Ein Osteosarkom, umgangssprachlich auch Knochenkrebs genannt, ist bei der Katze zum Glück eine seltene Erkrankung. Der bösartige Tumor greift den gesunden Knochen an und verursacht lokal starke Schmerzen. Die dadurch entstehende plötzliche Lahmheit ist meist das erste Symptom bei der Katze. In diesem Artikel erfahren Sie mehr zu Symptomen, Diagnose und Therapie von Knochenkrebs bei der Katze.

Osteosarkom (Katze): Zusammenfassung

  • Häufigkeit der Erkrankung: Sehr selten

  • Schwere der Erkrankung: Schwer

  • Vorkommen: Meist mittelalte und ältere Tier, aber auch junge Katzen können erkranken

  • Ansteckungsgefahr: Nicht ansteckend für Tiere oder Menschen

  • Typische Symptome: akute oder chronische Lahmheit, schmerzhafte Schwellung, Teilnahmslosigkeit, Appetitlosigkeit

  • Verlauf: Akut oder chronisch

  • Diagnose: orthopädische Untersuchung und Röntgenuntersuchung

  • Behandlungsmöglichkeiten: chirurgische Entfernung

  • Prognose: Vorsichtig

  • Zuständige Spezialisten: Spezialisten für Tumorerkrankungen (Onkologie)

Beschreibung

Knochentumoren sind bei der Katze generell sehr selten, das Osteosarkom ist jedoch der häufigste Knochentumor bei der Katze. Umgangssprachlich wird ein Osteosarkom auch als Knochenkrebs bezeichnet. Die Tumorerkrankung verläuft bei der Katze deutlich weniger aggressiv als bei Hunden oder Menschen. Zwar verhält sich der Tumor lokal (also an Ort und Stelle der Veränderung) sehr aggressiv, eine Streuung des Krebses in andere Organe – wie bei Hunden oder Menschen sehr häufig beobachtet – ist bei der Katze aber eher selten (in ca. 5-10 % der Fälle).

Typischerweise entwickeln sich Osteosarkome an den Gliedmaßen (vor allem Hintergliedmaßen). Bei der Katze können aber nicht selten auch andere Skelettknochen – wie zum Beispiel Kiefer, Becken, Schädel, Wirbelsäule oder Rippen – betroffen sein.

Knochenkrebs entsteht durch die Entartung von unreifen Knochenzellen, die sich im Körper dann unkontrolliert vermehren. Die Tumorzellen verdrängen durch ihr aggressives Wachstum immer mehr die gesunden Knochen (Osteolyse). Zwar bilden die Krebszellen neue Knochensubstanz, diese ist jedoch nicht mit gesunder, normaler Knochensubstanz vergleichbar, sondern ist weich und unstrukturiert. So wird der Knochen immer brüchiger und instabiler, sodass er schon bei normaler Belastung brechen kann – man spricht dann von einer sogenannten pathologischen Fraktur.

Zusätzlich zum Knochenabbau und -umbau wird auch die Knochenhaut, Periost genannt, oft stark gereizt. Die dünne „Haut“ auf dem Knochen enthält Nerven und Blutgefäße und ernährt den Knochen. Die Knochenhaut ist extrem schmerzempfindlich und somit der Grund, wieso die betroffenen Katzen bei einem Osteosarkom an den Gliedmaßen meist eine deutliche Lahmheit zeigen. Auch das umliegende Gewebe ist oft geschwollen und schmerzhaft.

Ursachen und Risikofaktoren

Bisher konnte nicht geklärt werden, wieso es bei manchen Katzen zur Entartung der Knochenzellen kommt. Es gibt Hinweise, dass metallische Implantate, die z.B. zur Stabilisierung eines Knochenbruchs eingesetzt werden, das Risiko für die Entwicklung eines Osteosarkoms erhöhen könnten. Außerdem könnten auch ionisierende Strahlen, wie sie bei einer Strahlentherapie erzeugt werden, ein Auslöser für Knochenkrebs sein.

Symptome

In den meisten Fällen ist eine plötzlich auftretende (akute) oder länger andauernde (chronische) Lahmheit das erste Symptom eines Osteosarkoms. Die Stärke der Lahmheit kann von Katze zu Katze ganz unterschiedlich stark ausgeprägt sein, nimmt aber im Verlauf der Erkrankung meist deutlich zu. Fast immer bildet sich an der betroffenen Stelle auch eine mehr oder weniger schmerzhafte Schwellung aus. In einigen Fällen ist auch eine Verformung (Deformation) der Knochen sichtbar. Ist der Knochen so instabil, dass er bricht, belasten die Katzen das gebrochene Bein verständlicherweise plötzlich gar nicht mehr.

  • Sehr häufige Symptome:

    • Lahmheit
    • (schmerzhafte) Schwellung des Gewebes um den Tumor
    • Knochenverformung
  • Gelegentlich auftretende Symptome:

    • Teilnahmslosigkeit (Lethargie)
    • Verminderter Appetit (Inappetenz)
    • Spontaner Knochenbruch

Sitzt der Knochenkrebs nicht an den Gliedmaßen, sondern in anderen Bereichen wie z.B. im Kiefer oder der Wirbelsäule, zeigen sich die Symptome in den entsprechenden Körperregionen. So haben Katzen bei Kiefer-Osteosarkomen zum Beispiel häufig Schmerzen und Probleme beim Fressen (Dysphagie).

Untersuchungen und Diagnose

Wird die Katze – z.B. auf Grund einer Lahmheit – beim Tierarzt vorgestellt, wird dieser erst einmal einige Fragen stellen, um möglichst viel über die Krankengeschichte (Anamnese) zu erfahren: Haben Sie bei Ihrer Katze einen Unfall beobachtet, der für die Lahmheit verantwortlich sein könnte? Seit wann lahmt die Katze? Sind Ihnen noch andere Symptome aufgefallen?

Dies sind typische Fragen, die Ihnen Ihr Tierarzt unter anderem vermutlich stellen wird. Danach wird der Arzt eine gründliche klinische Allgemeinuntersuchung durchführen. Um festzustellen von wo die Lahmheit ausgeht bzw. wo der Auslöser liegt, wird außerdem eine orthopädische Untersuchung gemacht. Ist die Region eingegrenzt, müssen weitere spezielle Untersuchungen eingeleitet werden, um eine Diagnose stellen zu können:

Röntgenuntersuchung

Osteosarkom beim Hund

Typische Veränderungen im Röntgenbild bei einem Hund mit Osteosarkom im Oberschenkel. Der Tumor ist als dunkler, wolkiger Fleck im hellen Knochen sichtbar. (Bildquelle: Joel Mills, Canine osteosarcoma, CC BY-SA 3.0)

Die Anfertigung von Röntgenbildern der betroffenen Gliedmaße ist eine der wichtigsten Untersuchungen bei Lahmheit bzw. Verdacht auf Knochenkrebs. Damit kann der Tierarzt den Knochen und seine Struktur beurteilen. Häufig sind die Veränderungen am Knochen bei einem Osteosarkom so typisch, dass der Tierarzt nach einer Röntgenuntersuchung bereits einen starken Verdacht auf die Erkrankung äußern kann.

Lässt das Röntgenbild ein Osteosarkom vermuten, sollte auch die Lunge geröntgt werden, um mögliche Metastasen zu entdecken. Zwar sind diese, wie oben bereits erwähnt, bei Katzen mit Osteosarkom eher selten, dennoch sollten sie vor Beginn einer Therapie ausgeschlossen werden.

Sprechen sowohl Röntgenbilder wie auch Symptome für das Vorliegen eines Osteosarkoms, kann der Tierarzt eine mutmaßliche Diagnose äußern.

Für eine definitive Diagnose ist jedoch eine Untersuchung des Tumorgewebes durch einen Pathologen notwendig. Eine Biopsie, also die Entnahme einer Gewebeprobe aus dem veränderten Knochen ist jedoch oft schwierig und birgt Risiken (Infektion, Stabilitätsverlust). Manchmal kann auch die Größe des entnommenen Gewebestückes nicht ausreichend für eine sichere Aussage des Pathologen sein. Aus diesen Gründen sollte eine Biopsie bei Verdacht auf ein Osteosarkom nur von einem erfahrenen Tierarzt durchgeführt werden und Nutzen und Risiko gut abgewogen werden.

Um den Gesundheitsstatus der betroffenen Katze zu bestimmen und andere Erkrankungen auszuschließen, ist außerdem eine Blutuntersuchung zu empfehlen.

Behandlung des Osteosarkoms bei der Katze

Bei einem Osteosarkom an der Gliedmaße ist die Amputation (Abtrennung) des betroffenen Beins die Therapie der Wahl. Durch die Operation wird der schmerzverursachende Tumor entfernt und die Lebensqualität der Tiere deutlich verbessert. Fast alle Katzen kommen mit drei Beinen sehr gut zurecht und gewöhnen sich schnell an die neue Situation. Da Osteosarkome bei der Katze selten Metastasen ausbilden, ist es nach einer Amputation in der Regel nicht notwendig eine Chemotherapie anzuschließen.

Eine alleinige Schmerztherapie ohne Amputation, ist in den meisten Fällen leider nicht ausreichend um der Katze eine gute Lebensqualität zu bieten.

Die chirurgische Entfernung von Osteosarkomen, welche nicht an der Gliedmaße sitzen, ist aus anatomischen Gründen oft schwierig. In diesem Fall ist eine Kombination aus Operation und anschließender Strahlentherapie eine Therapieoption. Wird der Tumor nämlich nicht vollständig entfernt, kann es schnell zur Rückkehr der bösartigen Zellen kommen.

Prognose beim Osteosarkom der Katze

Die Prognose beim Osteosarkom ist vorsichtig. In aller Regel kann die Erkrankung nicht geheilt werden. Im Schnitt überleben die Katzen nach einer Amputation jedoch mehrere Jahre (etwa 2-4 Jahre). Da Osteosarkome, die nicht an der Gliedmaße sitzen, häufig nicht vollständig entfernt werden können, ist die Prognose hier deutlich schlechter. Die Tiere überleben nach der Diagnose durchschnittlich etwa 6-7 Monate.

Vorbeugung

Leider gibt es nach heutigem Wissensstand nichts, was man tun kann, um die Erkrankung zu verhindern.

Quellen

17. Februar 2019

Von Dr. Stefanie Mallmann

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