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Katze verstorben – neue Zweitkatze dazu?

Frage der Woche vom 30.09.2018

//Katze verstorben – neue Zweitkatze dazu?

Frage:

Wir hatten zwei Siamkatzen-Geschwister im betagten Alter von fast 16 Jahren. Leider mussten wir unsere Shila, die lebhaftere von den beiden, einschläfern lassen, weil sie einen Tumor hatte und keine Nahrung und Flüssigkeit mehr zu sich genommen hat. Unsere Trauer über den Verlust ist sehr groß. Ihre Schwester Lilly ist jetzt alleine und schläft die ganze Zeit, ab und an kommt sie auch zum Schmusen. Was wir bemerkt haben ist, dass sie immer vor der Terassentür sitzt, als wenn sie warten würde, dass ihre Schwester heimkommt (beide waren Freigänger). Wäre es sinnvoll, zwei neue kleine Fellnasen zu holen oder lieber nicht?

Unsere Antwort:

Zunächst möchte ich Ihnen mein tief empfundenes Mitleid ausdrücken – ich kann sehr gut nachempfinden, wie es Ihnen geht. Wie Sie schon erkannt haben, leiden auch die Partnerkatzen oft unter dem Tod ihres Gefährten. Appetitlosigkeit, Verstecken sowie Rufen und Suchen nach dem alten Partner können Anzeichen einer solchen Trauer sein. Zwangsläufig stellt man sich dann die Frage, ob man der verbliebenen Katze mit einem neuen Artgenossen helfen könnte – und was für eine Samtpfote überhaupt als neue Zweitkatze geeignet wäre.

Leider sind diese Fragen aber gar nicht so leicht zu beantworten – es hängt nämlich von vielen Faktoren ab. Grundsätzlich bin ich schon der Meinung, dass Katzen, die vorher gut mit einer Partnerkatze zurechtgekommen sind und eher sozial sind, wieder einen Gefährten bekommen sollten. Anders als oft behauptet, sind Katzen nämlich keine wirklichen Einzelgänger, sie genießen durchaus Sozialkontakte.

Die schwierigere Frage ist dann, wie die neue(n) Partnerkatze(n) vom Alter und Wesen her sein sollte(n).

Das Alter der neuen Zweitkatze

Ist die hinterbliebene Katze noch jung, ist die Gewöhnung an einen neuen, ebenfalls jungen Artgenossen oft verhältnismäßig einfach. Ist sie dagegen schon älter – wie in Ihrem Fall – wird die Sache schon komplizierter. Ein junger Gefährte kann bei Katzensenioren zu einer Art zweitem Frühling führen, wenn die Lebensfreude und Verspieltheit überspringt. Andererseits kann eine alte Katze aber auch schnell überfordert und genervt sein, wenn so ein junger Hüpfer ständig um sie herumspringt. Wenn man sich für junge Katzen als Partner entscheidet, ist es daher tatsächlich eine gute Idee gleich zwei aufzunehmen – die beiden Jungspunde können dann miteinander spielen und sich so austoben. Hier muss man nur sehr gut aufpassen, dass man die alte Katze – vor lauter Freude an den neuen, verspielten Miezen – keinesfalls vernachlässigt!

Dennoch sollte man sich gut überlegen, ob die alte Katze mit einem gleichaltrigen Gefährten nicht besser bedient wäre – dann haben beide ein ähnliches Energielevel und außerdem ist die verbliebene Mieze bereits an das Zusammenleben mit einem gleichaltrigen Artgenossen gewöhnt. Ein weiterer Pluspunkt: in Tierheimen warten viele ältere Katzen schon lange sehnsüchtig auf ein schönes Zuhause, weil kaum jemand die Adoption einer älteren Samtpfote in Betracht zieht. Das Aufnehmen eines Katzenseniors ist also auf jeden Fall eine gute Tat!

Der Charakter der neuen Zweitkatze

Aber nicht nur das Alter der neuen Partnerkatze ist wichtig – auch deren Charakter ist ganz entscheidend dafür, ob ein Zusammenleben funktionieren wird. Wenn sich Ihre Katze gut mit ihrer alten Gefährtin verstanden hat (gemeinsames Liegen, Putzen, Spielen) ist es ein guter Ansatz, eine Zweitkatze zu suchen, die einen ähnlichen Charakter hat wie die verstorbene Katze. Bei Vierbeinern aus dem Tierheim/Tierschutz helfen die Pfleger üblicherweise auch gerne, eine Katze mit passendem Charakter zu finden.

Option: Pflegekatzen

Natürlich gibt es aber nie eine Garantie: Es kann immer passieren, dass die beiden (bzw. drei) Miezen einfach nicht zusammenpassen. Eine Möglichkeit, das Zusammenleben erst mal auszuprobieren, ist die Aufnahme von Pflegekatzen aus dem Tierschutz – mit der Möglichkeit einer Adoption, wenn sich die Katzen gut verstehen. Falls nicht, finden die neuen Katzen irgendwann bei einer anderen Familie ein neues Zuhause (allerdings kann das natürlich schon eine Weile dauern, diese Option sollte man also idealerweise nur wählen, wenn man die Katzen im schlimmsten Fall auch einige Wochen voneinander trennen kann, z.B. in separaten Bereichen der Wohnung/des Hauses).

Fazit

Insgesamt halte ich es also für eine gute Idee, ein oder zwei neue Partnerkatzen zu adoptieren. Seien Sie aber sehr gründlich und vorsichtig in der Auswahl und holen Sie sich im Zweifel Unterstützung von einem Experten (z.B. einem Verhaltensspezialisten für Katzen).

Gönnen Sie Ihrer Katze außerdem eine angemessene Trauerzeit, um den Verlust zu verarbeiten, bevor Sie neue Miezen adoptieren. Am meisten hilft es ihr in dieser Zeit wahrscheinlich, wenn Sie sich ganz normal verhalten und zur alten Routine zurückkehren – das klingt vielleicht herzlos, schenkt Ihrer Katze aber Halt und Sicherheit. Viel mit ihr zu spielen kann ebenfalls helfen.

Wenn es dann soweit ist, dass eine oder mehrere neue Katzen einziehen, sollten Sie bei der Vergesellschaftung sehr behutsam vorgehen. Führen Sie die Katzen langsam (idealerweise über mehrere Tage) aneinander heran und achten Sie darauf, dass Sie beiden Parteien gerecht werden und keine Seite über der Aufregung vernachlässigen.

Wir drücken Ihnen die Daumen, dass Sie die richtige(n) Partnerkatze(n) finden, und wünschen Ihnen noch viele schöne Jahre mit Ihrer Lilly!

Sie möchten unseren Tierärzten gerne selber eine Frage stellen? Dann hier entlang!
2018-10-01T15:43:14+00:00

Über den Autor:

Als ursprüngliche Schwäbin bin ich 2007 nach München gezogen um Tiermedizin an der LMU zu studieren. Anschließend hab ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München geschrieben – über eine neue Art der Immuntherapie bei Hunden mit Umweltallergie. Meine Lieblingsbereiche sind die Dermatologie, die Innere Medizin und Infektionskrankheiten. Ich bin stolze Dosenöffnerin für meine beiden Miezen Nini und Clyde, liebe alle Tiere (Katzen aber natürlich besonders) und habe eine Schwäche für Kuchen.