Zwingerhusten: Jeder Hundebesitzer wird wohl irgendwann von dieser Erkrankung hören – oder sie sogar beim eigenen Vierbeiner erleben. Die „Hundegrippe“ ist nämlich eine sehr häufige und leider hochansteckende Erkrankung.

Erfahren Sie hier von einer Tierärztin die Antworten auf (fast) all ihre Fragen, z.B. welche Symptome sind bei Zwingerhusten typisch? Wie erfolgt die Behandlung? Wieso kann es trotz Impfung zu Zwingerhusten kommen? Wie lang ist die Inkubationszeit und wie lange sind Hunde ansteckend? Und ist Zwingerhusten ansteckend für Menschen?  

Zwingerhusten/“Hundegrippe“: Zusammenfassung

  • Häufigkeit der Erkrankung: Sehr häufig

  • Schwere der Erkrankung: In der Regel milder Verlauf

  • Vorkommen: Vor allem junge Hunde und jene, die eng mit Artgenossen in Kontakt sind (z.B. in Hundepark, Hundeschule, Tierpension, Ausstellung, Tierheim, …)

  • Ansteckungsgefahr: Sehr hoch für andere Hunde

  • Typische Symptome: Husten, gelegentlich auch Niesen, Nasenausfluss und/oder Augenausfluss

  • Verlauf: In der Regel ca. 7-10 Tage

  • Diagnose: Anamnese-Gespräch, klinische Untersuchung

  • Behandlungsmöglichkeiten: Unterstützende Maßnahmen; Medikamente nur bei komplizierten Verlaufsformen

  • Prognose: Meist sehr gut

  • Zuständige Spezialisten: Spezialisten für Innere Medizin/Infektionskrankheiten

Beschreibung

Zwingerhusten (auch Hundegrippe, Zwingerhusten-Komplex, infektiöse Tracheobronchitis oder „CIRD – canine infectious respiratory disease“ genannt) ist eine bei Hunden weit verbreitete Infektionskrankheit. Ähnlich wie eine Erkältung bei uns Menschen kann sie durch viele verschiedene Erreger verursacht werden, ist unter Hunden hochgradig ansteckend und tritt vermehrt in der kalten Jahreszeit auf.

Welche Hunde können an Zwingerhusten erkranken?

Alle Hunde können sich mit Zwingerhusten anstecken – selbst wenn sie gegen die Erkrankung geimpft sind (s.u.).

Allerdings ist es auch hier ähnlich wie bei der Erkältung/dem grippalen Infekt bei Menschen: Junge, alte und kranke Hunde sind für die Hundegrippe empfänglicher und entwickeln eher Symptome als gesunde Artgenossen mit einem starken Immunsystem.

Zwingerhusten trotz Impfung – wie ist das möglich?

Wie schon erwähnt, können sehr viele verschiedene Keime eine Zwingerhusten-Erkrankung auslösen. Impfstoffe gibt es allerdings nur gegen wenige Erreger – und diese Erreger können sich dann (wie Grippeviren bei Menschen) auch noch sehr schnell verändern, so dass die Impfung nicht mehr vollständig gegen sie schützt.

Vielleicht fragen Sie sich nun, wieso man Hunde dann überhaupt gegen Zwingerhusten impft? Das liegt daran, dass die Erkrankung bei geimpften Hunden meist deutlich milder, kürzer und unproblematischer verläuft als bei ungeimpften Artgenossen – und die Impfung somit oft „das Schlimmste verhindert“.

Symptome bei Zwingerhusten

Typisch für Zwingerhusten ist der namensgebende und teilweise sehr laute, anfallsartige Husten. Manchmal kann sich der Husten sehr beunruhigend anhören – als hätte der Hund einen Fremdkörper in den Atemwegen.

Druck auf die Halsgegend (z.B. wenn sie an der Leine ziehen und sich in das Halsband „lehnen“) empfinden die betroffenen Hunde meist als unangenehm, da die oberen Atemwege gereizt sind. Oft kann ein solcher Druck auch einen Hustenanfall auslösen.

In der Regel sind Hunde mit Zwingerhusten sonst ganz munter, haben kein Fieber und höchstens einen leicht reduzierten Appetit. Manche wirken allerdings auch etwas schlappniesen, haben eine laufende Nase (wässrigen Nasenausfluss) und/oder tränende Augen (wässriger Augenausfluss).

Vor allem bei Welpen und immungeschwächten Hunden kann die Hundegrippe aber auch sehr schwer verlaufen und bis zur Lungenentzündung und sogar zum Tod führen.

Andererseits zeigen viele Hunde, die sich mit Zwingerhusten angesteckt haben, tatsächlich gar keine Symptome. Allerdings scheiden sie die Erreger trotzdem aus und können so andere Artgenossen infizieren.

Wann sollte ich bei Zwingerhusten zum Tierarzt?

Meistens verschwindet der Zwingerhusten innerhalb einiger Tage (i.d.R. 7-10 Tage) von alleine wieder.

In manchen Fällen kann die Hundegrippe zwar auch sehr hartnäckig sein und einige Wochen andauern, trotzdem gilt: Wenn der Husten länger als 7 Tage andauert und nicht besser wird, sollten Sie Ihren Vierbeiner spätestens zu diesem Zeitpunkt bei einem Tierarzt vorstellen!

Es gibt allerdings auch Anzeichen, bei denen Sie Ihren Hund baldmöglichst von einem Tierarzt untersuchen lassen sollten – es könnte nämlich z.B. eine lebensgefährliche Lungenentzündung dahinterstecken. Solche Symptome sind beispielweise

  • Vermindertes Allgemeinbefinden, Teilnahmslosigkeit (dem Hund geht es offensichtlich schlecht)
  • Der Hund möchte länger als 24 Stunden nichts fressen
  • Fieber (Körpertemperatur über 39°C)
  • Atemnot
  • Schleimig-eitriger Augen- oder Nasenausfluss
  • Husten mit Auswurf (d.h. der Hund spuckt mit dem Hustenstoß Schleim aus)

Ursachen und Risikofaktoren

Zwingerhusten ist eine Infektionskrankheit, die durch eine ganze Reihe von verschiedenen Erregern ausgelöst werden kann.

Welche Erreger sind am Zwingerhusten-Komplex beteiligt?

Als Auslöser der „Hundegrippe“ spielen Viren mit Abstand die größte Rolle (z.B. canines Parainfluenza-Virus (CPiV), canines Adeno-Virus 2 (CAV-2), canines Herpes-Virus (CHV-1), canines respiratorisches Corona-Virus (CRCoV), canines Influenza-Virus (CIV) und/oder das canine Pneumo-Virus (CnPnV)).

Bakterien (v.a. Bordatella bronchiseptica, aber z.B. auch Mycplasma cynos oder Streptococcus equi ) können allerdings ebenfalls an der Erkrankung beteiligt sein. Bordetellen sind oft auch in den Atemwegen von gesunden Hunden zu finden, können aber bei kranken Tieren zusätzlich Probleme machen (sog. „Sekundärinfektion“).

Wo stecken sich Hunde mit den Zwingerhusten-Erregern an?

Unsere Vierbeiner stecken sich mit den Erregern meist direkt aneinander an (Tröpfcheninfektion).

Das bedeutet: dort wo viele Hunde auf engem Raum zusammentreffen, ist die Ansteckungsgefahr besonders hoch. Das betrifft vor allem Orte wie die Hundeschule, Hunde-Zonen z.B. in Parks, Hundepensionen, Ausstellungen, Tierheime oder auch ein volles Wartezimmer beim Tierarzt. Hunde in Großstädten (die viele Artgenossen beim Gassi treffen) sind demnach auch eher betroffen als Hunde in ländlichen Regionen.

Achtung: Auch augenscheinlich gesunde Vierbeiner ohne Symptome können eine potentielle Ansteckungsquelle darstellen und die Hundegrippe-Erreger auf andere Hunde übertragen!

Was sind Risikofaktoren für die Erkrankung an Hundegrippe?

Wie oben schon erwähnt, entwickelt nicht jeder Hund, der sich mit Zwingerhusten ansteckt, auch tatsächlich eine Erkrankung mit sichtbaren Symptomen.

Ob es zu solchen kommt oder nicht, hängt von vielen Umständen ab – Stress, ein geschwächtes Immunsystem, eine „Überbevölkerung“ mit Hunden (z.B. im Tierheim, in Hundepensionen etc.) und eine schlechte Belüftung der Aufenthaltsräume kann die Erkrankung beispielsweise begünstigen.

Wie lange ist die Inkubationszeit bei Zwingerhusten?

Die Inkubationszeit bei Zwingerhusten beträgt zwischen 3 und 10 Tagen (meist 7-10 Tage) – das bedeutet, dass zwischen der Ansteckung eines Hundes mit Zwingerhusten-Erregern und dem Auftreten von Symptomen i.d.R. zwischen 3 und 10 Tagen liegen.

Ist Zwingerhusten ansteckend für uns Menschen?

Eine Ansteckung ist im klassischen Fall unwahrscheinlich.  

Wie schon erwähnt, können ganz viele verschiedene Erreger einen Zwingerhusten auslösen – und je nachdem, in welchem Land die betroffenen Hunde getestet wurden, wurden in Studien mal mehr, mal weniger oder auch gar keine Viren gefunden, die auch Menschen befallen könnten (wie z.B. Influenza-Viren).

Wenn Ihr Hund an Zwingerhusten erkrankt ist, sollten Sie in dieser Zeit trotzdem vorsichtshalber sehr engen Kontakt mit ihm vermeiden (z.B. keine Bussis ins Gesicht) und auch öfters gründlich die Hände waschen.

Untersuchungen und Diagnose bei „Hundegrippe“

Wenn Ihr Hund nur an einer leichten Form des Zwingerhustens leidet, ist üblicherweise kein großer Aufwand nötig – ein Vorgespräch und eine klinische Allgemeinuntersuchung reichen meist erst mal aus.

Es gibt allerdings auch Situationen, in denen weitere Untersuchungen sinnvoll oder nötig sind – z.B. wenn der Husten nach einer Woche noch nicht besser ist oder Ihr Hund zusätzliche schwere Symptome zeigt (z.B. Fieber, Appetitlosigkeit, Teilnahmslosigkeit etc. – s.o.).

In einem solchen Fall sollten die betroffenen Hunde einer umfassenden Untersuchung (Blutbild, Kotuntersuchung auf Lungenwürmer, Röntgen der Lunge) unterzogen werden.

Manchmal ist auch eine endoskopische Untersuchung (mit Hilfe einer schlauchförmigen, flexiblen Kamera) sinnvoll. Damit können die oberen und unteren Atemwege genauestens untersucht und Proben aus den unteren Atemwegen genommen werden. Diese Proben werden anschließend in einem Labor auf Bakterien untersucht, um bei Bedarf auf Anhieb das passende Antibiotikum zu finden.

Behandlung bei Zwingerhusten

Wenn Sie vermuten, dass Ihr Hund an Zwingerhusten erkrankt ist, sollten Sie ihn unbedingt von Artgenossen fernhalten (vor allem von Jungtieren, kranken und immungeschwächte Vierbeinern), um diese nicht anzustecken.

Die „Behandlung“ bei Zwingerhusten besteht vor allem aus unterstützenden Maßnahmen:

  • Wechsel von einem Halsband auf ein Geschirr
  • „Sanfte“ Spaziergänge statt Toben und Rennen
  • Weiches Futter, das leicht zu schlucken ist
  • Vermeidung von reizenden Stoffen in der Luft, wie Deos/Parfums, Lufterfrischer, Haarspray und Zigarettenrauch
  • Zimmerwarmes, statt kaltes Wasser zum Trinken anbieten
  • Inhalation
  • Vermeidung von Stress

Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie hier: Unterstützende Hustenbehandlung bei Hunden.

Je nachdem, wie schlimm sich die Symptome äußern, verschreibt Ihr Tierarzt möglicherweise auch Medikamente. In der Regel sind das speziell für Hunde zugelassene Hustensäfte, Schleimlöser und/oder entzündungshemmende Schmerzmittel gegen Halsweh.

In ganz schweren Fällen (z.B. bei einer Lungenentzündung) kann es auch sein, dass der erkrankte Hund einige Tag stationär in der Klinik bleiben muss.

Sind Antibiotika bei Hundegrippe sinnvoll?

In den meisten Fällen nicht, da Zwingerhusten ja in erster Linie durch eine Infektion mit Viren entsteht – und Antibiotika helfen nur gegen Bakterien.

“Eine Therapie mit Antibiotika ist bei einem klassischen, milden Verlauf nicht angezeigt. Der Einsatz von Antibiotika ist nur dann sinnvoll, wenn der Hund Symptome einer bakteriellen Lungenentzündung zeigt (u.a. Apathie, Fieber)”, betont der Experte für Infektionskrankheiten der VetMedUni Vienna, Dr. Frank Künzel.

Was sollte ich NICHT tun, wenn mein Hund an Zwingerhusten leidet?

Wie eigentlich immer, gilt, dass Medikamente für den Menschen ohne vorherige tierärztliche Absprache nicht für Tiere verwendet werden sollten, da sie Ihrem Liebling möglicherweise mehr schaden als Gutes tun könnten.

Wie oben schon erwähnt, sollten Sie mit Ihrem Hund außerdem Orte meiden, an denen er mit vielen Artgenossen zusammentrifft. Sie wollen ja schließlich bestimmt nicht, dass er andere Hunde ansteckt.

Zwingerhusten: wie lange ansteckend?

Wie lange ein Hund mit Zwingerhusten ansteckend ist, kommt darauf an, welche Erreger bei ihm an der Erkrankung beteiligt sind.

Grundsätzlich wird allerdings empfohlen, betroffene Hunde 3 Wochen von Artgenossen fernzuhalten, um diese nicht anzustecken.

Prognose bei „Hundegrippe“

In den meisten Fällen ist die Prognose bei Zwingerhusten sehr gut. Typischerweise bessern sich die Symptome innerhalb von 10 Tagen wieder.

Bei einem schweren Krankheitsverlauf (z.B. bei Welpen oder in Fällen mit Lungenentzündung) ist die Prognose dagegen vorsichtig.

Vorbeugung: Impfung gegen Zwingerhusten

Es gibt Impfungen gegen das canine Parainfluenza-Virus und das Bakterium Bordatella bronchiseptica.

Der Kombinationsimpfstoff gegen beide Erreger (Nobivac® BbPi) wird nicht wie üblich über eine Spritze unter die Haut verabreicht, sondern vom Tierarzt in die Nase des Hundes eingegeben.

Der Impfstoff gegen das Parainfluenza-Virus kann allerdings auch gemeinsam mit anderen Impfstoffen (z.B. gegen Staupe oder Parvovirose) unter die Haut gespritzt werden.

Wie oben bei „Zwingerhusten trotz Impfung – wie ist das möglich?“ schon erwähnt, bietet die Impfung allerdings leider keinen 100%-igen Schutz vor einer Infektion. Da das Immunsystem durch die Impfung aber bereits einige Erreger aus dem Zwingerhusten-Komplex „kennt“ und entsprechend darauf vorbereitet ist, kann die Erkrankung jedoch deutlich milder, kürzer und unproblematischer als bei ungeimpften Artgenossen ablaufen.

Welche Hunde sollten gegen Zwingerhusten geimpft werden?

Dr. Frank Künzel, Experte für Infektionskrankheiten von der VetMedUni Vienna, empfiehlt die Impfung gegen Zwingerhusten für all jene Tiere, die einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Das sind beipielsweise junge Hunde und Vierbeiner, die sehr viel Kontakt zu Artgenossen haben, z.B. in der Hundeschule oder in einer Tierpension.

Dabei sollte die Impfung gegen Bordatella bronchiseptica mindestens 1 Woche, die gegen das Parainfluenza-Virus mindestens 4 Wochen vor einer zu erwartenden Exposition (also z.B. vor dem Aufenthalt in einer Tierpension) erfolgen.

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Quellen

14. Februar 2020

Von Mag. med. vet. Elisabeth Baszler

Über den Autor: Mag. med. vet. Elisabeth Baszler

Foto: Stefanie Scholz | VetMedUni Vienna

Wir freuen uns sehr, Elisabeth Baszler als Gastautorin für fellomed gewonnen zu haben! Die österreichische Kollegin ist Fachtierärztin für Kleintiere und arbeitet aktuell an der VetMedUni Vienna. Außerdem hält sie regelmäßig Vorträge für Hunde- und Katzenhalter, in denen sie ihnen u.a. Themen wie Erste Hilfe und Notfälle bei unseren Haustieren näherbringt. Die erfahrene Tierärztin ist selbst begeisterte Katzen- und Hundehalterin – auf dem Bild sehen wir sie mit ihrem dreibeinigen Terriermischling Nada!