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Cytopoint® – das Wundermittel gegen Juckreiz?

///Cytopoint® – das Wundermittel gegen Juckreiz?

Cytopoint® gilt als neues Wundermittel gegen Juckreiz bei allergischen Hunden. Aber wie wirkt es eigentlich? Wie wird es angewendet? Wie hoch sind die Kosten? Und welche Nebenwirkungen können vorkommen?

Bei Hundehaltern ist Cytopoint® aktuell in aller Munde! Und auch die meisten von uns dermatologisch interessierten Tierärzten waren ziemlich beeindruckt, als wir das erste Mal von diesem geradezu revolutionären Medikament gehört haben!

Deswegen wollen wir Ihnen hier nicht nur die obigen Fragen beantworten, sondern auch erklären, warum Cytopoint® sowohl in Fachkreisen als auch bei Hundebesitzern für so viel Aufsehen sorgt und was es so besonders macht. Gleichzeitig wollen wir aber auch genauer beleuchten, warum man seine Begeisterung vielleicht noch ein klein wenig dämpfen sollte!

 

Was ist Cytopoint® und wie wirkt es?

Cytopoint® (Hersteller: Zoetis) ist ein neues Medikament zur Behandlung von Juckreiz und Hautentzündung bei Hunden mit atopischer Dermatitis (also einer Umweltallergie gegen z.B. Pollen, Hausstaubmilben, Schimmelpilzsporen etc.). Es ist seit ca. 1 Jahr in Deutschland erhältlich – und unterscheidet sich stark von allen anderen Medikamenten zur Behandlung von Juckreiz beim Hund (mehr Infos zu den anderen Behandlungsmöglichkeiten finden Sie hier).

Der Wirkstoff ist nämlich nicht etwa ein kleines, chemisch hergestelltes Molekül (wie bei den allermeisten anderen Medikamenten), sondern ein Antikörper – also ein großes Protein (Eiweiß), wie es ständig bei ganz vielen Immunreaktionen im Körper des Hundes entsteht (z.B. bei Infektionen mit Bakterien oder Viren). Cytopoint® imitiert also sozusagen eine natürliche Abwehrreaktion.

Der Antikörper in Cytopoint® (Lokivetmab) ist ganz spezifisch gegen einen bestimmten Botenstoff im Körper des Hundes gerichtet: Interleukin-31 (IL-31). Dieser Botenstoff spielt eine große Rolle bei der Empfindung von Juckreiz.

IL-31 entsteht nämlich u.a. bei einer allergischen Entzündung und bindet an Nervenzellen. Diese leiten daraufhin ein Signal ans Gehirn weiter: „Hier ist etwas, das juckt“. Als Resultat kratzt/schleckt/knabbert sich der Hund dann. Dadurch entsteht oft eine Hautentzündung, die den Juckreiz dann noch weiter verstärkt – ein Teufelskreis aus den typischen Allergiesymptomen Juckreiz und Entzündung.

Wird ein Hund mit Cytopoint® behandelt, verbinden sich die enthaltenen Antikörper mit IL-31 und fangen den Botenstoff so ab, bevor er an die Nervenzellen andocken kann. Dadurch wird das Juckreiz-Signal unterbrochen und der Hund hört auf sich zu kratzen.

Stellen Sie es sich so vor:  Die Interleukin-31-Moleküle (IL-31) sind lauter Fußbälle, die bei allergischen Hunden von den Entzündungszellen abgeschossen werden. Jedes Mal, wenn ein Fußball (also IL-31) in ein Tor (Rezeptor auf Nervenzellen) trifft, gibt es eine Reaktion. Nur leider eben keinen Torjubel, sondern Juckreiz. Die Antikörper in Cytopoint® sind sozusagen eine Armee von Torhütern: sie fangen die Bälle ab, so dass keine Tore mehr fallen (oder zumindest deutlich weniger). Und dadurch entsteht dann letztlich weniger Juckreiz.

Wie eben bereits erwähnt, ist die Hautentzündung bei allergischen Hunden i.d.R. eine Folge des ständigen Kratzens, Knabberns und Schleckens. Fällt der Juckreiz durch Cytopoint® weg, wird also auch der Teufelskreis aus Juckreiz und Hautentzündung unterbrochen und dem Hund geht es insgesamt besser. Er kratzt sich nicht mehr (oder zumindest nicht mehr so viel) und die Krusten, Wunden, Rötungen etc. heilen ab.

Genauere Erklärung: Was macht die Antikörper in Cytopoint® so besonders?

Das besondere an Cytopoint® ist, dass sog. caninisierte monoklonale Antikörper enthalten sind. Zugegeben, das klingt jetzt erst mal wahnsinnig kompliziert. Deswegen schauen wir uns das mal näher an.

An den Begriff Antikörper werden sich die meisten Leser vermutlich noch aus dem Biologie-Unterricht erinnern. Sie werden u.a. bei Infektionen mit Bakterien oder Viren von bestimmten Abwehrzellen, den Plasmazellen, produziert und ausgeschüttet. Die Antikörper verfügen über relativ spezifische Bindungsstellen, mit denen sie sich nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip an das sog. Antigen (im Falle von Infektionen sind das Bakterien oder Viren) anheften. Dadurch wird eine Immunantwort in Gang gesetzt, die die Infektionserreger bekämpft.

Bei einer „normalen“ Immunantwort produzieren ganz viele verschiedene Plasmazellen Antikörper – und dabei stellt jede Plasmazelle einen anderen Antikörper her, der sich ein ganz kleines bisschen von den anderen unterscheidet. Dadurch kann der Erreger nicht nur an einer Stelle gebunden werden, sondern es bieten sich ganz viele verschiedene Angriffspunkte (diese verschiedenen „Stellen“ am Erreger werden als Epitope bezeichnet). Diese Art von Antikörper nennt man polyklonale Antikörper.

Die Besonderheit an Lokivetmab ist, dass es sich um einen monoklonalen Antikörper handelt. Das bedeutet, dass es sich wirklich um identische „Klone“ ein und desselben Antikörpers handelt – sie stammen also sozusagen alle von einer Plasmazelle und binden alle an das exakt gleiche Epitop. Dadurch kann – anders als bei polyklonalen Antikörpern – ganz genau kontrolliert werden, woran sie binden. Sie haben also eine sehr hohe Spezifität für ihr Ziel, im Fall von Lokivetmab für IL-31. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie unerwünschter Weise an etwas Anderes/Falsches binden ist damit sehr gering.

Die erfolgreiche Entwicklung solcher monoklonalen Antikörper war ein Meilenstein sowohl in der Human- als auch in der Tiermedizin. Sie ermöglichen es nämlich, bestimmte Ziele mit viel höherer Genauigkeit und mit weniger Nebenwirkungen anzugreifen oder auszuschalten. Anwendungsgebiete (bzw. Forschungsgebiete für einen Einsatz von monoklonalen Antikörpern) sind mittlerweile z.B. Krebserkrankungen, Osteoarthritis, Asthma und Autoimmunkrankheiten. In der Tiermedizin ist Lokivetmab der erste und bisher einzige zugelassene monoklonale Antikörper.

Caninisiert bedeutet übrigens, dass die Antikörper in Cytopoint® speziell an den Körper von Hunden angepasst wurden, so dass sie nicht als fremd empfunden werden.

Wie wird Cytopoint® angewendet?

Auch hier unterscheidet sich Cytopoint® von anderen Medikamenten gegen Juckreiz: Es handelt sich nämlich um eine Lösung, die dem Hund alle 4-8 Wochen unter die Haut gespritzt wird. So lange hält die Wirkung nämlich an (bei manchen Hunden sogar noch länger). Dabei bessert sich der Juckreiz bei den meisten Hunden bereits ca. 8 Stunden nach der Injektion.

Man muss dem allergischen Hund also nicht jeden Tag Tabletten geben – andererseits muss man dafür aber alle 1-2 Monate für die Cytopoint®-Injektion zum Tierarzt.

Wie sind die Erfolgschancen der Behandlung?

Es gibt noch nicht viele Studien, die das untersucht haben. Eine frühe Veröffentlichung gibt an, dass Cytopoint® bei etwa der Hälfte der behandelten Hunde den Juckreiz im ersten Monat halbiert. Kollegen berichten allerdings, dass es gefühlt bei deutlich mehr Hunden wirkt (geschätzt ca. 85%).

Je länger man Cytopoint® gibt, desto geringer scheint der Juckreiz auch zu werden. Eine Studie (die – zugegeben – vom Hersteller selbst durchgeführt wurde) gibt an, dass der Juckreiz bei über der Hälfte der Hunde (ca. 55%) nach 3 Monaten „normal“ war („wie bei einem gesunden Hund“). Nach 9 Monaten war dies sogar bei dreiviertel aller behandelten Hunde (ca. 76%) der Fall.

Insgesamt scheint Cytopoint® mindestens genauso gut gegen Juckreiz zu wirken wie Cyclosporin – ein gut wirksames und ebenfalls häufig bei allergischen Hunden eingesetztes Medikament.

Es gibt allerdings Hunde, die nicht auf Cytopoint® ansprechen. Vermutlich ist IL-31 bei diesen nicht so stark am Juckreiz beteiligt wie beim Großteil der Hunde. Der Hersteller empfiehlt deswegen, über alternative Behandlungsmöglichkeiten nachzudenken, wenn Cytopoint® nach zwei Injektionen keine Wirkung zeigt.

Welche Nebenwirkungen sind bei Cytopoint® möglich?

Im Moment spricht alles dafür, dass Cytopoint® von Hunden hervorragend vertragen wird – es wurden bisher keine schweren Nebenwirkungen bekannt.

Einige Hundebesitzer berichten davon, dass ihr Hund (v.a. am Tag der Injektion) etwas schlapper als sonst ist und nicht so viel Appetit hat. In den durchgeführten Studien kam es außerdem bei einigen Hunden zu Erbrechen und/oder Durchfall (dabei ist es aber fraglich, ob diese Symptome wirklich mit Cytopoint® zusammenhingen).

Theoretisch sind allerdings noch einige Nebenwirkungen denkbar, die meines Wissens nach bisher jedoch noch nicht berichtet wurden bzw. nicht wirklich mit Cytopoint® in Zusammenhang gebracht werden konnten:

  • Anaphylaktische Reaktion

    Immer wenn man ein „fremdes“ Protein (Eiweiß) in den Körper einbringt (v.a. bei wiederholter Gabe), kann es theoretisch zu einer anaphylaktischen Reaktion kommen. Dabei reichen die möglichen Symptome von Quaddelbildung (Quaddeln = örtlich begrenzte Schwellungen, sehen aus wie Mückenstiche) über Erbrechen bis hin zu Atemnot und Schock. Solche Reaktionen wären also auch bei Cytopoint® möglich (weil der enthaltene Antikörper ja ein Protein ist). Erstaunlicherweise scheint es bisher allerdings noch nie dazu gekommen zu sein. Das heißt, selbst wenn es bei Cytopoint® zu anaphylaktischen Reaktionen kommen kann, müssen diese sehr selten sein.

  • Vaskulitis

    Leider passiert es manchmal, dass sich Antikörper und ihre „Zielstrukturen“ (Antigene) auf ganz ungünstige Weise zusammenballen und große Immunkomplexe bilden. Das sind „Klumpen“ aus ganz vielen Antikörpern und Antigenen. Diese Immunkomplexe können in kleinste Blutgefäße (Kapillaren) abgeschwemmt werden und sie verstopfen. Dadurch wird die Durchblutung in diesem Bereich unterbrochen. Außerdem kommt es zu einer Entzündung der Blutgefäße (sog. Vaskulitis). Besonders schwere Folgen kann das z.B. in den Nieren haben – dort kann es so nämlich zu einer Niereninsuffizienz kommen. Aber auch Hautsymptome mit typischerweise krustigen, blutenden Ohrrändern sind möglich.

    Eigentlich sind die Antikörper in Cytopoint® so aufgebaut, dass dies nicht passieren sollte – aber ausschließen kann es zum jetzigen Zeitpunkt noch niemand. Bisher wurden weltweit einige (meines Wissens nach zwei) Fälle von Vaskulitis bei Hunden bekannt, die Cytopoint® erhalten haben. Überlegt man aber, wie viele Hunde schon damit behandelt wurden, ist fraglich ob ein Zusammenhang mit Cytopoint® besteht. Selbst wenn das der Fall sein sollte, scheint diese Nebenwirkung allerdings sehr selten zu sein.

Welche Vorteile hat Cytopoint®?

Cytopoint® hat einige Vorteile gegenüber anderen Medikamenten, die bei allergischen Hunden zur Behandlung von Juckreiz eingesetzt werden (wie z.B. Cortison-Präparate, Apoquel®, Atopica®).

  1. Cytopoint® wirkt deutlich zielgerichteter und genauer als die anderen Medikamente. Es greift ganz gezielt nur einen Botenstoff an, während die „altbekannten“ Mittel eher zu einer Art Rundumschlag im Immunsystem ausholen. Es werden bei diesen also auch viele Immunreaktionen gehemmt, die nützlich sind. Dadurch kommt es bei Cortison und Co häufig zu einer Immunschwäche mit Infektanfälligkeit – und auch Tumorerkrankungen werden bei langfristiger Gabe häufiger (weil die Immunzellen, die Tumorzellen frühzeitig bekämpfen, ebenfalls geschwächt werden). Eine solche generelle Immunschwäche ist bei Cytopoint® nicht zu erwarten.
  1. Cytopoint® kann im Körper ganz einfach abgebaut werden. Statt den Wirkstoff kompliziert z.B. in der Leber abzubauen und über die Nieren auszuscheiden (wie es bei vielen Medikamenten der Fall ist), werden die Antikörper einfach in den Körperzellen zu natürlich vorkommenden Produkten (wie Aminosäuren) verstoffwechselt. Dadurch ist die Belastung von Leber und Nieren minimal, so dass Cytopoint® in aller Regel auch von Hunden mit Leber- oder Niereninsuffizienz gut vertragen werden. Es können damit also auch Hunde mit zusätzlichen Organerkrankungen behandelt werden.
  1. Durch die zielgerichtete Wirkung und den einfachen Abbau sollte das Risiko von Nebenwirkungen deutlich geringer sein als bei anderen Medikamenten. So können beispielsweise Cortison-Präparate in vielen verschiedenen Organsystemen unerwünschte Wirkungen verursachen – und so u.a. zu Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder einem Cushing-Syndrom führen. Solche Nebenwirkungen sind bei Cytopoint® nicht zu erwarten.
  1. Cytopoint® scheint auch mit einer Reihe anderer Medikamente problemlos kombinierbar zu sein. So gab es in Studien keine unerwünschten Nebeneffekte bei der gemeinsamen Gabe mit anderen Allergie-Mitteln, wie Apoquel®, Cortison-Präparaten, Atopica®, Antihistaminika oder sogar einer Desensibilisierung. Auch die Kombination mit Mitteln gegen Parasiten, Antibiotika, Impfungen und Schmerzmitteln war kein Problem.

Welche Nachteile hat Cytopoint®?

Natürlich kann kein Medikament nur Vorteile haben – es gibt in der Medizin eigentlich immer einen Haken. Und so gibt es auch bei Cytopoint® einige Punkte, die gegen das neue „Wundermittel“ sprechen.

Sicherheitsbedenken

Cytopoint® ist erst seit (meines Wissens) etwa drei Jahren auf dem Markt. Auch wenn in dieser Zeit bereits sehr, sehr viele Hunde damit behandelt wurden, bleiben aktuell doch noch einige Sicherheitsbedenken.

Erstens besteht die Möglichkeit, dass IL-31 noch andere Funktionen hat, als „nur“ Juckreiz auszulösen. Kein Mensch kann deswegen vorhersagen, welche langfristigen Folgen es haben kann, wenn man IL-31 mit Cytopoint® ausschaltet.

Und zweitens gibt es meines Wissens bisher noch nicht allzu viele Studien zu Cytopoint® (welche außerdem alle vom Hersteller von Cytopoint®, Zoetis, selbst durchgeführt wurden). Das muss jetzt nichts heißen – es ist aber möglich, dass im Laufe der Zeit weitere Nachteile bekannt werden.

Praktische Erwägungen

Auch von der praktischen Seite her gibt es einige Nachteile: Wenn ein Hund mit Cytopoint® behandelt werden soll, muss man mit ihm alle 4-8 Wochen für die Spritze zum Tierarzt. Das kann allerdings auch als Vorteil gesehen werden, weil man ihm dadurch nicht jeden Tag Tabletten geben muss.

Was allerdings zweifelsfrei ein Nachteil ist: der durchaus stattliche Preis. Die Kosten einer Injektion hängen von der Größe des Hundes ab (große Hunde erhalten mehr Lösung als ihre kleinen Artgenossen) und bewegen sich meines Wissens zwischen circa 80 und 160 €. Aber auch hier kann es sich lohnen: wenn der Hund dafür keine weiteren, ebenfalls teuren Medikamente mehr braucht und seltener schwere Hautentzündungen entwickelt (für die man dann wieder zum Tierarzt müsste), kann sich der Preis relativieren.

Wirkungsverlust möglich

Auch das ist ein Nachteil von Cytopoint®: leider passiert es gelegentlich, dass Hunde irgendwann nicht mehr so gut auf die Injektionen reagieren. Das liegt daran, dass sie Antikörper gegen die gespritzten Lokivetmab-Antikörper entwickeln, so dass diese nicht mehr wirken können. Dieser Wirkungsverlust kann vorübergehend sein, aber auch langfristig die Wirksamkeit von Cytopoint® spürbar vermindern.

Ist Cytopoint® jetzt also das beste Mittel bei atopischer Dermatitis?

Nein, ganz so kann man das nicht sagen.

Die beste Behandlung bei Hunden mit atopischer Dermatitis ist immer noch die Desensibilisierung (Bei dieser wird der Hund mit genau den Allergenen behandelt, auf die er allergisch ist. Dadurch gewöhnt sich das Immunsystem langsam an sie und es kommt bei Kontakt mit ihnen zu keinen Symptomen mehr bzw. sie sind zumindest abgeschwächt). Denn die Desensibilisierung ist nach wie vor die einzige Möglichkeit, die atopische Dermatitis ursächlich zu behandeln – das „Übel“ (die Allergie) also direkt an der Wurzel zu packen. Wenn die Desensibilisierung anschlägt, kommt sie einer Heilung am nächsten: manche Hunde sind nach Absetzen der Behandlung jahrelang symptomfrei. Außerdem senkt sie das Risiko, dass ein Hund weitere, neue Allergien entwickelt.

Bei Cytopoint® handelt es sich dagegen „nur“ um eine symptomatische Behandlung. Das heißt, der Juckreiz und die Entzündung werden behandelt, nicht aber die darunterliegende Allergie. Stoppt man die Cytopoint®-Behandlung, kommen die Symptome wieder – es wurde also nur ein Deckel über sie gestülpt.

Wenn eine Desensibilisierung nicht in Frage kommt – oder man eine Desensibilisierung einsetzt, aber noch auf das Anschlagen der Behandlung wartet – ist Cytopoint® aber eine gute Alternative und/oder Ergänzung zu den „standardmäßigen“ Medikamenten (mehr Infos zu den verschiedenen möglichen Mitteln zur Allergiebehandlung finden Sie hier).

Hierbei muss jeder selbst abwägen, ob er lieber auf

  • „altbewährte“ Medikamente setzt, die aber mit einigen (teilweise auch starken) Nebenwirkungen verbunden sein können
  • oder lieber ein Mittel wählen will, bei dem es momentan so aussieht als würde es sehr gut vertragen werden, das aber noch nicht so lange auf dem Markt ist – so dass es keine langjährigen Erfahrungen damit gibt.

Hier gibt es kein Richtig oder Falsch. Am besten besprechen Sie gemeinsam mit dem Tierarzt, welche Behandlung bei Ihrem Hund am besten geeignet ist!

Kann Cytopoint® eigentlich auch bei Katzen eingesetzt werden?

Nein, leider nicht. Der Antikörper in Cytopoint® ist caninisiert, d.h. er wurde so aufgebaut, dass er den natürlichen Antikörpern von Hunden entspricht. Von Katzen würden die Antikörper als fremd erkannt und bekämpft werden.

So weit ich weiß ist auch noch nicht bekannt, welche Rolle IL-31 bei der Entstehung von Juckreiz in Katzen spielt. Es ist also fraglich, ob ein speziell auf Katzen zugeschnittener IL-31-Antikörper überhaupt eine Wirkung haben würde.

Fazit

Im Großen und Ganzen ist Cytopoint® ein aufregendes neues Medikament, das hoffentlich halten wird, was es aktuell verspricht! Es bietet eine sehr gute Möglichkeit, Hunde mit atopischer Dermatitis symptomatisch zu behandeln – und zwar auch dann, wenn sie noch an weiteren Krankheiten leiden. Es wird allerdings noch einige Jahre dauern, bis wir sicher sagen können, ob Cytopoint® auch langfristig so sicher und gut verträglich ist wie es bei kurzfristiger Behandlung zu sein scheint.

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Quellen

24. Juli 2018

Von Dr. Iris Wagner-Storz

2018-10-27T20:56:31+00:00

Über den Autor:

Als ursprüngliche Schwäbin bin ich 2007 nach München gezogen um Tiermedizin an der LMU zu studieren. Anschließend hab ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München geschrieben – über eine neue Art der Immuntherapie bei Hunden mit Umweltallergie. Meine Lieblingsbereiche sind die Dermatologie, die Innere Medizin und Infektionskrankheiten. Ich bin stolze Dosenöffnerin für meine beiden Miezen Nini und Clyde, liebe alle Tiere (Katzen aber natürlich besonders) und habe eine Schwäche für Kuchen.