Die idiopathische Blasenentzündung (Zystitis) oder idiopathische FLUTD ist eine Krankheit, bei der es ohne eindeutige Grundursache zu einer Entzündung der Harnblase kommt. Es wird allerdings angenommen, dass Stress ein Auslöser für die Erkrankung ist.

Vor allem bei Katern kann es bei einer idiopathischen FLUTD auch zu einem lebensgefährlichen Verschluss der Harnröhre kommen.

Idiopathische FLUTD/Blasenentzündung (Katze): Zusammenfassung

  • Häufigkeit der Erkrankung: Gelegentlich bis relativ häufig

  • Schwere der Erkrankung: Mittel

  • Vorkommen: Meist bei jungen bis mittelalten Katzen; v.a. bei kastrierten und/oder übergewichtigen Katzen

  • Ansteckungsgefahr: Nicht ansteckend für Tiere oder Menschen

  • Typische Symptome: Plötzliche Unsauberkeit, ständiger Harndrang, häufiges Urinieren, wobei jeweils nur kleine Mengen Urin abgesetzt wird, Schmerzen beim Urinieren

  • Verlauf: Meist chronischer Verlauf mit akuten Schüben

  • Diagnose: Urinuntersuchung, Röntgen- und/oder Ultraschalluntersuchung

  • Behandlungsmöglichkeiten: Anpassung der Lebensbedingungen, Stressreduktion, Steigerung der Wasseraufnahme, Medikamente

  • Prognose: Vorsichtig bis gut

  • Zuständige Spezialisten: Spezialisten für Innere Medizin

Beschreibung

Bei Katzen wird die idiopathische Blasenentzündung zum sogenannten FLUTD-Komplex gezählt. Bei allen Krankheiten in diesem Komplex kommt es zu sehr ähnlichen Symptomen, weswegen sie sehr leicht verwechselt werden können! Erfahren Sie hier mehr zum FLUTD-Komplex.

Es gibt viele Gründe, wie es zu einer Blasenentzündung (Zystitis oder Cystitis) kommen kann: Bakterien können in die Harnblase gelangen und zu einer Infektion führen, Harnsteine können die Blasenwand reizen und manchmal ist auch Blasenkrebs der Auslöser für die Entzündung.

Dennoch: bei über der Hälfte der Katzen (60%) kommt es zur Blasenentzündung, ohne dass der Finger auf eine Ursache gelegt werden kann. Sie entsteht „einfach so“ – es finden sich keine Bakterien, keine Harnsteine und keine sehr offensichtlichen Veränderungen der Blase. Mediziner sprechen in einem solchen Fall von „idiopathisch“, übersetzt heißt das „ohne erkennbare Ursache“.

Weil bei der Erkrankung die Harnblase und die Harnröhre betroffen sind, also die unteren Harnwege, wird die Krankheit auch „idiopathische FLUTD (iFLUTD)“ genannt (FLUTD wird oft wie „Flutt“ ausgesprochen und steht für „Feline Lower Urinary Tract Disease“, auf Deutsch also „Erkrankung der unteren Harnwege der Katze“).

Am häufigsten betroffen sind Katzen, die jung bis mittelalt sind (im Durchschnitt 3,5 Jahre alt). Bei Katzen, die jünger als 1 Jahr oder älter als 10 Jahre sind, ist die idiopathische FLUTD selten. Es wird angenommen, dass Stress eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der Krankheit spielt.

Vor allem bei Katern kann es durch die Entzündung zu einem lebensgefährlichen Verschluss der Harnröhre kommen – entweder durch die Entstehung eines sogenannten Schleimpfropfens in der Harnröhre oder durch eine Entzündung und anhaltende Verkrampfung der Harnröhrenmuskulatur. Bei vollständiger Blockierung der Harnröhre kann kein Urin mehr abgesetzt werden. Dieser staut sich dann auf und kann zu einem akuten Nierenversagen oder zum Reißen der Harnblase führen.

Symptome bei idiopathischer Zystitis/FLUTD

Manche Katzen, die eine idiopathische Zystitis haben, zeigen fast keine Symptome. Manchmal fällt nur auf, dass sie plötzlich unsauber sind – also nicht mehr nur aufs Katzenklo gehen, sondern auch an anderen Orten urinieren (häufig zum Beispiel ins Waschbecken).

Viele Katzen zeigen allerdings ganz ähnliche Symptome wie Menschen, die an einer Blasenentzündung leiden: sie haben das Gefühl ständig Urin absetzen zu müssen und gehen deswegen sehr oft aufs Katzenklo. Wenn sie dann aber pinkeln, kommt nur eine kleine Menge Urin (teilweise nur einige Tropfen). Bei vielen Katzen ist der Urinabsatz auch schmerzhaft (zu erkennen an Miauen und Schreien). Oft wirkt es so, als würden die betroffenen Katzen richtig „pressen“ und drücken, um möglichst viel Urin loszuwerden.

Bei manchen Katzen fällt auf, dass die Symptome der idiopathischen Zystitis schubweise auftreten – das heißt, sie bleiben für 5-7 Tage und gehen dann wieder von alleine weg, kommen nach einer Weile aber wieder. Häufig treten die FLUTD-Krankheitsepisoden nach Stresssituationen auf (z.B. Umzug, Urlaub, Regenwetter, Revierkämpfe).

Achtung!

Vor allem bei Katern kann es durch die Entzündung bei einer idiopathischen Zystitis zu einer teilweisen oder vollständigen Blockade der Harnröhre kommen. Ein solcher Harnröhrenverschluss ist ein lebensbedrohlicher Notfall!

Manchmal ist es allerdings nicht ganz leicht festzustellen, ob eine Katze einen Harnröhrenverschluss hat oder nicht. Ein hochgradiger Verdacht auf einen Harnröhrenverschluss besteht aber immer dann, wenn:

  • Die Katze versucht Urin abzusetzen, aber nichts kommt.
  • Die Katze immer wieder nur einige Tropfen Urin absetzt (sodass die insgesamt an einem Tag abgesetzte Harnmenge deutlich geringer ist als normal).
  • Die Katze allgemeine Symptome, wie Erbrechen, Appetitlosigkeit, Teilnahmslosigkeit oder eine schnelle, flache Atmung, hat.

Wenn diese Symptome beobachtet werden, handelt es sich um einen Notfall und es sollte so schnell wie möglich ein Tierarzt aufgesucht werden!

Wenn Zweifel bestehen, sollte vor allem bei Katern vorsichtshalber immer davon ausgegangen werden, dass es sich um einen Harnröhrenverschluss handelt!

Ursachen und Risikofaktoren von idiopathischer FLUTD

Obwohl in den letzten Jahrzehnten viel geforscht wurde, ist immer noch nicht klar, warum Katzen an einer idiopathischen Zystitis erkranken. Umweltfaktoren – vor allem Stress – scheinen aber eine entscheidende Rolle bei der Entstehung der Erkrankung zu spielen.

Die meisten Katzen erkranken kurz nachdem sie eine für sie stressige Situation erlebt haben (z.B. Umzug, abrupter Futterwechsel, Urlaub der Besitzer, kaltes/regnerisches Wetter, neues Tier bzw. Baby im Haushalt, Aggressionen zwischen den Katzen in einem Haushalt, zu viele Katzen in einem Haushalt, Konkurrenz um Futter/Wasser/Katzenklos, Tierarztbesuch).

Wie kann Stress zu einer Blasenentzündung führen?

Bei gesunden Tieren werden in Stresssituationen bestimmte Botenstoffe ausgeschüttet (sogenannte Stresshormone, dazu gehören Kortison und Noradrenalin). Diese Hormone sollen dem Tier dabei helfen, mit dem Stress zurechtzukommen. Bei manchen Katzen ist die Ausschüttung und/oder Wirkung dieser Hormone aber gestört. Das führt dazu, dass sie weniger gut mit Stresssituationen umgehen können als ihre Artgenossen. Man spricht hierbei von einem veränderten Stress-Antwort-System.

Der Stress kann den Tieren dann „auf die Blase schlagen“ und zu einer Entzündung führen. Bei manchen Katzen reagieren auch noch andere Organsysteme auf den Stress – zum Beispiel der Magen-Darm-Trakt, die Atemwege, die Haut und die Psyche. Durchfall, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Teilnahmslosigkeit, verringertes Putzverhalten und noch weitere Symptome können die Folge sein.

Manche Forscher gehen davon aus, dass Katzen ganz besonders anfällig für eine idiopathische Blasenentzündung sind, wenn sie ganz früh in ihrem Leben oder sogar noch im Mutterleib besonders großem Stress ausgesetzt waren – denn das könnte zu einer Veränderung des Stress-Antwort-Systems führen.

Veränderungen der Blasenwand bei FLUTD-Katzen

Auch die Harnblasenwand kann bei betroffenen Katzen verändert sein. Bei gesunden Katzen wird die Blase innen durch eine spezielle Schutzschicht aus sogenannten Glykosaminoglykanen (GAG-Schicht) komplett ausgekleidet. Diese verhindert, dass bestimmte Stoffe im Urin die Blasenwand reizen und zur Entzündung führen.

Bei vielen Katzen, die von einer idiopathischen Zystitis betroffen sind, scheint diese Schutzschicht Lücken zu haben: die schädlichen Stoffe im Urin gelangen so an sensible Schmerz-Nervenfasern in der Blasenwand. Die Reizung bzw. Aktivierung dieser Fasern führt einerseits zu Schmerzen, andererseits aber auch zu einer sogenannten neurogenen Entzündung der Blase (also zu einer Entzündung, die durch die Aktivierung der Nerven bei einem Schmerzreiz entsteht). Sichtbar wird diese dann unter anderem als Ödem (Wassereinlagerung) und Einblutungen in die Blasenwand.

Risikofaktoren

Ein besonders hohes Risiko für die Erkrankung an einer idiopathischen Blasenentzündung haben Katzen, wenn sie:

  • jung bis mittelalt sind
  • kastriert sind
  • übergewichtig sind
  • sich wenig bewegen
  • vor allem drinnen leben
  • nur oder hauptsächlich Trockenfutter fressen
  • ängstlich oder nervös sind

Untersuchungen und Diagnose bei idiopathischer FLUTD

Leider gibt es keinen Test und keine Untersuchung, mit der die Diagnose „idiopathische Blasenentzündung“ bzw. „idiopathische FLUTD“ ohne weiteres gestellt werden kann. Stattdessen müssen alle anderen Ursachen, die für eine Blasenentzündung in Frage kommen können, ausgeschlossen werden – darunter z.B. Harnsteine, bakterielle Infektionen und Harnblasenkrebs (Erfahren Sie hier mehr zu den möglichen Ursachen einer Blasenentzündung und deren Diagnose).

Üblicherweise wird der Tierarzt deswegen zunächst einige Fragen stellen (z.B. wie oft und wieviel Urin die Katze absetzt, ob der Urin stinkt und ob es in letzter Zeit besondere Ereignisse gab). Häufig finden sich bei einer idiopathischen FLUTD Hinweise auf eine vorangegangene Stresssituation, z.B. Umzug, Aufenthalt in einer Katzenpension, neues Tier oder Baby im Haushalt. Danach wird der Tierarzt eine allgemeine klinische Untersuchung durchführen.

Im Anschluss werden dann speziellere Untersuchungen durchgeführt. Meistens ist es nicht nötig, alle unten aufgezählten Untersuchungen durchzuführen – der Tierarzt wird je nach Vorbericht und Untersuchungsergebnissen entscheiden, welche am besten geeignet sind:

  • Untersuchung des Urins

    Hierbei kann der Tierarzt Hinweise auf die Ursache der Blasenentzündung bekommen. Bei einer bakteriellen Blasenentzündung befinden sich im Urin z.B. üblicherweise Bakterien und Entzündungszellen. Bei Harnsteinen sind dagegen häufig Kristalle (die Vorläufer der Steine) zu finden.

  • Bakteriologische Untersuchung des Urins

    Häufig wird der Tierarzt auch steril gewonnenen Urin in ein Labor einschicken. Dort kann mit einer bakteriologischen Untersuchung noch genauer überprüft werden, ob Bakterien im Urin vorhanden sind. Denn manchmal „verstecken“ sich die Bakterien und sind bei der ersten Untersuchung durch den Tierarzt nicht zu entdecken.

  • Röntgenuntersuchung

    Röntgenbilder sind sehr gut geeignet, um die meisten Harnstein-Arten zu diagnostizieren, aber auch andere Veränderungen können erkennbar sein. In manchen Fällen reicht ein „normales“ Röntgenbild allerdings nicht aus und es muss eine sogenannte Röntgenkontrast-Untersuchung der Harnwege durchgeführt werden. Dabei wird ein Kontrastmittel entweder über die Harnröhre oder über das Blut verabreicht. Dieses sieht im Röntgenbild ganz weiß aus. Es kleidet die Harnwege mit einer hellen Schicht aus, so dass „unnormale Strukturen“ wie Harnsteine oder Tumoren als schwarze Flecken oder Aussparungen sichtbar werden. Bei einem Verschluss der Harnröhre ist erkennbar, dass kein (oder kaum) Kontrastmittel durch die Engstelle gelangt.

  • Ultraschalluntersuchung

    Eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes eignet sich hervorragend, um feinere Veränderungen – z.B. der Blase – sichtbar zu machen. So können etwa Tumoren oder auch manche Harnsteine, die im Röntgen nicht erkennbar sind, gefunden werden.

  • Endoskopische Untersuchung (Zystoskopie)

    Hierbei wird ein Endoskop über die Harnröhre in die Blase geschoben. Mithilfe des Endoskops können dann auch sehr feine Veränderungen der Harnröhre und Blase erkannt werden, die sich mit den anderen Methoden nicht darstellen lassen. Viele von einer idiopathischen Zystitis betroffene Katzen haben kleine Einblutungen in die Blasenwand (Petechien). Leider sind diese Veränderungen nicht spezifisch für die idiopathische FLUTD, d.h. sie können auch bei anderen Erkrankungen vorkommen. Sie unterstützen aber die Diagnose. Durch die endoskopische Untersuchung können auch andere Erkrankungen, wie z.B. Harnblasenkrebs, ausgeschlossen werden.

  • Biopsie-Entnahme

    In manchen Fällen (v.a. bei Verdacht auf eine Krebserkrankung) kann es nötig sein, eine kleine Gewebeprobe (Biopsie) aus der Harnblase oder Harnröhre zu entnehmen (z.B. während einer endoskopischen Untersuchung). Diese wird dann von einem Pathologen auf bestimmte Veränderungen der Zellen überprüft.

Behandlung bei idiopathischer Zystitis/FLUTD

Leider ist die idiopathische FLUTD keine Krankheit, bei der man einfach nur ein Medikament geben kann, damit sie wieder verschwindet.

Zwar kann man die Blasenentzündungs-Symptome der betroffenen Katze lindern, indem man ihr z.B. Schmerzmittel gibt. Zu einer richtigen Heilung kommt es aber – obwohl es der Katze nach der akuten Erkrankungsepisode erstmal wieder gut geht – nicht.

Stattdessen schlummert die FLUTD-Erkrankung immer noch in der Katze und kann – vor allem bei Stress – jederzeit wieder ausbrechen. Aus diesem Grund müssen die Lebensumstände