Wenn ein Hund (oder eine Katze) ein bisschen zu viel auf den Hüften hat, tut man das oft als harmloses Problem ab. Schließlich sieht das ja manchmal sogar ganz niedlich aus und ein paar Pfund zu viel sind ja nun nicht so schlimm…

Dieses Verhalten ist nur allzu verständlich – aber leider trotzdem überhaupt nicht gut!

Übergewicht mindert in vielen Fällen nicht nur die Lebensqualität der Hunde, es kann auch zu ernsten Erkrankungen führen und die Lebenserwartung des Vierbeiners drastisch verringern.

Und wenn wir mal ehrlich sind, wissen wir das eigentlich auch alle.

Wieso sind also trotzdem so viele unserer Hunde (und Katzen) zu dick?Wie erkennt man eigentlich, ob der eigene Vierbeiner Übergewicht hat? Und wie schafft man es, dass der Hund wieder abnimmt?

Um diese Fragen zu klären, haben wir uns mit zwei Experten getroffen, die sich mit diesem Problem besonders gut auskennen.

Frau Dr. Petra Kölle (Zusatzbezeichnung Ernährungsberatung Kleintiere) ist Oberärztin in der Ernährungsberatung der Medizinischen Kleintierklinik in München und bietet dort gemeinsam mit Frau Dr. Anna Däuble eine ganz spezielle Sprechstunde an. In dieser kümmern sie sich ausgiebig um moppelige Vierbeiner und erarbeiten gemeinsam mit den Besitzern ein individuelles Abnehmprogramm.

Vielen Dank an die Medizinische Kleintierklinik der LMU München und an Dr. Kölle und Dr. Däuble

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Interview zum Nachlesen

Dr. Mallmann: Es gibt ja immer mehr Hunde und Katzen, die übergewichtig sind. Was sind denn Gründe dafür, die Sie so gesehen haben?

Dr. Kölle: Also, es ist so, dass die Besitzer häufig nicht die Energiemenge, die ihr Tier wirklich braucht, einschätzen können. Dann steht auf den Packungen oft relativ viel drauf [empfohlene Futtermenge in der Fütterungsempfehlung – Anm. der Redaktion] – das ist halt für Hunde, die sich viel bewegen, die nicht kastriert sind. Und dann gibt es auch Leute, die sehr viel Leckerli verfüttern und das nicht auf die Tagesration anrechnen.

Und das sind sehr viele Kalorien, die eben in den Hund reingefüttert werden und dann müsste die Tagesration natürlich, wie gesagt, um diesen Energiegehalt gekürzt werden.

Dr. Däuble: Und viele Besitzer unterschätzen einfach, wie viele Kalorien tatsächlich in so einem kleinen Leckerli stecken.

Gibt es da auch echte Kalorienbomben?

Dr. Däuble: Ja, also oft sind es vor allem getrocknete Produkte, die einen sehr hohen Kaloriengehalt haben.

So Kauartikel wahrscheinlich…

Dr. Däuble: Genau, oder so getrocknete Ohren, Schweineohren zum Beispiel, sind wahre Kalorienbomben. Und wenn man da dann zu viel gibt am Tag und das eben nicht von der Hauptfuttermenge abzieht, dann…

Schlägt’s auf die Hüften…

Dr. Däuble: Genau, schlägt’s auf die Hüften.

Kalorien bzw. Energiegehalt verschiedener Hundeleckerlis

In dieser Übersicht über die Kaloriengehalte verschiedener Hundeleckerlis erkennt man eindrucksvoll, dass die kleinen Leckereien schnell zum großen Problem werden können!

Und gibt’s auch andere Gründe – wenn die Ration stimmt und der Besitzer darauf achtet – warum Tiere übergewichtig werden können?

Dr. Kölle: Ja. Es gibt Besitzer, die die an sich korrekte Futtermenge füttern, aber wenn der Hund z.B. an einer Schilddrüsenunterfunktion leidet – was bei manchen Rassen nicht so selten ist – dann ist der Energiebedarf von diesem Tier geringer und es setzt dann – bei der an sich korrekten Futtermenge – eben doch Fett an.

Bei Menschen weiß man ja, dass Übergewicht spezielle Erkrankungen auslöst oder begünstigt. Gibt’s beim Tier auch irgendwelche Folgen von Übergewicht?

Dr. Däuble: Ja, es kann zu sehr vielen Krankheiten kommen. Einmal natürlich durch die zusätzliche Gewichtsbelastung zu Gelenkproblemen, es kann zu Diabetes kommen, auch zu Hauterkrankungen – also es gibt sehr viele negative Folgen von Übergewicht.

Dr. Kölle: Man weiß auch, dass übergewichtige Menschen häufiger bestimmte Tumorarten aufweisen und beim Hund liegt der Verdacht da auch nahe – dass eben übergewichtige Hunde durchaus häufiger an Tumoren erkranken und z.B. auch mehr Metastasen bilden.

Und wie erkennt man denn jetzt daheim als Besitzer, ob das Tier übergewichtig ist. Gibt’s da irgendein System?

Dr. Däuble: Also zum einen ist es natürlich wichtig, dass man sein Tier regelmäßig wiegt und das Gewicht auch aufschreibt. Wenn man dann im Gewichtsverlauf eine Tendenz sieht und merkt „Oh, mein Tier fängt an Gewicht zuzunehmen“, sollte man die Ration nochmal überprüfen und schauen, woran das liegen kann.

Zudem gibt es den Body Condition Score. Das ist ein Punktesytem von 1 bis 9. Also 1 ist der ganz abgemagerte, kachektische Hund und 9 das stark adipöse, fettleibige Tier. Idealgewichtig ist ein Body Condition Score von 4 und 5.

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Zur Beurteilung schaut man sich sein Tier von oben an und schaut, ob es eine Taille gibt. Also die Taille sollte eingezogen sein und die Bauchlinie, wenn man das Tier dann von der Seite anschaut, aufgezogen. Bei fettleibigen Tieren ist die Taille eben…

Alles gerade.

Dr. Däuble: Ja, alles gerade, nichts zu sehen, und die Bauchlinie ist auch nicht aufgezogen.

Dr. Kölle: Und zusätzlich sollte man das Tier natürlich abtasten – weil mit der Silhouette funktioniert das bei langhaarigen Tieren nicht so gut. Man sollte die einzelnen Rippen gut voneinander mit den Fingern unterscheiden können und es sollte sich nach dem Brustkorb nach hinten verjüngen.

Und wenn ich jetzt als Besitzer ein übergewichtiges Tier zuhause hab, was kann ich für erste Maßnahmen ergreifen, wie bekomm ich das Gewicht runter von meinem Tier?

Dr. Kölle: Prinzipiell gibt’s natürlich sogenannte Light-Futter oder Diät-Futter, die man einsetzen kann. Die haben ein größeres Volumen und eine geringere Energiedichte. Wenn das nicht funktionieren sollte, würde ich mich an Spezialisten wenden, die das ganze eben professioneller angehen können, mit computergestützter Rationsberechnung und Tipps eben rund ums Abnehmen. Da kann man dann ganz individuell ein Abnehmen erreichen.

Und jetzt gibt’s ja an der Medizinischen Kleintierklinik ein tolles Programm, vielleicht können Sie da mal kurz was dazu sagen.

Dr. Kölle: Also wir haben die sogenannte Weight Management Sprechstunde seit November 2017 – die ist speziell für übergewichtige Hunde und Katzen. Die Besitzer können mit ihrem Tier in die Sprechstunde kommen und wir schauen das Tier an und erarbeiten dann mit dem Besitzer zusammen die richtige Strategie und die richtige Ration.

Das läuft in der Regel so ab, dass die Besitzer vorher einen Anamnesebogen, also einen ausführlichen Fragebogen, ausfüllen. Dort müssen Sie uns eben genau die Größe, das Alter vom Hund, ob er kastriert ist oder nicht und auch die genauen Futtermengen – das müssen die Besitzer dann abwiegen – angeben.

So können wir schon vorab mal eine Rationsüberprüfung machen – wir sehen wo die Kalorien herkommen und können mit den Angaben vom Hund abgleichen, ob die Kalorienzufuhr so weit stimmt.

Wenn die Besitzer dann mit dem Tier in die Sprechstunde kommen, wird das Tier natürlich gewogen, es wird auch vermessen – also praktisch Hals, Brustbereich und eben Taillenbereich. Und wir tasten das Tier ab, weil grade bei langhaarigen Hunden geht das halt mit dieser Silhouette nicht so einfach. Da muss man dann wirklich die Rippen versuchen zu ertasten.

Dr. Petra Kölle misst den Brustumfang eines HundesDann besprechen wir mit dem Besitzer die Wunschration, die natürlich deutlich weniger Kalorien enthalten muss, aber eben noch alle Nährstoffe. Da können dann auch verschiedene Strategien verfolgt werden, entweder mit einem kommerziellen Light-Futtermittel oder auch Selberkochen oder Barfen oder auch gemischte Rationen. Und wir besprechen zum Beispiel auch, wie man das Tier zu mehr Bewegung animieren kann.

So nach etwa 4 Wochen erfolgt dann ein Follow Up, wo die Tiere noch mal vorgestellt werden und – wenn das mit dem Abnehmen noch nicht so geklappt hat – wir eben noch Alternativen besprechen oder ausprobieren.

(Teile des Interviews wurden zum besseren Verständnis bearbeitet oder gekürzt).

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