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Schneckenkorn-Vergiftung bei Hund und Katze

///Schneckenkorn-Vergiftung bei Hund und Katze

In der Gartensaison verwenden viele Menschen Schneckenkorn, um Salat, Blumen und Co. vor Schneckenfraß zu schützen. Für Hunde und Katzen kann dieses Gift allerdings tödlich sein! Lesen Sie hier, wie Sie eine Vergiftung frühzeitig erkennen und wie Sie sich im Ernstfall verhalten sollten.

Wie giftig ist Schneckenkorn?

Tatsächlich ist nicht jede Sorte giftig – es kommt ganz auf den enthaltenen Wirkstoff an. Die meisten Mittel enthalten entweder Eisen-III-Phosphat (z.B. Neudorff Ferramol® Schneckenkorn oder COMPO BIO Schneckenkorn) oder Metaldehyd (z.B. COMPO Schneckenkorn oder Bayer Schneckenkorn Protect MaXX). Eisen-III-Phosphat scheint für Hunde und Katzen kein Problem darzustellen und eine ernsthafte Vergiftung ist extrem unwahrscheinlich.

Metaldehyd ist dagegen hoch giftig für unsere Vierbeiner! Daran können auch Werbeversprechen wie „ungefährlich für Haustiere“ nichts ändern. Teilweise ist zwar ein Bitterstoff enthalten, der verhindern soll, dass es von Hunden und Katzen gefressen wird – zuverlässig schützen kann dies aber nicht.

Vor allem größere Schneckenkorn-Haufen stellen eine Gefahr für Hund und Katze dar. Für Welpen oder sehr kleine Tiere kann es aber auch schon gefährlich sein, durch Pfützen oder nasse Erde mit aufgelöstem Schneckengift zu laufen – schlecken sie sich danach die Pfoten ab, nehmen sie damit auch Metaldehyd auf. Und leider wird Schneckenkorn auch in Giftködern verwendet, um v.a. Hunde absichtlich zu vergiften.

Grundsätzlich sind Hunde deutlich häufiger von Schneckenkorn-Vergiftungen betroffen als Katzen.

Was passiert bei einer Schneckenkorn-/Metaldehyd-Vergiftung im Körper?

Metaldehyd vermindert im zentralen Nervensystem (Gehirn & Rückenmark) die Aktivität bestimmter Neurotransmitter (GABA, Noradrenalin, Serotonin), wodurch es zu sog. zentralen Exzitationen kommt, also zu einer gesteigerten Erregung der Nervenzellen. Die Folge sind u.a. Krampfanfälle und starkes Zittern.

Durch diese extrem gesteigerte Muskelaktivität steigt die Körpertemperatur auf teilweise lebensbedrohlich hohe Werte an (eine Körpertemperatur von 42-43°C führt zum Absterben von Zellen, auch in lebenswichtigen Organen). Als Folge des Abbaus von Metaldehyd kommt es auch zu einer gefährliche Ansäuerung des Blutes (Azidose). Zusätzlich reizt Metaldehyd die Schleimhäute im Magen-Darm-Trakt.

Wenn Hunde die erste, akute Vergiftung überleben, kann Metaldehyd außerdem zu einem Absterben von Leberzellen und so zu einer Leberinsuffizienz führen.

Wie erkenne ich Schneckenkorn?

Typischerweise wird Schneckengift in Form von kleinen, grünen oder blauen Körnern verwendet. Es gibt allerdings auch Sorten in anderen Farben oder in flüssiger bzw. Gel-Form.

Theoretisch sollte es grob gestreut werden, manche Gärtner legen das Schneckenkorn allerdings auch in kleinen Häufchen aus. Sowohl auf Ackerflächen als auch in Kleingartenanlagen und Privatgärten besteht das Risiko, auf Schneckengift zu stoßen.

Ab welcher Menge ist Schneckenkorn gefährlich?

Die sogenannte LD50 (also die Dosis, bei der 50% der Tiere sterben) beträgt für Hunde 100-1000 mg Metaldehyd pro Kilogramm Körpergewicht und für Katzen 207 mg pro kg Körpergewicht.

Hier ein kleines Rechenbeispiel: Das Schneckengift „Bayer Schneckenkorn Protect MaXX“ enthält 25 mg Metaldehyd pro 1 Gramm Schneckenkorn. Nimmt ein 10 kg schwerer Hund 40 g Schneckenkorn auf (das entspricht etwa 2,5 Teelöffeln – 1 Teelöffel = ca. 15 g) hat er also, vereinfacht gesagt, eine Überlebenschance von etwa 50%. Auch bei einer etwa 5 kg schweren Katze liegt die LD50 bei etwa 40 g Schneckenkorn.

Weil aber auch schon geringere Mengen zum Tod führen können (die LD50 ist die Dosis, bei der 50% aller Hunde bzw. Katzen sterben – für das einzelne Tier kann es auch schon bei kleineren Mengen tödlich enden) wird eine Behandlung schon bei einer Aufnahme von 20-40 mg Metaldehyd pro kg Körpergewicht empfohlen.

Bleiben wir bei unserem obigen Beispiel, entspricht dies einer Menge von 8 g Schneckenkorn bei einem 10 kg schweren Hund – das ist gerade mal etwa ein halber Teelöffel! Bei einer 5 kg schweren Katze ist es sogar nur die Hälfte davon.

Welche Symptome zeigen Hunde und Katzen mit einer Vergiftung?

Nimmt ein Hund bzw. eine Katze Schneckenkorn auf, zeigen sich schon nach relativ kurzer Zeit (meist 30 Minuten bis 3 Stunden nach Aufnahme) die ersten Symptome, wie Erbrechen, Unruhe, Zittern oder Krämpfe.

  • Typische Symptome für eine Schneckenkorn-Vergiftung sind:

    • Zittern/Muskelzuckungen
    • Krampfanfälle
    • Erhöhte Körpertemperatur (über 39°C, oft 41-42°C)

(Aufgrund dieser Kombination aus Krämpfen/Zittern und Erhöhung der Körpertemperatur werden die klassischen Symptome auch als „Shake and Bake-Syndrom“ bezeichnet.)

  • Zusätzlich sind bei Hunden und Katzen häufig die folgenden Symptome zu beobachten:

    • beschleunigte Atmung/Hecheln
    • Vermehrtes Speicheln
    • Erbrechen
    • Durchfall
    • Nervosität und Unruhe
    • Verändertes Gangbild/unkontrollierte Bewegungen (Ataxie)
    • Überempfindlichkeit auf Berührungen (Hyperästhesie)
    • kirschrote oder bläuliche Schleimhäute
    • Blindheit

Leider können Hunde und Katzen nach Schneckenkorn-Aufnahme innerhalb von 4-24 Stunden an einer massiven Störung der Blutgerinnung (Disseminierte intravasale Gerinnung, DIC) oder an einem Atemversagen sterben.

Was sollte ich tun, wenn mein Tier Schneckenkorn gefressen hat?

Wenn Sie beobachtet haben, dass Ihr Hund oder Ihre Katze Schneckenkorn gefressen hat, oder wenn Sie die oben beschriebenen Symptome bemerken, sollten Sie keine Zeit verlieren und Ihr Tier sofort zum Tierarzt bringen!

Was macht der Tierarzt?

Dekontamination (Entfernung des Gifts aus dem Körper)

Idealerweise wird das Schneckenkorn aus dem Magen-Darm-Trakt entfernt bevor es vom Körper (komplett) aufgenommen werden kann.

Wenn ein Tier schnell nach der Schneckenkorn-Aufnahme (innerhalb von 30-60 Minuten) zum Tierarzt gebracht wird und der Hund oder die Katze noch keine (schweren) Symptome zeigt, kann der Tierarzt durch die Gabe von bestimmten Medikamenten Erbrechen auslösen. Anschließend kann Aktivkohle gegeben werden, um das Gift zu binden. Dies ist die Idealsituation, unter Umständen können so die schwersten Folgen verhindert werden.

Wenn ein Hund oder eine Katze dagegen schon Symptome zeigt und viel Schneckenkorn gefressen hat, kann der Tierarzt auch den Magen und/oder den Darm spülen, um das Gift zu entfernen und im Anschluss Aktivkohle verabreichen. Meistens wurde zu diesem Zeitpunkt aber bereits eine größere Menge Gift vom Körper resorbiert.

Behandlung der Symptome und Komplikationen

Zeigt der Hund bzw. die Katze Krampfanfälle, wird der Tierarzt Medikamente dagegen verabreichen. Bei starken Anfällen kann es auch nötig sein, das Tier in Narkose zu legen, bis die Wirkung des Metaldehyds abgeklungen ist.

Steigt die Körpertemperatur stark an, muss der Hund bzw. die Katze zusätzlich gekühlt werden. Auch eine Behandlung der Azidose (also der Ansäuerung des Blutes) sowie die Gabe von Flüssigkeit über die Vene per Infusion ist meistens nötig.

Die erste Zeit nach der Vergiftung müssen Hunde und Katzen engmaschig überwacht und auf Blutveränderungen hin kontrolliert werden. In vielen Fällen müssen die betroffenen Tiere zur Behandlung und Überwachung daher einige Tage stationär beim Tierarzt bzw. in der Klinik bleiben.

Wie ist die Prognose bei Schneckenkorn-Vergiftung?

Wird ein Tier frühzeitig behandelt und überlebt die ersten 24 Stunden nach der Schneckenkorn-Aufnahme ist die Prognose gut.

  • Bei angemessener Behandlung und Überwachung erholen sich die meisten Hunde dann nach 2-3 Tagen. Leider kann sich zu diesem Zeitpunkt in seltenen Fällen auch eine Leberinsuffizienz entwickeln. Ist die akute Vergiftung (ohne Leberinsuffizienz) überstanden, haben Hunde kein erhöhtes Risiko für Krampfanfälle oder Epilepsie.
  • Katzen erholen sich i.d.R. nach 2 Wochen, wobei bisher keine Fälle von Leberschädigungen bekannt sind.

Hält der Vergiftungszustand allerdings länger an und sind die Krämpfe schwer zu kontrollieren, ist die Prognose leider vorsichtig. Hunde und Katzen können innerhalb von 4-24 Stunden nach Giftaufnahme an einer schweren Gerinnungsstörung oder an einem Atemversagen versterben.

Wie kann ich einer Vergiftung durch Schneckenkorn vorbeugen?

  • Verwenden Sie in Ihrem Garten kein Schneckenkorn mit Metaldehyd. Wenn unbedingt nötig, sollten Sie besser auf solches mit Eisen-III-Phosphat zurückgreifen.

  • Meiden Sie Flächen auf denen eine Ausbringung von Schneckenkorn wahrscheinlich ist (Anbauflächen von Salat etc.).

  • Halten Sie Ihr Tier von Stellen fern an denen blaue, grüne oder anders gefärbte Körner liegen.

  • Verhindern Sie, dass Ihr Hund Sachen frisst, die z.B. im Park herumliegen – hierbei könnte es sich um mit Schneckenkorn (oder Rattengift) präparierte Giftköder handeln.

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Quellen

28. April 2018

Von Dr. Iris Wagner-Storz

2018-10-28T10:12:01+00:00

Über den Autor:

Als ursprüngliche Schwäbin bin ich 2007 nach München gezogen um Tiermedizin an der LMU zu studieren. Anschließend hab ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München geschrieben – über eine neue Art der Immuntherapie bei Hunden mit Umweltallergie. Meine Lieblingsbereiche sind die Dermatologie, die Innere Medizin und Infektionskrankheiten. Ich bin stolze Dosenöffnerin für meine beiden Miezen Nini und Clyde, liebe alle Tiere (Katzen aber natürlich besonders) und habe eine Schwäche für Kuchen.