Die Schilddrüsenüberfunktion der Katze: Viele aufmerksame Katzen-Besitzer haben schon einmal von dieser, auch als „Hyperthyreose“ bekannten, Krankheit gehört. Das liegt daran, dass es sich hierbei um die häufigste Krankheit des Hormonsystems bei älteren Katzen handelt.

Dabei sind die gängigsten Symptome einer Hyperthyreose bei Katzen Gewichtsabnahme trotz gleichgebliebenem Appetit oder sogar Heißhunger, vermehrtes Trinken und/oder Erbrechen.

Erfahren Sie hier von Tierärzten alles, was Sie zu den Ursachen, der Behandlung (z.B. mit Tabletten, Salbe oder Radiojodtherapie), der Ernährung und Prognose von Katzen mit Schilddrüsenüberfunktion wissen sollten!

Schilddrüsenüberfunktion (Katze): Zusammenfassung

  • Häufigkeit der Erkrankung: Sehr häufig

  • Schwere der Erkrankung: Abhängig vom Krankheitsstadium

  • Vorkommen: V.a. ältere Katzen ab 8 Jahren, gelegentlich auch jüngere Tiere

  • Ansteckungsgefahr: Nicht ansteckend für Tiere oder Menschen

  • Typische Symptome: Gewichtsabnahme trotz erhaltenem/gesteigertem Appetit, vermehrtes Trinken & vermehrter Harnabsatz, Erbrechen, Hyperaktivität oder Teilnahmslosigkeit, Durchfall, Veränderungen der Haut und des Fells, Erblinden, zunehmende Aggressivität

  • Verlauf: Abhängig von der Therapie

  • Diagnose: Blutuntersuchung (T4-Wert), Szintigraphie

  • Behandlungsmöglichkeiten: Mehrere Optionen, z.B. Tabletten, Salbe, spezielles Futter, Radiojodtherapie

  • Prognose: Unterschiedlich; abhängig von Begleiterkrankungen und der gewählten Behandlung

  • Zuständige Spezialisten: Spezialisten für Innere Medizin

Beschreibung

Viele unserer Katzen erkranken im höheren Alter an einer Schilddrüsenüberfunktion/Hyperthyreose (ganz im Gegensatz zu älteren Hunden, die oft an einer Schilddrüsenunterfunktion leiden).

Dabei handelt es sich – wie der Name schon sagt – um eine Erkrankung, bei der die Schilddrüse mehr macht, als sie eigentlich sollte. Genauer gesagt, stellt sie zu viele sogenannte Schilddrüsenhormone her.

Leider kann diese Überproduktion schwere und sogar lebensgefährliche Folgen für den Körper haben (Siehe unten „Welche Aufgabe hat die Schilddrüse im Körper der Katze?“).

Dabei steckt bei Katzen meist ein gutartiger Tumor der Schilddrüse hinter der Schilddrüsenüberfunktion.

Übrigens, eine immunbedingte Schilddrüsen-Fehlfunktion wie beim Menschen (Morbus Basedow, Hashimoto) wurde bei Katzen bis dato nicht nachgewiesen.

Wo ist die Schilddrüse bei der Katze?

So wie Menschen, Hunde und viele andere Tiere haben auch Katzen eine Schilddrüse. Dieses Organ befindet sich am Hals ein kleines Stück unter dem Kehlkopf und besteht aus zwei Drüsenlappen, die jeweils links und rechts seitlich der Luftröhre liegen. Bei einer gesunden Katze sind diese Lappen kleiner als eine Erbse.

Allerdings sind Katzen – wie wir alle wissen – immer speziell und halten sich nicht gerne an allgemein gültige Regeln – und das ist auch in der Biologie so! Daher kann es vorkommen, dass Katzen sogenanntes „versprengtes Schilddrüsengewebe“ haben (= „ektopes Gewebe“).

Es handelt sich hierbei um Schilddrüsengewebe, welches sich mal mehr, mal weniger weit weg von seiner anatomisch korrekten Position befindet – und das kann auch im Brustkorb sein! Das ist vor allem bei Katzen der Fall, die bereits längere Zeit an einer Schilddrüsen-Überfunktion leiden.

Welche Aufgabe hat die Schilddrüse im Körper der Katze?

Die Aufgabe der Schilddrüse besteht darin, Hormone zu produzieren und über das Blut im gesamten Körper zu verteilen.  Diese Hormone sind u.a. T4 (Tetrajodthyronin) und T3 (Trijodthyronin). Wie man schon am vollen Namen der Hormone lesen kann, ist Jod für ihre Bildung essentiell.

T4 und T3 sind wichtig, da sie viele Stoffwechselvorgänge im Körper steuern: Sie sind nicht nur für den Eiweiß-, Kohlehydrat- und Fettstoffwechsel mitverantwortlich, sondern regulieren zusätzlich auch

  • den Sauerstoffverbrauch,
  • den Wärmeumsatz,
  • die Erregbarkeit der Nervenzellen,
  • den Herzschlag,
  • den Blutdruck und noch vieles mehr.

Die Schilddrüse ist sozusagen das „Gaspedal“ des Stoffwechsels.

Bei einem gesunden Tier wird eine ausreichende Menge an Hormonen gebildet und alle Stoffwechselvorgänge befinden sich in einem gesunden Gleichgewicht.

Symptome bei Katzen mit Schilddrüsenüberfunktion

Bei Katzen mit einer Schilddrüsenüberfunktion vermehrt sich das Gewebe der Schilddrüse unkontrolliert und produziert daher auch zu viele Hormone. Das Gaspedal für den Stoffwechsel ist also sozusagen „durchgetreten“.

Dabei gilt: umso mehr Hormone produziert werden, umso heftiger äußern sich auch die entsprechenden Symptome.

Bei einer frühen bzw. milden Form der Schilddrüsenüberfunktion ist es möglich, dass noch gar keine Symptome aufgetreten oder aufgefallen sind.

Häufige Symptome bei Katzen mit Schilddrüsenüberfunktion (feliner Hyperthyreose):

  • Die Katze verliert an Gewicht, obwohl sie normal oder sogar mehr frisst als früher

  • Gesteigerter Harnabsatz (mehr und/oder größere Klumpen im Katzenklo) (Polyurie)

  • Unruhe, gesteigerte Aktivität

  • Erbrechen

  • Schnelle Atmung und Hecheln (bis hin zur Atemnot)

  • Durchfall oder erhöhtes Kotvolumen

  • Struppiges, glanzloses Fell und Hautveränderungen

Seltene Symptome bei Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose):

  • Schlappheit
  • Verringerter Appetit
  • Gereiztheit bis hin zu Aggressivität
  • Veränderung der Augen und plötzliche Blindheit
  • Leistungsabfall (aufgrund einer Herzkrankheit)
  • Krampfanfälle
  • Gesteigertes Putzverhalten bis hin zu haarlosen Stellen

Vor allem ältere Katzen sollten alle paar Monate zu Hause gewogen werden und die Gewichtsveränderungen in Prozent gerechnet werden!!

 

Das geht z.B. so:

100 – (Aktuelles Gewicht der Katze : Gewicht der Katze beim letzten Wiegen x 100)

Beispiel: Beim letzten Wiegen vor 3 Monaten brachte eine Katze 5,3 kg auf die Waage, heute wiegt sie nur noch 5,0 kg.

Rechenweg:  100 – (5,0 : 5,3 x 100) = 5,66% abgenommen

 

Denn ein Gewichtsverlust von z.B. 0,5 kg mag bei einer durchschnittlichen 4,5 kg Katze auf den ersten Blick nicht dramatisch wirken. Wenn man aber bedenkt, dass dies einen Gewichtsverlust von ca. 10% bedeutet, könnte eine Krankheit dahinterstecken und die Katze sollte in naher Zukunft einem Tierarzt vorgestellt werden!

Aus der Humanmedizin wissen wir, dass Patienten mit einer Schilddrüsenüberfunktion oft depressiv sind. Die Schilddrüsenhormone regeln den Stoffwechsel der Nervenzellen und die Gehirnfunktion. Betroffene sind oft nervös, leicht schreckhaft, leiden zunehmend an Angststörungen oder berichten von Konzentrationsstörungen und sind gereizt. In der Humanmedizin ist es daher mittlerweile Standard, die Schilddrüsenfunktion bei Depressionen zu testen.

„Thyroid Storm“

Sehr selten können Katzen mit Schilddrüsenüberfunktion eine „Schilddrüsenvergiftung“ („Thyreotoxikose“ oder „thyroid storm“) erleiden. Das geschieht dann, wenn der Hormonspiegel komplett entgleist und zu stark schwankt.

Diese Komplikation der Erkrankung kann sich in

  • Atemnot (mit oder ohne Maulatmung),
  • massivem Speichelfluss und/oder
  • Krampfanfällen zeigen.

Dieser Zustand ist ein absoluter Notfall und die Katze muss sofort und unabhängig von der Tageszeit zu einem Tierarzt oder in eine Tierklinik gebracht werden!

Ursachen und Risikofaktoren für die Hyperthyreose bei Katzen

Der Mechanismus hinter der Schilddrüsenüberfunktion/Hyperthyreose

In etwa 98% der Fälle handelt es sich bei dem übermäßigen Schilddrüsen-Gewebe um gutartige Knoten (sogenannte „Adenome“) auf einem oder beiden Schilddrüsenlappen. In nur etwa 2% handelt es sich um bösartige Tumoren (sogenannte „Karzinome“).

Umso länger die Katze an einer Schilddrüsenüberfunktion leidet, umso schwerer ist die Krankheit behandelbar. Das liegt u.a. daran, dass das Gewebe mit der Dauer der Erkrankung zunehmend wächst, daher auch mehr Hormone produziert und in der Regel irgendwann zu einem bösartigen Knoten wird.

Risikofaktoren für die Entwicklung einer Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen

Die Risikofaktoren einer Hyperthyreose bei Katzen sind bis heute nicht restlos geklärt.

Rassekatzen scheinen nach derzeitigem Kenntnisstand ein etwas niedrigeres Risiko zu haben als normale Hauskatzen. Männliche als auch weibliche Tiere sind zu gleichen Teilen von Schilddrüsenunterfunktionen betroffen.

Im Durchschnitt sind die Katzen bei Diagnosestellung 13 Jahre alt. Freigänger sind weniger oft betroffen als Wohnungskatzen.

Lange standen Impfungen, Medikamente gegen Parasiten, Katzenstreu und verschiedene Umweltgifte in der Diskussion, eine Schilddrüsenüberfunktion zu begünstigen und damit als sogenannter „Disruptor“ zu wirken. Es gibt viele Studien zu diesem Thema, letzten Endes können allerdings nur Sojaisoflavone und Weichmacher (siehe Fütterung) als mögliche Disruptoren vermutet werden.

Futter als Risikofaktor für die Schilddrüsenüberfunktion

Dr.Stefanie Handl, Diplomate für Tierernährung, klärt uns über den Zusammenhang der Fütterung mit der Hyperthyreose auf:

„Hinsichtlich der Fütterung werden mehrere Faktoren diskutiert, bei der Entstehung einer Hyperthyreose eine Rolle zu spielen: die Art der Fütterung (Trocken- oder Feuchtfutter), der Gehalt an Jod und anderen Nährstoffen, die die Funktion der Schilddrüsen beeinflussen, und mögliche weitere Einflüsse durch Sojaisoflavone und so genannte endogene Disruptoren (Stoffe, die körpereigenen Hormonen ähnlich sind und daher in hormonelle Abläufe eingreifen).“

Stefanie Handl - Spezialistin für Tierernährung

Stefanie Handl studierte an der Veterinärmedizinischen Universität Wien und nach ihrer Promotion 2005 arbeitete sie dort insgesamt 10 Jahre lang als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Tierernährung. Nach einem Forschungsaufenthalt im Labor für Gastroenterologie der Texas A&M University legte sie 2011 ihre Prüfung zum Diplomate des European College of Veterinary and Comparative Nutrition ab. 2013 eröffnete sie in Wien die „Futterambulanz“, eine Praxis für Ernährungs- und Diätberatung für Heimtiere.

Jod & Schilddrüsenüberfunktion bei der Katze:

Dr.Stefanie Handl erklärt: „Die Versorgung mit Jod, welches ja einen essentiellen Bestandteil der Schilddrüsenhormone darstellt, hat natürlich einen direkten Einfluss auf die Funktion der Schilddrüse. Es ist aus der Humanmedizin bekannt, dass sowohl eine lange dauernde Unter- als auch Überversorgung mit Jod zu Erkrankungen der Schilddrüse führt. Da ein Großteil der Hauskatzen ausgewogene Alleinfutter bekommt, ist ein Mangel ausgeschlossen. Auch gibt es gesetzlich vorgeschriebene Obergrenzen für den Jodgehalt. Diese Spannweite ist jedoch groß, sodass der Jodgehalt im Katzenfutter eine große Bandbreite umfasst, abhängig vor allem von den Zutaten (Fleisch/Fisch/Innereien.)“

Kurzfristige Studien (über einige Monate) haben gezeigt, dass Katzen sehr wohl in der Lage sind, sowohl bei jodreichem als auch bei relativ jodarmen Futter (welches sonst ausgewogen war) ihre Schilddrüsenhormone im Normalbereich zu halten.

Jod ist jedoch ein kritischer Faktor bei selbst zubereitetem Futter (Kochen oder BARF), da ohne Ergänzung so gut wie immer eine drastische Unterversorgung vorliegt.

Sojaisoflavone & Schilddrüsenüberfunktion bei der Katze:

Sojaisoflavone behindern die Bildung von Schilddrüsenhormonen auf verschiedene Weise. Ein Jodmangel kann diesen Effekt noch verstärken – zumindest bei Menschen und Ratten ist dies gezeigt worden.

In kritischen Berichten über Fertigfutter kann man oft lesen, dass Soja als „billiger Fleischersatz“ verwendet werde – das stimmt für Europa definitiv nicht, Soja wird in herkömmlichem Katzenfutter nicht eingesetzt, am ehesten noch in (teuren) Diätfuttern für Allergiker, und die sind selbstverständlich ausgewogen.

Langzeitstudien an Hunden (über 2 Jahre) konnten keinen klinisch relevanten Effekt von Isoflavonen feststellen.

Dosenfutter- vs. Trockenfutter-Ernährung als Risiko für die Schilddrüsenüberfunktion:

Mehrere Studien (welche den Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Erkrankungen und bestimmten Einflüssen untersuchten) fanden einen statistischen Zusammenhang zwischen der Hyperthyreose und Dosenfutter.

Als Gründe werden diskutiert: der unterschiedliche Gehalt an Jod und anderen Nährstoffen und das Vorhandensein von Schadstoffen (Quecksilber, Polyvinylchlorid, Phthalate und Bisphenol A (BPA)).

BPA ist ein Weichmacher in Kunststoffbeschichtungen von Konservendosen. Er agiert als sog. Schilddrüsenhormonrezeptor-Antagonist und führt zur Erhöhung eines Hormons, welches die Schilddrüse stimuliert und die Produktion von Schilddrüsenhormonen anregt. BPA konnte in Hunde- und Katzenfutter, im Blut von Hunden sowie im Urin von Hunden und Katzen nachgewiesen werden, welche Dosenfutter bekamen. Ob dies wirklich klinische Auswirkungen hat und welche Mengen tatsächlich schädlich sind, ist noch nicht bekannt.

Auch der Wassergehalt des Futters an sich könnte einen Einfluss auf die Schilddrüsenfunktion haben, wie eine Studie zeigt – da Katzen bei Trockenfutterfütterung weniger Flüssigkeit aufnehmen und sich auch weniger bewegen, könnte eine zu geringe Wasserzufuhr die Schilddrüsenfunktion reduzieren.

Hyperthyreose als „multifaktorielles Geschehen“

Jedoch gibt es auch Studien, die keinen Einfluss der Fütterung auf das Auftreten von Hyperthyreose ermitteln konnten – es ist also, wie so oft, kompliziert und wir müssen von einem sog. „multifaktoriellen Geschehen“ ausgehen, d.h. vermutlich spielen viele verschiedene Faktoren eine Rolle bei der Entstehung einer Schilddrüsenüberfunktion.

Untersuchungen und Diagnose der Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen

Um herauszufinden, ob Ihre Katze unter einer Schilddrüsenüberfunktion leidet, wird Ihr Tierarzt den sogenannten T4-Wert bestimmen – in einer Blutprobe wird also untersucht, ob der Gehalt des Schilddrüsenhormons T4 erhöht ist.

Daneben ist es aber auch extrem wichtig, andere (Begleit-)Erkrankungen und Probleme festzustellen bzw. auszuschließen – nur so ist eine korrekte Diagnose und Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion möglich. Mehr dazu erfahren Sie weiter unten.

Jede Katze ab dem 8. Lebensjahr hat eine Vorsorgeuntersuchung verdient, die je nach Rasse, Alter, Zustand des Patienten und anderen Begleiterkrankungen mindestens einmal im Jahr beim Haustierarzt stattfinden sollte. Denn umso früher man Krankheiten findet, umso bessere Chancen hat der Patient bei der Behandlung!

Schätzungen zufolge leidet jede 4. Katze über 13 Jahren an einer Hyperthyreose!

Eine vollständige Vorsorge-Untersuchung für Katzen-Senioren umfasst:

  • Klinische Untersuchung
  • Blutdruck-Messung
  • Blutbild (inkl. T4, Nierenwerte, Leberenzyme und Vitamin B12)
  • Harn-Untersuchung
  • Echokardiographie (EKG) und bei Bedarf ein Röntgenbild des Brustkorbs
  • Zahnkontrolle mit Zahnröntgen
  • Eine Ultraschall-Untersuchung des Bauchraums (z.B. bei einem auffälligen Blutbefund)

Mögliche Ergebnisse der T4-Untersuchung bei Katzen

a.) T4 im unteren bis mittleren Referenzbereich:

Wenn Ihre Katze zu Hause keine der oben genannten Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion zeigt, ist eine Hyperthyreose sehr unwahrscheinlich. Eine Kontrolle des T4-Werts sollte in den nächsten 6-12 Monaten im Rahmen der Vorsorge-Untersuchung stattfinden.

b.) T4 im oberen Referenzbereich:

„Bei Katzen mit einigen der oben genannten Symptomen einer Schilddrüsenüberfunktion und einem T4-Wert nahe dem oberen Referenzwert, sollte die Blutuntersuchung in ca. 2-6 Wochen wiederholt werden“, betont Priv.-Doz. Dr. Florian Zeugswetter, Spezialist für Endokrinologie an der VetMedUni Vienna.

Warum das so ist? Doz. Zeugswetter erklärt: „Wie alle Hormone unterliegen auch die Schilddrüsen-Werte gewissen Schwankungen und sind nie konstant. Es ist daher möglich, dass trotz eines Wertes innerhalb des Referenzbereiches bereits eine milde Schilddrüsenüberfunktion vorliegt. In der Literatur wird ein normaler, aber eher höherer Wert als okkulte Hyperthyreose bezeichnet.“ (okkult = verborgen, versteckt).

c.) T4 über dem Referenzbereich:

Ihre Katze hat sehr wahrscheinlich eine Hyperthyreose. Eine Therapie und eine Kontrolle des Blutwertes nach 2-3 Wochen wird empfohlen.

d.) T4 unter dem Referenzbereich:

Es kommt auch mal vor, dass zu niedrige T4-Werte gemessen werden, also Werte unterhalb des Referenzwertes.

Eine Schilddrüsenunterfunktion als selbstständige Krankheit ist bei Katzen (im Gegensatz zu Hunden) allerdings extrem selten. Wahrscheinlicher ist in einem solchen Fall, dass die Katze eine andere Krankheit hat und der Körper „das Gaspedal“ loslässt, um den Stoffwechsel auf Sparflamme zu schalten. Es liegt also eine verminderte Hormonkonzentration vor – aber keine Fehlfunktion der Schilddrüse. Im Fachjargon nennen wir das „euthyroid sick syndrome“.

Um ein Beispiel zu nennen: Eine Katze hat schweren Durchfall aufgrund von sog. Giardien (winzige, einzellige Parasiten). Der Körper versucht sich zu schützen, fährt seinen Energie- und Sauerstoffverbrauch herunter und läuft auf „Sparflamme“. Das tut er, indem er nicht mehr so viele Schilddrüsen-Hormone über das Blut in den Körper schickt. Nach Überstehen der Krankheit – in diesem Fall der Giardieninfektion – sollte das T4 in ein paar Wochen nachkontrolliert werden. Wenn die Katze von der Grunderkrankung geheilt ist, ist das T4 bei einem „euthyroid sick syndrome“ dann wieder normal.

„Sollte die Katze jedoch TROTZ einer Erkrankung ein T4 im oberen Referenzbereich aufweisen, sollte man in jedem Fall an eine Hyperthyreose denken“, erklärt Doz. Zeugswetter.

Szintigraphie zur Diagnose der Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen

Leider ist auf T4 nicht immer zu 100% Verlass – auch wenn die Untersuchung des T4-Werts ein sehr guter Test mit einer Genauigkeit von 95% ist.

Der Goldstandard – also das absolute Nonplusultra – für die Diagnose der Schilddrüsenüberfunktion ist die Szintigraphie, wie auch in der Humanmedizin. Dieses Verfahren hat eine Genauigkeit von 99%.

Die Szintigraphie ist eine nuklearmedizinische Untersuchungsmethode, bei der eine ganz geringe Menge eines sehr schwach radioaktiven Elementes (Technetium 99mTc) in die Vene gespritzt wird. Das Technetium reichert sich – so wie natürliches Jod – in der Schilddrüse an, sodass man mit Hilfe einer speziellen Kamera (Gammakamera) exakt den Stoffwechsel der Schilddrüse auf den Bildern beurteilen kann. So sieht man genau, wie stark und wo sich das Mittel in der Schilddrüse anreichert und kann die Knoten entsprechend beurteilen und in „gut“ und „böse“ einteilen.

Diese Untersuchung ist wichtig, wenn man sich für eine Radiojodtherapie oder eine chirurgische Entfernung der Schilddrüse entscheidet (s.u.) oder der Verdacht eines bösartigen Knotens vorliegt.

Untersuchung auf weitere Begleiterkrankungen/Probleme

Bei Katzen mit (Verdacht auf) Schilddrüsenüberfunktion ist es extrem wichtig, andere Erkrankungen auszuschließen oder zu berücksichtigen, um ein passendes Behandlung-Protokoll für die Hyperthyreose zu finden. Das sind in diesem Fall vor allem:

  • Chronische Niereninsuffizienz
  • Diabetes Mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Herzerkrankungen
  • Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, insbesondere der Leber und der Bauchspeicheldrüse

Eine Schilddrüsenüberfunktion geht je nach Stadium der Erkrankung immer mit anderen Krankheiten bzw. Symptomen und Abweichungen in den Laboruntersuchungen einher. Das „durchgetretene Gaspedal“ verursacht zahlreiche sogenannte „Sekundärschäden“ im Körper:

  • Bluthochdruck
  • Herzerkrankungen wie Herzrasen und Herzpochen
  • Veränderte Laborparameter (erhöhte Leberenzyme, Verschiebungen des Elektrolythaushaltes, zu viel Glukose im Blut)
  • Abnormale Befunde in der Harn-Untersuchung (z.B. zu viel Glukose und zu viele Proteine)
  • Eine gut tastbare, vergrößerte Schilddrüse
  • Schäden an den Augen („hypertensive Retinopathie“)

Auch auf solche Sekundärschäden muss eine Katze mit Hyperthyreose(-Verdacht) natürlich gründlich untersucht werden.

Sonderfall „maskierte chronische Niereninsuffizienz“ bei Hyperthyreose

Die Schilddrüse als Gaspedal des Stoffwechsels kurbelt alle Vorgänge im Körper an – auch die Nierenfunktion. Es ist also ganz normal, dass die Nierenwerte während einer Hyperthyreose-Therapie ansteigen.

Von einer „maskierten chronischen Niereninsuffizienz (CNI)“ spricht man dann, wenn die Nierenwerte (Kreatinin, Harnstoff, SDMA, Phosphor) vor der Therapie der Schilddrüsenüberfunktion normal oder bereits erhöht waren, aber während der Therapie über den Referenzwert hinaus ansteigen – und so eine chronische Niereninsuffizienz zu Tage tritt.

Das liegt daran, dass die Niere vor der Hyperthyreose-Therapie bereits einen Schaden hatte – aber durch das „Gaspedal“ der Schaden verdeckt bzw. maskiert wurde. Erst mit der Therapie wird das Ausmaß des Schadens anhand der ansteigenden Werte offensichtlich.

Jetzt könnte man meinen, dass eine Hyperthyreose ja offensichtlich gar nicht so schlecht wäre und man diesen Zustand beibehalten sollte. Das ist aber ein Trugschluss, weil z.B. der hohe Blutdruck – der durch das Gaspedal verursacht wird (siehe Sekundärschäden) – den bereits kaputten Nieren noch mehr schadet.

Unter dem Punkt Behandlung wird noch einmal auf diesen Spezialfall eingegangen.

Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) bei Katzen

Das Ziel der Therapie ist, die übermäßige Hormonproduktion zu kontrollieren bzw. zu hemmen.

Hier unterscheidet man zwischen zwei grundsätzlichen Therapie-Formen:

  • Reversible Therapie: Kann rückgängig gemacht werden durch Absetzen der Behandlung (d.h. die Hormonproduktion wird dann auch nicht mehr gehemmt)
  • Nicht reversible Therapie: Kann nach der Behandlung nicht mehr rückgängig gemacht werden

Zu den reversiblen Behandlungen zählen:

  • Medikamente (Tabletten oder orale Lösung)
  • Salbe
  • Diät

Wichtig für das Verständnis ist, dass alle reversiblen Therapieformen ein (Katzen-)Leben lang gegeben werden müssen – da sie die Grundursache einer Hyperthyreose nicht heilen!

Zu den nicht-reversiblen Behandlungen zählen:

  • Radiojodtherapie
  • Operative Entfernung der entarteten Schilddrüse

Tabletten zur Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion:

Es gibt verschiedene Tabletten (Vidalta®, Felimazole®) und mittlerweile auch einen Wirkstoff in flüssiger Form (Apelka®), die man je nach Hersteller ein- bis zweimal am Tag der Katze peroral (also ins Maul) eingibt. Diese Wirkstoffe nennt man „Thyreostatika“.

Diese Art der Hyperthyreose-Behandlung ist komplett reversibel. Das bedeutet: wenn man aufhört, die Medikamente zu geben, ist die Funktion der Schilddrüse wieder dieselbe wie vor Therapiestart.

Das ist ein Vorteil beim Vorliegen einer „maskierten CNI“ – wenn die Nierenwerte dramatisch ansteigen, kann man das Medikament absetzen oder entsprechend reduzieren.

Ein weiterer Vorteil ist, dass man die Dosierung anhand der aktuellen T4-Werte sehr gut anpassen kann.

Die Tabletten sollte man laut Hersteller nicht teilen, da sonst die Depot-Wirkung verloren geht und die Therapie im schlimmsten Fall nicht wie gewünscht funktioniert. Außerdem schmeckt der Inhalt einiger Tabletten grauenvoll, wenn die Schutzhülle nicht mehr intakt ist, und die Katzen nehmen die Tabletten in der Regel äußerst ungerne.

Erfahren Sie hier alle Tipps & Hilfsmittel, wie Sie Tabletten in Ihre Katze reinbekommen!

Mögliche Nebenwirkungen bei der Behandlung mit Thyreostatika

Leider hat alles, was eine Wirkung hat, auch potentiell Nebenwirkungen. Es kann vorkommen, dass die Katzen die Tabletten zu Beginn der Therapie schlecht vertragen und einige Stunden später erbrechen. In diesem Fall sollte man sich unbedingt an seinen Tierarzt wenden! Der Tierarzt wird die Medikamente für kurze Zeit absetzen, um nach einer kurzen Pause mit einer niedrigeren Dosierung zu beginnen.

Man kann der Katze außerdem zusätzlich Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen geben. Das ist z.B. dann sinnvoll, wenn eine Radiojodtherapie zur Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion geplant ist und die Medikamente ohnehin nicht dauerhaft gegeben werden.

Weitere Nebenwirkungen können bis 6 Monate nach Therapiestart auftreten. Das kann sich durch heftigen Juckreiz (vor allem im Gesichtsbereich), Hautveränderungen (Rötung, Haarausfall, Hautentzündung), Mattigkeit, Gewichtsverlust oder Durchfall zeigen.

In sehr seltenen Fällen können Veränderungen im Blutbild auftreten, u.a. kann auch die Bildung der Blutplättchen oder der Blutkörperchen beeinträchtigt sein. In diesem Fall muss die medikamentelle Therapie abgebrochen werden.

Kontrolle der Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen

Nach Beginn der Behandlung – und nach jeder Änderung der Medikamenten-Dosis – sollte unbedingt eine Kontrolle der Schilddrüsenüberfunktion stattfinden. Nur so kann die Behandlung ideal eingestellt werden.

Dabei sollte die Blut-Kontrolle immer 14 Tage nach Dosis-Anpassung stattfinden, denn so lange brauchen die Tabletten, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Die Dauer zwischen Tabletteneingabe und Blutabnahme spielt keine Rolle.

Gut eingestellte Katzen sollten zumindest alle 4-6 Monate beim Tierarzt zu einer Blutkontrolle vorgestellt werden. Das liegt daran, dass man mit der reversiblen Therapie zwar die Hormonproduktion eindämmen kann, aber das Schilddrüsengewebe trotzdem weiterwächst und daher auch mehr Hormone produziert. Mit der Zeit muss die Dosis dementsprechend erhöht werden.

Salbe zur Behandlung der Hyperthyreose

Der Wirkstoff der Tabletten kann auch in eine Salbe umgearbeitet werden, die auf die Haut aufgetragen wird – die sogenannte „transkutane“ Therapie. Das ist bei jenen Stubentigern mit Schilddrüsenüberfunktion hilfreich, die sich erfolgreich gegen die Tabletten-Eingabe wehren.

Die Salbe wird einmal (selten zweimal) täglich über 30-120 Sekunden in die Innenseite der Ohrmuschel gründlich einmassiert. Hierbei muss der Besitzer in jedem Fall Handschuhe tragen und unbedingt darauf achten, dass er selbst nicht mit der Salbe in direktem Kontakt kommt (sonst nimmt er den Wirkstoff ebenfalls über die Haut auf!). Schwangere und stillende Frauen sollten diese Therapie keinesfalls an ihrer Katze durchführen!

Der Nachteil der Salbe ist, dass es länger dauert, bis die Patienten gut eingestellt sind (bis zu 4 Wochen) und es außerdem zu stärkeren Schwankungen der Schilddrüsen-Hormone kommen kann. Die Salbe ist auch deutlich teurer als die Medikamente für die orale Anwendung. Außerdem sind Katzen mit einer weit fortgeschrittenen Hyperthyreose mit dieser Art der Therapie schwer bis gar nicht einstellbar.

Die Nebenwirkungen der Salbe sind im Prinzip dieselben wie bei den Tabletten, kommen jedoch seltener vor.

Spezielle Ernährung bei Katzen mit Schilddrüsenüberfunktion

Ein spezielles Futter ist ebenfalls eine Möglichkeit, die Hyperthyreose bei Katzen zu behandeln. Hier kommt wieder Jod ins Spiel: Jod ist ein essentielles Spurenelement und der Grundbaustein für die Herstellung der Schilddrüsen-Hormone.

Eine Begrenzung der Jod-Aufnahme reduziert daher auch die Bildung von T4.

Es gibt derzeit ein Spezialfutter zur Behandlung der felinen Hyperthyreose. Es enthält nur den absoluten Minimalbedarf an Jod.

Wenn die Katze auf dieses spezielle Futter gesetzt werden soll, sollte dies in mehreren kleinen Schritten umgesetzt werden. Denn wer Katzen kennt, kann sich ausmalen, dass ein prompter Futterwechsel in den meisten Fällen zur kompletten Verweigerung des neuen Futters führen wird. Daher ist es am besten, das neue Futter in kleinen Portionen dem altbekannten Futter beizumischen und die Menge schrittweise zu erhöhen.

Der Nachteil an der Sache: Die Katze darf nichts – also wirklich gar nichts, kein einziges Molekül eines anderen Futters aufnehmen – außer dieser Diät, sonst funktioniert die Therapie nicht. Für Freigänger ist diese Therapieform daher ungeeignet, genauso wie für Katzen mit einer Futtermittel-Unverträglichkeit oder in einem Mehrkatzen-Haushalt.

Außerdem ist die Diät nur in einem frühen Stadium der Überfunktion alleine ausreichend und kann nur eingesetzt werden, wenn davor keine andere Behandlung erfolgte.

Der Vorteil am Futter ist, dass es gut geeignet ist für Patienten mit einer chronischen Niereninsuffizienz.

Welches ist das beste Futter bei Katzen mit Hyperthyreose?

Eine optimale Versorgung mit Nährstoffen ist in jedem Lebensabschnitt unabdingbar. Bekommt die Katze KEINE jodarme Diät, sollte sie am besten ein hochwertiges Seniorenfutter bekommen, welches die Nieren nicht zusätzlich belastet.

Auch bei den anderen reversibeln Therapieformen sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass die Katzen nicht mit jodreicher Nahrung (z.B. Fisch, Algen, Garnelen oder gesalzenen Lebensmitteln) gefüttert werden!

Achtung, auch Jod-haltige Desinfektionsmittel (z.B. Betaisodona) sollten nicht im Umfeld der Katze verwendet werden!

Radiojodtherapie bei Katzen mit Schilddrüsenüberfunktion

Wie wir mittlerweile wissen, wird Jod sehr gerne von der Schilddrüse aufgenommen. „Diese Eigenschaft nutzt man bei der Radiojodtherapie: radioaktives 131Jod wird genauso gerne wie nicht-radioaktives Jod von der Schilddrüse aufgenommen. Die Radioaktivität zerstört zielgerichtet die umliegenden Schilddrüsenzellen und kann so die Hyperthyreose dauerhaft heilen.“, erklärt Dr.Maximilian Pagitz, Spezialist für Radio-Onkologie an der VetMedUni Vienna.

Die Menge des radioaktiven 131Jods ist von Katze zu Katze unterschiedlich und abhängig von der Schwere der Schilddrüsenüberfunktion. Deswegen ist die Szintigraphie (s.o. bei Untersuchungen und Diagnose) vor der Radiojodtherapie essentiell: Umso mehr Technetium sich bei der Szintigraphie in der Schilddrüse anreichert, umso mehr 131Jod wird für die Therapie benötigt.

Bei gutartigen Formen werden auf der VetMedUni Vienna beispielsweise 37-185MBq (Megabecquerel) verwendet, bei Schilddrüsen-Karzinomen wird mehr Strahlung benötigt.

Dr. Pagitz erklärt: „Je nachdem, wie kooperativ die Katzen sind, werden die Untersuchungen im Wachzustand oder unter kurzer Narkose durchgeführt. Die Katzen müssen bei der Szintigraphie einige Minuten für die Kamera still halten, sonst kann man die Messungen nicht durchführen.“

Aufgrund der Tatsache, dass von den Patienten im Zuge der Therapie eine geringe Strahlung ausgeht, müssen die Katzen einige Tage stationär in der Klinik in einem sogenannten Strahlenschutzbereich bleiben und dürfen auch von den Besitzern in dieser Zeit nicht besucht werden. Für viele Besitzer ist das ein großes emotionales Hindernis. Man muss sich allerdings klar machen, dass die Katze mit dieser Therapie als geheilt gilt und damit mit Abstand die längste Überlebenszeit hat (s.u.)!

Die weiteren Vorteile sind, dass die Radiojodtherapie sehr schonend ist, nur wenig Nebenwirkungen hat und je nach Studie zu 90-95% eine Heilung der Grunderkrankung möglich ist.

Allerdings kann es durch die Behandlung leider in manchen Fällen zu einer Schilddrüsenunterfunktion kommen – d.h. die Schilddrüse ist dann nicht mehr in der Lage, ausreichend Schilddrüsenhormone herzustellen. Eine Unterfunktion ist aber i.d.R. harmloser und auch wesentlich leichter zu behandeln als eine Schilddrüsenüberfunktion – die Samtpfote erhält dann einfach künstliche Schilddrüsenhormone.

Radiojodtherapie bei der Katze: Kosten

Die Kosten für die Radiojodtherapie einer Katze liegen je nachdem zwischen 1000-1300 €. Die Kosten sind zwar hoch, rechnen sich aber im Vergleich zu einer medikamentellen Therapie innerhalb von 12-15 Monaten, da auch weniger Blutkontrollen anfallen. Die häufigste Nebenwirkung ist, dass Katzen nach der Radiojodtherapie vorübergehend eine Schilddrüsenunterfunktion haben. Das ist jedoch weitaus weniger schädlich für den Körper als eine Hyperthyreose.

Radiojodtherapie bei der Katze: Kliniken

Eine Radiojodtherapie für Katzen wird u.a. an folgenden Instituten durchgeführt:

Chirurgische Entfernung der Schilddrüse

Eine weitere Möglichkeit ist, das veränderte Schilddrüsengewebe in einer OP chirurgisch zu entfernen. Die OP ist bei nachgewiesenen Karzinomen (bösartigen Tumoren) eine adäquate Therapieform. Das schließt mit ein, dass vorher mittels Szintigraphie und/oder Probennahme ein bösartiger Knoten diagnostiziert wurde. Bei großen Knoten kann es Sinn machen, trotzdem vorher eine Radiojodtherapie durchzuführen, damit der Knoten kleiner wird und besser zu operieren ist.

Ein Vorteil der OP ist, dass sie schnell und vergleichsweise kostengünstig ist im Verhältnis zu einer lebenslangen Therapie mit Medikamenten. Zudem gelten die Katzen als geheilt, da die Ursache der Hormonüberproduktion entfernt wurde.

Komplikationen bei der OP

Wie bei jeder anderen Therapieform auch kann es zu Komplikationen kommen. Da der Großteil der Katzen mit Hyperthyreose älter ist, haben sie naturgemäß ein höheres Narkoserisiko (im Vergleich zu einer jungen Katze, die z.B. kastriert wird).

Ansonsten besteht das Risiko, dass an dieser heiklen Stelle Nerven geschädigt werden könnten, die für die Stimmbänder zuständig sind oder deren Schädigung in einem sogenannten „Horner-Syndrom“ resultiert (Horner-Syndrom: Nervenschädigung, bei der es klassischerweise zu einer Verengung der Pupille, einem Herabhängen des Augenlids und einem Vorfall des dritten Augenlids kommt).

Auch bei einer OP kann es zu einer dauerhaften Schilddrüsenunterfunktion kommen oder zu anderen hormonellen Störungen. Auch ein Rezidiv des bösartigen Tumors ist im Prinzip möglich.

Homöopathie zur Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion

„In einer Studie von 2017 wurden 40 Katzen mit Schilddrüsenüberfunktion untersucht, die 3 Wochen ausschließlich homöopathisch behandelt wurden. Es wurde keine Besserung der Symptome oder der Blutwerte festgestellt. Da die Hyperthyreose aber eine starke Belastung für den Körper ist, sollte eine rasch wirksame Therapie gewählt werden. Die Homöopathie scheidet nach derzeitiger Datenlage als Mono-Therapie daher leider aus.“, so Doz.  Zeugswetter von der VetMedUni Vienna.

Welche Therapieform ist nun für meine Katze am besten?

Bei der Entscheidung, welche Methode am besten zur Behandlung einer Katze mit Schilddrüsenüberfunktion geeignet ist, spielen viele Faktoren eine Rolle:

  • Alter und Charakter der Katze
  • Schweregrad der klinischen Symptome
  • Begleiterkrankungen, vor allem Nierenfunktion
  • Finanzielle Möglichkeiten

Unabhängig davon, welche Therapieform auf lange Sicht angestrebt wird: Man beginnt bei der Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion immer mit den Tabletten. Das liegt daran, dass man die Effekte der Therapie (vor allem die Nierenfunktion!) vorher beobachten muss, bevor man sich für die Radiojodtherapie oder eine OP entscheidet.

Bei einer relativ jungen Katze ohne Begleiterkrankungen ist in jedem Fall die Radiojodtherapie anzuraten, die diese Therapie in den meisten Fällen eine Heilung herbeiführt und die Katzen mit Abstand die längste Überlebenszeit haben.

Bei einer Katze mit nachgewiesenen Karzinomen sollte je nach körperlichem Zustand eine Operation angestrebt werden.

Katzen mit einer „maskierten CNI“ sind immer speziell und es gibt kein allgemein gültiges „Rezept“. Je nach Schwere der Niereninsuffizienz sollte ebenfalls mit Medikamenten in niedriger Dosierung angefangen und diese gegebenenfalls mit einer jodreduzierten Diät kombiniert werden. Hier macht es in jedem Fall Sinn, einen erfahrenen Internisten aufzusuchen, um ein optimales Therapie-Protokoll zu planen.

Hyperthyreose bei Freigängern

Einzig und alleine die jodreduzierte Diät ist bei einer Freigänger-Katze mit Schilddrüsenüberfunktion nicht sinnvoll. Ansonsten ist es im Gegensatz zu anderen Krankheiten (z.B. Epilepsie, Diabetes) kein Hindernis, wenn die Katze ein Freigänger ist.

Prognose bei Katzen mit Schilddrüsenüberfunktion

Die Lebenserwartung von Katzen mit Schilddrüsenüberfunktion (feliner Hyperthyreose) ist natürlich abhängig von Alter, Begleiterkrankungen und vor allem der Form der Therapie.

In der Regel leben Katzen mit einer medikamentellen Therapie (Tabletten, Salbe, Diät) ca. 1 – 3,9 Jahre.

Katzen, bei denen eine Radiojodtherapie durchgeführt wurde, leben mit durchschnittlich 5 Jahren deutlich länger.

Vorbeugung

Umso wichtiger ist es deshalb, auch augenscheinlich gesunde Katzen ab dem 8. Lebensjahr mindestens einmal im Jahr vom Tierarzt seines Vertrauens gründlich durchchecken zu lassen. Denn umso früher man Erkrankungen wie die Schilddrüsenüberfunktion findet, umso bessere Chancen haben die Patienten auf Heilung und damit auf ein längeres, glückliches Katzenleben!

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Quellen

06. April 2020

Von Mag. med. vet. Elisabeth Baszler

Über den Autor: Mag. med. vet. Elisabeth Baszler

Elisabeth BaszlerWir freuen uns sehr, Elisabeth Baszler als Gastautorin für fellomed gewonnen zu haben! Die österreichische Kollegin ist Fachtierärztin für Kleintiere und arbeitet aktuell an der VetMedUni Vienna. Außerdem hält sie regelmäßig Vorträge für Hunde- und Katzenhalter, in denen sie ihnen u.a. Themen wie Erste Hilfe und Notfälle bei unseren Haustieren näherbringt. Die erfahrene Tierärztin ist selbst begeisterte Katzen- und Hundehalterin – auf dem Bild sehen wir sie mit ihrer Katze Stöpsi!