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Birkenzucker (Xylit, Xylitol) – giftig für Hunde!

///Birkenzucker (Xylit, Xylitol) – giftig für Hunde!

Xylit bzw. Birkenzucker erfreut sich wachsender Beliebtheit. Der Zuckerersatzstoff verspricht Süße bei wenig Kalorien und ohne Karies auszulösen. Er ist deswegen in immer mehr Lebensmitteln, Kaugummis und Zahnpasten enthalten. Für Hunde kann Birkenzucker allerdings zur tödlichen Gefahr werden!

Was ist Xylit/Birkenzucker?

Xylit (auch Birkenzucker, Xylitol oder E 967 genannt) ist als natürlicher Zuckeralkohol in vielen Gemüsesorten und Früchten enthalten (allerdings in sehr geringer und für Hunde unbedenklicher Menge). Inzwischen findet man Xylit aber auch in vielen Lebensmitteln wie Gebäck, Keksen, Kaugummis, Bonbons oder Fruchtgummis sowie in Pulverform zum Backen und Kochen.

Denn wie der Alternativname „Birkenzucker“ schon verrät, schmeckt Xylit süß – und hat dabei sehr viel weniger Kalorien als normaler Haushaltszucker (Saccharose). Es wird deswegen in immer mehr Lebensmitteln und Produkten als Zuckerersatzstoff verwendet.

Weil Xylitol auch einen positiven Einfluss auf die Zahngesundheit haben und Karies entgegenwirken soll, findet sich Xylit auch in vielen zuckerfreien Kaugummis und in Zahnpasta.

Für den Menschen ist Xylit als Süßstoff (soweit man das heute beurteilen kann) unbedenklich und hat vermutlich sogar positive Eigenschaften – für Hunde sind Lebensmittel mit Birkenzucker allerdings höchst giftig!

Was passiert, wenn Hunde Birkenzucker/Xylit fressen?

Wenn wir Menschen Birkenzucker essen, erhöht das unseren Blutzuckerspiegel nicht und der Körper schüttet auch kaum Insulin aus (deswegen können es auch Diabetiker als Zuckerersatz verwenden). Bei Hunden (übrigens auch bei Kaninchen und Frettchen) ist das allerdings anders:

Das Xylitol gaukelt ihren Körpern nämlich vor, dass der Blutzucker zu hoch ist. Um das zu beheben, wird Insulin ausgeschüttet. Weil der Blutzuckerspiegel ja aber eigentlich normal war, sinkt er dadurch auf gefährlich niedrige Werte. Das Resultat ist eine sogenannte Hypoglykämie (also eine „Unterzuckerung“). Diese ist gefährlich, weil die Körperzellen auf Zucker angewiesen sind um zu funktionieren. Als Folge eines Unterzuckers kann es deswegen im schlimmsten Fall zu Krämpfen, zum Koma und zum Tod kommen.

Ab einer größeren Menge Xylitol kann es außerdem gefährlich für die Leber werden: Bei manchen Hunden (nicht bei allen, vermutlich muss eine gewisse individuelle Veranlagung vorliegen) kann Birkenzucker zu einer Schädigung der Leberzellen und zum akuten Leberversagen führen.

Ab welcher Menge ist Birkenzucker/Xylit giftig für Hunde?

Schon sehr kleine Mengen Xylitol/Birkenzucker können bei Hunden zu einer Vergiftung führen.

In der Regel kommt es ab einer Menge von 0,1 g Birkenzucker pro Kilogramm Körpergewicht (Bsp.: bei einem 10 kg schweren Hund wäre das also 1 g Xylitol) zu einem gefährlichen Blutzuckerabfall (Hypoglykämie). Aber auch schon bei geringeren Mengen können Vergiftungserscheinungen auftreten.

Ab 0,5 g Xylit pro Kilogramm Körpergewicht (Bsp.: 10 kg schwerer Hund = 5 g Xylit) kann es zu einem akuten Leberversagen kommen (abhängig von der individuellen Veranlagung). Dabei zeigen manche Hunde, die ein Leberversagen entwickeln, vorher keine Anzeichen einer Unterzuckerung.

Weil die Folgen so schwerwiegend sein können, wird empfohlen Hunde, die mehr als 0,05 g Xylitol pro Kilogramm Körpergewicht (Bsp.: 10 kg schwerer Hund = 0,5 g Xylit) aufgenommen haben, beim Tierarzt vorzustellen und behandeln zu lassen.

Leider ist es i.d.R. gar nicht einfach zu erkennen, wieviel Xylit/Birkenzucker in Lebensmitteln enthalten ist. Als Faustregel wird angenommen, dass ein Xylitol-haltiger Kaugummi ca. 0,3 g Birkenzucker enthält (wenn Xylit nicht als erste Zutat angegeben ist). In Backwaren ist oft die gleiche Menge Xylit enthalten, wie sonst Zucker enthalten wäre. Besonders gefährlich ist jedoch reines Birkenzucker-Pulver, da dieses zu 100% aus dem gefährlichen Xylitol besteht – das heißt, schon ein Löffel davon kann bei Hunden tödlich sein!

Welche Symptome haben Hunde mit einer Xylit-/Birkenzucker-Vergiftung?

Innerhalb von 30 bis 60 Minuten (manchmal auch erst nach 12 Stunden) kann es als Folge der Unterzuckerung (Hypoglykämie) zu folgenden Symptomen kommen:

  • Erbrechen
  • Schwäche
  • Unkontrollierte Bewegungen und gestörte Bewegungskoordination (Ataxie)
  • Teilnahmslosigkeit (Lethargie) und vermindertes Bewusstsein (der Hund nimmt seine Umgebung nicht mehr vollständig wahr)
  • Orientierungslosigkeit
  • Sehstörungen
  • Krämpfe und Epilepsie-ähnliche Anfälle
  • Koma

Wenn ein Hund eine große, leberschädigende Menge Xylitol aufgenommen hat, kann diese Phase der Unterzuckerung fehlen oder erst nach 24-48 Stunden auftreten.

Kommt es zum Leberversagen, zeigen die betroffenen Hunde 9 Stunden bis 3 Tage (72 Stunden) nach der Birkenzuckeraufnahme oft die folgenden Symptome:

  • Erbrechen
  • Teilnahmslosigkeit
  • Gelbe Schleimhäute, z.B. im Maul oder in den Augen (Gelbsucht, Ikterus)
  • Einblutungen in die Haut und die Schleimhäute (Ekchymosen und Petechien)
  • Blutiger Kot

Was tun, wenn mein Hund Birkenzucker/Xylit gefressen hat?

Wenn Sie beobachtet haben, dass Ihr Hund irgendetwas mit Birkenzucker gefressen hat und Sie vermuten, dass die aufgenommene Menge Xylitol über 0,05 g pro Kilogramm Körpergewicht (Bsp.: 10 kg schwerer Hund = 0,5 g Xylit) liegt, sollten Sie unbedingt schnellstmöglich Ihren Tierarzt aufsuchen!

Dieser kann Ihren Hund nämlich erbrechen lassen, so dass das Xylit im besten Fall gar nicht erst vom Körper aufgenommen wird und es zu keiner Vergiftung kommt. Das funktioniert allerdings nur in den ersten 30-60 Minuten nach dem Fressen von Birkenzucker. Danach ist es nicht mehr im Magen, sondern bereits im Darm, und beim Erbrechen wird das Xylitol nicht ausgeschieden.

Wenn ein Hund schon Vergiftungssymptome hat, die Xylitol-Aufnahme länger als eine Stunde zurück liegt oder die gefressene Menge an Birkenzucker sehr groß war, muss der Hund vom Tierarzt genau überwacht und behandelt werden.

Gegen den Unterzucker hilft eine Glukose-Lösung. Um Leberschäden so gut wie möglich entgegenzuwirken, kommen sog. Leberschutzmittel und Antioxidantien (wie Vitamin E) zum Einsatz. Hat ein Hund Symptome einer Störung der Blutgerinnung (z.B. Blutungen in die Haut oder Schleimhaut) kann auch eine Transfusion mit Blutplasma eines anderen Hundes nötig sein.

Wird mein Hund sterben, wenn er Xylit/Birkenzucker frisst?

Das kommt einerseits darauf an, wieviel Xylitol er frisst, andererseits aber auch auf die individuelle Veranlagung des Hundes. Als Faustregel gilt: je mehr Birkenzucker ein Hund frisst, desto gefährlicher ist es.

Andererseits ist für die Prognose aber auch wichtig, wie schnell und wie gut ein Hund mit Xylitol-Vergiftung behandelt wird. Denn unbehandelt können sowohl eine Unterzuckerung als auch ein Leberversagen tödlich enden!

Werden Hunde, die „nur“ eine Unterzuckerung ohne Leberschädigung haben, gut überwacht und behandelt, ist die Prognose gut. Die Hunde erholen sich in der Regel vollständig.

Wenn Hunde ein akutes Leberversagen entwickeln, ist die Prognose dagegen leider vorsichtig – es ist eine lebensbedrohliche Situation, die trotz intensiver Behandlung tödlich enden kann.

Wie kann ich eine Vergiftung mit Xylit/Birkenzucker verhindern?

Eigentlich ganz einfach: sorgen Sie dafür, dass Ihr Hund keinen Zugang zu Birkenzucker oder Lebensmitteln mit Xylit hat!

Um ganz sicher zu gehen, raten wir Ihnen, keine Lebensmittel mit Xylitol im Haus zu haben (und erst recht kein reines Birkenzucker-Pulver) – das gilt vor allem für Besitzer mit kleinen „Staubsauger-Hunden“, die alles fressen, was sie finden können.

Schauen Sie sich genau die Zutatenliste Ihrer Kekse, Kaugummis, Fruchtgummis etc. an: wird angegeben, dass Xylit, Xylitol, Birkenzucker oder E 967 enthalten ist, sollten Sie diese Lebensmittel am besten aus Ihrem Haus verbannen oder zumindest absolut hundesicher aufbewahren. Das gleiche gilt für Zahnpasta mit Xylit oder Xylitol.

Seien Sie auch vorsichtig mit zuckerfreiem oder kalorienreduziertem Gebäck. Obwohl wir natürlich grundsätzlich davon abraten, Hunden von Gebäck für Menschen etwas abzugeben (zugegeben, auch wir halten uns nicht immer zu 100% daran) ist hier besondere Vorsicht geboten!

Ist Birkenzucker/Xylit auch giftig für Katzen?

Nach allem, was man bisher weiß: Nein. Wir würden unser Glück allerdings nicht herausfordern und es deswegen sicherheitshalber auch nicht ausprobieren.

Fazit

Im Moment sind Birkenzucker-Vergiftungen bei Hunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz noch eher selten. Das liegt daran, dass dieser Zuckerersatzstoff hier noch nicht so oft zum Einsatz kommt. In den USA sind Xylitol-Vergiftungen dagegen sehr, sehr häufig.

Weil zuckerfreie, gesunde Lebensmittel aber voll im Trend liegen, nehmen wir an, dass auch hierzulande immer mehr Xylit-haltige Lebensmittel auf den Markt kommen werden. Seien Sie also wachsam und schützen Sie Ihren Hund!

  • Wenn Sie Ihrem Hund von Ihren Leckereien etwas abgeben wollen, sollten Sie vorher auf jeden Fall die Zutatenliste kontrollieren.
  • Geben Sie ihm keine Lebensmittel mit Birkenzucker/Xylit/Xylitol/E 967!
  • Seien Sie besonders vorsichtig bei kalorienreduzierten/zuckerarmen Lebensmitteln.
  • Bewahren Sie Lebensmittel und Zahnpasta mit Xylit/Xylitol/Birkenzucker absolut hundesicher auf!

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Quellen

24. März 2018

Von Dr. Iris Wagner-Storz

2018-10-28T10:16:53+00:00

Über den Autor:

Als ursprüngliche Schwäbin bin ich 2007 nach München gezogen um Tiermedizin an der LMU zu studieren. Anschließend hab ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München geschrieben – über eine neue Art der Immuntherapie bei Hunden mit Umweltallergie. Meine Lieblingsbereiche sind die Dermatologie, die Innere Medizin und Infektionskrankheiten. Ich bin stolze Dosenöffnerin für meine beiden Miezen Nini und Clyde, liebe alle Tiere (Katzen aber natürlich besonders) und habe eine Schwäche für Kuchen.