Folgt uns auf:

fellomed auf YouTube

fellomed auf Instagram

fellomed auf Facebook

 

 

Medical Training (Tierarzttraining) für Hund und Katze

///Medical Training (Tierarzttraining) für Hund und Katze

Den Begriff Medical Training haben bestimmt schon viele Tierbesitzer mal gehört, aber vermutlich können nur die Wenigsten sich auch etwas Konkretes darunter vorstellen – und zugegeben, bisher ist das Medical Training vor allem in den USA und bei der Arbeit mit Wild- oder Zootieren verbreitet. Dabei ist Medical Training eine wirklich tolle Sache, die nicht nur uns Tierärzten die Arbeit erleichtert, sondern auch den sonst eher unangenehmen Tierarztbesuch für Hund und Katze deutlich stressfreier und angenehmer machen kann.

 

Vielen Dank an die Hundeschule „Wir Schlawiner“ für die tolle Zusammenarbeit!

Was ist Medical Training überhaupt?

Frei übersetzt bedeutet Medical Training soviel wie: das Erlernen bestimmter Verhaltensweisen und Übungen, die bei der Durchführung medizinischer Behandlungen, Untersuchungen oder bei der Pflege (z.B. Bürsten, Krallen schneiden) helfen. Der Hund oder die Katze werden durch das Training auf diese ungewohnten Situationen vorbereitet und verknüpfen sie im Laufe der Zeit sogar positiv. Die Tiere wissen durch das Training genau was auf sie zukommt und haben dadurch deutlich weniger Stress und Angst.

Wie funktioniert Medical Training?

Für das Medical Training gibt es an sich kein Patentrezept, sondern viele unterschiedliche Trainingsansätze. Nicht jede Methode ist für jedes Tier oder jeden Besitzer gleichermaßen gut geeignet und vor allem bei ängstlichen Tieren lohnt es sich auch professionelle Hilfe von einem/einer Hunde- oder Katzentrainer/in in Anspruch zu nehmen.

Häufig wird beim Medical Training mit einem Clicker oder Markerwort (z.B. „Top“ oder „Yes“) gearbeitet, auf die der Hund oder die Katze vorher konditioniert wurden. So können die Vierbeiner für jedes gewünschte Verhalten punktgenau belohnt und positiv bestärkt werden.

Am einfachsten unterteilt man eine Übung in lauter kleine Einzelschritte, die nach und nach trainiert werden. Am einfachsten lässt sich das an einem Beispiel erklären. Nehmen wir dafür das Anheben der Lefzen: Der erste Schritt bei dieser Übung ist, dass die Hand des Besitzers langsam in Richtung Maul des Tieres geht. Jedes Mal, wenn der Hund oder die Katze dabei nicht zurückweicht, gibt es einen „Click“ oder das Markerwort, gefolgt von einer Belohnung. Sobald der Vierbeiner diesen Schritt gut mitmacht und positiv verbindet, kann man als nächsten Schritt die Lefze mit der Hand kurz berühren. Im Moment der Berührung gibt es wieder ein „Clicken“ bzw. das „Markerwort“ und der Hund oder die Katze bekommt eine Belohnung. Wenn auch dieser Trainingsschritt sitzt, kann man versuchen die Lefzen kurz anzuheben. Und schließlich dehnt man dann die Zeitspanne, in der man die Lefze nach oben hebt, ganz langsam immer weiter aus.

Wenn das Tier die Übung gut beherrscht, sollte man auch beginnen an anderen Orten, wie z.B. im Park oder bei Bekannten, zu trainieren – denn schließlich soll das Trainierte ja irgendwann auch in der Tierarztpraxis klappen. Wichtig ist außerdem, dass später auch andere Personen mit dem Hund oder der Katze üben, damit sich die Vierbeiner auch an fremde Leute gewöhnen.

Beim Medical Training kann man auch mit einem sogenannten Kooperationssignal (z.B. Kinntarget) arbeiten. Dabei wird eine bestimmte Position des Tieres, z.B. Kopf in der Hand des Besitzers, so positiv verknüpft, dass der Hund oder die Katze sich in dieser Position entspannt und sicher fühlt. Bei unangenehmen Behandlungen oder in stressigen Situationen kann das Kooperationssignal dann zur Entspannung eingesetzt werden. Wie Sie ein Kooperationssignal bei Ihrem Vierbeiner aufbauen und für das Medical Training nutzen können, zeigen wir Ihnen in unserem Video.

Wann sollte man mit dem Medical Training beginnen?

Hier gilt: Je früher desto besser! Denn je weniger negative Erfahrungen der Hund oder die Katze bereits gemacht haben, desto einfacher ist das Training. Außerdem sollte man sich beim Medical Training genügend Zeit lassen und die Tiere nicht überfordern. Es bringt also nichts, erst eine paar Tage vorm nächsten Tierarzttermin damit anzufangen. Wenn das Training nämlich zu schnell gemacht wird, verlieren die Hunde oder Katzen den Spaß daran und es kann ins Negative umschlagen.

Am einfachsten ist das Medical Training natürlich bei Welpen, denn diese sind noch sehr „unvoreingenommen“ und verspielt und gewöhnen sich auch schnell an neue Situationen. Viele Tierarztpraxen bieten auch an, dass man mit den Tieren einfach mal nur zum „reinschnuppern“ vorbeikommen kann, ohne dass irgendwas Schlimmes passiert. Vielleicht gibt’s sogar noch das ein oder andere Leckerli vom Tierarzt und schon ist die Praxis und das Wartezimmer nur noch halb so schlimm. So kann bei Welpen schon früh eine positive Verknüpfung mit dem Tierarzt aufgebaut werden.

Was sollte der Hund oder die Katze für den Tierarztbesuch können?

Die Möglichkeiten beim Medical Training sind nahezu unendlich und nicht jeder Hund oder jede Katze muss alles können, um entspannter beim Tierarzt zu sein. Je mehr Situationen die Vierbeiner aber kennen, desto stressfreier ist auch der Tierarztbesuch.

Für uns als Tierärzte sind aber einige Punkte und Übungen besonders wichtig, da sie eigentlich für jede gründliche Untersuchung notwendig sind:

  • Abtasten am ganzen Körper

  • Ohren anschauen

  • Augen anschauen

  • Mäulchen öffnen und Lefzen anheben

  • Pfoten in die Hand nehmen und untersuchen

  • Ruhig in Seitenlage liegen bleiben

  • Gewöhnung an den Maulkorb

  • Auf den Tisch gehoben werden

Wie gesagt, gibt es noch unzählige weitere Situationen, die man mit dem Medical Training üben kann, z.B. Krallen schneiden, Fieber messen, Spritze geben, auf den Rücken legen usw. Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt und fast immer ist das Training ja nicht nur Mittel zum Zweck, sondern macht Tier und Besitzer richtig Spaß.

Tipp zum Schluss: eigene Decke mitbringen

Wenn Sie mit Ihrem Vierbeiner zum Tierarzt müssen, bringen Sie am besten eine Decke des Hundes oder der Katze mit. Denn wenn die eigene Decke auf dem Behandlungstisch liegt, ist der Untergrund nicht nur weniger rutschig, sondern hat auch einen vertrauten Geruch. – das beruhigt viele Tiere schon ungemein. Mit ein bisschen Übung, kann man sogar eine Entspannungsdecke aufbauen, mit Hilfe derer sich die Tiere gezielt entspannen können.

2018-06-22T18:26:11+00:00

Über den Autor:

Als ursprüngliche Schwäbin bin ich 2007 nach München gezogen um Tiermedizin an der LMU zu studieren. Anschließend hab ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München geschrieben – über eine neue Art der Immuntherapie bei Hunden mit Umweltallergie. Meine Lieblingsbereiche sind die Dermatologie, die Innere Medizin und Infektionskrankheiten. Ich bin stolze Dosenöffnerin für meine beiden Miezen Nini und Clyde, liebe alle Tiere (Katzen aber natürlich besonders) und habe eine Schwäche für Kuchen.