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Erbrechen beim Hund

Wenn ein Hund erbricht, spuckt oder, ganz profan ausgedrückt: kotzt, ist das für ihn selbst unangenehm – und für den Besitzer beunruhigend und nervenaufreibend. Schließlich kann zwar eine ganz harmlose Ursache dahinterstecken, aber auch eine schwere Krankheit. Zu unterscheiden, ob es sich um einen Notfall handelt oder ob man erst mal abwarten kann, ist gar nicht so einfach – und stellt selbst uns Tierärzte bei unseren eigenen Tieren manchmal vor eine Herausforderung.

Erfahren Sie hier, welche Ursachen Erbrechen haben kann, was es bedeutet, wenn der Hund gelb, Schaum, Wasser oder schwarz erbricht und welche Anzeichen dafür sprechen, dass Sie auf jeden Fall zum Tierarzt gehen sollten.

Beschreibung

Als Erbrechen (Vomitus, Emesis) bezeichnet man das aktive Hervorwürgen von Mageninhalt (in schweren Fällen auch von Futterbrei aus dem ersten Stück des Dünndarms). Eigentlich soll dieser Reflex den Hund vor aufgenommenen Giftstoffen schützen und diese aus dem Verdauungstrakt entfernen bevor sie Schaden anrichten können. Tatsächlich kann Erbrechen bei Hunden aber unglaublich viele verschiedene Ursachen haben.

Wichtig: Abgrenzung des Erbrechens vom sog. Regurgitieren

Und es wird leider noch ein wenig komplizierter: Erbrechen muss nämlich unbedingt vom sogenannten Regurgitieren unterschieden werden. Als Regurgitieren wird ein passives Hervorwürgen von Futterbrei, i.d.R. aus der Speiseröhre, bezeichnet. Beim Regurgitieren kommen ganz andere Erkrankungen als Ursache in Frage (v.a. Erkrankungen der Speiseröhre, des Rachens und der Maulhöhle), weshalb eine Unterscheidung vom Erbrechen sehr wichtig ist:

Beim Erbrechen entleert der Hund aktiv seinen Mageninhalt. Dabei zeigt er i.d.R. ein typisches Verhalten: Oft fällt als erstes auf, dass dem Hund übel ist. Er wird unruhig, speichelt und schleckt sich das Maul. Dann folgt das charakteristische Würgen (mit einer Art nickenden Kopfbewegung nach vorne) und schließlich wird der Mageninhalt mit einer aktiven Bauchpresse hervorgestoßen (d.h. die Muskeln des Bauches spannen sich an).

Beim Regurgitieren fehlen Anzeichen von Übelkeit, der Hund würgt nicht und es erfolgt keine Bauchpresse. Stattdessen scheinen Speichel oder unverdautes Futter einfach passiv aus dem Hund herauszulaufen.

Was bedeutet es, wenn der Hund gelb, schaumig, rot oder schwarz erbricht?

Die Farbe des Erbrochenen kann manchmal dabei helfen zu entscheiden, wie dringend ein Tierarztbesuch ist.

  • Hund erbricht gelb/Hund erbricht Galle

    Wenn ein Hund gelb erbricht, spricht das in aller Regel dafür, dass im Erbrochenen Galle enthalten ist. Besonders häufig sieht man dies, wenn die Hunde nüchtern erbrechen, also wenn die letzte Futteraufnahme schon lange her ist (z.B. morgens). In den meisten Fällen ist eine gelbe Farbe des Erbrochenen kein Grund, sich deswegen speziell Sorgen machen. Halten Sie sich an die unten angegebenen Hinweise, wann Sie zum Tierarzt gehen sollten.

  • Hund erbricht Schaum

    Auch ein schaumiges Erbrechen (gelb oder weißlich-klar) ist keine Seltenheit bei Hunden und i.d.R. kein Hinweis auf eine besonders schwere Ursache. Weißlich-klarer Schleim oder Schaum sprechen dafür, dass Magensaft erbrochen wurde. Dies kommt v.a. dann vor, wenn der Magen beim Erbrechen keine Futterreste (mehr) enthält. Auch hier gilt: Achten Sie auf die unten aufgeführten Hinweise, wann Sie einen Tierarzt aufsuchen sollten.

  • Hund erbricht rot

    Erbricht ein Hund (hell)rot, ist das ein Hinweis darauf, dass frisches Blut (z.B. aus der Speiseröhre) enthalten ist. Hier sollten Sie nicht zögern und Ihren Hund schnell zu einem Tierarzt bringen. Ausnahme: Hat Ihr Hund vorher z.B. Rote Bete gefressen, könnte die Färbung natürlich auch daher kommen.

  • Hund erbricht schwarz

    Sind im Erbrochenen schwarze, kaffeesatzartige Bestandteile enthalten, spricht dies für das Vorhandensein von verdautem Blut, z.B. als Folge eines Magengeschwürs. Auch hier sollten Sie Ihren Hund unbedingt bei einem Tierarzt vorstellen.

  • Hund erbricht blau oder grün

    Eine leuchtend blaue oder grüne Farbe des Erbrochenen kann ein Hinweis auf eine Vergiftung, z.B. mit Schneckenkorn, sein. Zögern Sie nicht und bringen Sie Ihrem Hund schnell zum Tierarzt! Allerdings gilt auch hier: Hat Ihr Hund etwas anderes mit dieser Farbe gefressen (z.B. leuchtend gefärbte Süßigkeiten, Spinat, o.ä.) könnte die Färbung möglicherweise auch daher kommen.

  • Hund erbricht Kot

    Wenn das Erbrochene Ihres Hundes kotähnlich aussieht und riecht, ist das ein deutlicher Hinweis auf einen Darmverschluss – ein lebensbedrohlicher Notfall. Suchen Sie schnellstmöglich einen Tierarzt auf!

Wie kommt es zum Erbrechen?

Im Wesentlichen sind zwei Wege bekannt, wie Brechreiz beim Hund ausgelöst werden kann: über den nervalen und den humoralen Weg. Klingt kompliziert, ist es aber eigentlich nicht.

Beim nervalen Weg sorgen Reize, die über die Nerven weitergegeben werden, für das Erbrechen. Das kann z.B. bei Entzündungen oder Dehnungen im Magen-Darm-Bereich der Fall sein (z.B. bei einer Magendrehung). Aber auch Erbrechen durch Reisekrankheit wird über den nervalen Weg ausgelöst.

Beim humoralen Weg sorgen Substanzen im Blut (wie Giftstoffe) am Brechzentrum im Gehirn dafür, dass der Hund sich übergeben muss. Dabei können die Giftstoffe von außen stammen, aber auch aus dem Körper des Hundes selbst (z.B. bei einer Nieren- oder Leberinsuffizienz).

Was können die Folgen von Erbrechen sein?

Meist macht man sich mehr Sorgen um die Ursache des Erbrechens als um die Folgen des Erbrechens selbst. Wenn Hunde stark und über längere Zeit erbrechen, kann es allerdings durchaus zu schweren Konsequenzen kommen. Über das Erbrochene gehen nämlich Flüssigkeit und lebenswichtige Elektrolyte (Blutsalze) verloren. Die Folge können Austrocknung (Dehydratation), Volumenmangel-Schock oder lebensgefährliche Elektrolytverschiebungen (z.B. Kaliummangel) sein. Vor allem Welpen können schnell unter den Folgen von Erbrechen leiden, so dass bei Ihnen noch schneller gehandelt werden sollte als bei ihren erwachsenen Artgenossen.

Eine weitere mögliche Komplikation des Erbrechens ist, dass das Erbrochene beim Hervorwürgen in die Luftröhre gelangt. Das ist gefährlich, da es so zu einer lebensbedrohlichen Lungenentzündung (sog. Aspirationspneumonie) kommen kann. Besonders gefährdet sind hierbei sehr schwache, alte und junge Hunde.

Ursachen von Erbrechen beim Hund

Häufige Ursachen für Erbrechen beim Hund

Wenn ein Hund akut, also plötzlich, erbricht, hat das in den wirklich allermeisten Fällen eine harmlose Ursache.

Die häufigsten Ursachen für akutes Erbrechen beim Hund sind

  • Fütterungsbedingt (z.B. plötzliche Umstellung der Fütterung, Futtermittelunverträglichkeit, Magenüberladung)
  • „Einfache“ Magen-Darm-Infektionen
  • Aufnahme von „verdorbenen“ Lebensmitteln, z.B. beim Spaziergang

Wenn eine dieser Ursachen verantwortlich für das Erbrechen ist, besteht i.d.R. kein Grund zur Sorge. Nach ein bis zwei Tagen mit Schonkost und/oder symptomatischer Behandlung (also z.B. einem Medikament gegen Erbrechen) geht es den meisten Hunden wieder gut.

Weitere Ursachen für Erbrechen beim Hund

Die möglichen weiteren Ursachen sind extrem vielfältig – sehr, sehr viele Krankheiten und Zustände können dazu führen, dass ein Hund bricht. Wir können hier daher nur einen Auszug der möglichen Ursachen angeben. Da die Liste auch so schon sehr lang ist, haben wir die Krankheiten fett gedruckt, die aus unserer Sicht besonders wichtig sind.

  • Gabe von Medikamenten (fast jedes Medikament kann Erbrechen auslösen), z.B.

    • Schmerzmittel
    • Antibiotika
  • Magen-Darm-Erkrankungen, z.B.

    • Magen- und /oder Darmentzündung (Gastritis/Enteritis), z.B. als Folge von
      • Parasiten
      • Infektionserregern wie Parvoviren, Salmonellen, …
      • Futtermittelallergie
      • IBD (intestinal bowel disease; eine chronische Magen-Darm-Erkrankung ohne bekannte Ursache)
    • Magengeschwür, z.B. als Folge von Medikamenten
    • Aufnahme eines Fremdkörpers (z.B. Stöckchen, Socken, Plastik, Spielzeug)
    • Magenaufgasung oder Magendrehung
    • Darmverdrehung/Darmverschluss
    • Krebserkrankungen des Magens oder Darms
    • Magenausgangsobstruktionen, d.h. der Ausgang des Magens in den Darm ist verengt oder blockiert
  • Erkrankungen im Bauch außerhalb des Magen-Darm-Trakts, z.B.

    • Gebärmuttervereiterung (Pyometra) und andere Erkrankungen der Gebärmutter (nur weibliche Hunde)
    • Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, z.B. akute Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung), Bauchspeicheldrüsenkrebs
    • Erkrankungen der Nieren, z.B. Niereninsuffizienz, akutes Nierenversagen, Nierensteine
    • Erkrankungen der Harnwege, z.B. Harnsteine, Blasenruptur (Riss der Harnblase)
    • Erkrankungen der Milz, z.B. Milzdrehung
    • Erkrankungen der Leber und/oder der Gallenblase, z.B. Leberinsuffizienz, -entzündung, Leberlappendrehung, Leberkrebs
    • Erkrankungen des Bauchfells, z.B. Peritonitis (Bauchfellentzündung)
  • Hormonerkrankungen

    • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
    • Addison-Krankheit (Hypoadrenokortizismus; eine Erkrankung bei der die Nebennierenrinde nicht mehr ausreichend Hormone produziert)
  • Erkrankungen des Nervensystems

    • Entzündungen von Gehirn u./o. Hirnhäuten (Enzephalitis, Meningitis)
    • Kopftrauma (Verletzung)
    • Krebserkrankung
  • Weitere Ursachen

    • Blutvergiftung (Sepsis)
    • Elektrolytverschiebungen (z.B. Hyperkalzämie, also zu viel Kalzium im Blut)
    • Reisekrankheit (z.B. bei Autofahrten)
    • Sonnenstich/Hitzschlag
    • Möglicherweise: Psychische Gründe (große Aufregung/Stress)

Dann sollten Sie zum Tierarzt

Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten und erfordert von Ihnen viel Fingerspitzengefühl. Wenn ein Hund ein- oder zweimal erbricht besteht i.d.R. kein Grund zur Sorge.

Grundsätzlich gilt jedoch: lieber einmal zu viel zum Tierarzt als einmal zu wenig. Wenn Sie sich unsicher sind, lassen Sie Ihren Hund also besser untersuchen.

Folgende Anzeichen deuten dagegen darauf hin, dass bei akutem Erbrechen eine schwere Grunderkrankung vorliegen könnte, so dass Sie auf jeden Fall baldmöglichst einen Tierarzt aufsuchen sollten:

Anzeichen, bei denen Sie Ihren Hund bei Erbrechen zum Tierarzt bringen sollten:

  • Dem Hund geht es insgesamt schlecht, er wirkt krank
  • Das Erbrechen tritt in kurzen Zeitabständen auf und ist heftig, evtl. werden auch große Mengen erbrochen
  • Das Erbrochene sieht aus und/oder riecht wie Kot (kann ein Hinweis auf einen lebensbedrohlichen Darmverschluss sein)
  • Der Hund leidet unter deutlichen Bauchschmerzen
  • Der Hund erbricht blutig (und hat evtl. auch blutigen Durchfall/Kot)
  • Der Hund hat Fieber (Körperinnentemperatur über 39°C)
  • Der Hund atmet sehr schnell
  • Der Hund hat gesteigerten Durst und pinkelt mehr als sonst, also häufiger und/oder größere Mengen (sog. Polyurie/Polydipsie)
  • Der Hund kann keinen Urin absetzen
  • Eine Hündin zeigt zusätzlich Ausfluss aus der Scheide
  • Der Hund wirkt ausgetrocknet (trockene/klebrige Schleimhäute) oder sehr schwach
  • Der Bauch des Hundes wirkt vergrößert (wie aufgeblasen oder wie ein gefüllter Wasserballon)
  • Der Hund hatte vorher schon deutlich an Gewicht verloren
  • Der Hund zeigt zusätzlich neurologische Symptome, z.B. Kopfschiefhaltung, Bewegungsstörungen, rhythmische Augenbewegungen (von einer Seite zur anderen oder von oben nach unten) oder ein verändertes Verhalten
  • Die Schleimhäute des Hundes (im Maul oder an den Augen) sind sehr blass oder gelblich
  • Es besteht eine deutliche Möglichkeit, dass der Hund einen Fremdkörper aufgenommen hat oder an einer Vergiftung leidet (ein Hinweis kann z.B. eine herumliegende angeknabberte Schokoladen- oder Medikamentenverpackung sein)

Auch in Fällen, in denen keines dieser Anzeichen auftritt und das Erbrechen eher „mild“ ist, kann es unter bestimmten Umständen empfehlenswert sein einen Tierarzt aufzusuchen:

  • Das Erbrechen hält über längere Zeit an (länger als zwei Tage)
  • Der Hund erbricht regelmäßig bzw. öfter
  • Der Hund nimmt zusätzlich ab
  • Der Hund zeigt zusätzlich zu (wiederkehrenden) Verdauungsproblemen auch Hautsymptome (z.B. Juckreiz, Ohrenentzündungen)

Untersuchungen und Diagnose

Grunduntersuchungen bei Erbrechen

Ein ausführliches Vorgespräch ist bei Erbrechen ganz besonders wichtig: Bekommt Ihr Hund Medikamente? Tritt das Erbrechen zu bestimmten Zeitpunkten auf, z.B. immer 10-12 Stunden nach der Fütterung? Kann Ihr Hund einen Fremdkörper aufgenommen haben? Und bei Hündinnen: Wann war die letzte Läufigkeit? All diese Informationen können dem Tierarzt dabei helfen, die wichtigsten Verdachtsdiagnosen zu identifizieren und die weiteren Untersuchungen zu planen.

Anschließend folgt eine gründliche Allgemeinuntersuchung des Hundes, bei dem der Tierarzt u.a. besonders darauf achtet, ob der Hund ausgetrocknet ist, Bauchschmerzen hat oder weitere Symptome zeigt.

Je nach Heftigkeit und Dauer des Erbrechens, Gesamtzustand des erbrechenden Hundes und vermuteter Ursache, kann es sein, dass der Tierarzt dann gar keine weiteren Untersuchungen durchführt. In leichten Fällen, bei denen eine harmlose Ursache vermutet wird, reicht es häufig, den Hund nur einige Tage lang mit Schonkost und ggf. Medikamenten zu versorgen.

Weitere Untersuchungen

Geht es dem Hund dagegen schlecht oder vermutet der Tierarzt eine ernste Grundursache, können ganz verschiedene Untersuchungsmethoden zum Einsatz kommen – je nachdem, welche Krankheiten am ehesten als Verursacher des Erbrechens in Frage kommen.

Eine Blutuntersuchung (Blutbild, Organwerte) wird in den meisten Fällen durchgeführt; nicht nur um Hinweise auf die Ursache zu erhalten, sondern auch um gefährliche Folgen des Erbrechens (Austrocknung, Veränderungen der Elektrolytspiegel etc.) zu erkennen. Es kann aber auch sein, dass der Tierarzt noch weitere, speziellere Blutuntersuchungen durchführt – wie z.B. eine Überprüfung der Bauchspeicheldrüsenwerte (canine Pankreaslipase, cPLI).

Auch eine Ultraschall- oder Röntgenuntersuchung des Bauchraumes kann erforderlich sein. Mithilfe dieser Untersuchungen können u.a. Hinweise auf eine Magendrehung, aufgenommene Fremdkörper, eine Gebärmutterentzündung oder Krebserkrankungen gewonnen werden.

Wie schon erwähnt, können je nach Verdachtsdiagnose aber noch weitere, speziellere Untersuchungen erforderlich sein, z.B. eine Untersuchung des Urins oder Kots, die Durchführung einer Ausschlussdiät (Eliminationsdiät), eine endoskopische Untersuchung und/oder die Entnahme einer Gewebeprobe. Vor allem, wenn Hunde unter chronischem Erbrechen leiden, kann es aufwendig sein, die Grundursache zu diagnostizieren.

Behandlung von Erbrechen beim Hund

In den meisten Fällen beruht die Behandlung des Erbrechens auf drei Säulen: Linderung des Erbrechens selbst, Ausgleich der Flüssigkeits- und Elektrolytverluste und Schonung des Magen-Darm-Trakts durch angepasste Fütterung.

Wurde eine spezielle Ursache für das Erbrechen identifiziert, wird diese – wenn möglich – natürlich auch direkt behandelt (z.B. Operation bei Magendrehung oder Gebärmuttervereiterung, Entwurmung bei Parasiten, Gabe eines Gegenmittels und evtl. Dialyse bei Frostschutzmittel-Vergiftung).

Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen

Wie schon erwähnt, ist das Erbrechen nicht nur eine Qual für den Hund, es gehen auch wichtige Flüssigkeit und Elektrolyte verloren. Daher ist der erste Schritt in der Behandlung meist, dem Hund ein Medikament gegen Übelkeit und Erbrechen zu geben. Hier stehen viele Optionen zur Verfügung, manche werden als Tabletten oral (also in das Maul) verabreicht, andere mittels Infusion direkt in die Blutbahn. Der Nachteil an Tabletten kann sein, dass der Hund sie bei starkem Erbrechen gar nicht so lange im Magen behalten kann, bis sie anfangen zu wirken.

Es gibt allerdings auch Situationen, in denen Medikamente gegen Erbrechen kontraindiziert sind, d.h. es ist dringend von ihnen abzuraten, da sie eher schaden als nützen könnten. Hat der Hund z.B. Giftstoffe aufgenommen, ist das Erbrechen sinnvoll, um diese aus dem Körper zu entfernen. Aber auch wenn der Magen-Darm-Trakt blockiert bzw. nicht durchgängig ist (z.B. aufgrund einer Magen- bzw. Darmdrehung oder der Aufnahme eines Fremdkörpers), können Medikamente gegen Erbrechen schaden, da sie die Situation unter Umständen nur weiter verschlimmern. Geben Sie Ihrem Hund also keinesfalls selbstständig und ohne Absprache mit einem Tierarzt Medikamente gegen Übelkeit, die Sie zuhause haben.

Ausgleich der Flüssigkeits- und Elektrolytverluste

Wie schon erwähnt, gehen Flüssigkeit und Elektrolyte (Blutsalze) verloren, wenn ein Hund erbricht. Und auch der Säure-Basen-Haushalt des Körpers wird bei längerem Erbrechen aus dem Gleichgewicht gebracht. Dadurch kann es zu einer lebensbedrohlichen Austrocknung und zu gefährlichen Veränderungen der Blutzusammensetzung kommen. Im schlimmsten Fall ist ein Schock und der Tod des Hundes möglich.

Ein wichtiger Bestandteil der Behandlung ist es deswegen meist, den Flüssigkeitsverlust und die Blutveränderungen auszugleichen. Vor allem bei starkem oder länger anhaltendem Erbrechen ist es dazu oft nötig, Flüssigkeit (inklusive Elektrolyte) mittels Infusion direkt in die Vene zu verabreichen.

In relativ milden Fällen reicht es dagegen unter Umständen, dem Hund Flüssigkeit und/oder Elektrolytlösungen zu trinken zu geben. Hierzu eignen sich spezielle Produkte, wie z.B. die Oralade Elektrolytlösung von WDT oder der Royal Canin Veterinary Diet Rehydration Support.

Anpassung der Fütterung

Je nachdem, wie stark der Hund erbricht, wie sein Allgemeinzustand ist und welche Ursache für das Erbrechen verantwortlich ist, gibt es bezüglich der Ernährung verschiedene Ansätze.

In milden Fällen wird i.d.R. empfohlen, den Hund über 24 Stunden nüchtern zu halten und erst dann wieder langsam mit Schonkost (z.B. Reis mit Hühnchen oder Hüttenkäse) anzufüttern. In der Humanmedizin wurde mittlerweile jedoch gezeigt, dass es Vorteile hat, auch während einer Magen-Darm-Erkrankung Nahrung aufzunehmen. Das gleiche könnte auch für Hunde gelten, allerdings gibt es hier noch keine Untersuchungen. Da sich das Erbrechen bei den meisten Hunden sowieso nach 1-2 Tagen legt, spielt es möglicherweise aber auch keine so große Rolle, welches Vorgehen man wählt.

In (sehr) schweren Fällen mit starkem Erbrechen kommen drei Maßnahmen in Frage: 1) der Hund bleibt erst mal nüchtern und erhält kein Futter, 2) der Hund wird über eine Magen- oder Darm-Sonde künstlich ernährt und 3) der Hund erhält alle nötigen Nährstoffe über eine spezielle Flüssigkeit direkt ins Blut (parenterale Ernährung). Alle drei Vorgehensweisen haben Vor- und Nachteile. Aus diesem Grund wird der Tierarzt in jedem Fall individuell entscheiden, welcher Ansatz am meisten Sinn macht.

Stationäre Behandlung in der Klinik/beim Tierarzt

Je nachdem wie stark das Erbrechen ausgeprägt ist und wie es dem Hund insgesamt geht, kann es nötig sein, dass der Hund einige Zeit stationär in einer Klinik (oder beim Tierarzt) bleibt. Dort kann er optimal versorgt werden (z.B. mit Flüssigkeit und Elektrolyten) und nötigenfalls Medikamente gegen das Erbrechen direkt über die Vene erhalten. Außerdem ist er dort unter ständiger Beobachtung, so dass schnell eingegriffen werden kann, falls sich sein Zustand verschlechtert.

Das können Sie selbst tun, wenn Ihr Hund erbricht

Was Sie tun können und sollten, kommt darauf an, wie stark Ihr Hund erbricht. Hat sich Ihr Hund nur einmal übergeben, kann es sein, dass Sie gar nichts weiter tun müssen.

Nüchtern-Phase und Schonkost

Ansonsten können Sie Ihren Hund bei mildem Erbrechen, wie schon oben erwähnt, durch eine Anpassung der Fütterung unterstützen. So können Sie Ihn für 24 Stunden nüchtern lassen (d.h. er kriegt in dieser Zeit nichts zu fressen) und anschließend mit einer hochverdaulichen, gut verträglichen, fettarmen Schonkost langsam wieder anfüttern (d.h. Sie starten mit einer geringen Menge und steigern diese dann). Geeignet sind z.B. Reis mit ungewürztem Hühnchen (beides gekocht) oder gekochter Reis mit Hüttenkäse, aber auch fettarme Fertigfutter-Sorten (häufig tragen diese eine Bezeichnung wie „Gastrointestinal“ oder „Magen-Darm“ im Namen). Wie oben schon erwähnt, ist es möglicherweise aber nicht nötig, den Hund erst 24 Stunden nüchtern zu lassen und Sie können Ihm direkt Schonkost anbieten.

Steigerung der Flüssigkeitsaufnahme

Leiden Hunde unter Erbrechen, ist es außerdem wichtig, dass sie genügend Flüssigkeit zu sich nehmen. Sie können Ihren Vierbeiner dabei unterstützen, indem Sie ihm etwas verdünnte Fleischbrühe oder spezielle Elektrolytlösungen für Hunde anbieten (z.B. Oralade Elektrolytlösung von WDT oder Royal Canin Veterinary Diet Rehydration Support).

Gute Beobachtung des Hundes

Ansonsten sollten Sie Ihren Hund gut beobachten: verschlechtert sich sein Zustand, zeigt er eines der oben beschriebenen Anzeichen oder hört das Erbrechen einfach nicht auf, sollten Sie ihn doch zum Tierarzt bringen.

Eine gute Beobachtung ist übrigens auch dann wichtig, wenn Sie mit Ihrem Hund bereits beim Tierarzt waren. Schließlich könnte sich sein Zustand dennoch weiter verschlechtern. Das gilt besonders dann, wenn er Medikamente gegen das Erbrechen erhalten hat. Diese können nämlich verschleiern, dass es dem Hund eigentlich gar nicht besser geht, so dass es hier besonders wichtig ist, dass Sie Ihren Vierbeiner gut im Auge behalten. Halten die Übelkeit und das Erbrechen auch nach 48 Stunden weiter an, sollten Sie Ihren Tierarzt auf jeden Fall nochmal kontaktieren.

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Quellen

24. November 2018

Von Dr. Iris Wagner-Storz

2018-12-12T16:42:48+00:00

Über den Autor:

Als ursprüngliche Schwäbin bin ich 2007 nach München gezogen um Tiermedizin an der LMU zu studieren. Anschließend hab ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München geschrieben – über eine neue Art der Immuntherapie bei Hunden mit Umweltallergie. Meine Lieblingsbereiche sind die Dermatologie, die Innere Medizin und Infektionskrankheiten. Ich bin stolze Dosenöffnerin für meine beiden Miezen Nini und Clyde, liebe alle Tiere (Katzen aber natürlich besonders) und habe eine Schwäche für Kuchen.