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Flohallergie (Flohspeichelallergie) beim Hund

Flohspeichel-Dermatitis, Flohbissallergie, Flohbiss-Dermatitis

///Flohallergie (Flohspeichelallergie) beim Hund

Die Flohspeichelallergie bzw. Flohallergie ist eine bei Hunden leider sehr häufige allergische Hauterkrankung. Die betroffenen Hunde leiden an teilweise starkem Juckreiz sowie unter Hautentzündungen. Sie ist die häufigste Allergie-Art beim Hund.

Flohallergie (Hund): Zusammenfassung

  • Häufigkeit der Erkrankung: Häufig

  • Schwere der Erkrankung: leicht bis mittelschwer

  • Vorkommen: Bei Hunden aller Rassen und Altersstufen möglich

  • Ansteckungsgefahr: Nicht ansteckend für Tiere oder Menschen

  • Typische Symptome: Juckreiz, Rötungen, Haarlosigkeit, Krusten, Hot Spots

  • Verlauf: Akut und/oder chronisch

  • Diagnose: Vorbericht und klinische Untersuchung, diagnostische Therapie

  • Behandlungsmöglichkeiten: gründliche Flohbekämpfung und Flohprophylaxe

  • Prognose: gut

  • Zuständige Spezialisten: Spezialisten für Hauterkrankungen (Dermatologie)

Beschreibung

Die Flohallergie ist die häufigste Allergie-Art bei Hunden und gehört außerdem auch sonst zu den häufigsten Hauterkrankungen bei unseren Vierbeinern.

Bei den betroffenen Hunden kommt es zu stark juckenden Hautveränderungen. Die Ursache dafür ist eine Überreaktion des Immunsystems gegen bestimmte Bestandteile im Flohspeichel, weswegen die Allergie auch als Flohspeichelallergie bezeichnet wird.

Katzenfloh

Katzenfloh (Quelle: Evanherk from nl, Catflea small, CC BY-SA 3.0)

Flöhe sind sehr weit verbreitete Parasiten. In unseren Wohnräumen herrscht für sie, auch in den Wintermonaten, ein optimales Klima. Aus diesem Grund können die blutsaugenden Parasiten auch das ganze Jahr über bei Hunden vorkommen. Tatsächlich ist der Katzenfloh, Ctenocephalides felis felis, die am häufigsten vorkommende Flohspezies beim Hund. Denn anders als der Name vermuten lässt, befällt der Katzenfloh nämlich auch Hunde, Menschen oder andere Säugetiere.

Die erwachsenen Flöhe halten sich zum Blutsaugen auf ihrem Wirt auf. Beim Stich bzw. Biss übertragen sie ihren Speichel, in dem die allergieauslösenden Bestandteile (Allergene) enthalten sind. Das Immunsystem der allergischen Hunde reagiert auf die Allergene im Flohspeichel mit der Ausschüttung von verschiedenen Botenstoffen und  Abwehrzellen. Als Folge kommt es zu starkem Juckreiz und die Tiere fangen an sich zu kratzen, zu belecken oder zu benagen. Auf der vorgeschädigten Haut haben Bakterien oder Hefepilze leichtes Spiel und können dort eine zusätzliche Entzündung (Dermatitis) verursachen.

Bei Allergikern reicht oft schon der Biss eines einzigen Flohs aus, um die Symptome einer Allergie auszulösen. Es muss also nicht immer ein Befall vorliegen – oft findet man gar keine Flöhe oder Flohkot auf dem betroffenen Tier!

Lesen Sie hier mehr über Allergien beim Hund im Allgemeinen (Welche Allergiearten gibt es? Wie entstehen Allergien? Wie findet man raus, an welcher Allergie ein Hund leidet u.v.m.): Allergien beim Hund: eine Übersicht.

Symptome der Flohallergie bei Hunden

Juckreiz ist das häufigste Symptom einer Flohallergie. Typischerweise tritt dieser in der hinteren Körperhälfte auf. Vor allem die Schwanzbasis, der Lendenrücken, die Oberschenkel und der Bauch sind betroffen. Wenn der Hund zusätzlich an einer Futtermittel– oder Umweltallergie leidet, kann der Juckreiz aber auch an anderen Körperstellen auftreten.

Hund mit Flohspeichel-Allergie

Hund mit Flohspeichelallergie. Rötungen, Krusten, Erosionen im Bereich der Kruppe und Schwanzansatz (Quelle: self, Flea allergy dermatitis, CC BY-SA 3.0)

Durch den (teilweise starken) Juckreiz beginnen die Hunde sich zu kratzen, zu lecken oder zu benagen. Als Folge kommt es oft zu einer Hautentzündung (Dermatitis) mit Krusten, Rötungen, Wunden und Haarlosigkeit (Alopezie). In chronischen Fällen kann auch eine starke Verdickung (Lichenifikation) und Schwarzfärbung (Hyperpigmentation) der Haut beobachtet werden.

Nicht selten siedeln sich auf der geschädigten Haut Bakterien oder Hefepilze an. Eine solche sog. Sekundärinfektion verstärkt die Entzündung und die Symptome aber noch weiter – oft entwickelt sich dadurch eine Art Teufelskreis.

Bei manchen Hunden mit Flohallergie ist der Juckreiz an einer Hautstelle (vermutlich dort, wo sie von einem Floh gebissen wurden) besonders massiv. Dort kratzen die Hunde extrem viel und die Stelle infiziert sich meist mit Bakterien. Dadurch entwickelt sich eine abgegrenzte, oft rundliche Hautentzündung, die nässt und teilweise auch blutig ist. Diese Art von Hautveränderung nennt man pyotraumatische Dermatitis oder HotSpot. Man findet sie oft am Hals oder an der Kruppe.

Die Symptome einer Flohallergie können ganzjährig auftreten, da Flöhe in Wohnräumen auch im Winter überleben und sich vermehren können.

  • Sehr häufige Symptome:

    • starker Juckreiz, v.a. in der hinteren Körperhälfte
  • Häufige Symptome:

    • Hautentzündungen (Dermatitis), HotSpot
    • Krusten
    • Rötungen
    • Schuppen
    • Haarlosigkeit
  • Gelegentlich auftretende Symptome:

    • Verdickung der Haut (Lichenifikation)
    • Schwarzfärbung der Haut (Hyperpigmentation)

Ursachen und Risikofaktoren der Flohallergie

Die Ursache für eine Allergie ist eine „Fehlfunktion“ oder Überreaktion des Immunsystems. Der Körper bildet dabei Antikörper und Abwehrzellen gegen eigentlich harmlose Substanzen.

Im Fall der Flohspeichel-Allergie bilden sich Antikörper gegen Bestandteile im Flohspeichel, die beim Blutsaugen übertragen werden.

Wieso manche Tiere eine übertriebene Reaktion des Immunsystems, also eine Allergie, entwickeln, ist noch nicht geklärt. Man weiß aber, dass sowohl Umwelteinflüsse als auch die genetische Veranlagung/Vererbung eine große Rolle spielen. Aus diesem Grund reagieren flohspeichelallergische Hunde häufig auch auf andere Substanzen allergisch, z.B. gegen Futterbestandteile, Pollen oder Hausstaub.

Mehr Informationen zu Allergien beim Hund im Allgemeinen (Ursachen, Abgrenzung der verschiedenen Allergiearten, Diagnose, Symptome, etc.) finden Sie hier: Allergien beim Hund: eine Übersicht.

Untersuchungen und Diagnose der Flohspeichelallergie

Bei der Diagnose einer Flohspeichelallergie spielen vor allem der Vorbericht und die typischen klinischen Symptome eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund wird der Tierarzt viele Fragen zur Vorgeschichte stellen, z.B. seit wann und wie häufig Sie die Symptome beobachtet haben, ob der Juckreiz zu bestimmten Jahreszeiten vermehrt auftritt oder ob bereits andere Allergien bekannt sind.

Neben einer gründlichen Allgemeinuntersuchung wird er im Anschluss dann eine dermatologische Untersuchung durchführen. Dabei schaut er sich die Haut des Hundes genau an und untersucht u.a. welche Hautstellen betroffen sind. Außerdem hält der Tierarzt dabei Ausschau nach Hinweisen für einen Flohbefall. Doch nicht bei allen betroffenen Hunden kann er auch einen Floh oder Flohkot finden, denn schon ein einziger Biss genügt um die Flohallergie auszulösen.

Ist die Haut bei Hunden deutlich entzündet (z.B. starke Rötungen oder nässende Stellen) gehört auch eine zytologische Untersuchung zum Standardprogramm. Dazu wird z.B. ein kleines Glasplättchen (ein sog. Objektträger) auf die Haut des Hundes gepresst. Dadurch werden Zellen und etwaige Bakterien u./o. Hefepilze übertragen, so dass nach Anfärben des Präparats unter dem Mikroskop geschaut werden kann, ob eine Infektion der Haut vorliegt. Das ist wichtig zu wissen, weil diese – wie erwähnt – selbst auch zu Juckreiz führen kann und die Entzündung verstärkt. Wenn eine Infektion vorhanden ist, muss diese also unbedingt behandelt werden.

Hat der Tierarzt nach den Untersuchungen den Verdacht einer Flohallergie, wird er diesen in der Regel mit einer diagnostischen Therapie bestätigen – das heißt, dass eine gründliche Flohbekämpfung mit geeigneten Antiparasiten-Mitteln durchgeführt wird. Wenn sich die Symptome dadurch deutlich verbessern oder sogar ganz verschwinden, ist eine Flohspeichelallergie bewiesen und diagnostiziert.

Manchmal setzt der Tierarzt auch einen Allergietest (Serumallergietest oder Intradermaltest) zur Diagnose ein. Mit Hilfe eines Serum-Allergietests werden die Antikörper im Blut des Hundes gemessen und so die auslösenden Allergene bestimmt. Beim sogenannten Intradermaltest werden an einer rasierten Stelle an der seitlichen Brustwand verschiedene Allergene in die Haut gespritzt. Nach etwa 15-25 Minuten werden die Hautreaktionen abgelesen und so festgestellt auf welche Subtanzen der Hund allergisch reagiert. Für den Intradermaltest ist in der Regel eine kleine Beruhigungsspritze notwendig. Leider sind beide Testvarianten nicht 100% zuverlässig. Es kommt regelmäßig vor, dass auch nicht allergische Hunde positive Ergebnisse im Test zeigen oder dass der Test negativ ausfällt, obwohl der Hund allergisch ist. Es ist also wichtig, dass der Allergietest von einem Tierarzt ausgewertet wird, der Erfahrung mit der Interpretation der Ergebnisse hat.

Die diagnostische Therapie wird allerdings in aller Regel dem Allergietest vorgezogen, da sie – wie der Name schon sagt – gleichzeitig auch die Therapie einer Flohallergie darstellt.

Behandlung der Flohallergie

Leidet der Hund an einer Flohspeichelallergie, ist die einzige effektive Therapie eine ganzjährige und konsequente Flohbekämpfung. Dafür gibt es zahlreiche gut verträgliche Antiparasiten-Mittel, die entweder als Spot-On (Mittel zum Auftragen auf die Haut), Floh-Halsbänder oder als Tablette verabreicht werden können. Welches Mittel am besten für Ihr Tier geeignet ist, wird der Tierarzt mit Ihnen besprechen. Lesen Sie hier mehr zur Flohbekämpfung.

Für eine effektive Therapie ist es sehr wichtig, dass alle im Haushalt lebenden Tiere behandelt werden und nicht nur der flohspeichelallergische Hund.

Hat der Tierarzt bei der Untersuchung Flöhe oder Flohkot auf dem Hund gefunden, ist es ratsam, auch die Umgebung (also die Wohnräume, in denen sich der Hund aufhält) gegen die Parasiten zu behandeln. Diese Prozedur ist meist sehr aufwendig, leider aber auch unerlässlich. Der Großteil der Eier und Larven der Flöhe befindet sich nämlich nicht auf dem Hund, sondern in der Umgebung (Teppichböden, Liegeflächen, Decken, Betten, Fußbodenritzen usw.). Für die Umgebungsbehandlung gibt es verschiedene Sprays oder sogenannte Fogger, die alle Entwicklungsstadien der Flöhe abtöten. Mehr Informationen zur richtigen Umgebungsbehandlung finden Sie im Artikel Flohbefall bei Hund und Katze.

Wie schon erwähnt, kommt es bei flohspeichelallergischen Hunden sehr häufig auch zu einer Sekundärinfektion mit Bakterien oder Hefepilzen. Werden die Bakterien oder Hefepilze nicht mitbehandelt, bleiben der Juckreiz und die Entzündung der Haut bestehen und man kann keine Besserung der Symptome sehen. Aus diesem Grund ist es wichtig zu überprüfen, ob eine solche Sekundärinfektion besteht und wenn ja, diese mit geeigneten Medikamenten zu behandeln.

Eine Allergen-Immuntherapie, auch Desensibilisierung oder Hyposensibilisierung genannt, ist bei einer Flohspeichelallergie nicht zu empfehlen. Bei dieser Therapiemethode werden dem Hund über längere Zeit kleine Mengen der allergieauslösenden Substanz verabreicht, um dadurch eine Art „Gewöhnung“ des Immunsystems an das Allergen zu erreichen. Bei Flohallergikern konnten mit einer Allergen-Immunotherapie bisher aber keine guten Erfolge erzielt werden.

Prognose bei Flohallergie

Eine Flohallergie ist nicht heilbar. Durch eine ganzjährige und konsequente Flohbekämpfung und Flohprophylaxe können die Symptome aber in Schach gehalten und die Erkrankung so in den meisten Fällen sehr gut kontrolliert werden.

Vorbeugung der Flohallergie

Es ist nicht möglich, der Entwicklung einer Flohallergie vorzubeugen. Die Symptome einer Flohspeichelallergie können aber vermieden werden, indem der Hund durch geeignete Antiparasitenmittel vor Flohbissen geschützt wird.

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Quellen

15. Dezember 2017

Von Dr. Stefanie Mallmann

2018-10-27T19:12:49+00:00

Über den Autor:

Geboren in der Nähe von Passau habe ich von 2008 bis 2014 an der LMU München Tiermedizin studiert. Nach meinem Abschluss habe ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München (Thema: Auswertung eines neuartigen Allergietests) gemacht. Anschließend habe ich ein Jahr in der Onkologie gearbeitet. Die Arbeit mit krebskranken Tieren war zwar oft sehr traurig, aber ich habe dort viele tolle Tiere und ihre Besitzer kennengelernt. 2014 habe ich meine Mischlingshündin Lotta adoptiert – unseren süßen Bürohund.