Ihre Katze pinkelt viel bzw. häufiger als sonst? Leider können wir Ihnen nicht so einfach sagen, welche Ursachen das haben kann. Denn tatsächlich führen verschiedene Symptome zu diesem Bild! Unser interaktiver Test hilft Ihnen dabei, das richtige Symptom zu identifizieren.

Häufiges Urinieren – ein Bild, verschiedene Symptome

Wenn Ihre Katze viel pinkelt, ist das ein deutliches Warnzeichen! Denn leider führen viele häufige Krankheiten (wie zum Beispiel die chronische Niereninsuffizienz) dazu, dass Katzen vermehrt wasserlassen.

Deswegen: Wenn Ihre Katze viel oder oft uriniert, ist es sehr wichtig, der Ursache auf den Grund zu gehen!

Allerdings ist es so, dass ein vermehrtes oder häufiges Pinkeln bei mehreren unterschiedlichen Symptomen vorkommen kann – und diese Symptome können wiederum durch verschiedene Krankheiten verursacht werden.

Um herauszufinden, welche Ursachen bei Ihrer Mieze hinter dem Problem „Katze pinkelt viel“ stecken können, müssen Sie also erst mal das richtige Symptom identifizieren.

Keine Sorge, wir helfen Ihnen dabei! Beantworten Sie einfach die folgenden Fragen und folgen Sie den Pfeilen – das Ergebnis zeigt Ihnen, welches Symptom bei Ihrer Katze am wahrscheinlichsten ist. Im Abschnitt darunter können Sie dann nachlesen, was es mit diesem Problem auf sich hat.

Entscheidungsbaum zum Problem "Katze pinkelt viel"

Bitte behalten Sie im Hinterkopf, dass auch mehrere Symptome gleichzeitig auftreten können und dass wir Ihnen nur das wahrscheinlichste Symptom nennen können. Für eine korrekte Diagnose ist auf jeden Fall ein Besuch beim Tierarzt erforderlich und auch dringend zu empfehlen!

Die möglichen Symptome und ihre Merkmale

Erfahren Sie hier, wie sich die Symptome genau äußern und was sie bedeuten.

Polyurie

Typisch für das Symptom „Polyurie“ ist, dass die betroffenen Katzen häufiger pinkeln und dabei normal große oder sogar größere Mengen Urin absetzen als früher (d.h. im Katzenklo finden sich typischerweise mehr Urinklumpen als früher, wobei diese normal groß oder größer sind als sonst). Die Gesamt-Tagesmenge an Urin ist also gesteigert.

Auf diese Weise verlieren die betroffenen Katzen viel Flüssigkeit. Deswegen tritt die Polyurie in aller Regel zusammen mit gesteigertem Durst auf, d.h. die Miezen trinken auch mehr als sonst bzw. als ihre gesunden Artgenossen (Polydipsie). Dieses „viel trinken und viel pinkeln“ wird zusammen auch als Polyurie und Polydipsie (PU/PD) bezeichnet.

Weil die betroffenen Katzen so oft und so viel pinkeln müssen, kann es auch zur Unsauberkeit (Stubenunreinheit) kommen.

Die Polyurie ist typisch für einige sehr häufige Katzenkrankheiten, z.B. die chronische Niereninsuffizienz, die Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) und die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus).

Zum Artikel über Polyurie und Polydipsie

Pollakisurie/Strangurie

Bei einer „Pollakisurie und Strangurie“ handelt es sich um die typischen Symptome, die viele Menschen von einer Blasenentzündung kennen: Die betroffenen Katzen leiden unter ständigem Harndrang und gehen immer wieder aufs Katzenklo. Es kommt allerdings immer nur eine kleine Menge Urin – teilweise nur einige Tropfen. Dabei sieht es so aus, als würden die Tiere richtig „pressen“.

Die betroffenen Miezen pinkeln also öfter, es kommt aber immer nur sehr wenig Urin (im Katzenklo finden sich also meist viele kleine Urinklumpen). Die Gesamttagesmenge an Urin ist nicht verändert.

Den meisten betroffenen Katzen tut das Wasserlassen auch weh, so dass sie auf dem Katzenklo vor Schmerzen miauen und jammern und/oder sehr viel scharren. Oft schlecken sie sich auch vermehrt an ihren Genitalien.

Manchmal kommt es bei einer Pollakisurie/Strangurie auch zu blutigem Urin und/oder zur Unsauberkeit.

Typischerweise finden sich diese Symptome bei einer ganzen Gruppe von Krankheiten, die bei Katzen zum sogenannten FLUTD-Komplex zusammengefasst werden (FLUTD = Feline Lower Urinary Tract Disease; auf deutsch also „Erkrankung der unteren Harnwege der Katze“). Dazu gehören z.B. die bakterielle Blasenentzündung, Harnsteine und eine bei Katzen sehr häufige Blasenentzündung unbekannter Ursache (idiopathische FLUTD).

Achtung: Die Pollakisurie/Strangurie kann sehr schwer von einem Harnwegsverschluss zu unterscheiden sein (s.u.).

Zum Artikel über Pollakisurie und Strangurie

Harnwegsverschluss

Katzen mit einem Harnwegsverschluss pinkeln eigentlich nicht wirklich viel – es kann aber so aussehen, weil sie immer wieder versuchen, Urin abzusetzen.

Bei einem Harnwegsverschluss sind die Harnwege (typischerweise die Harnröhre) – wie der Name schon andeutet – blockiert bzw. verschlossen (z.B. durch einen Harnstein oder einen Schleimpfropfen). Die Katze kann also keinen oder kaum mehr Urin absetzen. Der Harn staut sich zurück und kann innerhalb von 2-3 Tagen zu einem oft tödlich verlaufenden akuten Nierenversagen führen. Ein Harnröhrenverschluss kommt häufiger bei Katern vor und ist immer ein  lebensbedrohlicher Notfall!

Ein Harnwegsverschluss kann schwierig von einer Pollakisurie/Strangurie (s.o.) zu unterscheiden sein – viele Symptome überschneiden sich nämlich: die betroffenen Katzen suchen immer wieder ihr Klo auf und versuchen Urin abzusetzen. Es kommt aber entweder gar kein oder nur sehr wenig Harn (dieser kann blutig sein). Dabei zeigen die Samtpfoten meist Schmerzen und Unruhe und scharren sehr viel im Katzenklo.

Einen hochgradigen Verdacht auf einen Harnwegsverschluss sollte man aber immer haben, wenn die Katze gar keinen Urin absetzen kann oder die Harnmengen sehr klein sind und die im Verlauf eines Tages abgesetzte Urinmenge deutlich geringer als normal ist. Auch weitere, allgemeine Symptome (wie Erbrechen, Schmerzäußerungen bei Berühren des Bauches, Appetitlosigkeit, Teilnahmslosigkeit oder eine schnelle, flache Atmung) sprechen für einen Harnwegsverschluss.

Falls Sie diese Symptome bei Ihrer Katze beobachten, sollten Sie davon ausgehen, dass es sich möglicherweise um einen lebensbedrohlichen Harnwegsverschluss handelt und möglichst schnell Ihren Tierarzt kontaktieren!

Zum Artikel über den Harnröhrenverschluss

Harninkontinenz

Bei einer Harninkontinenz können die betroffenen Katzen den Urin nicht einhalten – in manchen Situationen läuft der Harn einfach unabsichtlich aus ihnen heraus (oft merken die Katzen das gar nicht). Häufig tritt dieser unwillkürliche Urinverlust beim Schlafen auf, so dass sich am Liegeplatz einige Harntropfen oder sogar ganze Urinpfützen finden lassen. Die Katzen können allerdings auch beim Laufen oder im Stehen Urin verlieren.

Die Harninkontinenz kann aussehen, als hätte die Katze ihre Stubenreinheit verloren. Anders als bei der Unsauberkeit nehmen inkontinente Katzen aber nicht die typische Hockstellung ein, wenn sie unwillentlich Urin verlieren.

Je nachdem, wie viel Urin unwillkürlich verloren wird, reicht die Harnmenge beim absichtlichen Urinieren von kleineren bis zu normalen Mengen. Die Gesamttagesmenge an Urin ist aber normal.

Unsauberkeit (und unerwünschtes Markierverhalten)

Von Unsauberkeit spricht man, wenn Katzen absichtlich außerhalb des Katzenklos in die Wohnung/ins Haus pinkeln (z.B. ins Bett, an Möbel, auf den Teppich). Dabei können ganze Urinpfützen abgesetzt werden. Aber auch lauter kleine Urinspritzer sind möglich.

Oft nehmen die Katzen dafür die typische Hockposition ein. Es kann aber auch sein, dass sie sich rückwärts an eine vertikale Fläche stellen und einen Urinstrahl dagegen sprühen (Markierverhalten). Sie zeigen dabei keine Schmerzen und die Gesamttagesmenge an Urin ist unverändert.

Häufig ist eine Krankheit die Ursache für Unsauberkeit (siehe oben unter Polyurie, Pollakisurie/Strangurie, Inkontinenz). Sie kann allerdings auch als reines Verhaltensproblem auftreten (z.B. als Folge von Stress). In diesem Fall kann das Pinkeln außerhalb des Katzenklos als Folge bestimmter Ereignisse erfolgen (bei Angst, bei neuer Katze im Haus/im Revier, aus Protest) oder die Katze ist nie richtig stubenrein geworden.

Zum Artikel über Unsauberkeit & Markierverhalten

Normales „unproblematisches“ Markierverhalten

Wenn Katzen nur draußen oft pinkeln, kann es sich um ganz normales Markierverhalten handeln. Durch das Verteilen vieler kleiner Urinspritzer markieren Katzen nämlich ihr Revier gegenüber Artgenossen. Dabei pinkeln die Katzen meist im Stand gegen erhöhte oder gut sichtbare Strukturen.

Solange die Mieze dieses Verhalten nur draußen zeigt und

  • dabei keine Schmerzen äußert,
  • der Urin nicht verändert scheint (also nicht stinkt oder blutig ist),
  • die Katze auch normal große Mengen pinkeln kann,
  • die Katze es auch normal lange Zeiten ohne Urinabsatz aushält und
  • die Gesamt-Tagesmenge an Urin nicht gesteigert ist,

können Sie ganz entspannt sein – es handelt sich um ein völlig normales Verhalten! Solange es nur draußen auftritt, bedarf es keiner Behandlung.

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Quellen

Veröffentlicht am 22. Januar 2018

Vollständig überarbeitet am 03. Juli 2019

Von Dr. Iris Wagner-Storz