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Giardien bei der Katze

Giardiose bei der Katze

Giardien können bei Katzen und anderen Tieren unter Umständen zu wiederkehrendem Durchfall führen. In vielen Fällen verläuft eine Infektion aber ohne Symptome. Lesen Sie hier unter anderem wie man die Darmparasiten diagnostiziert und was man bei der Behandlung der Giardien beachten sollte.

Giardien (Katze): Zusammenfassung

  • Häufigkeit der Erkrankung: Gelegentlich

  • Schwere der Erkrankung: Mild bis mittelschwer

  • Vorkommen: Vor allem bei jungen oder immungeschwächten Katzen; aber bei Tieren aller Rassen und Altersstufen möglich

  • Ansteckungsgefahr: Ansteckend für andere Tiere und selten auch auf den Menschen übertragbar

  • Typische Symptome: Wiederkehrender Durchfall, Gewichtsverlust

  • Verlauf: Akut bis chronisch

  • Diagnose: Kotuntersuchung

  • Behandlungsmöglichkeiten: Behandlung mit geeigneten Medikamenten

  • Prognose: Gut

  • Zuständige Spezialisten: Spezialisten für Innere Medizin oder Gastroenterologie

Beschreibung

Giardien sind mikroskopisch kleine Parasiten, die bei der Katze – aber auch bei anderen Tieren und Menschen – Durchfall auslösen können. Die Einzeller leben im Dünndarm und heften sich dort an die Darmwand an. Am häufigsten kommen sie bei Katzenwelpen und jungen Tieren unter einem Jahr vor.

Über verschiedene Mechanismen – die bis heute noch nicht vollständig geklärt sind – können Giardien unter Umständen Durchfall und Gewichtsverlust bei den betroffenen Katzen verursachen. Doch nicht jede mit Giardien infizierte Katze entwickelt auch Symptome. Meistens liegt eine sogenannte subklinische Infektion vor, bei der die Tiere die Parasiten ohne Symptome mit dem Kot ausscheiden können.

Giardien kommen nicht nur bei der Katze vor, auch andere Tiere oder Menschen können an den Darmparasiten erkranken. Obwohl bei der Katze und beim Menschen meist unterschiedliche Giardien-Arten vorkommen, kann es im Einzelfall schon mal passieren, dass sich der Mensch bei einem infizierten Tier ansteckt. Vor allem chronisch kranke Menschen oder Personen mit einem geschwächten Immunsystem sind gefährdet. Wenn solche Personen im Haushalt mit einer infizierten Katze leben, kann man die Giardien-Art bestimmen lassen, um das Risiko besser einschätzen zu können.

Giardie im Lichtmikroskop (CDC / Janice Haney Carr, Giardia lamblia SEM 8698 lores, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons)

Ursachen und Risikofaktoren für Giardien

Giardien bilden sogenannte Zysten, die die infizierte Katze mit dem Kot in die Umwelt ausscheidet. Indem die Katzen die Zysten – z.B. aus Kot, verunreinigtem Wasser/Futter oder durch Abschlecken eines infizierten Tieres – aufnehmen, stecken sie sich mit den Parasiten an. Die Zysten der Giardien können, vor allem bei kühlen und feuchten Bedingungen, mehrere Monate in der Umwelt überleben und infektiös bleiben.

Das Risiko, dass sich Katzen mit Giardien anstecken ist natürlich dort am größten, wo die Tiere viel Kontakt zu Artgenossen haben. Besonders schnell verbreiten sich Giardien deshalb z. B. in Tierheimen, Tierpensionen oder Haushalten mit mehreren Katzen.

Weil bei Katzenwelpen oder jungen Tieren das Immunsystem noch nicht voll ausgebildet ist, haben diese ein erhöhtes Risiko für eine Erkrankung mit Giardien. Auch bei kranken Stubentigern mit geschwächtem Immunsystem haben die Parasiten leichteres Spiel.

Symptome bei Giardien

Wie bereits erwähnt, verursachen Giardien nicht immer Symptome und oft bleibt die Erkrankung unbemerkt.

Breiiger bis flüssiger, übelriechender und immer wiederkehrender Durchfall ist aber ein typisches Anzeichen für eine Giardien-Infektion. In einigen Fällen kann dem Kot auch Schleim (selten auch Blut) beigemengt sein. Auch Gewichtsverlust kann bei einer Erkrankung mit den Darmparasiten auftreten. Erbrechen oder Fieber ist bei erkrankten Katzen nur selten festzustellen.

Untersuchungen und Diagnose

Leidet die Katze an wiederkehrendem Durchfall, sollte sie beim Tierarzt vorgestellt werden. Neben einer klinischen Allgemeinuntersuchung, wird er sie auf Schmerzen und andere Symptome untersuchen.

Um festzustellen, ob eine Katze mit Giardien infiziert ist, untersucht der Tierarzt den Kot des Tieres. Weil die Giardien aber nicht bei jedem Kotabsatz ausgeschieden werden, muss eine Sammelkotprobe untersucht werden. Der Besitzer sollte dafür den Kot von 3 aufeinander folgenden Kotportionen sammeln und zum Tierarzt bringen. Das Probengefäß mit dem Kot sollte bis zum Tierarzttermin möglichst kühl gelagert werden.

Für die Kotuntersuchung gibt es verschiedene Möglichkeiten. Am besten eignet sich für den Nachweis der Giardien aber ein spezieller Schnelltest (SNAP-Test) oder die Untersuchung unter dem Mikroskop in einem geübten Labor.

Behandlung von Giardien

Zur Behandlung von Giardien bei der Katze setzt der Tierarzt spezielle Medikamente ein. Panacur ist das am häufigsten verwendete Präparat. Panacur enthält den Wirkstoff Fenbendazol, der auch gegen andere Darmparasiten (z.B. Spul- oder Bandwürmer) wirkt. Die infizierten Katzen sollten damit 5 Tage lang behandelt werden. Um die Behandlung und die Darmflora zu unterstützen, können Probiotika und eine Magen-Darm schonenden Diät gefüttert werden.

Nach der Behandlung sollte noch einmal eine Sammelkotprobe untersucht werden, um zu schauen ob die Behandlung erfolgreich war. Dafür sollte die Kotprobe unter dem Mikroskop in einem Labor untersucht werden. Der Schnelltest (SNAP-Test) ist für die Kontrolle des Therapieerfolges weniger gut geeignet, da er evtl. auch tote Parasiten nachweisen und fälschlicherweise positiv ausfallen kann.

Leider sind Giardien relativ widerstandsfähig und nicht immer hat man mit der ersten Behandlung den erhofften Erfolg. In diesem Fall ist ein zweiter, längerer Behandlungszyklus – eventuell mit einem anderen Medikament (z.B. Metronidazol) –  notwendig.

Um die Erfolgsaussichten der Behandlung zu erhöhen und um zu verhindern, dass sich die Katze direkt wieder ansteckt, ist es wichtig die folgenden Hygienemaßnahmen zu beachten:

  • Kot aus dem Katzenklo möglichst schnell entfernen.
  • Die Katzentoilette täglich mit kochendem Wasser reinigen und danach gründlich abtrocknen, da die Zysten bei feuchten Bedingungen besonders lange infektiös bleiben.
  • Bereich um den Anus regelmäßig reinigen und sauber halten.
  • Futter- und Wassernäpfe täglich mit heißem Wasser ausspülen und vor Verunreinigungen durch Kot oder Fliegen schützen.
  • Nur frisches Wasser zu trinken anbieten.
  • Decken, Körbchen und Spielzeug am Anfang und am Ende der Therapie so heiß wie möglich waschen.
  • Die Katze (v.a. langhaarige Stubentiger) am Ende der Behandlung gründlich shampoonieren, um die Zysten aus dem Fell zu waschen. Beim Putzen schlecken sie die Zysten sonst ab und infizieren sich wieder neu.
  • Feste Böden am besten mit einem Dampfstrahler (über 60 °C) abspritzen und danach desinfizieren. (Liste geeigneter Desinfektionsmittel auf der Website der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft DVG: http://www.desinfektion-dvg.de/index.php?id=1800)

Die derzeitige Empfehlung der Spezialisten ist, dass nur Katzen gegen Giardien behandelt werden müssen, die auch Symptome zeigen. Es macht also keinen Sinn gesunde Tiere ohne typische Symptome auf einen Befall zu testen, weil selbst im positiven Fall keine Behandlung empfohlen wird. Ausnahme: Leben in einem Haushalt mehrere Tiere und erkrankt eines davon an den Parasiten, sollten alle Tiere im Haushalt mitbehandelt werden – unabhängig davon ob sie Symptome zeigen oder nicht.

Prognose

Die Prognose bei Giardien ist in der Regel gut. Die meisten, ansonsten gesunden Katzen zeigen nach einer geeigneten Behandlung keine Symptome mehr. Manchmal kann aber ein zweiter oder dritter Behandlungszyklus notwendig sein.

Vorbeugung

Vor einer Ansteckung mit Giardien ist leider keine Katze gefeit und eine Vorbeugung ist schwierig, da die Zysten überall in der Umwelt sein können und dort auch mehrere Monate überleben. Bei den meisten Samtpfoten bleibt eine Infektion mit den Darmparasiten aber unbemerkt und ohne Konsequenzen.

Um einen Rückfall nach einer Behandlung vorzubeugen, sollten die oben beschriebenen Hygienemaßnahmen berücksichtigt werden.

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Quellen

22. März 2018

Von Dr. Stefanie Mallmann

2018-10-27T20:00:44+00:00

Über den Autor:

Geboren in der Nähe von Passau habe ich von 2008 bis 2014 an der LMU München Tiermedizin studiert. Nach meinem Abschluss habe ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München (Thema: Auswertung eines neuartigen Allergietests) gemacht. Anschließend habe ich ein Jahr in der Onkologie gearbeitet. Die Arbeit mit krebskranken Tieren war zwar oft sehr traurig, aber ich habe dort viele tolle Tiere und ihre Besitzer kennengelernt. 2014 habe ich meine Mischlingshündin Lotta adoptiert – unseren süßen Bürohund.