Blasensteine (z.B. Struvitsteine) und andere Harnsteine sind nicht nur unangenehm für Hunde, sondern können auch zu schweren Komplikationen führen! Aber wie merkt man dem eigenen Hund eigentlich an, dass er Harnsteine hat? Wieso ist es wichtig, ob ein Hund unter Struvitsteinen oder einer anderen Harnsteinart leidet? Was sind die Ursachen für die Erkrankung und wie wird sie behandelt?

Lesen Sie hier alles, was Sie über Harnsteine (Blasensteine, Nierensteine, Harnröhren- und Harnleitersteine) wissen sollten!

Harnsteine/Blasensteine beim Hund: Zusammenfassung

  • Häufigkeit der Erkrankung: Gelegentlich

  • Schwere der Erkrankung: Leicht bis sehr schwer

  • Vorkommen: Bei allen Hunden möglich, v.a. aber bei kleinen Rassen

  • Ansteckungsgefahr: Nicht ansteckend für Tiere oder Menschen

  • Typische Symptome: Ständiger Harndrang, häufiges Absetzen kleiner Mengen Urin, Schmerzen beim Pinkeln, Unsauberkeit, blutiger Urin

  • Verlauf: Akut oder chronisch

  • Diagnose: Urinuntersuchung, Röntgen-/Ultraschalluntersuchung

  • Behandlungsmöglichkeiten: Unterschiedlich (je nach Harnsteinart und Lage der Steine)

  • Prognose: Vorsichtig bis sehr gut

  • Zuständige Spezialisten: Spezialisten für Innere Medizin

Beschreibung

Bei Harnsteinen handelt es sich um krankhafte, steinartige Gebilde in den Harnwegen (also z.B. in der Harnblase = Blasensteine oder in den Nieren = Nierensteine). Sie entstehen, wenn sich die im Urin gelösten Salze zusammenlagern – erst zu kleineren Kristallen und schließlich zu Harnsteinen.

Genau wie wir Menschen scheiden Hunde mit dem Urin nämlich viele verschiedene Stoffe in Form von Mineralsalzen aus, z.B. Kalzium, Phosphat und Magnesium. Eigentlich sind diese Salze im Harn gelöst. Wenn die Menge der Salze dort allerdings zu groß wird (der Urin also stark übersättigt ist), können sie sich zu Kristallen verbinden.

Diese Kristalle sind an sich erst mal kein Problem für den Hund. Unter ungünstigen Umständen (z.B. wenn die Menge der Salze im Urin noch größer wird und der Urin lange in den Harnwegen bleibt) können sie sich allerdings zu größeren Gebilden zusammenlagern – und Harnsteine bilden.

Diese können dem Hund dann sehr wohl Schwierigkeiten bereiten: sie können einerseits zu unangenehmen Symptomen, andererseits aber auch zu schweren Komplikationen, wie z.B. einem akuten Nierenversagen, führen.

Mediziner bezeichnen die Erkrankung mit Harnsteinen übrigens auch als „Urolithiasis“.

Wo kommen Harnsteine beim Hund vor?

Harnsteine können bei Hunden an verschiedenen Stellen in den Harnorganen auftreten:

Harnwege des HundesIn den meisten Fällen findet man Harnsteine beim Hund in der Blase (man spricht dann von Blasensteinen). Manchmal bleiben sie dort unbemerkt. Häufiger führen sie dort allerdings zu den klassischen Symptomen einer Blasenentzündung (z.B. ständiger Harndrang, Schmerzen beim Pinkeln).

Wenn die Steine in die Harnröhre (verbindet die Blase mit der „Außenwelt“) abgeschwemmt werden und dort stecken bleiben, kann es allerdings auch zu einem lebensbedrohlichen Harnröhrenverschluss kommen. Der Hund kann dann keinen Urin mehr absetzen, so dass dieser sich zurückstaut und zu einem akuten Nierenversagen führen kann. Es handelt sich also um einen absoluten Notfall! Eine Blockierung der Harnröhre kommt häufiger bei männlichen Hunden vor.

Selten (in etwa 5% der Fälle) finden sich Harnsteine beim Hund in den Nieren (Nierensteine) oder Harnleitern (diese verbinden die Nieren mit der Blase). Vor allem Nierensteine bleiben häufig unbemerkt, weil die betroffenen Hunde keine Symptome zeigen. Andererseits können sie dort aber auch zu einer chronischen Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) oder einer chronischen Niereninsuffizienz führen.

Wenn Harnsteine beide Harnleiter blockieren, ist die Situation ganz ähnlich wie bei Harnsteinen in der Harnröhre. Der Urin staut sich zurück und kann zu einem akuten Nierenversagen führen. Auch hier liegt also ein lebensbedrohlicher Notfall vor!

Einteilung der Harnsteine – und wieso diese wichtig ist

Tatsächlich gibt es nicht „den Harnstein“ – stattdessen unterscheidet man je nach mineralischer Zusammensetzung viele verschiedene Arten von Harnsteinen: z.B. Struvit-, Kalziumoxalat-, Urat-, Cystin- und Xanthin-Steine.

Diese Unterscheidung ist sehr wichtig – die unterschiedlichen Harnsteinarten bilden sich nämlich unter verschiedenen Voraussetzungen (z.B. als Folge einer bakteriellen Infektion vs. als Folge der Fütterung) und werden auch unterschiedlich behandelt. Zu wissen, unter welcher Harnsteinart ein Hund leidet, ist also entscheidend für die Behandlung!

Am häufigsten findet man bei Hunden Struvit– und Kalziumoxalatsteine. Beide sind etwa gleich häufig und machen zusammengenommen etwa 80% der Harnsteine bei Hunden aus. Am dritthäufigsten kommen Uratsteine vor. Diese sind jedoch wesentlich seltener als die beiden eben genannten Arten (etwa 4% aller Harnsteine beim Hund).

Neben diesen „Reinformen“ gibt es allerdings auch gemischte Harnsteine, z.B. mit einem Kern aus Kalziumoxalat und einer „Hülle“ aus Struvit. Solche zusammengesetzten Steine sind für etwa 10% der Harnsteinfälle bei Hunden verantwortlich.

Weil Struvit-, Kalziumoxalat- und Uratsteine die häufigsten Harnsteinarten beim Hund sind, geht es in diesem Beitrag vor allem um diese Steine.

Struvitsteine

Struvitsteine kommen vor allem bei weiblichen Hunden vor (in etwa 80% der Fälle). Sie entstehen nur in neutralem oder basischem/alkalischem Urin (also in Urin mit einem normalen bis hohen pH-Wert).

Zum allergrößten Teil sind sie die Folge einer bakteriellen Harnwegsinfektion (v.a. bakterielle Blasenentzündung).

Die an einer solchen Infektion häufig beteiligten Bakterien stellen bei ihrem Stoffwechsel nämlich Ammonium her. Dabei handelt es sich um einen der Bestandteile, aus denen Struvitsteine aufgebaut sind (diese bestehen aus Magnesium, Ammonium und Phosphat). Dadurch erhöht sich dessen Konzentration im Harn. Andererseits kommt es durch die Stoffwechselvorgänge der Bakterien aber auch zu einem Anstieg des Urin-pH-Werts – hervorragende Voraussetzungen also für die Entstehung von Struvitsteinen.

Selten können Struvitsteine allerdings auch in sterilem (also bakterien-freiem) Urin entstehen. Wieso es dazu kommt, ist nicht ganz klar. Ein anhaltend hoher pH-Wert im Urin (hervorgerufen z.B. durch Medikamente, eine ungünstige Futterzusammensetzung oder Nierenerkrankungen) scheint aber die Bildung solcher steriler Struvitsteine zu begünstigen.

Struvitsteine können sehr groß werden (über 2 cm groß). Dabei sind sie manchmal ganz glatt. Sie können aber auch kantig und z.B. stern- oder pyramidenförmig sein.

Struvitsteine lassen sich meistens durch Behandlung der Harnwegsinfektion und ein spezielles Futter wieder auflösen.

Besonders häufig sind Hunde der Rassen Zwergschnauzer, Bichon Frisé, Shih Tzu, Dackel, Mops, Zwergpudel, Cocker Spaniel, Bernhardiner, Golden Retriever und Labrador Retriever von Struvitsteinen betroffen.

Wenn Harnsteine bei jungen Hunden (unter einem Jahr alt) vorkommen, handelt es sich meistens um Struvitsteine.

Kalziumoxalatsteine

Kalziumoxalatsteine sind deutlich häufiger bei männlichen Hunden zu finden (ca. 80% der Fälle).

So ganz genau weiß man noch nicht, wann und wieso sich diese Harnsteine bilden. Sie scheinen vor allem dann aufzutreten, wenn ein Hund besonders viel Kalzium (und/oder Oxalat) mit dem Urin ausscheidet. Dazu kann es beispielweise kommen, wenn er sehr viel von diesen Stoffen mit dem Futter aufnimmt, bestimmte Medikamente erhält oder an einer Krankheit leidet, die den Kalzium-Spiegel im Blut erhöht.

Anders als Struvitsteine sind Kalziumoxalatsteine nur selten die Folge einer bakteriellen Blasenentzündung (sie können aber – wie alle Harnsteine – zu einer solchen Infektion führen, u.a. indem sie die Blasenwand reizen. Das kommt allerdings nicht sehr häufig vor).

Damit sich Kalziumoxalatsteine bilden können, muss der Urin neutral oder sauer sein (also einen normalen bis niedrigen pH-Wert haben).

Kalziumoxalatsteine können recht klein sein, aber auch bis zu 1,5 cm groß werden. Dabei kann ihre Oberfläche abgerundet und glatt, aber auch rau und unregelmäßig sein.

Anders als bei Struvitsteinen ist eine Auflösung durch spezielles Futter oder Medikamente leider nicht möglich.

Kalziumoxalatsteine kommen v.a. bei übergewichtigen und/oder kastrierten Rüden vor. Am häufigsten sind kleine Rassen betroffen – insbesondere (in über 50% der Fälle) Hunde der Rassen Zwergschnauzer, Shih Tzu, Yorkshire Terrier, Chihuahua, Bichon Frisé und Malteser.

Leidet ein Hund unter Harnsteinen in den Harnleitern, handelt es sich in den meisten Fällen um Kalziumoxalatsteine.

Uratsteine

Uratsteine sind die „typischen“ Harnsteine bei Dalmatinern (in 75-96% der Fälle handelt es sich bei ihnen um Uratsteine). Schätzungen gehen davon aus, dass etwa ein Viertel aller männlichen Dalmatiner Harnsteine entwickelt. Aber auch bei englischen Bulldoggen sind Uratsteine weit verbreitet. Das liegt daran, dass diese Hunderassen häufig an einer bestimmten Stoffwechselstörung leiden, die die Entstehung dieser Steinart begünstigt.

Aber auch bei Hunden mit einer schweren Lebererkrankung sind Uratsteine keine Seltenheit – vor allem bei Krankheiten, die dazu führen, dass das Blut nicht ausreichend durch die Leber fließt, so dass es nicht entgiftet wird (sog. portosystemischer Shunt).

Damit Uratsteine entstehen können, muss der Urin neutral oder sauer sein (also einen normalen bis niedrigen pH-Wert aufweisen). Uratsteine sind typischerweise recht klein, glatt und rund oder eiförmig.

Symptome bei Harnsteinen

Die Symptome bei Hunden mit Harnsteinen können sehr unterschiedlich sein. Sie hängen u.a. davon ab, wie viele Steine ein Hund hat, wie groß sie sind, wo sie sitzen (z.B. Blasensteine vs. Nierensteine) und wie sie aufgebaut sind (z.B. abgerundete oder raue Oberfläche, rund oder sternförmig).

Symptome bei Blasensteinen

In manchen Fällen machen Blasensteine (wenn es nur wenige sind und ihre Oberfläche abgerundet ist) tatsächlich gar keine Probleme – und die betroffenen Hunde zeigen keine Symptome.

Häufig kommt es bei Blasensteinen allerdings zu den klassischen Symptomen einer Blasenentzündung: Die betroffenen Hunde leiden unter ständigem Harndrang – sie wollen ständig raus und pinkeln öfter als normal, setzen dabei aber immer nur eine kleine Menge Harn ab (teilweise nur einige Tropfen).

Oft wirkt es so, als würden die betroffenen Hunde richtig „pressen“, um möglichst viel Urin loszuwerden. Für viele Hunde mit Blasensteinen ist der Urinabsatz auch schmerzhaft (zu erkennen an Winseln, Schmatzen und/oder einem stark aufgekrümmten Rücken).

Es kann auch zu trübem, stinkenden und/oder blutigem Urin kommen.

Manche Hunde mit Blasensteinen verlieren ihre Stubenreinheit und pinkeln in die Wohnung. Das ist allerdings keine Folge mangelnder Erziehung, sondern liegt an ihren Schmerzen und ihrem ständigen Harndrang.

Symptome bei Harnsteinen in der Harnröhre (Harnröhrenverschluss)

Wenn Harnsteine in die Harnröhre abgeschwemmt werden und diese teilweise oder sogar vollständig blockieren („verstopfen“), wird das Bild dramatischer und die Situation lebensgefährlich!

Der Hund kann dann keinen oder kaum mehr Urin absetzen. Dadurch staut sich der Harn und die Blase wird immer voller. Irgendwann ist allerdings auch deren Aufnahmegrenze erreicht – und der Urin staut sich bis in die Nieren zurück. Die Folge kann ein (oft tödliches) akutes Nierenversagen oder eine Ruptur der Harnblase (d.h. die Blase „reißt“) sein.

Ein solcher Harnröhrenverschluss durch Harnsteine kommt häufiger bei männlichen Hunden vor.

Manchmal ist es gar nicht so leicht zu erkennen, ob ein Hund „nur“ Blasensteine hat und die typischen Blasenentzündungssymptome zeigt oder unter einem lebensgefährlichen Harnröhrenverschluss leidet. Ein hochgradiger Verdacht besteht aber immer dann, wenn

  • der Hund immer wieder versucht zu pinkeln, aber nichts kommt
  • der Hund zwar immer wieder einige Tropfen Urin absetzt, die über den Tag verteilte Harnmenge aber geringer ist als normal
  • Es dem Hund insgesamt schlecht geht und er weitere, allgemeine Symptome zeigt, wie Teilnahmslosigkeit/große Unruhe, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen oder eine schnelle, flache Atmung.

Wenn Sie diese Symptome bei Ihrem Hund feststellen, handelt es sich um einen absoluten Notfall – zögern Sie nicht, sondern suchen Sie so schnell wie möglich einen Tierarzt auf!

Symptome bei Nierensteinen/Harnleitersteinen

Hunde mit Harnsteinen in den Nieren oder in einem der beiden Harnleiter zeigen oft gar keine Symptome. Es kann aber auch zu blutigem Urin, wiederkehrenden bakteriellen Blasenentzündungen und (seltener) kolikartigen Bauchschmerzen kommen.

Andererseits können Harnsteine an diesen Stellen aber auch zu einer chronischen Nierenbeckenentzündung und/oder chronischen Niereninsuffizienz führen. In vielen Fällen ist den Hunden selbst dann nichts anzumerken (bzw. bei einer chronischen Niereninsuffizienz erst sehr spät). Die betroffenen Hunde können aber auch die typischen Symptome dieser Erkrankungen zeigen, also z.B. gesteigerten Durst und häufiges Absetzen großer Mengen Urin (Polydipsie/Polyurie), Appetitlosigkeit, Teilnahmslosigkeit, Abmagerung, Erbrechen, blutigen Urin und Bauchschmerzen/Schmerzen in der Nierenregion (bei Nierenbeckenentzündung).

Sind bei einem Hund beide Harnleiter durch Harnsteine verstopft, ist die Situation ganz ähnlich wie bei einer blockierten Harnröhre. Der von den Nieren produzierte Urin kann nicht abfließen und staut sich in den Nieren – mit gefährlichen Folgen: innerhalb kurzer Zeit kann es zu einem akuten Nierenversagen kommen. Auch hier handelt es sich also um einen lebensbedrohlichen Notfall! Die von einem solchen Harnleiterverschluss betroffenen Hunde zeigen dieselben Symptome wie Hunde mit Harnröhrenverschluss.

Ursachen und Risikofaktoren von Blasensteinen und Co

Ganz generell gilt, dass Hunde, die wenig Flüssigkeit aufnehmen (z.B. weil sie wenig trinken und/oder nur Trockenfutter fressen), ein erhöhtes Risiko für die Bildung von Harnsteinen haben. In diesem Fall gelangt nämlich weniger Flüssigkeit in den Urin, so dass der Harn stärker mit Salzen gesättigt ist. Dadurch können sie schneller kristallisieren und Steine bilden.

Und auch Hunde, die nur selten Urin absetzen, scheinen häufiger von Blasensteinen und Co betroffen zu sein. Bei diesen bleibt der Harn nämlich länger in der Blase. Dadurch haben die Salze mehr Zeit, sich zu Steinen zusammenzulagern.

Weitere Ursachen und Risikofaktoren für Harnsteine sind:

Struvitsteine:

  • Selten: Futter, Medikamente und Erkrankungen, die z.B. den Urin alkalisieren (also den pH-Wert erhöhen)

Kalziumoxalatsteine:

  • Übermäßige Gabe von Kalzium und/oder Vitamin D mit dem Futter
  • Futter, das den Urin ansäuert
  • Cushing-Syndrom (Hyperadrenokortizismus; Erkrankung, bei der es zu einer Überproduktion des körpereigenen Hormons Kortison in den Nebennieren kommt)
  • Hyperparathyreoidismus (Erkrankung, bei der es zu einer krankhaft gesteigerten Produktion des Botenstoffs Parathormon in den Nebenschilddrüsen kommt. Dieses reguliert den Kalzium-Spiegel im Blut.)
  • Medikamente
    • Kortison (z.B. Prednisolon, Dexamethason)
    • Furosemid (ein harntreibendes Medikament; wird häufig bei Herzinsuffizienz eingesetzt)
  • Aufnahme von viel Oxalat bzw. Oxalsäure (z.B. über Gemüse, Gras, Nüsse, Vitamin C)
  • Übergewicht (Adipositas)
  • Kastration

Uratsteine

  • Angeborene Stoffwechselstörung (v.a. Dalmatiner, Englische Bulldoggen)
  • Schwere Lebererkrankungen, v.a. portosystemisch