Blasensteine (z.B. Struvitsteine) und andere Harnsteine sind nicht nur unangenehm für Hunde, sondern können auch zu schweren Komplikationen führen! Aber wie merkt man dem eigenen Hund eigentlich an, dass er Harnsteine hat? Wieso ist es wichtig, ob ein Hund unter Struvitsteinen oder einer anderen Harnsteinart leidet? Was sind die Ursachen für die Erkrankung und wie wird sie behandelt?

Lesen Sie hier alles, was Sie über Harnsteine (Blasensteine, Nierensteine, Harnröhren- und Harnleitersteine) wissen sollten!

Harnsteine/Blasensteine beim Hund: Zusammenfassung

  • Häufigkeit der Erkrankung: Gelegentlich

  • Schwere der Erkrankung: Leicht bis sehr schwer

  • Vorkommen: Bei allen Hunden möglich, v.a. aber bei kleinen Rassen

  • Ansteckungsgefahr: Nicht ansteckend für Tiere oder Menschen

  • Typische Symptome: Ständiger Harndrang, häufiges Absetzen kleiner Mengen Urin, Schmerzen beim Pinkeln, Unsauberkeit, blutiger Urin

  • Verlauf: Akut oder chronisch

  • Diagnose: Urinuntersuchung, Röntgen-/Ultraschalluntersuchung

  • Behandlungsmöglichkeiten: Unterschiedlich (je nach Harnsteinart und Lage der Steine)

  • Prognose: Vorsichtig bis sehr gut

  • Zuständige Spezialisten: Spezialisten für Innere Medizin

Beschreibung

Bei Harnsteinen handelt es sich um krankhafte, steinartige Gebilde in den Harnwegen (also z.B. in der Harnblase = Blasensteine oder in den Nieren = Nierensteine). Sie entstehen, wenn sich die im Urin gelösten Salze zusammenlagern – erst zu kleineren Kristallen und schließlich zu Harnsteinen.

Genau wie wir Menschen scheiden Hunde mit dem Urin nämlich viele verschiedene Stoffe in Form von Mineralsalzen aus, z.B. Kalzium, Phosphat und Magnesium. Eigentlich sind diese Salze im Harn gelöst. Wenn die Menge der Salze dort allerdings zu groß wird (der Urin also stark übersättigt ist), können sie sich zu Kristallen verbinden.

Diese Kristalle sind an sich erst mal kein Problem für den Hund. Unter ungünstigen Umständen (z.B. wenn die Menge der Salze im Urin noch größer wird und der Urin lange in den Harnwegen bleibt) können sie sich allerdings zu größeren Gebilden zusammenlagern – und Harnsteine bilden.

Diese können dem Hund dann sehr wohl Schwierigkeiten bereiten: sie können einerseits zu unangenehmen Symptomen, andererseits aber auch zu schweren Komplikationen, wie z.B. einem akuten Nierenversagen, führen.

Mediziner bezeichnen die Erkrankung mit Harnsteinen übrigens auch als „Urolithiasis“.

Wo kommen Harnsteine beim Hund vor?

Harnsteine können bei Hunden an verschiedenen Stellen in den Harnorganen auftreten:

Harnwege des HundesIn den meisten Fällen findet man Harnsteine beim Hund in der Blase (man spricht dann von Blasensteinen). Manchmal bleiben sie dort unbemerkt. Häufiger führen sie dort allerdings zu den klassischen Symptomen einer Blasenentzündung (z.B. ständiger Harndrang, Schmerzen beim Pinkeln).

Wenn die Steine in die Harnröhre (verbindet die Blase mit der „Außenwelt“) abgeschwemmt werden und dort stecken bleiben, kann es allerdings auch zu einem lebensbedrohlichen Harnröhrenverschluss kommen. Der Hund kann dann keinen Urin mehr absetzen, so dass dieser sich zurückstaut und zu einem akuten Nierenversagen führen kann. Es handelt sich also um einen absoluten Notfall! Eine Blockierung der Harnröhre kommt häufiger bei männlichen Hunden vor.

Selten (in etwa 5% der Fälle) finden sich Harnsteine beim Hund in den Nieren (Nierensteine) oder Harnleitern (diese verbinden die Nieren mit der Blase). Vor allem Nierensteine bleiben häufig unbemerkt, weil die betroffenen Hunde keine Symptome zeigen. Andererseits können sie dort aber auch zu einer chronischen Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) oder einer chronischen Niereninsuffizienz führen.

Wenn Harnsteine beide Harnleiter blockieren, ist die Situation ganz ähnlich wie bei Harnsteinen in der Harnröhre. Der Urin staut sich zurück und kann zu einem akuten Nierenversagen führen. Auch hier liegt also ein lebensbedrohlicher Notfall vor!

Einteilung der Harnsteine – und wieso diese wichtig ist

Tatsächlich gibt es nicht „den Harnstein“ – stattdessen unterscheidet man je nach mineralischer Zusammensetzung viele verschiedene Arten von Harnsteinen: z.B. Struvit-, Kalziumoxalat-, Urat-, Cystin- und Xanthin-Steine.

Diese Unterscheidung ist sehr wichtig – die unterschiedlichen Harnsteinarten bilden sich nämlich unter verschiedenen Voraussetzungen (z.B. als Folge einer bakteriellen Infektion vs. als Folge der Fütterung) und werden auch unterschiedlich behandelt. Zu wissen, unter welcher Harnsteinart ein Hund leidet, ist also entscheidend für die Behandlung!

Am häufigsten findet man bei Hunden Struvit– und Kalziumoxalatsteine. Beide sind etwa gleich häufig und machen zusammengenommen etwa 80% der Harnsteine bei Hunden aus. Am dritthäufigsten kommen Uratsteine vor. Diese sind jedoch wesentlich seltener als die beiden eben genannten Arten (etwa 4% aller Harnsteine beim Hund).

Neben diesen „Reinformen“ gibt es allerdings auch gemischte Harnsteine, z.B. mit einem Kern aus Kalziumoxalat und einer „Hülle“ aus Struvit. Solche zusammengesetzten Steine sind für etwa 10% der Harnsteinfälle bei Hunden verantwortlich.

Weil Struvit-, Kalziumoxalat- und Uratsteine die häufigsten Harnsteinarten beim Hund sind, geht es in diesem Beitrag vor allem um diese Steine.

Struvitsteine

Struvitsteine kommen vor allem bei weiblichen Hunden vor (in etwa 80% der Fälle). Sie entstehen nur in neutralem oder basischem/alkalischem Urin (also in Urin mit einem normalen bis hohen pH-Wert).

Zum allergrößten Teil sind sie die Folge einer bakteriellen Harnwegsinfektion (v.a. bakterielle Blasenentzündung).

Die an einer solchen Infektion häufig beteiligten Bakterien stellen bei ihrem Stoffwechsel nämlich Ammonium her. Dabei handelt es sich um einen der Bestandteile, aus denen Struvitsteine aufgebaut sind (diese bestehen aus Magnesium, Ammonium und Phosphat). Dadurch erhöht sich dessen Konzentration im Harn. Andererseits kommt es durch die Stoffwechselvorgänge der Bakterien aber auch zu einem Anstieg des Urin-pH-Werts – hervorragende Voraussetzungen also für die Entstehung von Struvitsteinen.

Selten können Struvitsteine allerdings auch in sterilem (also bakterien-freiem) Urin entstehen. Wieso es dazu kommt, ist nicht ganz klar. Ein anhaltend hoher pH-Wert im Urin (hervorgerufen z.B. durch Medikamente, eine ungünstige Futterzusammensetzung oder Nierenerkrankungen) scheint aber die Bildung solcher steriler Struvitsteine zu begünstigen.

Struvitsteine können sehr groß werden (über 2 cm groß). Dabei sind sie manchmal ganz glatt. Sie können aber auch kantig und z.B. stern- oder pyramidenförmig sein.

Struvitsteine lassen sich meistens durch Behandlung der Harnwegsinfektion und ein spezielles Futter wieder auflösen.

Besonders häufig sind Hunde der Rassen Zwergschnauzer, Bichon Frisé, Shih Tzu, Dackel, Mops, Zwergpudel, Cocker Spaniel, Bernhardiner, Golden Retriever und Labrador Retriever von Struvitsteinen betroffen.

Wenn Harnsteine bei jungen Hunden (unter einem Jahr alt) vorkommen, handelt es sich meistens um Struvitsteine.

Kalziumoxalatsteine

Kalziumoxalatsteine sind deutlich häufiger bei männlichen Hunden zu finden (ca. 80% der Fälle).

So ganz genau weiß man noch nicht, wann und wieso sich diese Harnsteine bilden. Sie scheinen vor allem dann aufzutreten, wenn ein Hund besonders viel Kalzium (und/oder Oxalat) mit dem Urin ausscheidet. Dazu kann es beispielweise kommen, wenn er sehr viel von diesen Stoffen mit dem Futter aufnimmt, bestimmte Medikamente erhält oder an einer Krankheit leidet, die den Kalzium-Spiegel im Blut erhöht.

Anders als Struvitsteine sind Kalziumoxalatsteine nur selten die Folge einer bakteriellen Blasenentzündung (sie können aber – wie alle Harnsteine – zu einer solchen Infektion führen, u.a. indem sie die Blasenwand reizen. Das kommt allerdings nicht sehr häufig vor).

Damit sich Kalziumoxalatsteine bilden können, muss der Urin neutral oder sauer sein (also einen normalen bis niedrigen pH-Wert haben).

Kalziumoxalatsteine können recht klein sein, aber auch bis zu 1,5 cm groß werden. Dabei kann ihre Oberfläche abgerundet und glatt, aber auch rau und unregelmäßig sein.

Anders als bei Struvitsteinen ist eine Auflösung durch spezielles Futter oder Medikamente leider nicht möglich.

Kalziumoxalatsteine kommen v.a. bei übergewichtigen und/oder kastrierten Rüden vor. Am häufigsten sind kleine Rassen betroffen – insbesondere (in über 50% der Fälle) Hunde der Rassen Zwergschnauzer, Shih Tzu, Yorkshire Terrier, Chihuahua, Bichon Frisé und Malteser.

Leidet ein Hund unter Harnsteinen in den Harnleitern, handelt es sich in den meisten Fällen um Kalziumoxalatsteine.

Uratsteine

Uratsteine sind die „typischen“ Harnsteine bei Dalmatinern (in 75-96% der Fälle handelt es sich bei ihnen um Uratsteine). Schätzungen gehen davon aus, dass etwa ein Viertel aller männlichen Dalmatiner Harnsteine entwickelt. Aber auch bei englischen Bulldoggen sind Uratsteine weit verbreitet. Das liegt daran, dass diese Hunderassen häufig an einer bestimmten Stoffwechselstörung leiden, die die Entstehung dieser Steinart begünstigt.

Aber auch bei Hunden mit einer schweren Lebererkrankung sind Uratsteine keine Seltenheit – vor allem bei Krankheiten, die dazu führen, dass das Blut nicht ausreichend durch die Leber fließt, so dass es nicht entgiftet wird (sog. portosystemischer Shunt).

Damit Uratsteine entstehen können, muss der Urin neutral oder sauer sein (also einen normalen bis niedrigen pH-Wert aufweisen). Uratsteine sind typischerweise recht klein, glatt und rund oder eiförmig.

Symptome bei Harnsteinen

Die Symptome bei Hunden mit Harnsteinen können sehr unterschiedlich sein. Sie hängen u.a. davon ab, wie viele Steine ein Hund hat, wie groß sie sind, wo sie sitzen (z.B. Blasensteine vs. Nierensteine) und wie sie aufgebaut sind (z.B. abgerundete oder raue Oberfläche, rund oder sternförmig).

Symptome bei Blasensteinen

In manchen Fällen machen Blasensteine (wenn es nur wenige sind und ihre Oberfläche abgerundet ist) tatsächlich gar keine Probleme – und die betroffenen Hunde zeigen keine Symptome.

Häufig kommt es bei Blasensteinen allerdings zu den klassischen Symptomen einer Blasenentzündung: Die betroffenen Hunde leiden unter ständigem Harndrang – sie wollen ständig raus und pinkeln öfter als normal, setzen dabei aber immer nur eine kleine Menge Harn ab (teilweise nur einige Tropfen).

Oft wirkt es so, als würden die betroffenen Hunde richtig „pressen“, um möglichst viel Urin loszuwerden. Für viele Hunde mit Blasensteinen ist der Urinabsatz auch schmerzhaft (zu erkennen an Winseln, Schmatzen und/oder einem stark aufgekrümmten Rücken).

Es kann auch zu trübem, stinkenden und/oder blutigem Urin kommen.

Manche Hunde mit Blasensteinen verlieren ihre Stubenreinheit und pinkeln in die Wohnung. Das ist allerdings keine Folge mangelnder Erziehung, sondern liegt an ihren Schmerzen und ihrem ständigen Harndrang.

Symptome bei Harnsteinen in der Harnröhre (Harnröhrenverschluss)

Wenn Harnsteine in die Harnröhre abgeschwemmt werden und diese teilweise oder sogar vollständig blockieren („verstopfen“), wird das Bild dramatischer und die Situation lebensgefährlich!

Der Hund kann dann keinen oder kaum mehr Urin absetzen. Dadurch staut sich der Harn und die Blase wird immer voller. Irgendwann ist allerdings auch deren Aufnahmegrenze erreicht – und der Urin staut sich bis in die Nieren zurück. Die Folge kann ein (oft tödliches) akutes Nierenversagen oder eine Ruptur der Harnblase (d.h. die Blase „reißt“) sein.

Ein solcher Harnröhrenverschluss durch Harnsteine kommt häufiger bei männlichen Hunden vor.

Manchmal ist es gar nicht so leicht zu erkennen, ob ein Hund „nur“ Blasensteine hat und die typischen Blasenentzündungssymptome zeigt oder unter einem lebensgefährlichen Harnröhrenverschluss leidet. Ein hochgradiger Verdacht besteht aber immer dann, wenn

  • der Hund immer wieder versucht zu pinkeln, aber nichts kommt
  • der Hund zwar immer wieder einige Tropfen Urin absetzt, die über den Tag verteilte Harnmenge aber geringer ist als normal
  • Es dem Hund insgesamt schlecht geht und er weitere, allgemeine Symptome zeigt, wie Teilnahmslosigkeit/große Unruhe, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen oder eine schnelle, flache Atmung.

Wenn Sie diese Symptome bei Ihrem Hund feststellen, handelt es sich um einen absoluten Notfall – zögern Sie nicht, sondern suchen Sie so schnell wie möglich einen Tierarzt auf!

Symptome bei Nierensteinen/Harnleitersteinen

Hunde mit Harnsteinen in den Nieren oder in einem der beiden Harnleiter zeigen oft gar keine Symptome. Es kann aber auch zu blutigem Urin, wiederkehrenden bakteriellen Blasenentzündungen und (seltener) kolikartigen Bauchschmerzen kommen.

Andererseits können Harnsteine an diesen Stellen aber auch zu einer chronischen Nierenbeckenentzündung und/oder chronischen Niereninsuffizienz führen. In vielen Fällen ist den Hunden selbst dann nichts anzumerken (bzw. bei einer chronischen Niereninsuffizienz erst sehr spät). Die betroffenen Hunde können aber auch die typischen Symptome dieser Erkrankungen zeigen, also z.B. gesteigerten Durst und häufiges Absetzen großer Mengen Urin (Polydipsie/Polyurie), Appetitlosigkeit, Teilnahmslosigkeit, Abmagerung, Erbrechen, blutigen Urin und Bauchschmerzen/Schmerzen in der Nierenregion (bei Nierenbeckenentzündung).

Sind bei einem Hund beide Harnleiter durch Harnsteine verstopft, ist die Situation ganz ähnlich wie bei einer blockierten Harnröhre. Der von den Nieren produzierte Urin kann nicht abfließen und staut sich in den Nieren – mit gefährlichen Folgen: innerhalb kurzer Zeit kann es zu einem akuten Nierenversagen kommen. Auch hier handelt es sich also um einen lebensbedrohlichen Notfall! Die von einem solchen Harnleiterverschluss betroffenen Hunde zeigen dieselben Symptome wie Hunde mit Harnröhrenverschluss.

Ursachen und Risikofaktoren von Blasensteinen und Co

Ganz generell gilt, dass Hunde, die wenig Flüssigkeit aufnehmen (z.B. weil sie wenig trinken und/oder nur Trockenfutter fressen), ein erhöhtes Risiko für die Bildung von Harnsteinen haben. In diesem Fall gelangt nämlich weniger Flüssigkeit in den Urin, so dass der Harn stärker mit Salzen gesättigt ist. Dadurch können sie schneller kristallisieren und Steine bilden.

Und auch Hunde, die nur selten Urin absetzen, scheinen häufiger von Blasensteinen und Co betroffen zu sein. Bei diesen bleibt der Harn nämlich länger in der Blase. Dadurch haben die Salze mehr Zeit, sich zu Steinen zusammenzulagern.

Weitere Ursachen und Risikofaktoren für Harnsteine sind:

Struvitsteine:

  • Selten: Futter, Medikamente und Erkrankungen, die z.B. den Urin alkalisieren (also den pH-Wert erhöhen)

Kalziumoxalatsteine:

  • Übermäßige Gabe von Kalzium und/oder Vitamin D mit dem Futter
  • Futter, das den Urin ansäuert
  • Cushing-Syndrom (Hyperadrenokortizismus; Erkrankung, bei der es zu einer Überproduktion des körpereigenen Hormons Kortison in den Nebennieren kommt)
  • Hyperparathyreoidismus (Erkrankung, bei der es zu einer krankhaft gesteigerten Produktion des Botenstoffs Parathormon in den Nebenschilddrüsen kommt. Dieses reguliert den Kalzium-Spiegel im Blut.)
  • Medikamente
    • Kortison (z.B. Prednisolon, Dexamethason)
    • Furosemid (ein harntreibendes Medikament; wird häufig bei Herzinsuffizienz eingesetzt)
  • Aufnahme von viel Oxalat bzw. Oxalsäure (z.B. über Gemüse, Gras, Nüsse, Vitamin C)
  • Übergewicht (Adipositas)
  • Kastration

Uratsteine

  • Angeborene Stoffwechselstörung (v.a. Dalmatiner, Englische Bulldoggen)
  • Schwere Lebererkrankungen, v.a. portosystemischer Shunt (Erkrankung, bei der das Blut nicht durch die Leber hindurchfließt und daher auch nicht entgiftet wird; die Erkrankung kann angeboren sein, aber z.B. auch als Folge einer Leberzirrhose entstehen)

Untersuchungen und Diagnose bei Harnsteinen/Blasensteinen

Der Tierarzt wird Ihnen zunächst einige Fragen stellen, um möglichst viel über die Krankengeschichte Ihres Hundes zu erfahren – z.B. wie oft und wieviel Urin Ihr Hund absetzt und ob Sie weitere Symptome beobachtet haben.

Im Anschluss wird er eine allgemeine klinische Untersuchung durchführen. Dabei wird er besonders darauf achten, wie groß die Harnblase ist (ob sie also leer oder stark gefüllt ist) und ob die Berührung Ihrem Hund weh tut.

Normalerweise wird er auch eine rektale Untersuchung vornehmen. Dazu führt der Tierarzt einen Finger in den After Ihres Hundes ein und tastet damit den Enddarm und die benachbarten Strukturen, wie Harnröhre und Prostata, ab. So kann er Harnsteine – v.a. wenn sie in der Harnröhre sind – oft schon fühlen.

Untersuchung des Urins

Anschließend wird der Tierarzt den Urin Ihres Hundes untersuchen. Manchmal sind unter dem Mikroskop Kristalle (die „Vorläufer“ der Steine) im Harn zu erkennen. In Kombination mit den Symptomen kriegt der Tierarzt so einen guten Hinweis auf das Vorliegen von Harnsteinen. Eine endgültige Diagnose ist aber noch nicht möglich. Kristalle bedeuten nämlich nicht immer, dass der Hund auch tatsächlich unter Harnsteinen leidet – und andererseits müssen nicht bei jedem Hund mit Blasensteinen und Co Kristalle im Urin zu finden sein.

Die Urinuntersuchung ist auch nötig, um den pH-Wert des Harns herauszufinden. Dieser gibt einen Hinweis auf die Art des Harnsteins (niedriger pH-Wert = eher Kalziumoxalatsteine oder Uratsteine, hoher pH-Wert = eher Struvitsteine) und beeinflusst somit die Wahl der Behandlung.

Die Urinuntersuchung ist aber auch deswegen wichtig, weil gerade bei Struvitsteinen meistens gleichzeitig eine bakterielle Harnwegsinfektion vorliegt. Im Urin findet der Tierarzt dann üblicherweise Bakterien, Entzündungszellen und möglicherweise Blut.

Falls eine bakterielle Infektion vorliegt, macht es auch Sinn, eine Urinprobe in ein Labor einzuschicken. Dort kann mittels einer bakteriologischen Untersuchung inkl. Antibiogramm dann herausgefunden werden, ob die Bakterien bereits Antibiotikaresistenzen entwickelt haben und welches Antibiotikum am besten wirkt.

Röntgen- und Ultraschalluntersuchung

Mithilfe einer Röntgenuntersuchung ist es meistens möglich, die Diagnose „Harnsteine“ eindeutig zu stellen. So sind Kalziumoxalat- und Struvitsteine im Röntgenbild meist als helle oder sogar weiße „Flecken“ erkennbar. Es gibt allerdings auch Ausnahmen: manchmal sind die Steine zu klein, um dargestellt werden zu können, oder sie „verstecken“ sich hinter Knochen (z.B. Beckenknochen). Und manche Harnsteine – wie z.B. teilweise Uratsteine – sind aus einem Material aufgebaut, das beim Röntgen praktisch unsichtbar ist.

Blasenstein aus Struvit bei der Katze

Röntgenaufnahme – in diesem Fall von einer Katze – die einen Struvitstein in der Blase zeigt. Es handelt sich in diesem Fall also um einen Blasenstein. (Quelle: Bludwar, BladderStone, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons)

Wenn der Verdacht also groß ist, dass ein Hund an Harnsteinen leidet, beim Röntgen aber keine gefunden werden können, sind weitere Untersuchungen nötig – z.B. eine Ultraschalluntersuchung. Diese ist i.d.R. auch am besten geeignet, um Harnleitersteine zu erkennen.

Es kann aber auch eine sog. Röntgenkontrast-Untersuchung der Harnwege (Kontrast-Urographie) durchgeführt werden. Dabei wird ein sogenanntes Kontrastmittel entweder über die Vene oder über die Harnröhre verabreicht. Das Kontrastmittel sieht auf dem Röntgenbild ganz hell aus. Es legt sich in den Harnwegen um die Steine herum, so dass diese als schwarze Flecken oder „Aussparungen“ erkennbar werden. Wenn Steine die Harnleiter oder Harnröhre verstopfen, kann man sehen, dass kein (oder kaum) Kontrastmittel an den Steinen vorbeigelangt.

Weitere Untersuchungen bei Harnsteinen

Je nachdem, wie es dem betroffenen Hund geht, wo sich die Harnsteine befinden und welche Ursache für die Steine vermutet wird, wird der Tierarzt möglicherweise noch weitere Untersuchungen durchführen – z.B. eine Blutuntersuchung, also eine Beurteilung des Blutbilds und der Organwerte, oder eine Untersuchung der Harnwege mit einem Endoskop (Zystoskopie).

Auch um herauszufinden, wieso sich bei einem Hund überhaupt Harnsteine bilden, können weitere, speziellere Untersuchungen nötig werden (z.B. Hormonuntersuchungen, Bestimmung des Blut-Kalziumspiegels etc.)

Untersuchung der Harnsteinart

Wie schon erwähnt, hängt die Behandlung stark davon ab, um welche Harnsteinart es sich handelt. Dementsprechend ist es wichtig zu wissen, ob ein Hund unter Kalziumoxalat- oder Struvitsteinen leidet – oder unter noch etwas anderem.

Idealerweise lässt man dazu Harnsteine, die vom Hund ausgeschieden (oder vom Tierarzt entfernt) wurden, in einem speziellen Labor auf ihre Zusammensetzung untersuchen. Manchmal kann man dafür an kleine Blasensteine herankommen, wenn man ein feines Sieb in den Urinstrahl des Hundes hält.

Oft hat der Tierarzt aber keine Harnsteine zur Verfügung, die er untersuchen lassen könnte. In einem solchen Fall muss er „raten“, um welche Harnsteinart es sich bei einem Hund am ehesten handelt. Hinweise erhält er einerseits über den Vorbericht (v.a. Geschlecht, Rasse und Alter des Hundes) andererseits aber auch über die Ergebnisse der Urinuntersuchung (pH-Wert des Urins, Vorhandensein einer Infektion, Lage und Größe der Steine etc.).

Wenn Kristalle im Urin vorhanden sind, können manchmal auch sie Hinweise geben – allerdings stimmt die Art der Kristalle nicht immer mit der Art der Harnsteine überein. So können Hunde beispielsweise unter Kalziumoxalatsteinen leiden, trotzdem finden sich im Urin Struvitkristalle.

Wie schon erwähnt, sind Harnsteine in etwa 10% der Fälle aus mehreren unterschiedlichen Materialien aufgebaut. Das kann man aber nur durch eine Analyse herausfinden. Wenn eine Behandlung nicht anschlägt, sollte man das im Hinterkopf haben und eine Untersuchung durchführen.

Behandlung bei Harnsteinen

Die Behandlung von Harnsteinen hängt stark davon ab, wo sie sitzen, wie groß sie sind und um welche Harnsteinart es sich handelt.

Aber ganz egal ob ein Hund Blasensteine, Harnröhrensteine oder Nierensteine hat – es gilt: Solange er eine weitere, harnsteinfördernde Erkrankung hat, werden sich die Harnsteine nicht auflösen lassen bzw. nach einer Entfernung schnell wiederkommen. Deswegen sollten solche Krankheiten immer zusätzlich gut behandelt werden.

Wie schon erwähnt, leidet ein Hund, der Struvitsteine hat, beispielsweise fast immer auch an einer Harnwegsinfektion (bakterielle Blasenentzündung). Diese muss während der ganzen Zeit der Harnstein-Auflösung (und sogar noch ein bisschen länger) gut mit Antibiotika behandelt werden (mehr Informationen zur Behandlung von Harnwegsinfektionen).

In den Harnsteinen können sich nämlich Bakterien verstecken, die bei der Auflösung der Steine langsam wieder zum Vorschein kommen. Wenn zu diesem Zeitpunkt keine Antibiotika mehr gegeben werden, können diese Keime gleich wieder zu einer Infektion und damit auch wieder zur Harnsteinbildung führen.

Leidet ein Hund immer wieder unter bakteriellen Harnwegsinfektionen, sollte auch untersucht werden, ob es dafür eine Grundursache gibt (z.B. eine Erkrankung, die das Immunsystem schwächt).

Behandlung bei Blasensteinen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten Blasensteine zu entfernen. Welche davon am besten geeignet ist, hängt von vielen Faktoren ab, z.B. was für Steine es sind, wo sie sitzen, wie stark die von ihnen verursachten Symptome sind und welches Geschlecht der Hund hat. Der Tierarzt wird deswegen je nach Situation entscheiden, welche Methode am besten geeignet ist.

Auflösung der Blasensteine

Einige Arten von Harnsteinen lassen sich mit Medikamenten oder einer speziellen Diät auflösen.

Bei Struvitsteinen ist das zum Beispiel möglich, wenn über einige Wochen bis Monate ein spezielles, den Urin ansäuerndes Futter und – falls auch eine Infektion vorliegt – ein Antibiotikum (s.u.) verabreicht wird. Allerdings müssen in dieser Zeit immer wieder Urin- und Röntgenuntersuchungen durchgeführt werden (etwa einmal im Monat), um sicherzustellen, dass die Behandlung auch wirkt.

Ähnliches gilt für Uratsteine. Auch sie können durch ein spezielles Futter und Gabe eines Medikaments namens Allopurinol oft aufgelöst werden.

Chirurgische Entfernung der Blasensteine

Bei vielen anderen Harnsteinen, wie z.B. solchen aus Kalziumoxalat, ist eine Auflösung leider nicht möglich – dann müssen die Blasensteine anders entfernt werden. Und auch bei Harnsteinarten, die sich theoretisch auflösen lassen, kann es manchmal nötig sein, auf andere, schnellere Methoden zurückzugreifen (z.B. wenn der Hund unter sehr starken Symptomen leidet).

Wenn die Blasensteine klein genug sind, können sie (vor allem bei weiblichen Hunden) oft unter Narkose aus der Blase herausgespült und -massiert werden (sogenannte Urohydropropulsion).

Funktioniert diese Methode nicht (z.B. weil die Steine zu groß sind), kann eine endoskopische Entfernung der Steine versucht werden. Dabei wird eine schlauchförmige Kamera über die Harnröhre in die Blase eingeführt. Die Blasensteine werden dann mit einer Art „Greifarm“ gepackt und herausgezogen.

Sind die Harnsteine auch für diese Methode zu groß, ist es unter Umständen möglich, sie mit einem Laser, der über die Harnröhre eingeführt wird, zu zertrümmern (sog. intrakorporale Laser-Lithotripsie). Dadurch entstehen kleinere Stein-Bruchstücke, die herausgespült/-massiert oder endoskopisch entfernt werden können.

Beide Methoden (Endoskopie und v.a. Lithotripsie) stehen allerdings i.d.R. nur in Kliniken zur Verfügung (und auch nicht in allen).

Scheitern all diese schonenden Methoden (bzw. stehen sie nicht zur Verfügung) und bereiten die Blasensteine dem Hund Probleme, bleibt nur, sie chirurgisch zu entfernen (stark vereinfacht, wird die Blase dann also aufgeschnitten und die Steine werden herausgeholt; dies ist u.U. auch minimal invasiv/endoskopisch möglich).

Behandlung bei Harnröhrensteinen

Wenn Harnsteine in der Harnröhre sitzen und sie verschließen, ist das ein akuter, lebensbedrohlicher Notfall. Die Hunde sollten so schnell wie möglich behandelt werden.

Grundsätzlich gibt es verschiedene Möglichkeiten, mit denen man versuchen kann, die Steine direkt aus der Harnröhre zu entfernen – wie bei Blasensteinen mithilfe eines „Greifarms“ an einem Endoskop oder durch eine intrakorporale Laser-Lithotripsie. Wie schon erwähnt, stehen diese Methoden aber leider nur in größeren Kliniken zur Verfügung.

Hat man diese Optionen nicht, ist es am sinnvollsten die Harnsteine zunächst wieder zurück in die Harnblase zu spülen – dann kann der Urin erst mal wieder abfließen. Je nachdem, um welche Harnsteinart es sich handelt, kann man anschließend versuchen, die Steine durch Futterumstellung und/oder Medikamente aufzulösen (s.u.).

Falls das nicht geht (z.B. bei Kalziumoxalatsteinen) bleibt nur eine chirurgische Entfernung. Auch hierfür ist es aber sinnvoller, wenn die Harnsteine in der Blase sind statt in der Harnröhre. In diese zarte Struktur sollte man nämlich nur reinschneiden, wenn es wirklich gar nicht anders geht – das Risiko für Komplikationen und Langzeitschäden (z.B. Narbenbildung) ist hierbei nämlich deutlich größer als wenn man in die Harnblase schneidet!

Hunden mit einem Harnröhrenverschluss geht es oft relativ schlecht. In den meisten Fällen müssen die betroffenen Vierbeiner deswegen nach der Behandlung zunächst stationär beim Tierarzt bleiben. So kann dieser sie optimal versorgen (z.B. mittels Infusionen, Schmerzmitteln) und auch ihren Urinabsatz überwachen.

Leiden Rüden immer wieder unter Harnröhrenverschlüssen kann es sinnvoll sein, im Bereich der Hoden (bzw. an der Stelle, an der diese einmal waren) einen künstlichen Ausgang für den Urin zu schaffen. Häufig bleiben Harnsteine nämlich im Bereich des Penis (vor dem Penisknochen) stecken. Verlässt der Urin schon vor dieser Engstelle den Körper, kann es nicht so leicht zu einem lebensbedrohlichen Harnröhrenverschluss kommen.

Behandlung bei Nierensteinen

Viele Nierensteine verursachen keine Symptome und werden nur zufällig entdeckt.

In einem solchen Fall kann man versuchen, die Steine durch eine Futterumstellung und Antibiotika aufzulösen (in 20-30% der Fälle handelt es sich um Struvitsteine). Von einer chirurgischen Entfernung asymptomatischer Nierensteine (also von Nierensteinen, die keine Symptome verursachen) wird dagegen abgeraten. Die Nieren könnten dabei nämlich geschädigt werden, so dass die potentiellen Nachteile die Vorteile überwiegen. Die Devise lautet in einem solchen Fall also: Abwarten und beobachten.

Nur wenn die Nierensteine Probleme verursachen (z.B. Harnabflussstörung, immer wiederkehrende Infektion, Schmerzen etc.), sollten sie entfernt werden (zum Glück ist dies nur in unter 5% der Fälle nötig). Idealerweise wird hierfür ein minimal-invasives Verfahren eingesetzt, z.B. Zertrümmerung der Steine durch Stoßwellen (besonders starke Schallwellen) von außerhalb des Körpers (extrakorporale Stoßwellen-Lithotripsie) oder endoskopische Entfernung. Leider stehen beide Verfahren nur in einigen ausgewählten Kliniken zur Verfügung.

Behandlung bei Harnleitersteinen

Bei der Behandlung von Harnleitersteinen kommt es stark darauf an, ob sie den Urinabfluss behindern oder nicht.

Falls sie die Harnröhre nicht blockieren und es dem Hund gut geht, kann unter Umständen erst mal abgewartet werden, ob sie von alleine abgehen. Das kann allerdings eine Zeit lang dauern (u.U. mehrere Wochen), während der der Hund sehr gut beobachtet und auch immer wieder untersucht werden muss.

Behindern Harnleitersteine den Urinabfluss, muss dagegen auf jeden Fall sofort gehandelt werden.

Bei einem teilweisen Verschluss, bei dem es dem Hund sonst gut geht, kann unter Umständen – und unter sehr enger Überwachung – eine konservative Behandlung versucht werden (d.h. es wird versucht, den Stein ohne chirurgischen Eingriff zu entfernen, also mit verschiedenen Medikamenten und Infusionen). Oft scheitert dieser Versuch allerdings.

In diesem Fall – oder wenn der Versuch einer konservativen Behandlung nicht in Frage kommt – stehen dann grundsätzlich drei Methoden zur Verfügung, um dem Hund zu helfen: 1) die Platzierung eines sogenannten Stents, 2) eine extrakorporale Stoßwellen-Lithotripsie (ESL) und 3) chirurgische Entfernung des Harnsteins.

Bei der 1. Methode (Stent) wird eine Art „Röhrchen“ in den Harnleiter gesetzt, das diesen erweitert und offenhält. Dadurch kann der Urin am Harnstein vorbeifließen – und der Stein kann möglicherweise abgehen. Meist kann der Eingriff endoskopisch über die Harnröhre erfolgen.

Bei Variante 2 (ESL) werden außerhalb des Körpers Stoßwellen erzeugt. Diese zerbrechen den blockierenden Harnstein in kleinere Fragmente, die durch den Harnleiter durchpassen. Allerdings sind bei dieser Methode meist mehrere Behandlungen nötig.

Bei Hunden wird im Allgemeinen dazu geraten, einen Stent zu setzen (evtl. in Kombination mit einer extrakorpalen Stoßwellen-Lithotripsie). Diese Behandlung hat die besten Erfolgsaussichten und die niedrigste Komplikationsrate. Allerdings handelt es sich hierbei um einen Eingriff, der nur von erfahrenen Chirurgen durchgeführt werden sollte. Aus diesem Grund wird er i.d.R. auch nur von Kliniken angeboten. Stents können langfristig im Harnleiter verbleiben, nach erfolgreicher Behandlung aber auch wieder entfernt werden.

Eine Auflösung von Steinen, die den Harnleiter blockieren, ist übrigens leider nicht möglich. Erstens handelt es sich nämlich in den meisten Fällen um Kalziumoxalatsteine und zweitens müssen die Steine dafür in Urin „baden“ – was bei Harnsteinen, die im Harnleiter festsitzen, nicht der Fall ist. Zunächst muss also der Urin wieder fließen können (z.B. nach Setzung eines Stents), dann können zumindest Struvitsteine (und einige andere Steinarten) aufgelöst werden.

Fast immer ist es bei blockierenden Harnleitersteinen nötig, dass der Hund eine Zeit lang in der Klinik bleibt.

Prognose bei Harnsteinen

Prognose bei Blasensteinen

Die Prognose bei Blasensteinen ist i.d.R. sehr gut. Allerdings besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit für ein Rezidiv, also für eine erneute Entwicklung von Harnsteinen. Etwa jeder vierte Hund, der einmal Harnsteine hatte, bekommt wieder welche. Vor allem bei Kalziumoxalatsteinen ist eine solche wiederkehrende Erkrankung wahrscheinlich (etwa jeder zweite Hund erkrankt wieder).

Prognose bei Harnröhrensteinen

Bei Harnröhrensteinen ist die Prognose bei korrekter Behandlung vorsichtig bis gut – vorausgesetzt es sind noch keine schweren (Nieren-)Schäden entstanden. Unbehandelt ist ein kompletter oder schwerer Harnröhrenverschluss nach 2-3 Tagen tödlich.

Prognose bei Nierensteinen

Die Prognose bei Nierensteinen hängt stark vom einzelnen Fall ab – z.B. wo genau die Steine sitzen, ob sie Probleme verursachen und ob sie entfernt werden müssen. Bei asymptomatischen Nierensteinen ist die Prognose meist gut. Verursachen die Nierensteine Probleme, so dass sie entfernt werden müssen, ist die Prognose vorsichtig.

Prognose bei Harnleitersteinen

Leidet ein Hund unter Harnsteinen in den Harnleitern, ist die Prognose vorsichtig.

Allerdings hängt sie auch stark von der gewählten Behandlungsmethode (sie ist besser bei einer Stent-Platzierung als bei einer chirurgischen Entfernung) und der Erfahrung des Chirurgen ab. Auch ob die Blockade einen oder beide Harnleiter betrifft, ob sie partiell oder total ist und wie lange sie angehalten hat, spielt eine Rolle.

So gilt z.B. bei einem einseitigen Verschluss: je länger der Zustand anhält, desto schwerer wird die jeweilige Niere geschädigt. Bei einer frühen Behandlung sind die Aussichten also besser, dass sich die Niere vollständig erholt. Ein kompletter, beidseitiger Verschluss endet dagegen ohne Behandlung nach nur 2-3 Tagen tödlich.

Vorbeugung gegen Blasensteine und Co

Wie gerade erwähnt, ist es leider nicht ungewöhnlich, dass Hunde, die einmal Blasensteine oder andere Harnsteine hatten, wieder welche bekommen. Langfristig sollten deswegen einige Maßnahmen getroffen werden, um das möglichst gut zu verhindern.

Aber auch bei Hunden, die aus einem anderen Grund ein hohes Risiko für Harnsteine haben (z.B. übergewichtige, kastrierte Rüden der häufig betroffenen Rassen) können sie dabei helfen, Harnsteinen vorzubeugen:

  • Einer der wichtigsten Punkte ist die Steigerung der Wasseraufnahme. Wenn Hunde viel Flüssigkeit aufnehmen, wird der Urin nämlich wässriger und der Salzgehalt im Urin bleibt niedriger. Dadurch können sich nicht so leicht Kristalle bzw. Harnsteine bilden. Um die Wasseraufnahme zu erhöhen, sollten Sie Ihrem Hund Feucht- statt Trockenfutter geben oder das Trockenfutter in Wasser „einlegen“ bzw. einweichen.
  • Je nach Steinart wird der Tierarzt Ihrem Hund auch ein spezielles Futter verordnen, das den Urin so verändert, dass sich nicht so leicht Steine bilden können. Solche Spezialdiäten sollten allerdings nie ohne Absprache mit dem Tierarzt gefüttert werden!
  • Geben Sie Ihrem Hund häufig die Chance Urin abzusetzen. Wenn er öfter pinkelt, bleibt der Urin nämlich nicht so lange in der Blase – und kann nicht so leicht kristallisieren.
  • Bei Hunden, die schon mal Harnsteine hatten, sollte regelmäßig der Urin untersucht und gegebenenfalls Röntgenbilder angefertigt werden. Falls sich (wieder) Steine gebildet haben, werden diese so früher entdeckt und können dadurch leichter behandelt werden (weil sie noch kleiner sind). Das erspart dem Hund möglicherweise eine (weitere) Operation.
  • Grunderkrankungen (vor allem solche, die zu Harnsteinen führen können, z.B. das Cushing-Syndrom), sollten früh erkannt und korrekt behandelt Dementsprechend sind regelmäßige Gesundheitschecks beim Tierarzt sinnvoll.
  • Vor allem wenn ein Hund Struvitsteine hatte, ist es entscheidend, den Hund immer gut zu beobachten. Sobald er Anzeichen einer Blasenentzündung zeigt (häufiges Absetzen kleiner Mengen Urin, Schmerzen beim Urinabsatz), sollte auf jeden Fall ein Tierarzt aufgesucht und die Infektion behandelt werden. Dann können Harnsteine schon bekämpft werden, bevor sie überhaupt entstehen.
  • Der Hund sollte fit und schlank gehalten werden. Übergewichtige Hund neigen eher zu Harnsteinen.
  • Bei Fütterung einer selbstgekochten oder rohen Diät sollte eine spezielle Rationsberechnung bei einem auf Ernährung spezialisierten Tierarzt erfolgen. Fehler in der Futterzusammensetzung können nämlich ebenfalls zur Entstehung von Harnsteinen führen.
  • Je nach Harnsteinart kann es auch sein, dass der Tierarzt Ihrem Hund Medikamente verordnet.

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Quellen

20. Juni 2019

Von Dr. Iris Wagner-Storz