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Blut im Urin beim Hund

Andere Bezeichnungen: Blutiger Urin, Roter Harn, Hämaturie

///Blut im Urin beim Hund

Findet man Blut im Urin des Hundes (mediz.: Hämaturie) erschrickt man meistens sehr! Und tatsächlich sollte man einen Besuch beim Tierarzt in diesem Fall auch nicht auf die lange Bank schieben. Denn obwohl oft eine relativ harmlose Ursache (z.B. eine Blasenentzündung) hinter dem Problem steckt, können auch schwere Erkrankungen, wie z.B. Harnblasenkrebs, zu Blut im Urin führen.

Beschreibung

Normalerweise hat Urin beim Hund eine hellgelbe bis orange-dunkelgelbe Farbe. Ist der Harn plötzlich rot oder blutig, sieht das sehr dramatisch aus.

Blutiger Urin im Schnee

Im Schnee lässt sich Blut im Urin besonders gut erkennen.

Dabei kommt die rote Farbe nicht immer von Blut im Urin. Selten sorgen auch Farbstoffe für die rötliche Färbung.

Andererseits kann auch Blut im Urin sein, obwohl der Harn des Hundes gar nicht rot aussieht. In einem solchen Fall spricht man von Mikrohämaturie oder okkulter Hämaturie. Der Tierarzt kann diese bei einer Urinuntersuchung feststellen.

Wieso ist der Urin rot?

Meistens ist die Ursache für die rötliche Färbung tatsächlich Blut im Urin (Hämaturie), d.h. es befinden sich rote Blutkörperchen (Erythrozyten) im Harn des Hundes.

Dabei kann das Blut überall dort in den Urin gelangen, wo er bis zum Verlassen des Körpers vorbeifließt: Der Harn entsteht in den Nieren, fließt von dort über die Harnleiter in die Harnblase und schließlich über die Harnröhre zum „Ausgang“ (dieser befindet sich bei weiblichen Hunden in der Scheide, bei männlichen Hunden an der Penisspitze). Alle diese Harnorgane können Ursprung von Blut im Urin sein.

Allerdings kann es auch aus den Geschlechtsorganen stammen (beim weiblichen Hund z.B. aus Gebärmutter oder Scheide; beim Rüden z.B. aus Prostata oder Penis). Denn diese verwenden den gleichen Ausgang wie die Harnorgane (bzw. sind sogar selbst der Ausgang), so dass sich das Blut aus den Geschlechtsorganen in den Harn mischen kann.

Es kann auf zwei Wegen zu Blutungen in den Harn- und Geschlechtsorganen kommen:

  • Häufiger: Blutende Verletzungen (Läsionen) in den Harn- oder Geschlechtsorganen

    Solche Wunden können z.B. durch eine Entzündung, einen Tumor oder raue Strukturen wie Harnsteine auftreten.

  • Seltener: Blutungen als Folge einer Gerinnungsstörung

    Wenn die Blutgerinnung nicht ausreichend funktioniert (z.B. nach Aufnahme von Rattengift), kann es überall im Körper zu spontanen Blutungen kommen (d.h. ohne vorherige Verletzung). Entstehen sie in den Harn- oder Geschlechtsorganen, kommt es zu Blut im Urin. Meistens bluten die betroffenen Hunde auch noch in anderen Organen (z.B. Nase, Haut, Magen-Darm-Trakt).

Roter Urin durch Farbstoffe im Blut

In selteneren Fällen können aber auch im Blut vorhandene Farbstoffe den Urin rot färben. Diese werden in den Nieren aus dem Blut herausgefiltert, gelangen so in den Harn und färben ihn rötlich.

Die Farbstoffe können theoretisch aus dem Futter stammen (z.B. bei Fütterung großer Mengen roter Bete), allerdings ist das recht selten. Häufiger handelt es sich bei den Farbstoffen um Hämoglobin (den Blutfarbstoff) oder Myoglobin (den Farbstoff aus Muskeln).

Hämoglobin sorgt in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) für den Sauerstofftransport. Es gelangt ins Blut, wenn die roten Blutkörperchen in den Blutgefäßen zerstört werden (sog. intravasale Hämolyse; z.B. durch das eigene Immunsystem bei einer Autoimmunreaktion). Gehen sehr viele Erythrozyten kaputt und wird sehr viel Hämoglobin freigesetzt, gelangt es auch in den Urin. Man spricht dann von Hämoglobinurie. Die betroffenen Hunde leiden üblicherweise auch an einer Blutarmut.

Myoglobin gelangt ins Blut, wenn die Muskeln eines Hundes sehr stark geschädigt werden (z.B. bei einer großen Verletzung). Gelangt das Myoglobin in den Urin, sprechen Mediziner von einer Myoglobinurie.

Ursachen

Blut im Urin bzw. roter Urin beim Hund kann sehr viele Ursachen haben.

Die häufigsten Ursachen für Blut im Urin bzw. rotem Urin:

  • Bakterielle Blasenentzündung
  • Harnsteine in der Harnblase/Harnröhre
  • Erkrankungen der Prostata
  • Tumoren der unteren Harnwege (Krebs der Harnblase/Harnröhre)
  • Physiologische (normale) Blutung aus der Scheide während der Läufigkeit

Bakterielle Blasenentzündung

Die bakterielle Blasenentzündung ist die häufigste Ursache von Blut im Urin beim Hund. Bakterien in der Harnblase führen hierbei zu einer Entzündung der Blasenwand. Sie kann so stark sein, dass blutende Wunden entstehen.

Die betroffenen Hunde haben einen ständigen Harndrang und setzen immer wieder kleine Mengen (z.T. tröpfchenweise) Urin ab (Pollakisurie). Bei vielen Hunden ist das Pinkeln auch schmerzhaft (Strangurie). Eine bakterielle Blasenentzündung lässt sich in der Regel gut mit Antibiotika behandeln.

Harnsteine

Bei Harnsteinen handelt es sich um kleine, steinartige Gebilde in den Harnwegen. Durch ihre teilweise raue Oberfläche können sie die Schleimhaut schädigen und so die Ursache von Blut im Urin sein. Meistens kommen Harnsteine beim Hund in der Blase vor.

Dort führen sie zu den gleichen Symptomen wie eine bakterielle Blasenentzündung (Pollakisurie und Strangurie). Sie können allerdings auch in die Harnröhre abgeschwemmt werden und zu einem lebensgefährlichen Harnröhrenverschluss führen – die Hunde können dann kaum noch oder gar keinen Urin mehr absetzen.

Prostata-Erkrankungen

Erkrankungen der Prostata kommen nur beim Rüden vor – denn weibliche Hunde haben dieses Organ nicht. Es gibt verschiedene Prostataerkrankungen, bei denen es zu Blut im Urin kommen kann: gutartige Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie), Entzündung der Prostata (Prostatitis bzw. Prostata-Abszess), Prostata-Zysten (flüssigkeitsgefüllte Hohlräume) und leider auch Prostatakrebs.

Abgesehen vom Prostatakrebs kommen all diese Erkrankungen häufiger bei unkastrierten Hunden vor.

Die betroffenen Rüden haben oft zusätzlich Probleme und Schmerzen beim Kotabsatz (Tenesmus), die „Kotwurst“ ist teilweise flach „gepresst“. Manche Hunde zeigen auch einen steifen Gang und/oder Probleme beim Pinkeln (z.B. häufiges Absetzen kleiner Mengen Urin, ständiger Harndrang). Stammt das Blut im Urin aus der Prostata, haben die Hunde oft auch blutigen Ausfluss aus dem Penis, wenn sie gerade nicht pinkeln.

Tumoren der unteren Harnwege

Leider kann auch Krebs der Harnblase oder Harnröhre die Ursache von Blut im Urin sein. Meistens sind mittelalte bis alte Hunde betroffen. Kleinere Hunderassen und kastrierte weibliche Hunde haben ein erhöhtes Risiko zu erkranken.

Hunde mit Blasen- oder Harnröhrenkrebs leiden häufig auch unter Harndrang, häufigem Absetzen kleiner Mengen Urin, Schmerzen beim Pinkeln und/oder Harn-Inkontinenz. Die Langzeit-Prognose bei dieser Erkrankung ist leider schlecht.

Physiologische (normale) Blutung aus der Scheide während der Läufigkeit

Wenn das Blut im Urin bei einer unkastrierten Hündin auftritt, kann allerdings auch ein ganz harmloser Grund dahinterstecken: die Läufigkeit. Während dieser Zeit ist ein blutiger Ausfluss aus der Scheide ganz normal. Beim Pinkeln kann es dann so aussehen, als ob Blut im Urin wäre.

Läufige Hündinnen riechen meist auch sehr attraktiv für Rüden – weswegen diese versuchen, sie zu besteigen. Die Schamlippen (Vulva) läufiger Hündinnen sind i.d.R. stark geschwollen.

Gelegentliche Ursachen für blutigen Urin bzw. roten Urin:

  • In den unteren Harnwegen (Harnblase, Harnröhre):

    • Verletzungen (Trauma)
    • Angeborene oder erworbene anatomische Fehlbildungen, z.B. Polypen
    • Gabe von Cyclophosphamid – ein Medikament zur Chemotherapie

(Häufige zusätzliche Symptome: Harndrang, häufiges Absetzen kleiner Mengen Urin, Schmerzen beim Pinkeln)

  • In den oberen Harnwegen (Nieren, Harnleiter):

    • Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) oder Entzündung der Nierenkörperchen (Glomerulonephritis)
    • Harnsteine
    • Nierenzysten (flüssigkeitsgefüllte Hohlräume in den Nieren)
    • Tumoren (Nierenkrebs)
    • Niereninfarkt
    • Verletzung (Trauma) (z.B. Autounfall)

(Mögliche zusätzliche Symptome: Appetitlosigkeit, Teilnahmslosigkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Gewichtsverlust und/oder vermehrter Durst & Absetzen großer Harnmengen)

  • In den Geschlechtsorganen:

    • Gebärmuttervereiterung/-entzündung (Pyometra) (v.a. unkastrierte Hündinnen)
    • Entzündung der Scheide (Vaginitis)
    • Verletzung (Trauma) (z.B. an Scheide bzw. Penis nach gewaltsamen Trennen von Rüden und Hündin während des Deckaktes)
    • Tumoren in Scheide oder Gebärmutter bzw. am Penis

(Mögliche zusätzliche Symptome: blutiger oder eitriger, stinkender Ausfluss aus Scheide bzw. Penis unabhängig vom Harnabsatz, Schwellung des Penis, Appetitlosigkeit, Fieber, Erbrechen und/oder vermehrter Durst & Absetzen großer Harnmengen)

Seltene Ursachen für Blut im Urin bzw. roten Urin beim Hund:

  • Störung der Blutgerinnung, z.B. durch

    • Autoimmunkrankheiten (v.a. Immunmediierte Thrombozytopenie, dabei kommt es zur Zerstörung der Blutplättchen)
    • Verschiedene Infektionskrankheiten, z.B. Ehrlichiose, Leishmaniose, Dirofilariose (Herzwürmer)
    • Verschiedene Tumoren (z.B. Lymphom, Milztumor, Hodentumor)
    • Vergiftungen, z.B. mit Rattengift, Aspirin (Acetylsalicylsäure), Östrogen (Antibabypille)
    • Hitzschlag

(Weitere mögliche Symptome sind Nasenbluten, blutiger Kot, blutiges Erbrechen, Einblutungen in die Haut, blasse Schleimhäute)

  • Hämoglobinurie (d.h. Ausscheidung von Blutfarbstoff mit dem Urin), z.B. bei

    • Autoimmunhämolytischer Anämie (Autoimmunerkrankung, bei der es zur Zerstörung der roten Blutkörperchen kommt)
    • Babesiose (Infektionskrankheit)
    • Vergiftung, z.B. mit Kupfer, Zwiebeln, Knoblauch
    • Hitzschlag

(Weitere mögliche Symptome sind blasse, evtl. sogar bläuliche oder gelbe Schleimhäute, schnelle Atmung, Schwäche)

  • Myoglobinurie (d.h. Ausscheidung von Muskelfarbstoff mit dem Urin), z.B. bei

    • Muskelentzündung (Myositis)
    • Schweren Verletzungen der Muskeln, z.B. große Quetschwunden
    • Großer Überanstrengung (z.B. bei Hunderennen)

(Weitere mögliche Symptome sind Muskelschmerzen, Muskelschwellung, Schwäche)

  • Aufnahme von Futterfarbstoffen, z.B. beim Fressen großer Mengen roter Bete

Dann sollten Sie zum Tierarzt

Wenn Ihr Hund Blut im Urin hat bzw. der Harn rot verfärbt ist, sollten Sie möglichst bald einen Tierarzt aufsuchen (Ausnahme: läufige Hündin). Denn bei praktisch allen möglichen Ursachen gilt: je schneller eine Behandlung erfolgt, desto besser!

Wenn es Ihrem Hund zusätzlich zum Blut im Urin sehr schlecht geht (z.B. starkes Erbrechen, sehr blasse oder bläuliche Schleimhäute, weitere Blutungen z.B. aus der Nase, kein Harnabsatz) handelt es sich um einen Notfall und Sie sollten so schnell wie möglich zum Tierarzt fahren.

Untersuchungen und Diagnose

Als erstes wird Sie der Tierarzt genau zu den beobachteten Symptomen befragen (Anamnese). Im Anschluss wird er sich den Hund in einer klinischen Allgemeinuntersuchung gründlich anschauen und v.a. den Bauch und (bei Rüden) den Penis abtasten.

Um herauszufinden, ob es sich wirklich um Blut im Urin handelt und um erste Hinweise auf die Ursache zu erhalten, wird der Tierarzt dann eine Urinuntersuchung durchführen. Hierbei kann der Tierarzt auch unterscheiden, ob es sich um eine echte Hämaturie handelt (Blut im Urin) oder ob eine Hämoglobinurie bzw. Myoglobinurie vorliegt. In den meisten Fällen ist außerdem eine Blutuntersuchung (Blutbild, Organwerte, gegebenenfalls Gerinnungswerte) angebracht.

Untersuchungen zur Feststellung der Ursache

Hat der Tierarzt mithilfe dieser Untersuchungen die Diagnose „Blut im Urin“ bzw. Hämoglobinurie oder Myoglobinurie gestellt, wird er im nächsten Schritt versuchen herauszufinden, was die Ursache dafür ist – im Falle einer Hämaturie wird er also untersuchen, wo das Blut in den Urin gelangt. Denn nur dann kann auch die auslösende Erkrankung korrekt behandelt werden.

Oft hat der Tierarzt nach der Urin- und Blutuntersuchung bereits einen Verdacht und manchmal (z.B. bei einer Blasenentzündung) ist die Ursache zu diesem Zeitpunkt sogar schon klar.

In anderen Fällen sind allerdings weitere Untersuchungen erforderlich. So müssen z.B. die Geschlechtsorgane genauer untersucht werden, wenn der Tierarzt den Verdacht hat, dass das Blut im Urin von dort stammt. Bei männlichen Hunden kann die Prostata durch eine rektale Untersuchung abgetastet werden (dabei wird u.a. die Prostata mit einem in den Enddarm eingeführten Finger untersucht). Bei Hündinnen kann eine Vaginoskopie nötig sein (Untersuchung der Scheide mit einem Spekulum).

Um sich die Harn- und Geschlechtsorgane näher anschauen zu können, wird häufig auch eine Röntgen– und/oder Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Damit können Harnsteine, Eiteransammlungen (wie z.B. bei einer Gebärmuttervereiterung) sowie Veränderungen der Organe wie z.B. Tumoren oder Zysten meistens erkannt werden.

Wenn es mit diesen Untersuchungen nicht möglich ist, die Ursache für das Blut im Urin bzw. die rote Farbe des Harns zu finden, können noch weitere Untersuchungen nötig sein (z.B. Entnahme von Gewebeproben aus veränderten Bereichen, endoskopische Untersuchung der Harnröhre und -blase, Röntgenkontrast-Untersuchung der Harnwege, Beurteilung einer Spermaprobe).

Behandlung

Die Behandlung (und auch die Prognose) eines Hundes mit Blut im Urin bzw. rotem Urin hängt stark von der zugrundeliegenden Krankheit ab.

Das können Sie selbst tun

Bei Blut im Urin bzw. rotem Urin beim Hund sollte man nicht abwarten und keine Behandlung mit Hausmitteln versuchen (Ausnahme: läufige Hündin. Lesen Sie hier mehr zur Läufigkeit bei der Hündin – inklusive Tipps, wie Sie sie möglichst stressfrei überstehen).

Sie können aber schon vor dem Besuch beim Tierarzt wichtige Informationen sammeln. Beobachten Sie Ihren Hund genau: Wann befindet sich Blut im Urin? Am Anfang, in der Mitte, am Ende des Harnabsatzes? Oder während der gesamten Pinkel-Zeit? Und sehen Sie auch blutigen oder eitrigen Ausfluss aus Scheide bzw. Penis, wenn Ihr Hund nicht pinkelt? Zeigt Ihr Hund Schmerzen beim Pinkeln oder Koten und sind die Urinmengen pro Harnabsatz kleiner oder größer als üblich?

Teilen Sie diese Informationen unbedingt Ihrem Tierarzt mit.

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Quellen

28. November 2017

Von Dr. Iris Wagner-Storz

2018-10-27T20:37:45+00:00

Über den Autor:

Als ursprüngliche Schwäbin bin ich 2007 nach München gezogen um Tiermedizin an der LMU zu studieren. Anschließend hab ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München geschrieben – über eine neue Art der Immuntherapie bei Hunden mit Umweltallergie. Meine Lieblingsbereiche sind die Dermatologie, die Innere Medizin und Infektionskrankheiten. Ich bin stolze Dosenöffnerin für meine beiden Miezen Nini und Clyde, liebe alle Tiere (Katzen aber natürlich besonders) und habe eine Schwäche für Kuchen.