Wenn Ihre Katze sabbert und speichelt kann das eine ganz harmlose Ursache haben – z.B. totale Entspannung während des Streichelns oder Schlafens.

Auf der anderen Seite können aber auch schmerzhafte oder sogar gefährliche Erkrankungen, wie z.B. Zahnprobleme oder Tumore, hinter dem Speicheln Ihrer Mieze stecken. Auf die leichte Schulter nehmen sollte man das Problem also nicht.

Erfahren Sie hier von einer Tierärztin, welche Ursachen es haben kann, wenn eine Katze sabbert/speichelt, wann Sie unbedingt zum Tierarzt gehen sollten und welche Untersuchungen dann nötig sind.

 

Beschreibung

Wenn eine Katze sabbert und speichelt ist das eher ungewöhnlich. Anders als Hunde, denen beim Anblick von Futter auch schon mal kleine Sturzbäche von den Lefzen fließen, halten unsere Samtpfoten ihren Speichel in der Regel zurück.

Es gibt allerdings auch Ausnahmen: Manch eine Katze sabbert beim Schmusen, Streicheln oder Schnurren – in diesem Fall ist das Speicheln ein Ausdruck größter Verzückung und Entspannung. Aus demselben Grund – totale Entspannung – kann es auch passieren, dass eine Katze im Schlaf sabbert.

Wenn eine Katze allerdings ohne eine solche Erklärung speichelt, sollte nach der Ursache geforscht werden. Das übermäßige Sabbern (med.: Hypersalivation oder Ptyalismus) könnte nämlich z.B. ein Anzeichen einer sehr schmerzhaften Zahnerkrankung, von ständiger Übelkeit oder sogar einem Tumor in der Maulhöhle sein.

Ganz besonders gilt das natürlich, wenn der Speichel dabei auch noch verändert aussieht oder riecht, also z.B. Blut- oder Eiterbeimengungen enthält oder faulig stinkt.

Übrigens: Nicht bei allen krankhaften Ursachen fängt die Katze ganz plötzlich an zu sabbern. Auch ein schleichender Beginn oder ein ständiges Auf-und-Ab kommt durchaus vor. Ähnliches gilt für die Menge an Speichel – sie kann auch bei einer krankhaften Ursache von ganz wenig bis zu sehr viel Speichel reichen.

In manchen Fällen finden sich bei Katzen, die sabbern, noch weitere Symptome – z.B. Erbrechen, Appetitlosigkeit, Schmerzen bei Berührung des Kopfes oder sichtbare Veränderungen in der Maulhöhle.

Wie kann es dazu kommen, dass eine Katze speichelt?

Sehr, sehr viele Ursachen können dazu führen, dass eine Katze sabbert/speichelt. Letztlich lassen sie sich aber alle auf drei Grundprobleme zurückführen:

1) Erhöhte Speichelproduktion

Der Speichel wird in den sogenannten Speicheldrüsen produziert. Katzen haben eine ganze Reihe solcher Drüsen, z.B. im Bereich unter den Ohren und unter der Zunge. Wenn diese sehr viel Speichel produzieren, dann kann es schon mal passieren, dass er aus dem Maul herausläuft.

Beispiele für eine solche erhöhte Produktion kennt jeder: etwa den Hund, der beim Anblick des Futters zu sabbern beginnt oder sogar vom Sprichwort „da läuft mir das Wasser im Mund zusammen“.

Und auch von weniger schönen Situationen kennen wir das Phänomen der erhöhten Speichelproduktion: Wenn einem richtig übel ist, kann man spüren, wie die Speicheldrüsen plötzlich Vollgas geben und sich der Mund mit Speichel füllt. Auch Übelkeit ist also ein möglicher Grund dafür, dass eine Katze sabbert.

2) Schluckstörung

Katzen können aber auch sabbern, obwohl die Speichelproduktion völlig normal ist – z.B. wenn die Samtpfote Probleme hat, den Speichel abzuschlucken. Irgendwo muss er ja schließlich hin, also läuft er dann eben aus dem Maul heraus.

Dabei kann es entweder sein, dass die Katze nicht schlucken KANN – z.B. weil der Kiefer gebrochen ist. Andererseits kann es aber auch sein, dass die Katze nicht schlucken WILL, weil ihr das Schmerzen bereitet.

3) Maul ist „undicht“

Und schließlich kann es auch sein, dass eine Katze speichelt, weil das Maul einfach „nicht ganz dicht ist“. So kann es z.B. aufgrund einer Zahnfehlstellung oder einer extrem großen Zunge sein, dass die Mieze ihr Maul nicht vollständig schließen kann. Auch dann fließt immer wieder (je nach Kopfposition) etwas Speichel aus dem Maul heraus.

Ursachen für Speicheln/Sabbern bei der Katze

Wenn eine Katze krankhaft speichelt, findet sich die Ursache in den meisten Fällen in der Maulhöhle selbst oder im Verdauungstrakt. Aber auch Krankheiten der Speicheldrüsen, des Nervensystems oder anderer Organe (z.B. Nieren oder Leber) können dazu führen, dass eine Katze sabbert.

  • Katze sabbert beim Streicheln/Schnurren/Schlafen oder bei Angst

Wie oben schon erwähnt: Wenn eine Katze nur dann speichelt, wenn sie total entspannt ist und sonst gesund wirkt, besteht meist kein Grund zur Sorge. Manche Katzen sabbern eben einfach, wenn sie gestreichelt werden oder schlafen.

Andererseits speicheln manche Katzen aber auch wenn sie große Angst haben oder sehr nervös sind.

  • Katze sabbert aufgrund von Medikamenten

Wenn Ihre Katze Medikamente erhält, kann es auch sein, dass sie deswegen sabbert.

Manche Medizin schmeckt unangenehm – und führt so dazu, dass die betroffene Katze direkt nach der Gabe viel speichelt und schmatzt. Das kann übrigens nicht nur bei Medikamenten vorkommen, die oral, also über das Maul gegeben werden, sondern auch bei Augentropfen oder Ohrmedikamenten!

Auf der anderen Seite ist Speicheln aber auch eine häufige Nebenwirkung von Medikamenten. In einem solchen Fall sabbert die Katze nicht (nur) direkt nach der Gabe, sondern auch zu anderen Zeitpunkten.

  • Erkrankung in der Maulhöhle

Wenn eine Katze sabbert, ohne dass es an Medikamenten oder extremer Entspannung bzw. Angst liegt, findet sich die Ursache sehr oft in der Maulhöhle: Schmerzen, Entzündungen oder auch Hindernisse können dazu führen, dass die Katze nicht gut schlucken kann oder will.

Sehr häufig stecken schmerzhafte Zahnerkrankungen oder Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) hinter dem übermäßigen Speicheln.

Aber auch eine unangenehme Entzündung der Maulschleimhaut (Stomatitis) kommt leider häufig vor. Diese kann sehr viele Ursachen haben – z.B.

  • Aufnahme von Giftstoffen, z.B. Haushaltsreiniger oder Pflanzen (z.B. Bogenhanf, Eukalyptus)
  • eine sog. Urämie („Urinvergiftung“), z.B. durch eine chronische Niereninsuffizienz oder Harnstau durch Harnsteine
  • verschiedene Infektionskrankheiten, wie FIV („Katzenaids“), FeLV (Feline Leukämie-Virus-Infektion, „Leukose“) oder Katzenschnupfen,
  • Verbrennung (z.B. durch Beißen auf ein Stromkabel)
  • Autoimmunerkrankung (z.B. Pemphigus vulgaris)

Und schließlich können auch Fremdkörper, wie z.B. kleine eingespießte Knochensplitter oder Nähnadeln, sowie Tumore in der Maulhöhle und im Rachen eine Katze sabbern lassen.

  • Übelkeit

Übelkeit ist ebenfalls ein häufiger Grund dafür, dass Katzen speicheln – und leider gibt es sehr viele Gründe, wieso einer Katze schlecht sein kann.

Natürlich kann eine „klassische“ Gastroenteritis, also eine Entzündung von Magen und Darm z.B. durch Infektionserreger oder nach Aufnahme verdorbener Nahrung, für Übelkeit sorgen.

Aber auch Erkrankungen außerhalb vom Magen-Darm-Trakt können dazu führen, dass eine Katze sabbert, weil ihr schlecht ist.

So ist z.B. eine sog. Urämie (Urinvergiftung) eine mögliche Ursache. Hierbei sind die Nierenwerte im Blut erhöht. Das kommt z.B. bei einer – bei Katzen leider recht häufigen – chronischen Niereninsuffizienz (CNI) oder aber auch bei „verstopften“ Harnwegen durch Harnsteine vor.

Auch Lebererkrankungen, wie z.B. ein sog. portosystemischer Shunt (hierbei fließt das Blut an der Leber vorbei, so dass es nicht entgiftet wird) oder ein Leberversagen, können dafür sorgen, dass einer Katze schlecht ist.

Auch bei Vergiftungen ist Übelkeit – und damit Speicheln – ein häufiges Symptom. Dabei kommen ganz viele verschiedene Substanzen als Ursache in Frage, z.B. giftige Pflanzen, Schokolade, Koffein, Drogen, Medikamente und viele mehr!

Und schließlich können z.B. auch Störungen des Gleichgewichtsorgans (z.B. durch Polypen und aufsteigende Mittelohrentzündungen) zu Übelkeit und Speicheln führen.

  • Erkrankungen der Speicheldrüse

Wenn eine Katze stark sabbert, kommen natürlich auch Erkrankungen der Speicheldrüsen selbst als Ursache in Frage. Dabei kann es sich um Entzündungen, Fremdkörper, Tumore oder sogar sog. Speichelsteine (Siaolithen, steinartige Gebilde in den Speicheldrüsen oder -gängen) handeln.

  • Magen-Darm-Erkrankungen

Neben der oben schon erwähnten „klassischen“ Gastroenteritis (Entzündung von Magen und Darm, z.B. nach Aufnahme verdorbener Nahrung) kommen auch noch viele weitere Erkrankungen des Verdauungsapparats als Ursache für Speicheln in Frage.

Dabei kann das Problem in der Speiseröhre liegen (z.B. Entzündung, Fremdkörper, krankhafte Erweiterung – sog. Megaösophagus, Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre/“Sodbrennen“, Tumor), aber auch im Magen (z.B. Magengeschwür, Magenerweiterung/-drehung).

  • Erkrankungen des Nervensystems

Und schließlich können auch verschiedene Krankheiten des Nervensystems dazu führen, dass eine Katze sabbert.

Dabei können die möglichen Ursachen von Lähmungen der Gesichtsnerven über Krampfanfälle/epileptische Anfälle bis hin zu üblen – aber zum Glück sehr seltenen – Erkrankungen, wie Tollwut, Tetanus und Botulismus reichen (Botulismus = Erkrankung nach Aufnahme von Botulinumtoxin z.B. über das Futter; das Gift wird von einem Bakterium namens Clostridium botulinum hergestellt).

Auswahl möglicher Ursachen für Speicheln bei der Katze als Liste

Starke Emotionen

  • Entspannung, z.B. beim Schlafen/Kuscheln
  • Angst/Nervosität

Medikamente

  • Schlechter Geschmack (orale Medikamente, aber auch Augentropfen oder Ohrmedikamente)
  • Nebenwirkung vieler Medikamente

Erkrankungen der Maulhöhle

  • Zahnerkrankung
  • Zahnfleischentzündung
  • Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparats)
  • Entzündung der Maulschleimhaut (Stomatitis), z.B. aufgrund von
  • Fremdkörper (z.B. Nadel, Knochensplitter, Granne)
  • Tumor
  • Frakturen (z.B. gebrochener Unterkiefer)
  • Fehlbildungen der Lippen/Zähne/Kiefer

Erkrankungen der Speicheldrüsen, z.B.

  • Entzündungen
  • Fremdkörper
  • Tumor
  • Speichelsteine

Metabolische/Systemische Erkrankungen

  • Urämie („Urinvergiftung“), z.B. bei chronischer Niereninsuffizienz oder blockierten Harnwegen durch Harnsteine
  • Lebererkrankung, z.B. Leberversagen oder portosystemischer Shunt (hierbei fließt das Blut nicht durch die Leber und wird somit auch nicht entgiftet)
  • Hyperthermie (Überhitzung, z.B. bei einem Hitzschlag)

Magen-Darm-Erkrankungen

  • Gastroenteritis (Entzündung der Magen- und Darmschleimhaut, z.B. durch verdorbene Nahrung oder Infektionserreger)
  • Fremdkörper in der Speiseröhre
  • Entzündung der Speiseröhre (Ösophagitis)
  • Gastroösophagealer Reflux (Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre, „Sodbrennen“)
  • Tumor in Maulhöhle, Rachen oder Speiseröhre
  • Megaösophagus (krankhaft erweiterte Speiseröhre)
  • Magengeschwür
  • Magenerweiterung/-drehung
  • Zwerchfellbruch (Hiatushernie) – Durchtritt eines Teils des Magens durch das Zwerchfell in den Brustkorb

Giftstoffe (Toxine)

Erkrankungen des Nervensystems, z.B.

  • Störungen des Gleichgewichtsorgans, z.B. durch Polypen oder aufsteigende Mittelohrentzündungen
  • Krampfanfälle/epileptische Anfälle
  • Erkrankungen (z.B. Lähmung) von Gesichtsnerven
  • Tollwut
  • Tetanus
  • Botulismus

Dann sollten Sie zum Tierarzt

Es gibt nur wenige Situationen, in denen Sie bei übermäßigem Speicheln auf einen Tierarztbesuch verzichten können – z.B. wenn Ihre Katze nur beim Streicheln, Schnurren oder Schlafen sabbert oder das Speicheln nur nach Medikamentengaben oder bei großer Angst auftritt.

Ansonsten gilt: Wenn Ihre Katze sabbert/speichelt, sollten Sie mit ihr zum Tierarzt gehen – denn oft steckt eine äußerst schmerzhafte Erkrankung (z.B. der Zähne) dahinter.

Untersuchungen und Diagnose

Wie schon erwähnt, liegt die Ursache von Speicheln sehr oft in der Maulhöhle. Deswegen ist es sehr wichtig, dass diese vom Tierarzt auch ganz genau untersucht wird.

Manchmal – wenn der Grund fürs Speicheln relativ offensichtlich ist – reicht es schon aus, die Maulhöhle der Katze im wachen Zustand zu untersuchen.

Manchmal muss die Mieze aber auch sediert (d.h. es wird ein Beruhigungsmittel verabreicht) oder sogar in Narkose gelegt werden, z.B. wenn die Katze nicht sehr begeistert vom Tierarzt ist oder sie bei den Untersuchungen ganz stillhalten muss (beispielsweise beim Röntgen des Maulbereichs).

Vor einer solchen Narkose sollten allerdings unbedingt einige Laboruntersuchungen (Blut- und Urinuntersuchung) durchgeführt werden. Denn wie oben beschrieben können z.B. auch Nieren- oder Leberprobleme fürs Speicheln verantwortlich sein – und diese sollten unbedingt vor einer Narkose entdeckt werden. Auch eine Röntgenaufnahme oder Ultraschalluntersuchung des Bauchraums kann sinnvoll sein, z.B. um Veränderungen im Magen-Darm-Trakt zu erkennen.

Findet sich bei einer Untersuchung der Maulhöhle und in den Laboruntersuchungen keine offensichtliche Ursache für das Speicheln, sollte unbedingt eine Röntgenuntersuchung der Zähne unter Narkose erfolgen. Manche Probleme sind „von außen“ nämlich gar nicht zu erkennen. Erst im Röntgenbild zeigen sich dann schmerzhafte Veränderungen.

Auch die Entnahme kleiner Gewebeproben aus dem Maulbereich (Biopsie) kann nötig sein, um die genaue Ursache von Veränderungen festzustellen.

Je nach vermuteter Ursache kommen aber noch weitere Untersuchungen in Frage, z.B. eine neurologische Untersuchung zur Abklärung von Problemen des Nervensystems.

Behandlung von speichelnden Katzen

Bei einer Katze, die sabbert, wird in aller Regel nicht das Speicheln selbst behandelt, sondern die zugrundeliegende Ursache (z.B. durch Ziehen erkrankter Zähne bei Zahnproblemen). Dementsprechend kann die Behandlung von Katze zu Katze ganz unterschiedlich aussehen.

Bei anhaltendem, starkem Speicheln kann es allerdings sinnvoll sein, den Maulbereich durch regelmäßiges Abwischen einigermaßen trocken zu halten oder sogar mit Cremes (z.B. Vaseline) zu schützen. Ansonsten kann es durch die andauernde Feuchtigkeit zu Hautentzündungen kommen.

Das können Sie selbst tun

Bitte versuchen Sie nicht, das Problem mit irgendwelchen Hausmitteln zu behandeln – wenn Ihre Katze stark sabbert, sollten Sie sie zum Tierarzt bringen.

Wenn Ihre Katze dagegen nur in Entspannungssituationen sabbert (beim Kuscheln/Schlafen), helfen leider nur jede Menge waschbare Tücher, um ihre Möbel zu schützen 😉.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie diesen Artikel kurz bewerten würden:

[Gesamt:0    Durchschnitt: 0/5]
Quellen

22. Januar 2020

Von Dr. Iris Wagner-Storz