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Giardien beim Hund

Giardiose beim Hund

Giardien können bei Hunden unter Umständen zu Durchfall und Gewichtsverlust führen – doch nicht immer ist eine Infektion auch mit Symptomen verbunden. Für eine erfolgreiche Behandlung muss, neben speziellen Medikamenten, einiges beachtet werden!

Giardien (Hund): Zusammenfassung

  • Häufigkeit der Erkrankung: Gelegentlich bis häufig

  • Schwere der Erkrankung: Mild bis mittelschwer

  • Vorkommen: V. a. bei Welpen/Junghunden oder immungeschwächten Hunden; aber bei Tieren jeder Rasse und jeden Alters möglich

  • Ansteckungsgefahr: Ansteckend für andere Tiere; potentiell auch auf den Menschen übertragbar

  • Typische Symptome: Wiederkehrender Durchfall, Gewichtsverlust

  • Verlauf: Akut bis chronisch

  • Diagnose: Untersuchung einer Sammelkotprobe

  • Behandlungsmöglichkeiten: Behandlung mit Medikamenten und Hygienemaßnahmen

  • Prognose: Gut

  • Zuständige Spezialisten: Spezialisten für Innere Medizin oder Gastroenterologie

Beschreibung

Giardien sind mikroskopisch kleine Einzeller und können beim Hund dünnbreiigen, wiederkehrenden Durchfall und Gewichtsverlust auslösen. Sie befallen die Darmwand im Dünndarm und heften sich dort fest. Vor allem Welpen, Junghunde oder Tiere mit geschwächtem Immunsystem sind anfällig für die Parasiten.

Giardien verursachen aber nicht bei allen infizierten Hunden Symptome. Häufig bleibt die Erkrankung unbemerkt und die Tiere scheiden die Parasiten ohne Symptome mit dem Kot aus – in so einem Fall spricht man von einer subklinischen Infektion.

Giardien kommen nicht nur bei Hunden vor, sondern auch bei vielen anderen Säugetieren sowie beim Menschen. Hunde und Menschen erkranken zwar in den meisten Fällen an unterschiedlichen Giardien-Arten, im Einzelfall kann es aber passieren, dass sich der Mensch bei einem infizierten Vierbeiner ansteckt. Vor allem Personen mit geschwächtem Immunsystem oder chronischen Erkrankungen sind gefährdet. Mit einem speziellen Test kann die Giardien-Art beim Hund bestimmt und damit das Risiko für eine Übertragung besser eingeschätzt werden.

Giardie im Lichtmikroskop (CDC / Janice Haney Carr, Giardia lamblia SEM 8698 lores, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons)

Ursachen und Risikofaktoren für Giardien

Zur Verbreitung haben Giardien eine recht schlaue Strategie: Sie bilden sogenannte Zysten aus, die die infizierten Hunde mit dem Kot ausscheiden. So gelangen die Zysten in die Umwelt und werden dort von anderen Tieren, z.B. über verunreinigtes Wasser/Futter, über Kot oder durch Abschlecken eines infizierten Tieres, aufgenommen. Die Giardienzysten sind sehr widerstandsfähig und können bei kühlen und feuchten Bedingungen mehrere Monate in der Umwelt überleben.

Das Ansteckungsrisiko ist dort am größten, wo Hunde viel Kontakt zu Artgenossen haben. In Tierheimen, Hundepensionen oder Hundeschulen können sich die Giardien deshalb besonders schnell verbreiten.

Bei Hunden deren Immunsystem noch nicht voll ausgebildet (Welpen, Junghunde) oder geschwächt ist (z.B. bei chronischer Krankheit), haben Giardien leichteres Spiel und die Gefahr einer Infektion ist größer als bei erwachsenen, gesunden Tieren.

Symptome bei Giardien

Ein typisches Symptom einer Infektion mit Giardien ist der immer wiederkehrende, breiig bis flüssige und übelriechende Durchfall. Manchmal kann man im Kot der infizierten Hunde auch Schleimbeimengungen sowie selten Blut feststellen. Die Darmparasiten können außerdem zu Gewichtsverlust führen. Fieber oder Erbrechen zeigen die Hunde nur ganz selten.

Wie bereits erwähnt, verursachen Giardien aber nicht bei jedem Hund Symptome und häufig bleibt die Erkrankung unbemerkt.

Untersuchungen und Diagnose

Bei wiederkehrendem Durchfall oder Gewichtsverlust, sollten Sie ihren Hund auf alle Fälle bei einem Tierarzt vorstellen. Neben einer klinischen Allgemeinuntersuchung wird er ihren Vierbeiner auf zusätzliche Symptome oder Schmerzen untersuchen. Infizierte Hunde scheiden die Giardien und Zysten über den Kot aus, so dass der Tierarzt die Parasiten mit einer Kotprobe nachweisen kann.

Weil die Zysten intermittierend – also nicht bei jedem Kotabsatz – ausgeschieden werden, ist es wichtig, eine Sammelkotprobe untersuchen zu lassen. Für eine Sammelkotprobe sollten Sie als Besitzer den Kot der letzten 3 Kotportionen in einem Gefäß sammeln und bis zum Tierarzttermin möglichst kühl lagern.

Der Kot kann mit unterschiedlichen Methoden auf die Einzeller untersucht werden. Am besten eignet sich dafür aber ein spezieller Schnelltest (SNAP-Test), dessen Prinzip dem eines Schwangerschaftstestes ähnelt, oder die Untersuchung unter dem Mikroskop in einem geeigneten Labor.

Behandlung von Giardien

Um eine Infektion mit Giardien beim Hund zu behandeln, gibt es spezielle Medikamente. Am häufigsten wird dafür Panacur mit dem Wirkstoff Fenbendazol verwendet. Fenbendazol tötet neben den Giardien auch andere Darmparasiten wie z.B. Spul- oder Bandwürmer ab. In der Regel wird der infizierte Hund über 5 Tage mit Panacur behandelt. Um die „gute“ Darmflora während der Behandlung zu unterstützen, kann man eine Magen-Darm schonende Diät und Probiotika füttern.

Um den Behandlungserfolg zu überprüfen, ist es wichtig nach dem Ende der Therapie nochmals eine Sammelkotprobe zu untersuchen. Weil der SNAP-Test evtl. auch tote Parasiten nachweist, sollte der Kot bei der Kontrolluntersuchung unter dem Mikroskop untersucht werden – ansonsten kann es zu falsch positiven Ergebnissen kommen.

Giardien können sehr widerstandsfähig sein und nicht immer ist die erste Behandlung erfolgreich. Bei manchen Hunden ist ein zweiter oder dritter Behandlungszyklus – eventuell mit einem anderen Medikament (z.B. Metronidazol) und über einen längeren Zeitraum – notwendig.

Die Hunde können sich auch während der Behandlung immer wieder neu an den ausgeschiedenen Zysten anstecken. Damit dieses Risiko gemindert wird, sollten Sie während der Behandlung die folgenden Hygienemaßnahmen beachten:

  • Kot mit einem Beutel möglichst schnell entfernen und im Hausmüll entsorgen.
  • Bereich um den Anus regelmäßig reinigen und sauber halten.
  • Wasser- und Futternäpfe täglich mit kochendem Wasser ausspülen und danach gut abtrocknen, weil die Giardienzysten bei feuchten Bedingungen besonders lange infektiös bleiben.
  • Die Näpfe vor Verunreinigung mit Kot oder durch Fliegen schützen.
  • Ausschließlich frisches Wasser zu trinken anbieten.
  • Am Anfang und am Ende der Therapie alle Decken, Körbchen und Spielzeuge so heiß wie möglich waschen.
  • Die Hunde regelmäßig gründlich duschen und shampoonieren, um die Zysten aus dem Fell zu waschen. Beim Putzen schlecken sie die Zysten sonst ab und infizieren sich wieder neu.
  • Feste Böden am besten mit einem Dampfstrahler (über 60 °C) abspritzen und danach desinfizieren. (Eine Liste geeigneter Desinfektionsmittel finden Sie auf der Website der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft DVG: http://www.desinfektion-dvg.de/index.php?id=1800)
  • Weil Giardien potentiell auf den Menschen übertragbar sind, sollten Sie ihren Hund sein Geschäft nicht in der Nähe von Spielplätzen oder Liegewiesen verrichten lassen. Das sollte aber eigentlich immer selbstverständlich sein!

Laut Experten müssen Hunde mit einer Giardieninfektion nur behandelt werden, wenn sie auch Symptome zeigen. Es macht also keinen Sinn gesunde Hunde ohne Symptome auf einen Giardienbefall zu testen, denn selbst im positiven Fall würde man keine Behandlung empfehlen. Ausnahme: Wenn mehrere Hunde in einem Haushalt leben und ein Tier an den Parasiten erkrankt, behandelt man auch alle anderen Tiere im Haushalt – auch die ohne Symptome.

Prognose

Die Prognose bei einer Giardieninfektion ist in aller Regel gut. Nach einer erfolgreichen Behandlung zeigen ansonsten gesunde Hunde keine Symptome mehr. Weil die Giardien sehr widerstandsfähig sein können oder es zu einem Rückfall kommen kann, ist in manchen Fällen aber eine mehrfache Behandlung notwendig.

Vorbeugung

Weil die Giardienzysten in der Umwelt so lange überleben und praktisch überall vorhanden sein können, ist kein Hund vor einer Ansteckung gefeit und die Vorbeugung ist deshalb äußerst schwierig. Bei vielen Vierbeinern bleibt die Infektion aber unbemerkt und ohne Konsequenzen.

Um nach einer Behandlung einen Rückfall zu vermeiden, sollte man als Besitzer versuchen die angesprochenen Hygienemaßnahmen bestmöglich einzuhalten.

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Quellen

05. April 2018

Von Dr. Stefanie Mallmann

2018-10-27T19:01:52+00:00

Über den Autor:

Geboren in der Nähe von Passau habe ich von 2008 bis 2014 an der LMU München Tiermedizin studiert. Nach meinem Abschluss habe ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München (Thema: Auswertung eines neuartigen Allergietests) gemacht. Anschließend habe ich ein Jahr in der Onkologie gearbeitet. Die Arbeit mit krebskranken Tieren war zwar oft sehr traurig, aber ich habe dort viele tolle Tiere und ihre Besitzer kennengelernt. 2014 habe ich meine Mischlingshündin Lotta adoptiert – unseren süßen Bürohund.