.

Achtung!

Wenn Ihr Hund/Ihre Katze über längere Zeit (länger als einige Tage) Cortison-Präparate erhalten hat, sollten Sie diese auf gar keinen Fall abrupt absetzen! Ansonsten kann es zu lebensbedrohlichen Nebenwirkungen kommen! Cortison ist nämlich ein lebenswichtiges Hormon, dass im Körper in den Nebennieren hergestellt wird. Führt man über längere Zeit Cortison von außen zu, fahren die Nebennieren die Cortison-Produktion zurück. Setzt man die Gabe von außen dann plötzlich ab, können die Nebennieren so schnell nicht die nötige Menge produzieren. Dadurch fehlt es dem Körper an Cortison, was lebensgefährliche Folgen haben kann (sog. Addison-Krise).

Aus diesem Grund muss die Cortison-Gabe über mehrere Tage bis Wochen (oder sogar Monate) „ausgeschlichen“ werden, d.h. die Dosis wird ganz langsam reduziert. Über welche Zeit man das Cortison ausschleichen muss, hängt von der gegebenen Dosis und der Dauer der vorherigen Behandlung ab. Ihr Tierarzt wird mit Ihnen besprechen, wie Sie bei Ihrem Tier vorgehen sollen.

Lokale Anwendung von Cortison-Präparaten

Nicht immer ist es nötig, Cortison in Tablettenform zu geben. V.a. wenn der Juckreiz auf bestimmte Hautstellen begrenzt ist, kann man diese auch lokal behandeln – z.B. mit Cortison-haltigen Salben oder Sprays. Dadurch sinkt das Risiko von starken Nebenwirkungen.

V.a. ein Spray, das ein spezielles Cortison enthält (Hydrocortisonaceponat; z.B. in Cortavance®-Spray), ist sehr gut geeignet. In dieser Form wird das Cortison nämlich nicht in den Körper aufgenommen, sondern direkt in der Haut verstoffwechselt. Dadurch kommt es nur sehr selten zu den oben beschriebenen Nebenwirkungen (außer Hautverdünnung).

Oclacitinib (Apoquel®)

Bei Apoquel® handelt es sich um Tabletten, die ähnlich gut und schnell gegen allergischen Juckreiz und Hautentzündungen wirken wie Cortison-Präparate.

Die häufigsten Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall oder Erbrechen. Zu den „klassischen“ Cortison-Nebenwirkungen sowie zur Entwicklung von Diabetes mellitus scheint es dagegen nicht zu kommen. Weil Apoquel aber ebenfalls das Immunsystem unterdrückt, kann es auch hier zu Infektionen (z.B. der Haut oder der Harnwege) kommen (s. Hinweis oben).

Deswegen sollte auch bei Apoquel versucht werden, die niedrigste mögliche Dosis zu finden und diese durch unterstützende Behandlungen (s.o.) weiter zu reduzieren.

Apoquel ist (bisher) nur für Hunde zugelassen.

Cyclosporin/Ciclosporin (Atopica®)

Auch Cyclosporin bzw. Ciclosporin (z.B. in Atopica®) wirkt ähnlich gut wie die beiden letztgenannten Medikamente, allerdings dauert es eine gewisse Zeit, bis das Medikament wirkt (oft ca. 4 Wochen). Bei akuten Allergie-Schüben ist es deswegen nur begrenzt geeignet.

Dafür scheint Cyclosporin in der Regel gut vertragen zu werden. Als Nebenwirkung kommt es am häufigsten zu vorübergehenden Magen-Darm-Beschwerden. Selten kann es auch zu einer „Wucherung“ des Zahnfleisches (gutartiges Wachstum) und/oder zu Warzenbildung kommen. Beides geht allerdings wieder weg, wenn man das Medikament absetzt. Aus diesem Grund ist Cyclosporin gut zur Langzeitbehandlung geeignet. Einzige Haken: die Tabletten sind leider nicht ganz günstig und es kommt ebenfalls zu einer Unterdrückung des Immunsystems (s. Hinweis oben).

Auch bei Cyclosporin sollte deswegen versucht werden, die niedrigste Dosierung zu finden und das Tier unterstützend mit Fettsäuren, Shampoo, etc. zu behandeln.

Lokivetmab (Cytopoint®)

Bei Cytopoint handelt es sich um ein ziemlich neues Medikament, das die Symptome allergischer Hunde auf ganz neue Art bekämpft. Es handelt sich nämlich um einen künstlich hergestellten Antikörper, der einen bestimmten Botenstoff im Körper der Hunde blockiert: Interleukin-31 (IL-31). Dieser Botenstoff spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Juckreiz. Indem man ihn blockiert, kommt es dementsprechend zu einer Besserung der allergischen Symptome. Zu einer allgemeinen Unterdrückung des Immunsystems (und all seinen Folgen) scheint es dagegen nicht zu kommen.

Cytopoint wird einmal pro Monat vom Tierarzt unter die Haut gespritzt. Die Wirkung beginnt i.d.R. schon nach einigen Stunden und scheint dabei ähnlich gut zu sein wie die von Cyclosporin.

Bei einigen Hunden scheint Cytopoint allerdings leider nicht zu funktionieren. Wenn sich die Symptome eines Hundes nach zwei Injektionen nicht bessern, scheint er leider zu dieser Gruppe zu gehören und es muss über andere Behandlungsmöglichkeiten nachgedacht werden.

Cytopoint scheint sehr gut vertragen zu werden, nur in sehr seltenen Fällen kommt es zu einer Überempfindlichkeitsreaktion (Anaphylaxie, Gesichtsödem, Quaddeln). Andere Nebenwirkungen sind bislang nicht bekannt.

Es scheint deswegen sehr gut auch zur langfristigen Behandlung allergischer Hunde geeignet zu sein. Leider gibt es das Medikament (bisher) nicht für Katzen.

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Quellen

15. Juni 2018

Von Dr. Iris Wagner-Storz

2018-10-27T21:00:21+00:00

Über den Autor:

Als ursprüngliche Schwäbin bin ich 2007 nach München gezogen um Tiermedizin an der LMU zu studieren. Anschließend hab ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München geschrieben – über eine neue Art der Immuntherapie bei Hunden mit Umweltallergie. Meine Lieblingsbereiche sind die Dermatologie, die Innere Medizin und Infektionskrankheiten. Ich bin stolze Dosenöffnerin für meine beiden Miezen Nini und Clyde, liebe alle Tiere (Katzen aber natürlich besonders) und habe eine Schwäche für Kuchen.