Harngrieß und Blasensteine sind bei Katzen leider gar nicht so selten. Sie können die Blasenwand reizen und so zu den typischen Symptomen einer Blasenentzündung führen. Vor allem bei Katern können Harnsteine aber auch in die Harnröhre abgeschwemmt werden und dort stecken bleiben. Die Folge ist ein lebensbedrohlicher Harnröhrenverschluss.

Lesen Sie hier wie Harnsteine entstehen, wie Sie erkennen, ob Ihre Katze betroffen ist, und wie Blasensteine und Harngrieß behandelt werden.

Blasensteine und Harnsteine (Katze): Zusammenfassung

  • Häufigkeit der Erkrankung: Gelegentlich

  • Schwere der Erkrankung: Leicht bis sehr schwer

  • Vorkommen: Vor allem bei mittelalten, kastrierten u./o. übergewichtigen Katzen. Burma-, Perser-, Himalaja-, Ragdoll- und Schottische Faltohr (Scottish Fold)-Katzen scheinen etwas häufiger betroffen zu sein.

  • Ansteckungsgefahr: Nicht ansteckend für Tiere oder Menschen

  • Typische Symptome: Symptome einer Blasenentzündung (ständiger Harndrang, häufiges Absetzen kleiner Mengen Urin, Schmerzen beim Urinieren), Unsauberkeit, teilweise blutiger Urin

  • Verlauf: Akut bis chronisch

  • Diagnose: Urinuntersuchung, Röntgen- u./o. Ultraschalluntersuchung

  • Behandlungsmöglichkeiten: Unterschiedlich (je nach Lage & Harnsteinart)

  • Prognose: Vorsichtig bis gut

  • Zuständige Spezialisten: Spezialisten für Innere Medizin

Beschreibung

Bei Katzen werden Blasensteine bzw. Harnsteine zum sogenannten FLUTD (Feline Lower Urinary Tract Disease)-Komplex gezählt. Die Harnwegs-Erkrankungen in diesem Komplex zeichnen sich durch sehr ähnliche Symptome aus, weswegen sie sehr leicht verwechselt werden können! Erfahren Sie hier mehr zum FLUTD-Komplex.

Genau wie wir Menschen, scheiden Katzen mit dem Urin viele verschiedene Stoffe in Form von Mineralsalzen aus, z.B. Kalzium, Phosphat und Magnesium. Eigentlich sind diese Salze im Harn gelöst (so wie in Wasser aufgelöstes Kochsalz). Wenn die Menge der Salze allerdings zu groß wird und der Urin stark übersättigt ist, können sie sich zu Kristallen verbinden (Vgl.: zu viel Salz im Wasser – das Salz löst sich nicht mehr auf). Diese Kristalle sind wie sehr, sehr feiner Sand. Normalerweise führen sie allerdings noch zu keinen Symptomen.

Werden die Kristalle nicht ausgeschieden, können sie sich aber zu größeren Gebilden zusammenlagern: entweder zu Harngrieß (kleine, aber mit bloßem Auge erkennbare Harnsteinchen; oft falsch als „Harngries“ geschrieben) oder sogar zu noch größeren, steinartigen Konkrementen, sogenannten Harnsteinen.

Wo können Harnsteine bei der Katze vorkommen?

Die Harnwege der Katze

Schematische Darstellung der Harnwege der Katze.

Grundsätzlich können Harnsteine überall dort vorkommen, wo der Urin auf seinem Weg durch den Körper vorbeikommt. In den meisten Fällen findet man Harnsteine bei der Katze jedoch in der Blase (in diesem Fall werden sie dann auch Blasensteine genannt). Sie reiben dort an der Blasenwand und führen so oft zu den klassischen Symptomen einer Blasenentzündung.

Manchmal gelangen die Steine allerdings auch in die Harnröhre (verbindet die Blase mit der „Außenwelt“). Vor allem bei Katern können die Harnsteine dort steckenbleiben und die Harnröhre vollständig oder teilweise blockieren (Harnröhrenverschluss). Dadurch kann kein (oder kaum) Urin mehr vorbeifließen. Die Folge ist eine lebensgefährliche Harnabflussstörung (sog. obstruktive Urolithiasis): der Urin staut sich bis in die Nieren zurück, was innerhalb kurzer Zeit zu einem akuten Nierenversagen führen kann.

Selten finden sich Harnsteine bei Katzem auch in den Nieren (Nierensteine) oder Harnleitern. Vor allem Nierensteine verursachen häufig keine erkennbare Symptome, weswegen sie oft unbemerkt bleiben. Leider können sie dort aber auch zu einer chronischen Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) oder zu einer chronischen Niereninsuffizienz führen.

Wenn beide Harnleiter durch Harnsteine verstopft sind, ist die Situation ähnlich wie bei einem Harnröhrenverschluss: der Urin kann nicht mehr abfließen, staut sich in den Nieren und kann schnell zu einem oft tödlichen akuten Nierenversagen führen – es handelt sich also um einen lebensgefährlichen Notfall!

Einteilung der Harnsteine und wieso diese wichtig ist

Tatsächlich ist Harnstein nicht gleich Harnstein: Man unterscheidet bei der Katze nämlich verschiedene Arten von Blasensteinen bzw. Harnsteinen – und zwar abhängig von ihrer chemischen Zusammensetzung.

Am häufigsten kommen bei der Katze Struvit– und Kalziumoxalat-Steine vor. Diese sind in 90% der Fälle für die Erkrankung verantwortlich. Dabei kommen die beiden Steinarten etwa gleich häufig vor (je 45% der Fälle).

Am dritthäufigsten findet man bei der Katze Urat-Steine. Diese sind jedoch wesentlich seltener als die beiden erstgenannten Arten (ca. 5% der Fälle).

Obwohl diese Einteilungsmethode kompliziert klingt und die Steinnamen alle schwierig auszusprechen sind, ist diese Einteilung sehr wichtig. Denn die unterschiedlichen Blasenstein- bzw. Harnstein-Arten bilden sich unter verschiedenen Voraussetzungen und werden auch unterschiedlich behandelt.

Weil Katzen in den allermeisten Fällen an Struvit- und Kalziumoxalatsteinen leiden, geht es in diesem Beitrag allerdings vor allem um diese beiden Steinarten.

Struvitsteine

Diese Harnsteine bestehen aus Magnesium, Ammonium und Phosphat. Vor allem die Fütterung scheint Einfluss auf ihre Entstehung zu haben. Im Gegensatz zum Hund sind Struvitsteine bei der Katze nur selten die Folge einer Harnwegsinfektion (bakterielle Blasenentzündung). Sie bilden sich nur in neutralem oder basischem Urin (also in Urin mit einem normalen bis hohen pH-Wert).

Struvitsteine können ziemlich groß werden (bis ca. 1 cm groß) und sind manchmal ganz glatt, manchmal aber auch kantig und z.B. stern- oder pyramidenförmig. Struvitkristalle sind häufig an der Bildung von Harnröhren-Schleimpfropfen beteiligt (diese können ebenfalls zu einem Harnröhrenverschluss führen). Struvitsteine und -kristalle können oft durch Anpassung der Fütterung wieder aufgelöst werden.

Häufig sind junge bis mittelalte Katzen von Struvitsteinen betroffen.

Kalziumoxalatsteine

Im Gegensatz zu Struvitsteinen kommen Harnsteine aus Kalziumoxalat nur in neutralem oder saurem Urin vor (also bei normalem bis niedrigem Urin-pH-Wert). Katzen, die einen hohen Kalzium-Spiegel im Blut haben, sind eher von diesen Harnsteinen betroffen. Die Entstehung dieser Steinart ist deswegen ebenfalls eng mit der Fütterung verknüpft (z.B. bei übermäßiger Aufnahme von Kalzium mit dem Futter). Aber auch bestimmte Medikamente und Krankheiten, die den Kalzium-Spiegel im Blut erhöhen, scheinen das Risiko für Kalziumoxalatsteine zu erhöhen. Leider kommen Harnsteine aus Kalziumoxalat aber auch bei Katzen mit einem normalen Kalziumspiegel im Blut vor.

Vor einigen Jahrzehnten waren Struvitsteine noch sehr viel häufiger als Kalziumoxalatsteine. In der Folge verbreitete sich Katzenfutter, das den Urin ansäuerte, um die Bildung von Struvitsteinen und -kristallen zu verhindern. Tatsächlich wurde diese Steinart dadurch auch deutlich seltener. Der durch das Futter saure Urin der Katzen begünstigte allerdings die Entstehung von Kalziumoxalatsteinen. Aus diesem Grund sind Blasen- bzs. Harnröhtensteine aus Kalziumoxalat inzwischen genauso häufig wie solche aus Struvit.

Anders ist die Situation bei Harnleitersteinen (also Steinen in dem „Verbindungsgang“ zwischen Niere und Harnblase) – bei ihnen handelt es sich fast ausnahmslos (ca. 98% der Fälle) um Kaziumoxalatsteine.

Kalziumoxalatsteine können recht klein sein, aber auch bis zu 7 mm groß werden. Ihre Oberfläche kann sowohl abgerundet und glatt als auch rau und unregelmäßig sein. Blasensteine aus Kalziumoxalat lassen sich oft nur chirurgisch entfernen; eine Auflösung durch spezielles Futter oder Medikamente ist nicht möglich.

Harnsteine (bzw. Harngrieß) aus Kalziumoxalat kommen besonders häufig bei Burma-, Perser- und Himalaja-Katzen vor. Außerdem sind oft mittelalte und alte Katzen betroffen.

Symptome bei Blasensteinen bzw. Harnsteinen

Die Symptome bei Harnsteinen können sehr unterschiedlich sein – je nachdem, wie viele Steine eine Katze hat, wie groß sie sind, wo sie sitzen (z.B. Blasensteine, Nierensteine, Steine in der Harnröhre) und wie sie aufgebaut sind (z.B. abgerundete oder raue Oberfläche, rund oder sternförmig).

Symptome bei Blasensteinen

Bei manchen Katzen machen die Blasensteine (wenn es nur wenige sind und ihre Oberfläche abgerundet ist) tatsächlich gar keine Probleme und die Katzen zeigen keine Symptome.

Häufig kommt es allerdings zu den klassischen Symptomen einer Blasenentzündung: die betroffenen Katzen urinieren häufig, setzen aber immer nur eine kleine Menge Harn ab (teilweise nur einige Tropfen). Vielen Katzen tut das Pinkeln auch weh (häufig schreien oder miauen sie dann im Katzenklo). Oft wirkt es so, als würden die betroffenen Katzen richtig „pressen“, um möglichst viel Urin aus der Blase rauszukriegen.

Bei Katzen werden Blasensteine bzw. die Urolithiasis zum sogenannten FLUTD (Feline Lower Urinary Tract Disease)-Komplex gezählt. Die Krankheiten in diesem Komplex zeichnen sich durch sehr ähnliche Symptome aus, weswegen sie sehr leicht verwechselt werden können! Erfahren Sie hier mehr zum FLUTD-Komplex.

Symptome bei Harnröhrensteinen

Wenn Blasensteine in die Harnröhre gelangen und sie teilweise oder sogar vollständig blockieren, wird die Situation lebensgefährlich! Bei einem solchen Harnröhrenverschluss kann der Urin nicht (oder kaum) mehr abfließen (d.h. die Katze kann keinen Urin mehr absetzen) und staut sich. Als Folge kann nicht nur die Blase reißen, sondern es kann innerhalb von nur 2-3 Tagen auch zu einem oft tödlichen akuten Nierenversagen kommen. Ein Harnröhrenverschluss kommt v.a. bei Katern vor.

Manchmal ist es nicht ganz leicht festzustellen, ob eine Katze eine blockierte Harnröhre hat oder nicht. Ein hochgradiger Verdacht auf einen Harnröhrenverschluss besteht aber immer dann, wenn:

  • Die Katze versucht Urin abzusetzen, aber nichts kommt.
  • Die Katze immer wieder nur einige Tropfen Urin absetzt (sodass die insgesamt im Verlauf eines Tages abgesetzte Harnmenge deutlich geringer ist, als normal wäre).
  • Die Katze allgemeine Symptome, wie Erbrechen, Appetitlosigkeit, Teilnahmslosigkeit, Unruhe, Schmerzäußerungen oder eine schnelle, flache Atmung, zeigt.

Wenn diese Symptome beobachtet werden, handelt es sich um einen absoluten Notfall und es sollte so schnell wie möglich ein Tierarzt aufgesucht werden!

Wenn Zweifel bestehen, sollte vor allem bei Katern vorsichtshalber immer davon ausgegangen werden, dass es sich um einen Harnröhrenverschluss handelt!

Symptome bei Nierensteinen

Leiden Katzen unter Nierensteinen, kann es sein, dass sie gar keine keine Symptome zeigen. Sie können aber auch unter blutigem Urin oder (seltener) kolikartigen Bauchschmerzen leiden.

Auf der anderen Seite können die Harnsteine dort aber auch zu einer chronischen Nierenbeckenentzündung und/oder chronischen Niereninsuffizienz führen – dann sind auch die typischen Symptome dieser Erkrankungen möglich, wie z.B.  großer Durst & häufiges Absetzen großer Mengen Urin (Polyurie/Polydipsie), Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, struppiges Fell, Teilnahmslosigkeit, Erbrechen, blutiger Urin und/oder Bauchschmerzen (bei Nierenbeckenentzündungen).

Symptome bei Harnleitersteinen

Auch wenn eine Katze unter Harnleitersteinen leidet, ist eine Bandbreite von Symptomen möglich: je nachdem ob der Verschluss einseitig oder beidseitig und vollständig oder teilweise ist und wie lange er besteht, kann es sein, dass gar keine Symptome auffallen. Es kann aber auch zu einer chronischen Niereninsuffizienz mit den oben bei Nierensteinen beschriebenen Symptomen möglich.

Vor allem bei einem beidseitigen Harnleiterverschluss oder bei einem einseitigen Verschluss in Kombination mit einer verringerten Funktion der anderen Niere sind allerdings auch deutliche Symptome möglich (diese sind ähnlich wie bei einem Harnröhrenverschluss):

  • Bauchschmerzen (teilweise sehr schwere, kolikartige Schmerzen)
  • Probleme beim Pinkeln (die Katze versucht Urin abzusetzen, aber es kommt nichts oder sehr wenig)
  • Appetitlosigkeit
  • Erbrechen

Sind bei einer Katze beide Harnleiter durch Harnsteine verstopft, verläuft die Erkrankung sehr akut und dramatisch. Genau wie bei einem Harnröhrenverschluss staut sich der Urin in den Nieren. Die Folgen sind lebensgefährlich: innerhalb kurzer Zeit kommt es unbehandelt zu einem akuten Nierenversagen und innerhalb von nur 2-3 Tagen zum Tod der Katze. Es handelt sich also um einen lebensbedrohlichen Notfall!