Folgt uns auf:

fellomed auf YouTube

fellomed auf Instagram

fellomed auf Facebook

 

 

Blut im Urin bei der Katze

Blutiger Urin, Roter Harn, Hämaturie

///Blut im Urin bei der Katze

Entdeckt man Blut im Urin der Katze (mediz.: Hämaturie) erschrickt man sehr! Und tatsächlich sollte man beim Fund roter Katzenstreu-Klumpen möglichst bald zum Tierarzt gehen. Denn obwohl oft eine relativ harmlose Ursache (z.B. eine Blasenentzündung) hinter dem Problem steckt, können auch schwere Erkrankungen (z.B. Harnblasenkrebs) zu Blut im Urin führen.

Beschreibung

Urin hat bei Katzen normalerweise eine hell- bis dunkelgelbe (evtl. orangene) Farbe. Ist der Harn plötzlich blutig bzw. haben die Klumpen im Katzenklo auf einmal eine rote Farbe, kann das dramatisch aussehen.

Allerdings kommt die rote Farbe nicht immer von Blut im Urin. In seltenen Fällen sind auch Farbstoffe für die rötliche Färbung verantwortlich.

Andererseits kann es auch sein, dass sich Blut im Urin befindet, ohne dass Sie es überhaupt bemerken und ohne dass der Harn der Katze rot gefärbt ist. In einem solchen Fall sprechen Ärzte von Mikrohämaturie bzw. okkulter Hämaturie. Der Tierarzt kann diese bei einer Urinuntersuchung mit einem Mikroskop feststellen.

Wieso ist der Urin rot?

In den meisten Fällen kommt die rötliche Farbe tatsächlich von Blut im Urin (Hämaturie) – das heißt, im Harn sind rote Blutkörperchen (Erythrozyten) vorhanden.Die Harnwege der Katze

Grundsätzlich kann das Blut überall dort in den Harn gelangen, wo dieser auf seinem Weg durch den Körper entlangkommt. Da der Harn in den Nieren entsteht, von dort über die Harnleiter in die Harnblase fließt und schließlich über die Harnröhre den Körper verlässt, können auch alle diese Harnorgane Ursprung von Blut im Urin sein.

Allerdings kann es auch aus den Geschlechtsorganen stammen (bei weiblichen Katzen z.B. aus Gebärmutter oder Scheide; bei männlichen Katzen z.B. aus dem Penis). Denn die Harnröhre mündet bei Kätzinnen in der Scheide, bei Katern an der Penisspitze. Das Blut aus den Geschlechtsorganen kann sich also auch dort in den Harn mischen.

Zu Blutungen in den Harn- und Geschlechtsorganen kann es auf zwei Wegen kommen:

  • Häufiger: Blutende Wunden (Läsionen) in den Harn- oder Geschlechtsorganen

    Solche Verletzungen können z.B. als Folge von Entzündungen, Tumoren oder rauen Strukturen wie Harnsteinen auftreten.

  • Seltener: Blutungen aufgrund einer Gerinnungsstörung

    Funktioniert die Blutgerinnung nicht ausreichend (z.B. als Folge einer Vergiftung mit Rattengift), kommt es überall im Körper zu spontanen Blutungen (d.h. ohne vorherige Verletzung). Treten sie in den Harn- oder Geschlechtsorganen auf, kommt es zu Blut im Urin. Meistens bluten betroffene Katzen zusätzlich auch in anderen Organen, z.B. Nase, Magen/Darm, Haut.

Roter Urin durch Farbstoffe im Blut

Selten kann die rote Farbe des Urins auch von Farbstoffen im Blut stammen. Diese werden in den Nieren aus dem Blut gefiltert und gelangen so in den Harn, wo sie zur rötlichen Färbung führen. In der Regel handelt es sich bei den Farbstoffen um Hämoglobin (den Blutfarbstoff) oder – seltener – Myoglobin (Farbstoff aus Muskeln).

Hämoglobin ist in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) für die Sauerstoffbindung zuständig. Es gelangt in freier Form ins Blut, wenn die roten Blutkörperchen in den Blutgefäßen zerstört werden (sog. intravasale Hämolyse; z.B. durch das eigene Immunsystem der Katze bei Autoimmunkrankheiten). Werden sehr viele Erythrozyten zerstört, wird dabei auch sehr viel Hämoglobin freigesetzt. Es gelangt dann auch in den Harn – Mediziner sprechen von einer Hämoglobinurie. Meistens leiden die betroffenen Katzen auch unter einer Blutarmut (Anämie).

Myoglobin ist dagegen ein sauerstoffbindender Muskelbestandteil. Es wird ins Blut freigesetzt, wenn die Muskeln einer Katze stark geschädigt werden (z.B. bei einem Unfall). Gelangt das Myoglobin in den Harn, spricht man von einer Myoglobinurie.

In sehr seltenen Fällen können die Farbstoffe im Blut bzw. im Urin allerdings auch aus dem Futter der Katze stammen (z.B. bei Fütterung großer Mengen roter Bete).

Ursachen für Blut im Urin/roten Urin bei der Katze

Blut im Urin (bzw. roter Harn) bei der Katze kann sehr viele Ursachen haben. Sehr häufig liegen Erkrankungen der unteren Harnwege zugrunde. Da diese alle ähnliche Symptome haben können, werden sie zum sogenannten FLUTD-Komplex („Feline Lower Urinary Tract Disease“, auf Deutsch also „Erkrankung der unteren Harnwege der Katze“) zusammengefasst.

Die häufigsten Ursachen für Blut im Urin bzw. rotem Harn bei der Katze:

  • Idiopathische Blasenentzündung
  • Harnsteine in der Harnblase/Harnröhre
  • Bakterielle Blasenentzündung

Idiopathische Blasenentzündung

Die idiopathische Blasenentzündung (idiopathische FLUTD/Zystitis) ist eine der häufigsten Ursachen für Blut im Urin bei der Katze. Bei der Erkrankung handelt es sich um eine Blasenentzündung, für die keine Ursache (wie z.B. Bakterien) gefunden werden kann. Meist erkranken junge bis mittelalte Katzen. Stress scheint eine große Rolle bei der Entwicklung der Krankheit zu spielen.

Betroffene Tiere haben einen ständigen Harndrang und setzen immer wieder kleine Mengen (z.T. nur einige Tropfen) Urin ab – teilweise unter erkennbaren Schmerzen. Viele Katzen verlieren durch die Krankheit auch ihre Stubenreinheit und werden unsauber.

Weitere Symptome können sein: übermäßiges Putzen und Lecken an Genitalien und Bauch, Teilnahmslosigkeit, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen. Vor allem bei Katern kann es auch zu einem lebensbedrohlichen Harnröhrenverschluss kommen – die betroffenen Kater können kaum noch oder gar keinen Urin mehr absetzen.

Harnsteine

Harnsteine kommen bei Katzen in den meisten Fällen in der Harnblase vor. Oft haben die Steine eine raue Oberfläche, die an der Blasenwand reibt und dadurch zu Blut im Urin führt.

Die betroffenen Katzen können die gleichen Symptome haben wie bei einer idiopathischen Blasenentzündung: häufiges Absetzen kleiner Mengen Urin (Pollakisurie), Schmerzen beim Pinkeln (Strangurie), Unsauberkeit usw.

Vor allem bei Katern können die Steine auch in die Harnröhre abgeschwemmt werden und dort zu einem gefährlichen Harnröhrenverschluss führen. Harnsteine kommen häufiger bei mittelalten, kastrierten und/oder übergewichtigen Katzen vor.

Bakterielle Blasenentzündung

Bei einer bakteriellen Blasenentzündung führen Bakterien in der Harnblase zu einer Entzündung. Diese kann die Blasenwand so stark schädigen, dass es zu Blut im Urin kommt.

Eine bakterielle Blasenentzündung entsteht i.d.R. nur, wenn das Abwehrsystem der Katze geschwächt ist. Meist sind mittelalte bis alte Katzen (älter als 10 Jahre) von dieser Krankheit betroffen.

Die Symptome sind die gleichen wie bei den beiden vorher beschriebenen Erkrankungen.

Gelegentliche Ursachen für Blut im Urin bzw. roten Urin:

  • In den unteren Harnwegen (Harnblase, Harnröhre):

    • Verletzungen (Trauma)
    • Angeborene oder erworbene anatomische Fehlbildungen, z.B. Polypen
    • Tumoren (Harnblasen- oder Harnröhrenkrebs)

(Häufige zusätzliche Symptome: Harndrang, häufiges Absetzen kleiner Mengen Urin, Schmerzen beim Pinkeln, Unsauberkeit)

  • In den oberen Harnwegen (Nieren, Harnleiter):

    • Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) oder Entzündung der Nierenkörperchen (Glomerulonephritis)
    • Harnsteine
    • Nierenzysten (flüssigkeitsgefüllte Hohlräume; kommen v.a. bei Perserkatzen vor)
    • Tumoren (Nierenkrebs)
    • Niereninfarkt
    • Verletzung (Trauma) (z.B. Autounfall)

(Mögliche zusätzliche Symptome: z.B. Appetitlosigkeit, Teilnahmslosigkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Gewichtsverlust und/oder vermehrter Durst/Absetzen großer Harnmengen)

Seltene Ursachen für blutigen Urin bzw. roten Urin bei der Katze

  • In den Geschlechtsorganen:

    • Gebärmuttervereiterung/-entzündung (Pyometra) (v.a. unkastrierte Kätzinnen)
    • Entzündung der Scheide (Vaginitis)
    • Verletzung (Trauma)
    • Tumoren in Scheide oder Gebärmutter bzw. am Penis

(Mögliche zusätzliche Symptome: z.B. blutiger oder eitriger, stinkender Ausfluss aus Scheide bzw. Penis unabhängig vom Harnabsatz, Schwellung des Penis, Appetitlosigkeit, Fieber, Erbrechen oder vermehrter Durst/Absetzen großer Harnmengen)

  • Störung der Blutgerinnung, z.B. durch

    • Verschiedene Infektionskrankheiten, z.B. FIP, FeLV („Leukose“), Dirofilariose (Herzwürmer)
    • Autoimmunkrankheiten (v.a. Immunmediierte Thrombozytopenie, dabei kommt es zur Zerstörung der Blutplättchen)
    • Verschiedene Tumoren (z.B. Lymphom, Milztumor)
    • Vergiftungen, z.B. mit Rattengift, Aspirin (Acetylsalicylsäure), Östrogen (Antibabypille)
    • Hitzschlag

(Weitere mögliche Symptome sind z.B. Nasenbluten, blutiger Kot, blutiges Erbrechen, Einblutungen in die Haut, blasse Schleimhäute)

  • Hämoglobinurie (d.h. Ausscheidung von Blutfarbstoff mit dem Urin), z.B. bei

    • Autoimmunhämolytischer Anämie (Autoimmunerkrankung, bei der es zur Zerstörung der roten Blutkörperchen kommt)
    • Infektionskrankheiten (z.B. Mykoplasmose/Hämoplasmose)
    • Vergiftung, z.B. mit Kupfer, Zwiebeln, Knoblauch
    • Hitzschlag

(Weitere mögliche Symptome sind z.B. blasse, evtl. sogar bläuliche oder gelbe Schleimhäute, schnelle Atmung, Schwäche)

Sehr seltene Ursachen für Blut im Urin bzw. roten Urin:

  • Myoglobinurie (d.h. Ausscheidung von Muskelfarbstoff mit dem Urin), z.B. bei

    • Muskelentzündung (Myositis)
    • Schweren Verletzungen der Muskeln, z.B. große Quetschwunden
    • Anhaltenden Krampfanfällen

(Weitere mögliche Symptome sind z.B. Muskelschmerzen, Muskelschwellung, Schwäche)

  • Aufnahme von Futterfarbstoffen, z.B. beim Fressen großer Mengen roter Bete

Dann sollten Sie zum Tierarzt

Wenn Ihre Katze Blut im Urin bzw. einen rötlich verfärbten Harn hat, sollten Sie möglichst bald einen Tierarzt aufsuchen. Denn bei allen möglichen Ursachen gilt: je schneller eine Behandlung erfolgt, desto besser! Ansonsten kann es zu teilweise schweren Folgeschäden kommen.

Geht es Ihrer Katze zusätzlich zum Blut im Urin sehr schlecht (z.B. kein oder kaum Harnabsatz, starkes Erbrechen, sehr blasse/bläuliche/gelbe Schleimhäute, weitere Blutungen, z.B. aus der Nase), handelt es sich um einen Notfall und Sie sollten so schnell wie möglich zum Tierarzt fahren!

Untersuchungen und Diagnose

Als erstes wird Ihnen der Tierarzt einige Fragen stellen, um möglichst viel über das Problem und die Krankengeschichte der Katze zu erfahren (Anamnese). Anschließend wird er eine klinische Allgemeinuntersuchung durchführen und dabei den Bauch (v.a. Nieren, Harnblase) sowie bei Katern den Penis gründlich abtasten.

Um erste Hinweise auf die Ursache der roten Harnfärbung zu bekommen, wird der Tierarzt anschließend eine Urinuntersuchung durchführen. Dabei kann er auch unterscheiden, ob es sich um eine echte Hämaturie (Blut im Urin) handelt oder ob eine Hämoglobinurie oder Myoglobinurie vorliegt. In den meisten Fällen ist außerdem eine Blutuntersuchung (Blutbild, Organwerte und gegebenenfalls Gerinnungswerte) angebracht.

Um die Ursache des Bluts im Urin bzw. des roten Harns festzustellen, muss im Anschluss meistens eine Röntgen– und/oder Ultraschalluntersuchung des Bauchraums durchgeführt werden. Hierbei kann der Tierarzt auch kleinere Veränderungen der Harn- und Geschlechtsorgane sowie z.B. Harnsteine erkennen.

Wenn mit diesen Untersuchungen die Ursache für das Blut im Urin nicht gefunden wurde, können noch weitere Untersuchungen nötig sein (z.B. endoskopische Untersuchung der Harnröhre und -blase, Entnahme von Zell- oder Gewebeproben, Röntgenkontrast-Untersuchung der Harnwege).

Behandlung bei blutigem Urin bzw. rotem Urin

Die Behandlung (und auch die Heilungsprognose) einer Katze mit blutigem Urin bzw. rotem Urin hängt stark von der zugrundeliegenden Ursache ab.

Das können Sie selbst tun

Blut im Urin (Hämaturie) bzw. roter Harn ist ein Warnzeichen, bei dem man nicht abwarten und auch keine Behandlung mit Hausmitteln versuchen sollte.

Sie können aber schon wichtige Informationen sammeln, bevor Sie zum Tierarzt gehen – diese sollten Sie ihm beim Termin auch unbedingt mitteilen. Beobachten Sie Ihre Katze genau: Wann sehen Sie Blut im Urin: am Anfang, in der Mitte, am Ende des Harnabsatzes? Oder während der gesamten „Pinkel-Zeit“? Hat Ihre Katze auch blutigen oder eitrigen Ausfluss aus Scheide bzw. Penis, wenn sie gerade keinen Harn absetzt? Scheint ihr das Pinkeln Schmerzen zu bereiten und ist die Urinmenge pro Harnabsatz kleiner oder größer als normal? Trinkt sie mehr als früher? Hat sie weitere Symptome?

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie diesen Artikel kurz bewerten würden:

[Gesamt:37    Durchschnitt: 3.9/5]
Quellen

11. Dezember 2017

Von Dr. Iris Wagner-Storz

2018-10-27T20:43:15+00:00

Über den Autor:

Als ursprüngliche Schwäbin bin ich 2007 nach München gezogen um Tiermedizin an der LMU zu studieren. Anschließend hab ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München geschrieben – über eine neue Art der Immuntherapie bei Hunden mit Umweltallergie. Meine Lieblingsbereiche sind die Dermatologie, die Innere Medizin und Infektionskrankheiten. Ich bin stolze Dosenöffnerin für meine beiden Miezen Nini und Clyde, liebe alle Tiere (Katzen aber natürlich besonders) und habe eine Schwäche für Kuchen.